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Rt. ^S6. '— L Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

Mittwoch, 8. November 191L

gungen an der östlichen Mauer von Tripolis. Man will die Nachricht von arabischen Kund- schastern habe«. Diese melden außerdem, daß die Türken neue Streitkräfte in der Oase Ain-Sara znsammenziehen.

Konstantinopel, 7. November. (Pri« vattelegramm.) Die Italiener ergänze« mit fieberhafter Eile die Befestigungen von Tripolis, um den feindlichen Angriffen gewach­sen zu sein, wenn die Flotte die hohe See auf­suchen muß. Die türkische Belagerungsarmee hat weitere« starken Zuzug seitens der Senusfi erhalten. Rach Lage der Sache kann für heute oder morgen mit dem Beginn der entscheiden­den Kämpse gerechnet werden.

Die Revolution in China. ‘

«•' (Telegraphische Meldungen.)

Peking, 7. November.

Tsaihsin, der Bruder des Regenten, der im Jahre 1910 an der Spitze der Kommis­sion für die Reorganisation der Marine Euro­pa bereiste, ist seit drei Tagen nicht mehr ge­sehen worden. Man vermutete, daß er geflo­hen sei. Wie verlautet, sind 250 englische Soldaten von Hongkong nach Schanghai beordert worden. 200 russische Soldaten sollen nach Tientsin gesandt werde«. Wie ein Te­legramm aus Töngjue in der Provinz Jünnan besagt, haben die dottigen Truppen am 27. Ok­tober gemeutert und den General Chang getötet. Der Taotai ist entweder getütet worden oder hat Selbstmord verübt. Die Frauen des Taotai sind im Brunnen er­tränkt worden. Rach Berichten der Auf­ständischen sind Talifu, Juntschangfu und Jün- namfu eingenommen und alle Beamten ermordet worden.

Die kommende Marokko-Sensation.

Berlin, 7. November. (Privat»Te» legramm.) In welcher Weise der M a r o k - kovertrag im Reichstag geschästSordnunqS- mäßig verhandelt werden wird, steht noch nicht fest, um fy weniger, weil bekanntlich auch über den Marokkoverttag eine Reihe von Inter- pellationen vorliegt. Man nimmt an, daß der Reichskanzler von seinem Recht Gebrauch machen und noch v o r der Begründung der In- terpellation seine Rede halten wird. Die De­batte wird mindestens den morgigen und übermorgigen Tag auSfüllen.

Die Tragödie eines virtuosen. 17

Berlin, 7. November. (Prtvat-Te, leg ramm.) Der Berliner Kapellmeister und Violinvirtuose Erich Elde war gestern abend mit seiner Geliebten auS Berlin nach Potsdam gekommen und beide hatten in einem Hottl Wohnung genommen. Als bei vorgerückter Tagesstunde das Zimmer ver­schlossen blieb, wurde man ausmerksam und öffnete gewaltsam daS Zimmer. Man sand daS Paar im Zimmer als Leichen vor. Beide hatten sich mit Zyankali vergiftet. Der Tod war bereits vor mehreren Stunden ein- getreten. _ *

Politik und bunter Rock.

Düsseldorf, 7. November. (Privat« Telegramm.) Der Düsseldorfer RechtSan- walt Dr. B a ch m a « n ist durch das Urteil des EhrenrateS aus der Liste der Reserveoffi- ziere gestrichen worden, weil er während der jüngste« Reichstagsersatzwahlen etner Bet. sammlung der Fortschrittlichen Botte- Partei präsidierte, in der die Parole für die Sozialdemokraten auSgegeben wurde.

PosadowSky als ReichStagSkandidat? • Bielefeld, 7. November. (Privat. Telegramm.) Auf eine Anfrage der hiefi. gen Gruppe des HanfabundeS antwor- tete Graf PosadowSki, daß er zu einer Kandstratur im Wahlkreise Bielefeld-Wieden- brück noch keine zustimmende Erklärung ab­gegeben habe.

Sturm im Hamburger Hafen.

