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Nr. 290.

-rster Zahrgang.

CllUlerNeMNchruhten

3. Beilage.

Sonntag, 12. November 1911.

Vorträgen dem Volke geben will. Wenn man aber einmal dem Volke gibt, dann sollte man auch mit vollen Händen geben, damit die Emp­fänger eine reine Freude an der Gabe haben, und ihnen nicht immer noch zum Bewußtsein gebracht wird, daß sie eben nur „bas Volk" sind, für das es so gerade gut genug ist.

E. M.

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Teuerung ja, Lustbarkeit aber auch!

Die Klagen über die „unerhört« Teue« r u ng" und die damit in Zusammenhang ste­henden unerfreulichen Erscheinungen hören nicht auf und im Gegenteil, sie werden immer lauter und eindringlicher. Zugegeben auch, daß die Lebenshaltung allgemein eine erheb­liche Verteuerung erfahren hat: Haben im Zu­sammenhang damit aber auch etwa die V e-'r- gnügungen abgenommen oder sind der öffentlichen L u st b a r k e i t e n weniger geworden? Kaum! Ein Blick in die Tages- presse ist der überzeugendste Beweis dafür. Run sollte man allerdings annehmen muffen, daß in Zeiten allgemeiner Teuerung auch der Zwang zur Sparsamkeit sich stärker gel­tend machen würde, also in erster Linie doch wohl hinsichtlich der durchaus überflüssige» Ausgaben für Vergnügungen, Lustbarkeiten und so weiter. Seltsamerweise ist indessen statt dieser naturgemäßen Folgeerscheinung das Gegenteil zu beobachten: Das Ver­gnügen hat trotz der Teuerung eher zu- als abgenommen, und es gehört kein großes Re­chentalent dazu, um feststellen zu können, daß die Riesensummen, die Tag für Tag dem Ver­gnügen geopfert werden, hinreichen würden, um die s ch l i m m st c n Uebelstände der Teue­rung gänzlich zu beseitigen. Merkwürdiger- weise nfroT scheint allgemein der Grundsatz zu gelten: „Beim Vergnügen hört die Teuerung auf!" Und so kann man sich denn auch nickt über die unausbleiblichen Folgen wunder» ' Frau E. P.

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Kino und Polizeizensur.

Gefreut habe ich mich, daß sich der Verein zur Bekämpfung von Schmutz und Schund in Wort und Bild mit den Auswüchsen im Kinr- matographenwesen befaßt hat. Vieles, was man in diesen neuzeitlichen Theatern zu sehen bekommt, ist wirklich haarsträubend. Und den­noch besteht in Cassel eine polizeiliche Zensur. Ob die Herren sich jeden einzelnen Film vor­fuhren lassen? Ich glaube kaum. Vielmehr wird man (tote erzählt wirbt nur an Hand der von der Berliner Zensurbehörde vorgenomme- nen Film-Aussonderung die Maßregeln tref­fen. In jener Vereinsversammlung sagte drum ein Redner mit Recht: „Was für Berlin gut ist, ist für Cassel noch lange nicht gut." Es wäre zu wünschen, wenn der Vorstand des Vereins die angekündigte Kontrolle rückhaltlos durch­führen und die Behörde in ihrem Bemühen, anstößige Films auszuschalten, unterstützen wsirde. Ich bin kein Feind des Kinematogra- vhen. denn ich kenne seinen Wert. Aber ich bin nur dann Freund dessel­ben. wenn er dezente Bilder vorführt, die un­terhalten und belehren. F. L.

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Ws soffen die Kinder Mele»?

Haben die Schutzleute das Recht oder den Befehl, die spielenden Kinder vor dem Rathause lum den Brunnen herum) zu verjagen? Es stört doch sicher keinen Menschen, wenn die Kinder im harmlosen Spiel den Platz vor dem Rathause benutzen. Wo soll man denn die Kinder in den paar schulfreien Nachmittagsstunden, hinschicken? Es geht da­her das höfliche Ersuchen an die zuständig« Bebörde, die Schutzleute dahin zu instruieren, daß die Kinder in Zukunft nicht mehr verjagt und kopfscheu gemacht werden. W. S.

Jas Publikum.

