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Nr. 261. z- 1. Jahrgang.

Casseler Neueste Rachrichteri

Dienstag, 10. Oktober 1911.

etwas ordentliches zu machen. Der Redner dankte dann allen, die sich um das Gelingen der Ausstellung verdient gemacht hätten, be­sonders aber den Preisstistern. Tann fand so­fort ein Rundgang durch die Ausstellung statt, während dessen die Türen auch für das Publi­kum geöffnet wurden. Die ausgestellten Arbei­ten wiesen teilweise einen ins künstlerische gehenden Zug auf und man war erstaunt zu hören, daß manche Arbeiten von jungen Leu­ten nach kaum ein- bis zweijähriger Lehrzeit angefertigt worden waren. Alle Gebiete sind in der Ausstellung vertreten: Die Schneiderei, Tischlerei, Schlosserei, Konditorei, Malerei und so weiter. Es kann nur allen, die ein Herz für das Handwerk und ihren Nachwuchs haben, empfohlen werden, die Ausstellung zu besuchen; man wird von dem Gesehenen angenehm über­rascht sein. Die Dauer der Ausstellung ist auf drei Tage berechnet.

Das Preisrichter-Kollegium hat die Verteilung der zehn Staatspreise auf folgende Weise vorgenommen: Lehrling G. Steinkamp (bei Klempnermeister Gleiser) für eine Wetterfahne; Lehrling G. Werner (bei Malermeister Gebr. Hallo) für ein Treppen­haus; Georg Schiebel (bei Schlossermeister Wilhelm Beßler) für ein Grabgitter; Heinrich Cornelius (bei Schlossermeister E. Cornelius) für einen Treppengitteraufbau; H. Koch (bei Schmiedemeister Bischoff) für ein Wagen-Arm­band; Hermann Morsch (bei Sckreinermeister Guthard) für einen polierten Damenschreib­tisch; Hans Wachsmuth (bei Sckre-nermeister Wachsmuth) für eine Uhr mit vlämischem Ge­häuse; H. Hahn (bei Wagnermeister G. Oetzel) für vier Luxuswagenräder; Lehrmädchen Anna Stolte (bei Fräulein Auguste Bäh) für ein Damenkostüm; Lehrling Ernst Lautcrmann (bei Konditor Hugo Polikeit) für Torte und Baum­kuchen. Den ersten Preis der Stadt Cassel erhielt Lehrling Georg Elbrecht (bei Malermeister August Elbrecht) für ein Wohn­zimmer (Malereien an Decke und Stuck); den ersten Preis der Landesdirektion Lehrling Adam Ring (bei Schreinermeister Friedrich Guthardt) für eine Waschkommode; den ersten Preis der Handwerkskam­mer Lehrling Hans Hübel (bei Schreinermei­ster I. Hübel) für einen Schreibtisch; den ersten Preis des Handels - und Gewerbe­vereins Lehrling Johannes Israel (bei Schreinermeister Wilhelm Kniest) für einen Kleiderschrank und den ersten Preis des Hansahundes Lehrling Wigbert Keael (bei Schreinermeister G. Uthmann) für einen Bücherschrank. Neben diesen Preisen ist auch noch eine Anzahl zweiter und dritter Preise zur Verteilung gelangt. -xyz-

Die neue Schwurgerichtsperwde.

Unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats von Klocke begann heute morgen die dritte diesjährige Schwurgerichtsperiode. Ver­suchte Notzucht hat den Tagelöhner Kon­rad H a u v t. genannt Kolbe, aus Fritz- l a r auf die Anklagebank gebracht. Haupt ist am 13. Juli 1877 zu Obermöllerich bei Fritzlar als illegitimer Sobn der ledigen Elisabeth Haupt, geboren. Nach seiner Konfirmation war der Angeklagte als. Tagelöhner befchäftigt. zuletzt bei der Eisenbahn: er verdiente täglich zwei Mark vierzig Pfennig. Haupt ist verhei­ratet und hat sechs Kinder. Der Angeklagte ist auch beim Militär gewesen, aber wegen Schwerhörigkeit und anderer Fehler alsbald wieder entlassen worden. Fünf strafbare Fälle werden dem Haupt zur Last gelegt. Er ist ge­ständig und erklärt, daß er bei dem Versuch, die Straftaten zu begehen,von Sinnen gewesen" sei. Interessant ist ein Brief, den der Angeklagte gelegentlich eines Besuches seiner Frau im Un­tersuchungsgefängnis heimlich zugesteckt hat und in dem er seine Frau in ihrer Aussage zu be­einflussen versucht. Am Schluffe dieses Briefes schreibt der Angeklagte:

Ich bin ja nicht so krank, als wie ich tue, ich schreibe nur so." Der Angeklagte hat dann in einem ferneren Brief an das Gericht geschrieben:Ich weiß, daß ich mich straffällig gemacht habe und mutz es auck zugeben. Ich will auch nickt behaup­ten, datz ich geisteskrank bin." Die Ehefrau des Angeklagten stellt ihrem Manne das Zeugnis eines fleißigen Ehemannes aus, der sich nie ..garstig" gegen sie betragen habe und auch dem Trünke nicht ergeben sei. Die Sackverstän- d i g e n Kreisarzt Dr. Wittich, Dr. Wilhelm Ludwig-Fritzlar und Dr. AndrSe-Fritz­lar kommen einstimmig zu dem Gutachten, daß dem Angeklagten der Sckutz des Paragraphen 51 nicht zur Seite gestellt werden könne. Dr. Andröe-Fritzlar dagegen hält eine gewiffe Einengung der Geistestätigkeit für nickt ausge­schlossen. Der Staatsanwalt Dr. H a d l i ck plaidiert auf Grund der Beweisaufnahme auf schuldig", bittet jedoch, dem Angeklagten mildernde Umstände zuzubilligen. Der Vertei­diger. Rechtsanwalt Dr. Brill bittet in länge­rem Plaidoyer,

die Schuldfragen zu verneinen, sm Falle einer Bejahung jedoch dem Angeklag­ten mildernde Umstände zuzubilligen. Nach der üblichen Rechtsbelehrung ziehen sich die Ge­schworenen zur Beratung der Sckuldfragen Zu­rück. Nach kurzer Beratung verkündet der Ob­mann den Spruch der Geschworenen, wonach her Angeklagte in vollem Umfange schuldig fei; die Frage nach mildernden Umständen wurde bejaht" Der Staatsanwalt beantragte nunmehr eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und Rebenstrafen. Der Ver­teidiger bittet um die gesetzliche Mindeststrafe. Das Urteil des Gerichts lautet auf eine Gesamtgefängnisstrase von einem Jahr und acht Monaten, unter Anrechnung von zwei Mo­naten Untersuchungshaft. Die bürgerlichen Ehrenreckte werden dem Angeklagten "auf die Dauer von zwei Jahren abgefprochen. Ter Vorsitzende führte in der Begründuna aus, daß der Angeklagte in der gemeingefährlichsten Weise die Umgegend von Fritzlar unsicher ge­macht habe, und daher eine exemplarische Strafe verdiene. -h-

A Die Antwort des Herrn Oberbürgermei­sters an dieCasseler Neuesten Nachrichten". DieCasseler Neuesten Nachrichten" nahmen vor einiger Zeit Veranlaffung, darauf hinzuweisen, daß sie aus dem interessanten Be­

Petersburg, 9. Oktober.

(Privat

Die türkische Regierung

Letzte Telegramme.

(Nach Schluß der Redaktion eingegangen.)

