Einzelbild herunterladen
 

1. Jahrgang

Nummer 256.

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

$te Casseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abend», »er AbonnementSpret» beträgt monatlich 60 Pfg. bet tretet Zustellung in« Hau«. Bestellungen werden jederzett eon der DeschättSstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei. Verlag und Redaktion: Echlachthosstratze 28/30. Sprechstunden der Redaktion von 123 Uhr nach, mittags, lurifttsche Sprechstunden für unsere Abonnenten Mittwoch« und Sonnabend» von 68 Uhr abend« Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.

JnsertionSpretse: Die sechSgespaltene Zeile für einheimische Geschäfte 15 Pfg.. für au«, markige Inserate 25 Pf, Reklamezetle für einheimische Geschäfte 40 Ps, für auswärtige Geschäfte 60 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mit « Mark pro Taufend be- rechnet. Wegen ihrer dichten «erbrettung in der Restden, und »er Umgebung stn» die Safseler Neuesten Nachrichten ein vorzüglicher JnserttonSorgan. Geschäftsstelle: «ölutsche Straße 5 Berliner Vertretung: SW.. Friedrichstraße 16, Telephon: Amt lV, «76.

Fernsprecher 951 tmb 952.

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, den 4. Oktober 1911

KE3

Kommune und Kattossel«.

Herr von Schorlemer an die Städte.

Aus einem Erlaß des preußischen Lanbmirt- schastSmintsterS vom sechsundzwanzigsten Sep­tember:Um der Ledensmittelteuerung zu begegnen, ro rbe es stch im wesentlichen darum handeln, mit der Fleischerei über eine den Btehpreisen angemessene Festsetzung der Fletschpreise zu verhandeln. Sollten diese Erörterungen keinen Erfolg haben, so müsse dringend empfohlen werden, die unmittelbare Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch durch von den Städten einzurichtende Verkaufsstellen in Angriff zu nehmen. Endlich würde zu prüfen sein, ob nicht auch durch regelmäßigen Bezug von anderen Nahrungsmitteln des Massenverbrauchs, beispiels­weise von»artosselnu.Hülsensrüchten eine Verbilligung der Lebenshaltung erreicht werden tonne."

Eins läßt sich nicht verkennen: Herr von Schorlemer-Lieser. der den vortreffli­chen Herrn von Arnim-Criewen in der Ver­waltung des preußischen Ackerbau-Ministeriums abgelöst hat. ist ein Mann der Tat. Nachdem rund ein Jahr hindurch die von Seiner Errzel- lenz befohlnenErhebungen" über die Teue- rung und Not im Land kostbare Zeit verschlun­gen haben, erkennt^ietzt der Herr Minister als aller Weisheit letztem Schluß die Notwendigkeit kommunaler Selbsthilfe. Aus dem Erlab vom sechsundzwanzigsten September (zehn Tage nach der bekannten.Teuerungs-Kon- ferenz" im preußischen Minister-Conseil) geht mit lobenswerter Deutlichkeit hervor, daß auf eine staatliche Mitwirkung im Kampf ge­gen die Teurung nicht zu rechnen ist. Bleibt also als einzige Möglichkeit: Die Kommune! Und Herr von Schorlemer gibt den Bürgermei. stern und Kommunalvätern der deutschen Städ­te auch gleich die Anweisung mit auf den Weg. wie der Not im Land am besten, zweckmäßig­sten und erfolgsichersten zu begegnen ist: Man bandle mit Fleisch, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Fischen und andern nützlichen Lingen, und . . . die Teurung wird fliehen wie Nacht vorm dämmernden Tag. Der Minister für Land­wirtschaft, Domänen und Forsten erkennt auf Grund der lang ausgedehnten (und demge­mäß also wohl mit besondrer Sorgfalt vorgenommnen) statistischen Erhebungen an, daß .das Schweinefleisch auf dem Weg von der Erzeugungsstätte zum Verbraucher in außergewöhnlichem Maße verteuert werde." Hier unmittelbar einzugreifen, könne indessen nicht die Aufgabe des Staats sein; sondern es sei die Pflicht der Kommune, dem Uebelver­mittelnd" entgegenzutreten. W i e das gesche­hen soll, ist in dem (oben mitgeteilten) Aus­zug aus dem Erlaß angedeutet. Herr von Schorlemer-Lieser hält auch eine .wirksame Be­tätigung der städttschen Verwaltungen auf die­sem Gebiet um so dringlicher für geboten, als die lange Dürre dieses Jahres eine Anzahl an­drer notwendiger Nahrungsmittel teils schon in bedauerlichem Maße verteuert hat und teils zu verteuern droht." An der Gefahr der Teuerung, die man in den Amtstuben unsrer Landwirtschafts-Regierung so überlang mit schöner Ueberzeugung bestritten, wird heut al­so nicht mehr gezweifelt: Ein Fortschritt, den man (mit einem lachenden und einem wei­nenden Auge) begrüßen darf!

