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Nr. 27L 1. Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

Sonnabend, 21. Oktober 1911.

sitzende gab ein ausführliches Bild über den Bau der im Mai eingeweihten Turnhalle. Außerdem konnte man konstatieren, daß der Verein nach Einweihung der neuen Turn­stätte einen erheblichen Zuwachs der Mitglie­der zu verzeichnen hat. Die Wahlen gaben kein verändertes Bild int Turnrat. Mit den Wünschen ferneren Wachsens des Vereins schloß der Vorsitzende die Generalversammlung.

A Die Tätigkeit der Gabelsbergianer. In der letzten Monatsversammlung des Gabels- berger'schen Stenographenvereins Caffel-Nord teilte der Vorsitzende mit, daß zurzeit ein Ele­mentarkursus, ein Tebattenschristkursus und ein Fortbildungskursus im Gange feien, die sich alle einer regen Beteiligung erfreuen. Auch praktisch waren zwei Vereinsmitglieder im vergangenen Monat tätig, indem sie die mehr­stündigen Verhandlungen der deutschen Ge- birgs- und Wandervereine in Wildungen ste­nographisch fixierten. Es wurde beschlossen, eine Reisesparkaffe zu gründen, damit der Be­such des Bezirkstags und die Teilnahme an dem Wettschreiben "in Hünfeld im Frühjahr 1912 eine rege werde.

A Wiege und Grab. In der 41. Jahres- Woche (vom S. bis 14. Oktober 1911) verstorben nach den Mitteilungen des städtischen Statisti­schen Amtes in Gaffel 27 Personen (gegen 28 in der Parallelwoche des Vorjahres). Dar­unter waren fünf (im Vorjahre sieben) Kinder im ersten Lebensjahre. Unter der Gesamtzahl der Sterbefälle waren einer durch Masern und Röteln, einer durch Tuberkulose, drei durch akute Krankheiten der Atmungsorgane und vier durch Brechdurchfall, Magen- und Darmkatarrh (darunter drei Kinder int ersten Lebensjahre) verursacht. Tie Zahl der Lebend- geborenen betrug (in der vorhergehenden Woche): 52 gegen 89 in der gleichen Woche des Vorjahres.

A Tas Wetter am Sonnabend. Ter amt­liche Wetterbericht sagt für Sonnabend für Hessen-Nassau folgende Witterung voraus: Zeitweilig wolkig, milde, südwestliche Winde, vereinzelt Regenfälle, vorerst geringe. Sonn­tag ähnlich.

A Kleine Tageschronik. Gestern "tachmit- tag wurde die nunmehr fertiggestellte letzte Teilstrecke der Straßenbahnlinie Altmarkt-Bad Wolfsanger abgenommen. Heute ist der Ver­kehr ausgenommen worden. Am Kran­kenhaus zu Rothenditmold fand ge­stern anläßlich der Aufbringung des Tachstuh-

Jn der gestrigen Stadtverordne­ten - Versammlung hatten Stadt­verordneter Thöne und Genossen den folgenden Antrag eingebracht:Die Stadtverordnetenversammlung beschließt, den Magistrat zu ersuchen, eine gemischte Kommission einzusetzen, die schleunigst zu beraten hat, inwieweit die städtische Ver­waltung den Anregungen der Staatsregie­rung auf Beschaffung von Lebensmitteln und Abgabe derselben zum Selbstkostenpreise nachzukommen in der Lage ist." '

Zur Begründung dieses Antrages erhält Stadtverordneter Jordan das Wort. Der Red­ner bespricht im allgemeinen die ungünstigen Verhältnisse der heutigen Zeit und bittet um Annahme des Antrages. Welche Maßnahmen zu treffen wären, müßte die Kommission vor­beraten.

