Einzelbild herunterladen
 
  

RtT L67.^ t. Jahrgang. "A 'v. >

Casseler Neueste Nachrichten

bd bet kommenden ReichStaaSwahlen mit jenen Leuten, die die Zoll- und Handelspolittk, welche zur Verteuerung der Lebensmittel preise geführt habe, Abrechnung gehalten werden müsse: Wed« einem Antisemiten, noch einem Nationallüteralen dürfe man seine Stimme geben. Nach Hüttmann sprach der Reichs­tagsabgeordnete Scheidemann über das Toema:Marokkalnifche Wahlen". Der Redner gab einen Ueberblick über die Lage in Marokko und schilderte die Verhält­nisse, die zur Marokkokrise geführt haben. Deutschland habe in Marokko gar keine Inter­essen, sondern nur die Gebrüder Mannesmann. Die Entsendung eines deutschen Kriegsschiffes nach Agadir hätte nur die gleiche Wirkung baden sollen, wie Bismarcks Emser Depesche. Man wollte den Krieg. Die deutschen Arbeiter wollten aber keinen Krieg, rief Scheidemann unter großem Beifall der Versammlung in den Saal,, sie wollten sich nur satt essen. Weiter wandte sich Scheidemann gegen die Kriegs­hetzer und jene, die den Marokkorummel bis zu den nächsten * Wahlen in die Länge ziehen wollten, damit man mit dem Rufe:Natio­nale Interessen stehen auf dem Spiel" in den Wahlkampf ziehen könnte. Der Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß das Banner der Antisemiten heruntergeholt, das blaue Banner der Rationallkberalen nicht aufgepflanzt, dafür aber das rote Banner der Sozialdemokratie über Cassel flattern würde. Rot bedeute nicht Blut, sondern Rot bedeute Liebe und Freiheit. Gegeit einhalb zwei Uhr fand die Versamm­lung ihren Abschluß. *

In einem Artikel, der uns vom Vorsitzen­den der Landwirtschaftskammer Cassel übersandt wird, wird der Vorwurf zurückgewiesen, daß die gegenwärtige Teue­rung eine Folge der Schutzzollpolitik sei. Es heißt dann weiter:Es soll keineswegs ge­leugnet werben, daß gewisse landwirtschaft­liche Produkte im Preise gestiegen sind. Auch bedeutet ohne Zweifel eine zu weit gehende Preiserhöhung der täglichen Nahrungsmittel eine volkswirtschaftliche Gefahr, die mit allen Mitteln bekämpft werben muß. Alle hierauf gerichteten Maßnahmen dürfen sich jedoch nur auf solche Lebensmittel beschränken, die wirk­lich eine ausMhwswöise' über die Erzcugungs- kosten hinausgehende Preissteigerung erfahren haben, denn buch hier darf * das berechtigte Interesse der inländischen Produzenten nicht unberücksichtigt bleiben. Die gegenwärtigen Preise für Weizen sind niedriger wie die des Vorjahres und bleiben sehr erheblich hinter denen der Jahre 1907 und 1909 zurück. Der Roggenpreis ist allerdings gegenüber dem Vor­jahre gestiegen. Es ist jedoch zu berücksichti­gen, daß der Roggen im vorigen Jahre aus­nahmsweise billig war. Der diesjährige Sep­temberpreis übertrifft dagegen den der Jahre 1908 und 1909 nicht erheblich und ist wesentlich niedriger wie der des Jahres 1907. Dasselbe gilt auch für den Roggcnmehlpreis. Auch die Preise fast aller Viehgattungen sind gegenüber dem Vorjahre gefallen. Wenn den sinkenden Biehpreisen die Flei sch Preise auch nicht immer gefolgt sind, so kann doch auch nicht be­hauptet werden, daß diese im Augenblick ge­genüber den Vorjahren übertrieben hoch seien. Wenn die Fleischpreise nicht überall entsprechend den sinkenden Biehpreisen gefallen sind, ja in manchen Städten noch eine Steigerung erfah­ren haben, so liea-t das nicht an der Land­wirtschaft oder an den Zöllen und den im -Interesse des Seuchenschutzes unbedingt not­wendigen Einfuhrbeschränkungen, sondern an den immer mehr steigenden Preiszuschlägen, die das Fleisch auf dem Wege vom Stalle des Landwirts bis in die Küche des Konsumenten erfährt. Der Bericht stellt weiter fest, daß Eier nicht viel teurer geworden seien, wohl aber Kartoffeln und Butter. Der Artikel schließt: Aus den bisherigen Darlegungen er-

