Einzelbild herunterladen
 

Nr. 269. L Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

Donnerstag, 19. Oktober 1911.

sein sollen. Die Mitglieder der beiden Parla­mente sowie der Präsident der Republik wür­den direkt durch das Volk gewählt werden. Auch in Chicago fand im chinesischen Viertel eine ähnliche begeisterte Kundgebung statt.

Marokko im Reichstag.

(Von unserm Korrespondenten.^

** Berlin, 18.'Oktober.

Im Reichstag stand heute zunächst die Marokko.Interpellation auf der Tagesordnung. Der Reichskanzler er- klärte, daß der Wunsch des Hauses vollkommen berechtigt sei, eine Aufklärung über die aus­wärtige Lage zu erhalten. Er sei jedoch heute noch nicht in der Lage, eine Auskunft zu geben. Der Reichstag werde indessen nicht auseinander gehen, ohne Gelegenheit gehabt zu haben, die auswärtige Frage ausführlich zu besprechen. Weiter erklärte er, daß die Inter­pellation über die Lebensmittelteue­rung am Montag beantwortet werde. Darauf folgte die Besprechung der sozialdemokratischen Interpellation über die Regelung des B e r - e i n sr e ch t s, nach dem Staatssekretär Del­brück sich zur sofortigen Beantwortung bereit erklärt hatte.

Kein Duell, ein Toppeiselbstmord?

Rudolstadt, 18. Oktober. (Privat« Telegramm.) Zu der Gymnasiasten- Tragödie erzählt der Korrespondent eines Berliner Mittagsblattes: Wenn die Angaben richtig sind, die von höherer maßgebender Stelle gemacht werden, so haben wir es in dem Rudolstadter Fall mit einem auf unge­wöhnliche Weise in Szene gesetzten Selbst­mord zweier begabter, aber ideali- stisch veranlagter, nervenüber­reizter junger Männer zu tun, die sich zu schade für diese schlechte Welt düntten. Sie haben deshalbin Schönheit sterben" wollen.

Vom Schicksal ereilt!

N e w y o r k, 18. Oktober. (P ri v a t - T e» Telegramm.) Ter bei der Kaiserkeller- Aktien-Gesellschast in Berlin beschäftigt ge- wefene Hausdiener Reinhard Stolp, der in der Nacht zum dreizehnten Oktober den Kas- fenschrank der Gesellschaft erbrochen und sieben- tausend Mark gestohlen hatte, mit denen et flüchtig wurde, ist gestern abend in einem hie­sigen Gasthof, in dem er unter falschem Na­men wohnte, verhaftet worden. Von dem Geld hatte Stolp bereits siebenhundert Mark verausgabt.

Prinzessin Wilhelm als Wohltäterin.

Karlsruhe, 18. Oktober. (Privat- Telegramm.) Prinzessin Wilhelm von Baden hat aus Anlaß ihres siebzigsten Ge­burtstages dem Komitee zur Erhaltung eines Wöchnerinnenheims hunderttausend Mark über­wiesen, deren Zinsen für die Insassen des Heims verwandt werden sollen.

Eine Tragödie auf der Jagd.

G l o g a u, 18. Oktober. (Privat-Tele­gram m.) Der Gutsbesitzer Baberske auf Kotzenmoschei, der sich mit einem anderen Schützen auf der Jagd befand, geriet bei Ver­folgung eines Kaninchens an einen Graben­rand, wo er ausglitt; hierbei entlud sich das Gewehr und die Schrotladung drang ihm in die Brust, sodaß der Tod auf der Stelle eintrat.

Massen - Krach in Marseille.

Marseille, 18. Oktober. (Privat-Te-: legramm.) In Marseille find drei Ge­treide - Großhändler verkracht. Das Defizit beträgt über fünf Millionen Francs. Die Verluste betreffen ausnahmslos franzö­sische Firmen. An der Börse verursachte die Nachricht von dem Maffen-FMisement eine Panik.

