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Casseler Neueste Nachrichten

Sonnabend, 4. November 1911.

Halle a. S., 3. November. (Privat- Telegramm.) Eine Versammlung der Be­ruf s b ü r ß e r m e i st e r aller Grotzherzoglich- weimarische'n Städte unter zehntausend Ein­wohnern beschloß den Zusammenschluß zum gemeinsamen Einkauf wichtiger Lebensmittel und Schaffung einer Notstands- kommiffion. Diese soll auf Benachrichtigung aus notleidenden Orten die nötigen Lebens­mittel beschaffen.

Nichts neues vor Tripolis!"

. Depeschen aus Konstantinopel bestätigen, daß, nach dort vorliegenden Meldungen aus Tripolis alle befestigten Positionen außer­halb der Stadt Tripolis von den Türken ein«

-------- x? »«hiJ, wo sich die Gruben einer Minengesellschaft befinden, sind in einer Baracke, in der sich zweiundvierzig Personen befanden, siebenundzwanzig Personen ertrun- 3n Einem Eingeborenenhause wurden allem neunzehn Leichen gefunden.

rrr. Nach dre, Jahren. In der Kohlen­grube in Abram (England) sind die Leichen von verschütteten. Arbeitern aufqe-

X Ein Sechzehnjähriger als Mörder. Gestern nackmittaa wurde in einem Feldhäus- chen bei Nürtingen (Württemberg) die Leiche des fünfzehn Jahre alten Bäckerlehr- lmgs Noll aus Oberndorf entdeckt. Die Untersuchung ergab, daß Noll von dem seckzehn Jabre alten Lebrling Schemm aus Obern­dorf am letzten Sonntag anaeichossen und dann mit einem großen Stein erschlagen worden ist Der jugendliche Mörder hat die Tat eingestan­den, doch ist der Beweggrund unbekannt.

22 Die Auslieferung des Defraudanten Nenner. Der Banklehrling Renner aus Lud­wigshafen, der nach großen Unter- schlaaungen flüchtig geworden war, ist von den englischen Behörden zur Auslieferung an Deutschland überwiesen worden. Die Auslie­ferung wird bereits in kürzester .Leit erfolgen.

Die Breslauer Webel-Affäre. Der ehe­malige Oberleutnant Ernst Ferdinand Webel in Breslau ist verhaftet worden wegen Ver­führung einer Minderjährigen und wegen des Verdachtes, an der Ermordung der Elfriede Ludwig beteiligt zu sein, die am fünfzehnten Oktober, früh, im Südvark erdrosselt aufqe- ünden worden war. Webel hatte sich bereits vor dem Kriegsgericht der zehnten Division wegen sittlicher Vergehen im Wiederaufnahme­verfahren zu verantworten und war damals 'reigesprochen worden.

12 Unter Trümmern begraben. Ein ein­stöckiges Haus ist gestern nacht in B a g u l e t in der Rue Victor Hugo e i n g e st ü r z t. zwei Personen (ein Ehepaar) sind unter den Trüm­mern begraben worden und konnten nur als Leichen geborgen werden. Die Hilfsaktion trat erst eine volle Stunde nach der Katastrophe in Kraft. Eine eingehende polizeiliche Untersu­chung ist eingeleitet.

12 Präsident Madero in Lebensgefahr. Der S p e z i a l z u g des Präsidenten M a - d e r o ist auf der Fahrt von Chihuahua nach Mexiko bei Gomezpalacio mit einem- terzug zusammen gestoßen. Madero und sein Gefolge blieben unverletzt, ein Zugführer und ein Heizer wurden getötet.

2r Straßenkämpfe in Amerika. In Tor - reon haben gestern blutige Straßenkämpsi zwischen Maderi st en und Bundesgen- d a r m e n stattgefunden, bei denen die Anhäw ger Maderos die Oberhand behielten. Sech- Personen wurden g e t ö t e t und fünfzehn ver­wundet. Madero hat General Reyes zui Rückkehr und zur Annahme eines Minister­postens aufgefordert. Reyes hat jedoch abge­lehnt, bevor die Ruhe wieder hergestellt sei.

