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Nr. 258. 1. Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

Freitag, 6. Oktober 1911.

Metern vor Wilbelmsgymnasium und Ober- realschule 2. A'weft-s Rennen folgte der Doppelzweiers bc: nur von Real- und Friedrichsgymuasium bestritten wurde. Real­gymnasium gewann überlegen, denn Fried- richsgymnasium mußte ausgeben. An dritter Stelle wurde das Hauptrennen des Tages,der 1. Vierer" ausgefahren. Wilhelmsgymnasi- um, Friedrichsgymnasium und Realgymnasium erschienen am Start; Oücrrealschule 1 konnte infolge kurz vorher eingetretcner Krankheit eines Mitfahrers nicht erscheinen. Gleich nach dem Start lieferten sich Wilhelms- und Fried- ricksgymnasium ein äußerst scharfes Rennen, aus dem Friedrichsgymnasium nur knapp als Sieger hervorgehen konnte. Im folgenden Rennen, demAlten-Herren-Vierer", standen sich Wilbelmsgymnasium und Ober­realschule 2 gegenüber. Auf der ganzen Strecke hatte Oberrealschule 2 die Führung und erst im Endsport gelang es der überlegeneren Mannschaft des Wilhelmsgymnasiums, den Sieg zu erringen. Das nun folgende Ren­nenRiemenzweier" gewann Oberreal­schule 2 mit Ueberlegenheit vor Oberrealschule 1. Das siegende Boot geht damit endgil- t i g in den Besitz des von Herrn Juwelier Schneider gestifteten Wanderpreises über. Um den vom Schülerregatta-Verband gestifteten Wanderpreis standen sich im2. Vierer- Rennen" Wilhelms- und Realgymnasium gegenüber. Mitten auf der Strecke fand eine Kollision statt, derzufolge Wilhelmsgymnasi- um über eine Länge zurückkam. Dieser Nachteil wurde aber von der gut eingefahre­nen Mannschaft des Wilbelmsgymnasftrms wieder wett gemacht und sie siegte, nachdem sie im Endsport abermals von ihrem Gegner stark zur Seite gedrängt war, mit einer guten halben Länge. Wegen der mitten auf der Strecke stattgcfundenen Kollision leate Real­gymnasium Protest ein, der vom Schiedsge­richt angenommen wurde: das Schiedsgericht bestimmte nun, daß das Rennen noch einmal ausgefahren werden sollte, welche Forderung jedoch von Wilhelmsoymnasium rundweg ab­gelehnt wurde. Realgymnasium fuhr somit allein und blieb auf diese Weise Sieger. (Sie­ger 1910: Wilhelmsgymnasiums. DenAl­ten-Herren-Doppelzweier" gewann Wilbelmsgymnasium nur mit Mühe vor Ober­realschule 2 und Oberrealschule 1. Nach Schluß der Rennen fand die Preisverteilung statt, der eine kurze Ansprache an die Ruderer vor­ausgegangen war. -e-

bMnrmgstag im Warenhaus Tietz.

Heute nachmittag um fünf Uhr wird die Filiale Cassel der Firma Leonhard Tietz A.-G. dem Geschäftsverkehr geöffnet werden. Heute vormittag batte bereits e'N kleiner Kreis von Geladenen Gelegenheit, das imposante Bauwerk an der Ecke der Könias- und Overn- straße einer Besichtigung zu unterziehen. Unter den Besuchern sah man zahlreiche Mitalieder des Magistrats, unter andern auch Oberbürger­meister Müller, sowie mehrere Stadtverordnete Die Gäste wurden am Haupteingang von den Leitern des Geschäfts emvfanqen und dann durch die Räume in den einzelnen Etagen ge­führt. Die Verkaufsräume gliedern sich um den gewaltigen Lichthof in drei Stockwerken. Im Parterre sind die gangbarsten Waren un­tergebracht. wie Krawatten, Trikotaaen, Hand­schuhe. Bijouterien, Kurzwaren, Spitzen, Sei­denstoffe. Modewaren und so weiter. Die erste Etage enthält einen vornehm ausge­statteten Putz-Modell-Salon in grauem Ahorn, Damen-Konfektion und die Pelzwaren-Abiei- lung. Im zweiten Obergeschoß findet man Schuhwaren, Lederwaren, Reiseartikel, optische Sacken, Spielwaren und Luruswaren, in der dritten Etage Gardinen. Tep­piche, Lampen, Haushaltsartikel Porzellan und Nickelwaren. In der vierten Etage befinden sich die Büros und Osferten-Räume. In der zweiten Etage ist ferner ein hübsch ausgeftat- teter Teppichsaal und der E r f r i - schungsraum für daS kaufende Publikum eingerichtet.

