Nummer 261
1. Jahrgang
HMche Abendzeiiuug
Kasseler Adendzeüms
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Fernsprecher 951 und 952<
Fernsprecher 951 und 952.
Dienstag, den 10. Oktober 1911
Berliner Lust.
Msmenlbilder aus dem Sensations-Prozeß Wolff-Metternich.
Nachdem fünf Serien des grellbunten Films, der als Strafprozeß Wolff-Metter- nich seit einer Woche mehr Aufmerksamkeit weckt als die donnerndsten Bombendepeschen aus Tripolis, vor unserm Auge abgehaspelt worden, scheint im allgemein »menschlichen (nicht juristisch geschliffnen) Urteil Eins sestzufteheu: Dieser vierundzwanzigjährige Müßiggänger, Lebemann und Soiree-Statist mit dem alten Namen, der degenerierten Psyche und den niedlichen Passionen ist imgrunde nicht mehr- schuldig als die überwiegende Mehrzahl der vielen Eideshelfer pro und contra, die, dem Ruf eines fast überemsigen Staatsanwalts aber der Einladung noch weit eifrigerer Verteidiger folgend, in diesen Tagen im Themis-Haus zu Moabit ein und aus gingen: In Lack und Claque, in rauschenden Jupons und märchenhafter Spitzenpracht. Das Milieu, aus dem die üblen Schwaden weithin sichtbarer Sitten-Moderung aufsteigen, ist das Allerheiligste und Intimste von Berlin-^., die Inkarnation millionensatten Kultur-Raffinements und blasierten Uebergenuffes, deren Pfad die sarbenglühenden Giftblumen entnervender Perversion säumen. Wie banal, schlotternd und marklos sind die Menschen, die in den paar Tagen der Metternich-Sensation wie flüchtige Schatten über die Bühne von Moabit huschten; dieselben Menschen, die das Leben sonst mitten in den Strahlenkreis des Glücks zu stellen pflegt! Der Prozeß gegen den millionenjagenden Neffen des Londoner Botschafters mag manches Unerfreuliche dem profanen Auge preisgegeben, manches Schicksal der Schadenfreude frecher Neugier ausgeliefert haben: Daß er auch ein charakteristisches Sittenbild unsrerZeit aufgerollt hat und in mehr als einerHinsicht sogar als überzeugendes Kultur- Dokument gelten kann, wird man füglich nicht bestreiten dürfen.
Der Parteien Haß und Gunst kann den Kern der Dinge kaum berühren: Der Reichs- graf Gisbert Viktor Konstantin Hubert Maria Wolff-Metternich zur Gracht, der Sproß uralten Hauses und Neffe eines Diplomaten von hohem Rang, hat in der Gesellschaft von Ber- Iitt=W. und in der eleganten Lebewelt reichs- hauptstädtischer Nächtlichkeit eine Nolle gespielt, die man tragisch nennen könnte, wenn dem eben zur Mannheit gereisten Schlemmer das Bewußffein eigen gewesen wäre, im Salon und in der Bar, bei Wertheim und bei der Brillanten-Else immer nur der Köder, das Aushängeschild und die aparte Dekoration zu sein; die man aber komisch findet, wenn man sieht, wie die Leute, die einst das „hochgeborne" Jüngelchen umdienerten, nun mit finster zusammengezognen Brauen vor der Barre des Gerichts stehen und mit heiligen Eiden bekräftigen, daß sie „immer schon* davon überzeugt gewesen, wie bemakelt das neunzackige Krönchen sei, dessen goldfunkelnde Spitzen Viktor Konstantin Hubert Maria Wolff-Metternichs Visitenkarten und Manschettenknöpfe zierten. Der junge Mann auf der Anklagebank erweckt ordentlich Mitleid: Dutzende, Hunderte seines Schlags haben's nicht anders getrieben wie er, haben gepumpt und gejeut, quergeschrieben und prolongiert, und sind doch, von der Welle des Zufalls in den Hafen getrieben, auf des Lebens Gipfel gestiegen, bebändert und besternt, und von der Masse bestaunt als Auserwählte des Glücks. Wer weiß: Eine Grafenkrone lockt nicht nur im Dollarland die Millionen, und wenn's nicht die Dolly Pinkus war, konnte es leicht eine andre sein. Und der Neffe des Botschafters in London würde dann (vermutlich) nicht in Moabit um sein Schicksal kämpfen muffen, sondern dürfte ausruhen von den Abenteuern eines wildbewegten Lebens auf den Schätzen eines milden Schwiegervaters, der die Ehre, mit den Metternichs versippt zu fein, nach Gebühr zu werten wüßte.