London, 9. Oktober. (Telegramm.) Eine Versammlung von Anhängern der Schiedsgerichtsbewegung hat gestern beschlos­sen, Delegierte nach Rom und Konstanti­nopel zu senden, die beide Regierungen auf­fordern sollen, ein Schiedsgericht anzurufen. Ter Führer der Bewegung, William Stead, ist zum Delegierten für Konstantinopel gewählt worden und gestern dorthin abgereist. Für Rom wurde bisher noch kein Delegierter be­stimmt.

I« Krieg im Mittelmeer-

Tripolis von den Türken verlassen!

(Telegraphische Meldungen.)

S Rom, 9. Oktober.

Der italienische DampferHerkules", der gestern nachmittag von Tripolis in Malta ankam, bringt die Nachricht, daß Tripolis von türkischen Soldaten verlas­sen ist. Türkische Kavalleriepatrouillen hal­ten sich aber in der Umgebung der Stadt auf und unterrichten das Gros der türkischen Trup­pen, die sich nach dem Innern zurückgezogen haben, über die Beschießung und die Bewe­gungen der Italiener. Alle Forts sind zerstört. Ein größeres Detachement italie­nischer Infanterie ist gestern in Tripolis aus- geschisft und in den bereitgehaltenen Kaserne- ments untergebracht worden. Der Bau des Barackenlagers wird unverzüglich in Angriff genomen werden. Es ist den Türken gelungen, im Innern zehntaufend Mann zu kon­zentrieren, sowie einen Teil Araber mit Ge­wehren zu bewaffnen und fo ein richtiges Heer zu bilden, das zwar nicht sehr gut aus­gerüstet, aber mit voel Munition verse­hen ist. Man weiß noch nicht, ob dieses Heer längs des Kabel-Flusses bleiben oder auf Tri­polis zu marschieren wird.

A Das Kirchenkonzert des Leipziger Solo­quartetts. Das weltberühmte Leipziger Solo- Peiersvur Quartett wird am nächsten Sonntaa. nachmit-1 T e l e g r a m m.)

richte des städtischen Gas- und Elektrizitäts­werkes nichts mitzuteilen in der Lage wären, da die Herausgabe eines Berichtes verweigert wurde. Wir wandten uns deshalb mit einer Anfrage an Herrn Oberbürgermeister Mül­ler, der uns heute folgende Antwort zuge­hen läßt:

Ich erwidere ergebenst, daß eine V er- öffentlichung der Verwaltungsberichte der städtischen Gas-, Waffer- und Elektrizi­tätswerke bisher nicht erfolgt ist, und daß auch der Direktor des Gaswerks nicht befugt war, ohne meine Genehmigung eine Veröf­fentlichung zuzulassen. Da einer solchen aber nichts im Wege steht, habe ich die Di­rektoren der städtischen gewerblichen Werke ermächtigt, den hiesigen Zeitungen auf de­ren Ersuchen die Verwaltungsberichte zuge­hen zu lassen."

Warum bedurfte es aber erst dieses Vorsto­ßes von unserer Seite? Können die Leiter der städtischen Werke nicht dawin angewiesen werden, Drucksachen dieser Art der Presse ohne weiteres zur Verfügung zu stellen? Eine sol­che Forderung der Presse ist jedenfalls nicht unberechtigt.