Was ist nun wahr ...?

London, 18. Oktober. (Privat-Tele- gramm.) WieMonnng Post" undDaily Telegraph" melden, wird in Londoner amt­lichen Kreisen erklärt, das gestern an der Berliner Börse umlaufende Gerücht über eine bevorstehende formelle Annexion Aegyp­tens seitens Englands entbehre jeder Be­gründung. (Das Dementi hört man wohl, allein der Glaube...?)

Englands Hand im Tripolis-Spiel?

London, 18. Oktober. (P riv a t-T e le­tz ramm.) Ter Mailänder Korrespondent deS Daily Telegraph" berichtet, Signor Mari- n i s, der ehemalige Vorsitzende der parlamen­tarischen Kommission für auswärtige Angele­genheiten (in der er als Autorität galt) habe einen Artikel veröffentlicht, in dem er aufs neue nachweist, daß England ein starkes In­teresse an der italienischen Tripolis- Expedition habe. England und Italien hätten schon vor Ausbruch des Krieges ein Uebereinkommen getroffen, wonach sofort nach der Besetzung von Tripolis der Hafen T a - bruk an En land abgetreten und die Re­gulierung der ägyptischen und tyrrhenischen Grenze erfolgen solle.

Enver Bey in Tripolis?

Konstantinopel, 18. Oktober. (Pri- Vat-Telegramm.) Einem der bekanntesten türkischen Freiheitshelden, dem Berliner Mili- tärattachee, Major Enver Bey, von dem es schon vor einiger Zeit hieß, er wolle nach Tri­polis gehen, soll es tatsächlich gelungen sein, sein Vorhaben auszuführen. Wie es heißt, ist Enver Bey inzwischen auf dem Kriegsschauplatz eingetroffen.

Verbrechen oder Fahrlässtgkcit?

N e w y o r k, 18. Oktober. (Priv at-Te-, legram m.) Zu dem Anschlag auf den Präsidenten Taft wird noch berichtet: Tie Direktion der Southern Pacific - Gesell­schaft hat eine Belohnung von fünftausend Dollar für den Entdecker des Täters aus­gesetzt, der das Dynamit unter die Brücke legte, ehe Präsident Tafts Zug die Brücke passierte. Neuerdings neigt man übrigens der Anficht zu, daß das Tynamit von Arbeitern vergessen worden ist, daß also ein Attentat gar nicht be- abfichtigt war.

Vortragende durch eine Reihe Aufnahmen von I eine Anzahl freiwilliger Geber dem Institut den Arbeiten einer Eisenbahnbrigade. Man geleistet. Seit Ende März d. Js. find an Jah­

resbeiträgen 82,90 Mark und an e i n m a l i

sah den Bau einer Feldeisenbahn, die Her­stellung einer Schiffsbrücke, eine Brunnen» bohrung und manche anderen Verrichtungen der Pionier«.

gen Beihilfen 463 Mark eingegangen.

A Wer ist der Mörder des Kindes? Wie wir erfahren, hat die Untersuchung in der Leichenfund-Affäre in der Husarenkaserne erge­ben, daß das Kind nach der Geburt gelebt hat, somit also ein Kindesmord vorliegt. Die Nach­forschungen nach der Mutter des Kindes und nach der Einschmuggelung in die Kaserne wer­den eifrig fortgesetzt.

Die Impfung der Kinder. Das königliche Polizeipräsidium macht darauf ausmerffam, daß nach Paragraph zwölf des Jmpfgesetzes vom 8. April 1874 Eltern, Pflegeeltern und Vor­münder gehalten sind, auf amtliches Erfordern den Nachweis zu führen, daß die Impfung ihrer Kinder und Pflegebefohlenen erfolgt oder aus einem gesetzlichen Grunde unterblie­ben ist. Die amtliche Aufforderung hinsichtlich der impspflichtigen Kinder, die in den öffent­lichen Impfterminen nicht geimpft worden sind, ist durch meine Bekanntmachung erfolgt. Die Impfscheine können an den Wochentagen von vormittags neun bis nachmittags ein Uhr auf Zimmer Är. & des Polizeidienstgebäudes, Königstor Nr. 31, vorgezeigt werden.

