Einzelbild herunterladen
 

COIerNeueste Nachrichten

ir

Caffeler Abendzeitung

i.

1. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonntag, 29. Oktober 1911

Nummer 278

Fernsprecher 951 und 952.

noch gesteigert wird.

-a.

ist

/

H

|

I

i K-

» ift

2.

g

>

Z ir

Q ö

o o 0

Dte Saffeter Neuesten Nachrichten erscheinen wSchenMch sechsmal und prxrr abends. Der ALonnernentSnreiS beträgt monatlich 50 Pfg. bet frei« Zustellung ins Haus. Bestellungen werden jederzeit von der EeschLstSstelle oder den Boten entgegengenomme». Dreckeret, B«lag und RedaMon: Schlachthossiraße M/30. Sprechstunden der Redaktion von 13 Uhr nach, mittags, juristische Sprechstunden für unsere Abonnenten Mittwoch« und Sonnabends von e» Uhr abends. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 1«, Telephon: Amt IV 676.

und Haushaltung von Grund aus umbildete. Die politischen und finanziellen Erschütterun­gen in China müssen überwunden werden, und dem Deutschen Reich ist die große Aufgabe zu­gefallen, dabei durch kluge und weitsichtige Ver­handlungen hilfreiche Hand zu leisten. Ta der chinesische Minister des Auswärtigen auch ge­wiß geheime Fühlung mit dem deutschen aus­wärtigen Amt nimmt, so kann unserPlatz an der Sonne" desHimmlischen Reichs" noch angenehmer werden, wenn Liang Tun Fen die Ueberzeugung mit sich nimmt, daß China durch Bethmanns und Kiderlens Gunst von den gold- nen Schätzen Deutschlands bestrahlt werden soll. Inwieweit das allerdings im Bereich politischer Möglichkeiten liegt, hängt in der Hauptsache von dem Ergebnis der neuen R e - volution in China ab, und es läßt sich nicht verkennen, daß hier sich ernste Besorgnisse offenbaren, deren Bedeutung durch die neuesten Meldungen über das Vordringen der Rebellen

hundert. Dazu kommen noch viele Verwundete. Die Türken erbeuteten etwa hundert Maultiere, viele Gewehre und Lebensmittel. Aus Rom liegen über den Kampf folgende Meldungen vor:

Die Revolution in Ehina.

Der Vormarsch der Rebellen auf Peking.

Vom Schauplatz der chinesischen Revolution in London eine Meldung eingegangen.

Zentrum Trumpf. Bei den letzten Wah­len behauptete es 8 Kreise, von ihnen aber zwei, Donaueschingen und Freiburg, nur in der Stichwahl mit bin sozialdemokra­tischen Stimmen. Diese Bezirke werden ohne Zweifel im nächsten Januar den Weg von Konstanz gehen. 1907 betrug die absolute Zentrumsmehrheit in Offenburg nur 600, in Lahr nur 1300 Stimmen. Auch hier wird sich das Zentrum schwerlich behaupten können, so daß es in Baden diesmal mindestens fünf Kreise an die Liberalen abgeben dürfte, Konstanz mitgerechnet.

Liang Tun He» in MN«.

Etaatsrevolution und Finanzrevolution. ;

Der chinesische Minister der auswärtigen An- zelegenheiien, Liang Tun Yen, der zur­zeit in einem bekannten Villenvorort' Berlins weilt, steht in regster Beziehung zu der kai­serlich-chinesischen Vertretung in der deutschen Reichshauptstadt und ist bereits wiederholt in dem Gesandtschaftsgebäude am Kurfürsten­damm erschienen. Wenn Liang Tun Yen auch im schwedischen Pavillon am Wannsee ein stren­ges Inkognito bewahrt, hatten doch bedeutende Finanzmänner Berlins den Vorzug, von dem hohen chinesischen Würdenträger empfangen zu werden. Nicht um die gelbsandiaen Ufer am Freibad Wannsee zu schauen, machte Liang Tun Den die weite Reise vom Hoangho bis an die Havel, sondern die Konferenzen der Deutsch-Asiatischen Bank in Berlin bildeten für ihn den Magnet. Die Revolution intHimmlischen Reich", die einen höchst über­raschenden Umfang annahm und von dem chi­nesischen Minister bei seiner Abreise aus Pe­king noch nicht vorausgesehen werden konnte, hat die Verhandlungen des Konzerns der Dis- konto-Gesellschaft zwar nicht grade günstig be­einflußt, doch der Aufruhr bildet nach der An­sicht genauer Kenner des chinesischen Staats nur eine vorübergehende Erscheinung, und die wirtschaftliche Entwicklung imReich der Mitte" wird nach der eingetretnen Beruhigung noch einen schnellem Lauf nehmen als zuvor.

