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Nummer 266,

1. Jahrgang

COlerRkWsteMMtm

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Fernsprecher 951 «ud 952.

Fernsprecher 951 und 952,

Sonntag, den 8. Oktober 1911.

®te «affet« Neueste» Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und »war abends. D« SbonnenientSpretS beträgt monatlich 50 Psg. bet ft et« Zustellung ins Hau». Bestellungen «erbe» jederzeit von d« Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei Verlag und Siebaltton: Echlachthosstraße 28/30. Sprechstunden der RedaMon von 12-3 Uhr nach- mittag«, juristische Sprechstunden für unsere Abonnenten Mittwochs und Sonnabends von 68 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.

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Mtsel vom Sage.

Randglossen zur modernsten Tagcsgeschichte.

Am letzten Septembertag wurde aus Mo- g a d o r im Maurenland an die Redaktion eines Frankfurter Blattes Lerichtet, daß (aus­weislich eines Originalbriefs des Kalifen von Agadir) die Franzosen sich des Forts an der Mauer von Agadir bemächtigt, die Tri- c o l o r e gehißt und sie durch Kanonenschüsse s a t u l i e r t hätten. Die fränkischen Sturm­gesellen hättest außerdem die Deutschen aufge­fordert, unverzüglich das Land zu verlassen, da ein französischer Kreuzer unter­wegs sei, um das Gebiet zu besetzen. Der Ge­währsmann der Hiobspost war der marokka­nische Kaid Gelluli, der dem deutschen Kocksul in Mogador den bei ihm eingegangnen Origi- nalbericht des Kalifen von Agadir mit dem Bemerken übersandte, daß der Kalif sich be­reits beim Kommandanten des deutschen Kreu­zersBerlin" über das Vorgehen der Fran­zosen beschwert habe, von diesem indessen da­hin beschieden worden sei,nach seinem eignen Ermessen zu handeln". In der Meldung war zum Schluß gesagt, daß die deutsche Untätig­keit angesichts der französischen Provokation und das völlig passive Verhalten desBerlin"- Kommandanten auf die Eingebornen direkt demoralisierend einwirke und das deutsche An­sehen schwer schädige. Der aus Mogador am dreißigsten September abgegangene Bericht wurde in der deutschen Oeffentlichkeit am fünften Oktober bekannt und gab den Lärm­machern im Blätterwald Anlaß, auf denzah­men Schwaben" Kiderlen ein Hagelwetter teu­tonischer Entrüstung niederprasseln zu lassen. Als am Abend des Tags die Berliner Wil- helmstraße durch Dutzende von dringenden te­legraphischen Anfragen bestürmt wurde, er- -klärte der diensthabende Kanzleirat achsel­zuckend, im Amtsbereich habe man weder Kenntnis noch Ahnung von dem Intermezzo; der letzte Bericht aus Agadir habe sogar davon erzählt, daß die Nachwirkungen derPanther"- Fahrt sich fortgesetzt in erfreulichster Weise merkbar machten.

