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N»«mer 265. __

CassklerRMsteW

Weier AbmdzeUuns MH' Hessische Abendzeitung

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Fernsprecher 951 und 952. Sonnabend, den 14. Oktober 1911.

Fernsprecher 951 und 952.

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Wort gehalten.

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Festsiellungsverfahren selbständig nach Abschluß des Disziplinarverfahrens durchge- sührt.

kaum empfehlen eine ähnliche Einrichtung auch bei uns ins Leben zu rufen. Eher wäre fchon der Gedanke diskutabel, ein ständiges so­ziales Schiedsgericht zu schaffen, dem, als zuständigerVermittlungs-Jnstanz, alle so­zialen Differenzen zu unterbreiten wären. Jn- deffen ist's bis dahin noch ein weiter Weg, und wir stehen erst im Beginn der Entwick­lung.

DerRat der Zwölf" kann für England in des Wortes bester Bedeutung zum sozialen Friedens-Parlament werden. Hie letzten Streikkämpfe auf britischer Erde haben bewie- en, wie sehr das gesamte wirtschaftliche Le­ien von der gedeihlichen Zusammenarbeit zwi- chen Kapital und Arbeit abhängig ist, wie jede Störung der sozialen Harmonie der National­wirtschaft tiefe Wunden schlägt und wie zwin­gend deshalb das Bedürfnis ist, für die Er­haltung des sozialen Friedens unter Wahmng aller berechtigten Interessen stärkere Ga­rantien zu schaffen. Die eigentliche Bedeu­tung des Jndustrierats liegt zweifellos in fei­ner moralischen Einwirkung auf alle diejenigen Kreise und Klaffen, die seiner Kom­petenz unterstehen, und die in ihm das berufne Forum erblicken, das unter gerechter Rücksicht­nahme auf alle berechtigten Interessen seinen Spruch fällt und in objektiver Würdigung der Verhältnisse dem Frieden zu dienen sucht. In England pflegen Arbeitskämpfe mit nicht gerin­gerer Erbitterilng ausgesochten zu werden, als bei uns; aber es fehlt dort doch die soziale Leidenschaft, die im deutschen Arbeits­kampf so oft zu unliebsamen Konsequenzen führt: In England ist der Arbeitskampf in der Hauptsache eine wirtschaftliche Kraft­probe zwischen organisiertem Kapital und organisierter Arbeit: bei uns gestattet er sich meist zum verzweifelten Ringen Mann ge­gen Mann, und. die Organisation der Ar­beiter wird mit schwerstem Geschütz bekämpft, trotzdem sie imgrunde doch nur das Produkt wirtschaftlicher Notwehr ist. Wenn also gesagt wird, daß unsre soziale Kultur noch nicht so weit gereift sei, um einenRat der Zwölf" nach englischem Muster ertragen zu können, so mag das nicht unberechtigt sein. Sollte unS aber (als Zeugnis sozialen Kulturmangels) an- spornen, auf der von Andern schon durckmeff- nen Bahn umso rüstiger dem idealen Ziel zu- zustteben! F. H.

bracht: Es ist in der Hauptsache Deko­ration geblieben und entbehrt jedenfalls vollkommen des tatsächlichen Einflusses. Das mag zum Teil an der Eigenart unsres Regie­rungs-Systems liegen, das (im Gegensatz zu England) die Verwaltung dem direkten Ein­fluß des Parlaments entzieht und die Minister zu Beamten des Königs macht, die vom Trä­ger der Krone nach freiem Ermessen ernannt und verabschiedet werden. Bei uns würde auch ein Jndustrierat in der Form des jetzt in Eng­land geschaffnen der praktischen Bedeutung er­mangeln, und es dürfte sich nach den wenig ermunternden Erfahrungen mit den zurzeit be. stehenden Lusschüffen und Beträte« sicherlich