Oberbürgermeister Müller: Wenn Sie dem Antrag des Herrn Thöne zustimmen, ist der Magistrat bereit, sich an den Beratungen einer gemischten Kommission zu beteiligen. Zweifel­los ist, daß eine Teuerung besteht. Diese Teue­rung besteht aber nicht erst seit der Dürre des letzten Sommers, sie besteht schon seit drei ober vier Jahren. Wir haben uns schon damals mit dieser Frage zu beschäftigen gehabt. Und da haben wir uns darüber unterhalten, ob wir für unsere Arbeiter und Beamte eine Teuerungs­zulage bewilligen oder eine Gehaltserhöhung vornehmen sollten. Wir haben uns damals für das letztere entschieden, da wir der Ansicht waren, daß die Teuerung eine dauernde sein werde. Jetzt fragt es sich, ist infolge der Dürre eine solche Teuerung entstanden, daß es gerecht­fertigt erscheint, wenn mit städtischen Mitteln eingegriffen wird? In einigen Artikeln wird man eine Preissteigerung zugestehen müssen, in einigen anderen nicht. Vergleichen Sie die diesjährigen Fleischpreise mit den vor­jährigen, können Sie eine Preissteigerung nicht feststellen. Schweinefleisch ist heute noch billi­ger als int Vorjahre. (Sehr richtig! und Wi­derspruch.) Ich will nicht behaupten, daß das Schweinefleisch billig ist, aber ich möchte wün­schen, daß der Preis weiter gedrückt wird. Es wird gesagt, daß infolge von Futtermangel viel Vieh geschlachtet werden muß, daß die Fleisch­preise dadurch sinken werden, daß aber später ein starkes Anschwellen zu erwarten wäre. Hier wird es Sache der Regierung sein, einzugrei­fen. Ein anderes Nahrungsmittel ist die Kar­toffel. Im Magistrat habe ich die Frage an­geregt, ob die Stadt für ihre Arbeiter und Be­amten Kartoffeln kaufen soll. Bei näherer Prü­fung stellte es sich heraus, daß die Kartoffel im Preise wohl teurer geworden sei, daß aber die Qualität auch besser geworden wäre. (Sehr richtig!) In einigen Gemarkungen soll die Ernte glänzend sein, daß wir uns vor einem Notstand in dieser Richtung nicht zu fürchten haben. Nun die F i sch e: In Berlin scheint man mit dem Verkauf von Fischen Erfolg ge­habt zu haben. Ich betone aber, daß mit der gesteigerten Nachfrage auch der Preis steigt. Von einem hiesigen Fischhändler ist mir das brieflich bestätigt worden. Was entschieden teurer geworden ist, das ist das Gemüse. Wie soll nun aber die Stadt dazu kommen, bil­liges Gemüse herbeizuschaffen; woher soll sie es übrigens beziehen? Wenn wir in die Teue­rungsverhältnisse eingreifen, müssen wir sehr SP»--------J?_______

werden laut Beschluß auf drei Jahre je hun­dert Mark abgeführt. Vom Bunde aus ist eine Protestkundgebung in der Angelegenheit des Pfarrers Jatho erfolgt. Im Anschluß an den Vortrag des Pfarrers Jatbo ist wieder ein bedeutender Mitgliederzuwachs erfolgt. Besonders beschäftigte dann die Tatsache adie Versammlung, daß noch viele außenstehenden Interessenten annähmen, sie müßten mit dem Beitritt in den Verein aus der Landeskirche austreten. Es wurde nochmals nachdrücklich betont, daß dies nicht der Fall sei. Die beiden ausscheidenden Vorstandsmitglieder Zuleh - n er und Strüf ing wurden einstimmig wie­dergewählt, ebenfalls die Kaffenrevisoren. Darauf wurde beschlossen, der Jathospen­de bis auf weiteres jährlich fünfzig Mark zuzuwenden. Ein reger Meinungs­austausch entspann sich über die Frage, wie am besten ein festerer Zusammenschluß der Mitglieder und ein regeres Interesse für die Veranstaltungen der Organisation erzielt wer­den könne. Schließlich fand ein Antrag ein­stimmige Annahme, der dahin ging, daß Druck­sachen an die Mitglieder gesandt werden sol­len, die einen eingehenden Bericht über die Generalversammlung, sowie eine Einladung zur Teilnahme an den Vorstandssitzungen ent­halten. Weiter solle in diesen Drucksachen auf dieMonistische Sonntagspredigten" hinge- totefen und endlich dem Gedanken Ausdruck verliehen werden, daß es im Interesse des Bundes und seiner Mitglieder stände, wenn man .des öfteren kleine Zusammenkünfte ver­anstalte, in denen aktuelle Fragen angeschnit­ten und besprochen würden.