Inzwischen hat der offiziöse Draht emsige Arbeit geleistet, und gestern bereits war man in der Wilhelmstraße in der angenehmen Lage, die Sorgensalten von den Stirnen zu scheu­chen: Der Kalif von Agadir, der in der Angst vorm nahenden Franzosen-Ungewitter den Flehebrief an den deutschen Konsul nieder- schrieb, hat mit des Alters trübem Auge einen Streich übermütiger Jugend als Vorboten kommenden Unheils erkannt, und der Kaid Gelluli hat unrecht daran getan, den deutschen Konsul in Mogador mit demScherz von Aga­dir" zu behelligen. Offiziös wird nämlich er­zählt, es handle sich bei dem angeblichen Inter­mezzo lediglich um den Uebermut eini­ger junger Leute, die, angespornt durch die umlaufenden Gerüchte über die bevor­stehende Proklamierung des französischen Pro­tektorats über Marokko, auf einer alten, längst verlassnen Bastion das dreifarbne Fahnentuch der Republik aufgepflanzt hätte. Und der Bericht des greisen Kalifen, das dringliche Er­suchen des landvertrauten Kaids und die Randbemerkungen des Konsuls in Mogador: Besagt das alles nichts gegenüber den Lapi­darsätzen der Wilhelmstraße, und wiegen die Zeugnisdokumente vom Schauplatz der Ereig­nisse nicht schwerer als der nützlichste und best- erklügeltste Schwichtigungsversuch? Unser amt­licher Nachrichtendienst läßt erwiesnermaßen Erhebliches zu wünschen übrig, und die Aus- land-Jnsormationen unsrer Diplomatie sind in der Hauptsache die Dürftigkeit selbst: Als über Nacht im fernen Osten die Brandfackel des Kriegs blutigrot aufflammte, schwelgte man in Berlin noch in Friedensbeteuerungen; als auf dem Umweg durch die Bureaus englischer De­peschenagenten die ersten Nachrichten über die Ponape-Katastrophe den Weg zur Heimat fan­den, begegnete man im Kolonialamt ungläu- big-lächclnden Mienen, und noch am Tag, da die Römer der Hohen Pforte bereits das Mes­ser an die Kehle setzten, erklärte man in unsren offiziösen Schreibstuben, es werde alles wohl­gefällig enden und kein Kriegsgeschrei die Welt erschrecken. Auch die Kunde über die angebliche Agadir-Posse gallischer Flaumbärte weckt ernste Zweifel, und vielleicht bringen schon die nächsten Tage überzeugende Beweise, die den von unfern Dementierkünstlern als Schwarzseher gebrandmarkten Kalifen von Agadir rehabilitieren!

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Ein andres Bild: Der verstoßne Sproß des Hauses Wolff-Metternich, der sich so­eben wegen Kreditbetrugs und etwelcher andrer Unrühmlichkeiten vor den Richtern von Moabit

zu verantworten hat, erklärte am zweiten Tag der Verhandlung unter Anbietung des Wahr­heitsbeweises, daß vor der Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den verlornen Sohn und Neffen an seinen Onkel, den deutschen Botschafter in London, die amtliche An­frage ergangen sei, ob er sich bereit erkläre, die Sündenschuld des Neffen mit baren Silber­lingen zu begleichen und dadurch das notpein­liche Verfahren gegen den Nahverwandten überflüssig zu machen. Das Verfahren habe auch e r st d a n n seinen Fortgang genom­men, als der Herr Botschafter erklärt habe, er fühle nicht Neigung, den Sünder aus der Schlinge der Gerechtigkeit zu befreien; dem Recht möge Genüge geschehen und er erbitte nur die eine Nachsicht, seinen Namenmöglichst wenig zu nennen". Der die Anklagebank zie­rende Grafensohn und Botschasterneffe hat fer­ner behauptet, es sei seitens des Justizmi­nisters eine Anweisung ergangen, die ent­gegen den geltenden gesetzlichen Vorschriften in das gegen ihn schwebende Verfahren einge­griffen habe. Das Gericht hat die von dem Angeklagten und seinen Verteidigern bezüglich der beiden Behauptungen gestellten Beweisan­träge leider abgelehnt, indem es geltend machte, daß Feststellungen darüber für die Be­weisaufnahme im eigentlichen Strafprozeß Wolff-Metternichbelanglos seien" und im übrigen auchnicht zur Sache gehörten". Der Entschluß des Gerichts ist bedauerlich, denn es kann nicht ausbleiben, daß sich an die bestimmt vorgebrachten Erklärungen und Beweisanträge des Angeklagten Erörterungen anknüpfen wer­den, die besser vermieden worden wären. Ab­gesehen davon, daß man im Zweifel darüber sein kann, ob beweiskräftige Feststellungen über die Behauptungen des Angeklagten für die Be­urteilung des Falles wirklich sobelanglos" gewesen fein würden, tote' die Richter von Moabit es augenscheinlich angenommen haben.