Hamburg, 7. November. (Privat- Telegramm?) Durch den Sturm ist im Hamburger Hafen großer Schaden ange­richtet worden. Fortwährend laufen Meldun­gen über gesmikene Fahrzeuge ein. Bei Schu- lan find fünf Fahrzeuge gestrandet und mehrere Ewer gesunken. Bon dem bei Scharhörn gestrandeten Dampser, dessen Name und Nationalität nicht festgestellt werde« konnte, wurde nichts mehr gesehen.

Die Kämpfe in der Tabakindustrie.

Bremen, 7. November. (Privat- Telegramm.) Da die in den Sympathie­streik für die ausständigen Tabakarbeiter in Westfalen und Lippe eingctretenen Arbeiter der hiesigen Tabakfabriken nicht bis zum vier­ten November die Arbeit wieder ausgenommen haben, ist sämtlichen organisierten Arbeitern gekündigt worden, um sie nach vierzchn- tägiger Frist zu entlassen bezw. auszusperren. Daraufhin haben sämtliche organisierten Arbei­ter sofort die Arbeit niedergelegt.

Wieder eine Auto-Katastrophe.

BreSlau, 7. November. (Privat-Te- l e g r a m m.) Als gestern abend das Auto des Grafen Franz Magnis aus Berlin sich in rascher Fahtt auf der Chaussee zwischen Glatz und Hollenau befand, trat plötzlich ein be- trunkenen galizischer Arbeiter auf den Fahr, dämm. Der Chaufseur bremste im letzten Augenblick mit aller Kraft, um den Betrunke­nen nicht zu überfahren. Durch das übermäßig schnelle Bremsen erhielt der Wagen einen sol chen Ruck, daß der Graf aus dem Auto auf die Chaussee geschlendert wurde, wo er schwer- verletzt bewußtlos liegen blieb. Der Zustand des Verletzten gibt zu Besorgnissen Anlaß.

Großfcuer im Dorf.

Wirtzfeld (Kreis Malmedy), 7. November. (Privat-Telegramm.) In dem benach- barten Torfe Krinkekt sind in der vergangenen Nacht zwei Wohnhäuser abgebrannt. Beide Wohnhäuser wurden von alten Junggesellen bewohnt. Der eine verbrannte im Bett, der andere kam gleichfalls in den Flammen um, als er ein Rind aus dem Stall retten wollte.

im Auslande, die zum Teil besser seien als in Deutschland, beleuchtete Redner eingehend die mannigfachen Arten der Spekulation, rhre Be- aünstigung durch unser Kreditwesen und die

Eigenart von Terraingesellschaften. Um alle Uebelstände zu beseitigen, müßten vor allem die Ursachen richtig erfaßt werden. Ein vernünf­tiges Radikal- oder Allheilmittel sei nicht zu finden, sondern es bedürfe des Zusammenwir­kens einer ganzen Anzahl von Mitteln, um eine Aenderung und Besserung allmählich her- beizusühren.

A Der städtische Kattoffelvettauf. Wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichüich, wird der Magistrat der Residenz den städtischen Kartos- felverkauf am morgigen Mittwoch, nachmit­tags 3 Uhr, auch in der Bürgerschule 13 an der Herkules st raße beginnen.

A Tragödien des Lebens. Gestern hat sich hier der etwa fünfzig Jahre alte fürstlich Nsen- burg'sche Hofrat Dr. med. F. Weygandt durch Oeffnen der Halsschlagader das Leben genommen. Man fand den bedauernswerten Mann, der infolge einer langen Krankheit zur Schwermut neigte, tot in seinem Zimmer liegen.

A Die Verschmelzung zweier Kranken­kassen. Gestern abend fand im „kleinen Stadt­park" die Generalversammlung der Ortskran­kenkasse Nr. 7 statt, die sich mit -einem Antrag auf A u f l ö s u n g der Kasse und Verschmel- zung mit der Allgemeinen Orts­krankenkasse zu befassen hatte. Arbeit­geber-Vertreter, wie die Vertreter der Kassen­mitglieder stimmten dem Antrag zu. Die Verschmelzung wird voraussichtlich (wenn die Genehmigung der Aufsichtsbehörde erfolgt ist) mit dem 1. Januar in Kraft treten. Weiterhin erledigte die Versammlung die regelmäßigen Vorstandswahlen.

