1. Jahrgang
Nummer 264
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
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Freitag, den 13. Oktober 1911
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beantragt.
(Privat-Tele,- tü kommt die Nach'
London, 12. Oktober.
lie» vereinigt!
oroferocfiiiiu um, um a« V,' .
griechische Regierung strengste Reutralt- töt bewahren werde. Die Truppenverstarkun- gen an der griechischen Grenze seien nur auf türkische Konzentrationen hin erfolgt.
®te gaffder Neuesten Nachrichten erscheinen wöchenlli» sechsmal tmb jmar abenb J. Der «bonnemenlSpreiS beträgt monatlich 50 Dsg. bei freier Zustellung ins HauS. Bestellungen werden ieberjeU von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaktion: Echlachthofstrabe 28/30. Sprechstunden der Redaktion von 12—3 Uhr nach- mlttaaS juristischS Sprechstunden für unsere Abonnenten Mittwochs und Sonnabends von 6—8 2h'r abends. Berliner Vertretung: SV7„ Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.
auf die finanzielle Situation der Kommune kann also nicht als Hinderungsgrund einer tädtischen Notstandsaktion anerkannt werden. Daß auf der andern Seite aber die Teuerung sich in Caffel saft noch empfindlicher 'ühlbar macht als in Städten, die näher an den großen internationalen Verkehrswegen liegen, und infolgedesien günstigere Einfuhrbedingungen haben, läßt sich aus den hier üblichen Marktpreisen der für die Ernährung der Massen hauptsächlich infrage kommenden Lebensmittel leicht Nachweisen. Anlaß zum Eingrei- en der Kommunen ist also in Cassel sicher ge- zebcn, und es ist deshalb auch nicht ersichtlich, weshalb hier nicht Das möglich sein soll, was man anderwärts als natürliche Selbstver-
Sin Aufruf der Frauen.
(Eigene Drahtmeldung.)
Aus Konstantinopel wird uns berichtet: Das Komitee der türkischen Frauen „Taaliinisvau" richtet an die Bevölkerung einen Ausruf, in dem die Türken ausgefordert werden, den Italienern bis zum Aeußer- sten Widerstand zu leisten! In der Proklamation heißt es: „Mut und Hoffnung, Ihr lieben Brüder! Eure Schwestern und Mütter find mit Euch. Entweder werden wir unser Vaterland groß sehen und uns an den Italienern rächen, oder wir werden mit Euch sterben ..." Zwei in Dschidda eingetrosfene Sambuks, die die italienische Flagge führten, wurden von den türkischen Behörden beschlagnahmt. Die dem Italiener Bondini aebörende
der Gencralinspektor der französischen Armee, nach Toulon gekommen sein, um über die P a- nik, die sich bei der Beiset.e.ng der Opfer der „Libertü" ereignete, eine Untersuchung vorzunehmen. Pau soll daraufhin in seinem Bericht an den Marincminister Dclcafföe erklärt haben, daß die Ursache zu der Panik nur in der schlechten Haltung der Soldaten zu suchen sei, die zum Ordnungs- d i e n st kommandiert waren. Der General habe daraufhin die strafweise Versetzung der Infanterie-Regimenter Nr. 111, 55 und 61
Rufe nach Trient und Triest, nachAlbanien und derAdria, dem .italienischen Meer", immer lauter. Au» G a.
Wo bleibt löffel♦♦♦? 11
Was tut die Stadt Caffel zur Bekämpfung der
Teuerung?
