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Nummer 287.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 9. November 1911.

1. Zahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Gerichtstag!

Am Vorabend der Marokko-Debatten.

Was seit Wochen, seit Monden schon im Kreis Vertrauter geflüstert worden, ist heut al­ler Welt offenbar: Wider des fünften Kanzlers himmelwärts ragende Hagerkeit ballt sich drohend Unheil zum nahen Wetter­schlag zusammen, und die stoische Ruhe philo­sophischer Unempfänglichkeit kann Herrn von Bethmann HoLweg nicht länger vor der pein­lichen Erkenntnis schützen, daß es um ihn her beängstigend still und einsam geworden ist und er mit resignierter Ueberzeugung sagen darf: Ich steh' allein aus weiter Flur! Daß des »lieben Bernhard" weniger geschätzter Erbe an höchster Stelle nie sonderliche Svmpathien zu wecken vermocht hat, würde als der Uebel größtes nicht beklagt zu werden brauchen (Bern­hard Bülow war ein Virtuose der Causerie, ein blendender Gesellschafter, ein meisterlicher Whistspieler und im bunten Rock der Bonner Königshusaren auch militärisch eine repräsen- table Figur: Alles Dinge, die an Herrn Theo­bald von Bethmann leider nicht zu rühmen find); auch die Tatsache, daß einige Mitglieder des Kaiserlichen Hauses in der Politik des Kanzlers die Hand des Verhängnisses wittern, könnt« über den Wert oder Unwert der Aera Bethmann noch nicht entscheiden (auch der Vorgänger war mancher Hofgröß« ein Dorn im Auge, als er noch im Strahlenglanz kaiserlicher Huld sich sonnte), daß er es aber nicht einmal verstanden hat, der Stimmung im Reich in einem Moment politischer Hochspan­nung auch nur für Stunden Rechnung zu tragen: Das ist's, das die Kanzlerschaft des grübelnden Philosophen der natürlichen Exi­stenzberechtigung entkleidet.

Man wird am nennten und zehnten Novem- bertag im Reichsparlament über die Misere unsrer auswärtigen Politik Gerichtstag halten, und man darf der Hoffnung Raum ge­ben, daß die Sünden der letzten Monde Rich­ter finden weiden, die sich nicht scheuen, das Schwert der Gerechtigkeit blitzen zu lassen. Von Hehdebrand bis Bebel herrscht über die Küm­merlichkeit unsrer Diplomatenarbeit nur eine Stimme, und diese Stimme ist (mag sie im Ton auch noch so merklich variieren) eine vernichtende Kritik des herrschen­den Systems. Dieses System deckt der Kanzler mit seinem Namen und mit seiner ver­fassungsmäßigen Verantwortlichkeit, und es ist eine unerläßliche Notwendigkeit, daß er auch die ungeminderte Last der Konsequenzen trägt, die sich aus der Unzulänglichkeit der ge­leisteten Arbeit von selbst ergeben. An sich mag's ein Unding sein, daß ein Kanzler, der nach seinem eignen Bekenntnis dem auswärti­gen Reichsgeschäst als Fremder gegenüber­stand, als er zur Uebernahme deS Bülow-Er­bes berufen ward, die Verantwortung überneh­men kann für Dinge, deren Beurteilung auch heut noch seiner ganzen politischen Erkennt- nisfähigkeit entrückt ist, und die er lediglich aus den Vorträgen kennt, die ihm in lang ausge­dehnten Intervallen der der Kanzlergewalt unterstellt« Staatssekretär des Auswärtigen Amts über die dürstige Entwicklung des deutsch­französischen Marokko-Geschäfts gehalten hat: Der erste Kanzler des Reichs war ein Genie in der Formung der Weltpolitik: der fünfte steht ihr, gewissermaßen als interessierter Zu­schauer, mit der Anteilnahme des Laien gegen­über!

