Einzelbild herunterladen
 

C Mer Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

Die Taffeler Neuesten Nachricht« erschein« wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der SlbonnementSpretS beträgt monatlich 50 Pfg. bei freier Zustellung inS HauS. Bestellung« werd« jederzeit von der LeschLftSstelle oder den Bot« «tgegmgenommm. Druckerei, Berlag und Redaltton: Echlachthofstratze 28/30. Sprechstuudm der Redaktion von 13 Uhr nach, mittags, juristische Sprechstunden für unsere Abonnent« Mittwochs und Sonnabends von 68 Uhr abends. Berliner Bertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.

Hessische Abendzeitung

JnserttonSpretse: Dt« sechSgespaltene Zeile für einheimisch« «-schäfte 15 Pfg., für auS. wärtige Inserate 25 Pf, Reklamezeile für einheimische «-schäfte 43 Pf, für auswärtige «-schäfte 60 Pf. Bellagen für die «esamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend be­regnet Wegen ihrer dichten Berbrettung in der Restdenz und der Umgebung sind die Lasteier Neueii-n Nachrichten ein vorzügliche» Jnsertt«n»org-n. SeschäftSstelle: «SInische Straße 5. Berliner Bertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.

Nummer 285.

Fernsprecher SSI und SSL.

Dienstag, 7. November 1911.

Fernsprecher 951 und SSL.

1. Jahrgang.

in

-ei-

Blamage I

der die Grenzgemarkung (und was sie an mili tärischen Geheimnissen cinschließi) leicht

wahrscheinlich, daß sich die Erörterungen sehr lebhaft gestalten werden.

ein Betrugsprozeß schließlich nicht immer mög­lich (und nützlich!) ist. Auch hier bedürfte es nur des Muts, das einmal an sachkundiger Stelle herauszusagen, was sogar an dieser clbft geflüstert werden mag: Dieses Spiel ist (tote das Sprichwort sagt) nicht die Kerzen wert! Der eine Staat spioniert, und der zweite und der dritte, und alle haben davon end­lich nur das eine befriedigende Gefühl: Daß derselbe Gauner auch den Nachbar (Pardon: Diebefreundete Großmacht", deren Namen nicht genannt werden soll) betrogen hat. Und darum nun der Lärm, die Sorge und die

Platzhalter für Herrn von Rechenberg Frage kommen.

Sie Marokko Interpellationen.

(Telegramm unseres Korrespondenten.)

Die Marokko-Interpellationen werden (wie bestimmt verlautet) im Reichs­tage am nächsten Mittwoch zur Verhand­lung kommen. Der Reichskanzler wird zu Be­ginn der Sitzung sofort das Wort ergreifen, um die Interpellationen zu beantworten. Erst nach dem Reichskanzler werden die einzelnen Parteien, die die Interpellationen gestellt haben (es sind die bekannten fünf großen Fraktionen des Reichstags) Stellung zur Ma- rokkofrage nehmen. Der Reichskanzler legt Wert darauf, sofort dem Lande gegenüber Rechenschaft über die Maßnahmen der Regie­rung abzulegen, zumal in der französischen Kammer die Marokkofrage voraussichtlich am gleichen Tage zur Debatte gestellt werden wird. Für die Beratung der Marokkointerpellationen sind drei Tage in Aussicht genommmen. Die Verhandlungen dürsten dadurch noch besonders verschärft werden, daß seitens einiger Parteien beabsichtigt wird, auch die Krise im Ko­lo n i a l a m t in die Jnterpellationsdebattc einzubeziehcn. Unter diesen Umständen ist es

Der Schaden wird auf fünf Millionen Taöls geschätzt. Beim Bombardement von Hanvang, das am Donnerstag erneuert wurde, ist auch die ausländische Niederlassung und das Hospital vom Roten Kreuz von mehreren Ge­schossen getroffen worden, doch wurde niemand verletzt. In der Nacht brach aufs neue eine Feuersbrunst aus. Die Ausrührer teilten dem Roten Kreuz mit, daß sie beabsichtigten, Han- kau vollständig zu zerstören.

*

Peking, 6. November. (Privat-Te- legramm.) Die Lage gestaltet sich auch p o - litisch immer verzweifelter, da Duanschikai sich beharrlich weigert, das Amt des Pre­mierministers zu übernehmen und die Nachrich­ten aus dem Revolutionsgcbiet immer bedroh­licher lauten. Schanghai ist völlig in ben Händen der Rebellen. Zwei gegenüber dem Arsenal liegende Kanonenboote haben die Drachenflagge niedergeholt, und auch ein Fort bei Wusung ist zu den Rebellen übergegangen. Die Treue der kaiserlichen Truppen scheint all­gemein erschüttert zu sein.

