Einzelbild herunterladen
 

zweiter Abonnementrkonrert

Die Uraufführung der neuen Symphonie von Zöllner.

Den Abend eröffnete die Uraufführung der F dur-Sympbonie von Heinrich Zöllner. Tiefer liebenswürdige Komponist ist in Män- nerchorkreifen kein Fremdling mehr: zahlreiche Mannergesangvereine hatten ihn schon als Dirigenten, und ebenso haben die durch ihn gegründeten Vereine in dem Sammelnamen ,.Z ö l l n e r b u n d" seine Verdienste gewür­digt. Tas Chorwerk Bonifatius hörten wir vor einigen Jahren vom hiesigen Lebrer- gesangverein. Von Zöllners Opern hatte der Ueberfall" netzen den Musikkomödien ..Das hölzerne Schwert" und .Die versunkene Glocke' den größten Erfolg. ... Das neueste Werk ist eine Symphonie. Zöllner baut auch hier in dem Neuland, das Wagner vorbereitet hat Tic Arbeit bringt keine umwälzenden Neue­rungen, hat hier und da Anklänge an voraus- gegangcnc Werke und verleugnet doch nicht einen denkenden, selbständigen, reisen Kompo­nisten. der in dem weiten, weiten Wagnerfelde sein Land ganz für sich mit eignen Mitteln bebaut. Die Symphonie enthält vier Sätze. Tie, drei ersten sind heiteren Inhalts im Ge­gensatz zum letzten, der ernst und gemessen, rast schwermütig klingt. Jugend und Alter im wundervollen Gegensatz. Mit wuchtigen Akkorden leitet der erste Satz: Allegro con fuoco ein. Die Hörner bringen das Motiv f, e, agc, d, das vom Ttreichkörper umkleidet wird und bald in Abwechslung mit ihn: durch wundervolle Bearbeitung Tonbilder von seltener Fülle und Klanapracht bervorzaubcrt.

An den synkovenartig hineingeworfencn Waldhorntönen. mit den sprudelnd' und wir­belnd begleitenden Violinen erkennt man voll ständig den modernen Jnftrumentationskünst- ler. Inden: bald die Cellis den Geiaen und diese wieder den Klarinetten das Motiv über­geben. nehmen zum Schluß die Posaunen das gewaltige Motin und führe« so den ersten Satz zu Ende. ... De«, zweiten Satz leitet ein ernstes getragenes Motiv der Oboe ein. Nack und nach steigert sich die Klangwirkung, indem wieder die Hörner die Führung übernehmen und sich mit den gleichlautenden ersten Vio­linen zu gewaltigen Tonmcngen verdichten, in

denen auch die modernen Instrumente, Becken und Triangel, nicht fehlen. Tann schwächt das Orchester ab, und fast wie keusches Zwie­gespräch klingt das fortwährende Wechseln des Motivs in den einzelnen Instrumenten, das bald von der Klarinette zum koirtrastie- renden Waldhorn, dann von der 2. Geige zum Fagott und schließlich von der 1. Violine aufgegriffen und so in zahlreichen geschickten Wendungen durch das ganze Orchester geführt wird. ... Das Scherzo zeichnet sich geradezu durch duftigste Instrumentation aus und be­ginnt in '» Takt mit der großen Trommel. An scharf ausgeprägtem Rhythmus sprudeln die Motive im Staccato fortwährend über die Violinseiten. sich förmlich in tollaufeinan- der folgenden Figuren und Figürchen immer vorwärts jagend.

Der vierte Satz, die vertonte Verkörperung eines reisen, ruhigen und harmonisch ausge­glichenen Alters faßt noch einmal alles zu­sammen. Hier kehren alle Motive der vorauf­gegangenen Sätze wieder und vereinigen sich zu wundervollen orchestralen Kraftausbrücken, besonders beim ersten Motiv. Vielleicht ist hier die Steigerung der Posaunen zu kräftig und. abgesehen davon, daß die Streicher voll­ständig gedeckt werden, entfernt sich der Kom­ponist ein wenig von der natürlichen Krast- steigerunq. lieber den Quartsextakkcrd führt das Orchester zum Schlußakkord in F-dur. ... Ter zweite und dritte Satz sind in ihrem Auf­bau die künstlerisch wertvollsten. Ter Kompo­nist hat das große moderne Orchester ver­wendet, und mit der geschickten Instrumen­tation allerdings oft harmonische Klangwir­kungen von erhabener Tonmlle geschaffen. Tas Orckcster war unter Leitung des Kom­ponisten kaum wiederzuerkennen und verhalf dem Werte zu einem unbestrittenen, großen Erfolg. Leider ist das Casseler Konzertpubli- kum nicht so beifallsfreudig: umsomehr kann der mit Lorbeeren gekrönte Komponist mit dem gespendeten, herzlichen Beifall zufrieden sein.

