Rrnrrmer 269
1. Jahrgang
Kasseler Wendzeituns
Hessische Abendzeitung
Fernsprecher 951 und 952.
Fernsprecher 951 und 952.
Donnerstag, den 19. Oktober 1911
Sie Casseler Kettelten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abend«. Der öetmetnentSptei« betrügt monatlich 60 $fg. bei freier Zustellung in« Hau«* Bestellungen »erden sederzett von der SefchüftSklelle oder den Voten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und NÜ>akkion! Echlachthofftraße 28/30. Sprechstunden der Redaktion von 12—3 Ufii nach- «Mag«, juristische Sprechstunden für unsere Abonnenten Mittwochs und Sonnabend» von «-« Uhr abend«. Berliner Vertretung: SW„ Friedrichstraße 16. Telephon: Amt IV, 676.
KnsertionSpreise: Die sechSgespaltene Zeile für einheimische «eschütte 15 vfg, für au«, wärtige Inserate 25 Pf, Reklamezeile für einheimische »eschütte 40 Pf, für auswärtige »eschütte 60 Pf. Beilagen für die Sesamtauslage »erden mit 4 Mark pro Lausend de- rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgebung sind die Sasseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche» JnlertwnSorgau. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.
Herbstpremiere im Reichstag.
Und Bethman« Hollweg schweigt . . .!
Ein Prlvat-Telegramm berichtet uns aus Berlin: Die Führer der bürgerlichen Fraktionen waren gestern nach der Sitzung des Reichstags vom Reichskanzler zu einer Besprechung eingeladen worden. Der Seniorenkonvent des Reichstags trat um vier Uhr nachmittags zu einer Sitzung zusammen, um über die Geschäfts-Dispositionen zu beraten. Heute wird im Reichstag die Interpellation über das Vereins- und Versamm- lungsgesetz beantwortet und besprochen werden. Am Donnerstag soll die erste Lesung des Privatbeamten- versichungsgesetzes beginnen, die man am Samstag abzufchlietzen hofft.
Im Kuppelbau am Berliner Königsplatz herrscht nun seit gestern wieder reges Leben, und die Opftmisten unter den Erwählten des Volks hoffen auch, daß dieses Leben von recht langer Dauer sein werde. Das Märlein von einer den nächsten Tagen bereits zugedachten Heimsendung des altersmüden Parlaments ist rasch als Scherz erkannt worden, und wenn sich sonst nichts Schlimmes ereignet, kanu's sein, daß die Reichstagsboten noch ar- bettmüd in die Christfest-Ferien gehen werden, bevor Herr von Schwerin-Löwitz sie mit ziemendem Dank für getane Arbeit entläßt. Man sah der gestrigen Herbstpremiere im Hause Wallots mit fteundlicher Erwartung entgegen, denn wenn's auch nicht wahrscheinlich war, konnte es doch zumindest möglich sein, daß der Herr Kanzler sich herbeilasien werde, dem „Hohen Hause" mündlich oder schriftlich ein weniges über Marokko und einige andre grade aktuelle Kapitel des auswärtigen ReichSge- schäfts zu erzählen. Die dies Ereignis <d'nn ein „Ereignis" hätte man's doch nennen müssen) erharrten, sahen sich bitter enttäuscht: Statt des Kanzlers kam ein Brief!ein aus der Mlhelmstraße, in dem Herr Theobald von Bethmarm Hollweg dem Präsidenten des Retchsparlaments kund und zu wissen tat, daß es nützlich erscheinen dürfte, im gegenwärtigen Augenblick über die Geheimnisse unsrer auswärtigen Politik nicht zu plaudern, sondern erst den wohlgefälligen Abschluß der (seit Monden) in der Entwicklung begriffnen Dinge abzuwarten. Später, wenn die Ernte einge- fcheuert, werde der Herr Kanzler gern bereit sein, dem Reichstag zu erzählen, was in der Zeit, da das Parlament sich des Sommerfrie- dens freute, vor und hinter (oder nur vor?) den Kulissen der Regierungsbühne an Niedlichem und Ergötzlichem geschehen sei. Als der Löwitzer Graf im Bart daS Billet aus der Wil- helmstraße vorlaS, malte sich auf einigen Gesichtern Staunen, auf etwelchen andern Beftie- digung und in unterschiedlichen Mienen merkte man sogar eine Spur diskreter Heiterkeit. Aber man mühte sich doch, die Enttäuschung nicht tragisch z« nehmen, sondern das „große Schweigen" auch fernerhin mit Würde zu ertragen, bis . . . Herr von Bethmann Hollweg die Stunde gekommen sieht, harrender Ungeduld das Geheimnis des grünen Tiscks zu ent- schleiem. Jst's Frevel, von diesem Reichstag zu sagen, daß deS Alters Schwächen seine Augen gedunkelt und seine Energie ertötet haben, und daß es vielleicht doch nützlicher (und barmherziger) sein würde, des Greisentums Qual zu enden und das Parlament der Müden, unbekümmert um das Bißchen Werk, das noch des Feierabends Stunde scheucht, der Vergangenheit zu überant- wotten? F. H.
