Nummer 272, 1. Jahrgang.
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Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Fernsprecher 951 und 952.
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Sonntag, den 22. Oktober 1911
Habsburgs Renaissance.
Franz Josef und Franz Ferdinand.
Eine kurze Depesche aus Wien gab am Schluß der letzten Woche neues Zeugnis von der Krise, die die Donau-Monarchie seit dem Tag durchzittert, da es Franz Ferdi n a n d , dem zielbewußten Erben der Krone Habsburgs, gelang, auf die Gestaltung der Geschicke beider Reichshälftcn maßgebenden Einfluß zu gewinnen: Wie in offiziös knapper Form registriert wurde, hatte der Erzherzog- Thronfolger mit dem Ministerpräsidenten FreiherrnvonGautzsch eine lange Unterredung, über deren Zweck und Resultat die sonst so redefreudigen Plauderer am Wiener Ballplatz einmütiglich schwiegen. Umso lebhafter wurde das Ereignis in denjenigen Kreisen kommentiert, die die Tempcratur- schwankungen der Hofburg-Politik zu deuten wiffen, und es ist sicher m e hr als ein Donau- Märchen, wenn in diesen Kreisen nach dem mysteriösen Freitag-Besuch des Premier-Ministers bei Franz Ferdinand von einer nahe bevorstehenden Wandlung des Regierungskörpers mit der gleichen Selbstverständlichkeit gesprochen wird, wie vor Monden vom kommenden Rücktritt des Reichskriegsministers, trotzdem Herr von Schönaich damals (und sicher aus ehrlichster Ueberzeugung) erklären ließ, er denke nicht daran, das ihm durch Franz Josefs Vertrauen gewordne Amt zu verlassen. Freiherr von Gautzsch hat sich bei Franz Ferdinand nie sonderlicher Sympathien erfreut: Der Thronfolger, von dem die Rede geht, daß er in erster Linie ein Mann der Tat sei, sieht den Zeitpunkt gekommen, durch eine Umformung des Kabinetts seinen weitausgreifenden Konsolidations-Plänen die Wege zu ebnen, und daß er dabei mit dem Premierminister beginnt, zeug- für die Schärfe seines Blicks, denn Gautzsch, der durch Glück und Zufall zur Exzellenz und zum Baron wurde, ist als Minister und Kabinettschef immer Das geblieben, was er stets gewesen: Ein Beamter, besten Hauptstärke sich in nie gemin- vertem Anpassungsvermögen offenbart, dessen Schöpferkraft dagegen über dürftige Ansätze nicht hinausreicht.
Inzwischen hört man, daß eine Rekonstruktion des Wiener Kabinetts tatsächlich nah be- vorsteht; allerdings ist die Form, in der sie sich vollziehen wird, etwas anders, als ursprünglich geplant war: Ein Teil der bisherigen Minister parlamentarischer Observanz soll durch Beamten-Mtnister ersetzt werden, die zwar nicht dem politisch-neutralen Beamtentum angehören, aber doch Gewähr dafür bieten, daß sie der Regierung gegenüber dem Ansturm der Parteien stärkern Rückhalt leihen können. Baron Gautzsch selbst bleibt vorläufig tot Amt; in unterrichteten Kreisen ist man indessen überzeugt, daß ihm nur noch ein Gnadenquartal gegönnt und sein definitiver Rücktritt schon heut beschlossne Sache ist. Daß auch Graf Lexa von Aehrenthal auf Franz Ferdinands „Totenliste" steht, ist längst kein Geheimnis mehr: Oesterreich-Ungarns kommender Kaiser hat nie Sympathie für den Enkel des nzährischen Getreidehändlers gehegt, und Aehrenthals scharf gegen Rußland gerichtete Politik ist oft der Gegenstand erregter Auseinandersetzungen zwischen dem greisen Träger und dem energischen Erben der Habsburger Krone gewesen. Schon jetzt ist deutlich merkbar, daß Franz Ferdinands starke Persönlichkeit die äußre Politik der Donau-Monarchie in ausgesprochen russenfreundlichem Sinne beeinflußt, und diese Schwenkung wird sicher an d e m Tag zur völligen Abkehr vom System Aehrenthal'scher Politik führen, der Sophie Lhotecks Gatten als Kaiser auf den Thron ruft. Franz Ferdinand ist von der zwingenden Not- Wendigkeit überzeugt, im Interesse der Sicherung der Balkan-Ordnung ein Hand-in-Hand- Arbeiten zwischen Oesterreich und Rußland her- beizuführen, und die Erreichung dieses Ziels kluger Zweckmäßigkeitspolitik ist nur möglich, wenn Aehrenthals düstrer Schatten (den Leuten in Petersburg aus dem letzten Balkanhandel noch in peinlichster Erinnerung) nicht mehr zwischen Newa und Donau steht.
