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Lisbeth wandert
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weiter aus, daß er durch seine überhaupt nicht imstande war,
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dem war uns von einer Bank, mit der wir in i gegeben.. Wie die Kinder erzählten, batten die das Angebot gemacht I Eltern ite vor vierzehn Tagen m em Versteck
über Unpünktlichkeit in der Zustcn.ung der „Casseler Neueste Nachrichten" beliebe man uns schriftlich oder telephonisch (951 und 952) mitzuteilen, da wir nur dann in der Lage sind, Abhilfe zu schaffen.
nicht Leise pfeifend tritt er ins Bureau. Und die Kollegen blicken sich bedeutungsvoll an: „Hut! An, letzten so fidel? Muß der aber Geld haben!"
* * Abends halb acht Uhr. „Wo er nur bleibt!"
eingesperrl und ihnen nur dann und wann ein Stückchen Brot und einen Trunk Wasser gc-
ruhclos vom Fenster zur Vorsaaltür und wieder zurück. Und wenn ibr Blick auf den kärgli-
Nr. 280.
Erster Jahrgang.
auch nie eine Entschädigung oder Unterstützung erhalten. Mit zwanzig Fahren trat er in eine Fabrik bei Zürich ein, später in eine Fabrik in Luzern. Dann ging er nach Deutschland, wo er krank wurde und sich mühselig durch allerlei Arbeiten durch das Leben schleppte. Jetzt ist er zum erstenmal nach Frankreich gekommen und bat an den Präsidenten der Republik einen Bries gerichtet, in dem er um die Adresse seiner Mutter und um die Erlaubnis bat, sich in Frankreich als Republikaner aufhalten zu können.
Zwei Stunden später erlischt das Lickt im Schlafzimmer. Doch . . . selbst im Scklafcn noch . . . summt die brave Lisbeth:
„Wer Ultimo stets Geld gehabt, Ter kennt das Leben nicht . . .“
sich um die einzelnen Fälle zu habe sich auch nicht um die wichtigste Bankverbindung, die mit der Berliner Handelsgesell- sckast, beschäftigen können. So habe er auch nicht immer gewußt, welche Marke bei der Berliner Handelsgesellschaft vorhanden wär.
Zer Prozeft der PriKZeffrn Louise.
Ein Vrivattelegramm meldet uns aus Brüssel: Am gestrigen Montag sollte vor dem hiesigen Zivilaericht das U r t e i l verkündet werden in dem Prozeß, den die Prinzessin Luise von Belgien. die geschiedene Gemahlin des Herzogs Philipp von Coburg, gegen den Nachlaß des verstorbenen Königs Leopold angestrengt bat. Tie Verkündung des Urteils ist in letzter Minute a u f u n b e st i m m t e Zeit verschoben worden. Man erinnert sich, daß in diesem Prozeß die Prinzeffin Luis- klagbar vorging gegen den belgischen Staat und gegen den Aufsichtsrat der Niederfüllbacher Gründung, weil sie die Ansicht vertritt, daß ihr Vater nickt in der Lage war. Vermägens- stücke, die in der Gründung enthalten sind, dem Nachlaß zuungunsten seiner drei Töchter zu entziehen. Im Monat Juli ist dieser Prozeß verhandelt worden. Die Urteilsverkündung aber wurde ausgesetzt bis zum dreißigsten Oktober. Es kann also unmöglich der Gerichtshof sich noch nicht klar darüber fein, welche Stellung er zu der Rechtsfrage einnehmen will: es müssen andere G rü n d e maßgebend sein, die eine Hinausschiebung der Urteilsverkündung ratsam erscheinen lassen. Wie wir hören, handelt es sich darum, daß zwischen den Parteien, hauptsächlich dem belgischen Staat und dem Advokalen der Prinzessin' Vergleichsver- harrdlungen schweben, von denen man annimmt, daß sie zu einem günstigen Resultat führen werden. Aus diesem Grunde ist der Termin, der für den gestrigen Montag anstand, abgesetzt worden.