Große Bogenlampen und viele Metall­fadenlampen, zu geschmackvollen Arrangements vereinigt, sorgen für eine taghelle Beleuchtung in den großen und weiten Verkaufshallen. in denen etwa 400 Damen und Herren tätig sein werden. Zur Sicherung des Pu­blikums hat die Firma weitgehendste Maß­nahmen getroffen. Fünfundzwanzig Feuer­melder und neunzehn Feuerhydranten sind in den Räumen verteilt und von jeder Stelle aus leicht erreichbar. Das Personal des Hauses wird durch Alarmglocken von einem eventuell ausbrechenden Feuer verständigt und ist zur Hilfeleistung des Publikums eingeübt. Vier­unddreißig Haustelephone vermitteln den Ver­kehr im Hause, während weitere zwölf Tele­phone den Verkehr in Stadt und Umgegend be­sorgen. DaS Haus wird durch Niederdruck- Dampfbeizung geheizt. Warm- und Kaltwasser­zapfstellen sind überall verteilt und für Publi­kum und Personal zu benützen. Die Küche des Erfrischungsraums, sowie die Küche für die Kantine des Personals, sind neuzeitig mit Dampftoch-Anlage und Eismaschine eingerich­tet. Nach dem Rundgang durch die Räume bot die Firma den Gästen eine kleine Erfrischung, dabei wurde bekannt, daß di» Aktiengesellschaft Leonhard Tietz der städtischen Armenverwal­tung eine Spende von dreitausend Mark für die Armen der Stadt über­mittelt bat. Heute nachmittag um fünf Uhr werden sich nun die Türen des neuen Waren­hauses dem allgemeinen Verkehr öffnen, wor­auf der Verkauf sofort beginnen wird, -xyz-

A Ter neue Winterfabrplan. In der zwei­ten Beilage der vorliegenden Nummer veröf­fentlichen wir den ab L Oktober giftigen Win­terfahrplan, worauf unsere Leser ganz beson­ders hingewiesen seien.

A Zu Liebermanns Gedächtnis. Der D e u t s ch - s o z i al e Verein veranstaltete gestern abend im Hotel Maus zu Ehren des verstorbenen Reichstagsabgeordneten Lie­bermann von Sonnenberg eine Ge­dächtnisfeier. Dr. Win 1 erstein wid­mete dem Führer einen warmen Nachruf und wies auf die Verdienste bin. die sich der Ver-

I storbene erworben hat. Er sei Soldat und Kämpfer gewesen bis zum letzten Atemzuge. Stets habe er sich ganz in den Dienst des Va­terlandes und seiner Partei gestellt. Nachdem dann die Versammlung ein gemeinsames Lied Zu Liebermanns Gedächtnis" gesungen hatte, entwarf Herr Henning in einer längeren Rede ein interessantes Bild über das Leben und Schassen Liebermann von Sonnenbergs. Herr Sch w a r tz schilderte die Begräbnisfeier, bei der er mit den Herren Henning und Seibel zugegen war.