Claire V a l l e n t h i n, die die Gattenliebe an das Schicksal des Angeklagten kettet, ist vom Gericht mit einer Geldbuße von hundert Mark belegt worden, weil sie in einem Moment tiefinnerster Erregung sich zu einer Bemerkung hatte hinreißen lassen, die im Tempel der Ge­rechtigkeit ungebührlich war, und für die der Mann im Talar des öffentlichen Anklägers drei Tage Kerkerhaft als ziemende Ahndung forderte. Die unglückliche junge Frau, deren erste Ehetage schon vom Unheil verdüstert wurden, erklärte vor den Schranken des Ge­richts unter Tränen, eineprominente Persön­lichkeit" in Wien habe ihr versichert,das Urteil gegen ihren Mann sei bereits im ersten (spä­ter abgebrochnen) Verfahren nach zwei Ver­handlungstagen fertig gewesen: Ein Jahr sechs Monate Gefängnis warteten des Ange­klagten". Eine ähnliche (wohl derselben Quelle entstammende) Bekundung hat auch Wolff-Met­ternich selbst vorgebracht, und es läßt sich ver­stehen, daß eine Mitteilung der Art geeignet war, eine vom Schicksal ohnehin schwer heim­gesuchte Frau in der Seele tiefften Tiefen zu erregen. Niemand zweifelt daran, daß die Gräfin Wolff-Metternich, die als Claire Val- lenthin auf lichisunkelnder Rampe so oft der beifalltrunknen Wiener Welt des Lebens Glück und Jammer vorgetäuscht hat, diesmal selbst das Opfer einer Täuschung geworden ist, und man fühlt umso aufrichtigeres Mitleid mit der Hartgeprüften, die mit der ganzen Kraft der Seele um die Entschuldung des geliebten Man­nes ringt. Als über Maximilian Harden einst die Wogen finstern Unheils zusammenzuschla­gen drohten und im Blätterwald der Sturm der Erregung aufheulte, las man in Hardens braunemZukunft"-Heftchen ähnliche Mär, wie sie in diesen Tagen Wolff-Metternichs junge Frau unter Tränen den Richtern von Moabit offenbart hat. Auch damals ward von Richtern erzählt, die ihr Urteil bereits ge­funden hatten, ehe noch der letzte Zeuge das Haus der Themis verlassen. Maximilian Har­den indessen ist der Ahndung der Ungebühr entronnen, und kein Ankläger hat sühnehei­schend den Arm gegen ihn ausgereckt ...

_________ F. H.

Der zigaretteukSmg marschiert!

Tie Gegenrevolution in Portugal.

Als König Manuel von Portugal einst mitten in der Nacht von seiner Umgebung überzeugt worden war, daß es klüger sei, das Land zu verlassen, als sich an die Spitze der ihm treu gebliebenen Truppen zu stellen und die Rebellen niederzuwerfen, zündete er sieb eine Zigarette an, stieg in ein Automobil und sauste davon. Die Granaten platzten aus dem Lissaboner Königsplatz, und bei dieser Abschiedsmusik verabschiedete sich der junge Monarch mit freundlichem Lächeln von seinen weniaen Getreuen, um sich ins Exil zu begeben.

Offenbar sagte er sich damals, daß seine Zeit noch kommen werde. Unterdessen sind noch nicht zwei Jahre vergangen, und schon regt sich (allen Dementis zum Trotz) in Portugal die Gegenrevolution. Die neuesten Depe­schen berichten:

V Paris, 7. Oktober.

(Eigene Drahtmeldung.)

Eine Gruppe von acht Portugiesen passierte gestern Jrun in Nordspanien auf dem Wege nach O p o r t o. Von den Insassen wurde Al­fonso, der Oheim des Königs Manuel, erkannt. Zweifelhaft ist, ob M a n u e l s e l b st sich in der Gesellschaft befand. Man vermutet ihn allerdings in einem hingen Herrn mit em»' porgeschlagenem Rockkragen und über die Ohren gezogener Reisemütze. Der Bürger­krieg scheint unvermeidlich. Die Ur­heber der Revolution von neunzehnhundert­zehn dringen auf sofortige Einsetzung eines Diktators und Exekution der Soldaten und Offiziere, die des Einvernehmens mit den Mo­narchisten überwiesen sind. Den neuesten De­peschen zufolge ist Exkönig Manuel mit seinem Onkel, dem Herzog von Oporto und dem Her­zog von Braganza tatsächlich gestern in San Sebastian eingetroffen und hat seine Reise nach der portugiesischen Grenze fortgesetzt, die er jetzt überschritten haben dürfte.

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Die Monarchisten in Vinhaes.

(P r i v a t - T e l e g r a m m.)