Verbindung standen, v»» worden, unser Aktienkapital um zwei Mi'fto- nen Francs zu erhoben. Bors.: Wie dachten Tie über die Blankozessionen? Angekl.: Durch Uebergabe eines Kures wird nach meiner Ansicht das Eigentumsrecht dem Bankier übertragen. Selbstverständlich wird das Eigentumsrecht aufgehoben, wenn der Schuldner seine Schuld an die Bank bezahlt hat. Für bte Tauer des Pertragverbältnisses konnte aber ore Bank frei darüber verfügen. e.us kommt auch in der Rechtsprechung des Reichsgerichts zum Ausdruck. Zur rechtsgiltrgen Verpfändung gehört allerdings ein schriftlicher Vertrag. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch besteht ein Vertrag durch Unterzeichnung der beiden Kontrahenten auf einem Bogen. Hätte ich geglaubt, daß man die Blankozeffion als Verpfändung auffaffen würde, so hätte ich natürlich dafür gesorgt, daß die Unterschriften vorbanden waren. Der Angeklagte Obm führt vielen Reisen
chen Abendbrottisch fällt mit den dünn gestrichenen Brotschnitten und den Resten des Kartoffelsalats, da seufzt sie: „Kein Wunder, daß es ihn heute nicht nach Hanse zieht. Wenn’s dock schon morgen wäre!"
Endlich kurz vor acht Uhr. Zweimal ertönt die elektrische Klingel. Das ist Wilhelm, wenn er unten die Hausklingel benützt, ein Zeichen von besonders guter Laune!
Lisbeth eilt ihm die Treppen hinab entgegen. Da prallt sie am untersten Treppenabsatz auf einen keuchenden, schwerbeladenen Menschen. Ein Paket fällt zu Boden. Aus der Papierhülle löst sich eine glänzende Dose. Eine Büchse Hummern legt sich der staunenden Frau Lisbeth zu Füßen.
„Wilhelm, Schatz, Liebster! Du hast . . ."
„Mein Gehalt schon heute bekommen, weil der Prokurist morgen verreist! Hurra!"
ßaffeler Neueste Nachrichten Mittwoch, L November 1911
$as letzte Wirtschaftsgeld.
Humoreske, von Georg Müller - Heim.
„Guten Morgen, Männchen. Heute ist der setzte, und ich hab' gerade noch eine halbe Mark!"
Die junge Frau stand im geschmackvollen Morgenrock am Bettende und nickte ihrem aus verschlafenen Augen blinzelnden Manne schelmisch zu. „ ... ,
„Was hast du . . . oooahbh." er gähnte, .eine halbe Mark gesunden? Die gehört natürlich mir!" Und er streckte seine Gftcber wohlig unter der Steppdecke.
„Sieh den Schlaumeier! Aber ,etz^ wird nicht gescherzt. Ich habe für den ganzen Tag noch einen Fünfziger, hörst du? Einen Fünfziger! Und davon müssen wir frühstücken, Mtt- tag, Vesper und zur Nacht offen. Verstanden?"
„Ach, Donnerwetter!" Und mit einem Ruck richtete sich Männchen im Bette auf, stierte mit großen Augen sein Weibchen an, legte die Hände über die Kniee und stammelte: „Was . . . machen . . . wir denn. . . da?"
Da lachte Lisbetb wie ein Kobold: „Bist du ins Garn gegangen! Ick wollte buck ja nur erschrecken. damit du schnell munter w'.rst. sonn kommst du wieder mal zu spät ins Amt"
„Also, du hast noch mehr Geld? Gott jet Dank!"
.Rein Wilhelm . . . mit dem Funzzrger hat's schon feine Richtigkeit. Aber das ist doch kein Grund zu erschrecken!"
„Ra, ich danke. Wir sollen wohl Himqer- künstler werden? Ich mache höchstens den Impresario. Aber was soll denn beute geschoben?" . .
.Das laß nur meine sorge ictn. „>etzt steh auf und wasch dich! Wir wollen Kaffee trm- ken." . .
Am Kaffeetisch begann aber Wilhelm wieder: „Tu, Lisbeth, so wenig Geld haben wir aber noch nie am letzten gehabt. Wie ist denn das aekommen?" „ „
„Und das fragst du noch? Wo dock, alle Welt über die teueren Preise klagt! Sei froh, daß ich nickt auck sckon mit dem Wirtschaftsgeld aufgeschlaaen habe. Mein Nadelgeld habe ich sowieso "schon mit hineingeschustert. Ra, und weißt du. Wilhelm, viel mehr haben wir
nie am letzten gehabt. Im vorigen Monat war's bloß eine Mark mehr/'
„Ja, das ist aber in solcher kritischen Lage viel! Nein, nein, Lisbeth, ich könnte heute gar nicht mit Ruhe arbeiten; du gehst jetzt gleich zur Sparkasse und hebst ein paar Mark vorn Mietsaeld ab." ...