*2= Entweder ganz oder garnicht. In der Versammlung der Garantiezeichner der Kös- lrner Ausstellung 1912 wurde, wie uns ein Privattelegramm meldet, mit 106 aegen 6 Stimmen beschlossen, die Ausstellung "1912 in großzügiger Weise durchzuftihren.

eSt Ueber eine Million Kronen für ein Bild. Der Gutsdirektor des Grafen Kakinski in H a - lenko bei Wsentin in Mähren, Göz, besaß ein Bild, das einer seiner Vorfahren von einem pursten Liechtenstein geschenkt bekommen hatte. Goz legte dem Bild keinen Wert bei und ließ ff bei Küche feiner Wohnung hängen. Zu­fällig wurde ein Kunstsachverständigerauf das B'ld aufmerksam und stellte fest, daß es von einem Schüler Leonardo da Vincis stammt. Dieser Tage verkaufte nun der Gitts-

Bild einem Amerikaner für 1200 000 Kronen

Diesen Vorgang aus dem Leben verarbei­tete Tolstoi, dem der Stofs von dem Präsi­denten des Moskauer Bezirksgerichtes zuge- ttageu worden war, zu dem dramatischen Entwürfe, den er gewiß weiter ausgearbeitet batte, wenn nicht ein sonderbarer Zwi­schenfall eingetreten wäre. Tolstoi dik­tierte den Entwurf seinem Abschreiber Iwanow dem er in Anerkennung seiner Dienste die Originalhandschrist schenkte. Bald daraus ging Awanow nach Moskau, wo er nach kurzer Zett seiner Schwäche, der Trunksucht, verfiel, rl Ertrank alles, was er besaß, und befand sich bald auf der Chitrowka, dem Sammel­plätze, der Enterbten und Entgleisten. Hier schnüffelte ihn ein findiger Reporter auf, 'der ihn unter Alkohol setzte und von ihm Details aus Jasnaja Poljana erfahren wollte. Der Branntwein löste Iwanows Zunge und er verriet, daß er sich im Besitze der Hand­schrift eines Dramas von Tolstoi befinde. Nun schleppte der Reporter den Iwanow ru seinem Herausgeber, dem Iwa­

now dis Handschrift vorwies: doch sie komiten nicht Handelseins werden, da Jwan.w eine hohe Summe verlangte. Währenddessen ver­öffentlichte jedoch das Blatt den Inhalt des Dramas, und in Jasnaja Poljana war man empört über den großen Vertrauensbruch.

Um allen Versuchungen zu entgehen, über­gab Iwanow schließlich die Handschrift einem Freunde Tolstois, Boulanger, und eilte selbst nach Jasnaja Poljana, um die Verzeihung Tolstois zu erbitten. In Jasnaja Poljana be­gegnete er Wladimir ©immer, der aus den Zeitungen erfahren hatte, daß Tolstoi ihn zum Mittelpunkt eines Dramas gemacht hatte, ©immer hatte dagegen Einspruch erhoben und geltend gemacht, daß die Veröffentlichung des Dramas ihn vollends vernichten und seiner Familie eine unverschuldete Kränkuna zufü­gen werde. Tolstoi gab den Bitten Gimmers Folge und rührte den Entwurf, der ihn stark beschäftigt hatte, hinfort nicht mehr an; er lag neun Jahre hindurch in seinem Archiv, ohne daß er auch nur einen Federstrich daran getan hätte. Da derLebendige Leichnam" von dem Freunde Tolstois. Tschertkows, herausgegeben worden ist, so sind Stimmen laut geworden, die behaupten wollen, Tschertkow habe den Entwurf bearbeitet, er fei also eigentlich bis zu einem gewissen Grape ein Falsifikat. Gewiegte Tolstottenner wei­ten jedoch mit schlagenden Gründen diese An­nahme zurück, und sie ist in der Tat auch müßig^ well das Werk ohnehin unverkennbar den Stemvel eines nicht ausgeführten Ent­wurfes auf der Stirn trägt. " 0. G-g.

b.ohcn Justizbeamten liefert, ©immer hatte em sehr schönes und außerordentlich kluges Mädchen geheiratet; alle Wege zu erfolgreicher Karriere standen ihm offen; da begann Gim- mer zu trinken und sank rasch von Stufe zu Lttrfe. Seine junge Frau faßte während- oeyen zu einem anderen Manne eine tiefe Nei­gung und überredete ©immer, gegen Hergabe einer größeren Geldsumme, einen Selbst­mord zu fingieren, um dem geliebten Manne die Hand reichen zu können. Wladimir ©immer ging darauf ein. Man fand eines Tages seine Ueberkleider am Ufer der Mos­kwa und ein hinterlassener Brief zeigte an, daß er sich ertränken werde. Der Zufall woll­te, daß man im Flusse eine Leiche fand, die Frau ©immer als die ihres Gatten aner­kannte. Frau ©immer heiratete zum zweiten Male, und Wladimir ©immer verschwand im Strudel der Großstadt. Doch tauchte et bald wirder auf und begann, auf den Rat eines gleichfalls heruntergekommenen ari­stokratischen Freundes, von seiner Frau Geld zu erpressen. Das ging so lange, bis die Mittel der Frau versiegten und sie selbst Anzeige wegen Bigamie machte. Die Ge­schworenen verurteilten sie zu einer milden Freiheitsstrafe.

