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Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

1. Jahrgangs

Mittwoch, 1. November 1911

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 280

Fernsprecher 951 und 952.

Beamten eine Rüge, daß sic das Geld des

wirklich Wissende: Ter Führer der

Konservativen, der die Lage der gegen­wärtigen Regierung (sicher nickt ohne ausrei­chender Grund) als .äußerst schwierj g"

Sie Caffeler 9leueffen Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abendS. Ter AbonnementSpr-iS beträgt monatlich 50 Pfa. bei freier Zustellung ins HauS. Bestellungen werden jederzeit von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, «erlag und Redattion: Schlachthofstrabe 28/30. Sprechstunden der Redaktion von 13 Uhr nach­mittags, juristische Sprechstunden für unsere Abonnenten Mittwochs und Sonnabends von 68 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.

Am Vorabend neuer Kämpfe?

(Privat-Telegramme.)

Wie Depeschen aus Tripolis melden, herrschte dort gestern Rühe, und die Araber unternahmen keinen neuen Angriff. Es befin­den sich jedoch starke Streitkräfte in un­mittelbarer Nähe der italienischen Linien, die sie durch Schüsse beunruhigen. Nach einer Schätzung, die allerdings auf Genauigkeit kei­nen Anspruch machen darf, sind in den Tagen vom vorigen Montag bis Donnerstag vier­tausend Araber gefallen. Nach wei­teren Meldungen soll der zu den Italienern übergegangene Bürgermeister von Tripolis, 6 aff um a Bey, ermordet worden sein. Eine Bestätigung der Nachricht steht allerdings noch aus. Unter den bei Tripolis Gefallenen wur­den auffällig viele Türken als Araber ver­kleidet gefunden. Die Italiener glauben, daß die Türken die Verkleidung gewählt haben, um eine größere Teilnahme der Araber vorzu­täuschen. Depeschen aus Chiafso zufolge plant Italien die Einberufung der Reserveklasse 1889, im ganzen hunderttausend Mann, um sofort Verstärkungen nach Tripolis ab­gehen lassen zu können.

Volkes veruntreut hätten.

Kaiser und Kanzler.

Stimmungen aus der Wilhelmstraße.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Zu den in letzter Zeit durch die Presse gegangenen Meldungen über eine nahe bevorstehende Kanzler-Krise erfährt unser Berliner politischer Mitarbeiter von unterrichteter Seite folgende Ein­zelheiten:

wie der Kaiser cs voraussagte, mag für Herrn von Bethmann Hollweg schmerzlich sein. Ebensosehr wird es ihn betrüben, daß der Kai­er nach wie vor gegen die Ansicht seines ersten Beraters die Meinung vertritt, daß cs nickt ganz ungefährlich sei, eine Partei, die sich in wichtigen Fragen bewährte, zu sehr nach links ab mar schier en zu lassen. Was aber den Kaiser gegen seinen ersten Berater einnimmt, ist eben der T a t e n m a n g e l und dieser Mangel wird jetzt an höchster Stelle f o schmerzlich empfunden, daß die Mög­lichkeit einer Kanzlerkrise tatsächlich näher liegt, als in der Oesfentlichleit bisher be­kannt geworden ist.

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das vollste Vertrauen des Monar­ch e n und seine Zustimmung zu allem, was bisher inbezug auf Marokko- Tripolis und die übrigen wicktigen Fragen der letzten Zeit im Auswärtigen Amt zu behandeln war. Anders ist es aber auf i n n e r m G e b i e t c, und hier sind die Verlautbarungen wertvoll, die aus der direkten Umgebung des Ka i s e r s stammen. Schon die Anberaumung des Wahl­termins für das nächste Jahr war eine Kon- zeffion der Krone an Herrn von Bethmann Hollweg, der oft und eindringlich dem Kaiser die Zuversicht vortrug, daß bis neunzehnhun- dertzwöls diedurch einen gewissen Teil der Presse künstlich erzeugte Erregung des Volkes" über R e i ck s s i n a n z r c f o r m und andere Dinge längst sich gelegt haben würde. Daß das Gegenteil cingetreten ist, daß es s o kam,