A Im Schlaf bestohlen. Ein auswärtiger Mann, der gestern eine Bierreise gemacht batte, kam nachmittags in eine Wirtschaft in der Nähe des Zeughauses. Dort schlief er vor Müdig­keit ein. Der Arbeiter H. benutzte diese Gele­genheit. dem fremden Mann das Portemon­naie mit vierundzwanzig Mark Inhalt aus der Tasche zu entwenden. Der Dieb war aber be­obachtet worden und konnte kurz nach der Tat verhaftet werden.

A Ausbildungskursus für Samarrter. Man bittet uns um Aufnahme folgender Zeilen: DieKrieger-Sanitäts-Kolonne vom Roten Kreuz", Abteilung Bettenhausen, beabsichtigt während der Wintermonate unter Leitung des Kolonnenarztes Dr. med. Koch einen Sama­riter-Ausbildungskursus zu veranstalten. In­teressenten, die gewillt sind, dem Kursus beizu- wohnen, und die Verpflichtung übernehmen, sich dem Samariterdienste zu widmen, werden ersucht, sich baldigst bei einem Mitgliede der Kolonne zu melden. Auch Restaurateur Döbrich, Gastwirtschaft zum Anker in Bettenhausen, Osterholzstraße, nimmt Meldungen entgegen.

A Der Provinzialverband der Hausbesitzer. Wir berichteten vor einigen Tagen darüber, daß die Hausbesitzervereine unserer Provinz die Gründung einer Provinzialorganisation beabsichtigten. Diese Gründung ist nunmehr erfolgt. In einer in Marburg abgehaltenen Delegierten-Versammlung, an der acht hessen- nassauiscke Hausbesttzervereine teilnahmen, wurde die neue Organisation unter dem^ Na­menVerband hessen-nassauischer Hausbesitzer­vereine" ins Leben gerufen. Vorsitzender des neuen Verbandes.wurde Mathäi aus Frank­furt. Aus Vorschlag von Labonts-Limburg wurden die sieben Vorsitzenden der übrigen an- geschlossenen Vereine als Beisitzer gewählt, die noch fehlenden drei Beisitzer sollen auf der näch­sten Versammlung gewählt werden; die Namen der sieben gewählten Beisitzer sind: Adam- Fulda, Wischum-Limburg, Professor Dr. Schanz-Cafsel, Christian-Höchst a. M., Werner-Hanau, Reinhardt-Homburg und F. Scharf-Marburg. Als erste Ausgabe des Ver­bandes ist die Stellungnahme gegen die neuen Gesetze, die nächstes Frühjahr im Landtage zur Beratung kommen, vorgesehen.

Morgenarbeit der Feuerwehr. Heute morgen gegen sechs Uhr wurde die Feuerwehr nach dem Hause Judenbrunnen 5 gerufen, wo im Hinterhause ein Balkenbrand entstanden war. Nach einstündiger angestrengter Tätigkeit war jede Gefahr beseitigt, sodaß die Feuerwehr wieder abrücken konnte.

A Das Pflaster auf der Fuldabrücke. Seit einigen Tagen ist man auf der Fuldabrücke da­mit beschäftigt, den in die Pflästerfugen einge­gossenen Asphalt zum Teil wieder herauszu­hauen. Es hat sich nämlich bei dem letzten Re­genwetter ergeben, daß die Pferde auf dem Pflaster keinen Halt hatten und ein Befahren der ziemlich stark steigenden Brücke sehr schwie­rig war. Auch das Bestreuen des Fahrdammes mit Sand hatte den Uebelstand nicht beseitigen können.