®te Rubrik: „Das tpubtttirm* stellt Me Redaktion der Oesientltchkett jum allgemeinen Meinungsaustausch p,r Verfügung. Alle dafür besttmmten Einsendungen müssen die genaue Adresse beS Verfassers tragen (der Name des Einsenders bleibt RedaMonsgebetmnis); auch können bei der veröksentlichung nur Einsendungen sachlichen JnbaltS berücksichtigt werden und die Redakrton übernimmt dafür nur die pre-gesetzliche Verantwortung.

Soziale Fürsorge fät unsere Kleine».

In den verschiedenen Theatern in verschie­denen Stücken kann man oft beobachten, wie in manchen Szenen Kinder b e s ckä f t i g t wer­den. So wundervoll und lieblich die Kleinen dort oben anzuschauen sind, so mutz man doch unwillkürlich fragen, ist es erlaubt, datz Kinder abends um zehn oder oft nach cif Uhr noch im Theater mimen? Die Frage ist hier so be­rechtigt, als man. oft hören kann, daß Frauen, die das Leben dazu zwingt, srüh morgens Ge­bäck auszutragen, und hier ihre K in d e r zur Hilfe heranziehen, ost bestraft werden, da das Gesetz die Beschäftigung Minderjähri­ger und der Kinder verbietet. Wir haben ge­rade in der richtigen Erkenntnis der Sachlage in sozialer Fürsorge für die Kinder und Min­derjährigen viel getan, und wollen noch mehr leisten. Staat und Private wetteifern in dieser Beziehung. Hört und empfindet man aber diese offenen Gegensätze, so muß man fragen, warum ist denn einem erlaubt, was dem an­dern verboten ist? Wenn von einer hart um das Leben kämpfenden Frau, weil sie die eige­nen Kinder bei der Erhaltung der eigenen Fa­milie unterstützen, die Geldstrafe unweigerlich bezahlt werden mutz, um wieviel müßte das nicht erst geschehen bei Kindern, die zu nächt­licher Zeit noch vor der Rampe sitzen! Diese Stücke würden, wo man in ihnen doch ost die wirkungsvollsten Szenen streicht, auch ohne die­sen Abschluß mit Engeln und Büßerinnen sdenn um solcke Schlußauftritte handelt es sich meistens) ebenso schon wirken, oder man würbe auch andere Kräfte hierzu finden. Für die Eltern sei aber die Mahnung angeknüpst, man soll der Fugend nicht die goldene Zeit der Jugend dadurch rauben, daß man sie an Plätze, an Wege des Lebens stellt, wohin sie auf keinen Fall gehören. Der Jugend die Zeit der Rosen mit Spiel und Scherz, das Spiel des Lebens aber den Erwachsenen . . . .

C. A.

•' 3m vaterländische» Frauen-Berein.

Vor einigen Tagen feierte der Vaterlän­dische Frauen-Verein den hundertjährigen Ge­burtstag der ersten deutschen Kaiserin, der wir die segensreiche Einrichtung des Roten Kreu­zes verdanken. Zur Feier' des großen Festes war die Aufführung eines F e st s p i e l s an­gesagt, die, da erste Künstler ihre Mitwirkung in Aussicht gestellt hatten, recht verlockend zu werden schien. Ich hatte von dieser Aufführung auch gelesen, und da ich Interesse für derar­tige Veranstaltungen habe, besorgte ich mir ein Billett. Karlen zu drei, zwei und einer Mark sollten, nach den Zeitungsinseraten, zur Aus­gabe kommen, und da ich nicht gerade beson­ders mit Glücksgütern gesegnet bin, begnügte ich mich mit einem Platze zu zwei Mark, in der angenehmen Hoffnung, von diesem Platz auch einen wirklichen Genuß von der Auffiihrüng zu haben. Allein, keiner war enttäuschter als ich. Schon der Aufdruck: Oberraum, zweite Reibe, auf der Karte machte mich stutzig, doch ich konnte mich ja auch getäuscht haben. Wohlge­mut machte ich mich denn am Dienstag abend auf. voller Freude auf den bevorstehenden Ge­nuß. Aber ich hatte mich zu früh gefreut. Mein Platz befand sich auf der Seitengalerie in der zweiten Reihe, und da im Stadtpark die Hinteren Stuhlreihen nicht erhöht sind, war es mir einfach unmöglich, etwas zu sehen. Ich mochte mich drehen und wenden, wie ich wollte, wenn sich nicht zufällig manchmal eine der Damen, die die Plätze in der Reihe vor mir innehatten, zurückgelehnt hätte, dann hätte ich überhaupt nichts gesehen. So gelang es mir, wenigstens ab und zu einen flüchtigen Eindruck von den Bildern zu bekommen, aber von einem Genuß konnte absolut keine Rede sein. Die Veranstalter des Abends hätten wissen müssen, datz von der zweiten Reihe der Galerie aus nichts zu sehen ist, und deshalb war es einfach, um mich gelinde auszudrückey, unangebracht, für diese Plätze zwei Mark zu fordern. Andere Damen, die neben mir satzen. beschwerten sich gleichfalls darüber, datz sie für ihr gutes Geld nichts fehen konnten. Hoffent­lich bedenkt man den eben gerügten Mißstand bei eventuellen weiteren Veranstaltungen und stellt ihn ab. R. B.