Zar SeiteHe aus Saffet

HerbWirrm zeit.

Man sagt, es gibt im Leben der Menschen für jeden eine Sturm- und Drangperiode, eine Zeit, wo ungeklärte Gefühle sich an die Ober­fläche drangen, wo der Feuerkopf sich nicht beugen mag unter der Wucht der Ereignisse, wo die Fäuste sich ballen zum Widerstand ge­gen Verhältnisse, die schließlich doch stärker sind, denn der Mensch ... Am Anfang des Lebens steht diese Sturm- und Drangperiode der Menschen, auf der Schneide der Kinder- und Jünglingsjahre liegt der Beginn. Wem ist um jene Zeit das Blut nicht schneller durch die Adern geflossen, wer erinnerte sich nicht, ein­

Noisy-le-Sec (Ostbahn) gegen den letzten Wagen eines vorfahrenden Lokalzuges. Der Maschinist wurde tödlich, neun Personen wurden leicht verletzt.

Die Tragödie eines Entthronten.

Hinter den Mauern der Billa Allatini.

In den letzten Tagen wurden die ausländi­schen Blätter wieder mit Nachrichten über den entthronten Sultan Abdul Hamid bedient, die den Tatsachen nicht entsprechen. An der Nachricht, daß man versucht hätte, ihn zu e n t- sübren, ist (wie aus Saloniki berichtet wird) kein wahres Wort, und man kann sich in der Türkei gar nicht erklären. wodurch diese Nachricht hervorgerufen worden sein könnte Abdul Hamid' befindet sich seit dem Eintritt der kühlern Jahreszeit bedeutend Wohler und ist verhältnismäßig ruhig geworden. Er kommt nach tote vor mit niemandem außer dem Kommandanten des Wachdetachements Rassim Bey und dem Leibarzte Atuf Bey in Berüh­rung. Wenn er irgend welche Wünsche hat. so muß er sich an diese beiden Herren wenden, von denen ihm der letztere sympathisch ist; den Wachekommandanten Rassim Bey kann er we­niger gut leiden, und er trachtet, so wenig als Dienste in Ansvruch zu nehmen. Abdul Hamid verläßt seit längerer Zeit die Villa nickt mehr und hat selbst auf die kurzen Lpaztergänae im Park verzichtet, angeblich soll » immer noch

zu furchtsam und mißtrauisch

Dagegen beschäftigt er sich wieder mit ».Erarbeiten und wendet ganz besondere Jufmerffamfett den Vorbereitungen für die Mahlzeiten zu. Er selbst bestimmt von eitzem Tag zum andern das Menu und schon

Gastspiel im Hottheater.

Hanns Robert als Tannhäuser.

Mit dem Ta n n h ä u s e r g a st s p i e l des Herrn R o b er t aus Berlin begann gestern ckvn die Heldentenorsuche für 1913. Eine lange Spanne Zeit, um bis dahin den rechten zu finden, wenn jeder Bewerber bis zu dem Zeitpunkt etwas mehr Kunst wie sein Vorgän­ger mitbringt. Aller Anfang ist schwer, be- onders wenn man sich von einer Provinzbüh­ne zum ersten Male auf den glühend heißen Boden eines Hoftheaterr wagt. Trotzdem sind dem Sänger die Hoffnungen nicht verloren ge­gangen. denn diese knghenbaste Tannbäuserauk-

abends werden die Artikel an Fleisch, Gemüse Obst und andern Lebensmittel aufgeschrieben, die am nächsten Tage nach der Villa zu liefern sind. Die Küche, die im Hinterhaus der Villa liegt, hat manchmal die Ehre des persönlichen Besuchs des Exsultans, da er die Zubereitung mancher Speisen sehen will. Zurzeit befinden sich etwa zwanzig Damen in der Villa, welche größere Auslagen verursachen, denn sie sind in letzter Zeit anspruchsvoller geworden, als frü­her, und es wurden feine Kleiderstoffe, Aufputz Stickereien, Spitzen und selbst Schmucksachen für größere Summen nach der Villa geliefert. Von privater Seite will man wissen, daß Ab­dul Hamid

