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Die Uraufführung der neuen Symphonie von Zöllner.
Den Abend eröffnete die Uraufführung der F dur-Sympbonie von Heinrich Zöllner. Tiefer liebenswürdige Komponist ist in Män- nerchorkreifen kein Fremdling mehr: zahlreiche Mannergesangvereine hatten ihn schon als Dirigenten, und ebenso haben die durch ihn gegründeten Vereine in dem Sammelnamen ,.Z ö l l n e r b u n d" seine Verdienste gewürdigt. Tas Chorwerk Bonifatius hörten wir vor einigen Jahren vom hiesigen Lebrer- gesangverein. Von Zöllners Opern hatte der „Ueberfall" netzen den Musikkomödien ..Das hölzerne Schwert" und .Die versunkene Glocke' den größten Erfolg. ... Das neueste Werk ist eine Symphonie. Zöllner baut auch hier in dem Neuland, das Wagner vorbereitet hat Tic Arbeit bringt keine umwälzenden Neuerungen, hat hier und da Anklänge an voraus- gegangcnc Werke und verleugnet doch nicht einen denkenden, selbständigen, reisen Komponisten. der in dem weiten, weiten Wagnerfelde sein Land ganz für sich mit eignen Mitteln bebaut. Die Symphonie enthält vier Sätze. Tie, drei ersten sind heiteren Inhalts im Gegensatz zum letzten, der ernst und gemessen, rast schwermütig klingt. Jugend und Alter im wundervollen Gegensatz. Mit wuchtigen Akkorden leitet der erste Satz: Allegro con fuoco ein. Die Hörner bringen das Motiv f, e, agc, d, das vom Ttreichkörper umkleidet wird und bald in Abwechslung mit ihn: durch wundervolle Bearbeitung Tonbilder von seltener Fülle und Klanapracht bervorzaubcrt.
An den synkovenartig hineingeworfencn Waldhorntönen. mit den sprudelnd' und wirbelnd begleitenden Violinen erkennt man voll ständig den modernen Jnftrumentationskünst- ler. Inden: bald die Cellis den Geiaen und diese wieder den Klarinetten das Motiv übergeben. nehmen zum Schluß die Posaunen das gewaltige Motin und führe« so den ersten Satz zu Ende. ... De«, zweiten Satz leitet ein ernstes getragenes Motiv der Oboe ein. Nack und nach steigert sich die Klangwirkung, indem wieder die Hörner die Führung übernehmen und sich mit den gleichlautenden ersten Violinen zu gewaltigen Tonmcngen verdichten, in
denen auch die modernen Instrumente, Becken und Triangel, nicht fehlen. Tann schwächt das Orchester ab, und fast wie keusches Zwiegespräch klingt das fortwährende Wechseln des Motivs in den einzelnen Instrumenten, das bald von der Klarinette zum koirtrastie- renden Waldhorn, dann von der 2. Geige zum Fagott und schließlich von der 1. Violine aufgegriffen und so in zahlreichen geschickten Wendungen durch das ganze Orchester geführt wird. ... Das Scherzo zeichnet sich geradezu durch duftigste Instrumentation aus und beginnt in '» Takt mit der großen Trommel. An scharf ausgeprägtem Rhythmus sprudeln die Motive im Staccato fortwährend über die Violinseiten. sich förmlich in tollaufeinan- der folgenden Figuren und Figürchen immer vorwärts jagend.
Der vierte Satz, die vertonte Verkörperung eines reisen, ruhigen und harmonisch ausgeglichenen Alters faßt noch einmal alles zusammen. Hier kehren alle Motive der voraufgegangenen Sätze wieder und vereinigen sich zu wundervollen orchestralen Kraftausbrücken, besonders beim ersten Motiv. Vielleicht ist hier die Steigerung der Posaunen zu kräftig und. abgesehen davon, daß die Streicher vollständig gedeckt werden, entfernt sich der Komponist ein wenig von der natürlichen Krast- steigerunq. lieber den Quartsextakkcrd führt das Orchester zum Schlußakkord in F-dur. ... Ter zweite und dritte Satz sind in ihrem Aufbau die künstlerisch wertvollsten. Ter Komponist hat das große moderne Orchester verwendet, und mit der geschickten Instrumentation allerdings oft harmonische Klangwirkungen von erhabener Tonmlle geschaffen. Tas Orckcster war unter Leitung des Komponisten kaum wiederzuerkennen und verhalf dem Werte zu einem unbestrittenen, großen Erfolg. Leider ist das Casseler Konzertpubli- kum nicht so beifallsfreudig: umsomehr kann der mit Lorbeeren gekrönte Komponist mit dem gespendeten, herzlichen Beifall zufrieden sein.
