1. Jahrgang
NnMMer 263
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Hessische Abendzeitung
Befielet Abendzeitung
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Donnerstag, den 12. Oktober 1911
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Am grünen Rhein.
Exzellenz Beseler über die Justiz-Reform.
Erzellenz Dr. Beseler, der Minister der preußischen Gerechtigkeit (von dem man vor und nach dem alljährlich wiederkehrenden Etat- Turnier sonst nur wenig Worte zu hören pflegt), hat dieser Tage Leim Festbankett im Kölner Gürzenich an sein Glas geklopft und aus Anlaß der Weihe des neuen Themishauses am Rhein eine Rede über die Aufgaben der Justiz gehalten, die das bekannte Wort vom „Gold des Schweigens" Lügen straft. Oder sollte es wirklich nur als Silber und nicht als Gold zu schätzen sein, wenn der oberste Wächter der Gerechtigkeit im Lande Preußen vorbehaltlos und ohne wässernde Randbemerkungen erklärt, die „wichtigste Aufgabe staatlicher Rechtspflege bestehe darin, die Gesetze nicht nur zeitgemäß, sondern auch in einem Geist und Sinn zur Anwendung zu bringen, der dem Rechtsbewußtsein der
Volksgemeinschaft entspreche" ? Und
wenn er ferner den Grundsatz aufstellt, daß die Justiz, um dies ideale Ziel zu erreichen, „geschulter und zugleich mit den Interessen des Lebens vertrauter Männer" bedürfe? Wir finden, daß im Kölner Gürzenich- Saal goldne Worte gesprochen worden sind, von denen man wünschen möchte, daß sie in allen Hallen der Gerechtigkeit als Wahlspruch über'm Toreingang prangten: Eine eindringliche und unvergängliche Mahnung an Alle, die berufen sind, Recht zu sprechen, den Gesetzen Achtung zu verschaffen und die Uebeltat zu ahnden. Aber auch Herr Beseler spürt das Verhängnis der Sterblichen: Das Ideal ist himmelfern, und die Begeisterung für das Lichte und Vollkommne erfüllt unsre Seele grade dann am brünstigsten, wenn die Wucht ' des Erdenjammers uns am schwersten drückt.
Zwischen der srohen Stimmung hinter sun- kelnden Bechern an festlicher Tafel und der Rauhheit brutaler Lebens-Notwendigkeiten besteht an sich schon eine tiefe Kluft, und auch Herr Beseler hat's nicht vermocht, sie zu überbrücken. Vielleicht sogar hat eben deshalb sein Idealismus so hohen Flug genommen, weil er sich im Prunksaal Kölner Bürgerstolzes dem Bannkreis entrückt sah, der sonst des Amtes trockne Pflicht begrenzt. Ricktsdesto- weniger fühlt man, wenn die am grünen Rhein gesprochnen Worte im vollen Schallgehalt ministerieller Resonanz zur Seele sprechen, eine dankbare Regung aufkeimen gegen den Mann, der hier in kurzen Zügen ein inhalireiches Programm moderner und lebendiger Justiz entwickelt hat. Läßt sich der Beruf staatlüher Rechtspflege knapper und doch prägnanter dar- stellcn, als in dem Grundsatz: „Die Justiz sei nicht nur zeitgemäß und dem Geist Und Sinn der Gesetzesformel angepaßt, sondern sie entspreche vor allen Dingen auch dem Rechts- bewußtscin des Volks"? Der oberste Justizbeamte in Preußen hat hier eine Forderung aufgestellt, deren Verwirklichung seit Jahrzehnten von den besten und idealsten Köpfen angestrebt wird, der aber nichtsdestoweniger bisher (und zwar grade in Juri st enk reisen) nicht einmal theoretische Existenzberechtigung zugestanden worden ist. Beiläufig: Aus ganz natürlichen Gründen, denn das System unsrer Rechtspflege wurzelt nicht int Volksempsinden; es steht der modernen Welt zumteil fremd, zumteil feindlich gegenüber, und das Brönnlein seiner Erkenntnis quillt nicht aus dem harten Fels praktischer Lebenserfahrung zum Licht empor.
