Nr. 266. — 1. Jahrgang.
Casseler Neueste Nachrichten
Sonntag, 15. Oktober 1911
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sollen fünf Ünterricktsftrupven gebildet wer- Depeschen aus Konstantinopel zufolge ist die den. und zwar für Bauhandwerker, Holzarbei-1 Auswerfung des Besitzers der sranzostfchen L»ei-
Binci" statt. Der Stapellauf ging glatt von- statten. Die italienische Regierung hat Kohlen- licferungen für die italienische Marine für die Zeit vom November bis Mai ausgeschrieben.
altes kleines dunkelbraunes Damenportemonnaie, in dem sich ein Teil des Geldes befand, mögltcherwe-ise auch noch ein Opernglas mit Weitzer Perlmutterbekleidung geraubt worden. Außerdem sind um die Zeit des Mordes aus der Wohnung der Ermordeten folgende Stoffe verschwunden, die der Frau Müller am Abend vor dem Mord zwecks Anfertigung meines Damenkleides übergeben waren: 6'Z Meter blauer Cheviot, VA Meter Futterstoff, l’Ä Meter Serge. Die Stoffe waren in hellbraunes Packpapier eingeschlagen und das Paket hatte eine Länge von über einen Meter und eine Breite von dreißig bis vierzig Zentimeter. Bei Begehung der Tat ist ein Dachdeckerhammer oder ein ähnliches Werkzeug gebraucht worden. Für die Untersuchung ist die Feststellung von Wichtigkeit, ob eine der erwähnten Sachen in der Zeit nach der am 19. September vormittags begangenen Tat aufgetaucht, insbesondere zum Kauf angebo- ten, und ob in der Zeit vor der Tat ein Werkzeug der erwähnten Art irgendwo vermißt worden ist. Alle, die hierüber Auskunft geben können, werden dringend ersucht, sich unverzüglich im hiesigen Polizeigebäude, Zimmer Nr, 59. zu melden.
A Das Unglück auf der Rodelbahn. Gestern spielten mehrere Kinder auf der Rodelbahn auf der Leister'schen Wiese. Der elffährige Sohn des Arbeiters S. hatte hierbei das Unglück, sich einen großen Splitter in den Oberschenkel zu rennen. Der Junge mutzte sich in die Behandlung eines Arztes begeben, der die Ueberführung in das LandkrankenhauS anordnete.
Leipzig. 14. Oktober. (Privat - Tele- gra mm.) Am nächsten Donnerstag wird abermals ein Spionage - Prozeß das
__________ .... Spionage - Prozeß das Reichsaericht beschäftigen. Angeklaqt ist der Goldschläger Kroher aus Sulzbach in Bayern. Er ist des versuchten Verrats militärischer Geheimnisse dringend verdächtig.
A Zum Raubmord in Rothenditmold. Der Untersuchungsrichter in der Mordsache Cron bittet uns um Aufnahme folgender Zeilen: Nach dem jetzigen Ermittelungsergebnis ist außer den in der Bekanntmachung des Ersten Staatsanwalts vom 20. September aufgezählten Gegenständen: nämlich eine silberne Damenuhr in Hornkapsel mit dünner Doublekette, deren Schieber etwas zusammengedrückt ist, ein goldener Damenring mit Diamant, ein goldener Damenring mit Steinchen, «in Trauring mit „A. C. 26. 9. 09" gezeichnet, ein goldener Herrenkettenring, eine goldene Herrenuhrkette, ein Geldbetrag von hundert Mk., darunter ein Fünfzigmarkschein, ferner Siegelring mit rotem Stein, auf beiden Seiten des Steines dreimal durchbrochen,