Ter Solist des Abends Herr Professor A e 1 i r Berber, ist in Cassel nickt unbe tannt. Seine beiden Gaben: das Violinkonzert p"n Brahms »nd das A nn>II Konzert von Back machen ihn zu einem vornehmen Interpreten dieser Meister. Gerade der echt
gernranische Brahms erfordert tiefes musikalisches Empfinden und die Wiedergabe ließ uns die Innerlichkeit und die natürliche Wärme des Vortrags bewundern. Auch das mehrteilige 4-molI-Konzert war schlechthin ein Meisterstück und zeugte stellenweise von einer unglaublichen virtuosen Fingerfertigkeit und Technik. Mit der Beethovenschen F-dnr-Ro- manze erfüllte der vornehme Künstler seine Zugabenpflicht. /.. Das Orchester hatte eine große Aufgabe zu bestehen. Unter Leitung seines Meisters Herr Prof. Dr. Beier hörten wir noch das 1. Brandenburgische Konzert von Bach. Das Zweigespann der Waldhörner und Oboen kam bedenklich ins Schwanken. Sonst wurden die heiteren Schwänke, die im Streichorchester Backs meisterhafter Instrumentierung, reiche melodische Empfindungs- qabe beweisen, einwandfrei wiedergegeben. Nur unter den ersten Geigern siebt man stets einen einzigen Bogen, der immer „gegen den Strich" der andern will. Im Gesamtbild wirkt das störend. G. 0. K.
Kleiner Feuilleton.
" Ist denn die Wünschelrute wirklich „wun- derkräftig"? Unter dem Vorsitz des Geh. Admiralitätsrats F r a n z i s k u s K i e l ist die Gründung eines Verbandes zur Klärung der Wünschelrute «frage in Hannover erfolgt. Der Verband, der 20 Mitglieder umfaßt, bat sich die bemerkenswerte Aufgabe gestellt, die Wünschelrutenfrage, die bisher noch beiß umstritten ist. einer Klärung entgegenzuführen, da ihre Lösung sowohl für unsere Landwirtschaft als für unsere Kolonien von größter Bedeutung ist. Es sollen vom Verbände alle Gutachten gesammelt werden, die sick mit der Wünschelrutenfrage beschäftigen. Ferner wird das gesamte Material, das die bisherigen Erfolge mit der Wünschelrute betrifft. gesammelt und geordnet werden. Unter Umständen sollen Gutachten hervorragender Fachmänner eingefordert iverden. Ferner ist nock geplant, eine möglichst einwandfreie Statistik zu sammeln, wobei auch die Versuche des bekannten Wünschelrutenfachmannes Herrn von Uslar in Südwestasrika einbezogen werden sollen. Tie Geschäftsstelle des Verbandes
flr. 284. — 1. Jahrgang.
Casseler Neueste Nachrichterr
Sonntag, 5. November 1911.
icn können. Ter Kaiser soll den direkten Oberbefehl über das Heer und die Marine übernehmen. Ein kaiserliches Edikt kann ein Gesetz nicht ersetzen. Internationale Verträge dürfen nicht ohne Zustimmung des Parlaments geschlossen werden.
Das Bombardement von Hrmkau.
Nach telegraphischen Meldungen aus Ha n k a u bombardierten die Kaiserlichen am ersten November die Chinesenstadt, die zur Hälfte ein Raub der Flammen wurde. Ter Versuch der Fremden, Die Verwundeten nach dem Hospital der christlichen Mission in Sicherheit zu bringen, wurde durch das Feuer der Aufständischen aus Wutschang behindert. Die Kaiserlichen hörten jedoch während der Rettungsarbeiten des Roten Kreuzes zu schießen auf. Im Bezirk Tschapi meuterte das Polizeikorps. Tic Offiziere sollen geflohen sein. Es ist ungewiß, ob die Bewegung aus revolutionäre Ursachen zurückzuführen ist, oder ein gewöhnlicher Fall von Unbotmätzigkeit vorliegt. Ein Telegramm aus Nanking besagt: Der Gouverneur hat mit den Truppen von Nanking, von zwei Kanonenbooten unterstützt, die dortigen Unruhen unterdrückt. Ti- Stadt ist ruhig. Nach Konsularberichteu hat ein Gefecht bei Tschangtscha stattgefunden. Die Ausländer haben sich auf die Insel geflüchtet und treffen Vorbereitungen zu ihrer Verteidigung.