Die Geflügelcholera in Cassel. Unter den Schwänen, die das Bassin der Aue bevöl­kern, ist die Geflügelcholera ausgebrochen. Die in der Nähe der Aue wohnenden Geflügelzüch­ter wurden angewiesen, ihre Tiere so abzu­schließen. daß ein Uebertragen der Krankheit in den Auepark nicht stattfinden kann.

A Die Abnahme der neuen Straßenbahn­linie. Nachdem die Arbeiten an der elektrischen Straßenbahnlinie Cassel-Wolfsanger beendet sind, findet am Donnerstag die Abnahme und Besichtigung der Strecke statt, worauf am Frei­tag der Betrieb bis zur Endstation Bad Wolfs­anger eröffnet wird.

A Tie reisenden Kaufleute und die Hotel- bnaiene. Au? dem in Berlin zurzeit statt­findenden Welttongreß der Hotelbesitzer (an dem auch Hotelier Lahnstein-Cassel teil­nimmt) wurde auch die Frage der Abände­rung der internationalen Hotel- ordnung behandelt. Hierzu lag ein An­trag vor, über den man sich dahin einig wur­de, daß die Sache im Einvernehmen mit der Föderation Universelle des Societes dHöteliers besprochen werde, die diesen Gegenstand auf die Tagesordnung ihrer Generalversammlung am Donnerstag gesetzt hat. Vorsitzender H o v e r bemerkte jedoch hierzu, daß er V e r- Wahrung gegen das Vorgehen des Vereins reisender Kaufleute ein- legen müsse, der verlange, daß die Zimmer so eingerichtet werden sollten, wie er es wünsche. Es gebe doch auch ein internationales Pu­blikum, das andere Wünsche habe als die rei­senden Kaufleute. Folgende Resolutton wurde einstimmig angenommen:Die Generalver­sammlung des Internationalen Hotelbesstzer- Vereins nimmt Kenntnis von der Broschüre Der Verband reisender Kaufleute und die Hotelhvgiene", die vom Verband reffender Kaufleute veröffentlicht worden ist. Der Ver­ein protestiert auf das entschiedenste gegen die Behauptung, daß die Hotelbesitzer sich teil­weise ihrer Pflicht gegenüber der Oeffentlich- leit nickt bewußt seien, und vor allem gegen

Eine zunehmende Wärme deS Vortrags und ein merklicher Gelehrteneifer verrieten, nachdem der Redner auf die biologffche Sta- tton auf Helgoland zu sprechen gekommen war, fein spezielles Forschungsgebiet: Die Fauna des Meeres. Bevor er aber näher darauf einging, ließ er die Zuschauer seinem Ausflug von Bremen nach Helgoland und zu­rück über Hamburg folgen. Für den Binnen­länder boten die Bilder von der Wesermün­dung mit ihren Forts und Seezeichen, von Helgoland mit seinen Hafenbauten und dem Treiben in der Lästerallee, von Cuxhaven und seinerAlten Liebe" und die Fahrt elbauf- wätts vielerlei des Neuen und Interessanten. Auch von der Algenfffcherei und dem Lum­menfang bei Helgoland wurden sehr anschau­liche Bilder gezeigt. Dann aber kam Prof. Wempe's Lieblingsthema. In ein mächttges Aquarium war bje Wett des Tieffee gebannt worden, mit der Fülle ihres Lebens, dem Reichtum der Formen und ihrem Daseins­kampf. Man fah den Krieg der Krebsarten miteinander, wie die Krustentiere und die Fische sich in den Sand schlagen, um sich un­sichtbar zu machen, wie die Seerosen ihre Nah­rung aufnehmen, und das Leben und Treiben der Quallenwelt. Nach einem Abstecher nach Schottlands Küsten und den Riesenbrutstätten der Seevögel ging er hinein in die Wett des mikroskopischen Lebens. Wie schwierig solche Aufnahmen sind, die nur mit Hllfe eines Ultra­mikroskops für den Kinematographen herge- stellt werden können, leuchtet ohne weiteres ein. Mit großer Deutlichkett waren die Lebensvor- gänge in den Pflanzenzellen und den tierischen Organen, wie beispielsweise in der Schwimm­haut eines Frosches, wahrzunehmen. Kampf ist doch überall, wo Leben ist, unter den Mi­kroben nicht weniger als unter den höheren Formen. So führen selbst die weißen Blut­körperchen in einem Tropfen Menschenblut einen eifrigen Kampf gegen die eingedrungenen Krankhettserreger, dessen Erfolg von dem Stärkeverhältnis der kämpfenden Parteien ab- hängt. Das war wohl die wunderbarste Jllusttatton, die der Redner zu seinem Vor­trage lieferte, der ihm bett reichsten Beifall seines Publikums einbrachte. H. E.