Ein Richter (der in Moabit sich ausdrücklich als nicht befangen erklärt Hat) nannte den Angeklagten einen Betrüger, der Jahre hindurch fast nur vom Betrug gelebt habe. Beweis: Unbezahlte Rechnungen en gros, dunkle Wechselgeschichten und zweifelhafte Kreditgeschäfte. Ter junge Mann, der sich Graf Wolff-Metternich nennt, kauft in einem Jahr für rund sechshundert Mark Stiefel, für vierhundert Handschuhe und für das Doppelte Krawatten, und der öffentliche Ankläger sieht in der Tatsache, daß ein Mann, der keinen Pfennig erwirbt, dessen ganzes Leben ein einziger Pump und dessen einzige Hoffnung die Jagd auf die Millionenbraut ist. diese Riesen
summe für rein-alltägliche Bedürfnisse schuldig bleibt, offenbaren Betrug. Oder: Vor der Barre steht ein Mann, der dem Herrn Grafen einst einen kostbaren Pelz verkaufte (auf Gra- senwort und ewigen Kredit). Der Vorsitzende wirft die Frage auf, wie der Angeklagte dazu komme, grade einen so wertvollen Pelz auf Kredit zu entnehmen; er (der Vorsitzende der zehnten Strafkammer am reichshauptstädti- schen Landgericht eins) habe überhaupt keinen Pelz. Der Vorsitzende der zehnten Strafkammer scheint mit den Intimitäten der Berliner Lebewelt "nicht sonderlich vertraut zu sein; er hätte aber schon aus der Beweisaufnahme erkennen können, daß ein junger Mann, der einen Grasen zum legitimen Vater und einen richtig-gehenden Botschafter zum liebenden Onkel hat, in Berlin nicht nur Stiefel, Handschuhe, Krawatten und Pelze, sondern auch Automobile, Brillanten und sogar Millionen- Erbinnen auf Kredit haben kann, wenn er will. Und wenn er nicht will, überlaufen ihn die Leute, die sich eine Ehre daraus machen, Gläubiger eines Grasensohns zu sein, mit drängenden Angeboten. Der verlorne Sohn der Metternichs ist sicher nicht der Einzige, der in dieser Weise von der Dummheit Andrer heimgesucht ward. Nur ist bei ihm das Nachspiel etwas übler geworden.
Ein andrer Typ: Generalmajor a. D. Pauly. Achtundsechzigjährig, eisgrau, mit dem eisernen Kreuz geziert, rollt ihn ein Krankenwärter im Stechenstuhl in den Saal. Der alte Herr erzählt von dem Sünder in der Anklagebank Züge nobelster Menschlichkeit, wirbt für den Schwerverdächtigten im Zuhörerraum warme Sympathien und erklärt aus innerster Ueberzeugung, der Graf Wolff-Metternich habe um jede Millionen-Erbin der Hauptstadt-Gesellschaft werben dürfen. Er selbst wurde dem' Grafen mit Freuden jeden Betrag zur Verfügung gestellt haben. Inzwischen will der Staatsanwalt ermittelt haben, daß der greise Haudegen mit dem ehernen Kriegerkreuz auf der Brust in der Stille des kriegerischen Feierabends emsig als . . . Heiratsvermitt- l c r tätig ist, keinen Heller sein Eigen nennt und die Purpurstreifen des Generals in einer ausländischen Kolonial-Rrmee erwarb, nachdem er Preußens Heer als Oberleutnant verlassen. Der Typ des heiratvermittelnden Generals fehlte noch, um das aufdringlich-bunte, von den Schwaden sittlicher Niederungen umnebelte Bild von Berlin-lV. stimmungsvoll zu ergänzen. Vom Salon der Frau Truth bis zu den Bars im nächtlichen Berlin, von der Bril- lantcn-Else bis zur Millionen-Braut, und vom Bummler-Grafen bis zum Sekt-Agenten: Ueberall d i e s el b e schwüle, gistgeschwängerte Atmosphäre, derselbe Moderboden gesellschaftlicher Degeneration, dessen aufquirlende Miasmen die Lust verpesten und dessen dünne Kulturdecke nur kümmerlich die Dürftigkeit verbirgt, die unter ihr sich in komischer Pose spreizt. Angesichts der Wirklickkeit-Entschleie- rung, die in diesen Tagen im Justizhaus zu Moabit die Welt von Bcrlin-)V. erfahren hat, verschwindet fast die Armseligkeit des einen Sünders auf der Anklagebank, und es ift schließlich ja auch gleichgültig, zu welchem Spruch die Männer im Talar der Gerechtigkeit gelangen werden. Reben dem Grafen Wolff- Metternich saß 33 e r U n«W. auf der Sündenbank, und das Urteil über diesen millionen- schiüernden Inbegriff modernster Dekadence war bereits gesprochen, lange bevor man die erste Woche des Metternich-Skandals seufzend beschloß. F. H.
