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Ja« Krtemporale-
Der Kultusminister und die Schule.
Die Verfügung des preußischen Kultusministers, wonach dio Extemporalien aufhören sollen, in dem fremdsprachlichen Unterricht, der höheren Schulen eine entscheidende Rolle »u spielen, ist von Lehrern, Schülern und Eltern mit seltner Einmütigkeit begrüßt worden. Seit Jahren haben Schulmänner wie Laten darüber gesonnen, wie man unser Schulwesen zeitgemäß ausgestaltet, wie man vor allem der zunehmenden Nervosität unsrer Jugend steuert, dte sicherlich zum guten Teil, wenn auch keineswegs ausschließlich, auf das Konto einer verkehrten Unterrichtsmethode zu sehen ist, und deren Fortschreiten sich in der erschreckenden Zunahme der Schülerselbstmorde nur zu deutlich kmttigibt. Man kann indessen nicht behaupten, daß bei allen diesen theoretischen Erörterungen viel herausgekommen ist. Umso mehr muß man sich freuen, wenn jetzt der preußische Kultusminister die Sache einmal praktisch anfaßt. Gewiß ist das Extemporale nicht die einzige, ja nicht einmal die Haupi- guelle der Nervosität unsrer Schuljugend aber sicherlich hat es doch in dieser Hinsicht so manches auf dem Gewissen. Das Bewußtsein, daß von dem Ausfall eines Extemporales möglicherweise die Versetzung abhängt. erzeugt bei vielen Schülern einen Zustand nervöser Ueberreizung, der sie am klaren Denken verhindert, und oft grade erst das gefürchtete Resultat, eine ungenügende Arbeit, herbeiführt.
Andrerseits werden Schüler, die die Sache iveniger tragisch nehmen, bei den Extemporalien verhältnismäßig gut abschneiden, selbst wenn sie an sich weit geringre Kenntnisse besitzen als ihre nervöser» Mitschüler. Kann hiernach das Extemporale niemals ein geeigneter Gradmesser für das Nissen der Schüler sein, so bringt es andrerseits noch den großen Nachteil mit sich, daß es auf den Unterricht hemmend wirkt. Sollen die Arbeiten nicht gar zu kläglich ausfallen, so ist jeder Lehrer ge- zwungen. auf die Extemporalien hinzuarbeiten. So entsteht die Gefahr des einseitigen Drillens. Natürlich geht die auf den Drill verwandte Zeit für nützlichere Beschäftigungen verloren, und anstatt daß die Schüler den Geist der Alten erfassen lernen, werden sie mit einer Fülle leerer Phrasen vollgepfropft. Grade die tüchtigsten Lehrer werden dies am tiefsten empfinden, der Unterricht kann ihnen keine Bestie- digung gewähren. Auch sie werden daher dem Extemporale keine Träne nachweinen.
Die Freude über das Verschwinden eines alten Zopfs ist aber leider nicht ungetrübt. Denn was der preußische Kultusminister mit der «Inert Hand gibt, das nimmt er mit der andern wieder. Im Gegensatz zu den Volksschulen hatten sich die höhern Schulen bisher einer gewissen Unabhängigkeit zu erfreuen. Nur fetten verirrte sich einmal ein Provinzial- schulrat in die heiligen Hallen eines Gvmna- siums, und schnell war seine Spur verloren, sobald er wieder Abschied nahm. Das soll anders werden. Der Schulrat soll künftig mindestens einmal im Jahr die höhern Schulen einer eingehenden Revision unterziehen. Wenn auch nicht verkannt werden soll, daß diese Anordnung in der besten Absicht getroffen worden ist, so kann man doch sehr stark bezweifeln, ob sie den gewünschten Erfolg haben wird. Zur Begründung der verschärften Aussicht wird in dem Erlaß des Kultusministers ausgeführt, «s fei Pflicht der Unterrichtsbehörden, dahin zu wirken, daß bei der Auswahl und Behandlung des Wissenstoffes das richtige Maß beobachtet und zwischen den Anforderungen in den einzelnen Unterrichtsgegenständen ein angemessenes Verhältnis hergestellt wird, damit di« höhern Schulen das ihnen in Erziehung und Unterricht gesteckte Ziel sicher und in Ruhe erreichen können. Mehr als bisher müsse die erzieherische Aufgabe der Schule und die Bildung des Charakters durch den Unterricht ins Auge gefaßt werden.