Die Spuren der »Habsburger Renaissance" werden immer deutlicher: Konrad von Hötzendorffs schöpferischer Kopf und Franz Ferdinands Tat-Energie haben im letzten Jahrzehnt Oesterreich-Ungarns Wehrkraft neu gestählt, die Heeres-Organisation von Grund aus modernisiert und auch die Macht zur See rüstig ausgebaut, sodaß das unter der Krone Habsburgs vereinte bunte Bölkergemisch beut eine Wehrkraft repräsentiert, die den Stand tatsächlicher Leistungsfähigkeit gegenüber der Zeit vor drei (und nock vor rwei) Jabr
zehnten fast um das Doppelte übertrifft. Daß Franz Ferdinands Ziel aber auch damit noch nicht erreicht ist, hat erst vor Wochen die unziemlich schnelle Abhalfterung des greisen Schönaich bewiesen, der sich, vom Vertrauen des „alten Herrn" getragen, stark genug wähnte, dem ungestümen Entwicklungsdrang der neuen Zeit hemmend sich entgegenstemmen zu.können. Franz Josef, der Greis mit dem milden Herzen und dem müden Willen, hat um Schönaich wie um ein Juwel aus der Väter Krone gerungen (nicht, weil dieser brave Soldat und schwache Organisator für das Reich unentbehrlich oder gar unersetzlich gewesen wäre, aber weil der Achtzigjährige instinktiv fühlte: Hier handelte es sich nicht um eines Ministers Schicksal, sondern um das Prestige alt-kaiserlicher Autorität gegenüber dem aufstrahlenden Glanz der neuen Sonne), und hat doch schließlich den Willen der Majestät dem Verlangen eines Stärkern opfern müssen. Ritter von Ausfenberg, der Schönaichs Erbe angetreten, erfreut sich des Vorzugs, die reformatorischen Tendenzen der neuen Zeit glücklicher ein- schätzen zu können, und was in den tausend Kommentar-Spalten der Presse zum Wechsel im österreichischen Kriegsministerium schonend verschwiegen worden ist, wird dort, wo man die Renaissance im Hause Habsburg mit hellem Auge verfolgt, umso deutlicher empfunden: Schönaichs Opferung war die Kapitulation der Energie Franz Josefs vor der starken Kraft eines Jüngern!