über die politischen Vorgänge gar nicht unterrichtet sei und gar nicht den Wunsch äußere, Zeitungen zu lesen. An in« formierter Stelle wird dagegen behauvtet, daß derErsultan von dem Ausbruch des türkisch- italienischen Krieges verständigt wor­den sei, und daß er sein lebhaftes Bedauern über das Vorgehen Italiens in der Tripolis- angelegenheit ausgedrückt habe. Hinsichtlich seiner Bewachung verlautet, daß der Wach- kommandant. der der Person Abdul Hamids am nächsten ist, ein über alle Zweifel erhabener Mann sei,^auf den man sich in jeder Hinsicht verlasse, «sollte je einmal ein außergewöhnli­ches Ereignis eintreten, so haste dieser Vertrau­ensmann für die Person des Sultans. Auch habe er das Recht, Abdul Hamid mit e i g e - ner Hand zu töten, falls sich diese Not­wendigkeit ergeben sollte, um einen Putsch, ei­nen Fluchtversuch oder eine gewaltsame Ent- suhrung zu verhindern. Daß das einmal gc- ichehen wird, ist indessen kaum anzunehmen, denn Abdul Hamid, der Entthronte, hat sich mit seinem Schicksal längst abgefunden und der Abend seines Lebens imgoldnen Käfig" er­muntert- sicher nicht zu neuen Ränken . . ,

-as-

fassung brackt selbst bis Schluß noch die wun­derlichsten Gesten in der darstellerischen Wie­dergabe des Helden, der von Herrn Robert al­lerdings mit reichlicher Tbeaterpose zum unrei­fen, himmelstürmenden Jüngling erniedrigt wurde. Auch die Stimme konnte den Eindruck nicht verbessern. Die untere und die mittlere Lage^klingt mehr baritonal, und die Höhe wird dem Sänger schwer, selbst auch dann noch, wenn Herr Robert mit der stereotypen Unmanier die Töne ost eine Quarte tiefer ansetzt und nach und nach üinaufzieht. Dadurch entsteht weiter noch per Fehler, daß jedes Wort mit einem dunklen a eingeleitet wird, zum Beispiel: D'o)ir G(o)öttin der L(o)iebe" und die nicht gerade deutliche Deklamation noch mehr ver- wischt. Der Sänger hat Material, das mit Hilfe tiefgründiger Schulung bessere Erfolge bringen könnte. Alles andere ist bekannt: Frl. von der O st e n müßte sich künftig hin im 3. Akt Pie Augen und deren Umgebung besser schminken. Für den Besucher konnten gestern die dunflen Augenpartien einen Vergleich mit einer Automobilbrille ganz gut aushalten.

Das heutige Abonnementskonzert. Pro­fessor Heinrich Zöllner, der Komponist der Versunkenen Glocke", wird im heutigen Abon­nementskonzert die Uraufführung seiner neuen Symphonie selbst dirigieren. Ver- Ichiedene auswärtige Dirigenten haben zu dem Konzert ihr Erscheinen in Aussicht gestellt.

Das Programm des Reichstags.

Ueber die Geschäftsdisvositionen des Reichs­tags wird uns telegraphisch berichtet:' Neben der Beratung der handelsvolitischen Vorlagen am nächsten, Dienstag dürfte die ganze nächste Woche für die Beratung der Marokko-Jn- terpellationen reserviert bleiben. Nach der Erledigung dieser Jntervellationen wird die zweite Lesung des Schiffahrtsabga- be n g e setz es in Angriff genommen werden. Man glaubt diese Materie in drei Sitzungen evemuell sogar noch in dritter Lesung verab­reden zu können. Bis zum achtzehnten No­vember werden noch das Hausarbeits- gesetz und eine Reihe kleinerer Dorla- g e n zur Beratung gestellt werden. Es ist übri­gens wahrscheinlich, daß der Reichstag bereits

f u n fu n d z w a n z i g st e n November geschlossen werden wird.

Wer wird Kröchers Erbe?

