y?r. Täti. — I. Jahrgang.
Abschaffung der Messe beraten wurde, entnehmen ließ) vor a?kcm di- Gastwirte. Auch in Cassel vernimm: man bereits Stimmen, nach denen man die Frage der Abschaffung der Message für diskutabel hält. Hier wird man, ebenso wie anderwärts, zwei Gruppen vorsin- dcn: Die eine, die die Beibehaltung der Meffe befürwortet, und die andere, die ihre Beseitigung wünscht. Kleine Geplänkel dürften somit auch im Casseler Stadtparlament bei der Erörterung dieser Frage zu erwarten sein.
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Wir geben dieser Zuschrift in unserem Blatte gern Raum, ohne uns damit nach einer bestimmten Richtung hin festzulegen. Das eine »st sicher, daß unsere Messe viele Gegner und viele Befürworter hat. Welche Richtung über
wiegt, ist ohne weiteres schwer zu sagen. Festzustellen wäre, daß von einem großen Teil der Einwohnerschaft die Markttage stets freudig begrüßt werden, weil es manches zu kaufen gibt, was man eben nur auf der Messe erhalten kann. Vielleicht wird man in nächster Zeit näheres in der Angelegenheit hören.
Der MW Lehrertag.
Heute vormittag um neun Uhr begann Ml zweite Hauptversammlung des Hessischen Volksschullehrer-Vereins im Stadtparksaal. Nach dem Vortrag eines Männerchors eröffnete der Vorsitzende des Vereins, Lehrer Grebe- Cassel, die Versammlung. Darauf nahm der als Ehrengast der Sitzung beiwohnende Regierungspräsident Graf von B e r n st o r f f das Wort. Nach ihm sprachen Geheimrat Mühlmann als Vertreter der Abteilung für Kirchen- und Schulwesen der Regierung, Konsistorialpräsident Schenk von Schweinsberg namens des Konsistoriums, Stadtschulrat B o b r i tz namens des Magistrats. Landtagsabgeordneter Geheimrat Dr. Schröder versicherte dem Lehrerstande seine Sympathie und wünschte den Verhandlungen einen guten Verlauf. Professor S a n d r o ck sprach im Namen der Stadtverordneten-Ver- sammlung. Landrabbiner Dr. D o c 1 o r wies auf die guten Beziehungen zwischen israelitischen Mitgliedern und den Mitgliedern anderer Konfessionen hin und gedachte der hohen Bedeutung des Lehrerstandes. Weitere Begrüßungsansprachen hielten Kreisschulinspektor für Cassel-Land, Gundermann, der Vertreter des Preußischen Lehrervereins, Lehrer D a - n e h l und der Vorsitzende des Casseler Bezirksvereins, Lehrer H e ck m a n n.
Der Jahresbericht.
Lehrer Grebe erstattete den Jahresbericht: Das Wirken des Vereins hat sich nicht in der breiten Oeffentlichkett, sondern in der Stille abgespielt. Die Arbeiten im Gesamtinteresse bilden die Ziele und Lebensaufgaben des Lehrers. Unterricht und Erziehung der Kinder des Volkes, das sind die höchsten Ziele des Volksschullehrers. Die Volksschule nimmt immer mehr an Bedeutung zu, und immer mehr muß sich deshalb der Lehrer in den Dienst der sozialen Fürsorge stellen. Hieraus geht hervor, daß der Volksschullehrer im höchsten Streben nach den edelsten Gütern aufgeht. Zu den konfessionellen Streitfragen nimmt der Lehrer keine Stellung. Der Hessische Lehrerverein ist auch besonders in seinen inneren Einrichtungen erstartt, was aus dem Stande der Wohlfahrtskassen hervorgeht. Der Hessische Lehrerverein zählte im JahrelSIO neunzig Zweigvereine mit 2627 zahlenden Mitgliedern und 145 Pensionären. Besonders erfolgreich ist die Arbeft in der Verbesserung der Lernmittel gewesen. Für die Fortbildung der Lehrer ist durch Fortbildungskurse, Vorlesungen von Universttätsprosessoren und durch Vorträge und Beratungen gesorgt. Wenn auch im Volksschulwesen schon vieles geschaffne ist, so hat der Lehrerstand doch noch manche Arbeiten vor sich.