Da» „Nachwort zum ersten Bolksvortrag".

In der Nummer 284 dieser Zeitung in der Rubrik „Das Publikum" gestattet sich ein Herr X. J. eine recht boshafte Entgegnung aus mein unter obiger Spitzmarke veröffentlichtes Eingesandt vom 29. Oktober. Ich denke nicht daran, die bissigen Bemerkungen und Anzap­fungen des Herrn X. J. in gleicher Weise zu er­widern, gewundert habe ich mich nur darüber, wie ein Mann, der sich doch höchstwahrschein­lich zu den Gebildeten zählt, so unangenehm persönlich werden kann, wenn ihm persönlich niemand etwas zuleide getan hat. Ich habe durchaus nicht beabsichtigt, der Gesellschaft für Gemeinwohl irgendwie zu nahe treten zu wol­len, und ich hatte mich nur zu dem Eingesandt entschlossen, weil, so ost ich die Volksvorträge be­sucht habe, eine Ueberfüllung des Saales kon- ,tattert werden mutzte, und weil ich glaubte, den Besuchern der Volksvorträge mit meinem Ein­gesandt einen Dienst erweisen zu können. ^Da ich nickt ständig die Volksvorträge besuche, ist auch die Bemerkung hinfällig, datz ich für jeden Vortrag nur 2)4 Pfennig bezahl«. Herr X. j. scheint ‘her Meinung zu fein (da er mich mit „gewisse Herrschaften" tituliert;, datz ich zu den Leuten gehöre, die aus lauter Langeweile und weil sie nichts Besseres zu tun haben, in die Volksvorträge gehen, um sich dort nach aller Bequemlichkeit herumräkeln zu können. Da ist er sehr im Irrtum, und ich will ihm nur jagen, daß ich mir die Zeit zum Besuch der Volksvor-

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@053® Sie Gründung Hersfelds.

In tiefem Schweigen lag der unübersehbare Wald. Die Sonne eines beißen Jumtages des Jahres 743 nach Christus begann zu sinken, als langsam, mit den unverkennbaren Zeichen gro­ßer Erschöpfung eine kleine Karawane von Norden kommend, einer Waldlichtung zustrebte. „Wir werden wohl auch in Vieser Nackt im Walde zubringen müssen." sagte der erste der drei Wanderer, welche ihre Saumtiere an den Halftern mit sich zogen. „Wohl, suchen wir uns einen Lagerplatz: hätten wir nur etwas Wasser für die Tiere und ein wenig Speise zur Stär­kung für uns," antwortete der Begleiter. „Der Herr gibt allen ihre Speise zu seiner Zeit, laß uns nicht sorgen um das, was wir essen u stinken werden, sagte in etwas tadelndem Ton der erste. Ter also Belehrte senkte den Kops und meinte nur noch etwas zaghaft: „Ein wenig Wasser für die Tiere finden wir wohl, wenn wir uns der Senkung des Berges zuwenden, wo vielleicht eine Quelle sprudelt." Sein Rat wurde befolgt und die wegmüden Wanderer, deren Dritter den Rang eines Dienenden zu haben schien, ergriffen von neuem die Zügel ihrer Saumtiere und wanderten in der ange­gebenen Richtung quer über die Waldwiese hinab. Mühsam arbeiteten sie sich durch de» dichten Wald und sahen ihre Erwartungen übertroffen durch das Bild, das sich bald ihren entzückten Blicken darbot. Ein liebliches Tal, durch das em von der Abendsonne voll beleuch­teter Fluß in sanfter Windung sich zog. be­grenzt von malerischen, dicht bewaldeten Ber­gen. lag zu ihren Füßen. Schweigend und sin­nend standen sie versunken in dem Anblick.