Paragraph neunzehn des Frrlehrskrsfetzes auf den sich das Verfahren stützt, bat folgenden Wortlaut: Sofern ein Geistlicher das Bekennt­nis oder die Ordnungen der Kirche herab- würdigt, bleiben die Vorschriften über die Dienstvergehen der Kirchenbeamten an« wendbar. Falls ein solches Verfahren in der Lehre zugleich eine mit der weiteren Wirksam­keit des Geistlichen innerhalb der Landeskirche unvereinbare Stellung zum B e- k e n n t n i s s e der Kirch« bekundet, so unter­bleibt daS FeststellungSversahren, wenn im DiSziplinarwcge Dienstentlassung ver- bängt wird. In allen anderen Fällen wird daS

Es gewinnt demnach den Anschein, daß man es zunächst mit der Dienstentlassung im Diszivlinarweg versuchen wird; auf diese Art käme man um einen Lehrpro­zeß herum. Leicht wird das allerdings nicht sein, denn wer nicht sehr voreingenommen ist, kann in der Kritik, die Traub geübt hat, nicht schon eine Herabwürdigung finden, aber vielleicht fehlt es doch nicht an der nöti­genInterpretation". Man hat den Eindruck, daß sich die Kirchenbehörde zwar scheut, jetzt schon wieder das Spruchkollegium in Tätigkeit zu fetzen, aber einen andern Weg sucht, um Traub zur Rechenschaft zu ziehen.

Ile Türken vor der Wihilation?

Unterhandlungen wegen Ergebung der Türken.

Ein Privattelegramm berichtet uns aus Rom: Nachrichten aus Tripolis besagen, dass der Befehlshaber der türkischen Flotte Un­terhandlungen angeknüpft habe, zwecks Er­gebung sämtlichertürkischen Trup­pen an die Italiener. Eine Bestätigung der Nachricht liegt allerdings noch nicht vor und ein Telegramm aus Konstantinopel meldet sogar, dasi die Türken entschloffen seien, den Kampf gegen die Italiener bis zum letzten Blutstropfen fortzufetzen. Im Distrikt Adrianopel wurden in den beiden letzten Tagen fünfzehntausend Mann neu ausge­hoben. *

Schwere MuHse bei Derne.

(Telegraphische Meldungen.)

Die gestern in Konstantinopel verbreiteten Gerückte über die schwere Niederlage eines Teiles des italienischen Geschw a- drfts an der Ostküste' von Tripolis werden durch neuere Meldungen aus Drrna unter­strichen. Danach sollen mehrere ftalienische Kriegsschiffe, die Mannfckaften landen wollten, durch das Feuer der Türken an der Ausführung dieser Absicht verhindert und schwerbeschä­digt worden sein. Nach anderer LeSart sollen sie gesunken sein. Nach einer Meldung aus Malta wurde Derna wegen des Widerstandes gegen einen italienischen Landungsversuch be­schossen Die Befestigungswerke wurden zer­stört, so daß der Fall der Stadt unmittelbar bevorsteht. Die Meldung spricht von vielen Toten und Verwundeten. Den neuesten De­peschen gufolgf soll die Stadt Derna von den Italienern besetzt sein. Einem Telegramm zufolge, daS daS Giornale d'Jtalia aus Syra­kus erhalten bat. ist dort durch ein englischer Kriegsschiff bestätigt worden, daß gestern nach- mittag Derna von den Italienern obne grö- fieren Widerstand genommen wurde. Um Tobruk werde aufs neue gekämpft.

zufolge ist in Mailand eine Gesellschaft mit ünfhundert Millionen Lire Ka­pital in der Bildung begriffen, um der itali- enischen Regierung das Geld für eine etwaige Entschädigung an die Türkei wegen T r i p o - l i s vorzuschießen. An der Spitze der Gesell- chast soll eine große Mailänder Bank tehen. Depeschen aus Konstantinopel zufolge besuchte der deutsche Botschafter Freiherr Marschall vonBiberstein gestern den frü­heren Groß-Wesir Hakki Pascha, der eine um« ängreiche Rechtfertigungsschrift vorbereitet hat und ein Disziplinarverfahren gegen sich felüst beantragen wird, wenn ihm leine Gelegenheit gegeben wird, seinen Bericht über die Tripolis-Affäre der Kammer vorzu­legen. Ein Telegramm, das in der vergange­nen Nacht im Ministernum des Innern, ein- gettoffen ist, meldet, daß montenegrtnr- che Soldaten versucht haben, die türkische Grenze zu überschretten. Die türkische Grenz­wache feuerte. Im Verlaufe des sich entspin- nenden Kampfes verloren die Türken zwei Tote und drei Verwundete, die Montene­griner zwölf Tote und einige Verwun­dete.