keine Aprillaune mit jähem Wechsel aller Witterungsarten. Es fehlt aber auch die sengende Glut des Hochsommers, die das Wandern ost so ungemütlich macht. Die Erde ist noch genügend durchwärmt. Und ist der bunte Blumenschmuck auch sehr zusammengeschmolzen, so blüht's und leuchtet's doch dafür in allen Bäumen gelb, rot und grün auf; rotbäckige Früchte winken im herbstlichen Laube und am Spaliere hängt die edle Traube! Selbst dann aber, wenn das dürre Laub niederrauscht und der Nebel abends wie ein Tuch über dem Gelände hängt wenn statt des Amselrufs nur Krähen von einem kahlen Wipfel zum anderen fliegen, ist noch Poesie genug im großen Reiche der Natur vorhanden. Es gibt Menschen, die die herbstliche Stimmung über alles lieben, stille Menschen, die viel gelitten, denen der Sommer mit seiner bunten Fülle fast schmerzhaft ist und die erst lächeln können, wenn das Bild der Natur mit dem Bilde, das sie im Herzen tragen, übereinstimmt. Viele unserer Dichter (wie Lenau, Prinz v. Schönaich) haben dem Herbst ihre schönsten Lieder gewidmet, Lieder, aus denen zarte Melancholie, schmerzliches. Verzichten auf das Glück, Sehnen und Hoffen spricht. Eigentümliche Stimmungen tauchen im Herzen des Wandersmannes auf, wenn es Abend im Herbstland geworden ist und die Nebelbänke über den Wiesengründen lagern. Rot taucht des Mondes Horn hinter kahlem Geäst auf. Die Füße schreiten durch ganze Massen dürren Laubes. Fernes Hundegebell klingt von einem einsamen Gehöft, aus dessen Fenstrr der Schein der Lampe blinkt. Hui, wie schreckhaft springt eben der Wind vorüber! Wir schlagen den Mantel fester um uns und blicken hinauf zum dunklen Himmel, wo vertrauensvoll die ewigen Sterne niederblicken oder wo Wodans Schleiergestalten gespenster-
A Die Volksvorträge des Casseler Volks- bildungsvereins. Die Gesellschaft für Gemeinwohl, die auch in diesem Jahre die Geschäftsführung der Volksvorträge des Casseler Volksbildungsvereins übernommen hat, veröffentlicht soeben das Programm der Vorträge für den Winter 1911/12. Es ist fast noch reichhaltiger und interessanter als das im letzten Winter. Zahlreiche Persönlichkeiten haben sich wieder opferfreudig in den Dienst der guten Sache gestellt. Besonders anzuerkennen ist, daß die Gesellschaft für Gemeinwohl neben den Veranstaltungen der von Bodenhausenschen Schauspielschule auch musikalische und deklamatorische Darbietungen in ihr diesjähriges Programm aufgenommen hat.. So wird ein Mörike-Abend mit einem einleitenden Vortrag (Lehrer Hassenpflug). Gesang (Lehrer Schröder) und Rezitation (Kgl. Schauspieler Zschofte) stattfinden: die Kapelle des 83. Infanterieregiments wird unter der Leitung des Obermusikmeisters Grosse einen Liszt-Abend veranstalten, den Professor Hoebel mit einem Vortrag über den Komponisten einleiten wird. Lebhaftes Interesse dürften auch die Darbietungen des Unternenstädter Kirchenchors begegnen, die außer Gesangsvorträgen der Herren des Chors auch Klavier- und Vio- linvorträge bringen sollen. Sogar zwei Tächter unserer Stadt. K. Berndt und Kranz, werden einige Dichtungen in Casselaner und Schwälmer Mundart zum Vortrag bringen. Von den übrigen Vorträgen seien genannt: SanitätSrat Dr. von Wild, die Wohnungs- ftage und Gartenstadtbewequng, Lehrer Schulz, Tisihgemeinschaften im Pflanzenreich. Dr.med. Blumcnfeld, die Seele des Kindes, Lebrcr Bätz, Leben und Treiben in Cassel zur Zeit unserer Großväter, Professor Knackfuß. Adolf oon Menzel, Lehrer Schütz, meine Reise über Venedig. Korfu. Piräus usw., Galeriedirektor Dr. Gronau, Florentiner Kunst im Anfang des sechzehnten Jahrhunderts, E. Stephani, ein Ausflug in den Weltcnraum, Oberlehrer Dr. Schläger, Goetbes Mutt-r. Prosessor
Letzte Telegramme.