A Die Fleischer drohen . . .! Der Deutsche Fleifcherverband erörtert die Frage, was zu tun sei, wenn die Städte die Fleischverforgung der Bevöl­kerung selber in die Hand nehmen oder den Fleischern Taxen aufzwingen würden. Als Repressalien, zu denen er jedoch nicht raten wolle, obgleich er sie aufzählt, kämen danach in Betracht: 1. B o v k o 11 i e r u n g der Viehhändler, die kommunalen Schläch­tereien Vieh liefern. Falls landwirtschaftliche Organisationen das Vieh liefern, fo müßte sich die Boykottierung auf den betreffenden Bezirk erstrecken. 2. Weigerung, Rind-, Kalb- und Hammelfleisch an solche Konsumenten zu verkaufen, die Schwei­nefleisch im K o mmun alb etriebe kaufen. 3. Einklagung etwa außenstehender Forderungen und fofortige Zwangsvollstrek­kung gegen solche Kunden. Unter allen Um­ständen müsse jede Vereinbarung abgelehnt werden, die daraus hinausläuft, einem Organ der Verwaltung irgendwelchen Einfluß aus die Preisbildung einzuräumen. In Cassel hat man bisher leider noch nichts vernommen, was der Magistrat in Sachen der Lebensmit­telteuerung zu tun gedenkt. Warum ergreift man an maßgebender Stelle nicht ebenso die Initiative wie in anderen Städten? Es sckeint auch diesmal erst der Einwirkung von anderer Seite Vorbehalten zu fein, den Magi­strat ru Verwaltungsmaßregeln zu veranlaf- fen. Die sozialdemokratischen St a dt- verordneten haben nämlich folgenden Antrag vorberettet, der der nächsten Plenar­sitzung des Kollegiums unterbreitet werden soll:Die Stadtverordnetenversammlung be­schließt: den Magistrat zu ersuchen, eine ge­mischte Kommission einzusetzen, die schleunigst zu beraten hat, inwieweit die städtische Ver­waltung den Anregungen der Staatsregierung auf Beschaffung von Lebensmitteln und Ab­gabe derselben zum Selbstkostenpreis nachzu­kommen in der Lage ist."

A Darlehen an Landwirte jiuB Posischeck- geldern. Man schreibt uns: Durch Verord­nung des Reichskanzlers vom Ottober 1909 ist die Verwendung der Vostscheckaelder dahin geregelt worden, daß die Gelder für die Kreise, aus denen sie stammen, wieder nutzbar gemacht werden sollen, und zwar auch in der Form von Darlehen an Genossenschaften, Vereine und sonstige Einrichtungen zur Förderung von Landwirtschaft. Handel und Industrie. Wie uns mitgeteilt wird, sind von den dafür in Betracht kommenden Geldern, die am Ende des Jahres 1910 in einer Summe von 51130 000 Mark durch Ueberweisunq an die Reichshauptkasse angelegt waren, elf Milli­onen Mark zur Gewährung von Darlehen an Einrichtungen der Landwirtschaft, Handel und Industrie bereitgehalten worden.

A Der Ueberfall im Hause. Im Hause Pferdemarkt 20 will gestern abend ein Mann überfallen und körperlich mißhandelt worden sein. Gegen sieben Uhr abends wurde er auf die Samtätswacke in der Schäfergasse gebracht, wo man sieben Stichwunden an dem Körper des Mannes feststellte. Der Schwerverletzte wurde sodann ins Kranken­haus ü&erfüfirt. Die Untersuchung wird Wohl Licht in die dunkle Angelegenheit bringen.

A Die Verwendung von Fischkonftrven In Anbetracht her hoben Fleischpreise macht die vreußiscke Verkehrsverwaltung ihre Be­diensteten auf den Bezug von Seefischkonserven aufmerksam. Es wird ausgesühtt, daß der frische Fisch und vor allem die Seesischkonser- ven in der Ernährung unseres Volkes noch lange nicht die gebührende Rolle spielen. Die Fischkonserven erfordern keine weitere Zuberei­tung. sondern stellen eine fertige Speise von hohem Nährwert und leichter Verdaulichkeit zu billigem Preise dar.