*
Rur zwei Stunden. z
Die erste Sitzung des Herbstparlaments.
Draußen auf dem Berliner Königsplatz boten die gestrigen Nachmittagsstunden, in denen der Reichstag sich zum Spätabendwerk versammelte, kein aufregendes Bild: Einige neugierige Müßiggänger, die den gruppenweise einttetenden Abgeordneten nachblickten, ein paar würdevoll« Schutzleute, für die es nichts zu tun ab:. Das war alles! Umso lebhafter aber gings drinnen im Hause zu. Trotzdem nur Anfragen auf der Tagesordnung standen, als eine Speisenfolge, die trotz ihrer Mannigfaltigkeit sehr unbeliebt ist und selbst von dem abgehärtetsten Parlamentariermagen nur fchwer verdaut wird, waren Saal und Tribünen gut besetzt. Ein großes Händeschütteln hielt überall an, und man konnte bei diesem erfreulichen Anblick fast wähnen, die sommerliche Feuerpause in der parlamentarischen Schlacht habe alle Gegensätze fortgewischt und die Hunds- tagshitze habe die tiefen Wasser, die die Fraktionen von einander scheiden, so daß sie nicht zusammen gelangen können, völlig ausgetrocknet. Herr Bassermann und Freiherr von Hertling drückten sich lächelnd wiederholt »U biedere Rechte, und konservative und fttt- ftmige Abgeordnete sagten sich in der Freude
des Wiedersehens Liebenswürdigkeiten: Wahr scheinlich nur über das gegenseitige treffliche Aussehen. Aber auch das ist ein „Symptom". Bedeutsamer noch als im Saal ging es in den Wandelgängen und Beratungszimmcrn zu, wo das Wort „Marokko" von Mund zu Mund flog, und ernsten Mienen begegnete. Der Mi nist er tisch war (auch ein Charakteristikum!) gähnendleer. Nur Dr. Lisco sah nachdenklich in das Gewühl. Vielleicht hoffte er noch Bruchstücke seiner Vorlage aus dem alles verschlingenden Strudel zu retten. Herrn Delbrücks joviales immer heiteres Antlitz schaute für einen Augenblick herein. Als aber der Staatssekretär das Braufen der Stimmen vernahm und die ungenierte Unterhaltung sah, während ein Antrag nach dem andern auf die Schlachtbank gelegt ward, wußte er, daß es für ihn nichts zu tun gab und ... er verschwand wieder .