Depeschen aus Badajoz melden: Die mo­narchistischen Truppen haben sich in zwei Kolonnen von je dreitausend Mann ge­teilt und marschieren auf Laguard-Ayamant, wo zweitausend bewaffnete Bauern stehen, die sich ihnen anschließen wollen. Regierungs­truppen suchen den Vormarsch der Monarchi­sten zu verhindern. Eine offiziöse Note ntKtifci, daß sich die Monarchisten in Vinhaes konzentriert haben. Die Note teilt ferner mit, die Städte Braganza und Chaves seien von re­publikanischen Truppen in beträchtlicher Zahl besetzt. Die Verbindung mit Braganza ist wie­derhergestellt. Die Soldaten töteten drei Mann, die die Eisenbahn beschädigten. Wei­tere Depeschen berichten über das Vordringen des Monarchistenführers C o n c e i r o, der von der Bevölkerung überall enthusiastisch be­grüßt wurde. Im ganzen Norden sei bereits die Königsflagge gehißt.

Der Stürm im Mittelmeer.

Die Cyrenaika von Italienern besetzt!

Ein Privattelegramm berichtet uns aus Rom: Depeschen aus Malta melden, daß den neuesten Nachrichten zufolge auch Cyre­naika von den Italienern besetzt sei. In Derna und Tubwu wurden italienische Truppen ausgeschifft. Sie haben bereits die Forts besetzt und auf der höchsten Bastion die italienischeFlagge gehißt. In Benghazi war der Widerstand der Türken sehr erbittert. Die italienische Flotte hat keine Verluste erlit­ten. Der italienische Gouverneur von Tripolis Kontreadmiral Borea d'Olmo wird an die Be­völkerung Lebensmittel verteilen lassen und mit dem deutschen Konsul D r. Tilger als Doyen des Konsularkorps die zum Schutze von Gut und Leben der Frem­den und Einheimischen erforderlichen Maßnah­men feststellen. Weitere Meldungen besagen:

P Paris, 7. Oktober.

(Eigene Drahtmeldung.)

Der Korrespondent des Matin" in Konstan­tinopel meldet seinem Blatte, dass sich der ehe­malige Grosswesir Hilmi Pascha ihm ge­genüber geäußert habe, der türkisch-ita­lienische Konflikt werde von län­gerer Dauer sein. Kein türkischer Mini­ster würde es wagen, die Möglichkeit ins Auge zu fassen, Unterhandlungen mit Italien anzu­knüpfen wegen einer etwaigen Abtretung von Tripolis gegen eine Geldentschädigung. Der Minister, der solches zu unternehmen wagen würde, würde von der öffentlichen Entrüstung hinweggefegt werden. Europa must mit dem religiösen Band, das die mohammeda­nischen Völker vereinigt, rechnen. Europa must eine gerechte Lösung für den Konflikt finden. Ter Augenblick für die von unserem Gesichtspunkt aus gerechte Lösung ist noch nicht gekommen. Wir bleiben in Erwartung und werden bis zum Ende ausharren. Dieser Zu­stand kann lange dauern, wenn Europa nicht mit aller Gerechtigkeit einschreitet, und kann die grösste Gefahr für den Weltfrie­den mit sich bringen.

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Der Kamps im Roten-Meer.

(Eigene Drahtmeldung.)

Depeschen aus Ehiasso berichten: Nach einem Marconitelegramm vom Roten Meere richtete ein italienisches Krieasscbikk schwe­

ren Schaden unter den Befestigungen von Hodeida an. Bei der Vernichtung des türki­schen .Kanonenbootes wurden etwa zwan/ig " Leute getötet und ver­wundet. Zahlreiche türkische Matrosen, dar­unter mehrere Verwundete, stürzten sich ins Meer, ehe das Kanonenboot unterging. Der Kapitän des italienischen KriegsschiffesAre- tusa" befahl, die Boote herabzulassen, und es wurden auf diese Weise zahlreiche türkische Matrosen gerettet. Nach einer Meldung des Echo de Paris" sollen die Türken fünfhun­dert Soldaten auf der Insel Samos gelandet haben, was eine Uebertretung des von Frankreich, England und Rußland garan­tierten status quo bedeutet. Wie in türkischen politischen Kreisen verlautet, wird der Sultan anläßlich der Entsendung einer Mission zur Begrüßung des Zaren in Livadia den Za­ren ersuchen, vermittelnd in den türkisch- italienischen Konflikt einzugreifen.