A Die Verhaftung dreier Diebe. Gestern verhaftete die hiesige Kriminalpolizei die Ar­beiter R. und B., sowie den Maurer Kl. we­gen Diebstahls von altem Eisen, Kupferrohren und so weiter. Die drei Burschen hatten sich den Oberstadtbahnhof als Feld ihrer Tätigkeit ausgesucht, wo sie infolge der Umbauarbeiten reiche Beute fanden. Der Haupttäter soll der Maurer Kl. sein. Die gestohlenen Sachen wur­den nach und nach Bet hiesigen Althändlern verkauft. Nach eingehendem Verhör vor dem Untersuchungsrichter wurden die drei Verhaf­teten in das Landgerichtsgefängnis gebracht.

A Die Unterstützung der Jugendwanderun­gen. Der preußische Kriegsminister hat be­treffs der Jugendwanderungen einen Erlaß an die Garnisonältesten gerichtet, nachdem sie ermächtigt werden, bestimmten Jugendwaw- derabteilungen Unterkunft in Exerzierhallen und bei verfügbarem Raume auch in Kasernen zu gewähren. In Bettacht kommen Fugendw an# derabteilungen, die aus Schülern oder Fort­bildungsschülern bestehen, ferner Mitglieder der deutschen Turnerschast, der Wehrkraftver- eine, her Juqendwehren des Wandervogels, des Pfadfinderbundes und der den Krieger- Vereinen angegliederten Jugend abteilungen. Gegen Erstattung der Selbstkosten erhalten die jungen Wanderer Strohsäcke oder Lagerstroh, wollene Decken, Bettwäsche, Handtücher und Waschutensilien; auch können sie in den Kan­tinen Verpflegungsmittel kaufen und mit Ein­verständnis des TruppenkommandeurS Ver­pflegung auS den Truppenküchen empfangen.

A Die Ausstellung des Kunstvereins. Der Kunftverein Cassel, in dessen Räumen gegen­wärtig die Gruppe „Hessen" ausgestellt hat. wird in der Zeit vom 8. bis 12. November nur einen Eintrittspreis von zehn Pfennig fordern. Auf diese Vergünstigung sei besonders hingewiesen.

A Unter dem Schutze der Rächt . . . AIS in einer der letztm Rächte ei« junger Man«, der des Guten zu viel getan hatte, mit einem Freund die Bahnhofsstratze herunterkam, strauchelte er und kam zu Falle, wobei er eine statte Wunde am Kopfe davonttug, so daß er bewußtlos liegen blieb. Diesen Zustand des Mannes benutzten einige Burschen, um dem Bewußtlosen Uhr und Portemonnaie zu ent­reißen. Durch das Dazwischenttete« deS Freun­des wurden die Gesellen jedoch verscheucht. Während sie die Uhr zurückgaben, suchten sie mit dem Geld das Weite.

A Im Kampf gegen die Schundliteratur. Am Mittwoch nachmittag S Uhr findet im Sitzungssaal des alten Rathauses eine Mit­gliederversammlung des Vereins zur Bekämp­fung des Schundes und Schmutzes in Wort und Bild statt. Auf der Tagesordnung stehen einige wichtige Puntte. Lehrer Heide wird einen Vorttag über den Kinematographen halten. Ferner soll die weitere Tättgkeit des Vereins eingehend besprochen werden.