Die Tagesordnung gab der Sitzung nur den äußeren Rahmen. Die Besprechungen hinter den Kulissen beherrschten die Lage. Sehr eifrig verhandelte besonders der kleine Herr von Heydebrandt mit den Großen seines Reichs, und zumal der Agrarierführer R ö - ficke war es, mit dem er eingehenden Meinungsaustausch pflog. Wird man auf der Rechten fest bleiben und beim „JnterpellationS- sturm" sich nicht umweb >n lassen? Diese Frage wird besonders bei den Nationalliberalen erwogen, die entschlossen sind, allen Phasen der deutschen Auslandspolitik nachhal- ttg auf den Grund zu gehen. Man spricht sogar davon, daß Herr Bassermann diesen wichti- gen Punkt zum Fundament machen will, auf dem er die Parole für die künftigen Wahlen für seine Partei aufbaut. Und währenddessen die führenden Männer tätig waren, die Lage durch Vorbesprechungen zu kläre», bemühten sich die Herren Hu« und Behrens vergeblich durch lange Reden dem toten Arbeitsnachweis neues Leben einzuflößen. Niemand hörte ihnen zu. Lebensmittelteuerung und auswärtige Politik sind die beiden ernsten Themen, die der heutigen Sitzung eine gewisse Bedeutung aufdrücken, wenn sie auch nur in stiller Beratung der Abgeordneten untereinander zur Verhandlung gelangen und der Schaubühne der Oeffentlichkeit noch entzogen bleiben. Schon nach zweistündiger St tzung ging man auseinander, um sich am Mittwoch den gesamten Anträgen, also einem sehr wichtigen Stoffe, zuzuwenden. Die parlamentarische Luft geht schwer und dunstig. Man weiß nicht, was noch kommen wird. Aus den Gesprächen der Abgeordneten aber konnte man schon gestern entnehmen, daß das Bewußtsein immer mehr um sich greift, daß diese letzten Wochen mehr als Jahre vorher den Reichstag zur Arbeit gerufen haben, und man darf nun gespannt sein, wie sich das späte Werk gestalten wird. Hoffnungsfreudigkeit sah man am gestrigen Premierentag auf keinem einzigen Angesicht...!
*
Der Kanzler an de« Reichstag.
Das Schreiben, das der Reichskanzler von Bethmann Hollweg bezüglich der Reichstags-Interpellationen über die auswärtige Lage an den Präsidenten des Reichstags, Grafen von Schwerin-Löwitz, gerichtet hat, präsentiert sich nach der offiziösen Veröffentlichung in folgenden Ausführungen:
*
Berlin, 16. Oktober.
Eurer Exzellenz beehre ich mich ergebenst folgende Mitteilung zu machen: Wie ich höre, ist von verschiedenen Patteien beabsichtigt, Interpellationen über Fragen der auswärtigen Politik, insbesondere über die tripolitanische Frage, und unsere Ver- Handlungen mit Frankreich im Reichstag einzubringen. Ich verstehe und teile den Wunsch der Patteien, eine parlamentariscke Erörterung dieser Fragen herbeizuführen. Im gegenwärtigen Augenblick jedoch wird sich die Regierung an einer Debatte über auswärtige Politik nicht beteiligen können. Von einer allgemeinen Besprechung der auswärtigen Politik würde sich die Frage der Haltung der Regierung in der marokkanischen Angelegenheit nicht trennen lassen. Ueber diese aber könnte sich die Regierung in Anbettacht der noch schwebenden Verhandlungen ohne die Gefahr einer schweren Schädigung solcher Interessen nicht äußern. Dasselbe würde auch von einer Hineinziehung der Trivolisfrage gelten. Wegen der Beilegung des türkisch-italienischen Ktteges findet ein andauernder Meinungsaustausch unter den Mächten statt, der jede öffentliche Stellungnahme der kaiserlichen Regierung in dieser Frage unmöglich macht. Einer Debatte des Reichstags aber ohne Beteiligung der Regierung steht das Bedenken entgegen, daß sie nach der einen oder andern Richtung hin die Stellung der deutschen Politft erschweren und ihre Aktion beeinträchtigen könnte. Sobald die po- littsche Situation eine Beteiligung der Regierung gestattet, werde ich Eure Erzellenz davon benachrichtigen, und ich werde dann gerat bereit sein, im Reichstag Aufklärung über die auswärtige Polittk zu geben und mit ihm in eine D-batte ehuutretett.
Von dem Vorstehenden setze ich Eure Exzellenz mit dem ergebenen Anheimstellen in Kenntnis, bei Ihren Besprechungen über die Gestaltung der Geschäfte des Reichstags davon Gebrauch zu machen. Bethmann Hollweg.
Wie der Präsident des Reichstags gestern zum Schluß der Sitzung mitteilte, sind beim Reichstag inzwischen drei Interpellationen über die auswärtige Lage eingegangen: Eine konservative, eine nationalliberale und eine freisinnige. In der Mittwoch-Sitzung des Reichstags werden die vorliegenden Interpellationen in der Reihenfolge ihres Eingangs behandelt werden.