„Fällt mir gar nickt ein. Das Geld zur bte Miete angreifen ist Diebstahl. Und gepumpt von deinen Kollegen wird auch nicht, hörst du?" . „ . r
„Ach du lieber Gott, die haben ,a beute iel- ber nichts!" , . . . . „
„Um so besser. Also jetzt mach, dap du ms Amt kommst und bringe zu Mittag einen tt'ck-
Nayaleous Zrchn als Bettler?
In Ergänzung unsrer kürzlichen Mitteilung über das Auftauchen eines angeblichen Sohnes Napoleons d e s Dritten als Bettler in Marseille wird jetzt aus Paris berichtet: Der angebliche Sohn Napoleons ist jetzt als bettelnder H and werksb ursche in Nizza eingekrossen, wo er anaehalten und interviewt wurde. Er erzählte, daß er im Jahre 1869 in den Tuilerien geboren wurde, daß cr während des Krieges mit Deutschland nach Metz gebracht worden sei. Wo er durch einen Stockhieb und einen Schlag auf den Kopf verletzt wurde. Svüter wurde er nach Ba sei gebracht und kam dort zu einem Schullehrer namens Scan, bei deut er vis zu seinem zwanzigsten Lebensjahr verblieb. In Basel besuchte er auch die Schule. Seinen Vater will er einmal gesehen haben, und zwar anläßlich eines" Besuches in Basel. Von seiner Mutter hat cr niemals etwas gehört. Er hat
F o u r m a n n. des Kaufmanns Riedel, res Bankiers P a m p u s und des Kaufmanns H c m s o t h - Dortmund. Es kommen hier in Betracht Beträge bis zu 30 000 Mark, und zwar meistens exotische Papiere, wie solche von Venezuela, Chile und Griechcn- fand, aber auch Baltimore- und Ohio-Shares. Ter Angeklagte Ohm ist ein Mann von ern- undvierzig Jahren: man sieht ihm die lange Untersuchungshaft deutlich an. Ta er an einem Fußübel leidet, hinkt er beim Gehen. Das leicht ergraute Haar ist geschoren. Die beiden andern Angeklagten Schmitt und Benner sind erst vierunddreißig beziehungsweise dreißia Jähre alt. Der Angeklagte Schmitt hat eine längere Krankheit hinter sich und mußte deshalb verschiedentlich aus der Untersuchungshast entlassen werden. Die Verhandlung beginnt mit einer dreivicrtelstündr- aen Verspätung, weil die Herbeiholuna von Ersatzrichtern notwendig war. Zunächst erbittet sick der Verteidiger Ohms, Rechtsanwalt Frapk das Wort, um einige
Sachverständige als besanqcn abzulehnen, ter Verteidiger lehnt Bankdirektor Lotz-Dortmund ab der anstelle des BankdirektorS Hud acladen ist. weil" Lotz U n t c rq ehe n e r des "Sachverständigen Hild sei. H,ld fei dem Angeklagten Ohm stets feindlich gegenubezcgetre- ten und habe auch in einer a c ha siegen Art dieser Feindseligkeit Ausdruck gegeben, »chon längere Zeit vor dem Zuiammenbrum der Niederdeutschen Bank habe Hild durw abfälliae Bemerknuaen in Bankkrer- fen das Ansehen der Bank herabzudrücken gesucht. Der Verteidiger bezieht sick aus das Zeugnis des Bankdircktors Fachmann, der tm Saale anwesend sei. Hild habe auch gehässige Artikel in den Dortmunder Generalanzeiaer lanziert. Ursprünglich hätten die Großbanken unter Führung der Reichsbank eine Aktion geplant, um
Tie Kuckucksuhr tm Eßzimmer schlägt halb eins. Wilhelm sitzt erwartungsvoll hinter iet- nem Teller. Tie Tür tut sich aus, und Ltes- beth setzt eine große Schüssel Kartoffelsalat und einen Teller mit zwei „echten" Regens- büraer Würstchen ans den Tisch. ,
~So, Wilhelm nun iß dich toll und voll.
„An einem Würstchen?"
„Nein, an beiden!"
„Na und du?" ,
„Ach .. ich ... ick effe Kartoffelsalat am liebsten ohne Fleisck dazu."
Wilhelm spießt ein Würstchen am bte Gabel uttb legt es stumm auf Lisbeths Teller.
„Aber Wilhelm. .
„Picht! Folgen. Kleines!' .