Eine Welt horcht in diesen Rovembertagen auf die Worte, die der dem Reich und dem Volk verantwortliche Mann im Kanzleramt zur Rechtfertigung unsrer Niederlage im Marokko­spiel vor den Erwählten der Volksgemeinschaft sprechen wird. Die Idee der Kanzler-Rede ist durch die Emsigkeit offiziöser Schreiber der Oeffentlichkeit bereits zugeflüstert worden: »Die große politische Tragweite des Ereignisses darf uns milde stimmen und kleine Schönheftsfehler im Kiderlen - Cambon- Protokoll übersehen lassen. Die Riesenziffer neu-erworbner Kolonialbesitz-Quadratkilometer ist schließlich auch kein Pappenstiel, und wenn ivrr vom Nachbar wirklich (wie's in Paris, in London und an anderen Orten schmunzelnd rrzahlt wird) über's Ohr gehauen wurden, darf uns doch der süße Trost erheitern, daß nun endlich ein schwerer Stein des Anstoßes durch «inmütigliche Friedensarbeit aus den Weg geräumt und einer Verständigung zwischen den beiden nachbarlichen Rationen die Bahn Srebnet ist!" So (oder ähnlich) haben offiziöse Federn uns die bittre Pille zu versüßen ver- wchr, und auf diesen Ton wird wahrscheinlich auch hex Kanzler seine Hymne stimmen. Die Tatsache indessen, daß die Marokko^lktion kür Deutschland zu einem üblen Abenteuer ge- «ordeu tft dem schließlich kein Sterblicher mehr!

ohneLächeln folgen konnte,wird dadurch nicht aus der Welt geschafft, und wer angesichts der phä­nomenalen Kilometerziffer des nachbarlichen Kongogeschcuks noch eine leise Hoffnung hegen mochte, ist durch Lindequist's heroische Demon­stration noch in letzter Stunde eines Bessern belehrt worden.

Herr von Bethmann Hollweg ist um den Mut zu beneiden, der ihm die fröhliche Unver­zagtheit gibt, als Vertreter und Verteidiger der Marokko-Blamage überhaupt noch vorm Reichstag zu erscheinen. Was er auch in den Tagen derSchonzeit" ergrübelt haben möge an verzweifelten Rechtfertigungsdenkbar- keiten seines Systems ofienkundiger Unzuläng­lichkeiten: Es wird vom Sturm der Entrüstung hinweggefegt werden wie die Spreu vorm Winde, und wenn Eines den mit der Last der Verantwortung Bebürdcten entschulden und das Gewicht der Anklage mindern könnte, so wäre es die Erkenntnis, daß ein Kanzler, der in der auswärtigen Politik nie eigne Erfah­rungen gesammelt hat, und der erst dann den Geheimnissen der Wilhelmstraße freiftun» den-eifrige Aufmerksamkeit zuwandte, als ihm das Amt des verantwortlichen ersten Reichsbe­amten überkommen, nicht in vollem Matze ver­antwortlich gemacht werden kann für Dinge, die den Horizont seines kritischen Erkenntnis­vermögens überragen. Mit andern Worten: Man muß dem fünften Kanzler mildernde U m st ä n d e zubilligen, etwa in dem Sinne, wie man den Sünder entschuldet, der bei Be­gehung der Uebeltat der Tragweite der Hand­lung sich nicht bewußt gewesen. Mit dieser Entschuldung ist 'allerdings für Herrn von Beth­mann Hollweg die Gewissensfrage untrennbar verbunden: Kann jemand im Deutschen Reich Kanzler sein, dessen verfassungsmäßige Verant­wortlichkeit sich lediglich auf das Vertrauen in die Sachkenntnis untergeordneter Amtsstellcn stützen kann? Und die Beant­wortung dieser Frage kann in einer Zeit, die so überreich an Enttäuschungen und so arm und dürftig an bescheidensten Erfolgen war, wirk­lich nicht zweifelhaft sein! F. H.

Vorspiel zur Marokko-Debatte.

(Von unferm parlamentarischen Mitarbeiter.) Der Reichstag hat gestern beschlossen, die Debatte über die Denkschrift des M a rokkovertrags von Mittwoch auf Donnerstag zu vertagen, da die Mtt- glieder des Reichstags erst eingehende Kenntnis von dem Vertrage nehmen sollen.