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Das Gefecht bei Gumenitza.

(Privat-Telegram m.)

Aus Korfu werden über das (bereits ge­meldete) Gefecht bei Gumenitza noch folgende Einzelheiten berichtet. Gumenitza ist ein natürlicher Hafen, der von der Apulischen Dampferlinie angelaufen wird. Dorthin hat­ten sich zwei türkische Torpedoboote und ein Kanonenboot geflüchtet. Die Italiener forderten die Uebergabe des Platzes, worauf die Türken nicht eingingen. Alsdann begann das Gefecht,, bei dem das türkische TorpedobootAlpagot" in den Grund gebohrt wurde und das andere, dessen Na­men unbekannt blieb, in Brand geriet. Das türkische KanonenbootCambot Raf- faite" ergab sich. Vom sinkendenAlpagot" retteten sich hundert Türken an Land, wo sie von Albanesen niedergemacht wur­den. Es soll die Bande des berüchtigten Ban­diten Muharem Ruscit gewesen fein. Dieselben Räuber haben auch eine von Triest kommende Bark beraubt und ihre Be­satzung niedergemacht. Der Herzog der Abruzzen, der die im Ionischen Meere ope­rierende Torpedoflottille befehligt hat, ist gestern, nachdem seine Schiffe zurückberufen worden sind, in Tarent eingetroffen. Er wurde von der Bevölkerung mit ungeheu­rer Begeisterung begrüßt.

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Konstantinopel. 7. Okt. (Eigene Drahtmeldung.) Wie hier verlautet, wird heute ein österreichisches G e - schwader in Saloniki erwartet. Trotz des Schutzes verlassen die Italiener, die die nöti­gen Mittel dazu besitzen, Konstantinopel. Seit gestern mittag ist eine scharfe Zensur ein» geführt worden. Alle Telegramme erleiden da­durch erhebliche Verzögerungen.

galho in «Assel.

Der gestrige erste Vortragsabend im Bund für persönliche Religion.

Der große Saal im Stadtpark-Restaurant ward gestern abend zur Kirche und das Red­nerpult, auf dem Pastor Iatbo aus Köln stand, zur Kanzel, der Vortragsabend aber zum Gottesdienst. Der Bund für persön­liche Religion hatte den in den letzten Monateptzvielgenannten Kölner Pfarrer, der ein Sohn der Residenzstadt Cassel ist, einge­laden, den dieswinterlichen Vortragszyklus zu eröffnen. Und Jatho war, wie er sagte, gern gekommen, um abermals in Cassel zu feiner Gemeinde zu reden, diesmalals Prediger im Reiche Gottes, vor einem Jahr als Prediger im Dienste der preußischen Kirche". Der Saal und die Galerien waren bis auf den letzten Platz mit einem andächtigen Publikum gefüllt, das gekommen war, den Mann zu hören, der als Pfarrer der preußischen Landeskirche den Mut hatte, die von ihm als richtig erkannte Lehre vor der obersten Behörde der Kirche zu vertreten. Jatho ist seines Amtes entsetzt wor­den, aber seine Stimme schallt um so lauter, da sein Verfahren von neuem dazu angetan war, auf ihn in allen Teilen des Landes auf­merksam zu werden.

Kirche und Reich Gottes hatte Jatho seinen Vortrag benannt, der, voll von schöpferischen Gedanken, die Stellung Ja- thos zur heutigen Landeskirche und zum Reiche Gottes analysierte. .Mit Freuden ffi Jatho aus Berlin zurückgekehrt, nachdem er das Urteil vorausgeahnt hatte. Und, fügte er hinzu, es ei ihm gewesen, als sei er aus einer Gefan- jenenftabt hinausgetreten in eine Welt, darin Helles Licht war. Es sei ihm vorgeworfen wor­den, daß seine Lehre nicht auf dem Boden der Landeskirche basiere, man habe ihm seinen Subjektivismus verübelt. Er habe die Mit­glieder des Spruchkollegiums gefragt, in wel­chen Grenzen denn die richtige Lehre sich zu be­wegen habe, wie weit der Pfarrer abweichen