Zu den Beratungen des internationalen Chinrsenkonsortiums in Berlin, das die Re­formierung des Währungssystems in China in die Wege leiten will, sind auch Anglifdje und französische Finanz- manner in Berlin eingetrosfen. Selbst Vertre­ter des Hauses Morgan aus den Vereinigten Staaten Nordamerikas wohnen den wichtigen Erörterungen bei. Der chinesische Finanzagent Dr. S h e n war schon vor Liang Tun Ken in Berlin zu den Konferenzen eingetrosfen und er­stattete dem Minister Bericht über den Fort­gang der Verhandlungen. Begreiflicherweise herrscht im Augenblick angesichts der Vorgänge in China tiefstes Schweigen über die Bewilli­gung der großen Anleihe, die das chine­sische Reich bei dem internationalen Chinesen­konsortium aufnehmen will, doch gut unterrich­tete Mitglieder der Hochfinanz sind der Ansicht, daß ein Abschluß zustande kommt, sobald die Lage der Dinge an dergroßen Mauer" Ge­währ dafür bietet, daß künftig wieder mit sichern Verhältnissen zu rechnen ist. Daß Deutschland sich den gebührenden Platz int chinesischen Finanzwesen gesichert hat, ergibt sich erfreulicherweise auch daraus, daß Berlin zur. zeit int Mittelpunkt der Verhandlungen über die Reform der Valuta in China steht.

Durch Kaiserliches Editt vom fünften Ok­tober 1908 wurde in China die allgemeine Ein­führung der Silberwährung angeordnet. Die nunmehr angebahnte Reform soll indessen die Vorstufe des Uebergangs zur Gold­währung sein. Diese wird in mannigfacher Hinsicht von hoher Bedeutung für das ostasia­tische Wirtschaftsgebiet werden muffen, an dem die europäischen Handelsmächte so viel Inter­esse haben, und woran sich noch mehr weitge­spannte Zukunftshoffnungen knüpfen. Die Un­sicherheit der Währungsverhältnisse intReich der Mitte" war bislang so groß, daß die aus­ländischen Banken sich gezwungen sahen, auf eigne Faust Geldmittel in den Verkehr zu brin­gen und für deren Schutz zu sorgen. Die Deutsch-Asiatische Bank gab seit dem ersten Mai 1907 Banknoten im Betrage von ein, fünf, zehn und zwanzig Taöls, sowohl in Tsingtau als auch in Tientsin, Schanghai, Hankau und Pe­king aus, und gewährleistet seitdem die Ein­löslichkeit der Scheine teils durch Bankreserven, teils durch Sichtwechsel auf unsere ersten Ban­ken, teils durch Hypotheken und erstklassige Wertpapiere. Immerhin ist der Aktionsradius solcher Privatnoten ein sehr beschränkter. Sie dringen nicht von dem äußeren China in das Innere, in das Hinterland, ein, dessen Angkie- . derung an die dem internationalen Handel frei­gegebnen Vertragshäscn und Umschlagsplätze Vorbedingung eines vielseitigeren und gleich­mäßigeren Warenaustauschs zwischen dem fer­nen Osten und dem Westen ist.

Sie können aber noch weniger die ungeheu­ren Schwankungen des Silber- und Taöl- kurses verhindern, deren störende Wirkungen sich auf die Gesamtwirfichast fortdauernd in schärfster Form bemerkbar machen und von der Dringlichkeit der Reform Zeugnis ablegen. Unserm Abendland bietet sich in China noch einmal das Schauspiel einer gänzlichen Um­wälzung der Währung und des Geldwerts, wie im Mittelalter die euroväische Wirtschaft

>e k>, 6.

:t

' Hessische Abendzeitung

Ein Privat-Telegramm berichtet uns schließlich noch aus London: In amt­lichen Kreisen verlautet, daß im gegenwärtigen Augenblick weder direkte noch indirekte Alli ance-Ve t h arrdlung en zwischen London und Konstantinopel gepfiogen werden. Die einzige Frage, die diplomatisch verhandelt werde, betreffe die Neutralität des Roten Mee­res und die Leuchtturmfrage. Bezüglich der Neutralisierung des Adriatischen Meeres ist be­reits jede Verhandlung aufgegeben worden.