A Ein politischer Ausbildungskursus. Die Ortsaruvpe Cassel des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie eröffnete, am Freitag im Saale des Evangelischen Vereinshauses den für dieses Winterhalbjahr wiederum anaekün- digten nationalökonomisch - politi­schen Aus- und Fortbildungskur- s u s. Der Vorsitzende, der hiesigen Ortsaruppe, General der Infanterie z. D. vonderBoeck, begrüßte die Anwesenden und gab seiner Freu­de darüber Ausdruck, daß in diesem Jahre die Meldungen zu dem Kursus eine Teilnebmer- zabl von 122 Herren erreicht haben. Er deute das als ein günstiges Zeichen dafür, daß mit dem Herannahen der bevorstehenden Reichs­tagswahlen das Interesse an politischen Din­gen im Wachsen begriffen sei. Dieser Um­stand müsse besonders deshalb als erfreulich gelten, weil bekanntlich eine der größten Par­teien die der Nichtwähler sei. die sich aus bür­gerlichen Kreisen zusammensetze. Landrichter Dr. H e i n r i c i hielt dann einen Vortrag über das Thema: .Tie Verfassung des Deut­schen Reiches und Preußens". An den Vortrag schloß sich eine Diskussion.

tags y/t Uhr, ein Konzert in der St. Mar­ti n s k i r ch e veranstalten, auf das jetzt schon aufmerksam gemacht sei. Der Tod der Altistin hat vor einiger Zeit eine Lücke in die wunder­volle Harmonie des Quartetts gerissen. Glück­licherweise hat sich bereits ein vollwertiger Er­satz gefunden. Der kommende Sonntaa wird allen Freunden geistlicher Musik den Beweis erbringen, daß das Quartett durchaus auf der Höhe steht, ja, daß feine Leistungen je länger, je abgeklärter wirken. Ueber den Vorverkauf von Eintrittskarten ist Näherers aus dem heu- ttgen Anzeigenteil ersichtlich.

A Die Untersuchung gegen den Kellner Fritz Cron. Am Sonnabend fand eine Ge­genüberstellung des wegen Mordver­dachts in Untersuchungshaft befindlichen Kell­ners Cron mit Wei Herren statt, die am Mord­tage zwischen neun und zehn Uhr morgens mit der Linie sieben der Elektrischen die Wolfhager Straße hinabfuhren. In der Nähe des Mord- Hauses sprang auf die Hintere Plattform, auf der sich die betreffenden Herren befanden, ein Unbekannter auf, der durch fein auffälliges Ge­bühren die Aufmerksamkeit der Mitfahrenden erregte. Am Sonnabend nun wurde Cron die­sen Herren gegenübergestellt. Sie erkannten aus einer Gruppe von sechs Leuten den Mann wieder, den sie an dem betreffenden Morgen auf der Elektrischen gesehen hatten. Auch der Schaffner des betreffenden Wagens wurde be­reits vernommen. Auch er will Cron wieder er­kennen.

A Tas Herbstschauturnen der Casseler Turngemeinde 1848. In feiner Turnhalle an der Wimmelstraße hielt Sonntag nachmittag der Verein sein Herbstschauturnen ab. Nach­dem der Aufmarsch der Turnerschar erfolgt war, hielt der Schriftführer Henze eine An­sprache, in der er aus den hygienischen Wert des Turnens und die Entwickelung des Ver­eins hinwies. Daraus setzte das Schauturnen ein, dessen Leiter der erste Turnwart Stöhr war. Die Uebung der Männerabteilung, wie auch die Knaben- und besonders die Samen» gruppen fanden in den Reihen der Zuschauer ungeteilten Beifall.

A JnS Zuchthaus zurück. Der Arbeiter Carl Schröder aus Cassel, der schon fast ein Jahr­zehnt hinter Kerkermauern zugebracht hat, stand heute abermals vor der hiesigen Strafkammer wegen schweren Diebstahls in wieder­holtem Rückfall. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, in der Nacht zum fünften Mai zu Elgershausen aus der Villa des Geheim-Rats Buchholz mittels Einbrechens Kleidungsstücke, Bücher und andere Gegenstände gestohlen zu haben. Das Urteil lautete auf drei Jahre Zuchthaus.