(Rach Schluß der Redaktion eingegangen.)
Der Tripolis Krieg.
(Eigene Drahtmeldung.)
<? Rom, 14. Oktober.
Ter Neapeler Korrespondent des „Giornale d'Jtalia" berichtet, daß zwei italienische Torpedojäger in Erfahrung gebracht hätten, daß zwei türkische Kriegsschiffe unter englischer Flagge in der Nähe Maltas kreuzten. Wie sich indessen später herausstellte, handelte cs sich nicht um türkische, sondern um englische Schiffe, die Schicßversuche vornahmen. In Gegenwart des IlntcrftaatSsxkre- tärs der Marine Bergamasco als Vertreter des Marineministers, der Behörden und einer großen Menschenmenge fand heute vormittag in G e n u a der Stapellaus des dritten italienischen Dreadnoughts, „Leonardo da
Daniel und Blum. Der Unterricht dauert etwa bis Ende Februar. Anmeldungen zu den diesjährigen Meisterkursen werden noch bis Montag entgegengenommen.
A Die Ausgabe von Sonntagsfahrkarten. Die Grundzüge für die Einführung von Sonntagsfahrkarten sind vom Minister der öffentlichen Arbetten erneut den Königlichen Eisen- bahndirekffonen zugegangen. Hiernach sind auch in Zukunft Sonntagsfahrkarten nur auf- zulcgen, wo der Bevölkerung Gelegenheit zur Ausspannung und Erholung in gesunder freier Lust geboten ist. Wo diese Voraussetzung vorliegt, entspricht die Einrichtung dem öffentlichen Interesse und ist zu fördern. Hiermit teht es in Einklang, daß Sonntagskarten nach Orten, die ohne lange und ermüdende Eisenbahnfahrt nicht zu erreichen sind, nicht aufgelegt werden. Im allgenreinen wird davon auszugehen sein, daß der Ausflugsort von der Abgangsstation nicht weiter als fünfund- rcbzig Kilometer, in Gegenden reizloser Umgebung höchstens aber nicht über hundert Kilometer entfernt ist, wobei nötigenfalls daraus zu achten ist, welche Augverbindungen besehen. 'Der Umfang, in dem von der Sonntagsfahrkarte Gebrauch gemacht wird, ist fortlaufend festzustellen. Sonntagskarten, von denen nur selten oder gar nicht Gebrauch gemacht wird und auch ein reger Gebrauch nicht zu erwarten ist, werden eingezogen. Die Ein- ührung neuer Sonntagskarten unterliegt der Genehmigung des Ministers.
A Deutscher Jugendbund. Die siebzehnte National - Konferenz des Deutschen Verban- )es vom Jugendbund für entschiedenes Chri- tentmn nähert sich ihrem Ende. In der gestrigen Versammlung zeigte Pfarrer R o o s - Breitenbach in eindringlichen umfassenden Worten ein Leben des Gebets und worin Gebctsenergie besteht. Ein Lichtbildervortrag führte die Jugend auf die fünfundzwanzigste internationale Konferenz des Jugendbundes und zeigte, daß die Jugend in allen Ländern noch sehr zu haben ist für den Verkehr mit dem größten Jugendfreund. Abends hörte man von dem Geheimnis des Erfolges auf dem Gebiet der Heidenmission in neuester Zeit, insbesondere auf den deutschen Karolineninseln der Südsee.
A Kleine Tageschronik. Der Firma I. und H. L i e b e r g wurde für den auf der Internationalen Industrie- und Gewerbe-Ausstellung Turin 1911 ausgestellten Fabrikaten die höchste Auszeichnung, der „Grand Prix" zuxrkannt. — Die Oeffnung der Räume des - Frauenklubs erfolgt Sonntag vormittag elf Uhr im Hause Opernstraße 9. — Die Schneiderin Elise Mohr, Mittelgasse, kann morgen auf ein fünfundzDzanzigjähriges Geschäftsjubiläum zurückblicken.
