1. Jahrgang
Nummer 256.
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
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Mittwoch, den 4. Oktober 1911
KE3
Kommune und Kattossel«.
Herr von Schorlemer an die Städte.
Aus einem Erlaß des preußischen Lanbmirt- schastSmintsterS vom sechsundzwanzigsten September: „Um der Ledensmittelteuerung zu begegnen, ro rbe es stch im wesentlichen darum handeln, mit der Fleischerei über eine den Btehpreisen angemessene Festsetzung der Fletschpreise zu verhandeln. Sollten diese Erörterungen keinen Erfolg haben, so müsse dringend empfohlen werden, die unmittelbare Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch durch von den Städten einzurichtende Verkaufsstellen in Angriff zu nehmen. Endlich würde zu prüfen sein, ob nicht auch durch regelmäßigen Bezug von anderen Nahrungsmitteln des Massenverbrauchs, beispielsweise von»artosselnu.Hülsensrüchten eine Verbilligung der Lebenshaltung erreicht werden tonne."
Eins läßt sich nicht verkennen: Herr von Schorlemer-Lieser. der den vortrefflichen Herrn von Arnim-Criewen in der Verwaltung des preußischen Ackerbau-Ministeriums abgelöst hat. ist ein Mann der Tat. Nachdem rund ein Jahr hindurch die von Seiner Errzel- lenz befohlnen „Erhebungen" über die Teue- rung und Not im Land kostbare Zeit verschlungen haben, erkennt^ietzt der Herr Minister als aller Weisheit letztem Schluß die Notwendigkeit kommunaler Selbsthilfe. Aus dem Erlab vom sechsundzwanzigsten September (zehn Tage nach der bekannten.Teuerungs-Kon- ferenz" im preußischen Minister-Conseil) geht mit lobenswerter Deutlichkeit hervor, daß auf eine staatliche Mitwirkung im Kampf gegen die Teurung nicht zu rechnen ist. Bleibt also als einzige Möglichkeit: Die Kommune! Und Herr von Schorlemer gibt den Bürgermei. stern und Kommunalvätern der deutschen Städte auch gleich die Anweisung mit auf den Weg. wie der Not im Land am besten, zweckmäßigsten und erfolgsichersten zu begegnen ist: Man bandle mit Fleisch, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Fischen und andern nützlichen Lingen, und . . . die Teurung wird fliehen wie Nacht vorm dämmernden Tag. Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten erkennt auf Grund der lang ausgedehnten (und demgemäß also wohl mit besondrer Sorgfalt vorgenommnen) statistischen Erhebungen an, daß .das Schweinefleisch auf dem Weg von der Erzeugungsstätte zum Verbraucher in außergewöhnlichem Maße verteuert werde." Hier unmittelbar einzugreifen, könne indessen nicht die Aufgabe des Staats sein; sondern es sei die Pflicht der Kommune, dem Uebel „vermittelnd" entgegenzutreten. W i e das geschehen soll, ist in dem (oben mitgeteilten) Auszug aus dem Erlaß angedeutet. Herr von Schorlemer-Lieser hält auch eine .wirksame Betätigung der städttschen Verwaltungen auf diesem Gebiet um so dringlicher für geboten, als die lange Dürre dieses Jahres eine Anzahl andrer notwendiger Nahrungsmittel teils schon in bedauerlichem Maße verteuert hat und teils zu verteuern droht." An der Gefahr der Teuerung, die man in den Amtstuben unsrer Landwirtschafts-Regierung so überlang mit schöner Ueberzeugung bestritten, wird heut also nicht mehr gezweifelt: Ein Fortschritt, den man (mit einem lachenden und einem weinenden Auge) begrüßen darf!