Das Wort von der Weltfremdhcit der Justiz ist also uicht nur kein banales Schlagwort, sondern seine. Berechtigung resultiert schon aus der ganzen Anlage sowohl des Rechtspflege-Systems an sich, wie auch seines geistigen und technischen Apparats. Die Klage, daß unsre Rechtspflege zu wenig Berührungspunkte mit dem praktischen Leben habe und demgemäß auch nicht genügend Verständnis sür die aus dem hastenden Wirbel des Daseinskampfs auftauchenden Fragen offenbare, ist übrigens nicht erst von gestern oder ehegestern; sie stammt schon aus der Zeit, da die Gerechtigkeit noch in der Allonge-Perücke am Rickter- tisch saß, und während die Perücke verschwand, ist die stille Verträumtheit, das versonnene Hineinversenken in die Vorstellungswelt perga- mentner Paragraphen-Jdeale geblieben, indessen das Leben und die Welt fortschritten und selbst die ethischen Werte umwertender Entwicklung untertan wurden. Herr Doktor Beseler ist selbst Jurist, hat eine steil zur Höhe führende Laufbahn durchmessen und darf also auch vom Erfahrungsstandpunkt aus Anspruch darauf erheben, das Wesen der Justiz nach seinem tat- säcklicken Wert schätzen zu können. Wenn nun
der Chef der Justizverwaltung in einer, Zweck und Ziel der Rechtspflege erörternden Rede gleich zwei Forderungen aufstellt, die er als vornehmste Aufgaben der von allen Seiten erstrebten Reform erkannt hat, und die dazu bestimmt sein sollen, sichtbare Lücken auszusüllen, so darf man daraus den Schluß ziehen, daß die. Erkenntnis der Reformbe- dürftigkeit unsres Justizwesens erfreuliche Fortschritte gemacht und mittlerweile aus eignem Antrieb die Fiktion beseitigt hat, daß die Rechtspflege ein Produkt der Kultur sei und in ihrer Entwicklung selbsttätig mit dieser fortschreite. (So weit ersichtlich, ist unsrer Kultur aus dieser kunstvoll konstruierten Verbindung bisher glücklicherweise kein sonderlich Unheil erwachsen.)
Daß sich die Ideale des Herrn Beseler einmal restlos verwirklichen lassen werden, wagt man heut saft nicht zu hoffen, denn ein Blick in die Bücher der Justiz belehrt schon darüber, w i e abgrundtief die Gegensätze sind, die zwischen der „gelehrten" Gerechtigkeit der Paragraphen und dem natürlichen Rechtsempfinden allgemein-menschlicher Auffassung klaffen. Es ist peinlich, immer wieder auf Beispiele Hinweisen und in alten Wunden wüblen zu müssen: Aber die Fälle, in denen sich das natürliche und das juristisch-gelehrte Rechtsempfinden wie Tag und Nacht gcgenüberstan- den, sind aus alter und neuer Zeit zu Hunderten nachweisbar, und sie werden auch dann nicht gänzlich aus der Geschichte verschwinden, wenn die Rechtspflege dem praktischen Leben mit seinem natürlichen Fühlen und Empfinden näher gebracht, mit einem Wort: Vermenschlicht sein wird. Gesetze werden nicht mit dem Maßstab des Gefühls geformt, sondern aus der Erkenntnis von Notwendigkeiten und Nützlichkeits-Umständen heraus geborL-- und da die natürliche Basis der Rechtspflege immer nur das Gesetz sein kann, so werden die Gegensätze zwischen gesetzmäßiger Rechtsprechung und menschlich-natürlichem Rechtsempfinden sich niemals ganz vermeiden lassen. Aber dessen bedarf's ja auch nicht: Cs genügt, daß die Handhabe der Justiz im Volk das Bewußtsein unantastbarer Rechtsgarantie en weckt und lebendig erhält, und daß auf den Stühlen der Gerechtigkeit -Männer sitzen, die (um mit Exzellenz Beseler zu sprechen) „mit den Interessen des Lebens vertraut sind". Wenn man die Ministerrede im Kölner Gürzenich-Saal in dieser Hinsicht als Morgendäm- mcrn einer schöner'n, besseren Zeit applaudieren darf, braucht der Minister der Gerechtigkeit um den Beifall nicht zu bangen...! F. H.