Der Schuß auö dem Tesching. Als gestern mitag einige junge Leute von der Ar­beitsstätte nach Hause eilten, wurde einer von ihnen plötzlich durch einen Schrotschuß am Kopfe verletzt'. Wie sich herausstellte, hatte ein Fuhrunternehmer auf seinem nach Spatzen ge­schossen, wobei sich ein Schrotkorn wohl ver­irrt haben muß. Der Verletzte mußte sosort die Hilfe eines Arztes in Anspruch nehmen.

Cassels AltpenstonSre, Im Saale des Palais-Restaurants fand gestern nachmittag die Monatsversammlung des Vereins pen­sionierter Reichs-, Staats- und Kommunalbeamten sowie der Leh- r e r der Provinz Hessen-Nassau statt. Der Vorsitzende, Oberbahnhofsvorsteher a. D. Ottenroth, begrüßte die Erschienenen aus das Herzlichste. Es sei immer noch lebhaft zu bedauern, bemerkte der Redner, daß sich eine ganze Anzahl von Kollegen den Versammlun­gen noch fern halte. Bis jetzt ständen die be­kannten Verhandlungen der Altpenstonäre noch auf dem toten Punkt, aber es sei doch zu er­warten, daß bald eine Besserung der Verhält­nisse eintrete. Die Führer hätten ihre Schul­digkeit getan. Reichsgerichtsrat a. D. Dr. Hamm, der kürzlich in Bonn seinen Beitritt zum Verein erklärte, habe geäußert, daß die Forderungen der Altpenstonäre nicht nur recht und billig seien, sondern daß sie noch viel mehr fordern könnten. Der Finanzminister könne nicht sagen, daß er die Mittel nicht habe, es sei feine Pflicht, zu geben. Woher er die Mit­tel nehme, das sei gleichgiftig. Man könne sich freuen, daß man solche Männer an der Spitze habe, die imstande seien, ein Wort mit« zureden und einzutreten für gerechte Forde­rungen. Alsdann erstattete der Vorsitzende Bericht über die Gemeinschaftssitzung des Pro- vinzialverba>bstages vom 28. September in Marburg. Der hiesige Verein war vertreten durch Ottenrpth, Biehl und Schäffer. Von Frankfurt waren zwei Herren erschienen, eben­so von Wiesbaden. Auch der Zweigverein Frankfurt habe sich entschlossen, dem Zcntral- verband Berlin beizutreten, obgleich sich Wies­baden durch Stimmenthaltung einer bestimm­ten Zusage enthielt. Auch der Provinzverband Hessen-Nassau habe sich entschlossen, dem Zcn- tralverband vom 1. Oktober dieses Jahres ab bcizutreten. Vorläufig wolle man jedoch, ehe man eine bestimmte Zusage nach Berlin ab­sende, die Entscheidung Wiesbadens abwar­ten. Sollte jedoch dieser Entschluß zu lange hinausgeschoben werden, so wolle man vorher eine Petition an die Abgeordneten richten. Statutengemäß erfolgte die Wahl des Vor­standes durch Wiederwahl des Vorsitzenden Ottenroth, des stellvertretenden Vorsitzen­den S ch ä f f e r und des Schrif' führers B i e h l. Die Versammlung sprach dem Schriftführer eine Remuneration von fünfzig Mark für seine Mübewaftung zu. Für den verstorbenen Kas­sierer Krüger wurde einstimmig Herr Schulze gewählt.

