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Kasseler Neueste Nachrichten

Nr. 271

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Gruppe an die Oberwelt Sofort wurde unter Leitung der Grubendirektion

ein Rettungsdienst organisiert.

Freiwillige meldeten sich in beträchtlicher Zahl. Die Ingenieure führten die Leute, die alle mit Rauchhelmen versehen waren. Auch die Frauen und Kinder der zuerst binabge- stiegenen Bergleute sammelten sich bald im Schachtgebäude an, denn die Kunde von dem Unglück hatte sich wie ein Lauffeuer in den um- liegenden Arbeiterdorfern; verbreitet. Die Leute mußten wieder durch den Pentilations- schacht von Bardot hinabsteigen, da der direne Weg durch den Schacht von Flaches noch immer voller a tftiger Gase war/ Das Ret- tungswerk bot wegen der großen Hitze und wegen der über der Unglücksstätte lagernden Kohl^rorvdgase große Schwierigkeiten, iodaß d-e elften s ech s u n d z w a n z i g Leichen erst gegen acht Ubr abends geborgen werden konnten. Die letzten Nachrichten sprechen sedoch von zweiundvierzig Toten oder doch Vermißten. Immerhin bösst man noch, etliche Versprengte lebend auszusinden. Ueber die Entstehung der Katastrophe gaben Gruben- Ingenieure folgende Erklärung abr Die Un- glücksstätte liegt in einer. Tiefe von/über fünf­hundert Metern auf der fünfzebnten Sohle. Tie Gruben von. Saint Etienne werden von unten abaebaut. und die Folge dieses Verfah­rens ist, daß sich zwischen den Kohlenflözen und dem.Gesteinsdach Taschen biloen, in de­nen sich die

Gase in oft großen Mengen anfamme/n. Die Gasansammlung ist jeden­falls durch den ausgebrochenen Brand noch wesentlich gefördert worden, und andererseits bildete die von den Arbeitern errichtete Brand- mauer eine Art Gewölbe, in dem sich die entzündlichen Ausströmungen ebenfalls anhäu­fen mußten. Durch irgend einen unglücklichen Zufall entzündeten sich diese Gaswaffen, die im wesentlichen aus Kohlenwasserstoffen und ein- gedrungener Luft bestehen. Ohne Zutritt des Luftsauerstoffes wäre eine Entzündung un - nt öglich gewesen und man hätte diesen Zu­tritt wahrscheinlich verhindert, wenn es mög­lich gewesen wäre, die Brandmauer schneller aufzuführen uich die gefähr­lichen Steffen nach außen hermetisch abzuschlte- ßen. Wegen der Schwierigkeit der Arbeit war dies leider nicht möglich. Die Opfer der, Ka- tasttopbe haben den Tod jedenfalls sofort und ohne lange Leiden gefunden, denn die jenen sogenanntenBläsern" entströmen-

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Sonnabend, 21. Oktober 1911.

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bei dem Betteten des Schlafzimmers ein schrecklicher Anblick. Sie fand ihren Mann vollständig unbekleidet auf dem Bette liegend vor. Die Hände waren ihm auf den Rücken gebunden, während der Kopf mit einer Serviette fest umbunden war. Frau Agneessenes rief sofort um Hilfe, und bald waren auch mehrere Polizisten und verschiedene Aerzie zur Stelle. Die Frau er­klärte, daß ihr Mann am Abend vorher sehr erregt gewesen sei. Bei einem Verhör, das die Polizei mit Frau Agneessenes anstellte, er­gaben sich in deren Aussagen verschiedene Widerspräche. Die Polizei hat in Er­fahrung gebracht, daß der Ermordete eine Reise nach Nizza vorhatte. An der Ausfüh­rung seiner Reise war er jedoch durch Mor­de r h a n d verhindert worden. Die vernom­mene Dienerschaft erzählte, daß Frau Agnees- senes einen Geliebten hatte. Die Polizei hält diesen für den Mörder, doch ist die Unter­suchung noch nicht vollständig abgeschlossen. Ter Vorfall erregt großes Aufsehen und es sind in der Angelegenheit bereits mehrere Verhaftungen vorgenommen worden, ohne daß es inbeffen gelungen ist, eine sichere Spur zu ermitteln.

Ss« Kind mit den fünfzehn Namen.

Den längsten Taufnamen der Welt dürfte wobl die Nickte des Königs Alfons von Spanien in der Taufe erhalten. Die junge Prinzessin, die vor einigen Tagen das Licht der Welt erblickte, beißt zum Andenken an ihre Tante, die unglückliche Prinzessin. von Asturien Maria de las Mercedes, Maria-The­resia nach ihrer Mutter, der Schwester d,cs Königs, Maria de la Paz nack ihrer Groß­mutter von mütterlicher Seite, Fernanda nach ihrem Vater Fernando. Adalbetta nach ihrem Obeim, Ehristina nach der Königin-Mutter, Antonia zufolge einer besonderen Verehrung ihrer Mutter für den heiligen Antonius, "'Isidora, weil sie in Madrid geboren wurde, Iesusa, Fausta und Ramona, weil dies die Kalenderheiligen ihres Geburtstages sindt ofsenbar, um nur ja keinen Mangel an Namen aufkommen zu lassen, wird das Kindchen auch noch Todos los Santos, alsoAllerheiligen" getauft; sonach heißt das Kind: Maria de lös Mercedes de la Paz Theresia Fernanda Al­berta Christina Antonia Isidora Ramona Ie­susa Fausta Todos los Santos, und nicht ge­nug damit: es kommen noch hinzu die drei Kalenderheiligen des Tauftages, der noch nicht festgesetzt ist.