Endlich brach Sturm, der anscheinend der be­deutendste der drei Männer, das Schweigen mit den Worten: „Trugt mich nicht alles, so ha­ben wir hier gefunden, was wir suchen! Laßt uns dem Herrn danke» und ihn bitten, daß er uns hier eine Stätte bauen lasse, wo Seines Namens Ehre wohnen mag. Sturm und fein Gefährte Lullus waren von Bonifatius aus Fritzlar entsandt, um in der Buchoinia ei­nen neuen Ort zu suchen, wo man das Kreuz aufrichten und die Bekehrung der heidnischen Bevölkerung, besonders nach Thüringen hin, fortsetzen könne. Die Männer, in ein langes, wollenes Gewand gekleidet, das ein Gürtel um den Leib zusammenhielt, die Köpfe mit breit­randigen Hüten bedeckt, machten in bieter Ge­gend den Eindruck des Fremdartigen. Diefen Eindruck f(bienen sie wenigstens auf eine hoch- gewachsene Jungfrau zu machen, welche, an den Stamm einer Eiche gelehnt, voll Staunen aus einiger Entfernung das Gebaren der Fremdlinge beobachtete. Sie schien in dem na­ben Gebüsch Waldbeeren gepflückt zu haben, denn ein damit gefülltes Körbchen hing an ihrem Arm. Gewahrend, datz man ihre Räbe bemerkt, trat sie freimütig näher und griitzte mit edelm Anstand die Reisenden. „Ihr sucht wahrscheinlich den Weg ins Tal hinab?" fragte sie. Darauf Sturm: „Du vermutest richtig, edle Jungfrau, und es fcheint, als wolltest du uns gern Auskunft geben." „Nicht nur das, Ihr frommen Väter, ich will Euck dahin führen, wo man Euch gerne aufnimmt, fo Euch das lieb fein sollte," erwiderte die Jungfrau. Bedeu­tungsvoll fah Sturm feinen Begleiter Lullus an, in die Worte ausbreckend: „Er wird Dir feine Wege zeigen!": zu der Jungfrau gewandt: „Tank dir, du Gute, für die frohe Botschaft, wir sind bereit, dir zu folgen!" „Zuvor erquickt Euch an diesen Beeren. Ihr werdet hungrig und durstig fein."

Mit diesen Worten bot die Jungfrau ihren Vorrat dar und mahnte, als die Fremden ihren Durst gelöscht, zum Ausbruch: „Tie Son­ne fhtft, laßt uns eilen, daß nicht die Nacht uns überrascht." Leichten Fußes schtttt sie voran, den Weg zu zeigen. Sturm blieb ihr zur Seite, während die andern die Tiere nachführten. Ihn drängte es, sich Ausschluß über das furcht­lose und sreundliche Entgegenkommen seiner Begleiterin zu verschaffen. „Ich bin erstaunt, meine Tochter, daß du, ohne zu wiffen, wen du vor dir hast, so surchttos mit völlig Frem­den allein gehst und sie aufforderst. deine Gäste zu sein." „Bei uns," antwortete lächelnd die Jungftau, „ist es nicht Sitte, erst nach dem Na­men zu fragen, ehe man Gastfreundschaft ge­währt. Doch sollst du meinen Namen wissen. Nenne mich Bertha." „Aber fürchtet denn Ber­tha nicht, ben ihrigen unwillkommene Gäste .zuzuführen?" „Ich denke, das Wort „Herber­get gerne!" sollte dir nicht unbekannt sein," ent« oeanet« Bertha, gespannt zu dem Fragenden aufschauenb. Im höchsten Grade betroffen, hielt Sturm die Schritte an und dem erwartungs­vollen Ausdruck seiner Führerin begegnend, rief er bewegt aus: „Das Wort kenne ich gar wohl, aller woher, Bertha, hast du das Wort?" „Von meiner Mutter," sagte lächelnd und be­friedigt das Mädchen. In tiefes Nachdenken versunken folgte ihr Sturm: dock allzu lange ließ Bertba ihm nicht Zeit, den ■vunberbaren Wegen Gottes nachzusinnen, in die, vorerst noch dunkel, ein Einblick sich ihm eröffnete. „Ich sehe." nahm sie das Gespräch wieder auf, „daß bu über bas, was ick dir sagte, nachsinnst: tch will bir Aufklärung geben, damit du mit heiterm Herzen über unsere Schwelle treten kannst in dem Bewußtsein, daß bu und deine Begleiter uns als Gäste willkommen sind. Ich hörte dich zu deinen Genossen sagen, daß Ihr den Herrn bitten wollet. Euch hier eine Stätte zu berei­ten. wo Seines Namens Ehre wohnen möge!"