Ter Solist des Abends Herr Professor A e 1 i r Berber, ist in Cassel nickt unbe tannt. Seine beiden Gaben: das Violinkon­zert p"n Brahms »nd das A nn>II Konzert von Back machen ihn zu einem vornehmen Interpreten dieser Meister. Gerade der echt

gernranische Brahms erfordert tiefes musikali­sches Empfinden und die Wiedergabe ließ uns die Innerlichkeit und die natürliche Wär­me des Vortrags bewundern. Auch das mehr­teilige 4-molI-Konzert war schlechthin ein Meisterstück und zeugte stellenweise von einer unglaublichen virtuosen Fingerfertigkeit und Technik. Mit der Beethovenschen F-dnr-Ro- manze erfüllte der vornehme Künstler seine Zugabenpflicht. /.. Das Orchester hatte eine große Aufgabe zu bestehen. Unter Leitung seines Meisters Herr Prof. Dr. Beier hörten wir noch das 1. Brandenburgische Konzert von Bach. Das Zweigespann der Waldhör­ner und Oboen kam bedenklich ins Schwan­ken. Sonst wurden die heiteren Schwänke, die im Streichorchester Backs meisterhafter In­strumentierung, reiche melodische Empfindungs- qabe beweisen, einwandfrei wiedergegeben. Nur unter den ersten Geigern siebt man stets einen einzigen Bogen, der immergegen den Strich" der andern will. Im Gesamtbild wirkt das störend. G. 0. K.

Kleiner Feuilleton.

" Ist denn die Wünschelrute wirklichwun- derkräftig"? Unter dem Vorsitz des Geh. Ad­miralitätsrats F r a n z i s k u s K i e l ist die Gründung eines Verbandes zur Klä­rung der Wünschelrute «frage in Hannover erfolgt. Der Verband, der 20 Mit­glieder umfaßt, bat sich die bemerkenswerte Aufgabe gestellt, die Wünschelrutenfrage, die bisher noch beiß umstritten ist. einer Klärung entgegenzuführen, da ihre Lösung sowohl für unsere Landwirtschaft als für unsere Kolonien von größter Bedeutung ist. Es sollen vom Verbände alle Gutachten gesammelt werden, die sick mit der Wünschelrutenfrage beschäftigen. Ferner wird das gesamte Material, das die bisherigen Erfolge mit der Wünschelrute be­trifft. gesammelt und geordnet werden. Unter Umständen sollen Gutachten hervorragender Fachmänner eingefordert iverden. Ferner ist nock geplant, eine möglichst einwandfreie Sta­tistik zu sammeln, wobei auch die Versuche des bekannten Wünschelrutenfachmannes Herrn von Uslar in Südwestasrika einbezogen wer­den sollen. Tie Geschäftsstelle des Verbandes

flr. 284. 1. Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichterr

Sonntag, 5. November 1911.

icn können. Ter Kaiser soll den direkten Oberbefehl über das Heer und die Marine übernehmen. Ein kaiserliches Edikt kann ein Gesetz nicht ersetzen. Internationale Verträge dürfen nicht ohne Zustimmung des Parlaments geschlossen werden.

Das Bombardement von Hrmkau.

Nach telegraphischen Meldungen aus Ha n k a u bombardierten die Kaiserlichen am ersten November die Chinesenstadt, die zur Hälfte ein Raub der Flammen wurde. Ter Versuch der Fremden, Die Verwundeten nach dem Hospital der christlichen Mission in Sicher­heit zu bringen, wurde durch das Feuer der Aufständischen aus Wutschang behindert. Die Kaiserlichen hörten jedoch während der Ret­tungsarbeiten des Roten Kreuzes zu schießen auf. Im Bezirk Tschapi meuterte das Polizei­korps. Tic Offiziere sollen geflohen sein. Es ist ungewiß, ob die Bewegung aus revolutio­näre Ursachen zurückzuführen ist, oder ein ge­wöhnlicher Fall von Unbotmätzigkeit vorliegt. Ein Telegramm aus Nanking besagt: Der Gouverneur hat mit den Truppen von Nan­king, von zwei Kanonenbooten unterstützt, die dortigen Unruhen unterdrückt. Ti- Stadt ist ruhig. Nach Konsularberichteu hat ein Gefecht bei Tschangtscha stattgefunden. Die Ausländer haben sich auf die Insel geflüch­tet und treffen Vorbereitungen zu ihrer Ver­teidigung.