△ Für Invaliden- und Attersrentenempfän- ger. Vom 1. Januar 1912 ab wird die bis­herige Bestimmung des Paragraphen 48 Ab­satz 1 Ziffer 2 des Jnvalidenversicherungsge- setzes in Fortfall kommen. Sämtliche Inva­liden- und Altersrenten, die Beamten, Leh­rern, Erziehern und sonstigen Angestellten zwar der Form nach zugesprochen worden sind, aber hinsichtlich her Auszahlung ganz eher teil­weise ruhen, weil sie unter Hinzurechnung her den Rentenberechtigten gleichzeitig zustehenden Pensionen, Wartegelder oder ähnlichen Bezüge den siebeneinhalbfachen Grundbettag der In­validenrente übersteigen, werden daher vom genannten Tage ab voll zur Auszahlung ge­langen. Die Zahlungsanweisungen an hie Post werden von Amtswegen, ohne daß es besonderer Antragstellung bedarf, erlassen. Auch werden hie Zahlungsempfänger hiervon rechtzeitig in Kenntnis, gefetzt werden. Anders ist es in den Fällen, in denen die in Frage kommenden erwerbsunfähig oder siebzig Jahre alt gewordenen Personen mit Rücksicht darauf, daß bei ihnen wegen der Höhe ihrer Pensions­bezüge völliges Ruhen her Rente eingetreten wäre, her Einfachheit halber auf die ziffer- mäßige Feststellung • ihrer doch «richt zur Aus­zahlung kommenden Rente bislang verzichtet haben. Diese Rentenberechtigten sind amtlich nicht bekannt, daher müssen ste, wenn sie An­spruch auf Rente erheben wollen, diesen An­spruch bei den zuständigen Amtsstellen (Bür­germeisteramt, Magistrat) geltend machen. Da durch die am 1. Januar in Kraft ttetende Reichsversicherungsordnung in unserem staat­lichen Lersicherunasweieu manches anders wer­

den wird, so ist es zu begrüßen, daß Landes- sekretär I. G. Groß in Cassel das Wis- senswetteste aus her ReichSverfichenmgsord- nung über die Invaliden- und Hinterbliebenen- Versicherung in einem Büchlein zusammenge- stellt hat, das im Verlag von Johannes Wör- ner in Leipzig dieser Tage erschienen ist.

A Der Patentschwindel-Prozeß am vier- zehnten Tag. Heute ist nun bereits der toter- zehnte Verhandlungstag in dem Prozeß gegen die Patentagenten Wagner, Brust und Genos­sen zu registrieren. Die Verhandlungen bewe­gen sich tagtäglich in dem gleichen Rahmen, da die einzelnen zur Verhandlung kommende« Fälle sämttich übereinstimmen. Heute wurde« neben Belastungszeugen auch mehrere Entla­stungszeugen vernommen. Der Staatsanwalt teilte mit, daß in dreizehn weitern FällenAnklage erhoben worden fei. Das Gericht beschloß, noch einen weitem Sachver- ständigen aus München telegraphisch zu laden. Die Verhandlungen zogen sich wieder bis ge­gen zwei Uhr mittags hin und wurden dann auf Mittwoch früh neun Uhr vettagt.

A Eine Aufführung im Philharmonischen Chor. Der unter der Leitung des Herrn Na­gel stehende Philharmonische Chor veranstaltet am Mittwoch, den 22. November, im großen Stadtparffaal sein erstes Konzert. Zur Auffüh- mng gelangt das Oratorium „Elias" von Fe­lix Mendelssohn-Bartholdy. Als Solisten wirken mit: Frau Käte Neugebauer-Ravoth, Konzettsängerin, Hamburg-Altona, Frl. Hilde Ellger, Konzettsängerin, Berlin, Herr Joachim Breiding, Konzerffänger, Frankfurt a. M. und Herr Alfred Käse, Opemsänger, Leipzig. Das Orchester steltt die Kapelle des 83. Infanterie- Regiments.