kti Wiener Sensationen. Ein schwerer An­griff gegen Geheimrat Bodo wird in der heutigen Ausgabe derWiener Sonn- und Montagszeitung" veröffentlicht werden. Der bekannte Wiener Kunstschriftsteller Dr. Lud­wig Abels richtet einen offenen Brief an den Generaldirektor der königlichen Museen in Berlin, Geheimrat Bode. Er beschuldigt ihn darin, ein wertvolles Gemälde von Rem­brandt,Der heilige Franziskus", mehrere Male als Fälschung gegen das Urteil der ersten Kunstsachverständigen Wiens bezeich- net-zu haben. Er habe jedoch kurze Zeit dar­auf, als der ihm befreundete Pariser Kunst­händler Wedelmayer dieses Gemälde für 6000 Francs erworben habe, keine Bedenken gehabt, es durch ein schriftliches Attest als wertvolle eigenhändige Arbeit von Rembrandt zu be­zeichnen.

Der Seeräuber". Dieses neueste vier­aktige Lustspiel Ludwig Fuldas, wurde vom Deutschen Theater in Berlin und vom Hofburgtheater in Wien zur Ausführung er­worben.

h"-Die letzten Dinge". Ludwig Gang- Hofer hat sein neuestes WerkDie letzten Dinge" dem Stuttgarter Schauspielhaus zur Uraufführung übergeben, die am Sonntag, den 22. Oktober, in Stuttgart stattfindet.

Die moderne Eva". Die erfolgreiche Overetten-Novität des Berliner Neuen Operet- ten-TheatersDie moderne Eva", wird zu Weihnachten an 31 Bühnen die Er st au s- führung erleben.

Maeterlinck als Nobelpreisträger. Ein Privat-Telegramm aus Stockholm meldet uns: Wie die ZeitungDagens Nyhe- ter* meldet, soll der diesjährige Nobelpreis für L i t e r a t u r an Maurice Maeterlinck ver­liehen werden.

Der erste Spatenstich. Ter Draht meldet aus N e w y o r k: Sonnabend wurde in Ge­genwart von 150 000 Menschen vom Präsiden­ten Taft der erste Spatenstich zu der Aus­stellung in San Francisco vollzogen. Das Gedränge war so stark, daß über hundert Personen ohnmächtig wurden.

tGs Es ist erreicht! Aus N e w tz o r k meldet der Draht: Am Sonnabend fand ein Jubel- f e ft der Frauen statt anläßlich der Ein­führung des Frauenstimmrechts in Calikornien.

Gittertür und gelangten durch die Einganastür A Tas Wetter am Dienstag. Der amt» in den Verkautsraum. Lier eianeten üe stch fürI liche Wetterbericht sagt für Dienstag kür

gibt sich, daß allerdings eine Reche von land­wirtschaftlichen Produtten zur Zeit einen höheren Preis haben wie im Vorjahre, daß es sich aber dabei durchweg um Gegenstände handelt, die gar keinem oder doch nur einem geringen Zoll unterliegen. Es kann deshalb von einer Aushebung dieser Zölle eine Ver­billigung der Lebensmittel nicht erwartet werden." .