Not lehrt beten, und Teuerung zwingt zu ernster sozialer Arbeit. Seit Wochen ist der „Kampf gegen die Teuerung" aktuell, liest man in der Tagespresse von achtenswerter ■ kommunaler Hilsstätigkeit und hört mit andächtigem Staunen, daß sogar die Regierung sich eingehend mit Vorschlägen beschäftigt, wie der Not im Land erfolgreich entgegenzutreten sei: In Berlin ist der kommunale Teuerungsausschuß emsig bei der Arbeit, Mittel und Wege zu finden, um die Lebensmittelversorgung der Millionenstadt ohne Schädigung des Handelsgewerbes kommunalwirtschaftlich zu organisieren; in Essen sind, um der drückendsten Not zu steuern, Mittel bereitgestellt worden, die zur Schaffung billiger Einkaufsmöglichkeiten für die ärmern Klaffen der Bevölkerung dienen sollen; in Frankfurt a. M. hat das Kollegium der Stadtväter eine Anti-Teue- rungskommiffion gewählt mit dem Auftrag, zu prüfen, inwieweit die Stadtverwaltung auf die billigere Versorgung mit notwendigen Lebensmitteln (Kartoffeln, Mehl, Hülsenfrüchten und Fischen) durch Engros-Einkauf und Herstellung von Lagerräumen, ohne die Gewerbetreibenden zu schädigen, einwirken könne. Ferner ist eine Förderung des Volksküchenwesens ins Auge gefaßt, und in Elberfeld haben die Stadtverordneten aus eigner Initiative süufzehntau- send Mark bewilligt, um an die Armen der Stadt in der schweren Zeit der Not unentgeltlich Brot verteilen zu lassen. Im Norden und Süden, Osten und Westen des Reichs regt sich's in erfreulicher Weise/ um durch lommunale Hilfsarbeit die empfindlichsten Härten des TeUerungsjahrs zu beseitigen, und cs ist bei diesem sozialen Wettbewerb der Städte die charakteristische Tatsache festzustellen, daß grade diejenigen Kommunen am tatkräftig- ften in die Bekämpfung des Notstands eingetreten sind, die in sozialpolitischer und sozialwirtschaftlicher Hinsicht die stärkste Ent-
Ein Privattelegramm meldet uns dazu aus Berlin: lieber den eigentlichen Inhalt des gestern paraphierten deutsch-französischen Marokko-Abkommens wird zwar amtlich noch absolutes Stillschweigen beobachtet, aber auf Grund zuverlässiger Informationen glaubt man in unterrichteten Kreisen nritteilen zu können, was in der Hauptsache in dem Abkommen enthalten ist: Zunächst erkennt Deutschland das Protektorat Frankreichs über Marokko an und verzichtet seinerseits auf staatliche Landerwerbungen oder auf eine Interessensphäre. Dafür gewährt Frankreich an Deutschland besondere Sicherheiten für den p r i v a t e n L a n d e r w e r b, den deutschen Handel und deutsche Unternehmungen aller Art. Deutsche Unternehmer sollen nicht mit höheren inneren Abgaben belastet werden als französische. Frankreich wird keine Ausfuhrzölle auf Erze erheben. Die Konsulargerichtsbarkeit soll bestehen bleiben bis zum Aussterben der Schutzbefohlenen. Die Madrider Konvention von achtzehn- hnndertachtzig soll dementsprechend geändert und Deutschland zu dieser Abänderung bei den Mächten die Initiative ergreifen. Welcher A r t die Sicherheiten für den deutschen Handel sind, ist noch unbekannt, der Streit darüber hat bis in die letzten Tage gedauert und ist zweifellos im Sinne Kiderlens entschieden worden. Auch ist nicht bekannt, ob sich Frankreich nicht einige Vorzugszölle ausbedungen hat. Das Marokko-Abkommen tritt mit dem Konao-Abkommen in Kraft. Der diplomatische
$es Kreuz von Bobobeo.
Ein Kaiserreich des Mittelmeers?
(Von unferm Korrespondenten.)
Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Rom: In einem Interview
äußerte sich der frühere Premierminister Luzatti sehr zuversichtlich über die Zukunft des italienischen Tripolis. Tripolis werde mit Cyrenaika eine bedeutend Siedlungskolonie für Italien werden. Nicht zu Zehntausenden, sondern zu Hunderttausenden könnten sich italienische Ackerbau in Chrenaika niedrrlaffen.
Die Lorbeerbäume des Apenninenreichs möchten in den Himmel wachsen, und wenn sie
Unheil ohne lobe.
Die Panik am Grab der „LibertS"-Opfer.
Die Panik bei der Beisetzung der Opfer der „Lib e r t s" - K a tastr o p h e ist in ihren Ursachen bisher noch nicht aufgeklärt worden; wenigstens liegt bis heute noch keine amtliche Darstellung über die damaligen Ereignisse (bei der über zweihundert Personen verletzt wurden) vor, trotzdem die Untersuchung über die Ursache der Panik sofort eingeleitet wurde. Großes Aussehen erregt deshalb jetzt die Meldung eines Pariser Blattes, nach der die Ursache des Unglücks in der schlechten Haltung der Truppen zu suchen fein soll. Es wird uns darüber berichtet:
- Paris, 12. Oktober.