Der Vortrag Lehrer Kimpesss.
Lehrer K i m p e l - Cassel hielt dann einen Vortrag über das Thema: „Die rechtliche Stellung des Lehrers in Staat und Gemeinde." Der Redner führte aus: Mtt dem Staatsrecht sei nicht das Beamtenrecht vorwärts geschritten. Die rechtliche Lage des preußischen Volksschullehrers leide unter mancherlei Unklarheiten und zwinge die Lehrer vielfach in unhaltbar gewordene Ausnahmestellungen. Hebet die Frage, ob der Lehrer Staatsbeamter sei oder nicht, müsse ein un- . zweideutiges Staatsgesetz geschaffen werden. Im Volksschulgesetze beständen noch manche Lücken, die zu beseitigen wären. Ferner müssen die Volksschullehrer erstreben: eine Zulassung zum Schössen- und Geschworene n a m 1 e, das passive Gemeindewahlrecht, das früher schon bestand, Zeugengebühren und Tagegelder, sowie Umzugsgelder nach Klasse V des Beamtentarifes, als auch Festsetzung der vollen Mietsenffchädigung für die nicht gewährte Lehrerdienstwohnung. Das Diszipli- nargesetz von 1852 bedürfe dringend einer Aen- derung. Im Beschwerdeverfahren dürfe nicht ; eher eine Entscheidung gefällt werden, als bis dem Angeklagten Gelegenheit gegeben fei, sich über das Ergebnis der Ermittelungen zu äu- ? 6er«. Ferner solle den Beamten und Lehrern i das Recht zustehen, nach Erschöpfung des Be- s schwerdeverfahrens gegen sich selber das Dis- j ziplinarversahren zu beantragen. (Der Vor- • trag war bei* Schluß der Redaktion noch nicht r beendet.) -a-
Hermarm Job in den Kasersälen.
Hermann Job: Der Name allein schon
genügt, bei allen Denen, die Job einmal auf den Brettern gefeben. ein vergnügtes Lacken hervorzuzaubern, ein Erinnern an froh verlebte Stunden. Mit feinem Enfemble ist er jetzt für s kurze Wochen in die K a i f e r f ä I e eingezogen>
am Sonntag gab er fein Debüt, umjubelt von
einer Schar alter Freunde und Bekannten
ebenso gefeiert von den vielen neuen Ver k ebrern. die er sich bald gewann. Mit feinem ar
drastischen Situationen so überreichen Schwank:
..Der brave Hermann" hat er schnell einen gro- | Fen. von Tag zu Tag sich mehrenden Kreis von t Anhängern um sich versammelt: Hermann Fob - ist jetzt das Tagesgespräck. und, die Direktion der Kaisersäle hat wohl selten einen glücklicke- len Griff getan, erfolgreichere Künstler sick ver-
e.ai,der Neueste Nachrichten
Mittwoch, 4. Oktober 1911.