A Aus unfern Hoftheater. Am Montag findet die erste Wiederholung des Lustspieles „Wienerinnen" von Hermann Bahn statt. Am Dienstag wird die Oper „Fidelio" von Beelhoven gegeben, als Leonore gastiert Fräulein Jäger vom Stadttheater in Essen.
A Tas Promenadekonzert auf dem Frie- drichsplatz. Morgen mittag um zwölf Ubr konzertiert die Kapelle des Artillerie-Regiment Nr. 11 auf dem Friedrichsplatz. Folgende Stücke kommen zum Vortrag: 1. Prinzregent Luitpold, Marsch von Seidl. 2. Ouvertüre zu „Die verzauberte Prinzessin" von Langlois. 3. Divertissement aus dem Musikdrama „Das Rbeingold" von Wagner. 4. Adagio conto« bile aus der „Sonate Paihötique" von Beethoven. 5. Freut euch des Lebens. Walzer, von Strauß.
A DaS Drogramm des Sonntags. Kai- sersäle: Cabaret abends 8 Uhr. Varietee nachmfttaas 4 Ubr und abends 8 Uhr; Varietee W ilh elm s h a lle: nachmistags 4 Uhr und abends 8 Uhr: Hanusch-Säle; abends 8 Uhr Mlftärkonzert; Stadtpark: (heute, Sonnabend, abends 9 Uhr Herbstball) Sonntag: Militärkonzert; Restaurant „Zum Fürstenberg": abends 1TA Uhr Künstler-Konzert; K o ch's Restaurant- Wolfsanger: (Sonntag und Montag) Kirmes; Rollschuh bahn: Kaffee-Konzert; Belvedere-Restaurant: Kaffee- Konzert; Restaurant Karlsaue: Kaffee-Konzert; Reform-Kino: neues Programm (u. a. „Die Rache der Indianerin"); Christlicher Verein junger Männer: Rezftaffonsabend Gartenhaus Cölnische Straße 46.
A Tas Wetter am Sonntag. Der amtliche Wetterbericht sagt für Sonntag für Hessen- Nassau folgende Witterung voraus: Vielfach wolkig, zeitweise auch nebelig, trübe, milde, ohne erhebliche Negenfälle.
Sandrock, das griechffche Drama, Lehrer Günther, Marokko, Dftektor Hofsmann, der Weltverkehr und seine Mittel einst und jetzt, Pro- rssor Dr. Bock, Rembrandt, Oberlehrer Dr. Gaebel, Engländer, Franzosen, Deutsche, eine völkerpsychologische Studie. Es steht zu erwarten, daß die Vorttäge, die, von kenntnisreichen Persönlichkeiten gehalten, im Bildungswesen unserer Stadt nunmehr eine bedeutende Rolle spielen, sich des gleichen lebhaften Be- üches erfreuen werden, wie im letzten Winter. Es erscheint ratsam, sich die Dauerkarten, die im Büro der Gesellschaft für Gemeinwohl (9 bis 1, 3 bis 6 Uhr) in der Volksbibliothek (Wolfhagerstraße 1) und bei Baumann L Co., Papierhandlung (Königsstr. 63) zu haben sind, obald wie möglich zu beschaffen. Sie kosten wiederum nur 50 Pfennig für sämtliche Darbietungen mH Ausnahme der von Bodenhau- enschen Vortrags- und Theaterabende, deren Eintrittspreis 30 Pfennig bettägt.