Das klingt zweifellos recht schön. Die Revisionen sollen danach einen ähnlichen Zweck haben wie die Abschaffung des Ertemporales, nämlich eine Ueberbürdung der Schüler verhindern. In der Praxis dürfte aber dieser gute Zweck grade in sein Gegenteil verkehrt werden. Durch die regelmäßigen Revisionen wird die Gefahr heraufbeschworen, daß. wie heute schon an den Volksschulen, künftig auch an den höhern Schulen der Unterricht auf die Revisionen zugeschnitten wird. Anstatt des Extem- porale-Drills werden wir dann künfttg den RevifionS-Drill haben, der jedenfalls ebenso wenig geeignet ist, die erziehlichen Zwecke zu fördern. In den höhern Schulen mutz dieser DM Noch wett schädlicher wirke», als in den
Volksschulen, namentlich in den Oberklassen, in denen die Schüler zu ernster, wissenschaftlicher Arbeit erzogen werden sollen. So gut daher auch dieser zweite Erlaß des preußischen Kultusministers gemeint sein mag, läßt sich doch nicht die Befürchtung von der Hand wei- ’en, daß durch ihn die guten Wirkungen des Extemporale-Ukas zum guten Teile illusorisch gemacht werden. -a-
Die Marokko SuMuschung.
„Laßt alle Hoffnung fahren!"
Endlich soll nun von dem verschleierten Bild zu Sais die Hülle gelüftet werden, und Michel darf einen Blick darunter tun. Was wird er zu sehen bekommen? Wird es ihm o gehen, wie jenem wißbegierigen Schüler, der die Erkenntnis der Wahrheit mit dem Verlust seiner Heiterkeit bezahlen mußte? Oder wird er vielleicht, wenn er die Wahrheit über Marokko erfährt, mit dem Taucher ausrufen: Und der Mensch versuche die Götter nicht, und begehre nimmer und nimmer zu schauen, was ie gnädig verhüllen in Nacht und Grauen? Eine günstige Wirkung hatte jedenfalls die tiefe Dunkelheit, die die Götter der Wilhelms- traße so lange über die Marokkoverhandlungen gebreitet haben. Das Auge des deutschen Michel hat sich dadurch so sehr an die Dunkelheit gewöhnt, daß er den spärlichen Schein einer alten Stallaterne schon für einen Platz an der Sonne zu halten geneigt ist. In der Tat sind die Erwartungen, die man an das Marokkoabkommen knüpft, auf ein Minimum herabgesunken. Von den stolzen Hoffnungen, die man an den Vorstoß von Agadir knüpfte, ist nichts, rein gar nichts übrig gebtteben. Deutschland hat sich wieder einmal als das Volk der Dichter und Denker bewährt, ei ist bei der Teilung der Erde zu spät gekommen und muß sich nun mit einem Wölkenkuckucksheim begnügen.
Es ist verschiedentlich der Verdacht ^eüvTrt worden, daß zwischen dem Abschluß des Ma- rokkoabkommens und der Art, wie die Regierung die Teuerungsinterpellation beantwortete, eine gewisse Beziehung besteht. Weil sich die Regierung bewußt sei, daß sie bei den bevorstehenden Marokkointerpellationen einen schweren Stand haben werde, so habe sie sich durch ihre einseitige und in der Form vielfach sehr schroffe Stellungnahme in der Teuerungsfrage im voraus bei der Rechten die Absolution für ihre Marokkosünden erkaufen wollen. Das ist natürlich nur eine Bosheit, die die Gegner der Regierung auSgeheckt haben. Gleichwohl läßt sich nicht leugnen, daß sich Herr v. Bethmann-Hollweg immer mehr nach rechts entwickelt hat. Offenbar hat er eingesehen, daß fein Traum, für die Wahlen doch noch eine Einigung der bürgerlichen Parteien zustande zu bringen, unerfüllbar ist. So hat er denn den bequemen Platz zwischen zwei Stühlen aufgegeben und sich auf der Rechten niedergelassen. Er kann dann wenigstens mit Ehren fallen, wenn am zwölften Januar bei Philippi die eisernen Würfel rollen. Man sagt, er wollte sterben.
KenAtAisnahme, kein Beschlnß!
(Telegramm unsers Korrespondenten.)