A Cassels Stadtparlament. In der am kommenden Donnerstag abends 6 Uhr stattfin­denden Sitzung der Stadtverordneten wird fol­gende Tagesordnung zur Erledigung kommen: Projekt für den Neubau der Oberrealschule II vor dem Wesertor und Bereitstellung der Aus­führungskosten in Höhe von 750 000 Mark. Projekt für den Neubau einer Doppel-Volks­schule im Stadtteil Kirchditmold und Bereit­stellung der Kosten für die Hälfte des Baues mit 325 000 Mark. Anttag des Stadtverordne­ten Thöne auf Einsetzung einer gemischten Kommission über die Frage der Beschaffung von Lebensmitteln durch die Stadt und Abgabe der selben zum Selbstkostenpreise. Fluchtlinien­plan für die verlängerte Huttenstraße (Aus­bauvertrag mit dem Privatmann Anzius). Auf­nahme der Tarifllausel in dieAnweisung über die Vergebung von Leistungen und Liefe­rungen für die Residenzstadt Cassel". Errich­tung je einer weiteren Oberlehrer- und Mittel- schullehrerstelle bei der Höheren Mädchenschule zu Ostern 1912. Erhöhung des Verlags für den für die Höhere Mädchenschule zu beschaf­fenden Projektionsapparat um 150 Mark. Er- mietung weiterer Räume der Handelskammer für die kaufmännische Fortbildungsschule. Be­reitstellung der Mehrkosten von 330 Mark zur Deckung von Unterrichtsstunden bei der kauf­männischen Fortbildungsschule und Nachbewil­ligung der Kosten des Gleisanschlusses vom Gaswerk zur Station Bettenhausen mit 1661,70 Mark.

A Ein unredlicher Pflegevater. Der einund­vierzig Jahre alte Christian Gottlob Espig hat­te sich heute vor der Strafkammer zu ver­antworten. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, durch zwei selbständige Handlungen sich des Verbrechens gegen § 176,3 schuldig gemacht zu haben. Der Staatsanwalt beantragte eine Zuchthausstrafe von zwei Jahren sechs Mona­ten sowie fünf Jahre Ehrverlust. Das Urteil lautete auf eine Zuchthaus st rafe von e i - nem Jahr und neun Monaten und fünf Jahren Ehrverlust.

A Die Kindsleiche im Abort. Heute früh fand man in einem Abort der Husarenkaserne die Leiche eines neugeborenen Kindes. Die Militärbehörde, sowie die Kriminalpolizei, wurden sofort von dem Fund verständigt. Die Untersuchung ist sofort eingeleitet worden.

Das neue Heim des Frauen-Klubs.

Damen, die allein stehen und beruflich tätig sind, werden den Wert eines Heims, das in seinen Bewohnern und Besuchern das Ge­fühl der wirklichen Behaglichkeit und des Zu­hauseseins weckt, immer hoch genug einzu­schätzen wissen. Wir sind noch nicht so wett, daß Damen allein jederzeit ein öffentliches Lokal aufsuchen können. Und doch ist eine im Erwerbsleben stehende Dame häufig genug darauf angewiesen, auch zu späterer Stunde in einem Cafe oder Restaurant einen Imbiß einzunehmen. Nach des langen Tages Müh und Unrast hat sie aber auch das Bedürfnis, ein paar Stunden des Ausruhens und der Erholung in anregender Umgebung zu ver­bringen. Die kalte Eleganz eines Hotelzim­mers oder die Enge eines Privatlogis können nicht der Ott dafür sein. Auch die Möglich­keit eines Anschlusses an andere in den grö­ßeren Pensionaten Hat nur einen bedingten Wert. Mit seinem neuen Hause in der Opern­straße nun. dessen. feierliche Eröffnung der Casseler Frauen- Klub (im internen Kreise) am Sonnabend begangen hat, wird dem erwähnten Bedürfnis in der weit­gehendsten. Weise Rechnung getragen. Das Heim soll nicht nur der Geselligkeit der Klub- mitglieder untereinander dienen, sondern auch für alleinstehende Damen volle Verpflegung bieten. So ist mit den Wohnräumen eine ausgedehnte Kücheuwirtschast verbunden.