*

London, 4. November. (Privat- Tclcgram m.) Hier eingegangene Meldun­gen bestätigen die gestern aus Alexandrien cin- getrnffcnen Nachrichten über den Ausbruch von Unruhen. Ucber die Stadt ist der Bclaae- rungszustand »erhängt worden. Truppen, die von dem KriegsschiffLancaster" gelandet worden sind, und Truppen der Ökkupationö- trtmec, verstärkt durch ägyptische Soldaten, ziehen mit Feldgeschütz en Stra­

ften, um für die Wifrrchterhaltung der Ord

M Bilanz des MarMo-GssMts.

Ter Marokko- und Kongo-Vertrag.

'Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung ver­öffentlicht in einer Sonderausgabe einen Aus­zug aus dem Ma r o k ko a b k o m men und die wichtigsten Bestimmungen des Kongovertrags Das Abkommen bedeutet für Deutschland einen Z u wachs an Ländereien längs der Grenze seiner Kamerunkolonie, außerdem zwei Land­strecken, die den Zugang zum Kongo und zum Nbangi ermöglichen. Dagegen tritt Deutschland das kleine Dreieck zwischen Logone und Chari bis zum Tschadsee ab. Togo wird in dem Ab­kommen nicht erwähnt. Ferner enthält der Vertrag auf Gegenseitigkeit beruhende Bestimm mungen über Handelsfreiheit, gegenseitiaen Durchzuges, Rechtsbefugnisse und Weitersüh- rung von Eisenbahnen und am Schluß den Vorbehalt gegenseitiger Verständi­gung für den Fall, daß im internationalen Kongobecken, tote es für den Berliner Vertrag festgelegt ist, eine Veränderung eintreten sollte. Tse einzelnen Bestimmungen decken sich im übrigen mit dem von uns aufgrund telegraphi­scher Meldungen bereits gestern mitgeteilten materiellen Inhalt der beiden Verträge. Das französische M a r o k k o p r o t e k t o r a t dürfte, da Mulay Hasid einverstanden ist. mit dem ersten Januar nächsten Jahres beginnen.

Preßftimmen zur Kolrmial-Krrse.

(Eigene Drahtmeldung.)

Die gesamte Berliner Preffe erörtert den nunmehr zur Tatsache gewordenen Rücktritt des Statssekrctärs des Reichs­kolonialamts, von Lindeguist, in lan­gen Artikeln, die auf die Situation inner­halb der Regierung seltsame Schlag­lichter werfen. Wir registrieren folgende Pretzstimmen:

TieN a t i o n a I j e i t u n g" schreibt: Die Krisis, die so plötzlich eingetreten ist, hat in po­

litischen Kreisen ein peinliches Befremden her» borgenden und ist geeignet, das Mißtrauen ge­gen gewisie Kreise der Regierung noch zu ver­stärken.

TieF r e i si n n i g e Z e i tu n g", die den Rücktritt des Staatssekretärs bedauert, führt aus: Vielleicht hat sich Herr von Lindequisi von Anfang an aitf dem gefährlichen Boden sei­nes Amtes weniger Wohl gefühlt als in den Kolonien selbst.

DieG ermani a" erklärt, es handele sich hier nicht um eine Personalfrage untergeord­neter Art, sondern um eine politische Frage von großer prinzipieller Bedeutung. Die eigene Meinung der beiden Herren in Ehren! Aber als Beamte haben sie sich im gegenwärtigen Augenblick nicht bewährt.

DasBerliner Tageblatt" schreibt: Als erstes Opfer des Bethmann-Kiderlen Ma­rokko-Vertrages räumt Staatssekretär von Lindeguist seinen Platz. Es ist sehr amüsant tu sehen, in welche Aufregung die Offiziösen der Betbmaml Hollweg'schen Regierung über diese selbständige Bewegung des hohen Regie- rlmgsbeamteli geraten sind.

DieVosfische Zeitung" schreibt: Heute blickt alle Welt auf den scheidenden Staats-Sekretär und hat für ihn fast mehr In­teresse, als für den Marokko-Vertrag selbst.