Diese Kraft ringt auch auf andern Gebieten österreichischer Schicksalgestaltung nach ungehemmter Betätigung: Die ganze Politik der Abendregicrung des greisen Kaisers steht un- term Bann der Manneskraft Franz Ferdinands; ein frischer Zug geht durch das Reich österreichischer Ermüdung und die aufstrebcii^e Generation spürt und würdigt den Hauch der neuen Zeit. Franz Josef ist dem Land seiner Väter heut mehr Patriarch als Herrscher, die Zügel sind seiner Hand entglitten und überall keimt und sproßt eine Saat, die den harten Boden österreichischer Kümmernis mit frischem Grün und neuer Hoffnung deckt. Nach menschlicher Voraussicht kann der Tag nicht mehr fern sein, der die Herrschaft im Donauland in Franz Ferdinands energische Hände legt, und es wird sich dann offenbaren, was an nationaler Arbeit von der Kraft des einen Mannes schon in jener Zeit geleistet worden ist, als dem Erben der Krone die Nutzbarmachung starker Energie noch als Ueberschreitung bescheidner Kompetenzen verargt wurde. Oesterreich hat unter der langen NegierungSzeit Franz Josefs zwar eine Epoche der Ruhe und Stille durchleben dürfen, aber die Periode erschlaffender Untätigkeit war der Erhaltung nationaler Energie nicht günstig, trotzdem Tatbereitschaft doch in einem Lande unerläßlich fctjien, dessen Völkerkessel ständig unter dem ungestümen Drang nationalistischer Leidenschaften erzittert. Im Innern durch den Hader der Nationalitäten geschwächt, nach außen beschränkt in der Nutzbarmachung seiner Kraft durch eine Politik saumseligen Sichgenügenlafsens, hat das Reich der Habsburger int letzten Halbjahrhundert seiner Geschichte kaum ein dürftig Lorbeerreis aufzuweisen: Das klassischste Zeugnis für die Unzulänglichkeit seiner politischen und militärischen Rüstung. Von Franz Ferdinand erhoffen die Völker diesseits und jenseits der Leitha den Beginn einer neuen Zeit, den Aufstieg der Habsburger Kaisermacht zum Zenith des Ruhms und die Entwicklung Oesterreich-Ungams zum einigen und geeinten Reich unterm Kaiserszepter in eines starken Mannes Hand! F. H.
Set Reichstag macht Pause! Im Interesse der Privatbeamtenversicherung.
(Telegramm unsers Korrespondenten.)
Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, soll im Reichstag in der nächsten Woche, wenn der Seniorenkonvent seine Zustimmung erteilt, beschlossen werden, eine zehntägige Pause eintreten zu las- fcn, um der Kommission zur Vorberatung des Privatbeamten - Versichern n g s g e s e tz e s Zeit zur Beratung zu lassen.
Wie unser parlamentarischer Mitarbeiter erfährt, haben zwischen dem Reichskanzler und einigen Parteiführern in den letzten Tagen Besprechungen über die Erledigung der laufenden Geschäfte stattgefunden. Bei diesen Besprechungen. bat die Regierung über die auswärtige Lage ziemliche Zurückhaltung gezeigt. Hauptsächlich handelte es sich bei diesen Besprechungen um die Erledigung der Teuer ung sin terp el- lationen. Bon einzelnen Parteien ist der Negierung nahe gelegt worden, weitere . Maßnahmen zur Bekämpfung der gegen
wärtigen Teuerung zu veranlassen. Die Regierung wird ihren Standpunkt über die bisher ergriffenen Maßnahmen und die Möglichkeit weiterer Maßnahmen am Montag darlegen. Wie es scheint, werden die Verhandlungen über die Teuerungsinterpellationen in einem ruhigen Fahrwasser erfolgen. Was die Erledigung des übrigen Arbeitsmaierials anbelangt, so hat die Regierung gegen eine kurze Pause in b H lena rv erh a nd lun- gen des Reichstags nichts einzuwenden, wenn durch diese Pause nicht die Erledigung des Schiffahrtsabgabengesetzes in Frage gestellt wird. Auf die Erledigung dieses Gesetzes legt die Regierung nach wie vor den größten Wert. Wenn der Reichstag im Interesse der Arbeiten der Kommission für die P r i v a t b e a m t e n - Versicherung eine Unterbrechung seiner Arbeiten für notwendig erachtet, so soll nach den augenblicklichen Dispositionen, vorbehaltlich der Zustimmung des Seniorenkonvcnts vom sechsundzwanzig st en Oktober bis zum siebenten November eine Pause eintreten.
8st der Friede nahe?
Der Stand des Tripolis-Abenteuers.
Die Nachrichten vom tripolitanischen Kriegsschauplatz lauten widersprechender als je: Während von römischer Seite bedeutsame Siege der italienischen Truppen gemeldet werden, berichten Depeschen aus Konstantinopel von neuem schwere Verluste der Italiener. Die neuesten Meldungen aus Tripolis bestätigen indessen, daß sich die Stadt Poms ergeben hat. Die Blätter veröffentlichen längere Einzelheiten über die Beschießung von Benghasi. Viertausend Mann Truppen sind gelandet worden. Das Feuer dauerte den gestrigen Tag. Trotz dieser kriegerischen Nachrichten denkt man in Konstantinopel sehr optimistisch über den nahe bevorstehenden Friedens sch luß: . -•
Konstantinopel, 21. Oktober.
