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Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

1. Jahrgang

Donnerstag, 2. November 1911

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 281

Fernsprecher 951 und 952.

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Dte Sander Neuesten Nachrichten erscheinen wöchenlltch sechsmal und zwar abends. Der AbdnnementSpreiS betragt monatlich 50 Pfg. bei sreier Zustellung ins HauS.' Bestellungen werden jederzeit von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Truckerei, Berlag und Redaktion: Schlachthofstraße 28/30. Sprechstunden der Redaktion von 13 Uhr nach, mittags, juristische Sprechstunden für unsere Abonnenlen Mittwochs und Sonnabends von 68 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt TV 676.

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zig Abgeordnete übrig. Jeder Kandidat kostet zehntausend Mark, natürlich in runden Zahlen ausgerechnet. Ein Reichstagsavgcordneter ko­stet also rund zweieinhalb mal so viel, also sünfundzwanzigtansend Mark. Diese Zahl kann aber nur als der Durchschnitt angesehen werden, denn während ein Sozialdemokrat zum Beispiel in der letzten Legislaturperiode fast achtzigtausend Mark kostete, wird man die Un­kosten für einen konservativen oder Zentnuns- Abgeordneten höchstens mit sieben- bis zehn-

Jnsertionspreise: Tie fechsgespallene Zeile für einheimische Geschäfte 15 Pfg., für aus­wärtige Inserate 25 Pf, Reklamezeile für einheimische Geschäfte 40 Pf., für auswärtige Geschäfte 60 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mart pro Tausend be­regnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgebung sind die Casseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliches Jnserttonsorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.

Zehn Millionen für die Wahlen.

Die Kosten des kommenden Wahlkampfs. (Von unserm parlamentarischen Mitarbeiter.)

Ter Kampf um die Reichstagsmandate hat setzt nach dem Bekanntwerden des Wahltermins zum Reichstage auf der ganzen Linie begonnen. Und wenn man von jedem Kampfe sagt, daß er Geld und noch einmal Geld und zum dritten Male Geld kostet, so gilt dies in fast noch erhöhtem Sinne auch für den Kampf, der von den einzelnen Parteien um die Anzahl ihrer Mandate im Reichstage gekämpft wird. Es werden Berfammlungen abgcbalten, Truckschriften und Flugblätter verteilt. Redner aus- gesandi und Wahlhilfen bezahlt.

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Was kosten aber alle diese Halssmittel? Zur Berechnung der gesamten Unkosten, die natür­lich nur schätzungsweise angegeben werden kön­nen, da sie je nach der Heftigkeit des Wahl­kampfes verschieden sind, muß man zuerst die Anzahl der Kandidaten feststellcn. Nach Schät­zungen von parlamentarischer Seite darf man annehmen, daß sämtliche Parteien zusammen rund tausend Kandidaten ausgestellt haben, da in den meisten Wahlkreisen minde­stens die Kandidaten dreier Parteien um das Mandat kämpfen. Tic Sozialdemokraten, die Wert daraus legen, die Stimmen ihrer An­hänger zu zählen, haben sogar in den aussichtslosesten Wahlkreisen ihre Kandidaten ausgestellt, die den andern Par­teien Konkurrenz machen sollen. Die Kosten, die den Sozialdemokraten durch die Reichstags­wahlen entstehen, sind darum auch weit böller als die der andern Parteien. Bei den vorigen Bahlen zum Reichstag sollen die Sozialdemo, traten dreieinhalb Millionen Mark für die Wahlen oufgewcndet haben. Man er­zählt fernerhin in Reichstagskreisen, daß der Hansabund einen Wahlfonds von etwa zwei Millionen Mark zur Verfügung hat. Der Hansabund erkennt zwar diese Hohe nicht an, wird aber zugcben müssen, daß es sich nur nm geringe Unterschiede handeln kann. Rechnet man noch die Unkosten dazu, die den rechts st ehcnden Parteien und dem Zentrum aus dem Wahlkampf erwachsen, dann kann man mit voller Berechtigung sagen, daß der gesamte Wahlkampf mit allen Agita­tionen die runde Summe von zehn Millio­nen Mark verschlingt. Die meisten Reichs- tagsabgcordneten, die die Wahlkämpfe aus ei­gener Anschauung kennen, sind sich darüber ei­nig. daß diese Summe durchaus nicht als zu hoch, sondern höchstens als z u n i e d r i g an­gesehen werden darf. Wenn man also nun vie Frage aufwirft: Was kostet ein Reichsiagsab- acordneter?, so wird man sie leicht nach dieser Berechnung beantworten können. Von der Gesamtanzabl von tausend ansaestellten Kan oidatcn bleiben nur dreibunoersicbenundneun-

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Aeußern erwiderte, daß für Italien nur eine Intervention Deutschlands in Frage komme. Die über die Vorgänge auf dem Kriegsschauplatz vorliegenden Meldungen be­stätigen die Nachricht über die schwere Nieder­lage^ der Italiener.

