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Lasseler Neueste Nachrichten

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Rach dem Gemetzel.

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s> Achtundsiebzig Teuerungsversammlun­gen in Groß-Berlin! Ein Privat-Tele­gram m berichtet uns aus Berlin: Gestern abend sanden in Groß-Berlin achtundsieb­zig Volksversammlungen (darunter eine Versammlung von Taubstummen) zum Protest gegen die herrschende Le­bensmittelteuerung statt. Alle Ver­sammlungen waren schon lange vor Beginn überfüllt und in allen Versammlungen gelang­ten gleichlautende Resolutionen zur Annahme, worin die sofortige Aufhe­bung aller Zölle auf Lebensmittel, die

Jar Neueste aus Gaffel

Kimmatograph und Wissenschaft.

Ein Vortrag im Kaufmännischen Verein.

Die liebe, alte laterna magica! ... Wie viele schöne Stunden aus unseren Jugend­tagen knüpfen sich an sie! Wenn sie auch ost mächtig zu schwelen pflegte und ihrer bunten Bilder lange Flucht nur auf ein ausgespann­tes Bettuch warf ... ein göttliches Vergnügen war's doch für uns. Das Kind von heute ist anspruchsvoller, seit mit der Entwickelung der Momentphotographie die Geburtsstunde der Kinematographen geschlagen. Das Kino beut ihm ein ganz anderes Vergnügen als die alte Laterne. Die Auswüchse des Kinematogra- phentheaters, das häufig nur auf die Sensation hinausarbeitet, waren aber der Grund, warum das Interesse der für die Ausnutzung der neuen Erfindung meistberechtigten Kreise, der Schule und der Wissenschaft, in der ersten Zeit ganz abgeschwächt wurde. Nachdem man aber erkannt hatte, daß alle Vorgänge kinemato- graphisch festgehalten werden können, selbst das Leben der kleinsten Wesen, der Mikroben, begriff man den vollen Wert des Kinemato­graphen als Belehrungsmistel. Ein durch zahlreiche Lichtbilder illustrierter Vostrag nun, den gestern Herr Prof. H. Wempe-Olden- burg, der schon früher im Kaufmännischen Ver­ein gesprochen hat, vor einem dichtgefüllten Saale hielt, haste den Zweck, diesen West des Kinematographen für den Unterricht und die Verbreitung wissenschaftlicher Ergebnisse zu beleuchten. Was für ein treffliches Darstel­lungsmistel der Kino-Apparat für die Wieder­gabe technischer Vorgänge bietet, bewies der

Landgraf Friedrich.

Eine interessante Feststellung im Casseler Museum.

(Von unserm Korrespondenten.) cs^ Stockholm, 18. Oktober.

Durch die interessanten Feststellungen und Forschungen des schwedischen Gelehrten Prof. Wilhelm L u nst r ö m wird neues Licht auf ein plastisches Meisterwest geworfen, das bisher wenig beachtet als die Schöpfung eines unbe­kannten Meisters in dem Museum Fridericia­num zu Cassel aufbewahrt ist. Professor Lun-

(Telegraphische Meldungen.)

Depeschen aus H a n k a u melden: Das G e- Metzel unter den Mandschus ist anscheinend beendet. Die Befehlshaber haben eine Proklamation erlassen, daß alle diejenigen, die sich der neuen Regierung unterwesten, g e - schont werden sollen. Ein Befehl ist erlassen worden, daß niemand das Recht hat, das Ge­biet der fremden Gesellschaften zu betreten. Die Nachricht, daß General Sah mit Truppen aus denr Norden eingetroffen ist, entspstcht den Tatsachen. Die Aufständischen treffen umfang­reiche Vorbereitungen für den bevorstehenden Feldzug. Das russische Geschwader, das nach Hankau abgegangen ist, wird am Sonntag dost eintreffen," da es sich bereits in den östlichen Gewässern befindet. Die Lage der Fremden - Niederlassungen von Hankau ist vorläufig unverändert. Das Gesell­schaftsleben der Stadt stockt vollkommen. Der LlohddampferMelbah" bringt heute einen Teil der Deutschen aus Hankan mit Frauen und Kindern nach Shanghai. Mit den - Flutzdampfern treffen täglich Tausende von. chinesischen Flüchtlingen in Shanghai ein. Eine amtliche Bekanntmachung besagt, daß die kai­serlichen Truppen aus Hankau bald zur Stelle sein würden, um die Städte Wut­schang und Hanyang aus den Händen der Revolutionäre zu befreien.