Wie unser Berliner politischer Mitarbeiter von gut unterrichteter Seite hört, werden sowohl der Marokkovertrag zwischen Deutschland und Frankreich, als auch der K o n- govertrag dem Reichstage nur zur Kenntnisnahme, nicht aber zur Beschlußfassung zugehen. Beide Verträge tragen den Charakter von Staatsverträgen, die nicht unter den Paragraphen 4 der Reichsverfassung fallen. Der Kongovertrag enthält keine Bestimmungen über deutsche Landabtretungen in den Kolonien, fondern nur Bestimmungen über Grenzberichtigungen. Auch aus diesem Grunde erübrigt sich eine Beschlußfassung des Reichstags. Die Verträge werden dem Reichstag noch vor dem siebenten November zugehen, nachdem sie halbamtlich vorher veröffentlicht worden sind. Die Beantwortung der Marokko-Interpellation durch den Reichskanzler wird in der Sitzung am achten November stattsinden.
kambon beim Kiderlen-Souper.
(Pxivat-Telegramm.)
Aus Berlin wird uns gemeldet: Beim Staatssekretär von K i d e r len - W aecht e r fand gestern abend ein Essen statt, an dem auch der französische Botschafter Cambon mit Familie teilnahm. Wie weiter verlautet, soll der auf Marokko bezügliche Teil des deutsch-französischen Abkommens, der gewisse Aenderungen ober wenigstens Interpretationen der Algecirasakte enthält, den Mitunterzeichnern dieser Akte von den beiden vertragschließenden Mächten zur Zustimmung unterbreitet werden. Es wird jedoch dabei an eine Konferenz nicht gedacht. Die Verhandlungen sollen vielmehr von Kabinett zu Kabinett stattfinden. Die Meldung, daß die Mitteilung bereits in Wien stattgefunden hat, ist den Ereignissen vorauSgeetlt. Einer Meldung aus Paris zufolge kann bie
Unterzeichnung b e § Marokkoab- kommens bereits heute erfolgen, doch sei es auch möglich, daß sie aus persönlichen Gründen auf Sonnabend oder Montag verschoben werde.
Geheimnisse der Revolution.
Der Bericht einer Augenzengin.
Man schreibt uns aus Paris: Fräulein Marguerite Glotz, Dozentin an der Pariser Universität, ist soeben von einer Reise durch das chinesische Aufstandsgebiet nach Frankreich zurückgekehrt und veröffentlicht im „Journal" einen interessanten Artikel über den Ursprung und den Charakter der gegenwärtigen revolutionären Bewegung. Was der Bewegung ein charakteristisches Aussehen verleiht (schreibt sie), was sie von den früheren partiellen Erschütterungen des Landes unterscheidet, ist die einheitliche Leitung, die verschiedene und verschieden geartete Kräfte nach einem genau festgelegten Plane gruppiert. Die Hauptstütze der revolutionären Partei bilden die Truppen von Hupeü und von Honan. Seit Monaten schon herrscht unter ihnen, eine lebhafte Unzufriedenheit, weil ihnen eine schamlose Günstlingswirtschaft den brutalen und unfähigen General Tschang-Piao als Führer aufgezwungen hatte. Da die chinesischen Truppen auch sonst nicht Muster von Ordnung und Disziplin sind, machte man sich wenig Sorge um ihre Proteste und achtete nicht einmal auf die kleinen Putsche, die von Zeit zu Zeit ausbrachen: so trieb man die Soldaten in die Arme der Revolutionäre. Das Gros der Aufständischen aber bildet die Zivilbevölkerung. Der Mittelstand wurde der der Regierung feindlichen Partei zugeführt, weil er sich durch verschiedene Maßnahmen, besonders durch die Nationalisation der Eisenbahnen, in seinen materiellen Interessen geschädigt sah. Hinter den Soldaten und den begüterten Klassen aber steht die kompakte Masse des Volkes: Der Hunger hat es aus seiner gewohnten Teil- nahmlostgkett aufgerüttelt und. zur EmpörstftZ getrieben.