In derTäglichen R n n d s ch a u" wird bedauert, daß die Marokkoaktion nun auch noch unserem Kolonialamt einen tüchtigen Leiter und einen hervorragenden Beamten ge­raubt hat.

DerLokal-Anzeiger" bemerkt, daß Herr von Lindeguist sich durch den Vorwurf getroffen fühle, im Kolonialamt seien Indis­kretionen begangen worden. Deshalb sei er gegangen.

DerVorwärts" fährt schweres Ge­schütz auf: Die Bethmanu-Hollwegsche Regie­rung hat zv unheilvollen Zuständen geführt. Eine Schmach ist es. daß ein Kulturvolk wie das deutsche, ein Volk von fünfundsechzig Mil­lionen. eine solche Politik, gegen die die Mi­nister selbst rebellieren, sich gefallen lassen muß, ohne dazu etwas sagen zu dürfen.

StsstsfelretSr von Lmdeqmst

Staatssekretär von Lindeguist stand erst seit dem neunten Juni 1910 an der Spitze des Reichskolonialamts: seit 1892 ist er im. Kolonialdienst. Er war zuerst als Regie- rungZaffessor in der Kolonialveiwaltuirg. dann 1894 bis 1900 beim Gouvernement in Südwest­afrika tätig, und darauf war er fünf Jahre laug Generalkonsul in Kapstadt und wurde von dort 1905 als Gouverneur nach Südwest­afrika gesandt. Schon im nächsten Jahre wur­de er nach Berlin in die Kolonialverwaltung berufen, in der er nach der Schaffung des selbständigen Reichskolonialamts U n t e r- staatssekretär wurde. Seine lange Er­fahrung in kolonialen Angelegenheiten ergab nach dem Rücktritt Dernburgs von selbst seine Ernennung zu dessen Nachfolger^ Er bat sich ans diesem Posten bemüht, die Kolonialver- waltung in Dernburgs Sinne toeiterzuführen. und er hat in diesem Bestreben auch mancherlei Erfolge erzielt. Daß er es nicht verstanden bat, sich gänzlich von der b u r e a u k r a t isch e n Schablone freizumacken, ist oft bedauert worden: jedenfalls aber kann man Lindeguist die Anerkennung nicht versagen, daß er nach besten Kräften bemüht gewesen ist, die ihm un­terstehende Kolonialverwaltung im Interesse des Reichs erfolgreich zu gestalten, und es ist deshalb mit so bedauerlicher, daß er in einem Moment vom Amt zurücktritt, wo seine Kraft am dringendsten erforderlich gewesen wäre.

Berlin, 4. November. (Eigene Draht- m e l d ü n g.) In hiesigen unterrichteten Krei­sen geht das bestimmte Gerücht, daß noch wei- terePcrsonenveränderungen im Kolonialamt nahe bevorstehen, und daß in

Verbindung mit der angeblichen Jndiskre- tionsaffäre peinliche llcberraschun- g c n zu erwarten stehen. Man spricht von einer bereits für die nächsten Tage bevorstehen- .dcu M a s s e n v e r a b s ch i e d u n g von Be­amten der Kolonialverwaltung.

Die Politik des Tages.

Die Landtagswahlen in Hcffen.

Wie uns aus Darmstadt berichtet wird, sind nach den bisher vorliegenden Ergebniffen der gestrigen Landtags Wahlen im Großherzogtum Hessen gewählt: Sechs Anhän­ger des Zentrums, vier Bauernbund, vier Sozialdemokraten, drei Nationalliberale und zwei Fortschrittler. Außerdem sind wahr- sch ein lieh noch gewählt: Zwei Bauernbund und ein Sozialdemokrat. Voraussichtlich sind elf Stichwahlen erforderlich. Die bisherigen Wahlergebnisse deuten auf eine kleine Ver­schiebung nach links hin. Die Stich­wahlen finden am siebzehnten November statt, dürften aber die politische Tendenz der Wah­len kaum noch verschieben.

Posadowsky und Hacseler im Reichstag?