es? Was will er? Man glaubt ihn zu kennen, weil er viel gstprochen hat. In Wirk­lichkeit hat man selten die Sprünge feines Hu­mors wie die tieferen Ustachen ferner Kämpfe begriffen. Wilhelm der.Zweite ist der Ge- fang ene des politischen Wider­spruchs, dessen beständiges Symbol er ist. In dieser doppelten Kette geschlossen, die ihm die Umstände noch mehr als seine teils my­stische, teils praktische Natur auferlegen, ist er nicht imstande, den gordischen Knoten zu durch­hauen Nach einer kritischen Betrachtung der Mitarbeiter des Kaisers, von denen er beson­ders von Bethmann Hollweg bervor- hebt, und ihn als einen Bürokraten be­zeichnet, gibt er einen Ausblick auf die Zukunft Deutschlands. Der Vestasser vergleicht das jetzige Deutschland mit dem Frankreich unter Loms Philipp: Dieselbe ausschließliche Sorge, sich zu bereichern, dieselbe Unzufriedenheit de­rer, die eine kriegerische auswästige Politik wünschen, dieselbe Anstrengung der Regieren­den, zwischen Proletariat und Reichtum einen Mittelstand zu schieben.Wird die Lösung des Konflikts dieselbe sein?"

Der Widerstand in Preußen

sei gewiß viel stärker als der in Frankreich am Vorabend von achtzehnhundertachtundvierziq. Entweder das eine: Deutschland-Preußen gibt nach und eine innere Revolution bricht an, die die Grundsätze des traditionellen Baues zer­schmettert, oder aber man sucht eine Zesttreu- ung, wie etwa einen Krieg. Das wäre der Versuch, ein Faß nach auswärts zu krümmen. Immerhin müsse sich Frankreich auf diese Alter­native vorbereiten. Der Verfasser glaubt nicht an einen zweiten deutsch-französischen Krieg, er glaubt an den friedlichen Gei st des zwei­ten Deutschlands, des Deutschlands mit dem allgemeinen Stimmrecht, das alle Die lieben, die von der großen deutschen Kultur gekostet haben. Aber das Reich, in dem Preußen do­miniert, ist ein P u l v e r s a ß. Wenn es in die Luft gesprengt wird, fallen die Stücke auf den Nachbar und diese Explosion ist um so drohen­der für Frankreich, als Frankreich allein auf dem Festlande das Prinzip verkörpert, wogegen das alte Preußen innerhalb Deutschland kämpft. Die vierzig Millionen Franzosen, die den Mut haben, sich selbst zu regieren, sind eine beständige Heraussorderung für das feudale preußische Regiment, das sich so notwendig für das Glück der Völker hält ... **

bung aller Zölle auf Lebensmi Aufhebung des Systems der Einsuhksch Grenzsperre für Fleisch und Vieh und die Or­ganisation des Massenbezuges von unentbehr­lichen Nahrungsmitteln durch die Kommunen verlangt wird. Durch Annahme der Resolution versprachen die Versammlungsteilnehmer ihrer­seits den Anschluß an die Konsumver­eine und die Abrechnung mit demschwarz­blauen Block" bei den nächsten Reichstagswah-