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Strafprozch-KorrfereNze«. (Privat-Telegramm.)
Wie uns aus Berlin berichtet wird, hatte der Staatssekretär des Reichsiustizamts, Dr. Li s c o , gestern eine längere Besprechung mit den Mitgliedern der Strafprozeßkom- mission des Reichstages über die Frage, ob in die weitere Beratung der Strafprozeß-Novelle in der kommenden Sitzungsperiode des Reichstags noch eingetrrten werden könne. Die Konferenz trug lediglich den Charakter einer klärenden Besprechung. Die Entscheidung wird von den Entschließungen des Seniorenkonvents des Reichstages sowie von den Beschlüssen der interfraktionellen Verhandlungen abbängen und voraussichtlich erst in zwei bis drei Wochen fallen. Nach der Ansicht maßgebender Parlamentarier dürfte jedoch die Verabschiedung der Strafprozeß-Novelle nur schwerlich in der letzten Sivungsperi- odr des alten Reichstags erfolgen können.
HochMoA in der MMmstraße.
Massen-Konserenzen im Auswärtigen Amt.
(Eigene Drahtmeldungen.)
Wie uns aus Berlin depeschiert wird, sollen gestern im Auswärtigen Amt eine ganze Reihe diplomitischer Konferenzen stattgefunden haben. Ter Staatssekretär von Kiderlen-Waechter empfing in der Zeit von vier bis sieben Uhr abends nacheinander den Besuch der Botschafter Oesterreich-Ungarns, Englands, der Bereinigten Staaten von Amerika, Spaniens und der Türkei.
Man darf wohl aunebmen, daß diese Mas- sen-Konferenzen mit der T r i p o l i s -A f f ä r e in Zusammenbanq stehen; andrerseits wrrd allerdings behauptet, daß außer dem türkischitalienischen Konflikt auch die Marokko- Angelegenheit Gegenstand der diplomatischen Erörterungen gewesen sei. Inwieweit diese Annahme zutrifft, läßt sich im Augenblick nicht nachprüfcn. da im Bereich der Kiderlen- schcn Diplomatcnwerkstatt alles (vom ältesten Geheimrat bis zum jüngsten Kanzlisten) zu tief» stem Schweigen verpflichtet ist. Aus welchem Grunde, ist nickt ganz klar, denn das Interesse für den endlosen Marokko-Lande! ist in W
deutschen Volksgemeinschaft derart gering, daß selbst eine Hiobspost kaum noch Ueberraschung wecken könnte. Je schweigsamer man indessen in Berlin ist, umso mitteilsamer wird man in Paris. Ein Privat-Telegramm meldet uns:
W Paris, 11. Oktober.
In langen Extrablättern wurde gestern abend der definitive Abschluß der Marokko-Verhandlungen gemeldet. Diesen Gerüchten gegenüber kann indessen versichert werden, daß die Sache tatsächlich heute noch ebenso steht, wie sie bisher gestanden hat. In gut unterrichteten Kreisen erklärt man, daß die engere Marokkofrage noch durck diese Woche, vielleicht sogar die nächste Woche hindurch besprochen werden müsse; doch handle es sich immer nur um Formalitäten und dem Abschluß des Abkommens sehe man mit Vertrauen entgegen.
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Ein weiteres Privat-Telegramm meldet uns aus B e r l i n : Durch den Abgeordneten Bebel wurde gestern namens der sozialdemokratischen Fraktion die auf dem Jenenser Parteitag beschlossene Interpellation über den Stand der Marokkoverhandlungen, über die Teuerung und über angebliche Verstöße gegen das Vereins- und Versammlungsgesetz durch Behörden im Reichstag eingebracht.
Die neuesten Kriegs Depeschen.
Tripolis unterm Kreuz von Savoyen.