Pflichtet. Eine ganz tolle Gefchichte^st dieser „brave Hermann": jede Szene bringt packende mit fortreißende Momente und tausend kleine, sprühende Kobolde scheinen ihr Wesen aus der Bühne zu treiben: Im schönen Köln wohnt der Kaufmann Hermann Stips mit feiner Frau Alma, ein Jahr ist das junge Paar glücklich verheiratet und der Ehemann fall nun nachdem er während dieses Probejahres sick tadellos geführt, die in Aussicht gestellte Mitgift erhalten. Zu dem Zweck sind die Schwiegereltern (Rentner Knibbel und Frau) mit dem jüngsten Töchterchen nach Köln gekommen, und die ganze Sacke würde sich zweifelsohne trefflich gemacht haben, wenn nicht. . . eindunk- ler Punkt da wäre. Und dieser dunkle Punkt ist Tilly Pfefferkorn. Direktrice eines großen Konfektionsgeschäftes in Mainz. Mit dieser Tilly hat Stips vor seiner Verheiratung einmal „angebandelt" und ihr auch die Ehe versprocken. Sie ging dann nach Amerika, eine Erbschaft zu erheben, und Stips, in dem Glauben. daß sie nicht wiederkommen wird, verheiratete sich. Aber Tillv kommt wieder und erinnert Stips an fein Versprechen. Er verhehlt ihr seine Heirat, um sie nicht aufzubringen, und läßt sie in dem Glauben, daß noch „alles beim Alten" fei. Auf dieser Grundlage entwickelt sich dann der „Konflikt", der sich, nachdem der „Teufel Zufall" ungeheure Triumvbe gefeiert hat. natürlich in Wohlgefallen auflöst, wenn auch das „braver Hermann" Renommee dabei erheblich erscküttert wird. Der Sckwank wird von dem Job-Ensemble meisterlich aufgeführt und der Abend ist ein einziger Erfolg. Wer von den Darstellern das Beste geleistet, ist sckwer zu lagen: Am ulkigsten und amüsantesten wirken der brave Hermann (Hermann Job), feine Sckwiegereltern (Nikola Fin- king und Jofeph Auen), Tillv Pfefferkorn (Eva I o b). und Ernesto Caruso (Geora T a ck- mann). Jedoch auch die übrigen Mitspieler tragen rum Gelingen des Garnen wesentlick bei und allen Darstellern ward nack jedem Akt sowie rum Sckluß von dem zahlreich erschienenen Publikum lebhafter Beifall gezollt. -mm-
A Was geschieht in Cassel zur Bekämnfung der Teuerung? In einer der letzten Stadtver- ordnetensitzungen stimmte der Magistrat und das Kollegium einem sozialdemokratisch»« Antrag zu, der die Oeffnung der Grenzen für Vieh und Fleisch und die Aufhebung der Futtermittel forderte. Weiter ist in Cassel nichts geschehen. Wir wiesen kürzlich schon einmal darauf hin, daß andere Stadtverwaltungen Maßnahme» träfen, um der Lebensmittelteuerung entgegenzutreten. Heute kommt aus E f f e n an der Ruhr die Nachricht, daß die dortige Stadtgemeinde, um der Teuerung zu begegnen, einen Großeinkauf und einen Kleinverkauf von Seefifchen und Kartoffeln einrichten wird. Um den städtischen Beamten und Arbeitern, die durch die Teuerung in Mitleidenschaft gezogen werden, Beihilfen zu gewähren, wird eijt Fonds von dreißigtausend Mark zur Verfügung gestellt. Für die Speisung armer Schulkinder werden statt bisher zehntausend Mark in Zukunft neunzehntaufend Mark aulgewendet werden. Auch von privater Seite sind ähnliche Maßnahmen getroffen worden. Wie uns ein Privattelegramm aus Hanau berichtet, hat die große Plattnfckmelre Heraeus beschlossen, ihrem Personal eine Teuerungszulage zu bewilligen, die nach der Zahl der Kinder der einzelnen Angestellten abge- stust werden soll. Solche Beispiele sind nachahmenswert! (Siehe auch den heutigen Leitartikel: „Kommune und Kartoffeln".)
A Cassel und der Kurzstunden-Unterricht. Es verlautet, daß der Kurzstunden-Unterricht in den hiesigen höheren Schulen nach den Ferien versuchsweise eingeführt werden soll, aber vorläufig unter Beibehaltung des bisherigen Stundenplans für Vormittags- und Nachmittagsunterricht. Der durch die Kurzstunden von 45 Minuten erzielte Gewinn an Zeit foll den Paufen zugute kommen. Wenn sich die Kurzstunden an und für sich bewähren, wird daun voraussichtlich Ostern 1912 ab die Kurzstunde endgültig eingefühtt werden, und zwar unter Zufammenlegüng von sechs Stunden auf den Vormittag, von 8 bis 1% Uhr. Der Nachmit- tagsunterrickt fällt dann bis auf etwaige Sing- und Turnstunden für die höheren Klaffen fort.