überfliegen ist. Die Spionage lebt, indessen alle untauglichen Räder des Staatsbetriebs ausgewechselt werden. Sie lebt . . . und ist vermutlich heute genau so wertlos, wie damals, als man noch keine Photographien und chemischen Methoden kannte. Man könnte ie noch leichter ironisieren, wenn sie nur nicht o sündhaft teuer wäre! Aber während man in allen Staaten jedem, noch so drängenden Staatsbedürfnis knickerisch die notwendigsten Groschen zurechnet, werden hier für eine Aktion, deren Unwert für jeden Richtfachmann irozessual erwiesen ist, die respektabelsten Sum­men ausgegeben.

Jeder Herr, dem die Spielbank in Monaco und die Lebedame in Brüssel nicht mehr die Reisespesen vorstrecken will, weiß, wo er diese (und mehr noch) letzten Endes findet. Wo? Im Staatsbudget jederungenannt sein wol­lenden" Großmacht, der er dafür Abschriften gedruckter Handbücher, Ansichtskartenbilder in »ergrößertem Maßstabe und bestenfalls die Per- onalbeschreibung eines Kollegen übergibt. Hebet den moralischen Wert des tole­rierten Gewerbes der offiziellen Kundschafterei ist ja weiter- lein Wort zu verlieren. Aber schließlich muß ja der Staat noch nicht als mo­ralische Anstalt betrachtet werden. Aufreizend wirkt besonders, daß Jahrzehnte herber Erfah­rungen an dieser einfältigen Institution nicht haben rütteln können. Jedes andre Institut würde schon längst gesperrt sein, wenn es nichts als so zweifelhafte, unsichere Resultate zutage fördern würde. Das der Spionage blüht fort: Man beordert tote früher ehrenhafte Offiziere, sich mit dem unsaubersten Gesindel der Welt abzugeben, verpulvert für bett Un-

Fähigkeiten durch die ärgste Felonie, durch eine Verräterei beweisen muß, wird dann in den Staatsdienst ausgenommen, gebührend hoch ho­noriert und soll mit einemmal dem Dienstherrn treu" bleiben.

Warum grade in so wichtigen Dingen die Gaunerehre in Rechnung gezogen wird, ist nicht recht klar, aber alle Generalstäbe der Welt verlangen in der bewußten unsaubern Manipulation die Biederkeit von Ehrenmän­nern, und nichts weniger. Das Ergebnis einer so verschiednen Auflassung tritt in jedem Spio- nageprozetz zutage. Der Vertrauensmann ist : (man kann nicht weniger tönend sprechen) voll und ganz" ein Lump. Da man ihn zum Verraten abrichtet oder benutzt, so verrät er eben in jeder Stunde seiner Tätigkeit und : nicht mit Pausen. Er betritt Alle, mit de­nen er zu tun hat, und am eifrigsten den Lohngeber. Er treibt Spionage und Konter- ' spionage, und man darf auch vermuten, daß er beiden Staaten schlechte Ware liefert. Aber f zumindest: Welcher Sachverständige ist so selbst- . bewußt, zu schwören, daß ein so vielseitiger , Mann ihm nicht g e s ä l s ch t e Ware um echtes Geld zusteckt? Dieses anmutige Spiel dauert vielleicht, seitdem die Menschheit Grenzen ab« gesteckt hat, aber es dauert merkwürdigerweise noch immer und sogar in einer Zeit, in

den müsse.

Auch dem Auswärtigen Amt dürfte der Rücktritt des Kolonialsekretärs kaum über» rasch end gekommen sein, da Herr von Linde- quist trotz des Dementis vom vorigen Sonn­abend (das nur in die Welt gesetzt worden war, um die letzten Verhandlungen mit Frank­reich nicht zu erschweren) Herrn von Kiderlen- Waechtcr kein Hehl daraus gemacht bat, daß er

rüdem Kongovertrag nicht zustimmen werde.

Tripolis onnettiett!

Endgültig und unwiderruflich vereint".