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London, 4. November. (Privat- Tclcgram m.) Hier eingegangene Meldungen bestätigen die gestern aus Alexandrien cin- getrnffcnen Nachrichten über den Ausbruch von Unruhen. Ucber die Stadt ist der Bclaae- rungszustand »erhängt worden. Truppen, die von dem Kriegsschiff „Lancaster" gelandet worden sind, und Truppen der Ökkupationö- trtmec, verstärkt durch ägyptische Soldaten, ziehen mit Feldgeschütz en Stra
ften, um für die Wifrrchterhaltung der Ord
M Bilanz des MarMo-GssMts.
Ter Marokko- und Kongo-Vertrag.
'Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung veröffentlicht in einer Sonderausgabe einen Auszug aus dem Ma r o k ko a b k o m men und die wichtigsten Bestimmungen des Kongovertrags Das Abkommen bedeutet für Deutschland einen Z u wachs an Ländereien längs der Grenze seiner Kamerunkolonie, außerdem zwei Landstrecken, die den Zugang zum Kongo und zum Nbangi ermöglichen. Dagegen tritt Deutschland das kleine Dreieck zwischen Logone und Chari bis zum Tschadsee ab. Togo wird in dem Abkommen nicht erwähnt. Ferner enthält der Vertrag auf Gegenseitigkeit beruhende Bestimm mungen über Handelsfreiheit, gegenseitiaen Durchzuges, Rechtsbefugnisse und Weitersüh- rung von Eisenbahnen und am Schluß den Vorbehalt gegenseitiger Verständigung für den Fall, daß im internationalen Kongobecken, tote es für den Berliner Vertrag festgelegt ist, eine Veränderung eintreten sollte. Tse einzelnen Bestimmungen decken sich im übrigen mit dem von uns aufgrund telegraphischer Meldungen bereits gestern mitgeteilten materiellen Inhalt der beiden Verträge. Das französische M a r o k k o p r o t e k t o r a t dürfte, da Mulay Hasid einverstanden ist. mit dem ersten Januar nächsten Jahres beginnen.
Preßftimmen zur Kolrmial-Krrse.
(Eigene Drahtmeldung.)
Die gesamte Berliner Preffe erörtert den nunmehr zur Tatsache gewordenen Rücktritt des Statssekrctärs des Reichskolonialamts, von Lindeguist, in langen Artikeln, die auf die Situation innerhalb der Regierung seltsame Schlaglichter werfen. Wir registrieren folgende Pretzstimmen:
Tie „N a t i o n a I j e i t u n g" schreibt: Die Krisis, die so plötzlich eingetreten ist, hat in po
litischen Kreisen ein peinliches Befremden her» borgenden und ist geeignet, das Mißtrauen gegen gewisie Kreise der Regierung noch zu verstärken.
Tie „F r e i si n n i g e Z e i tu n g", die den Rücktritt des Staatssekretärs bedauert, führt aus: Vielleicht hat sich Herr von Lindequisi von Anfang an aitf dem gefährlichen Boden seines Amtes weniger Wohl gefühlt als in den Kolonien selbst.
Die „G ermani a" erklärt, es handele sich hier nicht um eine Personalfrage untergeordneter Art, sondern um eine politische Frage von großer prinzipieller Bedeutung. Die eigene Meinung der beiden Herren in Ehren! Aber als Beamte haben sie sich im gegenwärtigen Augenblick nicht bewährt.
Das „Berliner Tageblatt" schreibt: Als erstes Opfer des Bethmann-Kiderlen Marokko-Vertrages räumt Staatssekretär von Lindeguist seinen Platz. Es ist sehr amüsant tu sehen, in welche Aufregung die Offiziösen der Betbmaml Hollweg'schen Regierung über diese selbständige Bewegung des hohen Regie- rlmgsbeamteli geraten sind.
Die „Vosfische Zeitung" schreibt: Heute blickt alle Welt auf den scheidenden Staats-Sekretär und hat für ihn fast mehr Interesse, als für den Marokko-Vertrag selbst.