S London, 1. November.

(Eigene Drahtmeldung.)

Konstantinopeler Privatmeldungcn zufolge sollen die Türken während des Angriffes auf Bcnghasi fünfhundert Italiener ge­fangen genommen haben. Bei dem Uebcr- falle auf Tripolis durch die Araber wurden (wie weiter gemeldet wird) y u n d c r t f» n f - zig Italiener durch Araber von dem Gros abgcschnitten und gleichfalls gefangen genom­men. Italienischerseits befürchtet man angeb­lich, daß diese Gefangenen zu Repressa­lien gegen Italien verwandt werden könnten. Einer telegraphischen Meldung Ne- schat Beys zufolge behaupteten die Italiener die Forts Said, Meffri und Henni bis zur Sonnabend-Nacht und räumten sic dann.

Römische Nörchen?

(Eigene Drahtmeldungen.)

Aus Rom wird uns depeschiert: Die aus Konstantinopel verbreiteten Gerüchte, daß Ge­neral Caneva mit seinen Truppen kapitu­liert habe, werden offiziell als Erfin­dung bezeichnet. Die Italiener hätten alle ihre Positionen in Tripolis noch inne. Ferner meldet uns ein Telegramm aus Paris: Der italienische Botschafter in Paris demen­tiert die Meldung von einem angeblichen Sieg der Türken bei Tripolis. Die letzten Te­legramme des Generals Caneva berichteten vielmehr, daßdie Lage unverändert" sei, und daß achthundert arabische Gefangene ,ngch den Trinitiiuseln transportiert tvorden seien- (Di? gewichtiAep Dementis der italieni­schen Regierung stehen allerdings in einem seltsamen Gegensatz zu den überein­stimmenden Nachrichten vom Kriegsschauplatz und werden Wohl kaum die tatsächliche Nie­derlage der Italiener lange verschleiern können.)

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Fremdenhaß als Folge der Revolution? (Eigene Drahtmeldung.)

V Paris, 1. November.

Aus Peking liegt hier die Meldung vor, daß die dortige französische Gesandtschaft, dem Wunsche des katholischen Bischofs von Peking Folge gebend, eine Abteilung der Gesandt- schaftswache in das Fremdenviertel ge- sandt hat. Die Stimmung eines Teils der Pekinger Bevölkerung ist feit Bekanntgabe des kaiserlichen Verfassungs-Edikts sehr srem- dcnfcindlich geworden. Man befürchtet dort das rapide Anwachsen europäi­schen Einflusses und die Beseitigung der traditionellen religiösen und sozialen Einrich­tungen. Der französische Köntre-Admiral dc la Croix de Castries erhielt von Paris die Wei­sung, bis auf weiteres in Sch a ngh a i zu bleiben und weitere Befehle zur Verwen­dung des französischen Kreuzers und der zur­zeit den Jangtse-Fluß befahrenden französi­schen Kanonenboote zu erwarten. Der H an­kau er Erfolg der kaiserlichen Truppen konnte nicht verhindern, daß a n - derc große Städte sich den Revolu­tionären angeschlosscn haben.

Die Regierung giebt nach!

(Telegraphische Meldung.)

Depeschen aus Peking berichten: Eine Gesellschaft flüchtiger Ausländer, die hier eingetroffen ist, meldet, daß während der Revolte in Taiyucnsu viele Mandschus und durch einen unglücklichen Zufall auch vier Ausländer verwundet wurden. Die Ausländer wurden in das Krankenhaus gebracht, dort gut verpflegt und befinden sich auf dem Wege der Besserung. Tie übrigen Ausländer sind unter dem Schutz der Aufständischen, die die Eisenbahn von Taipnenfu bis zur großen Mauer besetzt hal­len, geflohen. In Peking hält die Auf­regung an. Tie fremdländischen Truppen bewachen die Gesandtschaften, siebzig franzö­sische Soldaten beschützen die Kathedrale von Paitana. Tic Forderungen der Lanhcw- Soldaten, die in der Hauptsache mit den Wünschen der Nationalversammlung überein« stimmen, sind von den ausrührerischen Offizie­ren an die Garnisonen in den Provinzen tele­graphiert worden. Nur die Garnisonen von Tsinausu und Paitingsu haben sie angenom men und die Regierung benachrichtigt, daß fit gegen die Aufständischen nicht kämpfen würden. Tie Regierung beabjich;

Die Türke» in Tripolis.