öfsentlicht werden, gipfeln in der Feststellung, daß das Casseler Museum mit dieser Mar­morbüste des LandgrafenFriedrich des Zweiten von Hessen-Cassel eine ausge­zeichnete Arbeit des berühmten Meisters der skandinavischen Plastik, Joh. Tobias von Ser- gel, besitzt. Der schwedische Bildhauer wurde 1767 mit königlicher Unterstützung nach Rom gesandt, nahm hier die Anregungen der Antike in seine reifende Kunst aus und begründete in der ewigen Stadt feinen Ruhm als einer der größten Bildhauer, die Skandinavien hervor­gebracht hat. Tie hervorragende Unterstützung, die Schwedens kunftliebendcr König Gustav der Dritte, wie auch dessen Nachfolger Gustav der Vierte dem Meister angedeihen ließen, machen es erllärlich, daß man heute fast aus­schließlich in Schweden die durch ihre Nassnche Reinheit der Form hervorragenden Schöpfnn- gen Sergeis bewundern kann.

Außerhalb Schwedens sind Werke des Kunst- fers so gut wie überhaupt nicht anzutreffen, und damit gewinnt derFund" im Casseler Museum besondere kunsthistorische Bedeutung! Nach den Traditionen der Casseler Museums­verwaltung galt die prachtvolle Büste bisher als ein Werk italienischen Ursprungs und wurde jenen Kunstschätzen zugezählt, die der Begründer des Museums, der Landgraf Frie­drich der Zweite, von feiner italienischen Reise im Jahre 1777 mit nach Hause gebracht hat. In jener Zeit hatte Sergel bereits in Rom seinen Ruhm begründet, und der Landgraf ver­säumte es auch nicht, bei seinem kurzen Aufent­halt in der ewigen Stadt feine Züge von dem Meißel Sergels in Marmor verewigen zu lassen. Dis Persönlichkeit Friedrichs des Zweiten von Hessen-Cassel hat sich bei ihren Zeitgenos­sen und auch bei den Historikern besonderer

hat, namens der Generalintendanz einen silber­nen Blumenaufsatz hinzu.

cTl Anton von Werner tritt nicht zurück? Die Meldung eines Berliner Blattes, wonach Anton' von Werner sein Amt als Direktor der Hochschule für die bildenden Künste niederlegen werde, wird in Berliner Akademiekreisen für unrichtig gehalten.

IrU Der Tiermaler Christian Kröner ge­storben. Der berühmte Meister der deutschen Tier- und Jagdmalerei, Johann Christian Krö­ner, ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Am 3. Februar 1838 zu Rinteln in Hessen als Sohn einfacher Leute geboren, mußte der begabte Jüngling bei seinem älteren Bruder die Deko­rationsmalerei erlernen und bis zu seinem 23. Lebensjahre als Handwerker arbeiten. Die Ber­liner Nationalgalerie besitzt u. a. das Haupt­werkHerbstlandschast mit Hochwild" die Dres­dener Gemäldegalerie eineWaldlandschaft mit Rotwild", das Leipziger Museum:Zur Brunstzeit am Brocken", das Provinzialmuseum in Hannover eineHirschjagd im Winter" und die Städtische Gemäldegalerie in Düsseldorf Nach dem Kamps". 1876 erhielt der Künstler auf der Akademischen Kunstausstellung in Ber­lin die kleine goldene Medaille, 1879 für feine HarzlanbfchastSzene bei einem eingestellten Jagen auf Wildfäue" die große goldene Me­daille. Seit 1885 war er Mitglied der Ber­liner Akademie der Künste, und 1893 wurde ihm der Professortitel verliehen. Dem Verstorbenen ist auch ein Meisteratelier an der Akademie Cafsel angeboten worden; er hatte aber die Lehrtätigkeit ausgeschlagen.