In der „Täglichen R n n d s ch a u" wird bedauert, daß die Marokkoaktion nun auch noch unserem Kolonialamt einen tüchtigen Leiter und einen hervorragenden Beamten geraubt hat.
Der „Lokal-Anzeiger" bemerkt, daß Herr von Lindeguist sich durch den Vorwurf getroffen fühle, im Kolonialamt seien Indiskretionen begangen worden. Deshalb sei er gegangen.
Der „Vorwärts" fährt schweres Geschütz auf: Die Bethmanu-Hollwegsche Regierung hat zv unheilvollen Zuständen geführt. Eine Schmach ist es. daß ein Kulturvolk wie das deutsche, ein Volk von fünfundsechzig Millionen. eine solche Politik, gegen die die Minister selbst rebellieren, sich gefallen lassen muß, ohne dazu etwas sagen zu dürfen.
StsstsfelretSr von Lmdeqmst
Staatssekretär von Lindeguist stand erst seit dem neunten Juni 1910 an der Spitze des Reichskolonialamts: seit 1892 ist er im. Kolonialdienst. Er war zuerst als Regie- rungZaffessor in der Kolonialveiwaltuirg. dann 1894 bis 1900 beim Gouvernement in Südwestafrika tätig, und darauf war er fünf Jahre laug Generalkonsul in Kapstadt und wurde von dort 1905 als Gouverneur nach Südwestafrika gesandt. Schon im nächsten Jahre wurde er nach Berlin in die Kolonialverwaltung berufen, in der er nach der Schaffung des selbständigen Reichskolonialamts U n t e r- staatssekretär wurde. Seine lange Erfahrung in kolonialen Angelegenheiten ergab nach dem Rücktritt Dernburgs von selbst seine Ernennung zu dessen Nachfolger^ Er bat sich ans diesem Posten bemüht, die Kolonialver- waltung in Dernburgs Sinne toeiterzuführen. und er hat in diesem Bestreben auch mancherlei Erfolge erzielt. Daß er es nicht verstanden bat, sich gänzlich von der b u r e a u k r a t isch e n Schablone freizumacken, ist oft bedauert worden: jedenfalls aber kann man Lindeguist die Anerkennung nicht versagen, daß er nach besten Kräften bemüht gewesen ist, die ihm unterstehende Kolonialverwaltung im Interesse des Reichs erfolgreich zu gestalten, und es ist deshalb mit so bedauerlicher, daß er in einem Moment vom Amt zurücktritt, wo seine Kraft am dringendsten erforderlich gewesen wäre.
Berlin, 4. November. (Eigene Draht- m e l d ü n g.) In hiesigen unterrichteten Kreisen geht das bestimmte Gerücht, daß noch wei- terePcrsonenveränderungen im Kolonialamt nahe bevorstehen, und daß in
Verbindung mit der angeblichen Jndiskre- tionsaffäre peinliche llcberraschun- g c n zu erwarten stehen. Man spricht von einer bereits für die nächsten Tage bevorstehen- .dcu M a s s e n v e r a b s ch i e d u n g von Beamten der Kolonialverwaltung.
Die Politik des Tages.
Die Landtagswahlen in Hcffen.
Wie uns aus Darmstadt berichtet wird, sind nach den bisher vorliegenden Ergebniffen der gestrigen Landtags Wahlen im Großherzogtum Hessen gewählt: Sechs Anhänger des Zentrums, vier Bauernbund, vier Sozialdemokraten, drei Nationalliberale und zwei Fortschrittler. Außerdem sind wahr- sch ein lieh noch gewählt: Zwei Bauernbund und ein Sozialdemokrat. Voraussichtlich sind elf Stichwahlen erforderlich. Die bisherigen Wahlergebnisse deuten auf eine kleine Verschiebung nach links hin. Die Stichwahlen finden am siebzehnten November statt, dürften aber die politische Tendenz der Wahlen kaum noch verschieben.
Posadowsky und Hacseler im Reichstag?
Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Bielefeld: Hier wird bestimmt behauptet, die Rationalliberalen hätten der vom Zentrum vorgeschlagenen Kandidatur des Grafen Posadowsky für Bielefeld-Wiedenbrück zugestiinmt unter der Bedingung, daß die Klerikalen in einem Wahlkreis an der Ruhr (genannt wird Esten) den nationalliberalen Mandatsbewerber unterstützen. Das Zentrum soll dies bereits zugesagt haben. Ferner wird uns aus Essen depeschiert: Vertreter der Konservativen, der Deutsch-Sozialen und der Christlich-Sozialen, sowie der rechtsnationalliberalen Partei des Reichstagswahlkreises Duisburg-Oberhausen haben dem Feldmar- schall Grafen H a. e feier die Rcichstags- kandidalur angeboten. Graf Haeseler hat and) unter, der Bedingung angenommen, daß er im Falle seiner Wahl sich keiner Partei an- schließen, sondern sein allen Deutschen bekanntes Programm vertreten könne.
Türken-Bombardement auf Tripolis!
Wie wir schon gestern in einem Extrablatt berichtet haben, hat gestern Resched Bey, der Kommandattt der türkischen Truppen in Tripolis, an den italienischen Kommandanten die Aufforderung gerichtet, sich zu ergeben. Der italienische Kommandant antwortete ablehnend. Resched Bey begann hierauf das Bombax - dement der Stadt, das zwei Stunden anhielt. Da jedoch der größere Teil der italienischen Truppen sich in die Häuser zurückzog, wurde das Bombardement unterbrochen. Man erwartet indessen stündlich die Kapitulation der Italiener. Die Verluste, die die Italiener seit dem 23. Oktobere erlitten haben, betragen 1500 Mann, davon 280 Tote. C h o - lerakrank sind 87 Soldaten, von denen 5 gestorben sind. Dem Strafgericht.in Tripolis fielen 4000 Araber zum Opfer, darunter vierhundert. Frauen und Kinder.
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Depeschen aus Madrid zufolge ist die Regierung einem Komplott auf die Spur gekommen, das ein Attentat auf den Ministerpräsidenten Kanäle ja« bezweckte. Zahlreiche, an der Verfchwörnng beteiligte Personen, darunter mehrere Offiziere, wurden verhaftet.
. Reu« vom Tage.
(Depeschen der Eaffeler Neuesten Nachrichten.)
tr: Bergmannslos. Auf dem Schacht der westfälifchen Gewerkschaft „B e r g m a n n s s e- g e n" ereignete sich gestern vormittag ein bedauerlicher Unglücksfall. Bei dem Weg- räumen der losgesprengten Massen entlud sich ein stehengebliebener Sckuß. wodurch der Drit-
telsührer Ban so getötet, ein Bergmann schwer, und drei leichter verletzt wurden. Die übrige im Schacht befindliche Belegschaft kam mit dem Schrecken davon.
XX Typhus nnd Scharlach im Westen. In der verflossenen Woche kamen im Regierungsbezirk Düsseldorf 224 neue TYvh u § - fälle zur Anmeldung, darunter im Landkreis Esten allein sechsundachtzig Erkrankungen mit zwei Todesfällen. Insgesamt wurden im Regierungsbezirk in der verflossenen Woche 705 ansteckende Krankheitsfälle gemeldet, davon 292 Scharlacherkrankungen und 111 Fälle von Diph- theritis. Iw. Ruhrgebiet tritt neben dem Typhus jetzt auch der Scharlach in erschreckender Weise auf. In einzelnen Städten und Gemeinden befinden sich bereits Hunderte von Scharlachkranken. Zahlreiche Todesfälle sind zu verzeichnen.
~ Max Schultz, der „Spion". Tie Londoner Geschworenen verurteilten gestern den Spion Max Schultz wegen Spionage zu einundzwanzig Monaten Gefängnis. Bei der Verkündigung des Strafmaßes erklärte der Lordoberrichter, bei den freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und England werde gewiß niemand mehr das Verhalten des Angeklagten verabscheuen, als die führenden Männer in Deutschland.
™ Liebe und Verbrechen. Der Stellvertreter des Steuereinnehmer« vom Departement Mayennc in Frankreich. Namens Fou- a u e t, hat Frau und Kind erschossest und ist mit 12 0000 Mark Staatsgeldern entflohen. Man bernpttet, daß die leidenschaftliche Liebe zu einer jungen Pariserin das Motiv des Verbrechens ist.
~ Explosion in den Pulverwerken. In den Pulyerwerken von Cahta in Rußland sand eine Ervlosion statt, bei der drei Personen getötet. drei schwer und zwanzig leicht verletzt wurden. Die Ursache der Explosion ist unbe- kannit. Die umfangreichsten Maßregeln sind unverzüglich getroffen worden.