Sin Komplott gegen die vuroPSer?

(Eigene Drahtmeldung.)

Depeschen aus Rom zufolge hat dasGior­nale d'Jtatta" Nachrichten aus Tripolis erhal­ten, daß man dort Dokumente gefunden hat, die beweisen, daß das Komitee für Einheit und Fortschritt die Araber aufgefordert hat, die Europäer zu ermorden. Die Ermordung der Europäer sollte fünf Tage nach dem Bombardement stattfinden, eine Nacht vor der Landung deS italienischen Expeditions- korps.

Rur durch einen Zufall wurden die Ara­ber abgehalten, dieses Gemetzel auS- zuführen. In der Nacht vor der Landung der italienischen Truppe« legte ein mit ita­lienischen Matrosen besetztes Boot an der Küste an, wo eS von den Arabern bemerk wurde. Diese, in der Meinung, die Lan­dung des Expeditionskorps habe bereits begonnen, hatten nun keinen Mut mehr, ihr Werk zu beginnen. Die Mit­glieder des jungtürkischen Komitees wur­den nun alle ausgewiefen, ebenso ein Deutscher namens von Lochow, ein früherer Offizier.

Der ausgewiesene frühere deutsche Offizier von Lockow hatte (wie von italienischer Seite gemeldet wird) vor einigen Wochen dem italienischen Konsul Galli, als dieser aus Tri­polis geflohen war. nachgerufen:Seht da die tapferen Jünger Italiens!" Galli hatte ihm darauf zugerusen, in acht Tagen werde er Wiederkommen und ibn dann aus Tripolis ausweisen lassen. Der Italiener hat nun

Rach Fatho: Traub!

Dienstentlaffung im DiSzlplinarweg geplant!

(Telegraphische Meldungen.)'

Ein Privat.Telegramm meldet unS au3 Dortmund: Am Sonntag fin­den in Münster die ersten Vernehmungen in dem vom Konsistorium gegen den Pfarrer Lizenziaten Traub eingeleiteten Disziplinarverfahren statt. DaS Verfahren gegen Traub stützt sich auf daS Jrrlehrengesetz und bezweckt TraubS Dienstentlassung im DiSziplinar­wcge.

Wie weiter berichtet wird, hat die kirch­liche Behörde für das Verfahren gegen Traub ein sehr umfangreiches Material zu­sammengestellt. In dem Schriftsatz, der dem Verfahren zugrunde gelegt wird, heißt es, Traub erscheine hinreichend belastet, teils in der Zeitschrift Christlichen Freiheit", und zwar in einer Reibe von*Nummern. teils in Vor­trägen und schließlich in seiner SchriftStaats- kirchentum oder Volkskircke" die Westfälische Provinzialsynode aus Anlaß ihrer Beschluß­fassung über das Pfarrbesetzungsgesetz. das Spruchkollegium aus Anlaß des Fal­les Iatho, die Kirche und ihr Bekenntnis, ihre Behörden und Ordnungen und den Pfarrer­stand öffentlich beleidigt und herab- gewürd-igt und sich damit der Acktuna des Ansehens und des Vertrauens, die sein Beruf erfordert, unwürdig erzeigt zu haben. Fs werde deshalb auf Grund des Kirchenge- setzes über die Dienstvergehen der Kirchenbe­amten in Verbindung mit dem Barographen neunzehn die Eröffnung des sörmlicken Dis­ziplinarverfahrens beantragt."

Re Rache des BeMmWen.

DaS Verbrechen eines falsche« Dragoners.

(Von unferm Korrespondenten.)

§ Frankfurt a. M., 13. Oktober.

In der Frankfurter Vorstadt Bornheim hat sich gestern früh iwie wir schon telegraphisch berichtet haben) eine furchtbare Bluttat ereig­net. In den frühen Morgenstunden drang der Arbeiter Adolf Kliemeck in der Lni- form der Darmstädter Dragoner In die Wohnung der Witwe Luvfeld ein. verletzte

Set Rat der zwölf.