A „Gassparer". Vom städtischen Gaswerk wird uns geschrieben: „Es ist noch gar nickt lange her, daß auswärtige Firmen den hiesigen Gasabnehmern mit Erfolg fogenann- te .Gassparer" angeboten haben, die angeblich kostenlos angebracht werden sollten. Es mußte aber ein Zettel unterschrieben werden, in dem eine Miete für drei Monate, eine Nachzahlung bei nickt rechtzeitiger Kündigung und auswärtiger Erfüllungsort (Gerichtsstand) vereinbart wurden. Wer den zu teueren, recht überflüssigen und fogar nickt unaesährlicken Apparat nicht rechtzeitig kündigte, mußte unerbittlich zahlen. Ans Über tausend wurden die hier einaegangenen Klageschriften geschätzt. Vor der Anbringung der Apparate war in den Zeitungen gewarnt worden. Eine solche Warnung scheint neuerdings wieder am Matze zu fein, da schon wieder eine ähnlicke Firma äbnlicke Apparate auf ähnliche Weise anzu- bringen versucht. Wer fein Geld nicht unnütz ausgeben will, hüte sick vor solchen von unbekannten answärttgenFirmen angeblich kostenlos anaebotenen „Gassparern". er wende sich im Bedarfsfall an hiesige solide Gefckäste. er wende sick im Zweifelsfall an die Gasanstalt, er unterschreibe keinen Zettel mit harmlos er« cheinenden Verpflichtungen!"
A Ans dem Reiche des Flügelrads. (E i- enbahnpersonalie«.) Zugang: Ober- regierunasrat Dr. G r ü n b e r a von Frankfurt am Main nach Cassel als Mitglied der Eisenbahndirektton: Regierungsrat Fabimke von Halle (Saale) nack Cassel als Mitglied der Eifenbahndireftion: Oberqütervorsteber Sommer (zurzeit Cassel) nack Warburg zur Verwaltung des Verkehrsamtes: Oberbahnassistent Otto von Elberfeld StH. nach Cassel: Kanz
leisekretär K r u m b e ck von Münster nach Cassel; Lokomotivführer Mandt von Kirchweyhe (Bezirk Münster) nach Cassel. Abgang: Ober« und Geheimer Regierungsrat M a r k h o f f von Cassel nach Frankfurt am Main (Eifenbahndirektion) ; Regierungsrat Dr. S3_o I f f von Cassel (Verkehrsamt) nach Halle a. Saale (Eisenbahndirektion); Regierungsbaumeister Görke von Cassel nach Erfurt. Gestorben: Zugführer Werhahn sip Cassel.
A Der Raubmord in Rothenditmold. Die Vernehmungen in der Mordfache Cron nehmen ihren Fortgang. So fanden auch am vergangenen Sonntag in der Wohnung des An- geschuldigten Vernehmungen statt. Es herrscht jetzt die ziemlich bestimmte Annahme vor, daß Cron der Mörder feiner Schwester ist. Das Hnterfuchungsmaterial wird in Kürze abge- fcklossen fein und die Staatsanwaltfchaft dürfte alsdann die Anflage gegen Cron wegen Mordes erheben.
