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Casseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 286

Mittwoch, 8. November 1911

Fernsprecher 951 und 952.

! Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

der) gefehlt hat.

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ste lefftier 8leue#« Nachricht« erschein« wöchenMch sechsmal und zwar abend«. Der SbonnemmtSpreiS betragt monatüch 60 Pfg. bet freier Zustellung in» Haus. Bestellung« werd« jederzeit von der SeschüfrLstelle oder d« Bot« «tgegmgmomm«. Druckerei, Verlag und Redaktion: Schlachthofstrabe 28/30. Sprechstunden der RedaMon von 13 Uhr nach. Mittags, juristische Sprechstunden für unsere Abonnent« MttttvochS und Sonnab«dS von 68 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.

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des Kanzlers einfach unhaltbar gewor­den ist.

und dem Kleinkaufmann gegen mäßige Zinsen ein ausreichendes Betriebskapital bei langfri­stiger Zurückzahlung zur Verfügung sieht. Da der Hansabund über die wirtschaftlichen Kräfte verfügt, das finanzielle Genossenschaftswesen praktisch zu fördern, so werden berechtigte Hoff­nungen auf sein Eingreifen in das wirtschaft­liche Leben gesetzt. Die Erfolge werden aber erst darüber belehren können, ob der Hansabund auf dem richtigen Wege ist, dem schlichten Handwerker und dem Kleinkaufmann, die einen harten Kampf um ihre Existenz zu führen ha­ben, durchschlagende Hilfe zu bringen. Ein er­höhtes Selbständigkeitsgefühl unsrer mittelständischen Kreise wird indessen in j e - dem Fall durch die großzügige Bewegung er­zielt werden, und wenn's gelingt, diesem ideel­len und moralischen Erfolg auch greifbare ma­terielle Resultate anzugliedern, dann dürfte der Tag nicht mehr fern sein, der auch für die Stiefkinder des Staats", den kleingewerb­lichen und Mittelstand, das Morgenrot einer besseren Zukunft aufstrahlen läßt. Um dies Ziel zu erreichen, bedarf es allerdings der tätigen Mitarbeit der interessierten mittelständischen Kreise, an der es bisher (lei»

Konstantinopel, 7. November. (P r 1 vattelegramm.) Offiziell wird gemeldet, daß Derna zwar noch nicht völlig besetzt fei, doch werde dort heftig gekämpft unter großen Verlusten für die Italiener. Sämtliche Stämme der Umgebung haben jetzt den hei- ligen Krieg erklärt. Eine große Anzahl Geschütze wurde von den Türken erobert.

Stiefkinder der Staats?

Epilog zum Deutschen Mittelstands-Kongreß.

Wann wird der Retter kommen diesem Stande? So lautet die bange Frage, die nun schon Jahrzehnte aus allen gewerblichen und D e t a i l l t st e n k r e i se n in die Oeffent- lichkeit hinausgerufen wird, aber alle staatlichen und parteipolitischen Förderer der Mittelstands- bewegung haben sich bisher als falsche Prophe­ten erwiesen, denn die Verhältnisse der Klein­gewerbetreibenden und der Kleinkaufleut« ha­ben sich nicht gebessert, sondern immer nur ver­schlechtert. Die sozialen Lasten und der Steuer­druck erfuhren eine stetige Steigerung, und die Erfüllung großer Versprechungen blieb aus. Werden aber unsre Staatsmänner an die herr­schende Not des Gewerbe- und Mittelstandes erinnert, so tritt im Reichstag oder im Landes- Parlament ein Regierungsbeamter auf und weist aus den statistischen Aufstellungen der Sparkassen nach, daß sichdas Anlagekapital

kämpft wurde. Die italienische Flotte bombar. vierte unausgesetzt die türkischen Stellungen, die zurückverlegt wurden. Der Sturm wird unbedingt erneuert werden. Die Lage der Jta- liener ist verzweifelt.

Ne Ztatteuer zurückgeschlageu!

(Privat-Telegram m.)