Unb nun gcbt's an s Epen. Viel^Brot Winzige Wurstscheiben. Viel Salat. Daran fehlt ein wenia Essig, ein wenig Cel, Salz unb Pfeffer. Aber mehr war nicht ba.
„Und was macht nun dein Fünfziger, Lts- bekh?"
„Der ist natürlich weg. Aber die Börse tu dicker geworden: Kupfer. Zwei Würstchen losten . . . denke dir nur, jedes ist um zwei Psennia attigeschlagen . . . vierundzwanzig. Kartoffeln kosten zehn. Bleiben nock '.eckzebn Pfennig. Tasiir wollte ich eine Flasche Bier kaufen. Aber dann hätten wir nichts zum Abendbrot. Und .. . weißt du, Wilhelm,
M gMüliche« KömstsbexgerinneN.
Ein richtiger Junggeselle war es nun allerdings nicht, sondern ein seit vielen Jahren verwitweter, kinderloser Herr, ein reicher Kaufmann, der bei feinem kürzlich erfolgten Ableben nicht nur der Stadt Königsberg i. Pr. eine hübsche Summe vermacht, sondern auch etwa dreißig Frauen und Mädchen Köniasberas Legate ausgesetzt bat. In allen Gesellschastskreiien war cr eine bekannte und beliebte Persönlichkeit, besonders . gern brachte er dem weiblichen Geschlecht seine Huldigungen dar. unb er bat nun für all bte eniv- tavaenc Gastsreunbschast, Svmpathic unb vielleicht auch für manche kleine Gunstbezeugung seinen Dank in der Weise obqestattet, baß er die Frauen ... Mütter unb Töchter die in irgend einer Art sein einsames Dasein durch Freundschaft ober Liebenswürdigkeit verschönten, in seinem letzten Willen bedacht hat. Damen der Gesellschaft, Lehrerinnen, junge Haustöchter befinden sick unter den Glücklichen.
Ehepaars Kolban bis zum Skelett abgemo- gelt in einem Versteck. Sie wurden in Pflege 1
Ider Bank zu überblicke« und keine Zeit hafte.
tigen Hunger mit!"
„Das auch noch! Hör' mal, du wirst doch nicht etwa. . . Pferdefleisch ..."
„r je! Selbst dazu langte mein Vermögen heute nicht."
Ter zweite Angeklagte Schmitt behauptet, daß die D a r st e l l u n g Ohms nicht rjck - tig sei. Obm habe alles angeordnet, was in der Bank ausgeführt werden sollte, die Andern waren nur die ausführenden Teile. Gewöhnlich telephonierte Ohm von seiner Privatwohnung nach der Bank und ließ sich die wichtigsten Eingänge vorlegcn. Dann ordnete er an. was darauf zu geschehen habe. Er selbst tSchmitts habe jeden Abend zirka 400 b s 600 Briefe zu unterschreiben gehabt, sodaß er manchen Bries gar nickt lesen konnte. Unrichtig fei. daß er sich mit Ohm über bte Briefe ausgesprochen habe. Mit beut Mitangeklagten Benner sei er nickt immer einer Meinung gewesen. Benner sei im übrigen völlig gleichgestellt gewesen. Der Staatsanwalt Weist baraus hin. daß ein auffallender Gehalts- unterschied bestehe. Benner bezog 6000 Mark und Schmitt 30 000 Mark. Der Angeklagte Schmitt erklärt, seine böhern Einkünfte erklärten sieh durch die hohen Tantiemen. Der Varfttzcndc hält dem Anaeklaaten vor, Ohm hätte behauptet, er, Schmitt, hätte versucht,durch seine Frau aus Obm e t n z u w i r k e n. Der Angeklagte erklärt das für unwahr und aus den Ftnaern gesogen. (Die Verhandlung schließlich aus Dienstag vertagt, -er-
Lasser soll viel gesünder fein zu Mittag, hab' ich beute morgen gelesen."
Raw Tisch gibt's eine Taffe durchsichtige braune Brühe. Tie letzten Kaffeebohnen haben knirschend ihr Leben aelaffen. Gut schmcckt's mm gerade nicht. Aber 's ist halt der letzte!
Und Lisbeth steckt mit ihrer plaudernden Munterkeit schließlich auch Wilhelm an. Zn guierletzt sitzen sie engumschlungen aus dem Sofa und trällern:
„Und wenn uns auch der Mammon fehlt, Wir sind nicht übc! dran.
Der Geizhals sitzt auf seinem Geld
Und ist ein armer Mann!"