Am Sonntag wurde der erste Fünfuhr­tee abgehalten,"der rege besucht war, und wohl zu einer dauernden Einrichtung wird. Bei dieser Gelegeicheit war die Einrichtung des neuen Hauses zu besichtigen, die in jeder Be­ziehung würdig und zweckentsprechend ist. Der Räume lange Flucht eröffnet ein Lesezimmer. Schon hier empfängt den Besucher der Ein­druck warmer Behaglichkeit und einer fein abge­tönten Eleganz. Eine große Menge von Frauenltteratur und belletristischer Zeitschttf- ten liegt dort aus, und eine kleine, aber sorg­fältig ausgewählte Bibliothek unterhaltenden und belehrenden Inhalts steht den Besuchern zur Verfügung. Die-daran schließenden Räume, ein Konversations-, ein Spiel- und ein Musik­zimmer. sind wahre Muster geschmackvoller Jnneukunst. Jeder Komfort ist vorhanden, be­queme Klubsessel, anheimelnde Winkel, die zu ei­nem Plauderstündchen beim Tee locken: schwere Fensterbehänge dämpfen das hereinfließende Licht, Weiche Teppiche den Schtttt. Kunstwerke an den Wänden erhöben den Reiz dieses intt- men und stimmungsvollen Interieurs. In einigem Gegensatz dazu steht der Speiseraum, aber auch sehr einladend und stilvoll. So fügt sich in dem neuen Heim alles zusammen zu finer sympathischen Gesamtwirkung. die unserer Damenwelt den Aufenthalt dott sicher sehr reizvoll und lieb machen wird. H. E.

großen Augenblick". Aus Veranlassung seS Bundes für Mutterschutz wurde kürzlich dieses Bild von anderthalbstündiger Vorfüh­rungsdauer ausgenommen. Frl. Asta Nilfen erhielt für die Mitwirkung in zehn Filmdra­men der Asta-Nilsen-Serie (Aufnahmedauer etwa fünf Monate) 85 000 Mark Gage.

A Cassel als Kongreßstadt. Der Bund Deutscher Verkehrsvereine wird seine nächstjährige Haupwersammlung in der Woche nach Pfingsten in Cassel abhalten. Nach den Beratungen wird der Bund seine Tagung mit einem Besuche Mündens und einer Weserfahtt abschließen.

A Einbruch in ein Zigarrengeschäft. In der Nacht zum Sonntag statteten mehrere Bur­schen der Filiale der Zigarrenhandlung Schlunk an der Ecke der Hohenzollern- und Bismarckftraße einen Besuch ab. Die Einbre­cher durchsägten zwei Seitenstäbe einer eisernen

etwa zweihundert Matt Zigarre« und Weine an. Ein Versuch, sich in den Besitz des Kassen- inhalts zu setzen, mißlang, weil die Diebe mit der Einrichtung der Kasse nicht vertraut waren. Tie Polizei ist den Dieben, es handelt sich an­scheinend um drei, auf der Spur.

Die Tagung des Athletenverbandes. Der Hessische Athletenverband hielt gestern in Hers­feld feinen zweiten Verbandstag ab. Anwezend waren etwa fünfzig Mitglieder. Um acht Uhr morgens eröffnete der Vorsitzende die Ver­sammlung mit Begrüßungswotten. sodann schritt man zur Erledigung der Tagesordnung, die etwa fünfzig Punkte enthielt. Unter an- derm wurden neue Gewichtsgrenzen festgesetzt. Aus dem Jahresbericht ging hervor, day sim der Verband im letzten Jahre wieder bedeutend vermehrt hat.