*
Wie uns ein Privat-Telegramm meldet, hat die nationalliberale Fraktion des Reichstags gestern eine Interpellation eingebracht, in der der Reichskanzler gefragt wird, ob er bereit ist, über die auswärtige Politik, insbesondere über die Vorgänge in Marokko und die zum Schutz der deutschen Interessen getroffenen Maßnahmen, sowie über die durch den Krieg zwischen Italien und der Türkei hervorgerufene Aenderung der politischen Lage Auskunft zu geben. Weiter wird der Reichskanzler Seftagt, ob er erklären könne, daß bei den Ver- andlungen mit Frankreich über die Kom- pensati onen Abtretungen deutschen Gebiets nicht in Frage kommen.
*
Reue Marotto Komplikationen r
Aus Paris wird uns von der im allgemeinen gut informierten Preß-Zentrale eine Alarmnachricht übermittelt, wonach die Marokkokonferenzen in letzter Stunde eine Wendung genommen haben, die einen Abbruch der Verhandlungen nickt unmöglich erscheinen lassen. Die staatsrechtliche Lage »st demnach so, daß die gesamte bisher geleistete Arbt-it hinfällig wäre, wenn ■ die Verhandlungen über die Kongo-Kompensationen nicht zum Abschluß führen. Das Maroftoabkommen ist nur unter der Bedingung paraphiert worden, daß eine Verständigung über die Kompensationen im französischen Kongo erzielt wird. Aus Paris wird uns dazu bettchttt:
V PattS, 18. Oktober. - (Eigene Drahtmeldung.)
In hiesigen RegierungSkreisen ist man über den Fottgang der Kongoverhandlungen arg enttäuscht. Wie der Vertreter der Preß- Zentrale erfährt, haben die französischen Dele- gietten bei Beginn der Verhandlungen auf die Puttkamcrschen Vottchläge hingewiesen. Von deutscher Seite ist ihnen darauf erklätt worden, daß diese Vottchläge des ehemaligen Gouverneurs von Kamerun keineswegs die Basis deS deuttchen Standvunttes bilden. Die deutschen Forderungen seien derartig erorbi - tant gewesen, daß (so wird in französischen Regierungskreisen vettichett) sie niemals die Grmwlage zu einer Verständigung ab geben könnten. Um einen DruckaufDeutsch- land auszuüben, will die ftanzöstsche Regierung eine offizielle Note veröffentlichen, in der sie auf die unerfreuliche Wendung Hinweisen wird, die die Kongo-Verhandlung bisher ergeben habe. Man droht sogar in maßgebenden französischen Kolonialkreisen, die Verhandlungen gänzlich abzubrechen.
*
Der Marokko-Handel scheint also abermals ernstlich gttährdet zu fein, und es ist nach Lage der Sache mit Komplikationen zu rechnen. deren Endergebnis sich noch nicht absehen läßt. Angesichts der wieder bedrohlich angewachsenen Gefahren tappt nun der Deutsche Reichstag völlig im Dunkeln, ohne in der Lage zu fein, auch nur den geringsten Einfluß auf die fernere Gestaltung der Dinge geltend machen zu können. Hat unter bitten Umständen das Institut des Parlamentattsmus überhaupt noch einen Sinn?
Attischer Wfch i« Sicht?
Eine Militär-Dittatur in der Türkei.
(Telegraphische Meldungen.)
Depeschen ans Saloniki zufolge verlautet dort,daß die Militärpartei danach trachte, sich vom Komitee „Einhett und Fortschritt" los- zulöfen. Sie beabsichtige, im geeigneten Augenblick die Regierung zu stürzen, nach Auflösung der Kammer ein Pronuneiamento zu erlassen und so lange die M i l i t ä r - D i k - t a t u r durchzuführen, bis der T r i p o l i S - krieg beendet fei. Gegenwärtig würden kn den vettchiedenen Provinzen Vorbereitungen für Berwittlichung diefes Planes getroffen, der gegebenenfalls schon in den nächste« acht T a g e « zur Ausführung kommen solle.
*
Die Nachrichten vom ttipolitanifchen Kriegsschauplatz lauten «ach wie vor widersprechend, und eS ist unmöglich, sich nach
den vorliegenden Depttchen ein zutreffendes Bild von den tatsächlichen Ereignissen machen zu können. Die Berliner italienische Botschaft teilt offiziell folgendes mit: Mehrere Blätter haben die aus türkischer Quelle stammende Meldung verbreitet, daß an der Küste von Eph- rus ein Bombardement seitens der italienischen Flotte stattgefunden hätte. Ditte Nachricht ist vollständig aus der Luft gegriffen. Von türkischer Seite wird hinwiederum die Meldung, daß Derna von den Italienern genommen sei, als unzutreffend bezeich- net. Es wird uns darüber berichtet:
Konstantinopel, iS. Oktober.