△ Eisenbahnperfonalien. Anläßlich ihres Ueberttitts in den Ruhestand wurde., ver­liehen der Rote Adlerorden vierter Klasse: Effenbahn-Obersekretär Rechnungsrat Plap­pert in Cassel; der Kronenorden dritter Klasse: Geheimer Baurat Maercker, Eisen- bahn-Obersettetär Rechnungsrat Wiegand; der Kronenorden vierter Klasse: Betriebssekre­tär K a b i s ch, Oberbahnassistent K a l l w e i t, sämtlich in Cassel, Eisenbahnkanzlist 1. Klasse, Kanzleifekretär Strube (bislang in Cassel, jetzt in Erfurt); das Allgemeine Ehrenzeichen: Bahnwätter Hartmann in Ihringshausen, Hilfsbürodiener Dinklage, Magazinaus- feher Meister, beide in Cassel. Ernannt zum Gütervorsteher Prattikan Paul unter Versetzung nach Eschwege, Bahnmeisterdiätar Westmacher in Zierenberg zum Bahnmeister. Versetzt: Eisenbahnassistent Wiegand von Cassel nach Stadtoldendorf als Leiter des Bahnhofs, Zugführer Luckau von Nordhau­sen «ach Cassel, Unteraffistent R o j a b « von Zierenberg nach Weitzenborn-Luderove als Bahnhofsauffeher.

A Wiege und Grab. In her 43. JahreS- Woche (vom 22. bis 28. Ottober 1911) verstor­ben nach den Mitteilungen heS stähtischen Stattstischen Amtes in Cassel 39 Personen (gegen 38 in her Parallelwoche deS Vorjah­res). Damnttr waren 7 (im Vorjahre 4) Kinder im ersten Lebensjahre. Unter der Ge- famtzahl der Sterbefälle waren zwei durch Masern und Röteln, einer durch Diphtherie und Kroup, vier durch Tuberkulose, drei durch akute Krankhetten der Attnungsorgane und drei durch Brechdurchfall, Magen- und Darm« katarrh (baruttter drei Kinder im ersten Le- benSjahre) verurfacht. Einen gewattsamen Tod erlitt eine Person. Die Zahl der Le- bendgeborenen betrug (in der vorhergehenden Woche) 71 gegen 72 in der gleichen Woche des Vorjahres.

A Kleine TageSchronik. Bei bet Montage eines Fahrstuhls in einer Fabrik an her Mön- cheberastraße verunglückte gestem der Monteur Schrader tödlich. — Anstelle deS tot August auSgeschiedenen Garderobe-Inspektors Haag ist Kunstmaler Rudolf SieverS auS Cassel als Garderobe-Jnfpettor in den Verband des Königlichen Theaters eingettetm. — Im Ra- turheilverein findet heute abend (tote auS dem Inseratenteil ersichtlich) ein Erötte- mngsabend über den Vegetattsmus statt, zu dem auch Richtmitglieder Zutritt haben. — Der Firma Hartwig und Vogtt A.-G. in Dresden, Kakao-, Schokoladen- und Zuckertoaren-Fabri- ken (die auch in Cassel eine Niederlage hat), wurde auf der Internationalen Hygiene-Aus- stellung Dresden für die in vollem Betriebe be­findliche FabttkationS-Anlage zur Herstellung der Tell-Schokolade der königlich sächsische Staatspreis zuerkannt. — Ferdinand Beckers Tonbild-Tbeattr (Königsstraße 85, parterre) bringt ab Mittwoch ein neues Programm. Die Preise sind (wie aus dem Inseratenteil er­sichtlich) für Kinder auf fünf Pfennig herabge­setzt worden.

A Das Wetter am Mittwoch. Der amt­liche Wetterbericht sagt für Mittw och für Hessen-Nassau folgende Witterung voraus: Vorwiegend heiter und ttocken, nachts kalt, windig, später ftärfere Bewölkung.

Letzte Telegramme.

(Rach Schluß der Redaktion eingegangen.)

Tripolis Aktion Englands?

(EigeneDrahlmeldung.)

London, 7. November.