Man merfte es gestern an der ganzen Stimmung im Reichstag, daß He Vorflut der großpolitischen Debatten hineinspielte. Nervöse Unruhe drinnen im Saal und drau­ßen in den Foyers. Depeschenboten hasteten dort hin und her und es herrschte starke Nach ftage nach den Vorsitzenden der Fraktionen, He darin im. Flüsterton gewichtige Wort« zu der aufhorchenden Umgebung sprachen. Jeder neue Ankömmling heischte Auskunft über die in schneller Folge auftauchenden Gerüchte, in deren Miftelpuntt begreiflicherweise die be­vorstehende Rede des Reichskanzlers stand. Bald hieß es, er werde die Debatte mit seinem Marokko- und Kongo-Expose ein» leiten und den Interpellationsrednern an heftngeben, am nächsten Tage ihre Raisonne- ments vom Stapel zu lassen, damft seine Rede, losgelöst von allem kritischen Rankenwerk, mit voller Wirkungskraft in die Lande «ehe. Bald wollte man wissen, einige Fraktionsführer widerstrebten solcher Methode; sie beharrten darauf, daß die Stimme des Volkes unmit­telbar im Anschluß an die Kanzlerrede zu ihrem Recht komme

Diese vom taktft'chen Dtandpuutt keines­wegs belanglose Streitfrage, zu der der im Hause anwesende Unterstaatssekretär in der Reichskanzlei, Geheimrat Wahuschaffe. ver­traulich den Anlaß gegeben batte (indem er den Wunsch Herrn von Bethmann Hollweqs den Parteiführern mitteilte), diese Streit­frage wurde dann im Saale lebhaft weiter erörtert, während die Debatte über den neu­en Handelsvertrag mit Japan, von Wenigen beachtet, ziemlich eintönig sich ab- wickelte. Staatssekretär Delbrück hielt dabei wieder den Rekord der Temveramentlosigkeit. Wohl hätte diese handelspolitische, stellenweise lehrreich« Aussprache, ein aufmerksameres Auditorium verdient und auch gefunden, wenn nicht eben der Schatten der Afrikadebatt« immer toller sein Spiel getrieben hätte. In vorgerückter Stunde stand die Sache so. daß die Fraftionen sich zu demMonopol"-Wunsch Herrn von Bethmanns einmütiglich ableh­nend verhieften. Am Donnerstag wird der Kampf beginnen und man darf auf den Aus­gang gespannt sein! -rs-

.Dementierte Kaissrworte.

(Telegramm unseres Korrespondenten.)'

Ein Nürnberger Blatt brachte gestern eine Berliner Meldung, wonach der Kaiser vor etwa fünf Monaten den KrieaSminister und

den Staatssekretär des Reichsmarineamts da­nach befragt hätte, ob Deutschland tatsäch­lich aktionsbereit sei, und diese Frage hätte von feiten des Herrn von Tirpitz unter näheren Aufzählungen der stichhaltigen Gründe entschieden verneint werden müssen. Diese Meldung hat berechtigtes Aussehen er­regt; wie indessen an zuständiger Stelle erklärt wird, ist die Nachricht frei erfunden, denn der Kaiser hat niemals eine derartige Frage weder an den Kriegsminister, noch an den Staatssekretär des Reichsmarineamts ge­richtet.

Lindequist an seine Beamten.

Eine Verständigung und Rechtfertigung.

Der Deutsche Reichs- und Königlich Preu­ßische Staatsanzeiger Hai gestern den Rücktritt des Staatssekretärs im Neichskolonialamt, Dr. von Lindequist. offiziell bekannt gegeben, und am gleichen Tage hat sich der Entlasfene von den Beamten des Kolonialamts verabschie­det. Herr von Lindequist hat bei dieser Gele­genheit würdige Worte her Abwehr gegen die halbamtlichen Verdächtigungen und zum Schutz seiner Beamtenschaft gesprochen, die uns das vollendete Bild des Gentleman bekräftigen, der zur Rolle desNachgeordneten" Sündenbocks sich nicht herablaffen wollte. Es wird uns dar­über berichtet:

Berlin, 8. November.

(Telegramm unseres Korrespondenten.)