(Eigene Drahtineldu ng.)
Die „Information" veröffentlicht unter großem Vorbehalt nachstehende Meldung aus Toulon: Wie es heißt, soll General Pau,
Es ist gesagt worden, daß die Finanzlage der Stadt Caffel auf allen Gebieten kommunalwfttfchaftlicher Betätigung weife Sparsamkeit zur Pflicht mache, und daß schon mit Rücksicht darauf die Stadt sich auch in der Notstandsbekämpfung eine gewisse Beschränkung auferlegen müsse. Es darf dieser Argumentation entgegengehalten werden, daß im Reichswesten, wo die praktische kommunale Hilfsarbeit zuerst und am intensivsten einsetzte, die Städte finanziell nicht über günstigere Verhältnisse verfügen, wie sie bei uns bestehen,da der größern Zahl starker Steuerleistunaen auch ein weit beträchtlicheres Kontingent Arbeiterbevölkerung gegenübersteht, dessen geringe steuerliche Leistungsfähigkeit bei starker kommunaler Ausgabenbelastung (Schullasten und Kosten der Armenfürsorge) die städtische Finanz- Wirtschaft ungünstig beeinflußt. Der Hinweis
«hrferHfln8ntetfe- Sie te6$fiefpaUen« Z«u« für einheimisch« «eschüste 15 Uffr, für «Ufr JnsE- W Pf.. Rdlamer-tl- für dnhetmisch« »-schäft« 10 Pf Mr «iSwürttg. SH * Bdlaaen für tote Gesamtauflage werde« mit 4 Marl pro raufend be.
Wen» ihr« dkchtm P-rbr-Mtng in der ReNd-n, und der Umgebung sind die eMrfw Nachrichten ein oor»üglicheS JnfertionS-rgan. «etchättSstelle: «SInifche
IX 6 sw! Friedrichstraße 1«, Telephon: Amt IV, 676.
Der Krieg im Mitteimeer. Fünfundzwanzigtausend Mann für Tripolis.
Ein Privattelegramm meldet uns aus Rom: Ministerpräsident Gio littt hatte gestern mit dem Kriegsminister Spmgardi und dem Minister des Aeußern eine lungere Unterredung, um über die finanziell es c 11 e der Tripolisexpedition zu beraten. Es soll ausfindig gemacht werden, wie die bereits aus- gegebenen und noch auszugebenden Kriegs kosten zu decken sind. Die Nachricht wird durch die nachfolgende längere Konferenz Giolittis mit dem Schatzminister Tideseo bestätigt. Inzwischen hat Italien bedeutende Trupp en- V c-: stä r k u u g e n nach Tripolis entsandt. Es wird uns darüber berichtet:
g Rom. 12. Oktober.
Heu. Ein Schauer der Leidenschaft hat das ganze italienische Land erfaßt, und der Ueberschwaug der Begeisterung über die siege, bei denen es keine Besiegte gab, regt die nationalen Leidenschaften der Italiener in emer gefährlichen Weise auf. Ein beträchtlicher Teil der Italiener verlangt jetzt schon mehr als die türkische Provinz Tripolis: Dem König Victor Emanuel wird der Vorsatz unterlegt, daß er dem Königreich Italien ein großes Kolo- nialreich angliedern wolle. Von HeraUea am schwarzen Meer bis an die tunesischen Grenzen von Tripolis soll sich das große fta- licnische Kaiserreich ausdehnen, das durch die stetige italienische Auswanderung schnell romanisiert werden kann. Die Macht, die Italien zur Zeit der römischen Kaiser besessen habe, müsse sich erneuern. Nicht mehr aus Afrika ! beschränkt sich die leicht erregbare Phantasie der Italiener, sondern in dem Taumel der Volksversammlungen werden die
Wicklung aufzuweisen haben.