Ne Schlacht btt Irlbolie.

Der erste große Erfolg der Italiener.

Am Donnerstag hat bei Tripolis die erste große Schlacht im Krieg zwischen Italien und der Türkei stattgefunden, und die Italiener haben, sowett bisher ersichtlich, nach hartem Kampfe einen entscheidenden Waffen­sieg über die Türken errungen. Rach einer amtlichen Meldung über die Schlacht dauerte der Kampf zehn Stunden. Die Zahl der Toten aus italienischer Seite überschreitet vier-

s> Rom, 28. Oktober.

(Eigene D ra h tm eld u n g.)

In der Schlacht bei Tripolis wurden sechstausend von Aeroplanen signalisierte Türken von den italienischen Truppen um­faßt und besiegt. Fünfzehnhun­dert Türken sind tot. Eine Fahne des Propheten wurde erobert. Die Entscheidung zu­gunsten der Italiener wurde durch die vier Kruppschen Batterien herbeigeführt, die von der türkischen Garnison, als diese sich nach Süden zurückzog, nahe bei den Gräbern der Karamanli-Dynastie verlassen werden mußten. Das Feuer aus diesen Kruppschen Geschützen war es, das die Türken und Araber zwang, die schon eroberten Punkte aufzu­geben. Bis zum Eingreifen dieser Artillerie war die Lage der Bersaglieri und der Marine- Infanterie eine sehr kritische gewesen. Bersaglieri und Marine-Infanterie hatten schwere Verluste. Das Endergebnis war, daß die Türken und Araber sich in verhältnis­mäßig guter Ordnung zurückzogen. Die Sieges­nachricht rief in Rom großen öffent­lich en I u b e l hervor. In Regierungskreisen verlautet, daß Italien trotz der Wasfenerfolge heute noch bereit ist, der Türkei die bekannten materiellen und moralischen Zugeständnisse zu machen. Jeder weitere Tag des Kriegszustan­des und jeder weitere italienische Erfolg aber vermindere die Anwartschaft der Türkei auf jene Zugeständnisse, so daß ein Moment eintre­ten werde, wo I t a l i e n seinerseits eine Entschädigung von der Türkei beanspruchen müsse. Uebrigens wird hier geglaubt, daß in Konstantinopel der Einfluß Deutsch­lands nach wie vor der herrschende sei, trotz der englischen Machenschaften.

Lie BermMlilNgs AMou r«ht!

(Eigene Drahtmeldung.)

Aus Konstantinopel wird uns berich- tet: Von hervorragender diplomatischer Seite wird mitgeteilt, daß die Vermittlungs­aktion der Mächte vollständig ruht, seitdem die Grundlagen ermittelt worden sind, auf denen jeder der beiden Kriegführenden in Verhandlungen eintreten würde. Da die Ita­liener einfache Annektion, die Türkei die Anerkennung der Oberhoheit des Sultans verlangt, so gehen die Standpunkte zu sehr auseinander, als daß Vermittlungs­versuche einen praktischen Wert hätten. Die türkische Presse nimmt übrigens die Meldungen über bedeutende Niederlagen der Ita­liener in Tripolis und Benghasi wie etwas Erwartetes auf, da sie stets an die Ueber- l e g e n h e i t der türkischen Soldaten über die italienischen geglaubt hat. In der Bevölkerung ist die Stimmung über die Waffenerfolge ge­hoben. Man bringt heute dem Kabinett Said Pascha größeres Vertrauen entgegen als bis­her. Die Pforte lenkte die Aufmerksamkeit der Mächte darauf hin, daß die italienischen Sch i ff s g r a n a t en vergiftende Be­standteile enthielten und die italienischen Truppen in Tripolis und Derna die Brun­nen vergiftet hätten.

Konstmrz und Ratibor.

Liberaler Wahlsieg in Konstanz.

Wie uns aus Konstanz berichtet wird, erhielt in der gestrigen Reichstags- Stichwahl der Kandidat des Zentrums Landgerichtsdirektor Freiherr von R ü p p - li« 14045 Stimmen, der Kandidat des liberalen Blocks, der Rationalliberale Gärtnermeister Schmidt 15114 Stim­men. Schmidt ist somit mit einer Majori­tät von 1069 Stimmen gewählt.