Ä Die Führung des Kurhessischen Stut- buches. Bei der Anmeldung der Pferde zur Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Cassel ist die Beobachtung gemacht, daß die Abstammungsnachweise der im Kurhes- sischen Stutbuche einaettagenen Pferde vielfach zu wünschen übrig lassen. Um in Zukunft derartige Fehler, die die Beschickung einer Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft erschweren, zu vermeiden, und überhaupt eine geregeltere ZuchtbuchOhrung zu erreichen, hat die Landwirtschaftskammer beschlossen, den Mitgliedern des Kurhesstschen Stutbuches die Anschaffung von sogenannten Stallbüchern zur Pflicht zu yrachen. Der Führer des Kurhesstschen Stutbuches, Gestütrendant G a e d k e in Dillenburg, ist angewiesen, die Beschaffung der Stallbücher zu veranlassen, diese, soweit möglich, selbst auszufüllen und ste den einzelnen Mitgliedern des Stutbuches zuzusenden.
A Ein nächtlicher Antounsall. Wie stch jetzt herausgestellt hat, ist der bereits gestern gemeldete Automobilunfall zwischen Cassel und Wilhelmsthal doch folgenschwerer gewesen, als man anfangs annahm. Das Unglück erfolgte dadurch, daß der Chauffeur kurz vor Wilhelmsthal die Kurve zu scharf nahm. Das Gefährt schlug um und wurde zum Teil beschädigt. Einige der Insassen wurden leicht verletzt. Der Chauffeur erlitt einen Rippenbruch und mußte ins Krankenhaus transportiert werden.
A Cassels gewerbliches Lehrlingsheim. Das Casseler gewerbliche Lehrlingsheim eröffnet am Sonntag seinen neuen Winter-Kursus. Alle Lehrlinge Cassels stnd dazu eingeladen. Das Heim bietet außer einem Lesesaal zwei Zimmer für Musik und Spiel. Außerdem werden auch aus der reichhaltigen Bibliothek an jedem Sontag Bücher an die Lehrlinge zum Mitnehmen ausgeliehen. Der Eingang zum Heim ist „Hinter den Kolonnaden".
A Des Lebens müde. Der frühere Wirt Th. Koch von hier hat sich gestern in einem hiesigen Hotel, wo er für einige Zeit wohnte, erhängt. Was den Mann in den Tod getrieben bat, ist nicht bekannt.
A Eine kurze Schwurgerichtsperiode. Gestern ist die am Montag begonnene Schwurgerichtsperiode beendet worden, ste hat somit nur fünf Tage gedauert. Während dieser Zeit hat das Gericht über sechs Angeklagte zu urteilen gehabt. Zwei wurden sreigefprochen. die vier anderen erhielten insgesamt neun Jahre und
ter. Lebensmittelgewerbe, Bekleidungsgewerbe und schließlich eine Sammelgruppe für verschiedene Gewerbe. Als Unterrichtslokal ist ein Saal in der städtischen Kaserne bestimmt. Die Kurse nehmen bereits Sonntag vormittag elf Uhr ihren Anfang. Als Lehrkräfte wirken Syndikus Thanheiscr, Baugewerksschullehrer Dieckmann und die Fortbildungsschullehrer
Der Fanatiker Dcsantis.
Rom, 14. Oktober. (Privat-Tele- gramm.) Der Fanatiker D e f a n t i 8, der alles mögliche versucht hatte, sich dem P a p st e zu nähern und schließlich das Attentat in der Peterskirche auf einen zelebrierenden Priester verübte, statt dessen aber einen Polizeibeamten schwer verwundete- wurde heute zu zwei Jahren Kerker verurteilt.» In der Verhandlung stellte sich heraus, daß der Attentäter wegen Ermordung seiner Vflegeeltern bereits zwanzig Jahre Zuchthaus verbüßt hat. Für diese Strafe machte er einen Priester verantwortlich. begann die Religion zu baffen und wollte sie in einem Anschlag auf ihr Oberhaupt treffen.
Ein neues Kohlen-Land?
London, 14. Oktober. (Privat - Telegramm.) Ungeheure Felder der besten Koble sind in Britisch - K o lumb ia, 150 Meilen nördlich von Kazleion, entdeckt worden. Wie die Londoner Morgenblätter melden, handelt es sich um Kohlenlager von unermeßlichem Reichtum, deren Abbaumöglichkeit außerordentlich günstig ist.