Wichtige, gestern aus Tripolis in L o «d o Ni eingetroffene Depeschen besagen, daß nach einer Reihe von Angriffen seitens der vereinigten Streitkräfte der Türken und Araber nunmehr alleFortsvonTripolis von den Tür­ken wiedererobert seien. Die Italiener seien vollständig in die Stadt zu. rückgetrieben worden. Der wichtigste Gewinn der Türken sei das Fort Bumiliana, wo die Wasserwerke von Tripolis liegen. Die italienischen Truppen müssen jetzt ihr Wasser von den Schiffen beziehen und int Falle eines Sturmes würde ihre Lage sehr ernst werden. Während der letzten drei Tage fanden unun- terbrochen Kämpfe statt. Die Oase Sidi den Mansur, in der die Niedermetzelung der Araber stattfand, fei jetzt von türkischen Trup« Pen besetzt.

Schwere Anklage« gegen die Römer.

(Privat-Telegram m.)

Die LondonerWestminster Gazette" erhält über Malta eine Schilderung ihres bisher in Tripolis weilenden Korrespondenten Me Cul- lagh, welche die schärfsten Anklagen ge­gen die italienische Armee enthält. Herr Mc Cullagh, der auch für dieNewyok-World"- tig ist, hat, wie er nunmehr bestätigt, mit dem deutschen Kriegskorrespondenten von Gottberg zum Protest gegen die italienischen Barbareien dem General Caneva seine offiziellen Papiere zurückgegeben. Beide Herren sind dann am Samstag abgereist. Weiter sollen noch alle englischen Berichterstatter bis auf einen abrei­sen. Mc Eullagb versickert, die Italiener hat. ten vierhundert Frauen und Kinder und viertausend Männererschossen, von denen noch nicht hundert schuldig gewesen seien. Unter den vorsätzlich Erschossenen hät­ten sich Krüppel, Kranke, Blinde und Bettler befunden. Die Szenen bei defl Massenerschießungen seien schlimmer gewesen, als jeder russische Pogrom oder die armeni- chen Massakres. Erst nach den Schlächtereien der Italiener hätten die Araber angefangen, die Körper der Gefallenen zu verstümmeln; an- ängs hätten sie sich sehr gut benommen.

Aus Berlin wird uns geschrieben: Die Angriffe, die gegen den bisherigen Staatssekre­tär von Lindequist gerichtet wurden, sind so ungewöhnlicher Natur, daß eine Darstel­lung der tatsächlichen Verhältnisse am Platze sein dürfte. Zwar ist dem Staatssekretär nicht der Vorwurf gemacht worden, daß e r an den Indiskretionen schuld, sondern nur, daß er da­für verantwortlich sei. Ist aber dieser Vorwurf berechtigt? Wer mit den Verhältnis­sen im Reichskolonialamt vertraut ist, weiß, daß seit dem Amtsantritt Lindequists (ganz im Gegensatz zu der Amtszeit Dernburgs) sämtliche Angelegenheiten des Reichskolonial­amts auf ausdrückliche Aufforderung des Staatssekretärs vor seinem Amtsantritte mit größter Zurückhaltung und Ver­schwiegenheit der Oeffentlichkeit und Presse gegenüber behandelt wurden. Nie war das Kolonialamt zugeknöpfter als unter ihm, und wenn nun tatsächlich vorzeitig einige Mit­teilungen veröffentlicht wurden, so ist der Staatssekretär daran weder schuld noch dafür verantwortlich.

Kanzler-Krise in Sicht?

Mitglieder der Kaiserlichen Familie: Gegner des Bethmann-Kurses!

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Wir berichteten bereits gestern über die wachsende Mißstimmung gegen das Re­gime Bethmann-Hollweg in der nächsten Umgebung des Kaisers. Die frei- konservative BerlinerPost" bestätigt heu­te diese Meldungen und bemerkt dazu: Wir können hinzufügen, daß selbst in der kaiserlichen Familie mehrere Mit­glieder ganz entschiedene Gegner des Bethmann'schen Kurses sind . .