A Der Hessische Lehrertag in Cassel. Am Dienstag morgen neun Uhr fand im Palais- Restaurant die zweite Vertreteiver­sammlung statt. Nachdem Lehrer Ro­senstock den Kassenbericht abgelegt hatte, ge­langten zunächst mehrere Anträge des Be­zirksvereins Cassel zur Beratung. Der Verein beantragte eine Erhöhung des Beitrages auf sieben Mark. Weiter solle die Kaiser Wilhelm Auguste Viktoria-Stiftung selbständig gemacht werden. Ferner wurde ein weiterer Ausbau der Schulzeitung gefordert. Beide Anträge wurden angenommen. Ein Antrag zwecks Gründung einer Pensionszuschußkas­se wurde im Prinzip angenommen und die Ausgestaltung der Kaffe dem Hauptausschuß überlassen. Dann folgte die Berichterstattung über die Militärkomission und den Rechts­schutz des Vereins. Ein Antrag, daß an maß­gebender Stelle dahin gewirkt wird, daß die Lehrkräfte an öffentlichen Volksschulen in Ge­meinden mit weniger als sünfundzwan- zig Lehrstellen von der Schulaufsichtsbehörde angenommen werden, wurde angenommen, ebenfalls ein anderer, daß der veraltete Titel ..Elementarlebrer"durch das WortVolksschnl- lchrer" ersetzt werde. Weiter wurde ein An­trag, dahin zu wirken, daß an den Lehrerbil­dungsschulen eine zweite Fremd­sprache eingefübrt werde, und daß die Be- rechttqunq zum Einjährig - freiwilli­gen - Dienst schon nach Ableaunq der Ab- aangsprüfting von der Prävarandenanstalt er­folge, angenommen. Als Ort für die nächste Vertreterversammlung im Oktober 1912 wurde Rinteln bestimmt. Die nächste Hauptver­sammlung soll 1913 in Hanau abgehalten werden.

A Der Bestich der «!emerhefiaffe. Die Be­nutzung der Patentschriften-AnSlaqestelle und der Verkehr in der Bibliothek war auch wäh­rend der Monate Juli. Auanst. Seufember recht rege. Die einzelnen Klaffen der Bat-mt- fchristen wurden von 159 Verfonen M ,nal in Ansvruch genommen; 525 einzelne Schriften wurden ausaelieben, an neuen Schriften gin­gen 2410 Stück ein Die im Lesezimmer der Bibliothek anfliegenden .Zeitschriften wur­den von 582 Personen eingeseben, guck' wurden 135 Vorlaaenwerke verlangt: 250 Bücher wur­den ausgeliehen, desgleichen 298 Vorlagen­blätter.

A Casseler Bolksschüler als Wandervögel. Es ist eine zeitgemäße Richtung, durch Kör­perpflege im Turnen und Spiel die Gesundheit der Jugend zu fördern und sie vorzubereiten für den schweren Kamps im Leben. Die Ue- bungen des täglichen Turnens während der Unterrichtspausen und bip Einführung einer dritten Turnstunde als Spielstunde wollen die­sem Ziele näher führen. In dem Sinne der Gesundbeitspslcae ist auch der Plan aufzufas­

sen, mit Schülern der Casseler Volks­schulen in den diesjährigen Herbstferi- en eine größere Tour zur Aussührung zu bringen, denn nichts kann die Gesundheit mehr fördern und zugleich auf Herz und Gemüt veredelnd wirken als gesunder Wander­sport. Einige Oberklaffen der Bürgerschu­len 1, 5 und 15 werden bei günstigem Wetter in Abteilungen von etwa fünfzehn Schülern unter Leitung ihrer Lehrer Wanderungen in die verschiedenen Teile unseres Hessenlandes unternehmen. Wie wir hören, sind zwei- oder dreitägige Touren in das Eder-, Werra- und Diemeltal beabsichtigt. Die Veranstaltung ist so gedacht, daß die Wanderungen mit gerin­gen Geldmitteln ausgeführt werden. Die nö­tigen Lebensmittel werden größtenteils von den Schülern mitgebracht, auch ist gemein­schaftliches Abkochen im Freien oder in den Dörfern vorgesehen. Das Nachtguartier wird in den Dorfwirtschaften aufgesucht, von einer Wanderabteilung ist Nachtlager in der Kaserne zu Fritzlar beabsichtigt. Den Schülern wird damit Gelegenheit geboten, einige Gegenden unseres schönen Heffenlandes aus eigner An­schauung kennen zu lernen und das Leben und die Arbeit der Landbevölkerung zu beob­achten.