Der zurücktretende Staatssekretär des Reichs­kolonialamts, von Lindequist, hat sich gestern nachmittag im großen Sitzungssaal des Reichs­kolonialamts von den Beamten und Ofiizieren der Kolonialverwaltung verabschiedet und bei dieser Gelegenheit folgende Ansprache^ Balten: Meine Herren! Es war mit ein L^Imrfnis, Ihnen noch persönlich Lebewohl zu s,«en und Ihnen für Ihre treue, hingebende Mitarbeit und Unterstützung von Herzen zu danken. Gern werde ich stets an die mit Ihnen als Siaäisse- kretär, Unterstaatssekretär und zum Teil schon als Gouverneur durchlebten Zeiten gemeinsa- mer kolonialer Tätigkeit zurückdenken in dem stolzen Bewußtsein, an her Spitze einer Ver­waltung gestanden zu haben, deren Beamte und Offiziere sich stets in besonderem Maße ihrer hohen Pflichten bewußt gewesen find und zur Erfüllung derselben allzeit ihre ganze Kraft eingesetzt haben. Die letzten Tage sind mir al­lerdings durch ein amtlich inspiriertes Telegramm getrübt worden, in dem, ohne einen Beweis dafür zu erbringen, oder auch nur einen Versuch dafür zu unternehmen, unter dem deutlichen Hinweis auf das Kolonialamt gegen eftte .Nachgeordnete" Stell« die f ch w e t e Beschuldigung erhoben worden ist, durch den Bruch der Amtsverschwiegen­heit den Abschluß der KompensattonSverhand- lungen gestört zu haben. Meine Herren! Ich habe zu hinge mit Ihnen gearbeitet und kenne Sie z« genau, um nicht die felsenfeste Ueberzeugung z« haben, daß Sie alle, von denen ja im übrigen nur ein ganz »einer Kreis von dieser Angelegenheit, welche hier im Amte stets auf das diskreteste behandelt worden ist, etwas gewußt hat, hierzu nicht fä­hig sind, und daß Sie auch jederzett mit ruhigem Gewissen der Präzisierung der ganz allgemein gehafienen Borwürfe entgegen­sehen können.

8t. Solf und Dr. Sonze.

Gouverneur Dr. Solf und der Unterstaats, sekretär Dr. Conze versicherten den Scheiden­den der bleibenden Anhänglichkeit und Dankbarkeit aller, denen es jemals 6er« gönnt gewesen fei, mit ihm und unter ihm zu arbeiten. Die schlichte Abschiedsfeier trug einen sehr herzlichen Charakter. Von der Veranstal- tun« eines ihm zu Ehren von den höhern Be- amlen und Offizieren angereqten Abfchieds- essens bat der Staatssekretär mit warmen Dan- kesworten Abstand zu nehmen.

Sie Spfer der Sturm-Katastrophe.

Unglücksmeldungen von überall.

Wie uns aus Kiel gemeldet wird, hat der gestern und vorgestern herrschende Süd­west-Orkan an der Küste von Schleswig- Holstein ungeheuren Schaden angerich­tet. Zahlreiche größere und Heinere Fahr­zeuge sind der Sturm-Katastrophe zum Opfer gefallen und man schätzt den entstandenen Materialschaden auf viele Millionen Mark. Auch an der Küste hat der Sturm große Verheerungen angerichtet und einige Fischerdörfer sind gänzlich verwüstet.

Hamburg, 8. November.

(Eigene Drahtmeldung.)

Unter wolkenbrucharügem Gewitterregen hat gestern abend der Sturm fein Ende er­reicht. Mit der Flut trafen viele Schifte hier ein, He fortwährend neue HiobSposten bringen. Der englische Dampfer.Dunster".

von Odessa nach Hamburg auf Fahrt, hat sämtliche Boote verloren. Ein anderer engli­scher DampferCity of Liverpool", von Bristol nach Hamburg, hat ebenfalls sämtliche Boote eingebüßt, alle Dampfrohre wurden auf- gerissen und die Deckaufbauten über Bord ge­schleudert. Das FischerbootEste" hat das ganze Steuerhaus verloren. Längs der Küste treiben noch verschiedene gescheiterte Schiffe, von denen man noch nicht weiß, woher sie gekommen sind und wohin sie be­stimmt waren. Wieviele Menschenleben der Sturm-Katastrophe zum Opfer gefallen sind, steht noch nicht fest; die Zahl dürfte aber sehr groß sein.