A Die Prüfung der Ouittungskatten. Von heute ab erfolgt in unserer Stadt eine Prüfung der Quittungskarten durch Bureaubeamte der hiesigen Landes-Versicherungsanstalt. Für Ar­beitgeber, die mit der Verwendung der fälligen Beitragsmarken im Rückstände sind, emvsiehlt es sich, zur Vermeidung von Strafen alsbald das Versäumte nachzuholen. Auch ist den Ar­beitgebern und Versicherten zu empfehlen, dte Quittungskarten in der nächsten Zeit bereit zu halten, damit sie auch in Abwesenheit des Ar­beitgebers ober Versicherten von Angehörigen oder Beauftragten dem Kontrollbeamten als­bald vorgelegt und somit öftere Störungen und Zeitverluste für beide Teile vermieden werden können.

A Ein Abend im R. g. b. S. Im national» ökonomisch-politischen Ausbilbungskursns. ben die Ortsgruppe Cassel bes Reichsverbanbes ge­gen die Sozialdemokratie in diesem Winterhalb­jahre wiederum veranstaltet, sprach dieser Tage Professor Hüpeden über dieGeschichte der Sozialdemokratie". Der Redner erläuterte in einleitenden Worten den allge­meinen Unterschied zwischen Sozialismus und Individualismus, um bann in großen Zügen einen geschichtlichen Ueberblick über die Ent­wicklung der sozialdemokratischen Partei in Deutschland zu geben, nachdem er den Unter­schied der bäuerlich-feudalen, der handwerks­mäßigen und kapitalistischen Wirtschaftsweise klar gelegt hatte. Eingehend wurden der Le- bcnsgang und der Einfluß Lasalles und Marr' gewürdigt, die mit ihren Agitationen und Leh­ren den eigentlichen Grundstein zur sozialdemo­kratischen Bewegung legten.

A Im Lehrlingshcim. Gestern nachmittag öffnete das gewerbliche Lehrlingsheim aber­mals seine Pfotten. Eine ansehnliche Schar junger Leute hatte sich gleich am ersten Tage cingcfunden, um bei den verschiedensten Unter­haltungen einen schönen Nachmittag zu Ver­leben. Das Sonntagsheim für Lehrlinge ist der gewerblichen Fortbildungsschule I ange­schlossen, ihm können Lehrlinge jeder Konfes­sion an gehören.. Durch mancherlei Neuanschaf­fungen ist der Jugend noch bedeutend mehr Unterhaltung geboten, als früher. Während ein Saal im Erdgeschoß in der Fottbildungs- sckmle an den Kolonaben vorwiegend für die Schuljugend bestimmt ist, sind im ersten Stock zwei Räume für Lehrlinge hergerichtet. Neben zahlreichen Spielen ist eine umfangreiche Bib­liothek vorhanden. Auch ein Klavier steht zur Verfügung. Außer diesen zwangslosen Zusam- menfünften sind sür diesen Winter auch noch sechs Unterhaltungsabende in Schiebler's Gatten vorgesehen. Diese Abende werden durch Vorträge, Theateraufführungen, musika­lische Darbietungen usw. ausgefüllt. So ist in umfangreichster Weise für bas Wohl der Ju- genb Sorge getragen.

A Die Eröffnung der diesjährigen Meister- kurfe. Die Eröffnung der diesjährigen Meister- kurse fand am Sonntag, vormittag 11 Uhr, in Anwesenheit des Vorsitzenden der Hand- werkskammmer, Zimmerineisters Zimmer­mann, und des Stadtrates R u e tz statt. Die Teilnehmerzahl beträgt 82. Die Leitung liegt, wie in den Vorjahren, in den Händen des Baugewerrschullehrers Diekmann. Erwähnt fei noch, daß die Staatsregierung einen Zu- fchuß zu biefcn Veranstaltungen der Hand­werkskammer geleistet hat.

A Beim Spiel verunglückt. Gestern vor­mittag Heiterte ein etwa dreizehnjähriger Kna­be auf ein zwei Meter hohes Gitter in der Querallee. Plötzlich verlor der Knabe das Gleichgewicht und stürzte ab, wobei er den lin­ken Arm brach. Ein vorübergehender Spazier- aänger nahm sich des Knaben an und sorgte für seine Uebersührung in die in der Kölnischen Straße belegene elterliche Wohnung.