ES herrscht in diesem Jahre eine entsetzliche Hungersnot an den Ufern des Jangtse. Es gibt keinen Reis! In den vom Fluß durchströmten Provinzen sind Hunderttausende dem Hunger erlegen! Man kann also leicht verstehen, daß die unwissenden Massen sich gegen Gesetz und Ordnung auflehnen; sie sind eine Beute, die für den Agitator längst fällig ist. Es fehlte für alle diese zur Empörung bereiten Kräfte nur noch ein geeigneter Führer. Und es fand sich einer in der Person eines weitschauenden, klugen Mannes. Man beachte nur, mit welcher glänzenden Tat die Revolution debütierte. Die Einnahme von Hankau ist ein Meisterstreich, der die Intelligenz und den Willen eines geborenen Heerführers und Massenlenkers offenbart. Hankau besitzen heißt, das Arsenal von Hanjang. das wichtigste Chinas, besitzen; heißt den Kriegsschatz von Wutschang besitzen; heißt die Eisenbahn nach Peking, die Provinzen des oberen Jangtse und die Schifffahrt bis zum Meere in Händen haben. Nur e i n Mann in China konnte mit bis dabin von keinem Menschen geahnten Kräften eine so brillante Taktik zeigen, und dieser eine Mann war Sun-Bat-Sen. Eine hervorragende Persönlichkeit. Theoretiker und Tatenmensch in einer Person. Organisator der Revolte von Kanton im Jahre 1895, hat sich der aus seinem Vaterlande verbannte Sun-Dat-Sen ganz mit abendländischem Geiste gesättigt. Er hat dem Ausbruch der Revolution nicht persönlich beigewohnt, da er gegenwärtig in Amerika weilt; aber seine Jünger leiten die Bewegung, und das Verdienst der Organisation fällt einzig und allein ihm zu Er wurde im Frühling dieses Jahres in Hongkong gesehen.
Die gleichgültige, untätige, ungeschickte chinesische Polizei wußte sich seiner nicht zu bemächtigen, noch auch ihm Hindernisse zu bereiten. Wenn die Erhebung, die er vorbereitet hatte, und die im Frühling ausbrach, von derselben Polizei rasch erstickt worden zu sein scheint, so war das eben nur scheinbar der Fall. In Wirklichkeit lag die Sache so, daß die Führer, als sie sich überrascht sahen, alles wieder zum Stillstand brachten und die vollständige Ausführung des Planes auf eine spätere, günstigere Zeit verschoben. Jetzt bat Sun-Pat-Sen für sich nicht bloß die Gunst der Verhältnisse: Er verfügt auch über das geeignetste Instrument die bestehenden Verhältnisse zu ändern, über Geld! Er wußte seiner Partei die wirksame Teilnahme der reichen Chinesen des Auslandes zu sichern: Schiftsreeder von Singapur, Wucherer von Java, Händler von Hawai, Bankiers von Kalifornien ... alle Chinesen des Stillen Ozeans unterstützen ihn mit reichen Geldmitteln, und seinen Offizieren sind in den europäischen Banken von Hongkong und von Schanghai bedeutende Kredite eröffnet. Da er die Macht der Europäer kennt, hat Sun-Vat- Sen sich ihre Neutralität zu sichern und feine Feinde auf diese Weise zu isolieren gewußt. Dadurch verhinderte er auch das Mächtebündnis, das vor elf Jahren die Boxer zerschmetterte. Im übrigen unterscheiden sich feine Pläne ganz wesentlich von denen der Boxer, und die Disziplin. die er unter seinen Leuten eingeführt, die Vorsichtsmaßreaeln, die et ergriffen hat.
lassen hoffen, daß die in China lebenden Ausländer unter dem Konflikt nicht zu leiden haben werden. Dr. E. C,
Som Schauplatz der Revolution. ‘ (Telegraphische Meldungen.)
Aus London wird uns berichtet: Die „Centtal News" bestätigen in einem Telegramm aus Peking die Meldung von der Ermordung Yinschangs; ferner wird in Depeschen aus Shanghai die Nachricht bestätigt, das der Kaiserliche Hof sich auf der Flucht befinde. In Peftng ging gestern ein Telegramm ein, in dem mitgeteilt wird, daß die Regierungstruppen bis Schoku vorgerückt feien. Es sei zu mehreren Gefechten gekommen, aber eine Schlacht finde erst statt, wenn sich die Regierungstruppen in hinreichender Stärke gesammelt hätten. Der Verkehrsminister Shengkungpao ist wegen seiner rücksichtslosen Haltung bei der Verstaatlichung der Eisenbahnen entlassen worden. Zu seinem Nachfolger wurde Tangschaoyi ernannt. Die Spezie-Bank in Yokohama, die unter dem Einfluß der japanischen Regierung steht, bot der chinesischen Regierung einen Kredit von hundert Millionen Mark an. Amtliche chinesische Mitteilungen besagen, daß Wutschau in die Hände der Aufständischen gefallen ist. Die Lage gibt zu Beunruhigung Anlaß wegen der Wirkung, die möglicherweise die Vorkommnisse in Kanton und Wntschau auf die Mannschaften der chinesischen Marine haben werden, die alle aus dem Hinterland von Fukien stammen.