Die Residenzstadt Cassel zählt leider nicht zu denjenigen Großstädten, die aus eigner Initiative in die Bekämpfung der allgemeinen Teuerung eingetreten sind. In der Stadtverordnetenversammlung vom einund- zwanzigsten September erklärte vor Eintritt in die Tagesordnung der Oberbürgermeister, daß „bet Magistrat im Anschluß an andere Städte beschlossen habe, eine Eingabe an den Reichskanzler zu richten zwecks Oeff- nung der Grenzen für die Einfuhr von Vieh und Fleisch und zwecks A u fh e b u n g der Z ö l l e für F u 11 e r rn i t t e l". Inzwischen ist nun bekannt geworden, daß die Regierung selbst unterm Druck des herrschenden Notstands für eine Oefsnung der Grenzen zum Zweck der Vieh- und Fleischeinfuhr nicht zu haben ist (was übrigens von vornherein nicht zweifelhaft sein konnte), und es erscheint also auch überflüssig, den Berg der Petitionen und Resolutionen noch zu vergrößern; denn daß auf ein Entgegenkommen der Regierung in der Grenz- öfsnungsfrage so lange nicht zu rechnen ist, als agrarische Tendenzen den Kurs unsrer Wirtschaftspolitik bestimmen, dürste nachgerade auch dem unverbesserlichsten Optimisten klar geworden sein. Mit Petitionen wird also der Not im Land nicht gesteuert, und wenn unsre Städte der Stimme des sozialen Gewissens in dieser Zeit ernster wirtschaftlicher Gefahren Rechnung tragen wollen, müssen sie schon vom Petitionenschreiben zu rüstigerer Hilfsarbeit übergehen. In Cassel ist's bisher bei der „im Anschluß an andere Städte" an den Reichskanzler gerichteten Eingabe geblieben, und es bleibt bedauerlich, daß damit für's erste die Frage der Teuerungsbekämpfung ad acta gelegt zu fein scheint.
Marsllo borobbiett!
Das Marokko -Abkommen perfekt! (Telegraphische Meldungen.)
Die offiziöse Norddeutsche Allgemeine Zeitung brachte gestern folgende Kundmachung: Der auf Marokko bezügliche Teil des deutsch-franzöfischen Abkomme n s ist cm Mittwoch hier paraphiert worden. Die damit zusammenhängenden Kompensations - Verhandlungen find wieder a u f genommen worden.
(Eigene Drahtmeldung.)
Die Transporffloite hat gestern früh von Augusta aus mit füufundzwauzigtausend Mann an Bord die Fahrt nach Tripolis angetreten. Der Neapeler Korrespondent des „Cor- riere d'Jtalia" hat mit dem Kapitän eines deutschen Warendampfers, der aus Odessa eingetroffen ist, gesprochen und von diesem erfahren, daß er kürzlich vier türkische Kriegsschiffe in voller Kriegs- .....
rüstnng unweit Rhodus gesichtet habe. Dagegen „ramm.) Aus Portsmouth kommt die Nachhabe er von der italienischen Flotte im richt, daß bei den Geschützproben auf dem ägäischen Meere nicht die g e r i n g st e ueberdreadnought .^Orion' durch das Abfeuern s?»ur entdeckt der schweren Breitseiten die kleine Be-
Spur entdeat. * stückung des Schiffes derart beschädigt
•.i- m-nfifttitrtHntt worden ist, daß die vierzölligen Geschütze un-
M,. erste ®rOtlQtttßuun. brauchbar sein dürften. Die Lebens-
(Eigene Drahtmeldung.) dauer der vielbewunderten dreizehnzölligen Depeschen ans Rom zufolge hat Vizeadmi- Geschütze des „Orion" soll auch recht beschrankt ral Luigi Faravelli folgende Proklama- sein. Höchstens achtzig Schüsse können abgeg-.- twn an die B e v ö l k e r u n g v ° n T r i p o - ben werden, worauf neue innere Rohre in die N s erlassen: Wir haben Besitz von der Stadt Geschütze einmontiert werden muffen.