„Sichst du, Wilhelm, für die 16 Pfennig kauf' ich heute abend Wurst, das beißt natürlich nur für fünfzehn. Denn mit dem einen, mit dem „Heckpfcnnig", schlafen wir sanft hinüber in den neuen Monat.
Jin selben Moment schallt cs an der Por- saaltür. Der Postbote ist's. Wilhelms Mutier schicke im Paket die alte Hausjacke, dieser ckeim letzten Besuch mitzimehmen fceraegen hatte. Kostet fünfzehn Pfennig Botenlohn.
„Bodenlos heimtückisches Schicksal!" stöhnt Wilhelm. „Wir nehmen'6 nicht an, Lisbeth!"
„Wir sollen uns wobl vor aller Welt blamieren? Nein, nein. Den Trrumvb lassen wir dem Ultimo nicht! Nur immer nobel. Ich geb’, dem Boten auch noch den Heckpfennig als Trinkgeld."
„Was soll er dafür trinken?"
„Das ist seine Sacke. Vielleicht hat er selbst nur nock vier Pfennig in der Tasche. Dann kann er sich einen Kümmel leisten."
Und als Wilhelm sich bald daraus aus den Weg ins Bureau macht, da bat weder cr noch sein Frauchen einen roten Heller in der Tasche.
Wie in der fidelen Studentenzeit ist ihm zumute. Eine wonniac Ultimostimmung crgreisi ihn. So frei und leicht suhlt er sich wie lange
Irr LsümmÄer Bankkrach.
Ter Zusammenbruch der Niederdeutschen Bank vor Gericht.
^Bericht u n s e r s Korrespondenten.) o*o Dortmund, 31. Oktober.
i Vor einer eigens gebildeten Hilfskammer . des hiesigen Landgerichts begann gestern der erste der zahlreichen Prozesse, die der Zusam menbruch der Niederdeutschen Bank gezeitigt hat. Unter der Anklage der Depol F Unterschlagung nehmen auf der Anklagebank Platz der Bankier Ohm, der Bankdirektor Schmitt und der Prokurist Benner. Den
-- - Vorsitz im Gerichtshof führt Landgerichtsdirekter Hilgenstock. Der Erössnungsbeschlnß beschuldigt zunächst Ohm in zwei Fällen der Te- ootunterschlagung zum Nachteil der Firma Gebr. Awrander-Breslau. Es handelt sich hierbei um die Beseitigung von 200 Elzcr Grubenkuxen und 14 Anteilen der Kolonialgesellschaft für Deutsch-Südwestasrika. Schmitt und Benner werden in diesem Falle der Beihilfe beschuldigt. Tann wird Ohm in weiteren fünf Fällen ebenfalls der Dcpoiuntcrschlagung
I zum Nachteil des Kaufmanns Achilles- Ebarsottenburg, das Kaufmanns Anton P i c- per in Dortmund, des Dr. M eher in Luzern unb des Fabrikbesitzers Hemrick Overbeck jrt Dortmunb besckulbigt. Hierbei hanbeft cs I sick um Kuxe unb Aktien im Gesamtwerte von etwa 6 0 000 Mark. Auch hier sinb Schmitt unb Benner ber Beivilfc beschuldigt. In einem weitern Falle sinb Ohm unb Sckmitt gemeinschaftlich besckulbigt, Blanko zesiioneu
in rechtswidriger Absicht
ohne Anordnung der Zcffionsgcber ausgesüllt tu haben. Tic beiden letzten Anklagepunkte betreffen wieder Depotunterschlagungen zum Nachteile des Kaufmanns Wiebe, des Lehrers Miete-Dortmund, des Markscheiders
Am Klier Welt.
Ein nettes „Fort khabrol".