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Bielefeld: Hier wird bestimmt be­hauptet, die Rationalliberalen hätten der vom Zentrum vorgeschlagenen Kandidatur des Grafen Posadowsky für Bielefeld-Wie­denbrück zugestiinmt unter der Bedingung, daß die Klerikalen in einem Wahlkreis an der Ruhr (genannt wird Esten) den nationalliberalen Mandatsbewerber unterstützen. Das Zentrum soll dies bereits zugesagt haben. Ferner wird uns aus Essen depeschiert: Vertreter der Konservativen, der Deutsch-Sozialen und der Christlich-Sozialen, sowie der rechtsnational­liberalen Partei des Reichstagswahlkreises Duisburg-Oberhausen haben dem Feldmar- schall Grafen H a. e feier die Rcichstags- kandidalur angeboten. Graf Haeseler hat and) unter, der Bedingung angenommen, daß er im Falle seiner Wahl sich keiner Partei an- schließen, sondern sein allen Deutschen bekann­tes Programm vertreten könne.

Türken-Bombardement auf Tripolis!

Wie wir schon gestern in einem Extrablatt berichtet haben, hat gestern Resched Bey, der Kommandattt der türkischen Truppen in Tri­polis, an den italienischen Kommandanten die Aufforderung gerichtet, sich zu ergeben. Der italienische Kommandant antwortete ablehnend. Resched Bey begann hierauf das Bombax - dement der Stadt, das zwei Stunden an­hielt. Da jedoch der größere Teil der italieni­schen Truppen sich in die Häuser zurückzog, wurde das Bombardement unterbrochen. Man erwartet indessen stündlich die Kapitula­tion der Italiener. Die Verluste, die die Italiener seit dem 23. Oktobere erlitten haben, betragen 1500 Mann, davon 280 Tote. C h o - lerakrank sind 87 Soldaten, von denen 5 gestorben sind. Dem Strafgericht.in Tri­polis fielen 4000 Araber zum Opfer, darunter vierhundert. Frauen und Kinder.

*

Depeschen aus Madrid zufolge ist die Regierung einem Komplott auf die Spur ge­kommen, das ein Attentat auf den Mi­nisterpräsidenten Kanäle ja« bezweckte. Zahlreiche, an der Verfchwörnng beteiligte Personen, darunter mehrere Offiziere, wurden verhaftet.

. Reu« vom Tage.

(Depeschen der Eaffeler Neuesten Nachrichten.)

tr: Bergmannslos. Auf dem Schacht der westfälifchen GewerkschaftB e r g m a n n s s e- g e n" ereignete sich gestern vormittag ein be­dauerlicher Unglücksfall. Bei dem Weg- räumen der losgesprengten Massen entlud sich ein stehengebliebener Sckuß. wodurch der Drit-

telsührer Ban so getötet, ein Bergmann schwer, und drei leichter verletzt wurden. Die übrige im Schacht befindliche Belegschaft kam mit dem Schrecken davon.

XX Typhus nnd Scharlach im Westen. In der verflossenen Woche kamen im Regierungs­bezirk Düsseldorf 224 neue TYvh u § - fälle zur Anmeldung, darunter im Landkreis Esten allein sechsundachtzig Erkrankungen mit zwei Todesfällen. Insgesamt wurden im Re­gierungsbezirk in der verflossenen Woche 705 ansteckende Krankheitsfälle gemeldet, davon 292 Scharlacherkrankungen und 111 Fälle von Diph- theritis. Iw. Ruhrgebiet tritt neben dem Typhus jetzt auch der Scharlach in erschreckender Weise auf. In einzelnen Städten und Gemein­den befinden sich bereits Hunderte von Schar­lachkranken. Zahlreiche Todesfälle sind zu ver­zeichnen.

~ Max Schultz, derSpion". Tie Londo­ner Geschworenen verurteilten gestern den Spion Max Schultz wegen Spionage zu einundzwanzig Monaten Gefäng­nis. Bei der Verkündigung des Strafmaßes erklärte der Lordoberrichter, bei den freund­schaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und England werde gewiß nie­mand mehr das Verhalten des Angeklagten verabscheuen, als die führenden Männer in Deutschland.

Liebe und Verbrechen. Der Stellvertre­ter des Steuereinnehmer« vom Departement Mayennc in Frankreich. Namens Fou- a u e t, hat Frau und Kind erschossest und ist mit 12 0000 Mark Staatsgeldern entflohen. Man bernpttet, daß die leiden­schaftliche Liebe zu einer jungen Pariserin das Motiv des Verbrechens ist.

~ Explosion in den Pulverwerken. In den Pulyerwerken von Cahta in Rußland sand eine Ervlosion statt, bei der drei Personen ge­tötet. drei schwer und zwanzig leicht verletzt wurden. Die Ursache der Explosion ist unbe- kannit. Die umfangreichsten Maßregeln sind unverzüglich getroffen worden.