Die Italiener sind scherzhafte Leute: Trotz­dem sie in den letzten Tagen vor Tripo­lis empfindliche Niederlagen erlitten haben, hat der Minister des Aeußern gestern an die Botschafter Italiens im Ausland eine De­pesche gesandt, in der es heißt: Die Besitz­nahme der wichtigsten Städte von Tripolis und Chrenaika, die andauernden Er­folge unserer Waffen, die überwältigenden Streitkräfte, die wir dort versammelt haben und die anderen, die wir uns noch anschicken, hinzusenden, haben jeden Weiteren Wi­derstand der Türkei unwirksam ge­macht. Um andererseits unnützem Blutver­gießen ein Ende zu machen, ist es dringend not­wendig, j-'d- Unsicherheit in bet

Stimmung der dortigen Bevölkerung zu zer­streuen. Daher sind durch ein Königliches De­kret Tripolis und Cyrenaika endgültig und unwiderruflich unter die volle und ganze Oberhoheit des Königreichs Italien gestellt worden ... In seltsamem Kontrast zu diesem siegbeWutzten Pronunziamento der rö­mischen Consülta steht die Meldung über die Opfer der jüngsten italienischen Niederlagen:

Die Krise im Kolonialamt.

Lindcquists Abschied:Keine Ucberraschung?" (Telegramm unsers Korrespondenten.) Aus Berlin Wird uns berichtet: Der

Rücktritt des Kolonial-Staatssekretärs von L i n d e q u i st bat in parlamentarischen Krei­sen nicht überrascht. Schon seit vier­zehn Tagen waren im Reichstag Gerüchte ver­breitet, daß Herr von Lindequist sich mit Riick- trittsgedanken trage, Weil seine Bedenken gegen gewisse Punkte des deutsch-französischen Kom­pensationsvertrags im Auswärtigen Amt nicht gebührend geprüft worden seien und man dort über verschiedne Abänderungs­vorschläge des Kolonial-Staatssekretärs ein­fachzur Tagesordnung übergegangen" sei Der Staatssekretär soll deshalb schon seit Wochen das Gefühl gehabt haben, daß seine Kolonialvolitik an der maßgebenden Stelle in Zukunft keine Unterstützung mehr fin­den Würde. Aus diesen Erwägungen heraus ist bei ihm der Gedanke an den Rücktritt ge­reift. Selbstverständlich konnte das Rücktritts­gesuch nur in dem Augenblick der Unter­zeichnung des Kongovertrages eingereicht werden, da Herr von Lindeguist nach den Vor­fällen der letzten Wochen diesen Vertrag vor dem Reichstag nicht vertreten konnte.

Was die angeblichen Indiskretio­nen des Reichskolonialamts betrifft, so weist sich Herr von Lindeguist von jeder Sch u l d frei. Seitens des Reichs- kolonialamis stnd Mitteilungen an die Presse über die Kongoverhandlungen nicht ausgegeben worden. Die Angelegenheit dürfte auch noch im Reichstag ein Nach­spiel haben, da man in den Kreisen der Kolonialpolitiker die Meinung vertritt, dast ein derartiger Borwurf begründet wer-

Die Sympathien in dem Streit Auswärtiges Amt contra Kolonialamt stnd in parlamentari­schen Kreisen auf Seiten des Kolonial­amts. Man Würbe es Herrn von Lindeguist sehr verübelt haben, Wenn er trotz der Beden­ken, die er gegen den Kongovertrag ins Feld geführt hat, in Amte geblieben Wäre. Betreffs seines Nachfolgers verlautete heute und auch schon vor einer Woche, daß der Gouverneur von Ostafrika, Herr von Rechenberg, hierzu ausersehen fei. Wie ich an zuständiger Stelle erfahre, trifft diese Annahme auch zu, und Gouverneur Dr. Sols dürfte nur als

Sie Setten Spione.

Randbemerkungen zu den letzten

Spionageprozeffen.