Ein Telegramm unsers Korrespondenten meldet uns aus Berlin: Der Stand der Verhandlungen wegen Herbeiführung des Friedenszustandes zwischen Italien und der Türkei ist nach zuverlässigen Informationen an maßgebender Stelle heute folgender: Es finden gegenwärtig zwilchen den Kabinetten infolge der jüngsten türkischen Note Besprechungen darüber statt, ob d:e MäSte bei ihrer Intervention gemeinsam oder einzeln Vorgehen sollen. Bisher steht eine Entscheidung über diese Frage indessen nock nickt fest. Alle anderen Meldungen von Friedensverhandlungen oder davon, daß ein deutscher Vermittlungsvorschlag angenommen worden fei, sind grundlos oder verfrüht. Inzwischen ist in Tripolis die neue Regierung eingesührt worden. Es geht uns folgende Meldung zu:
S Rom, 11. Oktober.
(Eigene Drahtmeldung.)
Gestern hat in Tripolis die feierliche Einsetzung der neuen Regierung stattgesunden. Kontreadmiral B o r e a, der Gouverneur, ging unter der Parade vonzwölf- hundert Matrosen an Land, während die zahlreichen Schiffe im Hafen Salut feuerten. Eine große Menschenmenge staunte die Szene an. Gefolgt von Matrosen begab sich Borea inS Gouvernementsgebäude, wo er unter den Bildern des italienischen KönigspaareS in Gegenwart des Konfularkorvs, italienischer Rotabeln und hundert arabischer Häuptlinge unter der Führung des Bürgermeisters Haffn- «a Pascha erklärte, NamenS des Königs von Italien das Gouvernement Tripolis zu Übernehmen und die freundschaftlichen zivilifatorischen Absichten Italiens zusichere. Ter Bürgermeister antwortete im Namen der Bevölkerung, glücklich über die neue Herrschaft zu fein, die die Religion und die Frauen achte und die Ruhe sichern werde.
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Nene Mmpfe vor Tripolis f
(Privat-Telegramm.)
Rach einem uns aus Paris zugehenden Telegramm liegen dort über einen Angriff, den eine Abteilung der früheren türkischen Garnison Tripolis in der vorgestrigen Nackt gegen die italienischen Vorposten beim sogenannten Bumiliana unternahm, folgende Meldungen vor: Die vom Major C a g n i befehligten Italiener kämpften die ganze Nackt hindurch bis zum Morgengrauen unter Mitwirkung des Feuers der italienischen Kriegsschiffe, die sich der Scheinwerfer bedienten. Die türkischen Mannschaften verschossen viel Patronen, doch haben die Italiener keinerlei Verluste zu beklagen. Ob es auf türkischer Seite Tote und Verwundete gab, war nicht zu ermitteln, da bei Tagesanbruch die türkischen Angreifer sich nach Süden zurückgezogen hatten. Die italienischen Truppen zeigten sich nach dem Kampf sehr ermüdet. Man erwartet während der vom italienischen Oberkommandierenden ins Werk zu setzenden systematischen Verteilung von Militärposten in der Umgegend von Tripolis weitere nächtliche Angriffe.
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Die neuesten Depeschen aus Rom berichten: Rach einem Telegramm deS MudirS von Louiso in Tripolis sind zwei italienische Tarvedaboate mit Seeminen znsammen-
gestoßen und dadurch zum Sinke» gebracht worden. Die Besatzung ist dabei u m- gekommen. Die ersten Abteilunsen des italienischen Armeekorps sind bei Marsa Tobruk an Land gegangen. Depeschen aus Tripolis zufolge, hat der größte Teil der vor der Stadt liegenden Türken Parlamentäre in die Stadt geschickt, um die Kapitulation anzubicten, da es ihnen an Lebensrnitteln mangele.
RevuM oder Monorchie?
Prinz Braganza als Führer der Verschwörer.