A Das Repertoire derKaisersäle" Jobs lustige Bühne, die zurzeit den urkomischen SchwankNani" zur Ausführung bringt, wird ab Donnerstag die BurleskeEine nette Verwandtfchaft" in Szene gehen lassen. Im Parterresaal werden heute abend neue Kabarett-Kräfte einziehen,

A Cassel erhält ein neues Kino-Theater. Wie wir erfahren, wird vom 1. Juli nächsten Jahres ab int großen Stadtparksaal, der an eine Gesellschaft verpachtet wird, ein neues Kinematographen-Theater eröffnet werden. Der Stadtparkwirt wird inzwischen den kleinen Saal ausbauen lassen, damit er einen vollwertigen Ersatz bieten wird. Die Restauration bleibt in denselben Händen wie bisher.

A Aus ben Kinos. Man schreibt uns: Das Metropol - Theater (Kinematograph Un­tere Königsstraße 64, 1. Etage) bringt ab Dienstag bis einschließlich Freitag- außer einem neuen Großstabt-chrogramm ein hervor- ragenbes Sensations-Drama, betitelt: Kom­tesse unb Diener. Tie Spielbauer beträgt zirka eine Stunde. Dieses Stück wird Dienstag und Mittwoch von abends 7 Uhr unb Donnerstag unb Freitag von nachmittags 3 Uhr borge« führt. gerb. Beckers Lichtspiele bringen täglich die schon mit großer Span­nung erwartete zweite Sette von der großen Tragödin Asta Nilsen, betiteltIn dem

Dienstag, 17. Oktober 1911. >

Hessen-Nassau folgende Witterung voraus: Trocken, meist heiter, östliche Winde, nachts kalt, vielenotts Frost.

Letzte Telegramme.

(Nach Schluß der Redaktion eingegangen.)

Nach dem MetteruichProzeß. - (Eigene Drahtmeldung.) " ' o°o Hanau, 16. Oktober. \

Heute fand in Hanau die erste kriegsge­richtliche Vernehmung des aus dem Metternich- Prozeß bekannten Oberleutnants von F e t < t e r statt. Am Tage, als von Fetter nach dem Prozeß Metternich nach Mainz zurückkehtte, war auch schon von Frau Gertrud Wertheim ein Brief bei feinem Regimentskommandeur eingetroffen, in dem sie von Fetter des Meineids beschuldigte. Auf den Rat feines Rechtsbdistandes, des Rechtsanwalts Paul BredereS-Berlin, beantragte von Fetter nun ein Kriegsgerichtsverfahren gegen sich selbst, um festzustellen, ob er seine Eidespflicht verletzt habe. Das Verfahren wurde sofort eingeleitet. Von einer Verhän­gung der Untersuchungshaft gegen den Beschul­digten wurde abgesehen, da er das Verfahren selbst beantragt habe und Fluchtverdacht nicht vorliege. ;.r- .

-

Tragödien des Lebens.

Halle (Saale), 16. Oktober. (Privat- Telegramm.) Gestern abend versuchte die Kaufmannswitwe Förster, sich und ihre drei Kinder durch Einatmen von Leuchtgas zu t ö - t e n. Als man in die Wohnung drang, waren ein sechsjähriger Knabe und ein vierjähriges Mädchen schon tot. Frau Förster und ihr erst vorigen Monat geborenes Kind gaben noch Lebenszeichen von sich. Frau Förster hat die Tat aus Kummer über den Tod ihres Mannes begangen.

Wieder ein Straßenbahnunfall!

München, 16. Oktober. (Privat-Te- le gramm.) Heute mittag stießen auf dem Wettersteinplatz in Grünswald zwei Straßen­bahnwagen anscheinend infolge Versagens der Bremse, zusammen. Ein zweiundsechzigjährige, Schreiner wurde schwer und sechzehn ander« Personen durch Glasfplitter leicht verletzt. ,

Budapester Sensationen.