Wer ist nun aber der Sünder? Da das Fleischerqewerbe sich mit Entrüstung gegen den Vorwurf wehrt, die allgemeinen Verhältniffe durch den Schlachtbetrieb in selbstsüchtiger Wei­se ausgebeutet zu haben, so wäre also der Zwischenhandel anzuklagen. Ohne gründliche Untersuchung soll aber niemand ver­urteilt werden, und somit werden wir sowohl von den staatlichen als auch von den städtischen Statistischen Aemtern fordern müffen. unver­züglich die notwendigen Feststellungen einzuleiten. Die Klärung der strittigen Frage ist auch nicht besonders schwierig, wenn jüftip und ohne Nebenrücksichten an die Arbeit ge­gangen wird. Die Gründe, aus denen bisher Untersuchungen ähnlicher Art nie so recht ge­deihen wollten, blieben seltsamerweise stets in Dunkel gehüllt; trotzdem es beim heutiger Stand volkswirtschaftlicher Statistik doch wirk­lich nicht schwer halten dürfte, ein zuverläffiges Spiegelbild der Verhältniffe auf statistischem Weg zu erhalten. Inzwischen hat nun die Städtetag-Kommiffion die ersten Schritte zur Vorbereitung der Ermittlungen getan, und man darf gespannt sein, welche Resultate sie er­zielen wird. Jedenfalls ist es eine unumgäng­liche Notwendigkeit, vor der Begründung eines kommunalen Wirtschafts-Verbandes einwand­frei feftzustellen, ob die Teuerung, die uns seit dem Frühjahrende neunzehnhundertelf so emp­findlich heimfuckt, natürlichen oder künst­lich erzeugten Ursachen ihre Härten vcrdantt. Denn nach dem Ergebnis dieser Feststellung müffen sich naturgemäß auch in e r st e r Linie die Maßnahmen richte«, die zur Bckämp- X»a .des-Lotirands ergriffen.werden, sollen.

Und nun zum Thema:Kommune und Kartoffeln"! Herr von Schorlemer-Lieser hat bei seinen vortrefflichen Ratschlägen an die preußischen Stadtväter osfenbar ganz über­sehen, daß die letzten Konsequenzen einer Ausschaltung des freien Wettbewerbs zum Kommunismus führen müssen. Wenn die Städte sich zusammentun und einen großen Wirtschafiskörper bilden, dann verändert sich naturgemäß die ganze wirtschaftliche Gliede­rung des Handels- und Gewerbestands. Kauft und verkauft der städtische Magistrat erst Kar­toffeln, Ochsen, Kälber, Schweine und Brat­heringe, so wird man auf diesem Weg sicher nicht stehen bleiben können und schließlich auch den Markt für Holz und Kohlen kommunal­politisch monopolisieren müssen, weil die mei­sten Stadtdewohner dannpreiswert" dazu kommen. Daß die Lebensmittel in Deutsch­land an der Erzeugungsstelle weit billiger zu haben sind, wie sie zurzeit auf Märkten und in Läden bezahlt werden müssen, steht unfraglich fest: Große Berliner Warenhäuser verkaufen noch heut durchweg zu Zwcidritteln des s o n st üblichen Preises, wenn sie die Produkte in großen Massen einkaufen konnten (waS in jeder Woche der Fall ist). Die städtisch« Ge­meind« würde stch also in ein.großes Wa­renhaus verwandeln, toattt sie für ihre Be­wohner einkaufte und ihnen die Verbrauchs­gegenstände zu einem Preis abließe, durch den lediglich die V e rw a ltun g S k o st en gedeckt würden. Diese Möglichkeit zu schaffen, ist offen­bar der Wunsch des Herrn von Schorlemer- Lieser. Daß unter einer solchen Einrichtung aber wichtigeErwerbsstände wirtschaftlich schwer leiden müßten, würde stch nicht vermeiden las­sen,, und eS dürste angesichts dieser Tatsache doch zumindest fraglich sein, ob es stch emp­fiehlt, in dieser radtkal-kommunistifa-er Form denTeufel mit Beelzebub aüjzu- treiben".