A Die Feuerwehr in Tätigkeit. Gestern abend um acht Hhr wurde die Feuerwehr nach dem Hause an der Fuldabrücke 6 gerufen, wo in einer Wohnung aus bisher noch unbekannter Ursache ein Brand ausgebrochen war, der sick bald auf eine zweite Wohnung erstreckte und den Dachstuhl des Hauses stark beschädigte. Die Wehr, die mit sieben Fahrzeugen, an der Brandstelle weilte, konnte erst gegen zehn Uhr ins Depot zurückkehren. Kurz vor elf Uhr wurde die Feuerwehr dann nochmals nach der Holländischen Straße gerufen, wo ein Möbel? in Flammen stand. Hier konnte der Brand alsbald gelöscht werden:
A Kleine Tageschronik. Die Wilhelms- höher Wasserkünste werden am kommenden Sonntag znm letzten Male in diesem Fabre angelassen. — Der Prokurist Peter Seift der Firma Sälzmann u. Co. konnte am vergangenen Sonnabend auf eine fünfundzwan- ziqjährige Dienstzeit bei der Firma rurück- blicken. — Das Fest eines zwanzigjährigen Dienstjubiläums feierte am 1. Oktober Fräulein Elise H il rn k e bei Justizrat Dr. Harnier. — Arn 1. Oktober waren es fünfundzwanzig Jahre, daß der Eisenbahnscklosser Georg Marauart im Hause des Metzgermeisters Friedrich Becker, Fffchgasse Nr. 4, wohnt. — Am 1. Oktober wohnte der städttscke Arbeiter Johannes Engel im Hause des Herrn Meininger. Holzmarft 11, fünfundzwanzig Jahre. — Gestern abend gegen 11 Uhr wurden am Eingang zum Restaurant ..Reichshof" die massiven Messinggriffe gestohlen. — Die Postschalter werden im Winterhalbjahr erst wieder um acht Uhr vormittags geöffnet. — Im Anschluß an unser« Bericht über das Solbad Wilhelmshöhe wird uns mitgcteilt, daß General Sehr nickt dem Kaiser, sondern nur dem Grafen Eulenburg Vortrag über das Projekt gehalten hat.
A Tages-Kalender: Dienstag abend 8!4 Uhr im Braustiibl: Versammlung der nativ n a lli b e r a l e n Partei; Mittwoch abend 9 Uhr im Hotel Maus: Gedächtnisfeier des den t f ch s o z i a l c n Vereins für den verstorbenen Reichstagsabgeordneten Siebermann von Sonnenberg: vormittags 9 Uhr Ob st markt des Obstbauvereins im Stadtpark; afthnds 8 Uhr: Siederabend von Theodore Bvard im Zentralhotel: abends 8 Uhr Vortrag des Vrofessors Dr. Emilie Jaegues Dolcrozel (im Auftrage der Mu- sikaruvpe Cassel e. V.) über: „Die Erziehung für und durch den Rhvthmus" im Evgngeliscken Vereinshaus: abends 8M Uhr Im Palais-Re- ftaurant: Psychologischer Vortrag: „Das Sehen der Seele nack dem Tode.
A Die Tätigkeit her Sanitätskolonne. Nach dem Monatsbericht der „Freiwilligen Sani- tätskolonne vom Roten Kreuz" wurde die Kolonne im Monat September lllmal in Anspruch genommen, hierbei bandelte es sich achtundvierzigmal um plötzliche Unfälle und sech- zigmal um Transport Kranker innerhalb der Stadt, dreimal um Transpott von auswärts nack hier und umgekehtt. Es wurden befer« dett: mittels Räderbahre 20 Personen, mittels Fahrradbahre 30 Personen, mit dem städtischen Krankenwagen 32 Personen und mit anderen Fahrzeugen (Droschke und Automobil) 8 Personen. Einzefleistungen der Kolonnenmitglieder sind hier nicht aufgeführt. Bei Unfällen bezw. Kranken-Transporten rufe man nur die .Hauptmeldestelle, Fenffvrcch - Nummer 1353 (Kolonnenführer Nußbaum, Sckäsergasse 30) an.
A Tas Wetter am Mittwoch. Der amtliche Wetterbericht sagt für Mittwoch für Hessen-Nassau folgende Witterung voraus: Wolkig, Niederfchläge in Schauer«, kühl, zeitweise auffrischende Winde.