bezeichnet und angesichts des Ernsts der Zeit die Patriotenpslicht proklamiert hat, im Jn- terefle des Ansehens des Reichs diese Regie­rungnicht vor dem Ausland herunterzu- reißen", oder die offiziöse P r e ß k a n z - lei, der die Ausgabe zufällt, den immer stär­ker aufwirbelnden Staub auf der Marokko- traße niederzuhalten und Herrn von Beth­mann Hollweg für den schicksalschweren Gang zum Wallothaus am achten Novcmbertag den Weg zu bereiten? Wer Herrn von Hehdebrand nur oberflächlich kennt, wird dem gewiegten Taktiker konservativer Politik kaum zutrauen mögen, in einem Moment allgemeiner Unzu­friedenheit mit einer von der Schwäche diktier­ten Regierungspolitik gegen die Männer der Wilhelmstraße einen Vorwurf erhoben zu ha­ben, der der sachlichen Berechtigung und der tatsächlichen Begründung ermangelte; wird aber noch weniger glauben mögen, daß Preußens ungekrönter König" (wie diesseits und jenseits der Sympathiegrenze der kleine Mann aus Klein-Tschunkawe genannt wird) von einergrandiosen Unverschämtheit engli­scher Minister" gesprochen haben würde, wenn der vortreffliche Herr Lloyd George an jenem kritischen Sommcrabend lediglich den Mond angebellt hätte.

Mag sein, daß Deutschland am Morgen und am Abend des Marokkogeschästs von dem dringlichen und sehr begreiflichen Verlangen beseelt gewesen ist, mit Frankreich allein zu verhandeln; möglich sogar, daß es wirklich auch (wie Ofsiziosus versichert)dabei geblie­ben ist". Wird aber schon allein durch diese Tatsache die andre aus der Welt geschafft, daß das Londoner Kabinett beim Beginn der Agadir-Aktion im ersten Moment jäher Be­stürzung eine Anfrage nach Berlin dirigierte, -in der Herr von Kidhrlen u,m freundschaftliche Aufklärung darüber ersucht wurde, ob etwa zu befürchten stehe, daß durch denPanther"- Sprung nach Agadir auch englische Jntereflcn in Mitleidenschaft gezogen werden könnten? Der Mann im Auswärtigen Amt tat damals Das, was auch Bismarck in schwierigen Situa­tionen oft getan: Ervergaß" die zarte Er­innerung. und in der Londoner Downing- Street harrte man vergeblich aus die erbetne Erklärung. Bis dann, als Sir Edward Grey der dünne Faden der Geduld riß, Lloyd Ge­

orge's Choleriker-Temperament auf Europa losgelassen und der Botschafter des King an der Spree mit der gemessnen Weisung betreut ward, den Leuten der Wilhelmstraße in aller Form zu erklären, daß England ein unantast­bares Interesse daran habe, die marokkanische Einfluß-Sphäre nicht geteilt zu sehen. Wenn über denScherz von Agadir" einst die Archive reden dürfen, werden die Enkel dar­über staunen, wie tragisch anno dazumal die Väter diegrandiose Unverschämtheit eng- licher Minister" genommen haben, und w i e 'chwer der Fluch John Bulls auf dem Ge­wissen deutscher Männer gelastet. Wär's also nicht besser gewesen, unsre Offiziösen hätten ge­sprochen,wie Ernst von Heydebrand imBreslaucr Konzerthaus sprach, und hätten die Dinge s o deutlich beim Namen genannt, daß niemand sich über Ursachen und Wirkungen täuschen konnte? V. H.

chwört in dem Edikt, die Verfassung zu reformieren und sie gewissenhaft zu be­obachten. Er fordert die Untertanen auf, ihn nicht mißzuverstehen. Wenn das Volk, verlei­tet von Verbrechern, sich nicht einige, dann sei eine Zukunft Chinas undenkbar. Das Edikt verspricht, die von dem jetzigen Kabinett ge­troffenen Bestimmungen aufzuheben und ein Kabinett zu bilden, von dem die Adligen ausgeschlossen sein sollen. Der Natio­nalversammlung würde ein Versa ssungs- c n t w u r f zur Beratung zugehen. Außerdem ei von dem Thron ein besonderes Edikt erlas­en worden, in dem allen politischen Verbre­chern Amnestie gewährt wird, die im Zu­sammenhang mit der letzten Erhebung und andern politischen Aufständen verurteilt wor­den sind, sowie auch denen, die der jetzigen Re­volution gezwungen sich angeschlossen haben. Der bisherige Präsident der Nationalver­sammlung, H a h i s h u. ein Mandfchu, wird zurücktreten und durch den Chinesen Litschiatu ersetzt werden. Ebenso wird der Polizeiminister Kucitschun seines Am­tes enthoben und,durch den Chinesen Tschao- pingtschun ersetzt.