Sinsahrscheine für Getreide.
Die Handelskammer Cassel hat (wie sie uns mitteM) eine Aenderung des Paragraphen elf des Zolltarifgesetzes von 1902 in dem Sinn beantragt, daß die für ausgeführten Roggen erteilten Einfuhrfcheine nur für die Einfuhr von Roggen und die für Weizen ausgestellten nur für die Einfuhr von Weizen Gültigkeit haben sollen, während die für andere Getreidearten erteilten Einfuhrscheine nur für die Einfuhr von Brotgetreide verwendet werden dürfen. Zur Begründung hat die Casseler Handelskammer folgendes ausgeführt: Es müsse Vorsorge getroffen werden, daß das deutsche Getreide im Jnlande blieb«, damit die Teuerung für di« minderbemittelten Volksklassen, namentlich für die Arbeiterschaft, nicht unerschwinglich werde. Besonders verlange auch die im Interesse einer ausreichenden Fleischnahrung unbedingt gebotene Vorsorge' für möglichste Erhaltung der deuffchen Viehbestände, daß dem deutschen Hafer und auch dem inländischen Roggen nicht vor Abfluß ins Ausland durch eine 9trt Ausfuhrprämie weiter erleichtert werde, was dann zur Folge haben würde, daß das mit deutschem Futtergetreide ernährte ausländische Vieh teilweise zu hohen und noch durch die Zölle erhöhten Preisen wieder bei uns eingeführt werden müßte.
Weiter weist die Kammer auf die großen Schwierigkeiten hin, die der hessischen Müllerei ans dem jetzigen Einfuhrscheinsystem erwachsen. Die hessischen Mühlen verarbeiteten früher fast ausschließlich das von der hessischen Landwitt- schaft erzeugte Getreide, ausländische Ware aber nur für den Fall, daß heimische Frucht nicht in der erforderlichen Menge und Güte zur Verfügung stand. Seit einigen Jahren hat aber auch aus dem Casseler Bezirk und feiner Umgebung das Getreide, namentlich der be- fonders wichtige Weizen, mit Hilf« der Zollvergütung nach dem Auslande, besonders nach Frankreich und der Schweiz, abzufließen begonnen und zwar handelt es sich dabei gerade um gute fchwere Qualitäten, die so der Verarbeitung durch die hessische Müllerei entgehen. Um diese Verschiebungen, die kaum einen Zusammenhang mit den natürlichen Bedingungen mehr erkennen lassen, zu verhüten, hält die Casseler Handelskammer die Aenderung der infrage kommenden gesetzlichen Vorschriften in der angedeuteten Weffe für geboten.
Im Zeichen der Teuerung.
Dresden. 14. Oktober. (Privat • Telegramm.) Angesichts der Verteuerung sämtlicher Lebensmittel, der Wohnungsmieten und sonstiger Bedarfsartikel bat die fächsifche Staats - Eisenbahn - Verwaltung ihren Arbeitern eine allaemeine Lohnerhöhung von zwanzig Pfennigen für den Tag bewilligt, die bereits mit Wirkung vom ersten Oktober diefes Jahres in Kraft tritt. Auch die Bezüge der Eisenbahn gchil- fen haben vom gleichen Zeitpunkt an eine Erhöhung um zehn bezw. fünf Mark pro Monat erfahren.
Dreizehn Jahre Zuchthaus für ein Intermezzo.
Elberfeld. 14. Oktober. (Privat-Te- legramm.) Das Schwurgericht verurteilte gestern abend den Kommis Heintz en, der am elften September in Barmen den Volizei- sergeanten Dahl und einen Kellner tödlich und einen Schlosser durch Revolverschüsse erheblich verletzt hatte, wegen Mordversuchs in einem Fall und wegen, vollendeter vorsätzlicher Tötung in zwei Fällen zu einer Gesamtstrafe von dreizehn Jahren Zuchthaus.
Traub und feine Richter.