Dem „Standard" wird unter dem sechsten November ans Malta gemeldet, daß die dor­tige britische Admiralität die Lage in Tripo­lis als äußer st kritisch erachtet. Es wer­den Kriegsschiffe bereit gehalten, um nach Tripolis abzugehen, falls es den Tür­ken gelingen sollte, die Stadt wieder rinzuneh- men, da man befürchtet, daß die Araber in die­sem Falle ein furchtbares Gemetzel in Szene setzen werden, um die Greueltaten der Italiener zu räche«. Die Tütten sollen bereits mit dem Bombardement der Stadt be­gonnen haben. Sic haben während des Sand­sturmes eine Batterie bis auf drei Kilometer an die Stadt herangeschafft.

Rom, 7. November. (Privat-Tele- g r a m m.) Einem undatierten Bericht des „Corriere de la Sera" zufolge planen die Tür­ke« einen neuen Angriff auf die Bekesti-

Ae deiiiw NumeriumfnBtlOSeiten.

vortrefflicher Schützen, hie zum Strecke-machen unbedingt nötig sind. Daß auch folche gebeten Verben müssen, die viel schießen, aber wenig treffen, ist nicht zu umgehen, gefellfchaftliche Verpflichtungen zwingen zu derattiger Rück­sichtnahme, bie allerdings gelegentlich wohl zu wettgehend ist. Im Interesse her übrigen Geladenen foltte man harnt, wenn überhaupt nötig, nur garantiert unschädliche Gelegen- hsitsjäger einladen, hie sich int Felde möglichst passiv, beim Schüsseltteiben desto aktiver be­teiligen mögen, wobei nicht zu vergessen ist, haß bet richtiger Handhabung her Statuten für die Ja-blasse auch manch Märklein abfal­len kann, falls Fehlschüsse sorgfältig gebucht werben ... unb nicht geschossen ist ja schließ­lich auch gefehlt. Jeher Weidgerechte billigt dem Jaghherrn, der seinen Gästen vielerlei Pflichten zu erfüllen hat, alle Rechte zu, die zur Aufrechterhaltung her Ordnung und Si­cherheit nötig sind. Dazu gehört nicht nur, baß er vor Unvorsichtigkeiten warnt, sondern baß er gelegentlich Bestimmungen über den Abschuß trifft. Wenn es daher laut Jagdschein auch gestattet ist, daß zurzeit weibliches Rot- uttb Damwild und Wildckälbcr geschossen wer­den, so kann jeder Revierbesitzer anordnen, baß das eine oder andere Wild ttotzdem ge­schont wird, es heißt daher, vor dem Schuß scharf Hinsehen.

Daß man mit her Kugel nur nach außen schießt, ist vielen Anfängern nicht bekannt, es wird durch Befolgen dieser Regel vermieden, daß sich zwei Kugeln kreuzen unb unter Um­standen nach dem Aneinanberprallen unbe­rechenbare Bahnen beschreiben. Wer jetzt auf einen Rehbock krumm macht, achte, baß Meister Urian, wenn möglich, nach dem Schüsse nicht Kopf stehe, sonbern sanft falle, ist's einzurich­ten, nicht direkt mit dem Kopf in die Dickung hinein, sitzen doch die Stangen jetzt schon ziemlich locker. Rehkälber erkennt man häufig nur an dem auffallend kurzen Grind, in zwei­felhaften Fällen lasse man das Stück lieber unbeschossen und zahle den fälligen Obolus für Nichtschießen in die Jagdkasse. Da ich kürzlich die ersten Schneegänse fliegen sah, ist der Winter nicht mehr weit, und wir können bald „die erste Reut" ertoarten. Möge das aufgeschlagene Buch der Natur, her weiße Leithund, allen Hegern nur guten Anblick be­scheren, die Zeit zum Anttrren des Wildes an die Futterplätze ist da, wer sie nutzt, wird reichen Lohn ernten, denn wie man daS Wild in den Winter schickt, so übersteht es dessen Gefahren oder erliegt ihnen. Fallwild im Revier ist ein schlechtes Zeichen. Jäger hab' acht! **

Set Verein der Bolkspartei.