Sie Schacht bei Harttau.

(Reuter-Telegramm.)

Eine amtliche Funkendepesche meldet aus H ankau : Die Kaiserlichen sind nach heftigem Kampf westlich der Rennbahn in die Stadt eingedrungen. Die Stadt brennt an verschiedenen Stellen, lieber das Gefecht am letzten Donnerstag werden folgende Einzel­heiten bekannt: Bei der Annäherung der Regie­rungstruppen gaben die Aufständischen ihre starken Stellungen hinter den Brücken, Dämmen und Eisenbahnübergängen der Sümpfe des Siebenmeilen-Creeks auf. Zehn­tausend Mann Regierungstruppen passierten während der Nacht und der Morgendämme­rung dies Defils und griffen früh die Auf- stäüdischen an, die in einer Stärke von fünsiau- sen Mann sich erneut verschanzt hatten. Die Verteidiger behaupteten die Stellung hartnäk- kig, obschon die überlegene Artillerie des Angreifers sie mit heftigem Schrappnellfener überschüttete. Auch die acht Kanonenboote des Admirals Sah näherten sich dem Schauplatz des Kampfes, zogen sich dann aber noch ein­mal zurück, als ob der Admiral zu dem Ent­schluß gekommen sei, sich nicht am Gefecht zu beteiligen. Später kehrten sie wieder und fügten den Aufständischen durch Beschießung von rückwärts große Verluste zu. Die Batte­rien der Aufständischen erwiderten das Feuer, vermochten jedoch keine Wirkung zu erzielen. : Die Aufständischen traten schließlich in guter Ordnung den Rückzug an.

unsrer auswärtigen Bilanz auch derPan- ther"-Fahrt nach Agadir gedachte, dieden An­laß zu jener grandiosen Unverschämt­heit gegeben habe, mit der englische Minister deutscher Rechtsordnung entgegentreten zu dür­fen glaubten". Herr von Heydebrand, von dem man wohl annehmen darf, daß er bei seinen nahen Beziehungen zur Zentrale der Wilhelm- stratze Stoff und Inhalt seiner Breslauer Konzerthausrede nicht einfach der Plauder­tasche entnommen hat, erklärte vor dem Fähn­lein der Schlesier ohne zimperlich Erröten, daß diese Demütigung furchtbar bart und schwer sei" für eine Nation, die vor vierzig und einigen Jahren aus drei siegrei­chen Kriegen weltgestärkt und weltgerüstet als erste Großmacht des Kontinents bervorging. Und der Herr von Klein-Tschunkawe hat Recht: Die deutsche Erniedrigung vor dem Britenzorn ist für das deutsche Nationalempfinden bei weitem schmerzlicher und bitterer, als die Menge der Enttäuschungen, die uns der mon­delange Marokko-Handel in so überreicher Fülle beschert hat, und es berührt deshalb seltsam, daß unsre offiziösen Wahrheitwächier über diesen Fels des Aergernisses hinweggehen wie über das Maulwurfhügelchcn irgend einer winzigen Nebensächlichkeit, deren Bedeutung sich in der Korrektur einer Kanzleinotiz er- lchöpft.

Das, was der kundige Thebaner aus Klein- Tschunkawe im Breslauer Konzerthaus eine grandiose Unverschämtheit britischer Minister" genannt hat, präsentiert sich in der Dementi­skizze des offiziösen Kanzlerblatts alsmerk- ivürdige Mvthe", derenHaltlosigkeit sich ehe- tens offenbaren" werde.Wer ist nun eigentlich der

*

Ein Kabeltelegramm meldet schließ­lich noch aus Schanghai: Admiral L t er­kennt die Republik nicht an und veran­laßte den Vizekönig, die republikanischen Flag­gen herunterholen zu lassen. Man erwar­tet Kämpfe. Die Stadttore sind geschlos­sen. Das deutsche Kanonenboot und die Kriegsschiffe der andern fremden Mächte landeten Truppen zum Schutz' der Fremdenniederlafiung.