(Eigene Drahtmelduug.)
Der Minister des Innern erklärt, die Italiener hätten bisher Derna nicht nehmen können. Die Stadt sei in türkischen Händen, dagegen sei Benghasi genommen. Die Italiener seien indessen noch nirgends ins Innere des Landes vorgedrungen, sondern hittten sich überall an der Küste, die sie allerdings strengstens observieren. Die Türken und Araber kämpften wie die Löwen, sodaß in Derna selbst nach einem dreistündigen fürchterlichen Bombardement keine italienische Landung möglich gewesen sei.
*
Weitere Depeschen aus Konstantinopel melden: Auf der Pfotte dementiert man auf das entschiedenste die Meldung, daß der Komandeur der Truppen in Tripolis wegen Unterwerfung mit den Italienern Verhandlungen eingeleitet habe. Wie die „Sabah" zu melden weiß, haben die Italiener bei Asisje bedeutende Verluste erlitten. Bei Derna haben die türkischen Truppen eine Schaluppe mit sechzig italienischen Soldaten zum Stranden gebracht und alle Italiener getötet. Wie in diplomatischen Kreisen verlautet, beabsichtigt Italien bei längerem Widerstand der Tüttei b r Inseln im Aegäischen Meere, darunter Mytilene, zu besetzen, um aus die Türkei einen Druck auS- zuüben. *
Bulgarische Mobilisation?
(Telegraphische Meldung.!
iX Sofia, 18. Oktober.
Soeben wurden durch Trommel die Reservisten einberufen. Das Kriegsministerium befindet sich in einer kritischen Sage. Eine Mobilisiernng scheint unabwend- bar, umsomehr, als sich bei Adrianopel zwei A r m e e k o r p s mit hunderttausend Mann ge- bildet haben sollen. Außerdem sollen sich an der bulgarischen Grenze fünfzehn kurdische Kavallerie-Regimenter befinden.
StraßenkSmvfe in Santa«.
Die Deutschen an die Front!
Wie wir bereits in einem Teil der gestrigen Ausgabe gemeldet haben, ist es am Dienstag im chinesischen Aufstandsgebiet in Hankau zu eine Straßenkampf zwischen deutschen Matrosen und dem Pöbel gekom- men. Mannschaften von den deutschen Schiffen „Leipzig", „Tiger" und „Vaterland" griffen gerneinfam mit der aus den Deutschen Hankaus gebildeten Freiwilligen-Kompagnie den chinesischen Pöbel an und eS gelang, den Mob zurückzuwerfen. Den neuesten Depeschen aus Hankau zufolge herrscht dort augenblicklich Ruhe, jedoch hat sich der Dienerschaft der Europäer eine Panik bemächtigt und Tausende verlassen die Stadt. Es sollen revolutionäre Truppen vor der Stadt ft eben und deren Uebergabe verlangen. Weitere Telegramme melden:
s London, 18. Ottober.
(Eigene Drahtmeldung.)
Die Meldung von der Landung deutscher Matrosen in Hankau erregt hier großes Aussehen. Ohne daß genau« Meldungen über die Veranlassung der Landung vorliegen, äußett man die Befürchtung, daß dieser Schritt bei ttner Revolution ernste Folge« haben könne, da bisher die Ausländer nicht belästigt worden seien. Biettausend Mann kaiserlicher Truppen seien vor Hankau angekommen, sie bezogen unweit des Rennplatzes ein Lager und Watten wettere Verstärkungen ab, bevor sie die Rebellen angreifen. Der Befehl, den Bahnvettehr Ve- king Tientsin einzustellen, wurde aufgehoben. Es geht täglich ein Zug nach jeder Richtung. Die Mandschufrauen sollen chinesische Klei- düng angelegt haben. Die Revolutionäre fetten für die Gefangennahme deS frühen» Bize» königS Lehuitschong einen Preis aus.
*
Einem Telegramm aus Kanton zufolge, sind fünfundfechzigtausend Revo- lutionäre von Wutschang und Kaisona aus. gebrochen, um den kaiserlichen Truppen entgegen zu marschieren. Sollten sie die Oberhand