~ Hungersnot im Tatarenland. Depeschen aus Petersburg melben: Aus dem H«n- gergebiet in der Tatarengegend kommen schreckliche Nachrichten. Die Ortschaft Orenburg scheint vollkommen dem Tode geweiht zu fein. Die Bevölkerung liegt voll­kommen entkräftet in ihren Hütten und erwar­tet den Tod. Die meisten Kinder sind bereits dem Typhus zum Opfer gefallen.

zu: Eifenbahnkatastrophe in Amerika. In­folge Weichenbruchs entgleiste der Scknellzug Newyork-Floxida bei Raleigh. Achtzehn Personen wurden verletzt. Der Materialscha­den ist bedeutend. Nähere Einzelheiten fehlen noch.

Das Neueste aus kastel.

Raffelet Wochenmarkt-Bilder.

M arkttag ...I? Seit den frühen Mor­genstunden füllt wimmelndes, kribbelndes, guirrelndes Leben den runden Königs- platz mit seinen imposanten Häuserfassaden, und leuchtendes Grünzeug und bunte Blumen lachen unter dein entlaubten Lindenbäumen. An den Markttagen zeigt der Platz immer sein lebhaftestes und lustigstes Gesicht Da sitzen und stehen sie, unsere lieben Schwälmer und Schwälmexinnen, und haben aus ihren Ge- müfetammertt mitgebracht, was der Casseler Bürger zu seines Lebens Notdurft braucht. Frische, prangende Kohlköpfe, grünen saftigen Spinat, lockende, dickleibige Birnen, leuchtende goldgelbe Butter und Weißen, appetitlichen Quarkkäse.. Und die Einkäufettnnen wandeln mit der Markttasche, dem Gernüsenetz und dem Einholekorb am Arm unter all den Herrlich­keiten umher, die ein hausfräulich Gemüt mit Hellem Entzücken füllen, und schauen und pxü- en und wählen. Und das ist heute ein be­sonders schweres Geschäft, wo jeder Groschen

befindet sich bei Professor Dr. Jng. Weyhrauch in Stuttgart.

ä TaS hat noch gefehlt . . .! Wir sind in der letzten Zeit unseres Mißvergnügens mit Marokko genügend malträtiert worden. Marok- kohossnnngen, Marokkoenttäuschungen, Marok­kobluff, Marokkodrohungen, Marokkodiploma­tie, Marokkoreden, Marokkotelegramme hörten nicht auf: und nun erscheint, nach allem Marok­korummel kurz vor dem Abschluß des Marokko- vettrages gar noch eine M a rokkooperet- te. Dies musikalische Kind der Zeit heißt Königin Loanda", ist von Okonkowski gedichtet, von Oskar Malata vettont und am Chemnitzer Stadttheater Sonntag mit Erfolg gegeben worden. Die Herren Gamben und von Kiderlen-Waechter waren zur Premiere nicht geladen. Schade . . .!

Die Bekämpfung der Schlafkrankheit. Der Direktor des Hamburger Instituts für Schiffs- und Tropenkrankheiten, Professor Dr. Rocht ist im Auftrag des Staatssekretärs des Reichskolonialamts zum Studium der sanitären Verhältnisse und zur Erforschung der Schlaftrankheit nach Deutsch-Ostafrika abgereist. Er wird dort mit Generaloberarzt, Professor Dr. Stendel-Berlin, Zusammen­arbeiten.

Ein Mittel gegen die Schwindsucht? Der Budapester Arzt Ula dar von Szendeffy will ein Mittel gegen die Schwindsucht erfun­den haben. An mehreren hundert Schwind­süchtigen fei ieftgeftettt worden, daß ihr Zu­stand sich nach der Anwendung des Mittels besserte. Es seien auch zahlreiche Fälle von Heilung beobachtet worden. Wie von autorita­tiver Stelle bedeutet wird, hat man der Nach­richt großes Mißtrauen entgegenzn- bringen.

Eine Weingartnersche Neubearbeitung von Weber'sOberon". Felix von Wein­gartner ist augenblicklich damit beschäftigt, eine textliche und musikalische Neubearbeitung von WebersOberon" vorzunehmen. Das Werk soll den Charakter des Märchensingsviels mit Dialog behalten und nickt, wie das. von an­deren Bearbeitern versucht worden ist. in eine große Oper umgestaltet werden. Diese Rev- bearbeihtna wird unter Weingartners Lei tung am Stabttbeate in Hamburg zum ersten Male in Szene gehen.