(Eigene Drahtmeldung.)
Wie versichert wird, sott der Minister des Aeußern gestern in den Wandelgängen der Kammer erklärt haben, daß der Friede bevorstehe und unter für die Türkei befriedigenden Bedingungen abgeschloffe« werde. Ein Ferman des Sultans bestätigt die Wahl des Obersten R e - schot zum Oberbefehlshaber der türkischen Truppen in Tripolis. Der Großwesir Said Pascha hat durch seine große Stimmenmehrheit in der Kammer vollständig freie Hand bekommen.
Weitere Depeschen aus Konstantinopel berichten: Eine italienische Abteilung überfiel gestern den Distrikt Nefchat, wurde aber bei Tschentari von Arabern des Stammes Urselli, zu denen später türkische Truppen stießen, überrumpelt, wobei die Italiener fünfzig Mann verloren und nach eiliger Flucht auf dem Kampfplatz viele Waffen und Munition zurückließen. Zehn Araber wurden getötet, zehn verwundet, ebenso ein türkischer Korporal und mehrere Soldaten.
*
Der Sturm auf Beughast.
Wie uns ein Telegramm aus Rom meldet, liegen dort über den Sturm auf Benghasi folgende Nachrichten vor: Nachdem die Besatzung von Benghasi die Aufforderung des Flottenchefs, sich zu ergeben, abgelehnt hatten, begann das Bombardement und gleichzeitige Landung von Truppen, die unter heftigem Widerstand der mit den Türken vereinigten Araber in einem zwölfstündigen Gefecht vordrangen. Die Kaserne und das Dorf Sidi Hussein wurden Straße für Straße gestürmt und die italienische Flagge gehißt. Die Truppen übernachteten auf den ungemein stark befestigten Positionen. Später wurde der übrige Teil der Stadt Benghasi bombardiert. Die italienischen Landungstruppen tn Benghasi wurden von mehreren verhältnismäßig gut befestigten Punkten, namentlich von der Kaserne, wirksam beschossen; doch fehlte es den im Nahkampf an Todesverachtung wetteifernden Türken und Arabern an einheitlicher Fühmng, sodaß sie, als die Italiener starten Zuzug von den Marinemannschaften von den Kriegsschiffen erhalten hatten, zurückgedrängt wurden. Um den Besitz des Dorfes Sidi Hussein entspann sich gegen Abend ein harter Kampf, der sich infolge eines den Italienern geglücktenUmgehungsmanövers zu ihren Gunsten entschied.
Die Türkei im Dreibund?
(Eigene Drahtmeldung.)
Aus London wird uns depeschiert: „Daily Exchange Telegraph" veröffentlicht aus Konstantinopel folgende Nachricht: Es steht fest, daß Deutschland mit der Türk et in Unterhandlungen eingetreten ist, um die Pforte in den Dreibund autzuirehmen, und zwar soll dies aut der Grundlage der vollkom
mensten Gleichberechtigung mit Oesterreich-Ungarn und Italien geschehen. Bis gestern wurden diese Verhandlungen in Konstantinopel geheim gehalten, aber die Regierung, die von der großen Presse aufgesordert worden war, sich einer der europäischen Staatengruppen anzuschlietzen, hat nunmehr den Blättern nach dieser Richtung hin beruhigende Erklärungen zugehen lassen.
Rebellen-Nrg in Wm.
Eine schwere Niederlage der Mandschus.
Die Ereignisse in China gestalten sich für die Mandschu-Dynastie immer verhängnisvoller: Die erste Nachricht von einem angeblichen Erfolg der kaiserlichen Truppen bei Hankau ist schnell durch die Meldung von einem entscheidenden Sieg d ex Revolutionäre berichtigt worden, und es kann nach den neuesten Depeschen nicht mehr zweifelhaft fein, daß die Revolutionäre zurzeit das Aufstandsgebiet vollständig beherrschen. Wir registrieren folgende Meldungen:
S> London, 21. Oktober.