Reue Kämpfe in Tripolis.
Pro Tag sieben Millionen Kriegskosten.
Depeschen aus Rom zufolge ist man dort über den ' unerwarteten Widerstand der Araber in Tripolis sehr beunruhigt. Man hatte die Dauer des Feldzuges auf zwei Mo- > nate veranschlagt und auf jeden Monat zwei- bunberl Mtllimnm Lire Kosten gerechnet. Nunmehr stellt sich heraus, daß an eine so schnelle, Beendigung des Krieges nicht zu denken ist. Merhundert Millionen werden bei weitem nicht ausreichen. Ein jeder Tag bringt den Italienern eine Ausgabe von mindestens sieben Millionen Lire. Die Regierung sieht also den Zettpunkt herannahen, wo sie Kriegsanleihen aufnehmen muß, da die vorhandenen Barmittel bei weitem nicht ausreichen. Inzwischen ist es in Tripolis zu neuen K 8m p- fen gekommen. Es liegen darüber folgende Meldungen vor:
te» Tripolis, 27. Oktober.
(Telegraphische Meldungen.)
Gestern morgen unternahmen die Türken und Araber zwischen El Mesri und Bumeliana einen heftigen Angriff auf die Jtali« euer,wurden aber auf allen Seiten zurück- geschlagen. Die Verluste der Italiener waren -gering. DaS zweiundachtzigste Regt- ment ließ den Feind erst vorrücken und über- schüttete ihn bann mit einem mörderi- scheu Feuer, das ihn zwang, über einen Kilometer weit von den Schützengräben und der Vorpostenkette'zurückzugehen. Das ^vierzigste Regiment schlug den Feind in nächster Nähe aus einer Entfernung von etwa dreißig Metern zurück. Bei dem Gefecht am vergangenen Montag erlitten dir Bergsaglieri einen Verlust von zwei hundert Mann. Am Dienstag entwickelte sich ein neues Gefecht in der Nähe des Judendorfes Amros. Der Kampf dauert noch fort. Durch einen Militärflieger wurde festgestellt, daß- sechstausend Mann Araber dort stehen. Der Aufruhr in der Stadt ist unterdrückt, doch nimmt die Unruhe immer mehr zu. Die Europäer erhoffen die baldige Ankunft eines neutralen Kriegsschiffes.
Tie Kampfe um Terna. /
(P r i v a t - T e l e g r a m m.) -
Nach Meldungen, die aus Tripolis tm türkischen Kriegsministerium eingetroffen ftnbj wird bei Deina seit zwei Tagen gekämpft.! Die Italiener wurden dreimal zurückgeschlagen. Sowohl aus arabisch-türkischer, wie auf italienischer Seite sind die Verluste bedeutend. Die Türken und Araber verloren über hundert, die Italiener mehrer^ hundert Mann. Die Türken erneuern beständig ihre Angriff«, um den ermatteten Italienern keine Ruhezeit zu lassen. Dreiundneun-' zig Matrosen und dreißig Offiziere von den in der Adria vernichteten türkischen Torpedoboo- ten sind gestern in Konstantinopes angekommen,> ebenso die aus Tripolis ausgewiesenen türkischen Beamten an Bord eines deutschen Damp- sers. Eine an zuständiger Stelle angekommene Depesche aus Tripolis meldet, daß der erste Trupp der berittenen Krieger der Stämme der Tibu und Tuareg in einer Stärke von zehn tausend Mann in Tripolis eingettofsen ist. Viertausend Mann verbleiben in Tripolis, der Rest soll nach Benghasi gehen. Ferner wird auS Feffan gemeldet, daß der Mutessarif von Fessan und der fa&aeortnteHiMa ßtfifl»