Zu den Sensattonen jeder Saison gehört auch der S p i o n a g e p r o z e ß. Es ist noch nicht lang her, daß die Herren French und Brandon vorm purpurverbrämten Senat des Leipziger Reichsgerichts standen; später schluchzte vorm selben Gericht Mademoiselle Thirion, dieEva von Wesel" (wie lose Zun­gen die personifizierte Harmlosigkeit der kleinen pikanten Französin nannten); zwischendurch gab'S noch einige alltäglich anmutenbe Fälle, bann spielte vor den Geschwornen von London bie groteske KomödieSchultz und Compagnie" und eben hat man nun in Wien auch den Spion, Landesverräter und gewerbsmäßigen Kabalisten Cords auf einige Jahre in den Kerker geschickt, um ihm Gelegenheit zu geben, feiner Seele dunkle Triebe zu läutern, und an den zahlreichen Fasttagen der Bußezeit feine Schuld reuig zu fühnen. Der Prozeß gegen ben feltfamen Ehrenmann war gewissermaßen aufs Mysteriöse gestimmt, und der selt­same Rahmen, in den ihn die österreichische Gerechtigkeit zwang, erhöhte noch die eigen­artige Wirkung des forensischen Schauspiels, sodaß es nicht befremden darf, Wenn in der öffentlichen Meinung innerhalb der fchtoarz- gelben Grenzpfähle der vortreffliche Herr Cords als eine ArtMärtyrer", alsverkanntes Ge­nie" und alsOpfer einer unglücklichen Zufall- fügung tränenschwer bedauert wird: Früher erbaute man sich an derRomantik" helden­hafter Räubertaien, heut wittert man hinter jedem Spione irgend eintragisches Geheim­nis" und der Nimbus ist da, der das Ver­brechen theatralisch verklärt.

Die Inszenierung ist fast immer dieselbe: Ein begabter Mensch, dessen Versiertheit in der ganzen und halben Welt Interesse weckt. Ist erehrlicher, aber armer Eltern Kind, so mehrt dieser melodramatische Zug die Bewunde­rung für den Mann, der auch sonst äußerst sympathisch Wirb. Die Gerichtsverhandlung muß geheim sein. Und trotzdem wird in An­deutungen gesprochen, die nur dem spitzfindig­sten Zubörer verständlich sind. Jeder geogra­phische Begriff Wird, sanft umschrieben, jeder Eigenname maskiert. Wer der modernen Seuche der Detektivromane noch so Weit aus dem Weg gebt, Wird doch von dieser Regie ergriffen und folgt gespannt dem Prozeßbericht. Hat der Leser noch Sinn für Humor, so kann er sich auch an dem sachlichen Untergrund des Prozesses betonteren, zu dem aus Amsterdam, Stockholm und sashionableru Orten der Tatbestand zu­strömt. All dies traf auch bei dem mannigfach talentierten Herrn Cords zu, und das nahm der Affäre trotz allem ein gut Stück des Inter­esses. Sie ist ein Tvpus, Wie Wir ihn schon öfters gesehen haben und noch mehrere Male sehen Werden: Der elegante Angeklagte, die Andeutungen von der Wie gewöhnlich an ir­gendeiner Grenze benachbarten Großmacht, und auch der Humor in der Sache. Besonders der Humor. Wir erfahren Wieder, daß ein Herr, dem kein menfchenkundiger Kaufmann eine wertlose Musterkollektion anvertrauen möchte, mit S t a a ts g e h e i m n i s s e n hausieren geht und Säufer findet. Einmal in diesem Staate und später in jenem: Hier gibt es keinen Unterschied der nachdenklichern oder tempera- menwollern Rasse. Der Gentleman, der feine

Bürgerkrieg in Shim?

Peffimistifche Stimmung unter ben Rebellen. Die Situation in China gestaltet sich mit je­dem Tage verwickelter. Zwar erringen bie Rebellen Erfolge auf Erfolge, aber es scheint an ber Einigkeit unter ben Führern der Re­volution zu mangeln. Wie Depeschen aus Schanghai melden, ist die Umgebung von Schanghai, Wusung, Hanytschen und Sunjki- ang in den Händen der Revolutionäre., Auch die Garnison von Sutschau ist zu ihnen überge» gangen. Trotzdem herrscht allgemeine eine p e ss imisti sch e Stimmung:

Peking, 6. November.

(Eigene Drahtmeldung.)

Die allgemeine Ansicht geht hier dahin, daß ber Sieg ber Rebellen durch bie Uneinig­keit der Führer beeinträchtigt Werbe, und man glaubt, daß die Revolution sich in einen Krieg zwischen Nord und Süd um» Wandeln wird, und befürchtet, daß nationaler Bankerott, Einmischung ber fremben Mächte und vielleicht bie Austeilung bes Reiches bie Folge sein werben. In einer schlimmen Sage befindet sich die Nationalversammlung. Pro­teste aus dem Süden erklären, baß nur ein ».eiliger 2turj der Mandschubyna- st i e das Volk und das Heer befriedigen kann, andererseits wieder kritisieren Provinzial-Ver- famnflungen im Norden bie Nationalversamm­lung deswegen, weil sie zu hastig und weit vorgehe. Die Nationalversammlung bittet und der Thron befiehlt daher eindringlich Duan- schikai, bie Premierschast anzunehmen. Der Thron hat sich völlig in die Hand ber Armee­liga gegeben. Der Kommandant ber sechsten Division, General Wulutscheng, wurde zum Gouverneur von Schansi ernannt. Vor zehn Tagen noch zeigte ber Regent nicht übel Lust, General Wulutscheng wegen seiner Wei­gerung, die Regierungstruppen nach dem Sü­den zu führen, köpfen zu lassen. Der Thron hat bie Nationalversammlung aufgeforbert, ein Wahlgesetz für ba5 Parlament zu ver­fassen und bie Wahlen vorzunehmen. Der Thron Willigte auch ein, die von den Revolu­tionären gebildete politische Partei anzuer- kennen.