Rur eine Intervention Deutschlands?"

Ein Privat-Telegramm berichtet uns aus Konstantinopel: Von informier­ter Seite verlautet, daß die Botschafter Eng­lands und Frankreichs die Pforte verständig­ten, die Bemühungen ihrer Regierungen, in Rom die Bedingungen zu erfahren, auf deren Basis man zu etwaigen Friede nsver- handlungen schreiten könnte, seien s r u ch t- los verlausen. Der ilalieniichr Minister des

Reden, nicht schweigen!

Konfliktsstoff an allen Enden.

Ein paar Rückblicke: Bevor die Pforten des IZallothauses sich zum Wiedereintritt des herb st Parlaments öffneten, erachtete der Kanzler des Reichs es als nützlich, mit den Führern der maßgebenden Reichstagssraktio« nett vertraulichen Rats zu Pflegen, eines­teils, um dieStimmung" innerhalb der Par­teien zu erhorchen, anderseits (und wohl haupt­sächlich) aber, um die damals mit beträcht­lichem Energieaufwand vorbereitete Erörte­rung unsres auswärtigen Reichsge­schäfts im Kuppelbau am Berliner Königs­platz zu vereiteln. Und da Herr von Bcth- mann Hollwcg nicht nur ein Kanzler und Phi­losoph, sondern auch (wenn Unheil nahe) ein überzeugungwcckcndcr Demosthenes ist, geläng's ihm leichter als man gedacht, im Kreis derlei­tenden Greise" die Vertagung der Marokko- und andrer Interpellationen durchzufetzen und die Parteichefs zu der Ansicht zu bekehren, daß in den Spätoktobertagen, da Kiderlcn und Cambon noch im Schweiß des Angesichtes ran­gen, eine Entschleierung der süßen Geheimnisse unsrer auswärtigen Politik nicht opportun sein dürfte. Die damals den Beschwörungen des Kanzlers ihr Ohr liehen, taten's sicherlich nach bestem Wissen und Gewissen: sicher aber auch ist, daß sich schon damals kein Einziger der zunt Hohen Rat Geladnen darüber im Unklaren gewesen sein kann, daß die Erörterung der folgenschweren Vorgänge in den verschiednen Erdteilen nur um Tage hinausgeschoben wer­den, dürfe. Inzwischen sind nun zwei Wochen ins Land gegangen und zur nächsten Wochen­mitte erhoffen wir (endlich ), aus Herrn von Bethmann Hollweg's Mund desgroßen Rät­sels" Lösung erlauschen zu dürfen. >

Der Kanzler hat dann (nach dem Tag ver­traulichen Geplauders) in seinem Schreiben an den Seniorenkonvent des Reichstags erklärt, daß eine Beteiligung der Regierung an der Debatte über auswärtige Politik erst dann stattfinden könne, wenn die politische Lage dies gestatte. Daß mit einer derartigen ziellosen Hinausschiebung der Beantwortung von Fra­gen. die alle Deutschen im Innersten tief be­wegen, weder die Zufriedenheit im Parlament noch im Volk- gesichert werden konnte, war schon damals allen Einsichtigen klar. Dann vernahm man die Stimme eines Blattes, von dem die Sage geht, daß esunzerschnitten" des Deutschen Kaisers Frühstückstisch zu zieren pflege: und diese Stimme sprach also:So­lange es sich nicht um E h r c n« und Lebens­fragen des Vaterlands handelt, tun wir bes­ser, zunächst die Zeit für uns kämpfen zu taffen, da uns durch die Macht der Tatsachen vieles in den Schoß fallen wird, um das wir

Worten sprach wieder die irrige Auffassung, daß im deutschen Volk eine kriegerische Strömung vorhanden sei, die das Heil des Reichs von der Anwendung der Waffengewalt erwarte. Daß das nicht der Fall ist, daß vielmehr Alle eine Ueberwindung der sich im­mer höher türmenden Schwierigkeiten in einer geschickten, kraftvollen und folge­richtigen Politik erblicken, die kühne .Vorstöße nur dann unternimmt, wenn vor­sichtige Erwägung sich mit dem Entschluß ver­einigt, das unternommene Werk auch kraftvoll zu vollenden: Das alles ist seit Wochen deutlich aus Presse und Versammlungslokalen wahr­nehmbar: deutlicher als je!