A Ein folgenschwerer Fehltritt. Die Frau des in der Breithauptstraße wohnenden Schrei­ners B. wollte, da sie den Korridorschlüssel vergessen hatte und die Tür zugeschlagen war um in die Wohnung zu gelangen, durch das Fenster einsteigen. Bei diesem Bemühen tat die Frau einen Fehltritt, stürzte ab. und zwar so unglücklich, daß sie einen doppelten, komplizierten Beinbruch und Verlet­zungen an Kopf und Armen erlitt. Nach An­legung eines Notverbandes durch einen sofort berbeigerufenen Arzt wurde die bedauerns­werte Frau durch die Rothenditmolder Sani­tätskolonne nach dem Landkrankenhause ge­bracht.

A Eaffels Turnaemeinde. Tie Cassler Turngemeinde von 1848 hielt kürzlich ihre Generalvertammluna ab. Der Vor-

Cassel und die Teuerung Besteht in kastel keine Teuerung?"

nacht neunzehnhundertzehn den Häusler K n ö - t i g in Pömbsen ermordet und beraubt zu ha­ben. Auf die Ergreifung deS Mörders wa­ren zweitausend Mark Belohnung ausgesetzt worden.

sz Renner und feine Helfershelfer. Nach den vom Bankhaus Gebrüder PSchling aus London zugegangenen Nachrichten sind bei dem dort verhafteten Defraudanten Renner ungefähr hunderttausend Mark vorgefunden worden. Renner, der in London als Leutnant Friedrich Heinz Horst aus Wiesbaden auf» trat, konnte verhaftet werden, weil er sich, wie schgestellt wurde, einen falschen Paß auf den erwähnten Namen verfchafst hatte, der ihm von einer Pariser Fabrik für Fälschun­gen um den Preis von zwanzigtausend Mark geliefert worden fein foll.

zz Frau Toselli dementiert! Nach einer Londoner Meldung desMatin" bestätigt sich das Gerücht, Frau T os e l l i habe sich mit ihrem Mann versöhnt, nicht. Frau Toselli er­klärte vielmehr die ausgetretenen Gerüchte in einem Telegramm für unwahr. Die Ehe- fcheidungsklage nehme ihren Fortgang. Näch­sten Dienstag verläßt Frau Toselli mit ihrem Kinde Florenz.

Zar Neueste aus Kassel.

Bekommen wir einen harten Winter?

(Von unfern meteorologischen Mitarbeiter.)

Das diesjährige ausnahmsweise frühzeitige Einsetzen sehr niedriger Temperatur, die in manchen Gegenden Deutschlands sogar Nacht- ftöste zeitigte, läßt natürlich das Rätselraten Über die vermeintliche Qualität des kom­menden Winters neu erstehen. Man wird wieder die alten Bauernregeln hervor- suchen, man wird Vergleiche anstellen, die <je nach Geschmack und Wunsch) die Möglichkeit eines harten oder milden Winters bekräftigen sollen: man wird sich vielleicht auch nach dem ost zitierten Pariser Professor richten, der uns aus Grund einer langen Tabelle nachweisen wollte, daß nur die Jahre, die in der Zahl am Ende eine9" aufzuweisen haben, Anrecht auf einen harten Winter haben. Das ist natürlich alles blindes Drauflosraten, denn für die Bestimmung des Winters fehlen, wie uns von sachverständiger Seite geschrieben wird, augenblicklich noch die wissenschaftlichen Unterlagen, bte vielleicht einen Monat später auftreten und Anhaltspunkte für eine «aber auch dann noch zweifelhafte) Prognose bieten. Hierzu gehört in erster Linie, daß die Eis- oerhaltnifse im Arktische» Meer tweb nicht übersichtlich sind, und gerade mit Huen ist bei der Wetterprognose für den kom­menden Winter in erster Linie zu rechnen. Will matt durchaus schon jetzt über den kom­menden Winter etwas wissen, so muß man sich notgedrungen auf die Auszeichnungen putzen, bte uns namentlich Hellmann für Deutschland gegeben hat. Nach diesen Auf­zeichnungen pflegt ein Extrem dem anderen zu folgen, das heißt, auf einen warmen Sommer folgt ein kalter Winter und umgekehrt.