A Die Ausstellung von Lebr^inasa-beiteu Der Innungsansschuß der vereinigten Innun­gen Cassels veranstaltet in dielen Tagen wie­der eine Ausstellung von Lehrlinasarbeiten in der Turnhalle der ebemal'aen Oberreallchule in der Schomburgstraße. Wie aus dem Anzei­genteil der heutigen Nummer zu ersehen ist, kann die Einlieferung der Arbeiten von heute (Donnerstag) nack>mitwg ab erfolgen. Am Sonntag, vormittaas elfcinhalb Uhr, wird die Ausstellung eröffnet.

A Die Eröffnung der Rollschuhbahn Am kommenden Freitag abend wird die R o li­sch u h b a h n eröffnet werden, die fünfhundert Quadratmeter umfaßt. Restauration und Kü­che werden für Erfrischung sorgen. Zu der Er­öffnung werden die ersten Kunstläufer Berlins in ihrer Kunstfertigkeit glänzen. Neben dem weit und breit bekannten Kunstläuferpaar Fräulein Scheffler und Otto Lüders werden die kleine Kunstläuferin Erna Lang­hammer. Charlotte Scheffler und Otto Lü­ders als Sololänfer cntftie'en.

A , Gerta von der Recke" auf Reisen. Gcrta von h»r Recke", die in herchiehenen anderen Großstädten ustf dem bewährten Na­men erfolgreich als Schwindlerin ausge­treten ist. wird- wohl auch ein Gastspiel in Dassel geben woll-n. Es sei vor ihr gewarnt. Die junae Dame sucht die Bekanntschaft f eicht» lehia-w, freiaiehig-r junger Männer zu machen Hat sie einen in ihr Garn gelockt, fo ..verlobt" sie sich alsbald mit ihm. Doch sie fordert auch Tribut für ihre Liebe, in^-m sie ihre Verehrer andauernd ..anvumvt". Wenn sie dann das Ovfer ansaezoaen Hat. verschwindet sie auf Nimmerwiedersehen. Die Dame heißt in Wirk­lichkeit Luise Amalie Charlotte Strauß und bat sich das besser klingende Adelsprädikat of­fenbar nur, »ugelegt, nm ihre Opfer besser aus­beuten zu können.

A Die Iaad im Oktober. In der Jagd im Oftober dürfen geschossen werden: Männli­ches Rot- und Damwild lab sechzehnten weib­liches Rot- und Damwild. Wildkälbei-s Reh­böcke, Dachse. Biber. Hasen. Birk-- Hasel-. Fa- fanenhäbne und -Hennpn. Rebhühner. Wach­teln, Moorhühner, wilde Enten. Schnepfen, Travven. wilde Schwäne. Kraniche. Brach­vögel. Wachtelkönige und alle jagdbaren Sum"f- und Waffervögel. ausgenommen wil­de Käufe und Kramme^svöael; vom sechzehn­ten ab Truthäbn- und -Hennen.

A Das Glend der Großstadt. In einem Hauke der Kruggasse wurden von der Bolizei die zwei Kinder einer Witwe in vollständig verwahrlostem und verhungertem Zustande anfaefnnden. Die Polizei überführte die Kinder in die städtische Kaserne am Königstor.

AEngagement durch Dritte". Eine F a- brikarbeiterin aus Einbeck hatte an eine hiesige Bekannte gefchrieben, und um Auskunft gebeten, ob sie nicht inder Fabrik, in der die Freundin beschäftigt sei. ebenfalls Ar­beit finden könne. Die Freundin erkundigte sich an maßgebender Stelle und erhielt den Auftrag, sie solle sich erst genau informieren, was die Bewerberin hauptsächlich für Arbei­ten verrichte und in welchem Alter sie stehe. Dies tat üe auch. Nachdem die Firma eine günstiae Antwort erteilt hatte, teilt» die Ar­beiterin ihrer Freundin mit. daß eine Stelle frei fei und sie eintreten könne. Als nun die Bewerberin in Cassel eintraf und zu arbeiten anfangen wollte, wollte die Firma von einem Engagement nichts wissen Daraufhin ver­klagte die Arbeiterin die Firma beim Ge­werbe g e r i ch t. In der mündlichen Ver­handlung bestritt der Direktor der Firma, irgend eine verbindlich? Antwort gegeben zu haben. Wenn er irgendwie im Zweifel über feine Zusage gewesen wäre, so hätte er die Bewerberin ia nach der Fabrikordnung ei­nen Tag einstellen und sie sofort wieder ent­lassen können. Die als Zeugin vernommene Arenndin behauptet auf das Bestimmteste, daß ihr pon der Firma eine bindende Zumae ge­macht worden sei. sonst hätte sie keinesfalls ihre Freundin nach Cassel kommen lassen. Der Di­rektor ging schließlich darauf ein. der Klägerin einen Schadenersatz von zehn Mark zu zahlen.

A Kleine $nap§ifiro»if 5lm Verein Cassel des Bundes deuttwer Militär-Anwär- t:c:r spricht dieser Tage her Bundesv ersitzende. Kreisansschuß-Sekrelär » 15 er e r -Berlin über ..Kernfragen der Milttäronwärter". Der Casseler Frauenklub ist ins Leben ge­rufen. Am Sonnabend den vierzehnten Okto­ber findet in den Parterre-Räumen des Hau­ses Overnstraße Nr 9 abends die Eröffnungs- feier statt, zu der sämtliche Mitglieder durch Karten eingeladen sind. Am Sonntag moroen werden die Geschäfts- und Arbeitsräume dem Klub übergeben. Der Stenogravhenverein Gabelsberaer 1881 feiert am Sonnabend den siebenten Oktober, abends achteinhalb Uhr. im großen Saale des Palais-Restaurants das Fest seines dreißigjährigen Bestehens. Gleich­zeitig wird auf den am zehnten Oktober, abends achteinhalb Uür. im Palais-Rettaurant I

I beginnenden neuen Kursus für Anfänger auf merksam gemacht.

A Das Wetter am Freitag. Der amtliche Wetterbericht sagt für Freitag für Hessen- Nassau folgende Witterung voraus: Vorerst wolkig.und vereinzelt noch geringe Regenfälle, später allmählich aufheiternd.

Letzte Telegramme.

(Nach Schluss 6er Redaktion eingegangen.)

3er TriMir-Krieg.

Der Islam protestiert!

(Eigene Drahtmeldung.)

Konstantinopel, 5. Oktober.

TerJkdam" berichtet aus angeblich siche­rer Quelle, der italienische KreuzerC a - »out sei durch ein Torpedo in die Luft gesprengt worden. Bekir Sami Bey, der neuernannte Watt von Tripolis, erklärte einem Interviewer derAlemdars", einer Oppo­sitionszeitung, daß. wenn er auch rechtzeitig nach Tripolis abginge, er doch nicht helfen könnte, weil er dos Land und die elende Lage der dortigen Bevölkerung kenne, für die die Re­gierung nichts getan habe. Neber tausend M o h a mm ebener versammelten sich gestern in der Hagia Sophia, nm gegen das Vorgehen der Italiener zu protestieren. An den König von England als Herrscher über zahlreiche Mohammedaner, wurde ein Tele­gramm gesandt, das die Intervention des Kö­nigs erbittet. Ebenso wurden Protesttele- gramme an alle Parlamente gesandt. Die Ieni-Gazetta" ist kriegsgerichtlich suspen­diert worden. Sie wird heute unter einem anderen Namen erscheinen.

*

Rom, 5. Oktober. (Eigene Drahr* me l d u n g.) Nack einem Telearamm aus Au­gustiner an den MailänderSeeolo" wurde nach längerer Verfolgung im Aegäischen Meer ein türkisches Torpedoboot von einem italienischen Torpedojäger südlich von Sizilien zum Sinken gebracht. Die Mann­schaft ging mit dem Schiffe unter. Nach den neuesten Meldungen soll eine Marinekompagnie unter dem Schutz von Marinegeschützen in der Nähe des Hafens von Tripolis gelan­det fein. In gut unterrichteten Kreisen wird an der Richtigkeit der Meldung, dass TriPo - liS von den Italienern eingenommen worden sei, nicht gezweifelt.

Am Wsimer ParlKMentt.

(Eigene Drahtmeldung.j

A Wien, 5. Oktober.

Im österreichischen Abgeordneten» Haus svietten sich heute noch vor Beginn der ersten Sitzung der Herbstfession in der Säulen­halle zwischen deutschen und tschechischen Ab­geordneten wüste Szenen ab. Vor Bc- rtinn der Sitzung waren c'wi hundert tschechi­sche Frauen mit ihren Kindern vor dem Ahaeordnetenhause erschienen, um gegen die Schließung der ffchechischen Volksschule in Wien (der sogenannten Komenskischulel Pro­test zu erheben. Ein kleiner Teil der Demon­stranten wurde unter Füßnmg eines tschechi­schen Abaeordneten eingelassen andere wollten fedoch mit Gewalt eindringen In diesem Vor­haben wurden sie von tschechischen Abgeordne­ten unterstützt Als die deutschen Abgeordne­ten dies verhindern wollten, kam es zwischen ihnen und den tschechischen Abgeordneten zu einem wüsten Handgemenge. Die Rb- aeorbneten vrügelten sich und warfen sich an die Säulen. Besonders ansgeregte Ge­müter wollen sogar bei einem Abaeordneten einen Revolver bemerkt haben. Es dauerte fast eine Stunde, bevor der Streit geschlichtet werden konnte.

Der Denffche Protestantentag.

Berlin. 5 Oktober. (Privaltele« q r a tn m.) Der 25 Deutsche Protesta n- tentag eröffnete heute vormittag seine dies- fähriae Tagung. an der Berteter deS freien BrotestontismuS nicht nur auS allen Teilen Deutschlands, sondern auch aus Holland, Eng« land, Belgien und der Schweiz teilnahmen.

Wieder einer ...!

Berlin. 5. Oktober. (Privat-Tele. a r a tn m.f Der zweiundzwanzig Fahre alte Rasierer Fritze, her bei der deutschen Post- und Eisenbahnverkehrswesen-Aftiengesellschafi angestellt war. ist aestern nach Unterschlagung' van siebentausend Mark flüchtig geworden. Man nimmt an, daß er sich nach Belgien gewandt Hobe, wo er Verwandte besitzt.

Ein Mord im Stadtpark?

Breslau. 5. Oktober. (Privattele- (itatnm.l Heute früh wurde im städtischen S ü d p a rk in der Billenvorllgdt die Leiche eines etwa -manzigjährioen Mädchens auf- aefilnden. liegt anscheinend Mord vor. Bon dem Töter fehlt noch jede Spur. Di» Leiche wies fünf Stichwunden auf.

Ein Drama im Ranaierbahnhof.

Gleiwitz. 5. Oktober. (Privat-Tele- gramm.) Aul dem hiesigen Ranqierbahnhof wurde der Weichensteller M a e i n g a von einem Personenzug erfaßt und überfahren. Der Unglückliche war sofort tot. Er hinterläßt eine Fran und fünf Kinder.

Dom Manuel und seine Leute.

Lissabon, 5. Oktober. (Privat-Te­le g r a m m.f lieber die Monarchistenbe- w e g u n a wird berichtet, daß zahlreiche portu- oiesische Ropalisten aus Paris und London in Bajadoz eingetroffen sind. Es heißt, daß meh­rere von ihnen in England mit Exkönig Manuel Unterredungen gehabt und von ihm Instruktionen erhalten haben. Wie weite« berichtet wird, sollen in letzter Zeit bedeu­tende Geld Unterstützungen aus Bra­silien für die Monarchisten eingetroffen sein mit der Bedingung, daß im Falle der Wiederher­stellung der Monarchie die königliche Residenz nach O p o r t o verlegt werde.