Ferner: Die Teuerung dieses Jahres wird mit dem Silvestertag neunzehnhundertelf sicher nicht zuendc sein; es läßt sich vielmehr wirt- schaftsstatisttsch unschwer errechnen, daß auch die nächsten Jahre noch im Zeichen hoher Lebensmittelpreise stehen werden. In diesem Falle (der, wenn nicht besondre Verhältniffe eintreten, unabwendbar scheint) werden dann di« Kommunen abermals auf dem vom preußischen Herrn Landwirtschastsminister so angelegentlich cmpfohlnen Weg der Selbsthilfe zum Kartoffelsack greifen müssen, und unierm zarten Zwang angenehmer Gewöhnung könnte dann au? der Notstands-Maßnahme leicht eine ständige Einrichtung werden, deren natürliche Folge ein« Unterbindung des freien Wettbewerbs im gesamten wirtschaftlichen Leben sein würde. Auch die Landwirtschaft würde auf die Dauer keine Freude an dieser Methode haben können, weil ein mächtiger Druck auf die Produzenten ausgeübt werden würde. Die wirtschaftliche .Almosenpolitik", zu der der preußische Land­wirtschaftsminister rät, ist also imgrunde wenig überlegt. Die innere und äußere Politik im Vaterland der Deutschen krankt zurzeit leider an schweren Rechenfehlern, und weit dringlicher als der kommunale Kartoffel handel scheint uns eine Erweiterung des Blicks der Regierung für die wirtschaftlichen Bedürf­nisse des Volks vonnöten zu sein. Daß die Teuerung von neunzehnhundertelfanormalen Erscheinungen" ihre Entstehung verdankt, wis­sen wir. Aber die anormalen Ursachen berech­tigen doch noch lange nicht zu anormalen Maß­nahmen in der Bekämpfung der Erscheinung. Und daß das Selbsthilfe-PrinzipKommunen und Kartoffeln" wittschasts - theorettsch und -praktisch nicht ganz normal ist, wird Herr von Schorlemer-Lieser doch hoffentlich selbst nicht bezweifeln wollen ... F. H.

Bor Tripolis nichts Neues!

Friedensverhandlungen in Sicht? (Eigene Drahtmeldungen.)

Bus Paris wird unS depeschiert: Spät nachtS wurde» hier Gerüchte über ei­nen bevorstehenden Waffenstillstand zwischen Italien und der Türkei und die Einleitung der Friedensverhand­lungen verbreitet. Die Türkei soll mft belgischen Banken über die Aufnahme einer Anleihe von vierzig Millio­nen Francs verhandeln.

Weitere Depeschen melden uns aus Sal o - niki: Seit gestern werden unausgesetzt mili­tärische Vorbereitungen zum Schutz der be­drohten Küsten getroffen. Die Leuchtfeuer bei Murto und Kassandra wurden ausgelöscht. Weitere schwere Artillerie wurde nach dem Fort Karaburnu transportiert und die .Einfahrt iüt alle Flaggen nachts gesperrt. Dxr

Kriegsminister fordert die Kommandanten von Saloniki, Uesküb und Cosana auf. sofort für Beschaffung von Lebensmitteln für SO 000 Mann nebst 4000 Pferden für Cosaua, 50 000 Mann für Uesküb und 100 000 Mann für Saloniki Vorschläge zu machen und damit zu beginnen. Alle waffenfähigen Männer wer­den aufgefordert, sich als Freiwillige für den Kampf gegen Italien zu melden. Aus Janina wird berichtet, daß die Verbin­dung mit Reschadie abgeschnitten ist. Die Be­völkerung und die Behörden seien infolge der Beschießung der türkischen Torpedoboote durch die italienischen Schiffe geflüchtet.

*

Die Ftallener in Prevesa?

(Privat-Telegramm.)

Wie uns aus K o n st a n t i n o p e l berichtet wird, begann gestern der Bo y k o tt d e r It a- l i e n e r in der ganzen Türkei ttotz der Regie- nmgserlafle. Sämtliche italienischen Arbeiter, die im Dienste der Regierung stehen, wurden abgelohnt und entlassen. Eine weitere Mel­dung bestätigt trotz der italienischen Demenfts daß siebenhundert Mann italieni- scher Truppen in Prevesa gelandet sind. Jtalienischerseits wird dagegen versichert, daß alle Meldungen über Truppenlandungen in Prevesa unrichtig seien, da Italien den statuo quo aufrecht erhalten und keine Be­sitzergreifung auf europäischem Boden vornehmen wolle. Aus Tripolis wird gemeldet: Die türkischen Truppen, welche die Stadt verlassen, haben außerhalb der Stadt Verschanzungen aufgeworfen. Sie schei­nen zu beabsichtigen, das Vordringen der ita­lienischen Truvpen zu verhindern. Diese Tak­tik ist erfolgt, um außerhalb des Bereiches der Feuerlinie der italienischen Kriegsschiffe zu ge­langen und den Widerstand gegen die Jtalie- ner zu Lande zu organisieren.