Da wir nun diesmal eine befondersschöne" Jahreszeit hinter uns haben, die uns bekannt­lich aus einer Hitzwelle in die andere kommen ließ, so haben wir alles Anrecht, von diesem Wmter eine gehörige Portion Kälte zu er­warten. Ueber diese Aufzeichnungen hinaus konnte uns vielleicht die von uns noch so we­nig erforschte Natur und der Instinkt so man­cher Tiere und Tierchen, die für den Winter Vorbereitungen zu freffen haben, manchen Wink geben. Wir haben uns auch diesmal nicht getäuscht, als wir nach dem frühzeitigen Abzug der Zugvögel auf ein frühes Einsetzen des Winters rechneten; wir haben aber auch gesehen, daß die Bienen in diesem Jahr über die Maßen früh SBinterborbereitungen trafen, daß sie die Stöcke besonders fest dichteten, daß sie also nichts unterließen, um gegen frühe, große und anhaltende Kälte Vorsorge zu taf- fen. Das deutet auf einen harten Win­ter. Einen weiteren Beleg für zu erwarten­den längeren Frost könnte auch der Pelzbehang des Mldes liefern, denn er ist in diesem Jahre, was uns ja schon der Hase nach dem Einkauf deutlich zeigt, besonders dicht. Daß die Beschaffenheit des Pelzbehanges des Wil­des aber mit dem kommenden Winter in Zu­sammenhang steht, ist nicht nur Jägerweis­heit: es ist dies vielmehr auf Grund zahl­reicher Aufzeichnungen als mit der Härte des Winters zusammenhängend längst als ein Rätsel der Natur von der Kenntnis des Kom­menden erkannt und belegt. Faßt man die schon jetzt anwendbaren Unterlagen für die Berechnung der Qualität des Winters zusam­men, so dürfte es an uns sein, recht eifrig ... für den Kohlenmann zu sparen, denn mit einem gelinden Winter werden wir auf keinen Fall zu rechnen haben. -pr-

A Die Geheimnisse einer Backstube? Der Bäckermeister Hartmann B. aus Bettenhausen stand heute vor der Gtrafkammer unter der An­klage der Nahrungsmittelfälschung. B. hatte mit der hiesigen Gefängnis-Inspektion einen Vertrag abgeschlossen, nach dem er verpflichtet war, Brot zum Marktdurchschnittspreis zu lie­fern. Der Angeklagte gibt an, daß zum Backen der Brote nur gute, backfähige Mehle zur Der-' Wendung gekommen feien. Er habe immer das zweitbeste Roggenmehl mit einem Zufatz von geringerem Roggen- und Weizenmehl ver­wandt. Nun foll feine Backstube aber sehr un­reinlich gewesen fein. Nach der Anklage hat man in einigen Broten nicht nur Käfer, Hasel­nußkerne und Bindfaden gefunden, sondern so­gar ein Schwefelholz. Einmal fallen fogar fehr viele Brote verfchimmekt gewesen sein. Der Angeklagte, heute darüber befragt, erklärt, daß ba3 Brot im Gefängnis nicht richtig aufbe­wahrt worden sei. Das Urteil lautete auf Freisprechung, da das Gericht weder vor­sätzliches, noch wissentliches Verschulden an- nehme. Auch könne dem Angeklagten kein fahr­lässiges Verschulden zur Last gelegt werden.

A Der Bund für persönliche Religion. Ge­stern abend hielt im Hanuschrestaurant der Bund für perfönliche Religion feine General- verfammlung ab. Aus dem vom Schriftführer abgegebenen Jahresbericht ging hervor, daß auch int letzten Jahre vieles für den Verein geleistet worden ist. Zum Münchener Kartell

vorsichtig fein. Wenn wir in Gaffel öffentliche Verkaufsstellen einrichten, so haben wir bei bet Größe unserer Stadt keine Gewähr, daß gerade diejenigen Kreise von den von der Stadt einge­kauften Sachen kaufen, die in erster Linie in Frage kommen. Greift die Stadt ein, besteht die Gefahr, daß wir dem legitimen Handel in die Wege kommen. Wir sind zu dem Re­sultat gekommen, daß der Not­stand nicht so ist, daß mit städtischen Mitteln einzugreifen ist.

Stadtverordneter Harnier stimmt der Ein­setzung einer Kommission zu, wendet sich jedoch gegen die Ausführung der Antragsteller, daß die Teuerung eine gar zu gewaltige fei. Die Kommission werde seiner Meinung nach drei Fragen zu erledigen haben: 1. In welchem Um­fange ist eine Teuerung vorhanden, 2. Ist es nötig, daß die Stadt irgendwelche Maßregeln trifft, und 3. Welche Maßnahmen sind geeignet, eine Linderung der Teuerung herbeizuführen?