Hankan in Flammen.

(Reuter-Telegramms

Die Feuersbrunst hat in H a n k a u getoo.l- ligen Schaden angerichtet, und cs ist bisher auch nicht gelungen, den Brand einzudämmen. Er macht im Gegenteil wegen des herrschengen Windes so reißende Fortschritte, daß man jetzt bereits für bie.ganje Stadt fürchtet. Die fremden Matrosen, besonders die französi­schen und englischen, machten übermenschliche Anstrengungen, um wenigstens bie Missions­häuser vor den Flammen zu retten, doch weife man bisher noch nicht, ob ihre Bemühungen von Erfolg gewesen sinb. Verschiedene den Fremden gehörige Häuser außerhalb der K»n- 1 Zessionen Wurden bei ber Feuersbrunst zerstört.

London, 6. November.

(Eigene Drahtmeldung.)

Hiesige Geschäftsleute erhielten über bie italienische Niederlage am 1. Novem­ber bei Tripolis folgende Nachricht: Achttau­send Türken und scchzehntausend Araber, ange- feuert durch Reden Fiti Beys und Nesched Pa­schas, griffen die Forts Seid Myxi und Hani an und eroberten sie nach kurzem Kampfe. Die italienischen Verluste sollen fünf- bis sechstausend Mann betragen. Tie Türken eroberten eine Anzahl Geschütze und taufend Gewehre. Die ausländischen Kon­suln rieten dem General Caneva angeblich, die Stadt den Türken zu übergeben, um weiteres Blutvergiestn zu vermeiden. Der türkische Kriegsminister erhielt von dem Kom­mandanten der türkischen Truppen vor Tripo­lis die Mitteilung, daß eine Kolonne türkischer Truppen und Freiwilliger die Italiener bei Homs angegriffen und ihnen empfind­liche Verluste beigebracht habe.

Grausamkeiten ohne Snde.

(Privat-Telegram m.)

Die LondonerDaily News" erhalten von ihrem Korrespondenten in Tripolis folgendes Telegramm: Als Wir die arabischen Häuser be­traten, aus denen die Italiener durch bie Tür­ken vertrieben Worben Waren, entdeckten Wit die Leichen von zwölf Frauen und Kindern, bie zusammengebunden und in schrecklicher Weise verstüm­melt und zerschnitten waren. Einige Schritte weiter drangen wir in eine Moschee ein. Dort lagen mindestens vierhundert Leichen von Frauen und Kindern über einander, gleichfalls furchtbar ver­stümmelt. Der Korrespondent wirst dann die berechtigte Frage auf, ob dies europäische Kriegsführung sei, und ob England nicht ein- greifen müßte, um solchen Greueln ein Ende zu machen. Aus allen Gegenden erhielt der Berichterstatter Nachrichten über Metze­leien gegen Araber, bei denen auch Frauen, Greise und Kinder von ben Italienern nicht geschont Wurden.

*

Depeschen aus Konstantinopel zufolge der- öffentlich! die Pforte den Text der bereits an- gekündigten Protestnote, die sich gegen Die ita­lienischen Grausamkeiten in Tripolis wendet. Die Note ist an alle Regierungen ge­richtet, die an der Haager Konferenz von neun- zehnhunbertsieben beteiligt waren. Durch die Handlungsweise ecaen die Bevölkerung von

terhalt dieser Elemente Unsummen und erntet Dinge, die nützlich sein können ober . . . auch nicht. Man entgegne nicht, daß nur bie Weni­gen Affären, die ans Tageslicht kommen, diese Fehlernte zeigen. Es ist eher zu vermuten, befe eine Unzahl von Schlappen dem Publikum verborgen bleiben, Weil der 'Spion ben Boden rechtzeitig heiß Werden spürte, oder Weil