Die Berufswahl unserer Kinder.

Bemerkenswerte Ausführungen über bie Berufswahl unserer Kinder machte ber Leiter des Düsselborfer Reform-Gymnasiums, Professor Dr. M a r s b e r g auf ber Tagung des Rheinisch-westfälischen Bezierksverbanbes der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung. Der Redner zeigte an einigen Ziffern die außerordentliche Steige­rung der Zahl der Studierenden und die Zu­nahme des weiblichen Studiums. An und für sich sei das Streben nach höherer Bildung er­freulich. Eines lasse sich jedoch nicht leugnen, es sei nicht immer Neigung und Talent, das in die gelehrten Berufe dränge, sondern eine ge­wisse Mißachtung der praktischen und die Ueberschätzung der gelehrten Berufe. Viele locke auch die angesehene Stellung, das behag­liche Leben, das steigende Gehalt, Pension und Orden des höheren Beamten. Dadurch kämen viele hochbegabte Leute in Berufe hinein, in die sie nicht passen. Diese Zustände, ließen sich nicht leicht bessern, sie ließen sich nur beheben durch eine Aenderung unserer Welt- und Grundanschauung. Wir müßten mehr Achtung vor jeder Arbeit und jedem Beruf zu gewin­nen streben und uns nicht einbilden, daß der Beamte, der Gelehrte ein höheres Wesen sei, als der Kaufmann, ber ber Träger unserer Kultur sei.

Uub bann habe man etwas mehr Selbstach­tung vor dem eigenen Beruf! Um das Herein­strömen in die höheren Berufe zu hindern, sei vielleicht mehr Strenge bei den Staatsprüfungen angebracht, nicht aber bei den Prüfungen und Versetzungen in der Schule; bie hierüber bestehenden Vorschriften genügten vollauf. Dagegen sei die Einrichtung von Mittelschulen an allen größeren Otten zu empfehlen; die Schulen seien von der größ­ten sozialen Bedeutung für unser Volk, und wenn dadurch die Zahl der Vollanstalten sich verringern sollte, wäre das ein Segen. Wün­schenswert fei, daß bie Lehrer ber höhe­ren Schulen sich über bie Verhältnisse in den verschiedenen Berufen unterrichten, um den Schülern und Eltern Berater zu werden. Der Redner wandte sich auch gegen die Besich­tigungen von kommunalen, staatlichen und ge­werblichen Einrichtungen durch die höheren Schulen; alles sollten die Schüler heute sehen Und hören, bis sie zuletzt vor lauter Bäumen den Bald nicht fähen. Zum Schlüsse warnte Professor Marsberg, die Kinder aus übertrie­benem Dünkel und unter Auferlegung schwerer Opfer in die höheren Schulen zu fchicken, oder die Jugend des Sohnes herzlos zu opfern, um ibn wider Begabung und Neigung zum Ge­lehrten und Reserveoffizier zu machen. Dage­gen forderte er freie Bahn für den strebsamen, begabten Jungen aus dem Volke zu den höheren Berufen durch Be­reitstellung öffentlicher Mittel. **

Die Einführung neuer Rektoren. Gestern vormittag wurden die neuen Schulleiter: Rek­tor D o r n t e an der Bürgerschule 5 (Bernhardi- strdße), Rektor Mühlhausen an ber Bür­gerschule 13 (Herkulesstraße) unb Rektor Eitze an bei Bürgerschule 11 (Weserstraße) burch den städttschen Schulinspektor Boefe in ihr neues Amt eingeführt.