Tripolis ergriffen. Euch Einwohnern von Tripolis, Stadt und Land, unseren Gruß. Wir wollten zu Euch kommen, ohne Eure Ruhe und Eure Interessen auch nur im Geringsten zu stören, dies war die aufrichtige Absicht der Regierung des Königs von Italien und unsere. Aber die ottomanische Regierung und Lokalbehövden zwangen uns durch ihre Haltung und militärische Aktion zum Bombardement. Unser Herz hofft, wie das jedes Italieners, daß Euch nur sehr geringer und leichter Schaden zugefügt wurde, für den Ihr entschädigt werden sollt. Namens der Regierung des Königs von Italien versichern wir Euch nicht allein die Achtung Eurer vollen Freiheit, Eurer Religion,
Eurer Güter, Eurer Frauen und EurerI b„.-chrütten" werden, so dürften sie bald
Sitten, sondern wir kündigen Euch die Ab- ganz" Umgebung in den Schatten zwm- s ch a f f u n g der Konskription und Einführung flen Ein Schauer der Leidenschaft hat das aller möglichen ökonomischen Verbesserungen an und betrachten Euch als eng mit Jta-
Ausschuß des Bundesrats (über dessen Zusam-I Zeitung „Turqmo", die früher in italiemscher mentreten wir bereits berichtet haben) hat und französischer, seit zwei Jahren aber nur m gestern das Marokko-Abkommen gut geheißen französischer Sprache erschien wurde verboten. >.-Yf her cs anbei in feinem Haupt- Dafür wild heute ein neues Blatt „La Conteil als perfekt betrachtet werden. stitution", mit dem Erscheinen beginnen, dessen
* I Besitzer em otwrnamscher Grieche ist.
ständlichkeit betrachtet.
Unterdessen ist von andrer Seite die Initiative ergriffen worden: Die sozialdemokratische Fraktion des Casseler Stadtparlaments hat (wie wir schon mitgeteilt haben) einen Antrag vorbereitet, der der nächsten Plenarversammlung des Stadtverordnetenkollegiums, unterbreitet werden soll, und der dahin geht, „den Magistrat zu ersuchen, eine gemischte Kommission einzusetzen, die schleunigst zu beraten hat, inwieweit die städtische Verwaltung den Anregungen der Staatsregierung aus Beschaffung und Abgabe von Lebensmitteln zum Selbstkostenpreis nachzukommen in der Lage ist". Daß dieser Antrag einem Bedürfnis entspricht, läßt sich Nicht verkennen, und es bleibt nur bedauerlich, daß es des Antrags überhaupt bedurft hat, um die Frage einer kommunalen Notstandsaktion in Cassel wieder in Fluß zu bringen, nachdem die Eingabe an den Reichskanzler still in irgend einer Schublade des Wilhelmstratzen-Hauses schlummert. Man darf nun gespannt darauf sein, wie das Stadtparlament und der Magistrat sich zu diesem Antrag stellen werden, der zweifellos das Mindeste von Dem fordert, das nach Sage der Sache bereits langst hätte geschehen müssen. Wir haben in unsrem kürzlichen Leitartikel „Kommune und Kartoffeln" bereits darauf hingewiesen, daß der freundliche Rat des Herrn von Schorlemer-Lieser an die städtischen Kommunen wirtschaftspolitisch nicht ganz unbedenklich ist; aber das Rezept des Ackerbauministers braucht schließlich doch auch nicht das einzige Heilmittel zu sein, ^n erster Linie handelt's sich jetzt darum, daß überhaupt erst einmal etwas geschieht. Wenn der W i l l e dazu vorhanden ist, wird man auch Wege finden, die zum Ziel führen!
F. H.
Ile Stimmung l« V«ti». We„riS|lWe
(Eigene Drahtmeldung.) Pallavicini, konferierte gestern mit dem Aus Paris wird uns depeschiert: Der Großwesir, dem er erklärte, Oesterreich der Regierung nahestehende Temps führt heute werde' alles tun, um Komplikati o nen aus, daß nach verläßlichen Informationen, ber a u f b e m 83 a 11 a n zu verhindern. Ebenso eben fertiggestellte Tert des ersten Teiles des sprach gestern der griechische Gesandte auf dem Marokkoabkommens jeder b erechti gt en Großwesirrat vor, um zu erklären, daß die Kritik hüben und drüben standhalten - --- ~ **" *“* "
werde und daß gedeihliche Kulturarbeiten in Marokko bevorständen, allerdings unter der Voraussetzung, daß in absehbarer Zeit eine Einigung zwischen $ r an £ ret ch, und Spanien zu erzielen wäre. Die Aussichten hierfür seien auch trotz momentaner Schwierigkeiten im allgemeinen gut. Von anderer Seite wird darauf hingewiesen, daß die nahen Termine des Beginns bet Parlamentär schen Arbeiten in Deutschlanb unb Frankreich bazu beitragen würben, den Abschluß des Kongopaktes zu beschleunigen.