Wer ist nun aber der Sünder? Da das Fleischerqewerbe sich mit Entrüstung gegen den Vorwurf wehrt, die allgemeinen Verhältniffe durch den Schlachtbetrieb in selbstsüchtiger Weise ausgebeutet zu haben, so wäre also der Zwischenhandel anzuklagen. Ohne gründliche Untersuchung soll aber niemand verurteilt werden, und somit werden wir sowohl von den staatlichen als auch von den städtischen Statistischen Aemtern fordern müffen. unverzüglich die notwendigen Feststellungen einzuleiten. Die Klärung der strittigen Frage ist auch nicht besonders schwierig, wenn jüftip und ohne Nebenrücksichten an die Arbeit gegangen wird. Die Gründe, aus denen bisher Untersuchungen ähnlicher Art nie so recht gedeihen wollten, blieben seltsamerweise stets in Dunkel gehüllt; trotzdem es beim heutiger Stand volkswirtschaftlicher Statistik doch wirklich nicht schwer halten dürfte, ein zuverläffiges Spiegelbild der Verhältniffe auf statistischem Weg zu erhalten. Inzwischen hat nun die Städtetag-Kommiffion die ersten Schritte zur Vorbereitung der Ermittlungen getan, und man darf gespannt sein, welche Resultate sie erzielen wird. Jedenfalls ist es eine unumgängliche Notwendigkeit, vor der Begründung eines kommunalen Wirtschafts-Verbandes einwandfrei feftzustellen, ob die Teuerung, die uns seit dem Frühjahrende neunzehnhundertelf so empfindlich heimfuckt, natürlichen oder künstlich erzeugten Ursachen ihre Härten vcrdantt. Denn nach dem Ergebnis dieser Feststellung müffen sich naturgemäß auch in e r st e r Linie die Maßnahmen richte«, die zur Bckämp- X»a .des-Lotirands ergriffen.werden, sollen.
Und nun zum Thema: „Kommune und Kartoffeln"! Herr von Schorlemer-Lieser hat bei seinen vortrefflichen Ratschlägen an die preußischen Stadtväter osfenbar ganz übersehen, daß die letzten Konsequenzen einer Ausschaltung des freien Wettbewerbs zum Kommunismus führen müssen. Wenn die Städte sich zusammentun und einen großen Wirtschafiskörper bilden, dann verändert sich naturgemäß die ganze wirtschaftliche Gliederung des Handels- und Gewerbestands. Kauft und verkauft der städtische Magistrat erst Kartoffeln, Ochsen, Kälber, Schweine und Bratheringe, so wird man auf diesem Weg sicher nicht stehen bleiben können und schließlich auch den Markt für Holz und Kohlen kommunalpolitisch monopolisieren müssen, weil die meisten Stadtdewohner dann „preiswert" dazu kommen. Daß die Lebensmittel in Deutschland an der Erzeugungsstelle weit billiger zu haben sind, wie sie zurzeit auf Märkten und in Läden bezahlt werden müssen, steht unfraglich fest: Große Berliner Warenhäuser verkaufen noch heut durchweg zu Zwcidritteln des s o n st üblichen Preises, wenn sie die Produkte in großen Massen einkaufen konnten (waS in jeder Woche der Fall ist). Die städtisch« Gemeind« würde stch also in ein.großes Warenhaus verwandeln, toattt sie für ihre Bewohner einkaufte und ihnen die Verbrauchsgegenstände zu einem Preis abließe, durch den lediglich die V e rw a ltun g S k o st en gedeckt würden. Diese Möglichkeit zu schaffen, ist offenbar der Wunsch des Herrn von Schorlemer- Lieser. Daß unter einer solchen Einrichtung aber wichtigeErwerbsstände wirtschaftlich schwer leiden müßten, würde stch nicht vermeiden lassen,, und eS dürste angesichts dieser Tatsache doch zumindest fraglich sein, ob es stch empfiehlt, in dieser radtkal-kommunistifa-er Form den „Teufel mit Beelzebub aüjzu- treiben".
Ferner: Die Teuerung dieses Jahres wird mit dem Silvestertag neunzehnhundertelf sicher nicht zuendc sein; es läßt sich vielmehr wirt- schaftsstatisttsch unschwer errechnen, daß auch die nächsten Jahre noch im Zeichen hoher Lebensmittelpreise stehen werden. In diesem Falle (der, wenn nicht besondre Verhältniffe eintreten, unabwendbar scheint) werden dann di« Kommunen abermals auf dem vom preußischen Herrn Landwirtschastsminister so angelegentlich cmpfohlnen Weg der Selbsthilfe zum Kartoffelsack greifen müssen, und unierm zarten Zwang angenehmer Gewöhnung könnte dann au? der Notstands-Maßnahme leicht eine ständige Einrichtung werden, deren natürliche Folge ein« Unterbindung des freien Wettbewerbs im gesamten wirtschaftlichen Leben sein würde. Auch die Landwirtschaft würde auf die Dauer keine Freude an dieser Methode haben können, weil ein mächtiger Druck auf die Produzenten ausgeübt werden würde. Die wirtschaftliche .Almosenpolitik", zu der der preußische Landwirtschaftsminister rät, ist also imgrunde wenig überlegt. Die innere und äußere Politik im Vaterland der Deutschen krankt zurzeit leider an schweren Rechenfehlern, und weit dringlicher als der kommunale Kartoffel handel scheint uns eine Erweiterung des Blicks der Regierung für die wirtschaftlichen Bedürfnisse des Volks vonnöten zu sein. Daß die Teuerung von neunzehnhundertelf „anormalen Erscheinungen" ihre Entstehung verdankt, wissen wir. Aber die anormalen Ursachen berechtigen doch noch lange nicht zu anormalen Maßnahmen in der Bekämpfung der Erscheinung. Und daß das Selbsthilfe-Prinzip „Kommunen und Kartoffeln" wittschasts - theorettsch und -praktisch nicht ganz normal ist, wird Herr von Schorlemer-Lieser doch hoffentlich selbst nicht bezweifeln wollen ... F. H.