Unser Parlamentarischer Mitar­beiter depeschiert uns: Als Nachfolger des Herrn von Kröcher als Präsident Les Abgeordnetenhauses werden in der Presse verschiedene konservative Abgeordnete genannt. Wie ich von beteiligter Seite höre md alle diese Meldungen lediglich Kombi- irgendwelche Verhandlungen über die Nachfolge des Herrn von Kröcher bis­her nicht geführt worden sind. Im übrigen ,at Herr von Kröcher bis heute auch eine of- M teile Verzichtleistung noch nicht ausge­sprochen. ü

Nach den Reichslands-Wahlen.

Ein Privattelegramm meldet uns aus Straßburg i. E.: Die Wahlen zur zweiten Kammer haben eine große Anzahl a *e e Zur Folge, besonders von der Großblocksette wegen Wahlbeeinflussungen durch die Geistlichkeit durch Läuten der Kirchenglocken in einer großen Anzahl . von Dörfern. Es wird darin von den anti-

TrMors letztes Imnm.

Die Schicksale desLebendigen Leichnam" lVon unferm Korrespondenten)

In dem Augenblick, da zwischen dem deutschen Verleger von Tolstois hinterlas­senen Schriften und dem Deutschen The­ater in Hannover, das denLebendigen Leichnam" zur Ausführung brachte, ein Konflikt über dieEchtheit" der Fassung ausgebrochen ist. verdie­nen die Ausführungen unseres Petersbur­ger Mitarbeiters über die Schicksale des umstrittenen Dramas und seine russischen Aufführungen besondere Beachtung.

-- Utbume Drama des Weisen von Jasna,a Pohana wird in Moskau von der Truppe Stanislawskis und in Petersburg int Kaiserlichen Alerandra-Theater aufgeführt. Die Manen Tolstois können zufrieden fein denn mit größerem Aufwand feinsinniger Jn- izenierungskunst und in besserer Rollenbeset­zung könnte fein letztes Drama überhaupt nicht herausgebracht werden. Aber der «e- bendige Leichnam" ist trotzdem eine große Enttäu^schung, man hatte mehr erwartet. -iaS müssen die maßgebenden Kritiker bei allem Respett vor Tolstoi zugeben. Man muß ein stark hervortretendes feniles Unvermögen konstatieren, und man vermißt eine straffe dramatische Verknüpfung der lockeren Szenen­folgen. die dem Stücke den peinlichen Ein- Pruck des skizzenhaft Unvollendeten nehmen könnte. In Wirklichkeit handelt es sich auch nur um eine Skizze, ein Szenarium, das Tol- foi rasch hinwarf, dann beiseite legte und nie vollendete, da er aus gewissen Gründen den Entwurf als abgetan betrachtete. Die Ge­schichte des Dramas, die in die Tiestn des russischen Lebens führt, ist interessanter, als das Drama selbst. Den Stoff lieferte bekannt- l'-cb eine Gerichtsverh andlung ge­ll E n das Ehepaar ©immer, die vor ettoa zwölf Jahren in Moskau stattgefunden yar.

Wladimir ©immer, ein junger Mann aus vornehmer Fauttlie, hatte eine vortreffliche _t^ner aristokratischen Petersbur­ger .Rechtsschule aenossen. die dem Lande die

klerikalen Parteien eine unerlaubte Wahlbeein-1 ux Die Geretteten derTialibc»" fluffune gefeiten. Von Großblocksette werden peschen aus Marseille melden: Von der angefochten vier Kreise, vom Zentrum ein Besatzung des untergegangenen Dampfers ft« bom Lothringischen Block ebenfallsD i a l i b a h" wurden dreizehn Matrose/ünd ein Kreta. I drei Passagiere nach großen Anstrengungen g e -

rettet. Die genaue Anzahl der Opfer ist noch nicht bekannt, dürfte aber erheblich fein.

12 Eisenbahnzusammensto ß in Frankreich. Die Lokomotive .eines Personenzuges fuhr

genommen sind. In Malta ist gestern eine Nachricht eingegangen, daß alle italieni- scheu Kriegsschiffe Tripolis ver­lassen hätten, um, wie vermutet wird, in die türkischen Gewässer zu gehen. (Diese Nach­richt klingt allerdings äußerst unwahrscheinlich, denn die Lage der Italiener in Tripolis ist ge-, - - - - - - .............

genwärtig derart, daß das Verbleiben der sunden worden, die vor drei Jahren Opfer Kriegsschiffe zu ihrer Unterstützung und zu flner Grubenkatastrophe wurden. Insgesamt ihrem Schutz unbedingt erforderlich ist.) h"Ar2 r-r.. ----

find damals funfundsiebzig Arbei- ter ums Leben gekommen. Es gelang jedoch ~ .. c nur, siebenundzwanzig zu bergen. Die Grübe