In Bestätigung der türkischen Stegesnach­richten aus Tripolis wird ferner aus Konstan­tinopel berichtet, daß die Pforte gestern an ihre Botschafter Telegramme gerichtet hat. die besagen, die Pforte wünsche keine Ver­mittlung mehr, sondern sei zum Krieg entschlossen. Eine Abordnung von vier Senatoren und sechs Deputierten soll die euro­päischen Hauptstädte aufsuchen, um gegen Italien Propaganda zu machen.

... daß er die Disziplin an Bord nicht mit der Der Kaiser! nötigen Strenge aufrecht erhalten bat. Der

Türkenfiege in Tripolis.

Die weiße Fahne auf Tripolis?

Die Situation auf dem Kriegsschauplatz in Tripolis hat in de» letzten Tagen eine für die Italiener außerordentlich ungünstige Wen­dung genommen: Die letzten Depeschen berich­ten über bedeutende militärische Er­folge der Türken, und wenn die heute früh in Konstantinopel vorliegenden Meldun­gen zutreffen, webt auf den Zinnen von Tri­polis abermals die weiße Flagge, dies­mal aber von den Italienern gehißt, die in Tripolis eingeschlossen sein sollen. Wir ver­zeichnen folgeghe Meldungen:

(A Konstantinopel, 31. Oktober.

(Eigene D r a h t m e l d u n g e n.)

Von einem nichtdeutschen hohen Diplo­maten wird mitgeteilt, daß gestern nach­mittag beim diplomatischen Empfang auf der Pforte der M i n i st e r des A e u ß e r n er­klärt habe, die Italiener seien in Tri­polis eingeschlossen und die weiße Flagge sei gehißt. Rn absolut zuver­lässiger Stelle wird erklärt, daß im Gcneral- stab gestern nachmittag eine Depesche aus Tripolis eingelaufen sei, wonach Tripo­lis von den Türfön wiederer- o b r r t ist. In zweitägigen erbitterten Kämp­fen wurden fünftausend Italiener getötet, siebenhundert gefangen genommen und fünfnndveunzig Ge­schütze, zahlreiche Mitrailleusen und viele Kisten Munition erbeutet. Die Bestätigung dieser Meldung durch das Kriegsministerium steht allerdings noch aus. Es scheint, als ob das Kabel von Tripolis auch wieder in türki­schem Besitz ist, da die Depesche des General­stabes direkt von Tripolis gekommen sein soll.

ökmdale und kein Sndr!

Stern und Band" gefällig?

(Eigene Drahtmeldung.) Paris, 31. Oktober.

Tie heutigen Morgenblätter bringen sen­sationelle Mitteilungen über eine neue Or- densschacker-Affäre, in der ein höhe­rer Beamter des Kriegsmini st eri- u m s schwer kompromittiert sein soll. Der Be­amte hat Paris ohne Meldung bei seinen Vor- gesetzten verlassen. Man erzählt sich, daß sich in seinem Besitz Briefe befinden, durch de­ren Inhalt bekannte Pariser Persön- lichkeiten blotzgestellt werden können. Die Anzeige geht von einer Dame aus, die dem im allgemeinen als äußerst einflußreich bekannten Beamten früher nahe stand, durch Vorgänge persönlicher Art aber zur Ausgabe ihrer Beziehungen veranlaßt wurde und nun den einstigen Freund bei der Staatsanwalt­schaft denunziert hat.

Weitere Depeschen melden: Ein kaiser­liches Edikt vom gestrigen Tage erteilt den

Es sind tatsächlich mehr als Gerüchte, was in den letzten Wochen über die Möglichkeit einer Kanzlerkrise in der Presse bekannt geworden ist, denn auch in Kreisen, dir über die Stnn- mungen der Wilhelmstraße als unterrichtet, gel­ten dürfen, wird offen ausgesprochen, daß es sich diesmal um Sein oder Nichtsein des Kanzlers handelt. Auf auswärtigem Gebiete genießt Herr von Bethmann Hollweg das vollste Vertrauen des Monar-

War ist nun wahr?