Zu der deutlich merkbaren Strlte innerhalb der Reichsregierung berichtet uns ein Tele­gramm unsres Berliner politischen Mitarbeiters folgende charakteristischen Einzelheiten: Die ungünstige Aufnahme, die das Marokko-Abkommen noch in letzter Stun- de vor der Unterzeichnung gefunden, hat die Regierung in eine derart verwirrte Lage gebracht, wie sie seit Bismarcks Abschied kei­nen analogen Fall aufweisen kann. Wie mir von diplomatischer Seite versichert wird, ist die Stimmung in leitenden Stellen eine über, aus pessimistische, ja niederge- drückte. Dies geht ja schon zur Genüge aus der Nervosität hervor, der man an matzgeben- der Stelle anheimfiel, als plötzlich der Abgang Lindeguist's und Danckelmann's im Kolonial- amt bekannt wurde. Man hat allerdings auf Grund der vorliegenden Presseäußerungen be- reits eingesehen, daß die ungewöhnliche Art, mit der man den Staatssekretär im Kolonial- amt und einen seiner verläßlichsten Mitarbeiter durch Inspirationen in ergebenen Blättern ab­schüttelte, überall in hohem Grade befrem­dete. daß man sich ferner auch mit diesem voreiligen Schritt ins eigne Fleisch ge. schnitten hat, schon deswegen, weil es im Schoß der Regierung noch einige höhere Beamten gibt, die int Interesse des Kabi­netts zwar noch mitmachen, durch die Art aber, wie man langjährige bewährte Beamtehin­auszuekeln" bemüht ist, bestimmt werden könn­ten. die nächste Gelegenheit zu benutzen, um auf irgend eine plausible Art das sinkende Schiff zu verlassen. Wir stehen also vor wei­tern Entsagungen, die uns jedenfalls no» vor den Wahlen beschieden sein dürften. In diesen Tagen der Nervosität und des Aer- gers, die die Regierung schon dahin gebracht haben, tebe Wahrheit durch einIch demen­tiere!" zu bekräfttgen. wird es auch ziemlich gleichgültig sein, ob jemand behauptet. B e t h- m ann habe schon jetzt seine Entlassuna erbeten und nicht erhalten, oder er habe erklärt er halte seine Entlastung in der Schwebe vielleicht auch, daß er seinen Rückttitt von dem Ausgang der Marokko-Interpellatio­nen im Reichstag abhängiq mache: Jede die­ser drei Fastungen enffvricht allerdings der Wahrheit. Es müssen sowieso die Tage des Reaimes Betbmann schon aus dem Grund ge- rähltsein., weil dieHomog enität des Ka­binetts zerstört ist und weil die Situation

Die Türken vor Derna.

Neue schwere Verluste der Italiener.

Depeschen aus Konstantinopel berichten: Eine dem Großwesir nahestehende Persönlich­keit teilte mit, daß einer gestern eingetroffenen Depesche zufolge die Türken Derna be­setzt haben. Sie nahmen neunzehn Geschütze und viel Munitton und Lebensmittel. Fünf­hundert Italiener sollen tot sein. Die türkischen Verluste seien gering. Eine of­fizielle Bestätigung der Meldung steht aller­dings noch aus. Weitere Depeschen melden:

Konstantinopel, 7. November.

(Eigene Drahtmeldung.)

Am letzten Sonntag begannen die Araber und Türken den Generalsturm gegen Tripo is. Der Kampf war äußerst blutig, die Verluste auf beiden Seiten sehr groß, da Mann aeaeu Manu. Bajonett gegen Lanze ge-

Berlin, 7. November. (Eigene Drahtmeldung.) In Verbindung mit den Gerüchte« über eine nahe bevorstehende Kanzlerkrise tauchen neuerdings in unterrichte­ten polittschen Kreisen auch Befürchtun­gen wegen eines möglichen Rückttitts des Staatssekretärs von Kiderlcn- W a e ch t e r auf. Es heißt, der Staatssekretär fühle sich durch die scharfe Kritik, die seine- ttgkeit in den deutsch-französischen Verhandlun­gen In Presse und Oeffentlichkeit erfahren, ge­kränkt und sei rum Rücktritt entschlaf.

der kleinen Sparer in den letzten Jahren wie­der um so und so viele Millionen erhöht habe"; womit also der Beweis erbracht sei. daßin den mittler« und kleinen Kreisen des Volks kein Mangel, sondern UeberflußanGeld herrsche." Würde man aber eine genauere Prüfung eintreten lassen, so wäre wohl festzu- stellen, daß die Sparsummen weniger aus dem mittler« und kleinern Bürgerstand der Städte stammen, sondern daß das Land und der mit besser« Löhnen versorgte Fabrikarbeiter- und Technikerstand in erster Linie zu der Erhöhung des Bestands der Sparkasse« beitragen.