Englands soziales Friedens-Parlament.

Fünf ungelenke Zeilen, vom offiziösen Draht der heimischen Presse vermittelt, gaben gestern Kunde von einer Tat englischer Sozialpolitik, die in dieser Form nur in einem Lande möglich ist, deffen soziale Struktur als Produkt ausgereister Entwick­lung angesprochen werden darf: Die englische Regierung hat (so las man) aus Repräsentan­ten der Arbeitnehmer und Arbeitgeber einen Jndustrierat gebildet, dem je sechs Ver­treter des Unternehmertums und der Arbeiter­schaft der Haüptindustrien angehören. Dieser Jndustrierat" ist als eine Art Schiedsge­richt gedacht, das bei den mancherlei wirt­schaftlichen, sozialen und politischen Difseren- zen zwischen Unternehmern und Arbeitern als vermittelnder Fattor eingreifen und auf diese Weise den Ausbruch offner Konflikte tunlichst verhüten soll. Es handelt sich also (um es kurz zu sagen) um «ine ständige Versöh­nungsstelle, die infolge ihrer streng-pari- tätischen Zusammensetzung des Vertrauens bei­der Parteien sicher ist, und von der man auch erwarten darf, daß sie in der Lage sein wird, die Interessen der Arbeiterschaft sowohl wie die des Unternehmertums unbefangen und auf­grund eigner Kenntnis der Verhältnisse wahr­zunehmen. Das Bedeutsamste an der Schaf­fung dieses sozialen Schiedsgerichts ist indessen die Tatsache, daß nicht etwa die eine oder andre soziale Interessengruppe sich nm das Zu­standekommen des Industrierats bemüht hat, sondern daß die Regierung selbst es gewesen ist, die ans der Erkenntnis sozialer Gerechtigkeit heraus bestrebt war. die bestehen­den Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit durch eine neutrale Friedensvermittlung zu überbrücken.

Der Wert dieses von der Regierung berus- tten Friedens-Parlaments läßt sich erst dann ermessen, wenn man in Betracht zieht, daß bei­spielsweise in Deutschland (das hinsichtlich der sozialen Entwicklung nach England die erste Stolle unter den Kulturnationen beansprucht) in achtzig von hundert Fällen die Arbeiter-Or­ganisation bei Lohnkämpfen nicht einmal als Repräsentantin der Arbeiter-Jntereflen anerkannt wird. Es wäre hierznland auch un­denkbar, daß die Regierung sich auS eignem Anttteb in eine Friedensvermitlung einlaffen würde, die nach dem Muster deS englischen In- dustrierats beiden Parteien die Möglichkeit gleicher Kraftentfaltung zuwiese. Unser ReichSamt deS Innern und daS Gewerbe-Mi­nisterium in Preußen haben zwar einige Male in soziale Riesenkämpse vermittelnd eingegrif- fcn, aber es geschah das stets in einer Form, die deutlich merken ließ, wie unsympathisch den Amtsmännern imgrunde die Aufgabe war, als Friedensengel zwischen zwei erbitterten Gegnern zu stehen. Irgend ein praktischer Er­folg ist denn auch nicht zu buchen gewesen und Arbeiter sowohl wie Unternehmer haben es später vorgezogen, bei Vermittlungs-Versuchen kommunale oder sozialgerichtliche Instanzen in Anspruch zu nehmen. Sicher haften dem mini­steriellen Friedensengel im sozialen Kampf mancherlei peinliche Erdenreste an, die von der Eigenart der höchstamtlichen Sphäre nun ein­mal nicht zu trennen sind, und es ist unter die­sen Umständen nur natürlich, daß man au Seiten der wirtschaftlich fchwächern Partei seine soziale Unbefangenheit beargwöhnt.