Marschalls MWon geschottert?

(Privat-Telegramm.)

Depeschen zufolge, die heute früh aus Kon­stantinopel in Rom eingingen, ist der VersöbnungSversuch des deutschen Botschaf­ters, Freiherr» von Marschall, vor- etft gescheitert. Uebrigens konnte ein Ge­lingen dieses ersten Versuches auch nicht erwar­tet werden. Italien wünscht den Frie, den, da jeder Tag seine Kriegsausgaben er­höht und sein Handel schwere Schädigungen erleidet. Die Ausgaben steigern sich infolgedes­sen von Tag zu Tag. wonqch sich natürlich auch die Bedingungen richten werden, die Italien nach Beerdigung des Krieges der Türkei stel­len wird. Jedenfalls wird eine Verständigung nur auf der Grundlage der militärischen B e - setzung von Tripolis erfolgen können. Im Anschluß daran berichtet uns x ein Tele­gramm von Turin: Die Meldung über eine wichttge Besprechung zwischen dem türkischen Großwesir und dem deutschen Botschaf­ter in Konstanttnopel wird bestätigt. Im Lau­fe dieser Unterredung sollen die italienischen Friedens-Bedingungen einer Beratung unter­zogen worden sein. In hiesigen maßgebenden Kreisen macht sich Neigung zum Frie­den, ttotz der kriegerischen Kundgebung der Sffenttichen Meinung, bemerkbar.

*

Sie neuesten Kriegs-Depeschen.

(Eigene Drahtmeldung.)

AuS Rom wird uns gemeldet: Der tür­kische TransportdampferDerna" ist im Hafen von Tripolis von italienischen Kriegsschiffen in den Grund gebohrt worden. Die Beschießung der Stadt soll erst heute erfolgen, damit die Bevölkerung Zeit findet, die Stadt z« verlassen. Die Mobilisierung des italienischen Expeditionskorps ist vorgestern beendet wor­den, also zwölf Tage nach seiner Einberufung. Die Konzentrierung in den Hafcnplätzen wird heute vollzogen sein und die Einschiffung kann sofort erfolgen. Nach einer Llovdmcldung befindet sich die türkische Flotte auf der Reede von Nagara in den Dardanellen. Han­delsschiffe dürfen nach Sonnenuntergang die Dardanellen nicht mehr passieren. Um eine rasche Besetzung von Tripolis zu ermöglichen, beabsichtigt Italien, das tripolitanischr Expe­ditionskorps auf eine Stärke von achtzig- zigtausend Mann zu bringen.

¥

Englische FntervMtton in Acht?

(Eigene Drahtmeldung.)

Aus Konstantinopel wird gemeldet, daß der britische Botschafter gestern eine län­gere Konferenz mit Said Pascha hatte. Man glaubt, daß die Pforte bemüht ist. England zur Intervention zu bewegen. Ter tür- arinemlnister bat demissioniert.

In seinem Demissionsschreiben erwähnt er die Zerstörung der türkischen Torpedoboote durch die italienische Flotte und erklärt, da die Flot- ttllc (obwohl er rechtzeitig di« Rückkehr der Flotte in die Dardanellen und die Flucht der in dem Adriattschen Meer befindlichen Flottille in di« dalmatinischen Gewässer angeordnet habe) der italienischen Flotte nicht enttommen konnte, erachte er es als unmöglich, auch nur in« terimistisch die Geschäfte des Ministeriums zu führen. Einer Meldung aus Wien zufolge hat die österreichische Regierung in Rom dar­auf aufmerffam gemacht, daß Oesterreich-Un­garn gezwungen werde, seine Schiffe in die albanesischen Gewässer zu entsenden, wenn Italien die militärischen Aktionen an der albanischen Küste fottsetze.