Stadtverordneter Pulvermacher: Es ist nicht richtig, wenn man sagt, die Sache geht mich nichts an, das mutz die Regierung machen. Die Kommunen haben an der Erledigung der Angelegenheit ein großes Interesse, nicht nur aus soziale», sonder» auch aus f i n an « Stellen Gründen. Durch die Teuerung wird eine Unterernährung stattsinden. Damit ver­bunden ist ein Mangel an Arbeitskraft und ein Steigen der städtischen Armenlasten. Ich bitte, de» Antrag Thöne ernst zu nehmen, und ihm nicht nur ein Begräbnis erster Klasse zu be­reiten. Der Redner sand auch Worte gegen die Getreidezölle und die Ausfuhrvergütungen.

Stadtverordneter Sondermann hält es für richtiger, wen» der Armenverwaltung eine Ein­richtung angegliedert würde, durch die bedürf­tigen Familien fertige Kost verabfolgt würde. Dann hätte man Gewähr, daß auch wirklich Er­folg zu erwarten fei.

Stadtverordneter Jordan bedauert, daß in Gaffel keine Notierungen der Fleikcbvreise vor­genommen würden. Diese Notierungen wür­de» einen tadellose» Regulator bei der Preis­bemessung bilden Er bemerke, daß man mit dem Anträge nicht bezwecke, einer Unterernäh­rung vorzubeugen. Die sei längst vorhanden. Man wolle nur ein weiteres Einreißen dieser Unterernährung verhüten. Daß bei Massenbe­zug billige Preise erzielt werden könnten, be­weise, daß die Eisenbahnverwaltung den Zent­ner Kartoffeln für 3,30 Mark abgebe. Der Kon- fumverein nehme 3,80 Mark, im Handel aber bezahle man 4 bis 4.50 Mark.

Stadtverordneter Sinning weist auf den großen Preisunterschied bei de» Kartoffeln hin. Es komme ganz darauf an, welche Qualität man laufen wolle.

Stadtverordneter Wieder ist der Ansicht, daß man sich auf den Bezug von Kartoffeln be- fchränken könne. Der Magistrat hätte aus freien Stücke» für die Arbeiter und Beamten den Kar- toffelbezug in die Wege leiten können. Wenn wir uns erst in vierzehn Tagen damit beschäf­tigen, wird das Risiko groß. Setze die kalte Witterung ein, laufe man Gefahr, daß die Kar­toffel», die in den Waggons unterwegs feien, erfrieren.

Die Einsetzung der Komission.

Das Kollegium erklärt sich dann einstim­mig mit der Einsetzung einer gemischten Kom­mission einverstanden. Fünf Mitglieder ent­sendet der Magistrat, fünf die Stadtverordne­tenversammlung. Von letzterer wurden fol­gende Herren gewählt: Thöne, Sinning, Pul­vermacher, Wieder und Francke.

les das Richtfest statt. Das nach den Entwürfen der Archttetten Gebrüder Lan- gen berg erbaute Krankenhaus wird vor­läufig für einhunderfünfzig Kranke eingerichtet.

Letzte Telegramme.

(Rach Schluß der Redaktion ein gegangen.)

Tret Lpfer der brsenbahn.

(EigeneDrahtmeldung.)

S3 Berlin, 20. Oktober.

Dom Zug überfahren und getötet wur­de» in der vergangenen Nacht und heute früh innerhalb Berlins nicht weniger als drei Per- fonen. Der 44 Jahre alte Prokurist Karl R a w e aus Moabit wurde auf dem Stadt- bahngleise tot und stark verstümmelt aufgefunden. Nach Ermittlungen mutz der Ver­unglückte auf der Heimfahrt zu früh ansgestie- grn und unter den Zug geraten fein, der aus der entgegengesetzten Richtung kam. Rawe ist perheiratet und Vater eines Kindes. Auf dem Bahnhof in der Puttlitzerstraße kam heute um sechs Uhr morgens ei»'noch unbekannter Arbeiter ums Leben. Er sprang aus dem Zuge, bevor dieser hielt, fiel zwischen zwei Wagen auf die Schienen und wurde überfahren. Ein Rad zerschmetterte ihm den Kopf, so daß er auf der Stelle t o t war. Ein Eisenbahn- b eamtcr des Außenbahnhofs der Wannsee- bahn wurde ebenfalls überfahren. Auch ihm wurde der Kopf zermalmt und der Tod trat auf der Stelle ein.

Der Krieg im Mittelmeer.

(Eigene Draht Meldungen.)

g Rom, 20. Oktober.