Merkwürdige Mythen" odergrandiose Unverschämtheit"?

Tas französische Ministerium des Aeußern hat gestern folgende Rote ausge­geben: Die Herren Cambon und von Ki- derlen-Waechter haben in ihrer letzten Zu­sammenkunft am Sonnabend und Sonntag früh alle Punkte des franz, deutschen Ein vernehmens definitiv festgestellt. Es bleibt jetzt nur noch übrig, den Text dieses Einvernehmens endgiltig zu redigieren, daS, wie man glaubt, wahrscheinlich am Dienstag oder Mittwoch unterzeich - n e t werden wird.

Das offiziöse Kanzlerblatt der Berliner Wilhelmstraße, dessen Dementier-Emsigkeit in den letzten Wochen den Kulminationspunkt normaler Leistungsfähigkeit weit überschritten, hat uns am Sonntag im wohlklingenden Brustton der Ueberzeugung erzählt, es seieine vollkommen haltlose Behauptung, wenn in der Presse und anderwärts gesagt werde, Deutschland sei bei der Einleitung oder während des Verlaufs des marokkani­schen Handelsgeschäfts mit Frankreich vor einem Einspruch von dritter Seite zu­rückgewichen. Deutschland habe von allem Anfang an den Wunsch ausgesprochen, mit Frankreich allein zu verhandeln, und dabei (beim Wunsch oder bei der Erfüllung?) sei's auch geblieben." Das sehr bestimmt formu­lierte, nichtsdestoweniger aber weitgehenden Deutungsmöglichkeiten unterworfne Dementi bezweckt offenbar eine Entkräftung der Vor­würfe, die grade in den letzten Wochen mit be­sondrer Heftigkeit gegen die Regierung erhoben worden sind, und die darin gipfeln, daß die Berliner Wilhelmstraße nack per energischen Einleitung der Ägadir-AÜkon onrck beit'Pan- ther"-Sprung zum Afrikameer sich angesichts des drohenden Stirnrunzelns englischer Mini­ster rasch zu einer starken Herabminderung ihrer Energie und ihrer Forderungen verstanden und den eigentlichen Rechtsanspruch auf das Ma­rokko-Geschäft schwächlich preisgegeben habe: Man entsinnt sick noch des lärmenden Som­mer-Spuks Lloyd Georges, der von Kun­digen schon damals als die Musik zur ver­schwiegnen Aktion des Kabinetts von St. Ja­mes gedeutet wurde!

Dementieren ist eine Kunst und ist außer­dem auch eine Sache des Glücks, und es kann leider nicht verschwiegen werden, daß unsre offiziösen Dementimacher vom Glück nur we­nig begünstigt sind: Ihre Erfolge würden sonst unbestrittner und wertvoller sein. Am selben Tag, da in der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung der Federstreich gegen diemarokka­nischen Mythen" geführt wurde, fügte es der Zufall, daß just zur selben Stunde im Kon­zerthaus zu Breslau Herr Ern st von Hey- debrand und der Lasa int Kreis schle­sischer Getreuer über die politische Lage sprach und Bei einer scharf-kritischen Erörterung

Hin Triumph der Revolution?

Die Regierung bewilligt eine Verfassung!

Ein Reuter-Telegramm berichtet aus Peking: In einem kaiserlicken Er­laß, der gestern veröffentlicht wurde, rechtfertigt der Thron feine bisherige Un­tätigkeit und kündigt den sofortigen Er­laß einer Verfassung und die Bil­dung eines Kabinetts, von dem der Adel ausgeschlossen ist, an, und sichert nen Ausrührern und politisch Schuldige» Ver­zeihung zu.

Der Liberte Arm-al.

(Eigene Drahtmeldun g.) d Paris, 31. Oktober.

Ter Marineminister T e l c a s s ö e ordnete das kriegsgerichtliche Verfahren gegen den Kommandanten Jauräs und gegen die drei anderen führenden Offiziere des durch Erplosion zerstörten LinienschiffesLibert A" an. Jaul«» wurde in die Klage einbezogen, obwohl er zur kritischen Zeit ordnungsmäßigen Urlaub hatte, weil der Verdacht auf ihm lastet,