*

London, 3. Oktober. (Privat-Tele« a i a mm.) Der Bettreter des Lloyd in Kon­stanttnopel telegraphiett, daß der italienische DampferErnesto Hardi" in Kaven von türttschen Kriegsschiffen gekapert worden sein soll. Die Mannschaft wurde zu türki­schen Kriegsgefangenen gemacht.

Sar Meier Handwerk.

Die gestrige Versammlung des JnnungSauS- schufses in derStadt Stockholm".

Gestern abend fand im Saale des Restau­rantsStadt Stockholm" eine Versammlung des JnnungSauSschusses statt, die sich mit recht interessanten Handwerkerfragen be­faßte. Obermeister Kniest eröffnete die Ver- handlimgen und teilte zunächst mit, daß er sei­nen Vortrag überDie Forderungen des Handwerks" bis zur nächsten Sitzung zurück­stellen müsse, da wichtigere Fragen zunächst zu eröttern wären. Er machte ferner davon Mit­teilung, daß eine Kommission der Tischler, innung bei eine; von Magisttat ausgeschrie­benen Submission auf Schulmöbel eine Selbftkostenberechnung an den Ma­gistrat gesandt habe, die bei der Vergebung der Arbeiten als Richtschnur dienen sollte. Die Selbstkostenberechnung sei auf Grund der ge- nauen Prüfung aller Verhältnisse zustande ge­kommen und betrage im vorliegenden Falle 2465 Mark. Interessant sei nun, daß der Mindestfordernde eine über 1060 Mark lautende Offerte abgegeben habe. Auch die übrigen Of­ferten wichen von derMusteroffette" ab. Eine weitere Mitteilung des Vorsitzenden betraf die Lehrlingsarbeiten-Ausstellung, die am kom­menden Sonntag stattfindet. Die geplante Meisterarbetter-Ausstellung, mit der eine Lot­terie zugunsten erholungsbedürftiger Hand­werker verbunden werden solltt, muß wegen der Kürz« der Zeit bis zum nächsten Winter zurückgestellt werden.

*

Der Boykott her Bäckermeister.

Bäckermeister Bornemann berichtet- dann über den vom Casseler Gewerkschafts­kartell über die hiesigen Bäckereien verhängten Boykott: Die Arbeiter zweier Mühlen (in Düsseldorf und Witzenhausen) waren mit den Unternehmern in Lohndifferenzen geraten. Da eine Einigung nicht zu erzielen war, so forderte das Casseler Gewerkschaftskartell die Bäcker­meister in Cassel auf, von jenen Mühlen kein Mehl mehr zu beziehen. Die Bäckermeister lehnten dies Ansinnen ab und in einer größeren Versammlung wiesen sie die Zumuttmg mit Entschiedenheit zurück. Es wurde besonders darauf htngewiesen, daß dasselbe Mehl in der Genossenschastsbäckerei weiter verarbeitet würde. Die dott tätigen Gesellen hätten des­halb erklätt, daß sie das Mehl nicht weiter ver­arbeiten würden. Ihnen sei jedoch erwidett worden, daß sie sich umsolcherlei Dinge" nicht zu kümmern und nur ihre Arbeit zu verrichten hätten. Ein Geselle soll, weil er bei seiner Weigerung verharrte, entlassen worden sein. In der Diskussion wies dann Obermeister Kniest darauf hin. daß man den Arbeiter» nicht verwehren könne, ihre Lohnverhältnisse zu verbessern, aber sie sollten nicht twie es im Falle der Bäckermeister geschehen sei) die Mei­ster als Mittel zum Zweck benutzen. Solches Vorgehen verdiene die schärfste Zurückweisung. Aehnlich sprachen sich die Herren Zimmermei­ster Eckhardt und Malerobermeister Mink- lei? aus. Der Jnnungsausfchuß nahm dann die bekannte Resolutton der Bäcker-Innung mit großer Einmütigkeit an.

*

Herr Ans und das Handwerk.

Nunmehr kam die Angelegenheit der Tape- zierer zur Sprache, die in der letzten Stadtver- ordnetensitzung verhandelt worden ist. Das Referat erstattete Hoftapezierer K. Rieh I. Der Redner wies zunächst darauf hin, daß die Heit zwischen der Ausschreibung der Submission auf Vorhänge im neuen Rcalgymnasialgebäude und dem Tage der Offertenabgabe eine sehr kurze gewesen sei, und daß eine Nachfrist bei der Lieferung nickt zugesickert war. Um so er­staunter wären die Tapezicrermeister gewesen, als sie die. Feststclluna machen mußten, daß die Firma, die die Arbeiten ausgeführt hatte, sich