Durch die Steigerung aller Lebensmittel- Preise ist dem Landmann ein großer finanziel­ler Vorteil zugefloffe«, und der intelligente und fleißige Arbeiterstand hat durch gewerkschaftli­che Zusammenschlüsse eine bessere Bezahlung seiner Leistungen erreicht. Bei der Zoll- und Steuergesetzgebung wurde immer nach dem Grundsatz verfahren:Hat der Bauer Geld, so Haffs die ganze Welt", und die Vertreter des Mittel- und Gewerbestandes haben wacker mit- geholfen, die Zollschranken zu erhöhen; doch die in sichere Aussicht gestellten Vorteile für das mittlere und kleinere Bürgertum der Städ­te sind ausgeblieben, und die Hausfrauen müs­sen in die Seefischhallen wandern, um mit Hilfe der Behörden die notwendigste Kost für die Fa- milie zu beschaffen. Gewiß: Es gibt einzel­ne Schichten von Gewerbotteibende«, die noch immer zu Wohlstand gelangen und Geld auf die Sparkassen bringen können, aber diese neh- men an den Vorteilen der Landwirtschaft teil, denn sie haben sich mit enffprechenden Auffchlä- gen der Preissteigerung für alle Lebensmittel angefchlossen. Die große Masse des gewerbli­chen Mittelstandes dagegen steht unter einem wirschaftlichen Druck, der alle Bewegungsmög- lichkeit hindert.

Nicht Mißgunst und Neid sind die Triebfe­dern für die mit erneuter Kraft einsetzende Be­wegung des Mittelstandes und der Kleinge­werbetreibenden. sondern die berechtigte Forderung, daß in der Gesetzgebung auch endlich Derer gedacht wird, die immer beschei­den zuriickstanden, wenn es sich um das Wohl andrer Berufsstände handelte. Aber nicht vom Staat allein erwarten sie Hilfe, son­dern durch kräftige Selbsthilfe falle« die Mittel zur Hebung des Betriebs und des Ein­kommen gewonnen werden. Der Hansabund hat die wirtschastspolttische Einigung von Han­del. Industrie und Gewerbe in die Hand ge­nommen, und erklärt es als seine Hauptauf­gabe. den Mittelstandehrlich ohne Parteipoli­tik" zu fördern. In den Verhandlungen des Mittelstandskongresses (die foeben in Berlin ?um Abschluß gekommen sind) sagte der Prä­sident des Hansabunds. das deuffche Bürgertum solle dieSchlafkrankheit" überwinden, die es seit Jahrzehnten überfallen habe. Die all­mähliche Erziehung zu dem Bewußtsein, daß nur gemeinsame Arbeit an demselben Tisch ge­eignet fei. einen Weg zu finden, bei dem alle Berufsstände gedeihen könnten, müsse im Vor­dergrund aller Bestrebungen stehen. Eine 6efiere Bewertung der gewerblichen Ar­beit könne auch dadurch zum Ausdruck kommen, : daß ein gesetzliches Recht zur Präsentation in die Ersten Kammern der Parlamente für alle k Erwerbsstände geschaffen wird.

: Zu diesen allgemeinen Ansprüchen muß sich -

aber eine praktische Tätigkeit gesellen. Die Hebung deskleingewerblich.en Kredits" i und die Beseitigung des .Borgunwesens" will der Hansabund erzielen, indem er ein solidari­sches Vorgehen in die Wege leitet. Von dem \ Segen der Kreditgenossenschaften werde zu we­nig Gebrauch gemacht, und deswegen sollen \ diese genossenschaftlichen Organisationen finan- tiell so gestärkt werden, ba6 dem Handwerker 1

fen, wenn die morgen im Reichstag beginnen­den Marokko - Interpellationen nicht einen für die Regierung befriedigenden Ausgang bringe« werde«.

Fmmer noch: MaroKana!

Marokko-Frieden und Algeriras-Akte.