<3" Ergänzung der tofstzios dementierten) wurde seinerzeit unter Wasser gesetzt Mitteilungen über die Abneigung des Herrn Kriea ober Stiebe» w» öon Lindequist gegen das Kongoabkom- über einen neuen a?o ß e'n (Hf en b n^r9 men wird jetzt aus Berlin gemeldet: Der Ko- st r e i k in E n a l and fleht nock m.-s ' lomalstaatssekretär von Lindequist batte seine Erekutivkomitee ^kam aestern zu ^keinem Eitt- Entlassung elngerelcht, aber sie auf Zureden schkuß. Auch heute dürfte die Entscheiduna

I fs seh r ft urmi|d) zugegangen. Ein Teil Depeschen aus Ueskub melden: Tie türkischen der Mitglieder verlangte eine sofortige Aktion Behörden erhielten Nachrichten, daß in den während die anderen zur Mäßigung rieten Grenzdistrikten Vorbereitungen zu einer aus- 2t Richters Räuber . . . beraubt' Sol- gedehnten Bandenbeweflung be- los, einer der Banditen, die den Ingenieur trieben werden Wohlhabende türfifd-e Fami- Richter gefangen genommen hatten, wurde tten verlassen ihre in der Nahe der bulgarischen (einem Telegramm ans Saloniki zufolge) im Grenze gelegenen Wohnsitze. mazedonischen Bergrevier selbst von Räubern

--------- abgefangen, die ihm seine ganze Habe abnah-

Staus bom Tage. S'Sää

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.) $Le ^Ur bet Ueberschwentmutig in 2 Schulz unb Comp. vorn, Reichsgericht, w? das rL» W-

Die Spionageaffäre Schulz wird am 16. No- zurückgetreten ist läßt ssch der S ck?),'- vember vor dem Reichsgericht in Leipzig bie lieber^ Vj'

prtrtfitrfi» (fix,,/, 'v__I ^0^011. Dieser toirb$ auf mehrere

enalifdte Kaufmann Schulz und vier andere in Millionen Francs angegeben Auch viele Bremen ansässige Personen, darunter zwei an Menschen haben bei dem Unglück ihren Tod ae- ber Bremer Börse beschäftigt gewesene Inge- funden. In C h i s s a wo sich^die Gruän nieure. sind gestern nach Leipzig transportiert' ®ruoen

worden.

Nr. 283. 1, Jahrgang._______________

len, also erst gegen Ende Januar nächsten JahreS. Der neue preußische Etat wird An­fang Januar publiziert werden und dem Land­tag schon vor dem Zusammentritt zugehen. Die Frage, ob der Landtag am neunten oder sech­zehnten Januar einberufen werden fall, wird ebenfalls demnächst im Staatsministerium ent­schieden werden. Da der Landtag feine Arbei­ten vor dem dreiundzwanzigsten Januar nickt aufnehmen wird, so ist der Termin der E i n- berufung allerdings unwesentlich.

Grobe Schnitzer oder Latsachen?

Die offiziöse Norddeutsche Allgemeine Zei- tung kommt letzt auf die vom Landwittschafts- mmifter in der Reichstagssitzung vom vier- undzwanztgsten Oktober vorgebrachten Zahlen übet Kartoffelpreise, über Schwei- ne- und schweinefleischpreife, sowie auf den daraufhin vom Abgeordneten Pachnicke erhobenen Vorwurf zurück, diese Statistik ent­halte grobe Schnitzer, ein Vorwurf, der Zwar vom Minister als haltlos zurückgewiesen, aber von der dem Abgeordneten Pachnicke nahestehenden Presse wiederholt ünd bezüglich der Kartoffelpreise auch.von der Berliner Handelskammer erhoben worden sei Demgegenüber stellt das offiziöse Blatt in län­geren Ausführungen den Sachverhalt fest, zu­nächst hinsichtlich der Kattoffelpreise, dann hin­sichtlich der Schweine- und Schweineflejfch- preise, wobei es zu dem Schluß kommt, daß der Minister durchaus unanfechtbare Zah­len vorgebracht habe und bedauert, daß nicht nur ein Teil der Presse die gegenteiligen Behauptungen bis zum Ueberdruß wiederholt, sondern daß auch eine Handelskammer Angaben, die auf das bündigste als un­richtig nachgewiesen seien, zum Ausgangs­punkt von Erörterungen unb Beschlüssen ge­macht habe.