"Daß Ihr nicht Priester Wodans ober Thors

seid, sagt mir Euer Aussehen. Ihr werdet also dem eine Stätte bauen wollen, der der Herr ist des Himmels und der Erde, zu dem meine Mut­ter betet." „Ja, deshalb sind wir gesandt, das wollen wir, so er dazu Kraft und Segen gibt!" antwortete Sturm. „Wohl," fuhr die Jung­srau fort, „darum bittet meine. Mutter lange schon! Du siehst, was mich bewog, vertrau­ensvoll zu Euch zu treten und daß Ihr nicht als Fremdlinge, sonbern als Boten dessen, der Gebete erhört, über unsere Schwelle gehen wer­det!" Jetzt hatten die Wanoerer den Abstieg des Berges hinter sich und standen an der Stelle, an der in späterer. Zett, der Grundstein zu einem der mächtigsten Dome gelegt wurde. Alte, ehrwürdige Bäume standen einzeln da und ein frischer Rajen- und Moosteppich, üppig vegetierend durch die Feuchtigkeit eines nahen, klaren Quellbaches breitete sich im Lickte des Vollmondes darunter ans. Erschüttert und tief ergriffen stand Sturm hier vor der Jung­frau, die in ihrer Lieblichkeit, im vollen Glanz des Mondes, wie ein Bote des Himmels an« zuschauen war. Er wandte sich ab. seine Be­wegung zu verbergen, aber sie war zu mächtig. Das Wort, das Bertha ahnungslos geredet, war ihm ein Zeichen, daß an feine Sendung sich Heil und Segen knüpfen werde und daß hier der Ort sei. den Gott sich erwählt. ES zog ihn nieder auf feine Kutte und ein heißes Dank­gebet für den Schutz und die Leitung des All­mächtigen und die Bitte, daß Er diese Stätte segnen wolle, entströmte seinen Lippen. Das war der Weihespruch der Stadt Hersfeld. Nach­dem er sich erhoben, sprach er zu der Jungfrau: „Dick hat der Herr gesendet, uns zu führen. Dank sei bir, und Der dich zu unserer Füh­rerin erkoren, Der segne dich immerbar!"

Bewegt von der Ergriffenheit des Mannes, aber unfähig, ihre Ursache zu erken­nen, meinte Bertba verlegen: „Solchen Dan­kes ist mein Dienst wohl nicht wert: kommt, cs ist Zeit, daß Ihr zur Ruhe gelangt. Folgt die­sem Psade, er bringt Euch zu unferm Hofe: das Licht, das Ihr dort fchimmern feht. weist Euch den Weg. Ich gehe durch das Gebüsch voran, meiner Mutter Eure Ankunft zu melden." Eilig ausschreitend, verschwand sie. Sturm blickte noch einmal umher, um sich diesen Platz zu merken, und folgte bann mit feinen Beglei­tern langsam auf dem bezeichneten Wege. Freundlich schimmerte das Licht aus der Be- -hauisuna Berthas ihnen entgegen, und bald hatten sie bas eingezäunte Gehöft erreicht, an dessen Tor schon ein paar Knechte die Ankom- menben erwarteten unb die Tiere zur Besor­gung ihnen abnahmen. Auch Bertba kam jetzt raschen Schrittes aus der Tür der Wohnung, ihnen.freundlich zurufend: „Tretet ein. Ihr werdet müde sein von der beschwerlichen Rei­se!" Sturm und Lullus folgten der Einladung, während der dienende Bruder vorerst bei den Tieren zurückblieb. In der Halle empfing sie die Herrin des Hauses. „Friede fei mit bir unb beinern Haufe!" so trat Sturm ihr entge­gen. „Gelobt fei Gott, ber Gebete erhört!" war ihre Antwort. „Dein Gruß fagt mir, -daß mei­ne Tochter mir recht berichtet Bat; feib will­kommen in meinem Haufe, unb möge ber Herr Euer Vorhaben fegnen." „Amen," sagte Sturm. „Ihr werdet der Ruhe bedürfen," fuhr Klo­thilde, die Mutter Berthas, fort, „Laßt Euch nieder an meinem Herde, und bu, meine Toch­ter. forge für Speise und Trank'" Wirklich machte sich bei ben Reisenden jetzt Müdigkeit unb Hunger nach der anstrengenden Wande­rung geltend.