DieZeitung der Internationalen". Ein ungewöhnliches Zeitungsunternehmen wird demnächst in Paris zu erscheinen beginnen: Eine internationale Zeitung, die täglich erscheinen soll und alle Weltereignisse vom in­ternattonalen Standpunkt aus beurteilen will. IN allen Hauptstädten Europas und Amerikas sind eigene Korrespondenten bestellt, die tele­graphisch über alle wichtigen Vorkommnisse Bericht erstatten. Um nationale Gesichtspunkte zurückzudrängen und eine streng internationale Betrachtungsweise zu gewährleisten, wird all­jährlich in Paris ein R e d a k t i o n s r a t zu­sammentreten, der die Richtlinien der zu ver­folgenden Politik festlegt und überwacht. Die bedeuftame Gründung wird unter dem Titel Le Journal Jntcrnattonal" voraussichtlich am 1. Februar des kommenden Jahres ab'" lich erscheinen.

Er beschwerte sich darüber, daß man gegen ihn ein Disziplinarverfahren eingeleitet habe, und zwar von dem Landgerichtsrat Osteroth, der sich schon im Jahre 1899 wegen Verstoßes gegen den Paragraphen 175 St.-G.-B. strafbar ge­macht und sich der Strafe durch die Flucht ent­zogen habe. Becker betrachtet weiter die Hand­lung des Kreisausschusses, der dann das Dis­ziplinarverfahren gegen ihn einleitete, als durchaus verfehlt. Außerdem beschwert sich der Angeklagte darüber, daß er wegen eines Ar­tikels aus Puttkamerun an die Hessische Landeszeitung" mit vier Wochen Ge­fängnis bestraft worden sei. Das Disztplinar- verfahren habe er eine Majestätsbelei­digung genannt, weil es, wie das Dokument zeige,im Namen des Königs" vollstreckt wer­den sollte. Die Verhandlung wurde sodann auf Mittwoch vertagt.

In Dresden, dem Hauptsitze der deut­schen Schokoladen - Fabttkation, stehen seit gestern achtzig Prozent der Arbeiterschaft im Streik. Die Arbeiter verlangten einen neuen Tarifvertrag, dessen Gewährung die Fabrikan­ten ablehnten. Bis heute mittag betrug die Zahl der Streikenden dreitausend.

Aus Madrid wird uns berichtet: In po­litischen Kreisen herrscht große Erre­gung. Man glaubt allgemein, vor einer M i - nisterkrisis zu stehen. Der am Samstag zUrückgekehrte Krieasminister soll beabsichtigen, gemeinsam mit dein Marinenttnister und dem Minister der öffentlichen Arbeiten seine Ent­lassung zu geben. Auch Ca n a l a j a s soll be­absichtigen, sein Amt niederzulegen.

Depeschen aus Lissabon zufolge dauern auf dem Schauvlatz der Operationen gegen die mo n a rch isti s ch e n Verschwörer die Verfolgungsmärsche fort, da Concerto dem Kampfe ausweicht und in Eilmärschen die Provinz Minho zu erreichen sucht, wo er den Regierungsiruppen eine Schlacht liefern will. Die in Spanien weilenden beiden Söhne des Prätendenten Dom Miguel sind mit zahlrei­chen andern Monarchisten aus Spanien aus­gewiesen worden.

Neues vom Tuge.

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.)

XX Das Essener Familiendrama. Von der Familie des Tapetenhändlers Wördehoff in Essen, der seine Frau, sich und ein Kind durch Leuchtgas vergiftet hatte, sind auch die drei anderen Kinder der Vergiftung er­legen. Die Tragödie hat also sechs Opfer gefordert.

XX Todessprung aus einem D - Zug. Heute morgen sprang zwischen Langwedel und Etel­sen ein Reisender aus dem v-Zuge in dem Augenblick, als ein Eilgüterzug vorbeifuhr. Der Reisende war sofort tot. Es handelt sich um einen Italiener aus Castellamare, der die G e st e l l u n g s o r d e r erhalten hatte.