Bor Tripolis nichts Neues!
Friedensverhandlungen in Sicht? (Eigene Drahtmeldungen.)
Bus Paris wird unS depeschiert: Spät nachtS wurde» hier Gerüchte über einen bevorstehenden Waffenstillstand zwischen Italien und der Türkei und die Einleitung der Friedensverhandlungen verbreitet. Die Türkei soll mft belgischen Banken über die Aufnahme einer Anleihe von vierzig Millionen Francs verhandeln.
Weitere Depeschen melden uns aus Sal o - niki: Seit gestern werden unausgesetzt militärische Vorbereitungen zum Schutz der bedrohten Küsten getroffen. Die Leuchtfeuer bei Murto und Kassandra wurden ausgelöscht. Weitere schwere Artillerie wurde nach dem Fort Karaburnu transportiert und die .Einfahrt iüt alle Flaggen nachts gesperrt. Dxr
Kriegsminister fordert die Kommandanten von Saloniki, Uesküb und Cosana auf. sofort für Beschaffung von Lebensmitteln für SO 000 Mann nebst 4000 Pferden für Cosaua, 50 000 Mann für Uesküb und 100 000 Mann für Saloniki Vorschläge zu machen und damit zu beginnen. Alle waffenfähigen Männer werden aufgefordert, sich als Freiwillige für den Kampf gegen Italien zu melden. Aus Janina wird berichtet, daß die Verbindung mit Reschadie abgeschnitten ist. Die Bevölkerung und die Behörden seien infolge der Beschießung der türkischen Torpedoboote durch die italienischen Schiffe geflüchtet.
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Die Ftallener in Prevesa?
(Privat-Telegramm.)
Wie uns aus K o n st a n t i n o p e l berichtet wird, begann gestern der Bo y k o tt d e r It a- l i e n e r in der ganzen Türkei ttotz der Regie- nmgserlafle. Sämtliche italienischen Arbeiter, die im Dienste der Regierung stehen, wurden abgelohnt und entlassen. Eine weitere Meldung bestätigt trotz der italienischen Demenfts daß siebenhundert Mann italieni- scher Truppen in Prevesa gelandet sind. Jtalienischerseits wird dagegen versichert, daß alle Meldungen über Truppenlandungen in Prevesa unrichtig seien, da Italien den statuo quo aufrecht erhalten und keine Besitzergreifung auf europäischem Boden vornehmen wolle. Aus Tripolis wird gemeldet: Die türkischen Truppen, welche die Stadt verlassen, haben außerhalb der Stadt Verschanzungen aufgeworfen. Sie scheinen zu beabsichtigen, das Vordringen der italienischen Truvpen zu verhindern. Diese Taktik ist erfolgt, um außerhalb des Bereiches der Feuerlinie der italienischen Kriegsschiffe zu gelangen und den Widerstand gegen die Jtalie- ner zu Lande zu organisieren.
Marschalls MWon geschottert?
(Privat-Telegramm.)
Depeschen zufolge, die heute früh aus Konstantinopel in Rom eingingen, ist der VersöbnungSversuch des deutschen Botschafters, Freiherr» von Marschall, vor- etft gescheitert. Uebrigens konnte ein Gelingen dieses ersten Versuches auch nicht erwartet werden. Italien wünscht den Frie, den, da jeder Tag seine Kriegsausgaben erhöht und sein Handel schwere Schädigungen erleidet. Die Ausgaben steigern sich infolgedessen von Tag zu Tag. wonqch sich natürlich auch die Bedingungen richten werden, die Italien nach Beerdigung des Krieges der Türkei stellen wird. Jedenfalls wird eine Verständigung nur auf der Grundlage der militärischen B e - setzung von Tripolis erfolgen können. Im Anschluß daran berichtet uns x ein Telegramm von Turin: Die Meldung über eine wichttge Besprechung zwischen dem türkischen Großwesir und dem deutschen Botschafter in Konstanttnopel wird bestätigt. Im Laufe dieser Unterredung sollen die italienischen Friedens-Bedingungen einer Beratung unterzogen worden sein. In hiesigen maßgebenden Kreisen macht sich Neigung zum Frieden, ttotz der kriegerischen Kundgebung der Sffenttichen Meinung, bemerkbar.