Rebellenfiege in Wog.

Deutsche Truppenlandung in Schanghai?

Die neuesten Depeschen'aus China berichten über das weitere Vordringen der Revolution. In Nanking weht überall die revolutionäre Flagge, selbst auf dem Gebäude des Provin­zialrats tu Kiaugsu, der seine Unabhängigkeit erklärt hat. Die kaiserlichen Truppen sind dort noch nicht zu den Revolutionären übergegan­gen, aber der Tartarengeneral ist geflohen, und es wird nur geringer Widerstand erwartet. Alle nach der Hauptstadt führenden Eisen« bahnen sind, wie man annimmt, in den Händen der Revolutionäre. Einige Gesandt­schaften treffen Vorbereitungen für den Fall des Ausbruchs der Revolution in Peking. Alle französischen Staatsangehörigen sind in da- Gesandtschastsviertel berufen worden.

Berlin, 8. November.

(Privat-Telegramm.)

DieTimes" meldeten gestern, daß voraus, sichtlich fünfhundert deutsche Soldaten aus Tsingtau in Tientsin gelandet werden würden, falls es sich als notwendig erweisen sollte. Die Nachricht beruht auf einem Irrtum. Eine solche Landung ist niemals in Aussicht genommen gewesen; vielmehr werden fünf­hundert Mann deutscher Truppen inBereitschaft gehalten, um in Schang. Hai an Land gehen zu können, falls die dorti. gen Europäer durch die revolutionäre Bewe­gung irgendwie bedroht würden.

Sin Mord ans Befehl?

(Eigene Drahtmeldung.5

DemNewyork Herald" wird aus Peking telegraphiert: Die Erregung wegen der Er­mordung des Generals Wuluchen durch Mandschus, hat einen solchen Umfang ange- nomrnen, daß der Sturz der Dynastie unvermeidlich erscheint. Alle polittschen Erwägungen find durch dies« Leidenschaft wie weggefegt. Die Führer der Nordarme« sind überzeugt, daß der Mord vom Thron besohlen worden ist. Di« Diplomaten, die ein allgemeines Mass akre befürchten, haben die Gesandtschaften in Verteidigungszu­stand setzen lassen und alle außerhalb wohnen­den Fremden sind aufgefordert worden, fich in das Gesandtschastsviertel zu begeben. Die Mitglieder her Nationalversammlung sind zum größten Teil aus Peking geflohen. Auch der Hof rüstet sich zur Fluch t. Der Regent hat zweihundert Wagen bestellt, die in Bereit­schaft gehalten werden, um die Palastschätze in Sicherheit zu bringen. Wohin der Hof fich wenden wird, ist unbekannt, doch nimmt man an, daß er sich über die Mongolei nach Ruß. land begeben wird. Die einzige Eisenbahn, die den Mandschus noch zur Verfügung steht, ist die nach Kalgan, wohin eine große Anzahl der reichen Chinesen geflüchtet ist,

Hiobspost ans Tripolis.

Die Italiener eingekreist?

Die Sage der Italiener in Tripolis und der Cyrenaika scheint immer schwieriger und ernster zu werden. Zwar lauten die ofii- ziösen, schöngefärbten Berichte der Agenzia Stefani anders, aber nicht nut die direkten Nachrichten aus Tripolis und die aus Konstan- ttnopel strafen sie Lügen, nein: Die italienischen Nachrichten selbst lassen das itattenrfdje Fiasko erkennen, wie nachfolgende Meldung zeigt:

Rom, 8. November.

(Privat-Telegramm.)

DerMeffagero" bestättgt, daß die Wasser, lettungsanlagen von Bumiliana von den Türken besetzt und daß dadurch die Srg. fteu Schwierigkeiten in der Wasserversor­gung von Tripolis eingetreten sind. Die Lust ist infolge der zahlreichen Leichenverwe- fungen auch in der Stadt so verpestet, daß Ofsiziere und Mannschaften auf ihren Erkundi- gungSritten erkrankt find. Die Türken un­ter Enver Bey haben Derna zurücker- o bett Dies« Nachricht ist von der Pforte al­len Botschaftern amtlich mltacteilt Word«.