Letzte Telesramme.
(Nach Schluß der Redattion eingegnngen.) Der Krkey nm TrwlMs.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 3. Oktober.
Das Erlöschen her Leuchtfeuer an den Küsten des Roten Meeres, der Dardanellen, des Aegäifchen und des Adriatifchen Meeres hat die englifcken Reeder mit großer B e - f o r g n i s erflillt. Die Lloyds-Versicherungs- gefellfchasten haben gestern bereits das hiesige Auswättige Amt ersucht, die Botschafter in Rom und Konstantinopel darüber aufzuflären, welch riesiger Schaden der internationalen Schiffahrt dadurch erwachsen müsse. Na- menlich werde der Vettehr des Roten Meeres nach dem fernen Osten und der Handel mit den Häsen im Schwarzen Meer darunter leiden müssen. Ein Telegramm von P e r i m am Roten Meer meldet, daß die Lichter der Türme von Massaua und Mocha erloschen sind und die Leuchttürme von Abn-Ail und Jebel-Tier sollen gleichfalls gefchlossen werden.
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Konstantinopel, 3. Oktober. (Pri - vat-Telegramm.) Die Regierung gab Befehl nach Trivolis, den italienischen Landungstruppen Widerstand entgegen^ zufetzen. Der frühere Marineminister, Halil-Bey. hat das Kommando über die außerhalb der Dardanellen befindliche Flotte übernommen, die jetzt gleichfalls in Aktion treten soll. Die Stimmung in Reaierunaskreisen
ist nach wie vor sehr zuversichtlich und man rechnet mit einer nahe bevorstehenden Intervention der Mächte. Am kommenden Freitag wird daS Parlament zu- sammmentreten, um über die Ausgaben für die Kriegsführung zu beraten. A:;ck in der Bevöl- lerung macht sich gegen früher eine weit zuversichtlichere Stimmung bemerkbar.
Sie Wolff-Metternich Sensation.
(Eigene Drahtmeldung.) S Berlin, 3. Oktober.
Heute fand der Prozeß gegen den Grafen Gisbert Wolff-Metternich, der im Juli seinen Anfang genommen hatte, aber zwecks Ladung weiterer Zeugen vertagt werden mußte, seinen Fortgang. Landgerichtsdi» rettor G rüget eröffnete die Sitzung. Zunächst wurden die Zeugen aufgerufen. Frau Gertrud Wertheim und ihre Tochter, Frau Dolly Landsberger, sind nicht erschienen. Rechtsanwalt Jaffe stellt alsdann gegenüber dein Vottitzenden des Gerichtshofes und einem Beisitzer einen Ablehnungsantrag, den der Verteidiger in ausführlicher Weise begründet. In dieser Begründung wird ausgefühtt. daß der Vorsitzende durch eine A nweisung des Justizministers beeinflußt sei, die dieser in Bezug auf den Gang der Voruntersuchung habe ergeben lassen. Ferner habe der Vo-sitzende der Vetteidigung mitge- teflt, er werde die Verhandlung vertagen, sobald von dem Angeklagten ober seinem Rechtsbeistand Angriffe gegen Frau Wert- heim erfolgen. Nack kurzer Beratung verkündet das Gcttcht: Die Verhandlung hat keinerlei Anhaltspunkte ergeben, daß die abgelehnten Rickter befangen seien. Der Ableh- nungSanttag wird daher z u rü ck g e w iesen.
Wieder einer!
Oranienburg, 3. Oktober. (Privat-» Telegramm.) Auf Riguifation der Staatsanwaltschaft wurde gestern der Buchhalter Hermann Hogenitz verhaftet. Der Verhaftete, der bei der Firma Gebrüder Tramba in Oranienburg angestellt war, bat sich dort Unterschlagungen in sehr bedeutender Höhe zu Schulden kommen lassen. Bis jetzt sind über vierhnnderttausenh Mark Defraudationsgelder fef" - "ellt. Man glaubt aber, daß bei der näheren Untersuchung die Summe noch bedeutend höher sein wird. Die Schwiegermutter des Verhafteten beging nach der Verhaftung Selbstmord, wahrscheinlich aus Furcht vor Strafe, weil sie um hie Verfehlungen ihres Schwiegersohnes wußte und diese begünstigte.