A Kleine Tageschronik. Gestern nachmittag versuchte in dem auf der Schaumeffe herrschen­den Gedränge ein halbwüchsiger Bursche einer Dame aus dem Handtäschchen das Portemon­naies zu entwenden. Er wurde jedoch beob­achtet und von den Umstehenden an der Vol­lendung seines Verbrechens verhindert. Die neue Rechtsberatungsstelle des Arbeit­geber-Verbandes in Cassel wird, wie man uns schreibt, durch ihren Parteisekretär Heinrich Becker in Cassel, Moritzsiraße 13, parterre, wo sich auch einstweilen die Geschäftsstelle befin­det, vertreten. Die Krieger-Sani­täts-Kolonne vom Roten Kreuz hielt Sonnabend abend auf dem Saurasen «ine Nachtübung ab, der auch Exzellenz Fritsch und Oberarzt Dr. Reimann bei­wohnten. In einer öffentlichen Versamm­lung des Deutschnationalen Hand­lungsgehilfenverbandes, Ortsgrup­pe Cassel, wird am Dienstag abend neun Uhr im großen Saale des Stadtparkes Paul El­be rding-Hamburg einen Vortrag über Handlungsgehilfenbewegung und Parteipoli­tik" halten.

A Das Wetter am Dienstag. Der amtliche Wetterbericht sagt für Dienstag für Heffen- -Nassau folgende Witterung voraus: Aufhei­ternd, nachts kühler, morgens vielsach neblig, Tageswärme steigend, später trübe.

I unterhandelt, wie verlautet, mit russischen i Aviatikern für den Rekognosziernngs- dienst im Tripolis-Kriege. Sie bietet den Avia­tikern außer den Kosten für den Flugapparat fünftausend Rubel Monatsgage. Der Aviati» ker Jankowski hat seine Dienste den Ita­lienern angeboten. Näheres ist noch nicht be­kannt.

Luttpold, der Neunzigjährige.

> (EigeneDrahtmeldung.)

te* München, 9. Oktober.

Die privaten Nachrichten über das Befinden des Prinzregenten von Bayern lau­ten im Gegensatz zum offiziellen Hofbericht in den letzten Tagen sehr ungünstig. Gestern ist die Mitteilung ausgegeben worden, daß der Prinzregent Sonnabend und Sonntag den Hochwildjagden bei Hintersee beiwohnte und täglich fttihmorgens vom Jagdschloß in den fünfundzwanzig Minuten entfernten Jagdstand geritten sei. Der Prinzregent habe sich jedoch auf einige Tage von Hintersee nach Berchtes­gaden zurückbegeben. Diese Nachricht ist nur zum Teil richtig: Verschwiegen wird, datz die Rückkehr von Hintersee nach Berchtesgaden deshalb erfolgt ist, weil sich bei dem Prinz­regenten eine derartige Schwäche cinstellte, daß eine Heimkehr nach dem komfortablen Berchtesgaden zweckmäig erschien. Der ein­undneunzigjährige Prinzregent hat noch immer den Wunsch, in seinen geliebten Bergen auf den Anstand zu gehen, aber seine Kräfte reichen nicht mehr ans, um das Gewehr in der ruhigen Lage zu halten. In den Bergen fühlt sich der Prinzregent wohler. Die Aerzte treten deshalb auch seinen Wünschen nicht entgegen und trach­ten nur danach, dem Prinzregenten das Gefühl der Schwäche vergessen zu machen.

Das Unglück auf dem Flugplatz.

(Eigene Drahtmeldung.)

P Paris, 9. Oktober

Der militärische Flugzeugwettbe- werb von Reims hatte gestern einen neuen Unfallim Gefolge: Der Aviatiker Prevost, der auf einem Eindecker über dem Aerodrom kreiste, drohte mit einem aufsteigenden Doppel­decker zusammen zu stoßen. Er schwentte rasch ab und versuchte zu landen, hatte aber hierbei einen Schuppen zu umfliegen und rannte dabei heftig gegen die Umzeunnng des Flugfeldes, die er zum Teil niederwarf. Während Prevost selbst unverletzt blieb, riß ein Eisenpfosten den auf Posten befindlichen Soldaten Poti» vom Infanterieregiment Nr. 132 den Leib auf. Der Schwerverletzte wurde ins Mili­tärhospital gebracht. Sein Zustand ist sehr ernst, und es ist kaum Hoffnung vorhanden, ihn am Leben erhalten zu können.