Gestern abend hielt der Verein der Fortschrittlichen Volks Partei für Gaffel im Palais-Restaurant seine Monats­versammlung ab, an bet auch viele Damen teil­nahmen. Herr Prokurist Sallin eröffnete die Beratungen mit einem Hinweis daraus, daß die Agitation des Vereins gute Erfolge aufzu­weisen habe. Darauf nahm Redakteur Nuschke aus Berlin bas Wort zu feinem Vortrag über bas Thema „Bethmanns innere unb äußere Politik". Der Redner beschäftigte sich eingehend mit bet Ma- rokko-, Tripolis- unb Orientsrage, behanbelte die Untätigkeit bet Regierung in Sachen her Teuerung unb kam auf ben bekannten Erlaß bes Reichskanzlers an hie Regierungspräsiden­ten zu sprechen. In Bezug auf hie bevorstehen­den Reichstagswahlen führte her Redner fol­gendes aus: Nicht nur gegen die fchwarz- blauen Barteten, fondern aud) gegen den schwarz-blauen Reichskanzler müsse sich bet Kamps wenden. Der Block her Linken habe sich fchon bet den verschiedenen Landtagswahlen bewähtt, er werde auch bei beit Reichstags- Wahlen feine Macht entfalten. Man wolle den schweren Kampf, bet bevorstehe, mit bem Be- tonßtfeto führen: ES gehe ums Ganze.

Im Anschluß an die interessanten und sach­lichen, mit großem Beifall aufgenommenen, Ausführungen des RebnerS begann eine leb­hafte Diskussion, nachdem bet Vorsitzende noch auf die am Freitag im Stadtparksaale stattsin- benbe öffentliche Versammlung des Kandida- len Dr. Ohr hingewiesen hatte, in bet Dr. Ohr mit dem Abgeordneten Lattrnann „ab­rechnen" wolle. Als erster Diskussionsredner sprach Herr Julius M e c c a, der für eine Er­mäßigung des MaiSzolleS und für eine Be­schränkung her Einfuhrscheine eintrat. Herr Dr. Blumenfelb bemerkte, daß es falsch wäre, zu sagen, Deutschland sei an dem Vorgehen Italiens schuld. Herr Nuschke trat alsdann in seinem Schlußwort ben verschiedenen Dis­kussionsrednern entgegen, indem er verschiedene Punkte noch weiter ausfpann. Gegen elf Uhr war die Versammlung beendet. -a-

’A Professor Sandrock über Bodenreform­sragen. Im nationalökonomisch-volitischen Ausbildungskursus der Ortsgruppe Cassel des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie sprach dieser Tage Professor Sandrock über „Bodenresormsragen". Der Redner wies besonders darauf hin, daß die Behand­lung her Bodenfrage die größte Bedeutung für Unser gesamtes öffentliches Leben habe, da der Boden für einen jeden Menschen zur Gewin­nung der Lebensbedürfnisse und Äs Wohn- und Arbeitsstätte notwendig fei. Infolge der Be- bölkerungszunahme und der Kulturverhältnisse habe die naturgemäße Entwicklung den Weg in der Richtung genommen, daß der Boden in den Besitz einer Minderheit her Bevölkerung kom­men' mußte, woraus wiederum aHxrhand Schwierigkeiten für die Allgemeinheit erwach­sen, insbesondere bei her Beschaffung von Wohnungen für die große Masse in den Riesen­städten, in denen die Menschen sich immer enger zusammendrängen. Durch die ungenügenden Wohnungsstätten in den Großstädten seien die Gesundheit, das wirtschaftliche und sittliche Leben der Bevölkerung in großer Gefahr. Daß die in erster Linie durch die Mietskaserne her­beigeführte Entwicklung im Wohnungswesen Unserer Großstädte keine unbedingte Naturnot- wendigkeit sei, zeigen manche Industriestädte bes Westens, die trotz der großen Arbeiterbe- dölkerung vielfach bessere Wohnverhältnisse auf- weisen als die Großstädte des Ostens. Nach .«tag WlgKi her WohmwaSÄCLültrüsse