Budapest, 16. Oktober. (Privat » Te­legram m.) Der Oberleutnant Baron Metzger ist nach Verübung großer Wechsel­fälschungen, unter Mitnahme der Regiments­kasse, aus seiner Kaserne in Peterwardeiu flüchtig geworden. Metzger ist im Besitz wichtiger militärischer Dokumen­te und soll sich nach Serbien gewandt haben.

DieAbrundung" des Kamerunbesitzes. \

Paris, 16. Oktober. (Privat-Tele. gramm.) In hiesigen Kolonialkreisen wird heute die Version verbreitet, daß Deutsch­land das spanische Munigebiet und wahrscheinlich auch die diesem vorgelagerte In­sel Fernando Po zur Abrundung seines Kamerunbesitzstandes erhalten werde. Spanien solle zum Teil durch eine Geldsumme, andern- teils durch die Zustimmung Deutschlands zur Besetzung einiger Teile von Nordmarokkc entfchädigt werden.

Räuber im Postbureau. ~

Paris, 16. Oktober. (Privat-Tele- gramm.) In der Nacht zum Sonntag wur­den im Toulouser Zentralpostbureau zwei Postsäcke, von denen einer eine große Summe baren Geldes enthielt, und zwar in Gold und Banftwten, gestohlen. Der andere Postsack enthielt die mit dem letzten Zuge aus Paris gekommenen Geldsendungen. Der Ge- samtverlust soll sich aus rund hunderttausend Mark belaufen.

Tie Opfer der Erdbeben-Katastrophe.

Rom, .16. Oktober. (Privat-Tele- gramm.) Die Erdbebenkatastrophe, die gestern das Aetna-Gebiet heimgesucht hat, hat (wie bisher festgestellt wurde) über zwan - zig Todesopfer gefordett. Hundert Per­sonen sind schwer verletzt worden. Der Scha­den, der in den Ortschaften Mangano, Santa, Unerma und Machia angerichtet worden ist, ist verhältnismäßig gering. Einige Hütten sind vollständig vom Erdboden verschwunden. Tas Gerücht, daß in Giarre während des Hochamtes die Kirche eingestürzt sei, bestätigt sich nicht,

Verlorene Liebesmüh'?

Rom, 16. Oktober. (Privat - Tele­gramm. Tie Aussichten auf eine erfolgreiche Vermittlung der Mächte hat sich in den letzten Tagen (wie verlautet) verschlechtert, da weder die Italiener noch die Türkei von ihrem Standpunkt um Haarbreite abweichen werden, trotzdem die Gerüchte von einem bevorstehen­den Waffenstillstand nicht verstummen wollen.

Japan und die Chinesen-Revolution.

Tokio, 16. Oktober. (Privat - Tele­gramm.) Die ZeitungHochi Shimbun" for­dert die japanische Regierung zu einer a g r e f - siven Poletik gegenüber China auf und erklärt, man könne jetzt die Votteile nehmen, wie sie die Situation in China biete. Tie japa­nische Regierung entschloß sich, nach dem Jangtse zwei Kriegsschiffe zu entsenden, näm­lich penTntftito" und denMakigumo". Einer Meldung des Rewhork Herald aus Shanghai zufolge, sollen die dortigen Führer der revolu­tionären Bewegung erklärt haben, daß sie von den Anhängern der Aufstandsbewegung in San Franzisko, Singapore und Japan reiche Geldmittel zur Verfügung gestellt er­hielten. $

Tripolis und die Türken.

Konstantinopel, 16. Oktober. (Pri­vattelegramm.) Ter Ministerrat beschloß, die diplomatischen Verhandlungen ortzusetzen, um die Lösung der tripolitanischen Frage herbeizuführen, andererseits gegen die Italiener entschlossenen Wider st and zu lei­ten. Auf Grund dieser Politik wird die jung- türkische Komitee-Partei dem Kabinett ein Vertrauensvotum erteilen.

Sie fttHtlne Slummti umf nttl2 Seiten