~ Hungersnot im Tatarenland. Depeschen aus Petersburg melben: Aus dem H«n- gergebiet in der Tatarengegend kommen schreckliche Nachrichten. Die Ortschaft Orenburg scheint vollkommen dem Tode geweiht zu fein. Die Bevölkerung liegt vollkommen entkräftet in ihren Hütten und erwartet den Tod. Die meisten Kinder sind bereits dem Typhus zum Opfer gefallen.
zu: Eifenbahnkatastrophe in Amerika. Infolge Weichenbruchs entgleiste der Scknellzug Newyork-Floxida bei Raleigh. Achtzehn Personen wurden verletzt. Der Materialschaden ist bedeutend. Nähere Einzelheiten fehlen noch.
Das Neueste aus kastel.
Raffelet Wochenmarkt-Bilder.
M arkttag ...I? Seit den frühen Morgenstunden füllt wimmelndes, kribbelndes, guirrelndes Leben den runden Königs- platz mit seinen imposanten Häuserfassaden, und leuchtendes Grünzeug und bunte Blumen lachen unter dein entlaubten Lindenbäumen. An den Markttagen zeigt der Platz immer sein lebhaftestes und lustigstes Gesicht Da sitzen und stehen sie, unsere lieben Schwälmer und Schwälmexinnen, und haben aus ihren Ge- müfetammertt mitgebracht, was der Casseler Bürger zu seines Lebens Notdurft braucht. Frische, prangende Kohlköpfe, grünen saftigen Spinat, lockende, dickleibige Birnen, leuchtende goldgelbe Butter und Weißen, appetitlichen Quarkkäse.. Und die Einkäufettnnen wandeln mit der Markttasche, dem Gernüsenetz und dem Einholekorb am Arm unter all den Herrlichkeiten umher, die ein hausfräulich Gemüt mit Hellem Entzücken füllen, und schauen und pxü- en und wählen. Und das ist heute ein besonders schweres Geschäft, wo jeder Groschen
befindet sich bei Professor Dr. Jng. Weyhrauch in Stuttgart.
“ä TaS hat noch gefehlt . . .! Wir sind in der letzten Zeit unseres Mißvergnügens mit Marokko genügend malträtiert worden. Marok- kohossnnngen, Marokkoenttäuschungen, Marokkobluff, Marokkodrohungen, Marokkodiplomatie, Marokkoreden, Marokkotelegramme hörten nicht auf: und nun erscheint, nach allem Marokkorummel kurz vor dem Abschluß des Marokko- vettrages gar noch eine M a rokkooperet- te. Dies musikalische Kind der Zeit heißt „Königin Loanda", ist von Okonkowski gedichtet, von Oskar Malata vettont und am Chemnitzer Stadttheater Sonntag mit Erfolg gegeben worden. Die Herren Gamben und von Kiderlen-Waechter waren zur Premiere nicht geladen. Schade . . .!
Die Bekämpfung der Schlafkrankheit. Der Direktor des Hamburger Instituts für Schiffs- und Tropenkrankheiten, Professor Dr. Rocht ist im Auftrag des Staatssekretärs des Reichskolonialamts zum Studium der sanitären Verhältnisse und zur Erforschung der Schlaftrankheit nach Deutsch-Ostafrika abgereist. Er wird dort mit Generaloberarzt, Professor Dr. Stendel-Berlin, Zusammenarbeiten.
Ein Mittel gegen die Schwindsucht? Der Budapester Arzt Ula dar von Szendeffy will ein Mittel gegen die Schwindsucht erfunden haben. An mehreren hundert Schwindsüchtigen fei ieftgeftettt worden, daß ihr Zustand sich nach der Anwendung des Mittels besserte. Es seien auch zahlreiche Fälle von Heilung beobachtet worden. Wie von autoritativer Stelle bedeutet wird, hat man der Nachricht großes Mißtrauen entgegenzn- bringen.
Eine Weingartnersche Neubearbeitung von Weber's „Oberon". Felix von Weingartner ist augenblicklich damit beschäftigt, eine textliche und musikalische Neubearbeitung von Webers „Oberon" vorzunehmen. Das Werk soll den Charakter des Märchensingsviels mit Dialog behalten und nickt, wie das. von anderen Bearbeitern versucht worden ist. in eine große Oper umgestaltet werden. Diese Rev- bearbeihtna wird unter Weingartners Lei tung am Stabttbeate” in Hamburg zum ersten Male in Szene gehen.