Bei der Spannung jedoÄ, in der sie sich führerlos in der Einöde durch Dick und Dünn gearbeitet, waren ihnen die leiblichen Bedürfnisse nicht so sehr zum Bewußtsein ge­kommen, als jetzt nach vollbrachtem Werk. Es tat ihnen wohl, daß durck Berthas Sorgsam­keit bald ein kräftiges, ländliches Mahl für sie bereit stand, unb bie um ihre Bebienung forg- lich bemühten Frauen iahen sich durch bas Be­hagen ihrer Gäste reichlich belohnt. Das Mahl war beendet und die Danksagung gesprochen. Während die Wirtin mit ihrer Tochter die Reste des Mahles beseitige, weilte Sturms Auge auf einem einfachen Kreuze, das über dem Ka­min, von einem Kranz Feldblumen umgeben, feinen Platz hatte. Unter diesem Zeichen zu streiten war er gekommen. Hier war es schon aufgerichtet. Als die Frauen, die für ihr« Gä­ste das Lager bereitet hatten, wieder eintraten, fanden fie biefelben in tiefen Gedanken. Klo­thilde fagt«: „Euer Lager ist bereit, ich werde Euch zu demselben führen." „Obgleich wir die Ruhe fehr wohl gebrauchen können, ift mein Geist doch mehr mit Gedanken befchästigt. als dem Schlummer zu geneigt. Du hast uns als Freunde gastlich emvfangen, dos Zeichen, bas ich bart erblicke, erklärt mir bas. doch ick er­wartete nicht, es hier zu finbett, sonbern es erst bringen zu müssen. .Sage mir, ist bas Wort vom Kreuze hier schon lange gepredigt, unb sind hier mehrere, bie es angenommen haben, gleich bir?" „Leider nein," erwiderte mit ei­nem Seufzer die Frau. „Ich stehe hier mit meinem Glauben allein: die alten Götter sind noch mächtig in den Herren unfrer Nachbarn. Doch davon ein andermal. Ihr werdet müde iein." Und sie geleitete ihre Gäste zu dem für sie bereiteten Nachtlaaer, auf dem sie danker­füllt den Schlaf der Gerechten fckliefen. Und tiefer Friede lagerte über ber Stätte ..(Ein

Lcklutzartikel wirb folgen.)

F. von Wettesingen.

trage stehlen muß, uyb daß es ihm, wenn et den ganzen Tag über angestrengt arbeiten muß, gewiß auch nicht angenehm oder leicht ist, nock eine ober anderthalb Stunden stehend einen Vortrag anznhoren. Und so wie mir wird es sicher nock vielen gehen, die überanstrengt und

abgearbeitet in bie Volksvorträge kommen, um dort ihr Wissen zu erweitern. Absolut fern hat es mir gelegen, die Mühen unb Aufwänbe aller Art zu verkennen, der bie Veranstalter ber Abenbe sich unterziehen; ich weiß sehr Wohl bas alles zu schätzen, was man mit den VolkZ-

Ausgiebigster Kaffee-Ersatz. Uebertrifft alle GetreMekaffees an Wohlgeschmack. Nur über brühen! ■.

„Perlka“ ist überall zu haben,