A Cassels Kindersolbad. Das am Renihof 3 gelegene Kinbersolbab hat mit bem Schluß ber Herbstferien seine diesjährige Badetäiigkeit eingestellt. Auch in diesem Jahre kann das Bäb auf eine rege unb segensreiche Tätigkeit zurückblicken. Insgesamt sinb von breihunbert- achtunbsechzig Kindern 5483 Bäder genommen worden. In bett Sommerferien belief sich bie Zahl ber badenden Kinder oft täglich auf über siebzig. Infolgedessen mußten zeitweise drei Schwestern zur Bewältigung ber Arbeit heran- gezoaen werden. Einen großen Dienst bat auch

bie Form, in der der Verband reisender Kauf­leute dem Hotelgewerbe Vorschttsten machen will, deren Befolgung zweifellos nicht den Wünschen des gesamten reisenden Publikums enffprechen würde. Der Verein betont ent­schieden, daß in bett vom Verband reisender Kaufleute angeschnittenen Fragen auf das ge­samte Publikum Rücksicht zu nehmen ist, nicht aber auf die Wünsche eines einzelnen Standes, wie ihn der Verband reisender Kaufleute re- präsenttett."

Mehr Fünfundzwanzigpfennigstücke. Wie aus dem letzten Nachweise über die Prä­gungen auf den deutschen Münzstätten hervor­geht, sind die Ausprägungen von Fünfund­zwanzigpfennigstücken wieder ausgenommen. Von dieser Münzsorte sind gegenwärtig für 5,3 Millionen Mark im Umlauf. Da ein Beschluß des Bundesrats vorliegt, wonach außer den erstgeprägten fünf Millionen Mark noch wei­tere fünf Millionen Mark zur Ausprägung ge­langen sollen, so werden in nächster Zeit noch Prägungen dieser Münze in Höhe von 4,7 Mil­lionen Mark zu tätigen sein.

A Das Kirchenkonzert in ber Martins- kirche. Ter Kirchenchor von St. Mar­tin wirb am Sonntag ben 29. Oktober ein geistliches Konzert unter Leitung bes Herrn 9L Klein veranstalten, in bem als Solisten 8rau Kahse-Schuster, Frau Helene Henning unb Herr Hans Wuzsl mitwir­ken. Den instrumentalen Teil vertritt bie Ka­pelle bes Infanterie-Regiments Nr. 167. Das Programm enthält zwei Kantaten von I. S. Bach:Der Friebe sei mit Dir" unbGott bet Herr ist Sonn unb Schild".

Aus unferm Hoftheater. Am Donners­tag wirb das LustspielDer Familien- t a g" gegeben. In den Hauptrollen sind be­schäftigt die Damen: Bayrhammer, Clever, Griebe, Stoa, Jähnert, Scholz, Stiewe und die Herren: Alberti, Berend, Hellbach, Herzberg, Jürgensen, Pickert, Strial, Zschokke. Freitag gelangt die OperetteDer Gras von Luxemburg" zur Aufführung.