Von maßgebender römischer Seite wird er­klärt, der Feldzug in Tripolis würde bald zu Ende fein. Sollten indessen die Türken, im Vertrauen auf die Absicht, Italiens Verwick­lungen auf den Balkan zu vermeiden, sich mit dem Gedanken tragen, den Krieg auf ein ande­res Gebiet zu verpflanzen, fo werde der Augenblick gekommen sein, zu zeigen, daß Ita­lien nicht auf das Recht verzichtet habe, den Widerstand der Türken zu brechen und den Frieden zu erzwingen.Eorriere d'Jtalia" meldet aus Tripolis, daß die ita­lienischen Matrosen gestern morgen D e r n a und B e n g h a s i besetzt haben. Verschiedene Araber-Scheichs in der Berggegend haben an ihre Freunde in Tripolis Briefe gerichtet, in denen sie mitteilen, daß die türkische Ar­ni e e in allernächster Zeit einen entschei­denden Angriff auf Tripolis beab­sichtige. In Tripolis herrscht darüber große Besorgnis.

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EineTimes"-Meldung aus Konstanti­nopel besagt: Wir glauben zu wissen, daß die türkische Regierung entschlossen ist, die Di­rektiven des Komitees zu befolgen und eine streitbare Politik zu treiben. Diese An­nahme wird durch die feste Sprache bestätigt, welche Said Pascha in der gestrigen Kammer­debatte führte; ebenso durch die Erklärungen des Parteiführers Said Beh, der darauf hin­wies, daß das Vertrauensvotum der Regierung nur unter der Bedingung gegeben worden fei, daß die Regierung ans der Aufrechterhaltung der türkischen Oberhoheit in Tripolis be­stehe. Der frühere Unterrichtsminister I s - mael Hakki Bey, der jetzige Abgeordnete für Bagdad, erklärte in einem Interview: Wir werden bis zum Ende Wider­stand leisten und bis zum Ende kämpfen!"

Die Wnesen-RevMtton am Ende?

(Eigene Drahtmeldungen.)

Hg Paris, 20. Oktober.

Ein hiesiges großes Bankhaus erhielt aus Peking folgendes Telegramm:Revo­lution erfolglos. Man hofft auf bal­diges Ende des Kampfes durch Kom­promiß." Depeschen aus Schanghai zu­folge haben in Hankau zwischen den Rebellen und den kaiserlichen Truppen zwei Schlach­ten ftattgefunben. Das erste Gefecht dauerte zehn Stunden und endete mit dem Sieg der Rebellen. Am Mittwoch gegen drei Uhr nachmittags begann die zweite Schlacht. Die Rebellen richteten ihre Bufmerkfamkeit auf die Eroberung der Station, wo indessen die Regie­rungstruppen einen starken Widerstand leisteten. Das Resultat des Gefechtes war, daß die Re­bellen sich der Station bemächtig­ten und diese sofort besetzten.

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Weitern Depeschen aus Peking zufolge ist General Jintschang, der kaiserliche Befehlshaber, in der vergangenen Nacht mit acht Bataillonen Infanterie und sechs Batte­rien Artillerie über den Jangtse gegangen. Die Einschließung ist nunmehr durchge - führ t und man hegt die Hoffnung, das ge­meinsame Bombardement durch das Landheer und die Marine vermeide» , zu können, um das Arsenal von Nanyang zu retten.- Der A u f - stand kann jede» Augenblick zusam- menbrechen. Wie verlautet, soll eine An- leihe von zwei Millionen Pfund im Ausland ausgenommen werden. Die Sage wird dadurch gekennzeichnet, daß A u a »s ch i k a i, als er die Wiederernennung annahm, sich vom Throne für die Eröffnung des Parlaments im nächsten Jahr ein rein chinefifches Kabinett znsichern ließ, sowie das Recht verlangte, ein eigenes Abkommen mit den Auf­ständischen treffen zu können, und sich unbe­schränkte Vollmacht für das Jangtse-Tal geben ließ.

Wieder eine Schüler-Tragödie! '

Bitterfeld, 20. Oktober. (Privak« Telegramm.) Der fünfzehnjährige Ober­realschüler Gurt ©enget, der allgemein als ein sehr begabter Schüler galt, wurde gestern in der Wohnung seiner Eltern erschossen aufgefunden. Was den jungen Menschen in den Tod getrieben hat, ist noch nicht bekannt.

Ak ffeutioe MniMuMM Seitoi.'