Seit der September-Mitte prastelt auf die Berliner Wilhelmstraße ein unaufhörlicher Hagelschauer herber Kritik nieder, und cs ist nicht länger tunlich, daß der Kanzler unsichtbar bleibt. Ein Legationsrat außer Diensten und Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses hat in einer aufsehenerregenden Abhandlung gegen das Auswärtige Amt den Vorwurf er­hoben, es habe sich durch den italienischen Uebersall auf Tripolis genau so überraschen lassen, wie vor einigen Jahren durch den An­griff Japans gegen Rußland. Mit einer höflichen Verneigung Über den Empfang der Abfuhr habe die Reichsregierung quittiert, in­dem sie sich beeilte, den Schutz der Italiener in der Türkei zu übernehmen:Wo hinaus, oder vielmehr wo hinab foll denn die Reise unsrer auswärtigen Politik noch gehen?" Der deutsche Steuerzahler, der sich manchmal im stillen Kämmerlein den Kopf über die Notwen­digkeit der exorbitanten Heeres- und Marine- kosten zur Unterstützung unsrerkraftvollen äußern Politik" zerbreche, und der auch die vielen Millionen für dieglänzende diploma­tische Vertretung" im Ausland zu zahlen habe, sei allerdings der Ansicht, daß die Reichsregie- rung den tripoliianischeu Streich hätte vor- ussehen müssen. Es mache den Eindruck, ls ob der lebende Avvarat des Ausmärtiaen

Der Kaiser und die Reiigion.

Der Mensch muß beten, aber auch arbeiten!"

Aus Berlin wird uns berichtet: Der Kaiser pflegt in Privat unterhaltun- gcn aus sich hcrausziigehcn und seine Mei­nung unbefangen zu äußern, gleichgültig, ob es sich um Politik, Religion, Kunst, Technik oder fonst etwas handelt. Was der Kaiser da plau­dert, bringt nicht immer in die Oesfentlichkeit, und ist wohl auch höchst selten für die Oeffent« lichkeit bestimmt, will der Kaiser urbi et orbi mitteilen, so redet er öffentlich. Seine Reden werden bann in ber Presse, nö­tigenfalls int Reichstag kritisiert unb beschäfti­gen auch zuweilen die Regierung. Was aber aus vertrauten Kreisen über Aeuße- rungen des Kaisers bekannt wird, sollte man sich endlich gewöhnen, seinen Zuhörern anzu­schreiben. Der Kaiser muß es dem Takt seiner Zuhörer überlassen, ob und was sie von seinen vertraulichen Aeußernngen in die Cef« fentlichkeit bringen wollen. Der Kaiser hat am Montag den katholischen Bischof von Deittsch-Ostafrika, Munch, und den Missions­pater Acker, der früher ebenfalls in unserer dortigen Kolonie tätig war, und seit längerer Zeit die Missionsanstalt Knechtsteden bei Köln am Rhein leitet, in Gegenwart des Kolonial- staatssekrctörs von Lindequist empfangen und sic dabei in ein längeres Privatgespräch gczo "gen; Ter Kaiser soll dabei gesagt haben:

Den Schwarzen muß Religion beigebracht werden, aber Frö mm- ler brauchen sie keine zu werden. Der Mensch mutz Religion haben, aber er mutz auch arbeite n!" Der Kaiser soll sich dann über die Fortschritte des Islam erkundigt und gesagt haben: Den Fortschritten des Islam muß ener­gisch entgegen« c treten werden, sonst kann der Islam für die Kolonien eine Gefahr werden!"