«r Wieder eine Margarinevergiftung. In Nußbach (Pfalz) sind die Ehefrau des Schreiners H e i n y und dessen Schwiegennut- ter nach dem Genuß von Margarine gestern schwer erkrankt. Trotz sofortiger Hilfe sind beide Frauen gestorben. Die Margarine wurde vom Bezirksarzt sofort beschlagnahmt.

xx Der Defraudant und seine Beute. Bon den 145 000 Mark, die von dem im Londoner Untersuchungshaft befindlichen Banklehrling Heinrich Renner bei der Firma Röchling in Saarbrücken veruntreut worden sind, hat die Londoner Kriminalpolizei bei einer Durchsu­chung der Wohnung des Verhafteten hundert­tausend Mark in deutschen Banknoten aufgesun­den und beschlagnahmt.

xx Tosellis wieder Arm in Arm. Frau T o s e l l i ist mit ihrem Gatten nach längerer Abwesenheit in ihre Wohnung nach F i e s o l e zurückgekehrt. Diese Rückkehr ist Gegenstand

len. Ruhestörungen sind nirgends vorge­kommen.

Der neue Becker Prozeß. Aus Stet­tin wird uns telegraphisch gemeldet: Im Becker-Maltzahn-Prozeß, der gestern fortgesetzt wurde, verwahrte sich der Angeklagte in längeren Ausführungen nachdrücklich gegen den Vorwurf des Querulantentums.

Sympathie nie zu erfreuen gehabt; er war der berüchtigte deutsche Fürst, der von der Nach­welt derMenschenverkäufer" genannt wurde, da er zwölstausend feiner Landeskinder gegen ein Entgelt von mehr als 21 Millionen Talern den Engländern zur Verfügung stellte, damit sie die Sache Englands gegen die nordameri- kanischen Freiheitskämpfer verteidigen möch­ten. Daraus bezieht sich auch das schlagende Beweisstück Professor Lundströms für die Echt­heit der Sergelschen Büste: Ein Brief des Her­zogs Frederit Adolf, der am 25. Februar 1777 an König Gustav den Dritten von Schweden, den Bruder des Briefschreibers, gerichtet ist.

Der heimlich zum Katholizismus übergetre­tene Landgraf wird in Italien nicht gerade mit Begeisterung empfangen, und wie wenig Sym­pathien ihm die Zeitgenossen entgegenbrachten, verrät der Bericht des Herzogs Frederik an feinen Bruder.Der Landgraf von Hessen war nur einie Tage hier. Er ist wenig vermißt wieder abgereist. Während seiner Reise trug er den Namen eines Grasen von Schaumburg; er reist in Begleitung von vier Kavalieren, und fein Gefolge besteht aus 22 Personen. Man sagt, es sei das englische Geld, das aus seinen Händen rollt und ihn zu seiner Reise veran­laßt habe. Man scheint ihn darum sehr zu ver­achten und nennt ihn denGroßhändler in Menschensleisch". Er bat alle möglichen Sta­tuen gekauft, vorausgefetzt, daß sie ihm als antike gezeigt wurden: Meist Werke, aus die dir Enländer verzichtet haben. Er hat ferne Büste von Sergel anfertigen lassen und Sergel ist jetzt am Werke, sie in Marmor auszuarbeiten. Der Graf ist nicht zu seinem Vorteil verändert, ist aber auch nicht schlimmer, als er War, da Eure Majestät feine Bekanntschaft zu Cassel machten ..." Dieser Bries brachte Professor Lundström darauf, nach dem Verbleib dieser Schöpfung von Sergel im Casseler Museum Nachforschungen anzustellen, wobei es ihn nun gelungen ist, das bisher als Arbeit eines unbe­kannten Meisters übersehene Werk zu identifi­zieren. G. B.

Fidelio im Hosthealer.