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den Gase töten durch ihre giftige Wirkung fast augenblicklich. Der Ingenieur Baup hat zwei­felsohne den.Tod gefunden. Ter Schmerz sei­ner Gattin und der der Arbeiterfrauen, die sich in immer größerer Zahb im Sckachthauso ansammeln, ist herzzerreißend.

Au« aller Welt.

Wertheim, Metternich und Fetter.

Wie uns aus Hanau berichtet wird, hat der Untersuchungsrichter des dortigen Kriegs­gerichts in der Untersuchungssache gegen den Oberleutnant von Fetter die Akten des Metternich - Prozesses von Ber­lin cingefordett. Da mit der Uebersendung uns dem Studium der Akten einige Zeit vergeben wird, ist für die Hauptverbandlung noch kein Termin bestimmt. Der Vertreter des Ange- schuldigten, der Berliner Rechtsanwalt Paul Bredereck, der beantragt hat; in dem Verfahren als Zeuge vernommen zu werden, glaubt kaum, daß es zur Erhebung der Anklage kommt, da die Voruntersuchung "schon die Haltlosig - kett der Anschuldigung ergeben wird. Unab­hängig von dem kriegsgerichtlichen Verfahren ist das ehrengerichtliche, das solange ruht, bis eine Entscheidung über die Frage, ob eine Eidesverletzung vorliegt, gefällt ist. Im ehrengerichtlichen Verfahren ist ein Freispruch nicht zu erwarten.. Oberleutnant von Fetter ist nickt «wie einige Meldungen lauteteni auf vier Wochen beurlaubt, sondern während der "Tauer des Verfahrens vom Dienst sus­pendiert worden. In Bestätigung dieser Meldungen wird uns ferner aus Frankfurt a. M. devefchiett: Es bestätigt sich, daß gegen den im Metternick-Vrozeß als Zeugen vernom­menen Oberleutnant von Fetter ein. V e r f a b - reit wegen Meineides etnaefeitet wor­den ist. Ob es zur Erhebung einer Anklage kommt, ist allerdings nock fraglich, da der An- geschuldigte durch seinen Rechtsanwalt einen umfangreichen Entlastungsbeweis angetteten hat

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Jas Geheimnis eines Verbrechens.

Ein Verbrecken, das lebhaft an die M o r d- gffäreSte inheil in Paris erinnert, bat in der Stadt L a Forst de Soignes in der Nähe von Brüssel die größte Erregung her­vorgerufen. Als am Mittwoch früh die Frau eines reichen Händlers aus Brüssel namens Agneessenes topn Brüssel nach La Foröt de Soignes kam, um sich in ihrer dortigen Villa mit ihrem Manne zu treffen, bot sich ihr

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Dos Storno bon 6t. Mienne.

Zweiundvierzig Tute, viele Verletzte! - (Telegraphische Meldungen.)

Paris, 20. Oktober.

Ueber das bereits kurz gemeldet« Gru­benunglück in St. Etienne liegen fol- gende Einzelheiten vor: In einer der Kohlen- gruben von Saint Etienne, unweit des Schach­tes von Flaches, war am Dienstag abend ein Brand ausgebrochen, sodaß tue-Grube gegen Abend geleert werden mußte. Die z we ihund ert z w anz i g dort beschäftig­ten Grubenleute hatten aber Zeit, sich in asier Ruhe in Sicherheit zu bringen, und noch wäh­rend des Abends und der Nacht landten die Grubeninqenieure siebenundfünfzig Arbeiter hinab, die unter Leitung des Ingenieurs Baup eine Brandmauer aus Ziegelsteinen aus- fuhren und so den Brandherd isolieren sollten. Diele Arbeit, die durch die Hitze erschwert wurde, mußte am nächstfolgenden Tage fort­gesetzt werden, wobei sich die Arbeiter schicht­weise ablösten. Gegen-zwei Uhr nachmittags erschienen nun fünf der hinabgeschickten Leute wieder an der Oberfläche, aber nicht an der Mündung des Schachtes von Flaches, fonderu an der des Schachtes von Bardot. der eigent­leck nur ein Ventilationsschacht ist und unten mit dem Schacht von Flaches kommuniziert. Die

Leute, die ganz verstört auSfahen, berichteten folgendes: Die Arbeit war den Vör- mittag über in normaler Weise fortgegangen, als der Ingenieur Baup dem Obersteiger Re- baud befahl, ein Pferd zu holen, das in den Grubenställen, etwa sechshundert Meter von der Brandstelle entfernt, stand. Als R ebaud beinahe an den Pferdeställen angelangt war, vernahm er eine starke Detonation, bte eine erhebliche Erschütterung zur Folge batte, und bald darauf zog sich Rauch die Ga­le r i en entlang. Sofort begriff der erfah­rene Steiger, daß eine Explosion stattgefunden hatte. Vergebens versuchte er, zu seinen Kame­raden zurückzugelangen: die Luft wurde bald unatembar. Er lief nun wieder rückwärts und machte einen großen Umweg, um durch de» bezeichneten Ventilationsschackt an dte Ober­fläche zu gelangen und die Grubenleitung zu benachrichtigen. Unterwegs fand er- eine Gruppe von Verwundeten, von denen er einen oufbob und auf den Schultern mit sich trug. Unterdessen hatten sich noch toter wei­tere Steiger angefchloffen, und nach Verlauf von etwa einer Stunde gelangte die kleine

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