Republik oder Monarchie?
Ter Monarchistenputsch in Portugal. (Telegraphische Meldungen.)
Offiziös wird aus London berichtet: Wie Depeschen aus Ehaves, Braganza und Castello Branco melden, ist die Ordnung wiederhergestellt. Neuerdings sind mehrere Personen, die gegen die Republik agitierten, verhaftet worden. Truppen sind nach Vinhaes gegen die Monarchisten aufgebrochen.
In seltsamem Gegensatz zu dieser offiziösen Befchwichtigungsnote sieht eine aus Gibraltar vorliegende Meldung, wonach dort gestern mehrere englische Kreuzer Vorkehrungen getroffen haben, um heute nach Lissabon abzugehen. Diese Nachricht läßt zum mindesten daraus schließen, daß die „Ordnung im Lande* bei weitem nicht s o gesichert ist, wie in den offiziösen Kundgaben behauptet wird, denn wenn die republikanische Regierung in Lissabon englischer Hilfe bedarf, um den Monarchistenputsch zu vereiteln, so beweist das doch sehr überzeugend, daß die Regierung in Lissabon sich selbst zu schwach fühlt, um den Monarchisten mit sicherer Aussicht aus Erfolg entgegentreten au können. Die neueste offiziöse
Note aus Lissabon enthält folgende Mitteilung: Die Banden der Monarchisten verließen Vinhaes in dem Augenblick des Eintreffens der republikanischen Truppen und flohen nach allen Richtungen. Einige wurden erschossen, andere ließen sich gefangen nehmen. Die Verfolgung der Flüchtlinge bis zur Grenze blieb erfolglos. Nachrichten aus Verin besagen, die in Galicien stehenden monarchistischen Truppen seien demoralisiert.
Brüssel, 9. Oktober. (P r iv a t-T e letz r a m m.) Nach Meldungen, die ans England bei hiesigen portugiesischen Royalisten eingelaufen sind, war König Manuel nicht (wie man annahm) unter den Reisenden des Ex- preßzuges nach Spanien, wo man ihn erkannt haben wollte, sondern er befindet sichaufdem größeren der beiden Kriegsschiffe, 'die die Royalisten nach Oporto senden werden, wo sie heute eintreffen sollen. Man nimmt an, daß gleichzeitig diese Schfffe die Hafenbefestigungen bombardieren sollen, während General Conceiro von der Landseite her mit seinen monarchistischen Truppen Oporto angreift.
8m msiischen Zumpf.
Enthüllungen über die „Akteure" von Kiew.
Die russische Presse fährt fort, aufsehenerregende Einzelheiten über die Organisation des polizeilichen Geheimdien st es in Kiew zu veröffentlichen. So berichtet die „Rowoje Wremja", daß, als die Schüsse auf Stolypin fielen, sich der Chef der Palastochra- na, Oberst Spiridowitsch. und der Chef der Kiewer Ochrana, Oberst K u l j a b k o, im Cafs Franoais befanden. Die Gesamtzahl der aus Petersburg, Moskau und Kiew herange- zogenen Geheimpolizei belief sich auf fünfhundert Mamt.Ueber die Vorgänge im KiewerStadt- theater vor und während des Attentats werden uns folgende Einzelheiten berichtet:
rr Petersburg, 9. Oktober.