Wir erfreuen uns (da bei uns das System derAusschüffe" doch eigentlich erst entdeckt worden ist) einer stattlichen Reihe von aller­hand nützlichen Beiräten, die alle dazu be­rufen sind, die Regierung in der erdrückenden Tätigkeit der Landesverwaltung zu unterstützen und ihr mit sachverständigem Rat orientierend zur Seite zu stehen. Wir haben wirtschaftliche, koloniale, buudesrätliche und noch einige andre Ausschüffe, über deren ersprießliche Wirksamkeit uns in weit ausgedehnten Intervallen ein paar Zeitungszeilen pflichtgemäß unterrichten. Zu irgend einer praktischen Bedeutung hat es indessen das .Beiratwesen" bisher nicht ge-

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Das Heer geht zu de« Rebellen über!

Die Saae in China gestaltet sich mit jedem Tage bedrohlicher und die Situation der Re­gierung ist (wie Depeschen aus Kanton mel­den) eine äußerst verzweifelte. Sollte die Nordarmee auch meutern, was allgemein angenommen wird, so ist das S ch i ck s a l d e r Regierung besiegelt. An der Spitze der Revolution steht ein vierundzwanzigjähr:- ger Student, der sich eines großen Anhangs erfreut und in weiten Kreisen göttliche Ver­ehrung genießt. Die aufrührerische Armee hat inzwischen Wiitschang eingenommen. Das ist besonders wichtig, weil fick dort die gesamten Vorräte der chinesischen Südarmee befinden. Die Regierung befürchtet den Aus­bruch der Revolution auch in Peking und hat deshalb bis jetzt noch damit gezögert, Truppen nach dem gefährdeten Süden zu senden. Uebct den augenblicklichen Stand der Dinge liegt uns olgende Meldung vor:

Peking, 13. Oktober.

(Eigene Drahtmeldung.)

China steht am Vorabend blutiger Er- eignisse, die die Grundpfeiler des Himm- fischen Reiches in noch höherm Maße erschüt­tern dürsten, als der Taipingausftand, der fünf­zehn Jahre lang daS Reich der Mitte aufwühl- te und Millionen von Opfer« an Menschen- leben kostete. Die neue gegen die Mandschu- Herrschaft gerichtete Revolution, deren Zen- trum Wutschang ist, nimmt feden Tag bedrohlicheres Aussehen an. Den letzten Nachrichten zufolge sind sechstau­send Mann deS stehende« Heeres zu den Rebellen übergegangen, die das ganze Gebiet in der Gegend von Wutschang beherrschen. Etwa dreihundert MandschuS, darunter mehrere hochangesehene Man­darin en sind ermordet worden. Auch Suifu ist in die Hände der Rebellen gefallen. Die Regierung hat zwei Armeekorps euro- päifch ausgerüsteter Truppen unter dem Be­fehl des Kriegsministers General Mnchong mobilisiert und nach dem Süden gesandt.

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Depeschen aus Peking zufolge hat sich die gesetzgebende Versammlung der Provinz H u p e h von der kaiserlichen Regierung los- gefaßt. Die Aufständischen in dieser Pro­vinz, zehntausend Mann, sollen dreißig mo­derne Geschütze erbeutet haben. Aus Tscheugiu wird gemeldet, daß die Aufständi- scheu das ganze Gebiet zwischen Kiatiug und Kwan besetzt halten. Das Palais und das Verwaltungsgebäude der Provinz Wutschang sind niedergebrannt worden und die Stadt Wutschang 'ist ganz in den Händen der Revo­lutionäre. Es wird ferner berichtet, daß Ge­neral Tschangkiau durch eine Bombe ge­tötet worden sei. Der General galt für den geschicktesten Truppenführer der chinesischen Ar­mee. In aller Eile ist in Peking ein Kabi­ne 11 s r at einberufen worden, um zur Lage Stellung zu nehmen, da die Situation außer­ordentlich bedenklich und mit dem Ausbruch einer allgemeinen Revolution zu rechnen ist. England hat der Regierung in Peking seine Hülfe angeboten.

Fünfhundert Millionen für Tripolis!

(Eigene Drahtmeldung.)

Aus Rom wird uns depeschiert: Im Se­nat hielten gestern abend zahlreiche Senatoren eine Besprechung ab, um die Lage zu erorteim. Sie waren darüber einig, daß die ttalienftcke Regierung der Türkei keine Entschädi- auna bezahlen dürfe. Einer Blätterrnelduna