Bei der Hauptwahl hatte der Liberale 11234, der Zentrumskandidat 13 410 und der Sozialdemokrat 3026 Stimmen erhalten. 1907 erhielt das Zentrum 14 327, die Liberalen 8526 und die Sozialdemokraten 2565 Stimmen. Es scheint also, daß Baden sich wieder aus seine polittsche Vergangenheit besinnt. 1871 sandte es von 14 Kreisen 11 liberale und nur 2 klerikale Vertreter in den Reichs­tag. Erst fett 1890 (dem Wendejahr der neuen deutschen Geschichte) wurde in Baden das

'tnfertiontoteife: Dte stchSg-fpalt-ne Sette für einheimische Geschäfte 15 Pfg-, für ou5- roä-ttae Faserate 25 Pf., ReNamozeile für einheimische Geschäfte 40 Pf., für auswärtige Geschäfte 60 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend b«. rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Restden, und der Umgebung sind die Lasseier Neuesten Nachrichten ein vorzügliche; Jnsertionsorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5 Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 6,6.

nach der die Rebellen nach großem Blutvergie­ßen Kanton erobert haben sollen und sich zum Vormarsch auf Peking rüsten. Die Re­volutionäre haben in Chan Sha die Repu­blik ausgerufen und alle Truppen des Bezirks Kiukiang haben sich ihnen angeschloffen. Wei­tere Depeschen melden:

>* Peking, 28. Oktober.

(Telegraphische Meldung.)

Das kaiserliche Edikt, durch das der Ver­kehrsminister Sheng Hsuan seines Postens enthoben wird, wird in der chine­sischen Presse selbst als geradezu ein Ver­brechen an dem B eamten bezeichnet. Gestern wurde «es Anschlag auf den a.bgesetz v ten Berkehrsminister verübt. Er konnte sich I mit genauer Not in die Gesandtschaft der Ver- j einigten Staaten retten, von wo er sich unter einer militärischen Eskorte nach Tientsin be­gab. Die divlomattschen Vertreter mehrerer europäischer Großmächte und der Bereinigten Staaten haben bei der chinesischen Regierung Vorstellungen erhoben, um die Ent­hauptung des abgesetzten Ministers zu ver­hindern. Tie Zahl der kaiserlichen Truppen, die zu den Rebellen übergehen, ist täglich im Wachsen begriffen. Die Disziplin unter den trengebliebenen Truppen beginnt sich infolgedessen zu lockern, was noch dadurch ver­stärkt wird, dast sich bereits ein Mangel an Munition und Lebensmitteln be­merkbar macht. *

Ler Allerhöchst-Bevollmächtigte.

(Telegraphische Meldung.)

Wie die Petersburger Telegraphenagentur aus Peking meldet, ist durch ein kaiserliches Editt vom gestrigen Tage Auanschikai der Titel einer Allerhöchst bevollmächtig­ten verliehen worden. Gleichzeitig sind ihm damit alle gegen die Aufständischen operieren­den Truppen zu Wasser und zu Lan­tz e unterstellt und es ist ihm überlassen, alle zur Unterdrückung des Aufstandes geeigneten Maßregeln nach eigenem Ermessen, unabhän­gig vom Kriegsminister, zu ergreifen. Kriegs­minister Uintschang hat den Befehl erhal­ten, das Armeekommando dem Kanzleichef FeNgkuochang zu übergeben und nach der An­kunft Puanschikais nach Peking zurückzukehren. Ein zweites Edikt drückt das Bedauern über die Ermordung des Tartarengene- rals Fungs en durch die Revolutoinäre in Kanton aus. Die Aufständischen aus Siangfu marschieren ostwärts. Wie verlautet, haben die Rebellen die Stadt Tsckengtschu in der Provinz Honan, fünfzig Kilometer südlich von Hangho, besetzt. In Hangtschou in der Provinz Tschekiang ist eine Militärrevolte aus- gebrochen. Wie gut unterrichtete Kreise zu berichten wissen, soll Nuanschikai sich erboten haben, Frieden zwischen den Kaiserlichen und den Rebellen zu stiften.

Jentrum und Polen in Ratibor.

(Privat-Telegramm.)