Münster, 14. Oktober. (Privattelegramm.) Pkarrer Traub bat beim Ober- kirchenrat den Antrag gestellt, feine Disziplinar- farhe vor einem andern Konsistorium als in Münster zu verbandeln. Das Kirchengefetz sieht nämlich die Möglichkeit vor, ein Disziplinargericht wegen Befangenheit abzulehnen. Eine Enffcheidung auf den Antrag Traubs steht noch aus.
Wieder eine Flieger-Katastrophe!
Reims, 14. Oktober. (Privat-Tele- arantm.) Der Flieger Horta stürzte heute früh bei einem Flugverfuch fo unglücklich ab, daß er fchwere innere Verletzungen erlitt und in boffnungslofem Zustande ins Krankenhaus aefchafft werden mußte. Horta hatte den Anfftieg im Rebel unternommen und die Orientierung verloren.
fünf Monate Zuchthaus. Sämtliche Angeklagte traten die verhängten Strafen fofort an. An Gefängnis wurde in keinem Falle erkannt. Die nächste Schwurgerichtsperiode (die bierte und letzte in diesem Jahre) beginnt am 4.Dezember.
A Meisterkurse für Handwerker. Zu dem von der Handwerkskammer im Winterhalbjahr für Kurbeffen und Waldeck veranstalteten Meisterkurse für Handwerker sind bisher einundachtzig Anmeldungen cingelausen. Es
tung „La Turguie" deshalb verfügt worden, weil fein Blatt gemeldet hatte, vor Beirut sei ein italienisches Geschwader gesichtet worden.
Die Wnesen-Revolution.
(Eigene Drahtmeldung.)
rr London, 14. Oktober.
Die über die revolutionäre Bewegung ick China hier vorliegenden Nachrichten sind au-, ftrordentlich spärlich. Der Spezial-Korrespondent des „Newyvrk-Herald", der allgemein als der bestimterrichtete gilt, kann nichts wesentliches mitteilen. Er telegraphierte heute früh, daß in Peking das unbestätigte Gerücht verbreitet fei, daß die Eifenbahnbrücke über den Jantfe-Flntz von Rebellen zerstört worden fei. Weitern Depefchen zufolge, ist es den Rebellen gelungen, sich in den Besitz der Stadt Tschungking zu setzen. Man glaubt, daß die gesamte Provinz Szetfchuan sich g ä n z l i ch in den Händen der Rebellen be- indet.
Am Vorabend eines neuen Streiks?
Berlin. 14. Oktober. (Privat-Tele- g r a nt m.) Von den Arbeitern der Borsig- werke sind für heute abend mehrere große Versammlungen anberaumt in denen ein Bericht über den bisherigen Verlauf des Farme r st r e i k s erstattet werden fall. Es besteht die Möglichkeit, daß in den Abteilungen, die mit den Gießereibetrieben eng verwandt sind, Arbeiterentlafsungen notwendig werden. Tiefe Möglichkeit bezieht sich namentlich auf die Modelltischler. Es steht jedoch noch nicht fest, ob fchon heute Entlassungen wegen Mangels an Beschäftigung erfolgen werden.
Anarchistenverhaftungen in Berlin.
Berlin, 14. Oktober. (Privat-Te- legramm.) Heute früh ist hier die Verhaftung einer Anzahl bekannter Anarchisten erfolgt. Sie werden beschuldigt, die Flucht eines Deferteurs begünstigt zu haben. Heute mittag haben bereits umfangreiche Vernehmungen in der Angelegenheit stattge- funden.
Der Adjutant des Kanzlers.
Berlin. 14. Oktober. (Privattelegram m.) Wie das Militärwochenblatt meldet, wurde der bisherige Adjutant des Reichskanzlers, Graf Hohenthal. Oberleutnant im ersten Garde-Grenadier-Regiment, von seiner Stelluna beim Kanzler enthoben. Sein Nachfolger ist Oberleutnant von Sell vom fiaifer Franz-Grenadier-Regiment.
Schon wieder ein Spionage - Prozeß!