Fräulein I ä g e r, die in der gestrigenFi- delio"-AuMhrung im Hoftheater die Leonore fang, ist durch ihre mehrfachen Gastspiele bei uns nicht unbekannt. Die Partie der Leonore, die selbst für erste Bühnengiößen einen Prüf­stein bedeutet und hohe Anforderungen stellt, sollte bei der gestrigen Aufführung im Hof-

M. Mst, t _________

behalten, so ist der Sturz, von Kanton gewiß. Den neuesten Nachrichten zufolge sol­len drei chinesische Kanonenboote von »en Revolutionären zum Sinken gebracht worden sein Der amerikanische Konsul in Nanking hat nach Peking telegraphiert, der Fall der Stadt stehe unmittelbar bevor. Der Konsul ersuche um Sendung ei­nes Kriegsschiffs.

Aus Berlin wird uns depeschiert: Eine amtliche Meldung des deutschen Seebesehlsha bers aus Hankau besagt: Hankau ist ruhig. Der chinesische Admiral Sah und vier­tausend Mann reguläre Truppen find einae- trosfen. Gefecht bevorstehend nahe der deutschen Niederlassung. Deut­scher Dampfer mit Nichtkombattanten ausge­laufen.

Der Kaiser und die Franzosen.

Der Gefangene des politischen Widerspruchs."

In Paris ist soeben unter dem Titel L'esprit public en allemagne" ein Buch Von Henri Moysset erschienen, das einiges Aufsehen erregen wird. Der Verfasser, der zehn Jahre in Deutschland gelebt hat, ver­öffentlicht mit unleugbarem Scharfsinn die Ur­sachen der unbestreitbaren Tatsache, daß das öffentliche Leben Deutschlands von einer tief­gehenden Unzufriedenheit angefres- fen ist. Trotz der günstigen wirtschaftlichen Ent­wicklung oder besser gesagt gerade durch die ge­waltige Entfaltung der Industrie und die Ver­mehrung der Bevölkerung leide Deutschland an einer Krankheit, die seine Zukunft vergifte. Eine Hauptursache steht Moysset in dem Wider­spruch der demokratischenVerfas jung des Deutschen Reiches und der feudalen Regierung in dem führenden preußischen Staate. Bismarck, der diese Zwiespältigkeit geschaffen Hat, konnte dieser mit eiserner Hand Herr werden, nach seinem Verschwinden mußte das Räderwerk zu knirschen anfangen. Nach ausführlicher Wiedergabe des statistischen Ma­terials, aus dem der Verfasser Schlüsse aus der allgemeinen Unzufriedenheit zieht, kommt er auf die leitenden Personen zu sprechen. Für die meisten feiner Untertanen Wie für die Franzo­sen sei

Wilhelm der Zweite ein Rüttel.

Er regiert nun seit zwanzig Jahren! W e r i ft

SbtfttltfrStttg, 19. Most,» m

unendlicher Kommentare. Man sieht Herrn und Frau Toselli Wieder Arm in Arm auf dem Landwege von Fiesole promenieren.

-xx Fleischvergiftungen und kein Ende. In dem Dorfe Eadonno bei Deuttch-Eylan sind zwölf Personen nach dem Genuß trichinö- s e n Fleisches schwer erkrankt . Eine Person ist bereits gestorben. Die Untersuchung ist sofort eingeleitet.

xx Ein Elfjähriger als Mörder. In H e i n- r i ch s f e l d, Kreis Krotischin, wurde der sie- benjährige Knabe Kl im eck ermordet aufge­funden. Als Täter wurde ein elfjähriger Hütejunge verhaftet, bei dem ein blutbe­spritztes Messer vorgefunden wurde. Der Ver­haftete hat bisher kein Geständnis abgelegt, doch sind die Belastungsmomente so schwer, daß kaum noch ein Zweifel über seine Täter­schaft besteht.

rn; Baukatastrophe in Budapest. Gestern nachmittag stürzte auf dem Rakoczy-Platz in Budapest das Gerüst eines vierstöckigen Neu­baues ein und begrub die auf dem Gerüst be­schäftigten Arbeiter. Von einundvierzig Ar- Beitem wurden einige lebend geborgen, zwei fanden den Erstickungstod, sechs wurden le­bensgefährlich, sieben schwer und fünf leicht ver­letzt. Sechzehn Arbeiter befinden sich noch unter den Trümmern.