Wie uns aus Ratibor gemeldet wird, erhielten bei der gestrigen Reichstagsersatzwahl für den verstorbenen klerikalen Reichstagsab­geordneten Frank der Kandidat des Zen­trums, Stadtrat S a e l o t t a 7897, der polnische Kandidat, Pfarrer Banas 4773, Landschastssyndikus, Geheimer Regierungsrat a. Dr. Lüdke aus Ratibor iReichspartei) 3265 und Gewerkschastssekretär Schwob aus Kattowitz (Sozialdemokrat) 1609 Stimmen. In diesem, seit 1877 unausgesetzt ohne Stichwa h l in den Händen des Zentrums befindliche Wahlkreis ist also diesmal zwischen Zentrum und Polen Stichwahl nötig. 1907 war der inzwischen verstorbene Zentrumsabge- ordnete Erzpriester Wilhelm Frank int ersten Wahlgang mit 11 411 Stimmen gegen 5105 reikonservative, 4591 polnische und 1294 sozial- temokratische Stimmen gewählt morden. Die etzige Stichwahl zwischen Zentrum und Polen indet am achtzehnten November statt.

Sie Funggesrüm-Struer.

Wer nicht heiratet, muß zahlen!" (Von unserm rrr-Mitarbeiter.) Die Tatsache, daß der Landtag des Fürsten­tums R e u ß soeben einen Antrag angenom­men hat, wonaro - steuerpflichtige Personen beides Geschlechter, die das dreißigste Lebens- jabr überfchritten haben und ledig geblie­ben sind, einen nicht unerheblichen Steuer- zuschlag zu zahlen haben, beweist, daß dir Idee der Junggesellensteuer nicht mehr nur ein drohendes Gespenst ist, sondern lebendige Ge­stalt zu gewinnen beginnt. Von der Gedanken­folge ausgehend, daß der Ehelose sein Einkom­men allein für sich verbrauchen kann und nickt gehalten ist. es zum Unterhalt einer Familie zu verwenden, im Daseinskampf also günstiger gestellt ist und eine höhere Besteuerung leickt ertragen kann, bereitet auch Oldenburg einen Gesetzentwurf vor, wonach unverheira­tete Personen int Atter von mehr als dreißig und weniger, als fünfzig Jahren, falls sie ein Einkommen von mehr als 4200 Mark besitzen, zu den Gemeindeabgaben mit einem Zuschlag von zehn Prozent herangezogen werden sol­lest. Dieser bis jetzt allerdings noch nicht zur Tat gewordene Fiskalismus steht jedoch in der Gegenwart keineswegs vereinzelt da.

In Großbritannien besteuerte man in der Regierungszeit König Wilhelms des Dritten (1689 bis 1702) und der Königin Anna (1702 bis 1714) seden ledigen Mann int Her­zogsrang. sobald er das Alter von fünfund­zwanzig Jahren überschritten, mit zwölf So­vereigns (240 Mark) und alle andern Jungge­sellen mit je einem Schilling (1 Mark) pro Jahr. Eine Junggesellensteuer von wahrhaft rigoroser Strenge besitzt seit dem Jahre 1907 die Republik Argentinien. Dort ha­ben ledige Männer im Alter von zwanzig bis dreißig Jahren jährlich 25 Mark Junggesellen, steuer zu entrichten. Für die Jahresttaffen von dreißig bis fünfundreißig steigt der Steuerbe- ttaa auf 50 Mark, um dann plötzlich auf 120 Mark hinaufzuschnellen, die auch dem gebeug­ten Greise bis zum Alter von fiinfundsiebzig Jahren abgenommen werden, worauf eine Er­mäßigung auf die Sälfte eintritt. Die Steuer ist so konsequent als Strafe für das Unbe­weibtsein ersonnen, daß sie auch von dem zum Witwer gewordenen aufs neue erhoben wird, wenn er sich nicht innerhalb einer dreijährigen, vom Tode seiner Frau laufenden Frist wieder verheiratet. Bekanntlich ist auch Serbien, von (einer chronischen Geldknappheit getrieben, vor Jahresfrist mit dem Plan einer ^ungge- sellensteuer hervorgetreten, nnd in Massa­chusetts siebt ein Entwurf zur Beratung, wonach jeder ledige Mann im Alter von mehr als vierundzwanzig Jahren mit einer Jab- ressteuer von fünf Dollar belastet werden soll.

Auch in Paraguav träpt man sich mit dem Gedanken, die Ehelosigkeit unter eine Jahresstrafe von fünf Pesos (20 Mark) zu stel­len. Alle bisherigen Junggesellensteuern sind indessen entweder schon im Prosekt oder nach kurzer Lebensdauer daran gescheitert, daß die Steuer nickt dem Einkommen entsprechend abgestuft wurde und daß man nicht auf das erzwungene Junggesellentum derer Rücksicht . nahm, die fick aus rein sittlicken Beweggrün­den, zum Beispiel, um arme Eltern und Ge­schwister ausgiebig zu unterstützen, m Ehelo-