Eine Bluttat in der Kleinbahn.

Hanau, 9. Oktober. (Privat-Tele- gramm.) In einem Arbeiter-Zuge derKohl- tal-Kleinbabn neckten heute früh sich mehrere auf der Heimfahrt nach Krombach begriffene junge Burschen. Im Verlaufe dieser Necke­reien hantierte der neunzehnjährige Fabrikar­beiter Stab aus Krombach mit einem Messer und stach dies seinem Kollegen in den Rücken. Der Gestochene sank sofort tot nieder. Der Täter wurde verhaftet.

Wo man singt ...

Köln, 9. Oktober. (Priv at-Tele- g r a mm.) In Königswinter kam es an­läßlich des Sängerwettstreites zu einer regel­rechten Keilerei. Man beschuldigte den Fest­ausschuß unlauterer Machinationen. Schließ­lich mutzte die Polizei eingreifen. Da es nun auch schon auf anderen Sängerwettstreiten zu Mitzhelligkeitzen gekommen ist, wird sich der rheinische Sängerbund (dem über hundert der größten rheinischen Gesangvereine angehören) auf einer in den nächsten Tagen in Köln statt- findenden Versammlung mit der Frage befas­sen, wie den Auswüchsen zu steuern ist. Es sollen Eingaben an Fürstlichkeiten und Behörden gemacht werden, die er­suchen, allen Wettstreiten die Unterstützung zu versagen, ehe ein Gutachten des Sängerbundes eingeholt worden ist.

Intermezzo in der Kirche.

London, 9. Oktober. (Privat-Tele- gramm.) DerDaily Mail" wird aus B a r y über einen tra gisch en Zwischenfall be­richtet, der sich dort in der Kirche des heiligen Dominik ereignete. Während des gestrigen Fest- gottesdienstes, zu dem sich zahlreiche Besucher eingefunden hatten, fing die Statue der hei­ligen Jungfrau Feuer. Ehö die Prie­ster zur Rettung herbeieilen konnten, waren der Jesusknabe und die Madonna bereits ver­brannt. In der Versammlung, die zumeist aus Frauen und Kindern bestand, brach eine wilde Panik aus. Nach langen Bemühnn-. gen gelang es der Geistlichkeit, die Anwesenden zu beruhigen. ES sollen bei der Panik schwere Verletzungen vorgekommen sein.

DaS Geheimnis eines Mordes.

Lo nd on, 9. Oktober. (Privat-Tele« Stamm.) In Little-Green, einem klei­nen Städtchen unweit von Newcastle, wurde in der vergangenen Nacht der Bahnmeister Ge­org Wilson eemordxt. Er hatte gerade den letzten Zug kurz vor elf Uhr passieren lassen und schritt über die Schienen, um sich nach sei­nem gegenüöcrlieaenben Garten zu begeben,1 als ihm plötzlich Sand indie Augen ge­streut wurde. Gleich daraus knallte ein Schuß, und als die Tochter WilsonS herbeieilte, fand sie den einundsechzigjährigen Vater bereits tot am Boden liegen. Ueber den Täter und die Ursache deS Mordes ist bisher nichts bekannt.

Ein Mord aus Rache.

Petersburg, 9. Oktober. (Privat« Telegramm.) In der Röhe von Peters­burg, im Kurorte Sestro-Jetzk, erstach in der vergangenen Nacht der Sohn des Generals S a I e r i n den Sohn des Geistlichen Warna- r o w und verwundete dessen neunzehnjährigen Freund schwer. Das Motiv der Tat ist R a ch e. Der zwanziaiährige Mörder wurde verhaftet.

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