A Im Kabarett ber Kaisersäle.Stim­mung" lautet auch jetzt wieder bie Parole in ben Kaisersälen, nachdem ein neues Künstler­völkchen der zehnten Muse in den Parterre­räumen seinen Einzug gehalten hat. Der all­abendlich starke Besuch und der lebhafte Bei­fall bezeugen, daß sich jeder einzelne Künstler durch seine Leistungen bereits einen dankbaren Zuhörer- und Freundeskreis erworben, hat. Da ist der liebenswürdige Humorist Fritz Erbes, ber neben feinen gesanglichen Dar­bietungen noch eine Anzahl neuer unb alter Anekdötchen in Vorrat hat unb sich einen schätzenswetten Anteil des Erfolges sichert. Kraftvolles Talent verrät auch Meta F r o - bueil, deren Vorträge besonders viel so­zial Gedanken enthalten. Mit Charme plau- dert Rosa Samson am Klavier die ver­schiedensten Geheimnisse aus, und stets hat sie die Lacher auf ihrer Seite. Erna Kruse- Koch betätigt sich erfolgreich als Operetten­diva und Rezitatorin. Besonders auf ersterem Gebiete weiß sie manche Momente sehr vor­teilhaft zum Ausdruck zu bringen. Etwas übertrieben gibt sich Ruth Ruthowski. Bei etwas mehr Ruhe im Vortrag und recht viel Mäßigung in der Mimik würde diese Künstlerin bedeutend erfolgreicher wirken. Eine angenehme Erscheinung in dem Kreffe ist Opernsänger Franz Strom. Wer gesun­den Frohsinn und Lebenslust atmen und ler­nen will, der gehe in bie Kaisersäle unb höre Mizzi Sauber, die jugendliche, talentvoll? Soubrette.

A Das Wetter am Donnerstag. Der amt­liche Wetterbericht sagt für Donnerstag kür Hessen-Nassau folgende Witterung voraus: Trocken, meist heiter, nachts falt, stellenweise noch leichter Frost.

Letzte Telearamme.

(Rach Schluß der Redaktion eingegangen.)

Sie Revolution in Wna.

(Eigene Drahtmelbungen.)

S Berlin, 18. Oktober.

Ueber ben gestern stattgehabten Straßen­kampf des deutschen Landungskorps in Hankau mit chinesischem Pöbel (siehe erste Seite) liegt an hiesiger amtlicher Stelle keine weitere Nachrichj vor. Man schließt aus dem Fehlen jeglicher Meldungen, daß die Aktion der deutschen Truppen nur kurze Zeit dauerte, für die Truppen keinerlei Verluste mit stck> brachte und erfolgreich verlief, sodaß es ge­lang, den Pöbel zu zerstreuen. Den neuesten Depeschen aus Peking zufolge soll von der ckinesifchen Flotte von Hankau bereits ein Schiff von den Revolutionären in den Grund gebohrt worden fein. Die Revolutionäre erhalten enorme Geldmittel von chinesischen Kaufleuten, die im Auslande leben. Sämtlichen auslän­dischen Schiffen vor Hankau ist der Bekebl er­teilt worden, nur Ausländer zu schützen.

*

Berlin, 18. Oktober. (P r iv a t-T e le- gramm.l Ter Kommandant des deutsche» KriegsschiffsLeipzig" meldet aus Hankau: Ter Tag und die Nacht find ruhig verlau­fen. Tie Aufständischen haben stch zu- rückgezogen. Ter britische Admiral ist ein- getroffen und hat als rangältester Offizier den Oberbefehl zu Wasser und zu Lande über die vor Hankau versammelten Streitkräfte über­nommen. Weitere Nachrichten über die Lage in den übrigen Aufstandsaebieten fehlen zur­zeit völlig. Heute morgen, kurz nach fieben Uhr, wurde das Feuer längs der Bahnlinie bei Hankau eröffnet. Aus Hanyang wurden Ge­schütze nach Wutschana geschasst. Man ist der Bnficht. daß die Aufständischen den geeig­neten Zeitpunkt unbenutzt gelassen haben.

*

Rewyork, 18. CKober. (Privai-Te- legramm.) Die in den Bereinigten Staaten ansässigen chinesischen Anhänger der Revo­lution veranstalteten gestern eine Kundge­bung. in der sie die Fortschritte der Revolution feierten. Ter Führer der Revolutionäre. Sun A a t f e n, erklärte, daß die neue chinesische Re­publik ein moderner Staat fein werde, in dem Männer und Frauen aleichberechffat

MUMMMMWlSSkile».