Ueber den Vorgängen in Portugal lagert nach wie vor tiefes Geheimnis: Während die Regierung zum hundertsten Male versichert, daß „im Lande alles ruhig" und „die Monarchisten-Revolution endgültig unterdrückt" sei, melden Madrider Depeschen über das Wei- ternmsichgreifen der monarchistischen Bewegung Wie die Verhältnisse tatsächlich liegen, läßt sich vorläufig nicht feststellen, da die portugiesischen Behörden rücksichtslose Telegramm-Zensur üben und alle Depeschen über das Weiterumsickgreifen der Gegenrevolution unterdrücken. Daß die monarchistische Bewegung aber nicht unterdrückt ist, geht aus einem' Telegramm hervor, das uns aus Madrid übermittelt wird. Es heißt darin:
Madrid, 11. Oktober.
(Eigene Drahtmeldung.)
Die neuesten Meldungen aus Portugal lautensehr widersprechend. Aus dem spanischen Grenzort 9$erin verlautet, es sei unrichtig, daß die von Paiva Conceiro befehligte Kolonne umzingelt sei. In zwanzig Ortschaften wehe die monarchistische Flagge. Weitere zweitausend Mann seien inzwischen zu Conceiro gestoßen. Conceiro erklärte, er würde über zehntausend Mann verfügen, wenn er die nötige Bewaffnung hätte. Er werde einen Guerillakrieg gegen die Regierung führen. Bei einem Angriff auf das Zollamt in Cou- -- cieiro wurde ein Zollwächter getötet, die übrigen fünfundzwanzig Zollbeamten flohen. Der Prinz von Braganza setzte sich an die Spitze einer neuen Kolonne. Verschiedene Verschwörer, wie der Herzog von Parma, die Gräfin Bari, der Herzog Magalhacs und der Vicomte Malange, sind gus Portugal ausgewiesen worden.
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Aus Wien wird uns depeschiert: Prinz Miguel von Braganza ist von Portugal nach hier zurückgekehrt. Sein Bruder Franz Josef . und Prinz Lader von Portugal sind in Portugal geblieben. Der Prinz erklärte, daß die Vorgänge in Portugal der monarchistischen Bewegung sehr günstig seien. Die von der portugiesischen Regierung verbreiteten Meldungen über die angebliche Unterdrückung der Monarchisten-Revolution entsprächen in keiner Weise der Wahrheit.
Set Mettemich-NMdal.
Der Metternick-Prozeß vorm Ende; die Berliner Anwaltschaft protestiert!
(Bericht unsers Korrespondenten.)
Aus Berlin wird uns depeschiert: Ein Teil der Berliner Anwaltschaft bereitet eine öffentliche Kundgebung vor, die sich gegen die Art der Verteidigung im Metternich-Prozeß richtet. In erster Linie will man dagegen protestieren, daß interne Familienverhält- nifse in einen Prozeß hineingezogen werden; ferner wendet man sich dagegen, daß Gespräche, die zwischen Richtern und Verteidigern vor der Hauptversammlung geführt werden, in dieser später znm Gegenstand der Erörterung gemacht werden.
Nach zweitägiger Pause sind gestern die Verhandlungen im Prozeß gegen den G r a - fen-Wolff-Metternich wieder aufgenommen worden. Bald nach der Eröffnung der Sitzung kam es schon zu erregten Szenen bei der neuerlichen Vernehmung des Zeugen Generalmajor a. D. Pauly, dem nach seiner ersten Vernehmung bekanntlich nachgesagt worden war, daß er nicht das Recht habe, sich als Generalmajor zu bezeichnen und daß er sich nebenher mit Ordcnsschacher und Heiratsvermittlung befasse. Ter Zeuge beklagt sich schon bei Beginn der Vernehmung in erregten Worten darüber, daß er von dem Staatsanwalt, der schon den Angeklagten als einen gemeinen Betrüger bezeichnet habe, schwer beleidigt worden sei. Auf die Frage des Staatsanwalts an den Zeugen, ob er berechtigt sei, sich den Titel eines Generalmajors beizulegen, erklärte Pauly, er sei als Major aus der preußiscksn Armee ausgeschieden und habe bann in Cltzfrn Peru und Honduras Kriegsdienste getan, ,oet er zum Oberst und später zum Generalmajor ernannt worden sei. Der frühere Kriegsminister von Einem