XX Der Selbstmord eines Prinzen? Ein junger Prinz, der int sechzehnten Pariser Arrendissement ein Hotel bewohnte, wird feit einigen Tagen vermißt. Er hatte dem Polizei­kommissar des Bezirkes angezeigt, er habe im Spiel alles Vermögen eingebützt und werde sich voraussichtlich töten. Die Polizei verweigert über den Stand der Nachforschun­gen jede Auskunft.

xx Ein Opfer der Rebellion. Gegen sieben Uhr abends drang in Nova Tscherkark «Rußland) der Student Krieti in die Pri­vatwohnung des F ü r st e n T r u b e tz k i, eines Mitgliedes des Reichsrats, ein und gab auf ihn einige Revolverschüsse ab. Der Fürst brach sofort zusammen, fein Zustand ist hoffnungs­los.

theater den Schluß bilden, auf dem ein Enga­gement erfolgen könnte. Wie schon früher er­wähnt, besitzt Fräulein Jäger eine ganze Menge Vorzüge in gesanglicher und darstelle- rischer Bezichung. Der Dialog des gesproche­nen Wortes zeugte gestern überall, besonders in der Kerkerszene, von psychologischem Erfassen und damit von natürlicher Ueberzeugnng. Lei­der muß das Gegenteil um so nachdrücklicher vom gesungenen Wort konstatiert werden, denn Fräulein Jäger War kaum zu verstehen. Auch der wirklich guten Stimmbildung im unteren und mittleren Register haben wir schon zur Genüge gedacht. Die Töne klingen weich und warm, sprechen gut an und werden mit guter Phrasierung vorgetragen. Dagegen bleibt die Höhe mit der spitzen und harten Tongebung dem Wohlklang vieles schuldig. Alles, was die Sängerin an Stimmitteln besitzt, reicht aus für eine guteJugendliche", aber niemals für eine Hochdramatische". Von diesem Gesichtspunkt aus fehlte der großen Arie außer der guten Darstellung, die von Verständnis und Tempera­ment getragen wurde, die impulsive, gewaltige und dramatische Kraft des Gesanges. Dieselbe Empfindung hatte ich in der Kerkerszene bei den Worten:Töt' erst sein Weib" und in dem folgenden Duett mit Florestan. Das Engage­ment von Fräulein Jäger würbe also trotz ein­zelner Vorzüge für unsere Oper kein Ersatz und noch Weniger ein Gewinn fein. G. 0. K.

Kleines Feuilleton.

K Emst von Poffarts Bühnenjubiläum. Dr. Ernst von Possart fpielte am Montag im Münchener Hoftheater zur Feier feines fünfzigjährigen Künstlerjubiläums noch einmal feinen berühmten S h Y l o ck. Der Jubi­lar, dessen geistige und körperliche Spannkraft das ganze Hans bewundette, wurde fchon beim ersten Hervortreten mit Beifall begrüßt, und herzlicher Applaus, wiederholt bei offener Szene ausbrechend, begleitete ihn durch den ?anzen Abend. Possart dankte für die ihm bis« er geschenkten Sympathien und bat, sie ihm bis an fein Lebensende bewahren zu wollen. Auf der Bühne fand dann eine intime Feier statt, an der neuen dem Gesamtpersonal auch Prinz Ludwig Ferdinand teil- nahm. Am Schlüsse überreichte Generalinten­dant Frhr. Speidel b^em Gefeierten ben Stern zum Michaelsorden 2. Klasse unb fügte mit bem Ausdruck herzlichen Dankes für alles, was Pof- fart die vielen Jahre für baS Institut getan