Aus Wien wirb uns depeschiert: seit mehreren Wochen waren die Kinder des Kaufmanns Kolban in Svindelmühle nicht gesehen worden. Als nun die Nachbarn Verdacht schöpften und gestern in das Haus Kolbans eindringen wollten, wurden sie von Kolban und seiner Frau, die mit alten Säbeln bewaffnet waren, zurückgetrieben. Als dann Feuerwehrleute und Gendarmen sick den Eingang in das Haus erzwingen wollten, kam es zu einem wilden Kampfe. Einem Gendarmen wurde die Hand durch gefchla- g e it und mehrere Feuerwehrleute erlitten schwere Verletzungen. Endlich konnte das wütxnde Ehepaar, das offenbar von Verfolgungswahnsinn befallen worden war, gefesselt ins Irrenhaus überführt werden. In der Wohnung sand man die vicr Kinder des
die Bank zu retten. Die Trcuh.mb- gesellsckaft stellte fest, daß ein Vcrln st v o n zwölf Millionen vorhanden war. Trotzdem sprachen sich die Großbanken dahin aus, daß sie helfen wollten. In der kleinen Bank- kommiffion, die daraufhin eingesetzt wurde, war der führende Herr der Konsul Hild. Dieser soll die Meinung vertreten haben, daß die weitere Prüfung lediglich eine Farce sei. Er habe auch bett Zeitnnoen mitgcteilt, baß
eilte Sanierung ausgcschloffcn erscheine. Ferner habe cr beut Verleger Len sing von der „Tremonia" birekt ben Vorwurf gemacht, daß cr nicht schärfere Artikel gegen bic Bank aufnehme. Direktor Uhlmann von ber Treuhanbgesellsckaft habe unter direkter Mitwirkung von Hild die erste Anzeige erstattet, w o ra uf O bm verhaftet wurde. Der Staatsanwalt Friedmann hält den Ablehnungsantrag für unbegründet und bittet, ibm nickt stattzugeben. Ter Antrag wird auch abgelebni. Ter Vorsitzende begründet die Ablehnung damit, es möge fein, daß die behaupteten Tatsachen auf Wahrheit beruhen. Dar-' aus folgere aber noch nicht, daß Lotz besangen sei, weil er Hild unterstellt sei, zumal der Sachverständige Lotz selber erklärt habe, daß er nicht befangen sei. Der Verteidiger Frank lehnt weiter bic sachverständigen^ H a a ck, । Siegfried und Schorp ab. Haack habe I in feiner Eiaenfckaft als Konkursverwalter verschiedene Strafanzeigen erstattet, und der Staatsanwaltschaft Material geliefert. Er habe dabei pflichtgemäß gehandelt, fei aber deshalb als Sachverständiger nicht qeeianet. Bezüglich der Sachverständigen Siegfried und Schorp habe er zu erklären, daß diese beiden Herren mit dem Vertreter der Staatsanwaltschaft öfter konferiert hätten. Es sei selbstverständlich, daß der Staatsanwalt
seine Meinung ihnen imputiert
habe. Der Vertreter der Anklage erwidert, daß hie Sachverständigen verpflichtet wären. Auskunft zu geben, deswegen könne man sie nicht als befangen erklären. Nach kurzer Beratung lehnt ber Gerichtshof auch diesen AblehnungS- antrag ab. Der Staatsanwalt teilt dann mit. daß der Reichstaasahgeordnete Graf Opversdorff als Zeuge gefabelt sei; es sei hoher notwendig, die Genehmiguna des Reichstaas cinzubolcn. damit er aussaaen dürfe. Ter Gerichtshof beschließt, diese Genehmigung des Reichstags nachzusuchen. Es wird sodann in die Vernehmung der Ana ek lagt en eingetreten. Vars.: Angs- klaatcr Ohm. bekennen. Sie sich schuldig? An- aeklagter Ohm: Rein. Bors.: Schildern Sie doch einmal Ihre Tätigkeit bei der Bank. Angekl.: Ich war viel verreist und habe wenig in den Geschäftsräumen der Bank gearbeitet. Wenn ich einmal im Büro arbeitete, habe ick bic einaeaangcnc Post geöffnet und die Sachen, die ick kannte, erledigt, die übrigen habe ick durck A ngcstel 11c erledigen lassen. Ter Angeklagte bestreitet, daß er, wie ihm bte Anklage zur Last legt. Sachen, die ihm unangenehm waren, durch Angestellte habe erledigen lasten unb io seine Angestellten zu Straftaten verleitete. Er habe alle Briefe, bte er selbst verfaßte, auch selbst unterzeichnet. Des weiteren führt bet Angeklagte aus, baß die Bank immer genügense Deckung batte unb sich nicht an ben Depots zu vergreifen brauchte. Vorf.: Worin bestaub biete Tek- kung? Angekl.: Sic beffanb aus börsengängigen
Effekten, Kux.cn und Aktien.
Die Berliner Handelsgesellschaft war unsere hauptsächlichste Geldquelle, aber nicht unsere einziac. Wir konnten jederzeit auch bei der Reichsbank diskontteren. Wir batten grade um die Zeit, als die Fälle schwebten, noch verfügbare Depots von anderthalb Millionen mehr als sonst. Außer-