(Von unserm Korrespondenten.)
An dem verhängnisvollen Tage war im Parkett des Theaters der Mörder Bage- r o w der einzige Agent der politischen Polizei. Um den Geheimagenten einen anständigen Anstrich zu geben, damit sie von der Gesellschaft nicht zu sehr abstcchen, waren ihnen für Rechnung der Ochrana Fracks bestellt worden. Die Ausgabe hierfür betrug fünfzehnhundert Rubel. Rach den Berichten Kuljabkos gab es in Kiew zehntausend politisch unzu- verlässige Personen . Von diesen waren gegen tausend unter den Zuschauern anwesend, als sich der Festzug durch die Straßen Kiews bewegte. Interessante Angaben werden über die Karriere Kuljabkos gemacht: Zuerst diente er in der Moskauischen Stadtpolizei, wurde aber für eine Reihe von Vergehen aus dem Dienst entfernt. Der frühere Chef der Kiewer Ochrana. Oberst Spirido- witsch, fein Schwager, nahm ihn als Schreiber in feine Kanzlei und beschloß, eine wichtige Persönlichkeit ans ihm zu machen. Zu diesem Zwecke wurde er mit der Geheimagentur betraut, aus welchem Gebiete er
viel Energie und Findigkeit entwickelte. Sein Schwager berichtete über ihn nach Petersburg und stellte ihm ein g l ä n z e n- des Zeugnis aus. Damit begann der Stern Kuljabkos aufzugehen. Als ein Geheimagent gegen den Oberst Spiridowitsch ein Attentat in Kiew ausführte, wurde Kuljabko nach Petersburg versetzt, wo zu jener Zeit T r e p o w, sein gewesener Chef, allmächtig war. Spiridowitsch versorgte seine« Schwager Kuljabko vor seiner Abreise und bewirkte dessen Ernennung zum Gehilfen des Chefs der Ochrana. Sein nächster Vorgesetzter wurde der Oberst Jeremin. Dieser wartete nur auf eine Gelegenheit, um sich auszuzeichnen. Eines Tages wurde ihm von den Geheimagenten gemeldet. daß die Revolutionäre R Y ß, der das Attentat auf Kotten in Paris ausführte, aus dem Gefängnis befreien wollten. Jeremin begab sich ins Gefängnis zu Ryß und nahm ihn nach längeren Verhandlungen als . . . Ge - heimagenten auf. Er ließ Ryß mit Genehmigung feiner Vorgesetzten fliehen, und Ryß versorgte hierauf die Ochrana Monate lang mit falsche« Nachrichten, wofür ihm viele Tausende bezahlt wurden. Hinter dem Rücke« seiner Vorgesetzten beteiligte sich Ryß an dem
Attentat auf der Apothekerinsel
gegen Stolypin. Obgleich Jeremin mit Ryß so hereingefallen war, wurde er dennoch auf einen höheren Posten in Petersburg berufen. General Gerassimow, der damals Chef der Petersburger Ochrana war, wußte um das Doppelspiel von Ryß und warnte Jeremin, ober dieser brach feine Beziehungen au Rvk nicht ab. Als Kurlow aum Gou
verneur von Kiew ernannt wurde, trat Kul- jabko ihm näher, fodaß Kurlow in kurzer Zeit Lobendes über die Talente Kuljabkos nach Petersburg berichtete. Mit der Ernennung Kurkows zum Vizedirektor des Polizeidepartements und bald darauf zum Gehilfen des Ministers des Innern glänzte der Stern Kuljabkos im hellsten Lichtei Kuljabko wurde zum Rittmeister und bald darauf zum O b e r ft„ leutnant befördert. Stolypin soll der politischen Spionage mit einer-gewissen Vorsicht gegenübergestanden und sie eine Zeitlang selbst geleitet haben. Erst als es zu dem unangenehmen Vorfall mit General Gerassimow in Anlaß der Ermordung des Obersten Karpow durch Petrow kam, übergab Stolypin General Kurlow die politische Spionage. -eu-
*
Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Petersburg: Die vom Ministerpräsidenten Kokowzow angeordnete Untersuchung der Kiewer Polizei-Verwaltung hat skandalöse Mißstände aufgedeckt, die in erster Linie dem Polizeichef Kuliab- k o zur Last falle«. Gegen Kuljabko ist bietet« halb bereits ein Verfahren eingeleftet worben. Außer dem Polizeichef sind noch acht andere höhere Polizeibeamte schwerkompromit- tiert und es stehen in der Affäre zahlreiche Verhaftungen bevor.