Endlich erwischt!
Wien, 3. Oktober. (Privat-Tele<° g r a m m.) Auf der Eisenbahnstrecke Oderberg- Wien wurden die internationalen, aus Rußland fiomtnenben Eise »bahn hiebe Siepy, Jankel, Kornblud und JurSky verhaftet. Man fand bei ihnen größere Geldbeträge, die be- fchlagnahmt wurde«.
Räuber int Postamt.
Budapest, 3. Oktober. (Privat-Te« leg ramm.) In der vergangenen Nacht drangen unbekannte Täter in das Postamt in Pi- p a r a k ein, sprengten, die eiferne Kasse und raubten zwölftausend Kronen in Bargeld und Wertpapieren.
Die Tragödie eines Neunzehni-hrigen.
Grenoble (Frankreich), 3. Oktober. (P r i v a t - T e l e g r a m m.) In der Nähe von Grenoble, unweit des Schlosses Voreppe, hat sich gestern auf einem Spazierritt her neunzehnjährige Sohn des Grafen d'Agoult erschossen. Von Interesse ist. daß der Vater des jungen Mannes ein Neffe der durch ihre intime Freundschaft mit Franz Liszt berühmt gewordenen Gräfin d'Agoult ist. Aus den Beziehungen zwischen Liszt und der Gräfin entstammen zwei Töchter: die eine heiratete den französischen Ministerpräsidenten des zweiten Kaiserxeiches, Emile Olivier, und die zweite, Cosima, zunächst Hans von Bülow, dann Richard Wagner. Der junge d'Agoult soll die Tat in einem Anfall von Schwermut verübt haben.
Nach der Sturm-Katastrophe.
Rotterdam, 3. Oktober. (Pri vat- Telegramm.) Nachdem die vielen unterbrochenen telephonifchen und telegraphifchen Verbindungen wieder hergeftellt sind, bekommt man erst allmählich ein Bild von der Verheerung des Sturmes. An der Küste des Meeresarmes, die die Grenze zwischen den Provinzen Südholland und Neuland bildet, scheiterten allein fünfundvierzig Dampfschlepper und mit Deuffchland und Belgien verkehrende Rheinkühne. Die Besatzung dieser Schiffe ist fast sämtlich ertrunken. Bei Steenbergen wurden gestern achtundzwanzig Leichen angeschwemmt. darunter die Leiche einer Mutter, die ihr Kind an die Brust festgebunden hatte.
„In Portugal ist alles ruhig . . .!"
Lissabon, 3. Oktober. (Telegram m.) In der vergangenen Nacht versuchte eine Kolonne Royalisten, die Grenze in der Richtung auf Chaves (Provinz Trasusmontes) zu überschreiten, wurde jedoch zurückgedrängt. Ein Zollbeamter wurde getötet. Man vettuchte. die Brücke bei Entrocamiento in die Luft zu sprengen. Die Bevölkerung von Santo Tirso hat sich erhoben und royalistisch-': Fchstnen auf- gepflantt.
Ein deutscher Spion in Newyork?
Newyork, 3. Oktober, (Mrivattele- grnmm.) Großes Aufsehen erregt in Newyork die Verhaftung eines angeblichen Spions Es handelt sich um einen als gewandten Konstrnktionszeichner bekannten jungen Mann namens Josef Frauenfelder, der bei der elektrischen Motorbootgeselltckaft angestellt ist. Er ist denunziert worden, Pläne der neuen amerikanischen Urttetteeboote an Deutschland und England verkauft zu haben. Frauenfelder wurde verhaftet, bestreitet aber ehe Schuld.
Ac heutige Am« wMls Seiten.