(Eigene Drahtmeldung.)
Die letzten Nachrichten aus Kiükiang bestätigen, daß die bisherigen Gefechte den Rebellen den Sieg gebracht haben. Nach einer in Schanghai eingegangenen Meldung hat sich die Flotte zurückgezogen, mit Ausnahme eines Kreuzers, der zu den Rebellen übergegangen ist. In Peking verlautet, daß die Rebellen einen Damm an der Hankau- Bahnlinie bei Sinjangtschan besetzten. Aus Wnnan kommende Konsulardepeschen besagen, daß a u ch d o r t die kaiserlichen Truppen von der Regierung ab fallen. Im Einzelnen wird berichtet, daß die modernen Truppen und zwei Regimenter der Provinztruppen zu meutern beginne^ weil sie ohne Lohn sind und die ausgedienten Leute als Gemeine behalten werden. Die beiden Regimenter weigern sich entschieden, in die Provinz Szetschwan einzurücken. *
Nach dem Bümbardemeut.
Wie Depeschen aus Hankau melden, ist der dortige Bahnhof durch das vorgestrige Bombardement völlig zerstört worden. Ueber die beiderseittgen Verluste während der dreitägigen Kämpfe schwanken die Angaben. Sicher ist nur, daß durch das Bombardement die Städte Wutschang und Hankau sehr stark gelitten haben, in Hankau namentlich jener Stadtteil, der an die d e u t s ch e Niederlassung grenzt. Am Mittwoch zwangen die Rebellen die kaiserlichen Truppen, sich auf ihr Lager zurückzuziehen. Am Nachmittag eröffneten die Kanonenboote das Feuer, aber sie schossen zu weit. In der Nackt wurden die Revolutionäre verstärkt und nahmen eine starke Stellung ein. Donnerstag rückten fünftausend Aufständische vorsichtig gegen das Lager der Kaiserlichen vor; sie verbrannten Hunderte von Hütten, in denen feindliche Schützen eine Deckung hätten finden können. Der Widerstand, dem sie begegneten, war ziemlich schwach.
*
Einem in Berlin eingegangenen Telegramm zufolge ist gestern der Chef des deutschen Kreuzergeschwaders, Vizeadmiral von Krosigk, an Bord des Kanonenbootes „Iltis" vor Hankaueingetrosfen und hat den Befehl über die daselbst zusammengezoge- neu Seestreitkräfte übernommen.
Moden» Robinsoniade.
Zwei Monate auf einer wüsten Insel.
(Telegramm unseres Korrespondenten.)
Furchtbare Entbehrungen und Leiden hat die Mannschaft der Hamburger Bier- mastbark „Thekla" zu erdulden gehabt, die (wie bekannt) auf der Reise von Cardiff nach Valparaiso an der Küste von Feuerland strandete und verloren ging. Ein kleiner TeU der Besatzung konnte sich retten und ist nach rnonatelanger Irrfahrt jetzt in Hamburg ringetroffen. Unser Hamburger Korrespondent berichtet uns darüber:
Bei der Strandung der »Thekla" fanbetf sieben Mann den Tod in den Wellen. Das Schiff war dirett in die Brandung gefahren und faß fest aus den scharfen Klippen. Durch den furchtbaren Sturm brach das Steuer und sämtliche Rettungsboote wurden von den hohen Wellen fortgerissen. Bald begann das Hinterschiff fortzusinken und der Rest der Besatzung, einunddrsißig Mann, mußte sich in den Großmast retten, wo sie völlig durchnäßt in der scharfen Kälte und dem starken Sturm bis zum anderen Morgen ausharrten. Ein Matrose, der versuchte, auf das Deck zu gelangen, wurde von den Wogen gegen die Reeling geschleudert, wo er mit zerschmettertem Schädel liegen blieb. Am anderen Morgen wurden notdürftig Floße gezimmert, um darauf die fünfhundert Meter entfernte Küste zu erreichen. Mit dem ersten Floß aelanaten glücklich fünf Mann