Zer Kries im Ritteimeer.
Marschall von Biberstein beim Großwefir.
(Telegraphische Meldungen.)
Wie uns ein Privat-Telegramm aus Konstantinopel berichtet, batte der deutsche Botschafter Freiherr Marschall von Biberstein gestern eine zweistündige Unterredung mit dem Großwesir auf der Pforte über die Ausweisungsfrage. Der Botschafter gab den Rat, man möge einen so schwerwiegenden Schritt nur nach reiflicher Erwägung tun. Bisher habe die Türkei die öffentliche Meinung Europas für sich gehabt. Durch die Ausweisung der Italiener könne sie viele Sympathien verlieren. In den Kreisen der Pforte scheint der Beschluß des Minister- rats (der vorläufig durch ein Jrade sanktioniert worden ift) mehr als Versuchsballon aufgesaßt zu werden. Ueber die Situation auf dem Kriegsschauplatz liegen uns folgende Meldungen vor:
<? Malta, 9. Oktober.
(Eigene Drahtmeldung.)
Zuverlässige« Nachrichten zufolge hat vorgestern abend ein italienischer Torpebojägcr abermals zwei türkische Torpedoboote in den Grund gebohrt. Danach verbleibe« der türkische« Marine nur «och sechzehn Torpedoboote. Die Italiener haben sich während der ersten Landung bei Gergarisch mit den Türke« «ach dem voraufgegangene« Bombardement gegenseitig angeschosseu, wobei ein Man« getötet und zwei weitere verwundet wurde«. Allnächtlich finden mehrfach Angriffe der türkischn« Reiterei und arabischen irregulären Reiter auf verschanzte italienische Vorposten statt. Am Freitag erfolgte ein größeres Gefecht gegen zehn Uhr abends, unterstützt durch Scheinwerfer.
zehrülmsend Türken in Gerda.
(Eigene Drahtmeldung.)
Aus Konstantinopel wird uns berichtet: Nach einem Telegramm aus Tune- sich-Gerba vermochten die Türken nach dem Rückzug aus Tripolis zehntausend Soldat e n zu konzentrieren und ebensoviel Araber mit Mausergewehren und Munition auszustat- ten. Es ist noch unbekannt, ob dieses Heer in Gerda verbleiben oder auf Tripolis marschieren soll. Die türkische Flotte ist zum Teil im Bosporus versammelt und nach dem Dardanellen-Eingang vorgeschoben. Eine Aktion gegen eines der fünf verzettelten italienischen Geschwaderschisse ist noch ungewiß. Die Snnssi in Tripolis haben den Heiligen Krieg gegen Italien erklärt. Die heutigen Morgenblätter glauben übrigens mitteilen zu können, daß die Türkei Deutschland ersucht habe, bei Italien zu vermitteln, um eine schnelle Beendigung des kriegerische« Konflikts herbei- zuführen. Im Anschluß daran wird uns aus Berlin depeschiert:
Es bestätigt sich nunmehr, daß die türkische Regierung eine N o te an die Mächte gesandt hat, des Inhalts, daß sie ihre Vermittlung Italien gegenüber erbittet. Die türkische Regierung erklärt sich berett, Tripolis de facto «ach jeder Richtung Italien zu überlassen, unter der Bedingung, daß die türkische Oberhoheit anerkannt bleibe.
Einem Telegramm aus Konstantino- pel zufolge trifft Reschid Pascha heute mittag aus Wien dort ein. Er hat trotz der vorgestrigen Demission von neuem daS Portefeuille des Aeußeren anaenommen. Mahmud