Diese Acußcrungen finden sich in dem Ber­liner Zentrumsorgan, derGermania". Sie stammen also offenbar von einem der beiden Geistlichen selbst. Die Aeußcrungen des Kaisers haben sicher wörtlich nicht so gelautet, sie sind vermutlich auf eine schlecht redigierte Form gebracht worden und sollten itt lapidarer Kürze das Gesamtergebnis ber Unterhaltung darstellen. Daß die Verfasser richtig gehan­delt haben, den Kaiser im gegenwärtigen Augenblick gegen den Islam in Anspruch zu nehmen, werden sie nachträglich vor sich seihst nicht mehr behaupten wollen. In der Sache selbst hat der Kaiser recht: Die Arader waren ursprünglich das herrschende Volk in Ostafrika, verbreiteten dort den Islam, bis die deutsche Bcsitzergreisung in den christlichen Missionen ein Gegengewicht schaffte. Die geistige Macht des Islams soll das einigende Band bilden für alle Gegner der Weißen. Dieser Entwicklung mit 6 allerdings vorgebeugt werden, wenn die deutsche Herrsch ast aufrecht erhalten werden soll. Das ist nicht nur die Auffassung der Missionen aller christlichen Konfessionen, sondern auch unserer Gouver­neure und Offiziere in den afrikanischen Ko­lonien.

bi« offiziöses Dementi.

Tas offiziöse Wolsf'sche Tcpeschenbüro verbreitet zu den angeblichen Mitteilungen des Kaisers über diedrohende Gefahr des Is­lams" folgende Erklärung: In einigen Blättern werden Aeußerungen wiedcrgegeben, die der Kaiser beim Empfang des Bischofs Munch und des Provinzialpaters Acker über den Is­lam getan haben soll. Wir können feststellen, daß der Kaiser nicht davon gesprochen hat, das der Islam eine Gefahrfür die deutschen Kolonien werden könne, vielmehr hat der Kaiser, als das zielbe-wußte Vorgehen des Islams betont wurde, der Erwartung Ausdruck gegeben, daß auch unsere Missionen es an ebenso einmütiger Arbeit nicht fehlen lassen werden.

Amts (bis auf einige Ausnahmen) sich in völ­liger Dekadenz befinde ... So spricht einer, der das Bild der Dinge hinter der fchützen- deki Kulisse aus eigner Erfahrung kennt, der die Wirrnis der Fäden mit Hellern Auge über­schaut und an den Mängeln und Schwächen unsrer Politik nicht achtlos ober oberflächlich vorübergeht. Ist nicht Anlaß gegeben, dieser Stimme auch in der Wilhelmstraße zu lauschen und der Erkenntnis Raum zu geben, baß wir wirklich manche Sündenschuld auf uns geladen?

Was der Legationsrat außer Diensten auf­grund eigner. Kenntnis der Dinge in feiner Broschüre gesagt hat, ist von vaterlandstreuen Kritikern schon viel früher an Vorwurf, Mah­nung und Kritik ausgesprochen worden, und erst jüngst haben nationalliberale Führer in öffentlichen Volksversammlungen ihrer Miß­billigung über d>e mangelhafte Be­fähigung unsrer Diplomaten un­verhohlen Ausdruck geliehen. Wenn es Tat­sache ist, daß ein Schock Botschafter unb Ge­sandte, die im Auswärtigen Amt selbst für durchaus ungeeignet gehalten werden, auf wichtigen Posten sitzen, so ist allerdings eine schnelle Abhilfe notwendig, weil sonst eine Gefährdung des Reichs droht. Es liegt auch im Interesse der Regierung, wenn über die auswärtige Politik und die Befähigung ihrer Vertreter baldmöglichst Klarheit geschaf­fen wird. Tas Aufflammen der Kriegsfackel in Europa und Asien, die sich jagenden lieber« raschv.ngen und Plötzlichkeiten int Getrieb in­ternationaler Völkerpolitik, die Kümmerlichkeit unsres marokkanischen Handelsgeschäfts' und die ernste Gefährdung unsrer wirtschaftlichen Interessen auf dem Weltmarkt durch die Poli­tik energiearmer Schwache: Das alles sind Dinge, bfe die Volksseele bennritbi« gen unb naturgemäß nicht ohne Einwirkung auf die politische Stimmung im Lande blcibcn können. Volk und Reichstag erblicken in einer würdevollen Erörterung der auswär­tigen Sage nicht (wie der Kanzler es zu fürch­ten scheint) dieGefahr einer Schädigung deutscher Interessen", sondern sie sehen darin eine zwingende Notwendigkeit, die den Reichstag zu dem Grundsatz verpflichten muß:Reden, und nicht schweigen ...!"

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