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Wie«: Der deuffche und der französische Botschafter überreichten gestern dem Ministe­rium des Auswärffgen das Marokko-Ab­komme«. Da das Abkommen eine Modifi­kation der Algecirasakte bedeutet, wird zu un­tersuchen sein, ob es nicht den Interessen Oester­reich-Ungarns Widerspricht.

Paris, 7. November.

(Eigene Drahtmeldung.)

In der Deputtertenkammer waren gestern zahlreiche Abgeordnete erschienen. Die Unter­haltungen in den Wandelgängen drehten sich na­türlich um das deutsch-französische Abkommen und um die Rede des Minister­präsidenten Caillaux. Es zeigte sich dabei, daß man das Abkommen für Deutschland in feiner Gesamtheit als günstig beurteilt und daß es in der Kammer eine starke Mehr­heit finden wird. Die Regierung wird der Kammer Vorschlägen, sofort die Budgetdebat­ten in Angriff zu nehmen und die Verhand­lungen über das deutsch-französische Abkommen etwa vierzehn Tage zu verschieben, bis sie mit der Abstimmung über das Ratifika­tionsgesetz verbunden werden können. Es ist nach dem guten Eindruck, der allgemein vor­herrscht, ziemlich sicher, daß dieser Vorschlag der Regierung auf keinerlei Wider­stand stoßen wird.

Die NationaMberalen protestieren!

(Eigene Drahimeldung.)

~ Aus Frankfurt a. M. berichtet uns ein Telegramm unsers Korresponden» -e n: In einer von über zweitausend Perso­nen besuchten Versammlung, die von bett Nationalliberalen einberufen war, sprach ber Abgeorbnete Geheimrat P a a s ch e über die deutsche Politik und speziell über den soeben abgeschlossenen Marokkovertrag. Paasche meinte, die deutsche Politik sei schwäch- lich und habe, wie nicht anders zu erwarten war, zu diesem schwächlichen Abkommen ge­führt. Es sei für Deutfchland besser gewesen, gar nicht erst mit der Marokkopolitik anzufan­gen, dann wäre ihm dieses ungenügende Ab­kommen erspart geblieben. Im Reichstage werde es wohl sehr heftige Debatten geben und dem Reichskanzler wie dem AuS- wärttgen Amt werde deutlich zu vefftehen ge­geben werden, daß der größte Teil des deut- fchen Volles mit diesem Marokkoabkommen ganz und gar nicht zuftiede« sei.

Lindequist und die Indiskretionen-

(Von unserm Korrespondenten.)

London, 7. November.

(Eigene Drahtmeldung.)

In der vergangenen Nacht um ein Uhr ging hier folgendes Telegramm aus Hong­kong ein: Die Nachricht von der UeVer­gabe Pekings hat zu großen Freuden- e st e n in Hongkong geführt. In allen Stra­ßen und an allen Ecken bildeten sich Züge, in de­nen Banner mit dem Bilde des Generals Li ! )uan-Heng getragen wurden. Auf den öffent- lichen Plätzen wurden Freudenfeuer an­gezündet und die Straßen Ware« von einer b e - geisterten Menschenmenge angefüllt, die Hochrufe auf den General Li ausbrachten. Die Bureaus der ZeitungScheng Po", der einzigen Zeitung, die treu zum Throne gestan-

3ft Peking gefallen?

Die chinesische Haupfftadt in der Gewalt der Rebellen.

(Telegraphische Meldungen.)

Ein Privattelegramm berichtet uns aus London: Aus San Franzisko wird gemeldet, daß nach dort eingettoffe- nen Depeschen aus Hongkong und Schang­hai Peking gestern nach zwölfstündigem erbittertem Kampf in die Hände der Re- bellen gefallen fein soll. Eine Bestäti- gung dieser Nachricht fehlt augenblicklich noch.

Inzwischen sind Nachrichten eingetroffen, die die Eroberung der chinesischen Hauptstadt durch die Truppen ber Revolution bestäti- l en. Es kann also nicht mehr zweifelhaft fein, raß die Rebellen selbst in der Metropole des chinesischen Reichs einen entscheidenden Erfolg errungen haben, ber für die weitere Gestaö tung der Dinge von ausschlaggebender Beben- tung fein muß. Es geht uns solgenbe Mel- bung zu: