Rnrrrrner 257.
1* Jahrgang.
Kasseler AbenSzeituns
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Hessische Abendzeitung
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Fernsprecher 951 und 952. Donnerstag, den 5. LktoLer 1911.
Fernsprecher 951 und 952,
Zar Fahr der Unheils.
Kriegsgefahr und Wirtschaftsgefahr.
Das Jahr des Unheils: Neunzehnhundert- df, wird mit tiefschwarzen Lettern in der Wirtschaftsgeschichte der europäischen Staaten verzeichnet werden müssen. Dürre, Mißwachs, Teuerung und Krieg zehren gemeinsam an dem Mark der Völker, und lange wird man die Schäden spüren, die allen ökonomischen Werten durch das Verhängnis dieses einen Jahrs erwachsen sind. Die Vorboten von Bankstürzen haben sich bereits eingestellt, und wenn man auch sagen mag, daß nur das Morsche fällt, wenn ein reinigender Sturm durch die Lüste braust, so läßt sich doch andrerseits nicht bestreiten, daß gleichzeitig auch manche Finanzinstitute zerstört und manche "Existenzen vernichtet worden sind, die sich bei einer frtedlichern Weltlage nicht nur halten, sondern auch gedeihlich entwickeln konnten. An dem Fall der Götttnger Bank mögen verschieden« Fehler (namentlich die Ueberschrei- tung der Grenzen in der Kreditgewährung) die Schuld tragen: Sicher aber ist, daß die politischen Unruhen innerhalb der europäischen Völkergemeinschaft dem Unternehmen den gefährlichsten Stoß versetzt haben. Die gesamte geschäftliche Lage der europäischen Reiche ist durch die Unsicherheit der Verhältnisse in Mitleidenschaft gezogen worden, und auch auf die Finanzlage der Staaten kann man das Goethesche Wort anwenden, daß „Orient und Occident nicht mehr zu trennen sind": Das Kriegsgespenst scheucht alle Möglichkeiten wirtschaftlicher Entwicklung und die „Stimmung des Unbehagens", die feit dem Jahrbeginn auf der politischen Welt lastet, zerstört Hoffnungen, Pläne und Versuche aller Art, dem dorrenden Boden wirtschaftlicher Koniurcktur Früchte abzuringen.
Eben begannen im Abendland di« brandenden Wogen der Wirtschaftskrise sich etwas zu fänftigen, als im Morgenland neu« Unwetter emporstiegen, die die Wellen des Rentenmeers zu neuer Erregung anfpeitschten. Selbst wenn es gelingen sollte, den italicnisch-tiirkischen Krieg räumlich zu begrenzen, so kann das europäische Kapital doch ebensowenig von den Ereignissen unberührt bleiben, wie der internationale Handelsverkehr. Sowohl mit Italien als mit der Türkei sind (namentlich in Deutschland) so viele finanzielle und wirtschaftliche Interessen verknüpft, daß schädliche Wirkungen des kriegerischen Konflikts nicht fehlen können. Der von Italien ohne zwingen- den Grund herbeigeführt« Krieg findet deshalb auch in allen Handels- und Industriestaaten überzeugte Verurteilung- und w«nn die Italiener «rst die wirtschaftlichen Folgen des nord- afrstanischen Abenteuers spüren werden, dürften sie selbst die nationale Leidenschaft verwünschen, die sie zu der Gewalttat aufgestachelt hat. Alle wirtschaftlichen Errungenschaften des Apenninenreichs und seine erst jüngst durchge- führte Finanzreform werden nicht imstande sein, die Sorgen zu verwischen, die Roms politische Manager dem Lande aufgebürdet ha: ben: Dem Rausch wird eine schlimme Ernüchterung folgen, und es wird der Tag kommen, da man auf der römischen Consulta (und sei's selbst mit dem Siegerlorbeer in der Hand) die Stunde verfluchen wird, die Giolittis ruhige Besonnenheit dem Kriegslärm säbelrasselnder Eintagshelden und dein Tatendurst des Abruzzen-Herzogs untertan werden ließ.
Neid ist immer schädlich: Und lediglich aus grollendem Konkurrenzneid hat man am Tiberstrand angesichts der harterkämpften Erfolge Frankreichs im dunklen Erdteil die Tatsache aus den Augen verloren, daß der Außenhandel mit d«r Türkei Italien bisher den größten Wirtfchaftsgewinn brachte. Gerade die italienische Schiffahrt hatte im Verkehr mit der Levante die größte Betätigung aufzuweisen, und nun läßt der Herzog der Abruzzen unter lautem Trompetengeschmetter wesentliche Bestandteile der kleinen türkischen Flotte zerstören und friedliche türkische Handelsdampfer in den Grund bohren. Daß sich diese Tollheiten wirtschaftlich an Italien rächen werden, steht schon jetzt außer Zweifel: Die Kriegskosten werden auf alle Fälle von Italien selbst zu bestreiten sein, denn die Türkei vermag die ungeheuren Summen, die der Krieg verschlingt, nicht zu decken. Die Mächte aber, die finanziell mit der Türkei eng verbunden sind (namentlich Frankreich und Deutschland) werden nicht zu- laffen, daß der Verwaltung der türkischen Staatsfinanzen der Strick um den Hals gelegt wird, fodaß sich also Italien bestenfalls mit einem Protektorat über Tripolis und die dahinter liegende Sand wüste be- Mügen «ruß, aus der nichts zu holen ist.
Italien, das wenig Aussicht hat, eine Kriegsanleihe auf dem europäischen Geldmarkt unterzubringen, wird unter diesen Umständen aus seinen eignen Mitteln den Sieg über den ungleichen Gegner zu bezahlen haben. Das böse Ende kommt dann nach, denn das Apen- ninenreich ist wirtschaftlich nicht viel besser gerüstet wie die darbende Türkei, und da eine Kriegsanleihe der Römer auf dem kontinentalen Geldmarkt so gut wie aussichtslos ist, bleibt nur die eine Möglichkeit: Aus erhöhten Zoll- und Steuermitteln die Millionenausgaben für das Tripolis-Abenteuer zu decken. Was das aber in Italien bedeutet, läßt sich angesichts der schon jetzt stark ernüchtetten Volksstimmung leicht ausdenken.
Daß andrerseits auch die Türkei durch den Krieg von neuem in schwere finanzielle Sorgen gestürzt wird, ergibt sich aus den kümmerlichen Geldverhältnissen des Osmanenreichs von selbst. Mit deutscher und österreichischer Hülfe wurde die Türkei erst im vorigen Jahr aus einer höchst bedrängten Lage befreit, und bald nahen die Rückzahlungstermine heran. Die deutsche Bankwelt und die deutschen Rentner, die an der großen Türken- anlcihe von elf Millionen Pfund beteiligt sind, machen begreiflicherweise saure Mienen zu dem Lärm im östlichen Mittelmeer: Sie hatten auf ein offnes Feld wirtschaftlicher Arbeit gerechnet, und statt dessen stellt sich jetzt der Kriegsschrecken ein, dessen Ende vorläufig noch nicht abzusehcn ist. Leider werden auch deutsche Börsen durch sinkende Kurse an den Verlusten teilzunehmen haben, die der Zusammenbruch im europäischen Orient herbeiführt, und ttrrter diesen Umständen wird aus dem gesegneten italienischen Jubeljahr ein heittoses Trubel- und Unheiljahr werden, dessen wirtschaftliche Opfer schon jetzt nach Milliarden zu bewerten sind. Seit Jahren haben der internationale Geldmarkt und die Wirtschaftslage überhaupt keine Zeit der Krise mehr durchbangt, die das Meer des Unheils s o tief aufgerührt hat, wie grade die Kricgslärm-Periode des Jahres neunzehnhundertelf. Wie auch der Kampf um Tripolis schließlich enden möge: Er wird für den Sieger nicht weniger verhängnisvoll sein wie für den Riedergernngnen, denn das wittschaftlichc Unheil, das sich an dieses Krieges Flaggen heftet, wird fast noch schwerer wiegen wie die Opfer, die der Kampf zu Wasser und zu Lande verschlingt! -an.
Kassels neuer Hauptbahnhof.
Die Erweiterungsanlagen am Bahnhof Cassel.
lieber die Neu- nnd Umbauten auf dem Casseler Hauptbahnhof haben wir bereits mehrfach berichtet. Dieser Tage hatten nun die Mitglieder der beiden hiesigen Vereine für Naturwissenschaft Gelegenheit, die Erwetterungsanlagen des Hauptbahn Hofs zu besichtigen. Ein Mitglied berichtet darüber in den Mitteilungen des Vereins für naturwissenschaftliche Unterhaltung ausführlich. Da in dem Bericht einiges Neue enthalten ist, seien ihm einige Stellen entnommen:
Die Erweiterung der Anlage erfolgte nach Norden hin. Um das Gelände aber auf die gleiche Höhe mit dem übrigen zu bringen, mußten riesige Erbmassen angeschüttet werden. Dieser ausgeschüttete Boden trägt jetzt bereits die Gebäude und Geleise des Güterverkehrs. Man kann sie sehen hinter dem neugebauten rechten Flügel. Dieser neue Seitenflügel wird den jetzigen lanaen Seitenbau auf dem Nordsteig zu ersetzen haben; denn der muß verschwinden, da hier und weiter hinaus die neuen drei Bahn- steige angelegt werden. Bisher enthält der Babnbof drei Bahnsteige mit je zwei Bahnsteigseiten, daim wird er sechs Bahnsteige mit im ganzen elf Bahnsteigseiten enthalten, wird also fast doppelt so groß wie jetzt. Mit dem Abbruch des Seitenbaus und der Anlage der neuen Bahnsteige für den Personenverkehr wird im Frühjahr begonnen werden. Vorerst mußte der Güter-, besonders der Eilgutverkehr, dem dieser Rordflügel diente, verlegt werden: das ist jetzt geschehen. Das Interessanteste an dem Umbau ist aber unstreitig die Neuordnung der Einfahrt durchgehender Schnellzüge. Man beachte: Ganz links sind die zwei Geleise für Bcbra- Frankfutt, dann folgen: zwei für Westfalen und zwei für Hannover und Berlin. Zwischen ihnen liegen die Lokomotivengeleise. Bisher fuhren bie Züge, z. B. Frankfurt-Hannover. links ein; sie mußten dann, um auf das Ausfahrtgeleis nach Hannover zu kommen, das doch ganz rechts liegt, die anderen dazwischen liegenden Geleise schneiden. Dadurch litt di «Pünktlichkeit des Verkehrs, die Züge aus und nach Westfalen erhielten keine Einfahrt bezw. Verspätung, weil sie abwartcn mußten, bis jener durchgehende Zug ihre Geleise passiert batte. Außerdem ist
ein derartiger Zustand für die Sicherheit des Betriebs immer bedenklich. Das wird Wegfällen. Man führt den von Süden einfahrenden Schnellzug unmittelbar hiitter der Station Kirchditmold tief weiter und durch einen Tunnel unter den Mittelgeleisen hindurch, so daß er neben dem Hannover-Ge- lcis, auf dem er Ausfahrt hat, in den Bahnhof einfährt, der einfachste und absolut sichere Weg. um jeder Unfallmöglichkeit des Zusammenstoßes zu entgehen. Der Tunnel ist ziemlich fertig, die Zu- und Ausfahrt, die beide naturgemäß ziemliches Gefälle bezw. Steigung haben, werden demnächst in Angriff genommen. Die Schwierigkeit dieser Arbeiten liegt darin, daß der Verkehr nicht darunter leiden darf.
Die neuesten Kriegs-Depeschen.
Gibt die Türkei den Krieg auf?
Die Stimmung in der Türkei scheint unter der Einwirkung der ungünstigen Nachrichten vom Kriegsschauplatz einerseits und der wenig ermutigenden Haltung der europäischen Großmächte im T r i p o l i s - Ko n f l i k t anderseits stark hcrabgedrückt zu sein, und man gewinnt fast den Eindruck, daß anstelle der noch vor einigen Tagen deutlich erkennbaren Zuversicht eine förmliche Resignation getreten ist. Es wird uns darüber berichtet:
W Konstantinopel, 4. Oktober.
(Eigene Drahtmeldung.) wie behauptet wird, ist mit einer aktiven Kriegsbetätigung der Türkei nicht mehr zu rechnen, und man hat sich schweren Herzens entschlossen, Tripolis den Italienern zu überlassen, da alle ausländische Hilfe versagt und unter den gegenwärttgen Verhältnissen nicht einmal ein Ministerium zusam- menzubringcn ist.
¥ , kkne Verständigung in Sicht?
(Privat-Telegram m.)
Weitere Depeschen melden uns aus Rom: In hiesigen polttischen Kreisen ist man noch immer der Ansicht, daß eine Verständigung zwischen Italien und der Türkei nach der Besetzung von Tripoli? möglich ist, indem Italien der Türkei für die Abtretung von Tripolis eine bedeutende Geldcntsch ädigung von mindestens achtzig bis hundert Millionen Lire leisten werde. Jtalienischerseits wird allerdings erklärt, daß Unterhandlungen in diesem Sinne erst dann angeknüpft werden können, nachdem die Türkei die Besitzer, greifung von Tripolis durch Italien an- erkannt haben wird. Die ..Tribuna" bringt eine Werbung auS Malta, in der mttgeteilt wird, baß die italienischen Kreuzer in den Ha- fen von Tripolis «ingefahren sind und die Forts, das Castell, sowie alle höher gelegenen Punfte bombardiert haben. Dann wurden Soldaten ausgeschifft; am Ufer webte die italienische Flagge. Diese Nachricht wird allerdings im Marineministcrinm noch nicht bestätigt, aber man nimmt bestimmt an, daß das Bombardement stattgefunden hat.
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Erbitterung gegen Deutschland?
(Privat-Telegram m.)
Aus Konstantinopel wird uns be- richtet: Die Antworten der Mächte auf die türkische Aufforderung zur Intervention lauten sämtlich abschlägig. Trotzdem werden offizielle Unterhandlungen angeknüpft, um die Lokalisierung des Krieges zu sichern. Wie weiter berichtet wird, wächst in türkischen Kreisen die Erbitterung gegenDeutschland. Selbst in den Offizierkreisen, in denen bisher große Sympathie für Deutschland bestand, macht sich die Erbitterung geltend. Die Offiziere sind allgemein der Ansicht, daß nur England ein wahrer Freund der Türkei sei, und daß England der Türkei auf der Grundlage der bestehenden fteundschaftlichen Beziehungen zur Seite gestanden habe. Die „Jeni Gazeta", die dem Großwesir nahesteht, erllärt, daß der deutsche Botschafter bei seiner. Unterredung mit dem Großwesir am ersten Oktober geraten habe, die Türkei möge auf der Grundlage des italicnschen Ultimatums mit Vorschlägen an Italien herantreten.
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Dag Bombardement von Tripolis.
(Privat-Telegram m.)
Die Londoner „Daily Mail" erhält über das Bombardement von Tripolis folgende Telegramme: Das Bombardement begann nach Ablauf der Frist, die den europäischen und anderen Ausländern gesetzt wurde, um die Stadt zu verlassen. Als nach Ablauf dieser Frist der Generalgouverneur von Tripolis die Stadt nicht übergeben wollte, eröffneten di« italienischen Kriegsschiffe das Feuer und feuerten zu
nächst auf die alten Forts, dann auf den Palast des Bey und schließlich auf mehrere höher gelegene Punkte der Stadt. Das Bombardement richtete erheblichen Schaben an, wurde aber nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Es begann dann die Truppenlandung, nach der das Bombardement fottgesetzt wurde. Depeschen aus Rom zufolge schreiten die Vorbereitungen für die Zusammenstellung des Tripolis-Expeditionskorps in normaler Weise vorwärts. In den verschiedenen Ein- schifsungshäfen wird eifrig an der Instandsetzung der für den Transport bestimmten Schiffe gearbeitet. Die Einschiffung wird nicht nur in Genua, sondern auch in den kleinen Häfen der Oft- und Westküste vorgenommen werden. Dem jungtürkischen Komitee in Saloniki ging ein Telegramm des Komitees in Benghast zu, in dem mitgeteilt wirds daß di« Mohammedaner beschlossen hätten, die Provinz biszumletz - ten Blutstropfen zu verteidigen.
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Rom, 4. Oktober. (Eigene Draht- meldung.) Der italienische Kreuzer „Marco Pola" hat einen türkischen Kreuzer weggenommen, der einen General und zweihundert Soldaten, ferner eine Ladung von fünftausend Gewehren und zahlreiche Munition an Bord hatte. Der eroberte Kreuzer wird nach Tarent gebracht werden. Nach einem in Nom eingetroffenen Telegramm aus Augusta im Hafen von Syrakus, weht seit gestern abend die italienische Flagge aus den Forts von Tripolis. '
3ie Tragödie eines Fürsten.
Der Selbstmord des Fürsten Wrede.
(Telegraphische Meldungen.)
Ein Privat-Telegramm berichtet uns aus M ü n ch e n : In der hiesigen Hofgesellschaft hat der in Ischl erfolgte Selbstmord des greisen Fürsten Alfred Wrede ungeheures Aufsehen hervorgc- rufen. Fürst Wrede, der als bayerischer Kämmerer sich in der hiesigen Hofgesellschaft großen Ansehens und allgemeiner Beliebtheit erfreute, galt bisher als eines der vermögendsten Mitglieder des Hochadels und «S fehlt deshalb für das tragische Ende jede Erklärung.
Depeschen aus Wien zufolge ist bie Ursache des Selbstmordes des siebenundsechzigjäh- rigen FürstenWrede immer noch nicht aufgeklärt. Da Fürst Wrede in den letzten Tagen eine sehr gedrückte Stimmung zur Schau trug, nimmt man an, daß er die Tat in einem Anfall momentaner Sinuesverwirrung verübt hat. Fürst Wrede hat keinerlei Auszeichnungen über die Motive seiner Tat hinterlassen, man hat auch bisher kein Testament vorgefunden. Fürst Wrede genoß seine Erziehung in München gemeinsam mit einem bayerischen Prinzen und widmete sich hierauf dem militärischen Berufe; er war viele Jahre aktiver Offizier in der bayerischen Armee, erfreute sich am deutschen Kaiserhofe großer Beliebtheit und unbedingten Vertrauens und hat den deutsch-französischen Krieg als Adjutant Bismarcks mitgemacht. Später nahm Wrede an dem russisch-türkischen Kriege, und zwar im türkischen Lager teil und wurde der Liebling des Sultans Abdul Hamid, der ihn mit Ehren und Auszeichnungen überschüttete und ihm als Zeichen seiner Huld seine eigene Pacht mit Bemannung zu Luftfahrten zur Verfügung stellte. Fürst Wrede trat dann
in ben diplomatischen Dienst bes deutschen Hofes, zog sich aber bald in? Pttvatleben zurück. Nach feinem Ausscheiden ans dem Heere übersiedelte Fürst Wrede nach Oesterreich, wo er mit der Wiener Gefellschast verkehrte. Er war in erster Ehe mit der Grä - fin Rosa Lazanskv vermählt. Er hatte sich scheiben lassen und heiratete im Jahre acht- zehnhundertdreiundachtzig die bildschön« Frau eines Oberbaurats, eine geborene Wie- nerin, zu der er tiefe Zuneigung gefaßt hatte. Seine zweite Ehe war überaus glücklich. Die materiellen Verhältnisse des Fürsten. die bis vor kurzer Zeit glänzend waren, verschlechterten sich jedoch, nachdem der Fürst feine Besitzung Tiroler Hof bei Mödling verkauft und sich an finanziellen Transaktionen eines Ingenieurs beteiligt hatte, bie sämtlich fehlschlugen und den Fürsten um fein Vermögen brachten. So wurde Fürst Wrede durch den Konkurs der Riviera-Gesellschaft und durch bie Zahlungsschwierigkeiten ber Krebitvereinsbank, bie dann von einem Prager Institut übernommen würbe, stark geschädigt, da er bei beiden Unternehmungen
mit großen Bettägen engagiert war. In Streifen, bie bem Fürsten nahesian« ben. wirb jeboch nicht angenommen, daß er wegen finanzieller Schwierigkeiten aus dem Leben geschieden ist. Denn gerade in letzter Zeit, fo wird erzählt, batte er bei einigen fei»