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Sie neuesten Kriegs-Depeschen.
(Eigene Drahtmeldung.)
AuS Rom wird uns gemeldet: Der türkische Transportdampfer „Derna" ist im Hafen von Tripolis von italienischen Kriegsschiffen in den Grund gebohrt worden. Die Beschießung der Stadt soll erst heute erfolgen, damit die Bevölkerung Zeit findet, die Stadt z« verlassen. Die Mobilisierung des italienischen Expeditionskorps ist vorgestern beendet worden, also zwölf Tage nach seiner Einberufung. Die Konzentrierung in den Hafcnplätzen wird heute vollzogen sein und die Einschiffung kann sofort erfolgen. Nach einer Llovdmcldung befindet sich die türkische Flotte auf der Reede von Nagara in den Dardanellen. Handelsschiffe dürfen nach Sonnenuntergang die Dardanellen nicht mehr passieren. Um eine rasche Besetzung von Tripolis zu ermöglichen, beabsichtigt Italien, das tripolitanischr Expeditionskorps auf eine Stärke von achtzig- zigtausend Mann zu bringen.
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Englische FntervMtton in Acht?
(Eigene Drahtmeldung.)
Aus Konstantinopel wird gemeldet, daß der britische Botschafter gestern eine längere Konferenz mit Said Pascha hatte. Man glaubt, daß die Pforte bemüht ist. England zur Intervention zu bewegen. Ter tür- arinemlnister bat demissioniert.
In seinem Demissionsschreiben erwähnt er die Zerstörung der türkischen Torpedoboote durch die italienische Flotte und erklärt, da die Flot- ttllc (obwohl er rechtzeitig di« Rückkehr der Flotte in die Dardanellen und die Flucht der in dem Adriattschen Meer befindlichen Flottille in di« dalmatinischen Gewässer angeordnet habe) der italienischen Flotte nicht enttommen konnte, erachte er es als unmöglich, auch nur in« terimistisch die Geschäfte des Ministeriums zu führen. Einer Meldung aus Wien zufolge hat die österreichische Regierung in Rom darauf aufmerffam gemacht, daß Oesterreich-Ungarn gezwungen werde, seine Schiffe in die albanesischen Gewässer zu entsenden, wenn Italien die militärischen Aktionen an der albanischen Küste fottsetze.
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London, 3. Oktober. (Privat-Tele« a i a mm.) Der Bettreter des Lloyd in Konstanttnopel telegraphiett, daß der italienische Dampfer „Ernesto Hardi" in Kaven von türttschen Kriegsschiffen gekapert worden sein soll. Die Mannschaft wurde zu türkischen Kriegsgefangenen gemacht.
Sar Meier Handwerk.
Die gestrige Versammlung des JnnungSauS- schufses in der „Stadt Stockholm".
Gestern abend fand im Saale des Restaurants „Stadt Stockholm" eine Versammlung des JnnungSauSschusses statt, die sich mit recht interessanten Handwerkerfragen befaßte. Obermeister Kniest eröffnete die Ver- handlimgen und teilte zunächst mit, daß er seinen Vortrag über „Die Forderungen des Handwerks" bis zur nächsten Sitzung zurückstellen müsse, da wichtigere Fragen zunächst zu eröttern wären. Er machte ferner davon Mitteilung, daß eine Kommission der Tischler, innung bei eine; von Magisttat ausgeschriebenen Submission auf Schulmöbel eine Selbftkostenberechnung an den Magistrat gesandt habe, die bei der Vergebung der Arbeiten als Richtschnur dienen sollte. Die Selbstkostenberechnung sei auf Grund der ge- nauen Prüfung aller Verhältnisse zustande gekommen und betrage im vorliegenden Falle 2465 Mark. Interessant sei nun, daß der Mindestfordernde eine über 1060 Mark lautende Offerte abgegeben habe. Auch die übrigen Offerten wichen von der „Musteroffette" ab. Eine weitere Mitteilung des Vorsitzenden betraf die Lehrlingsarbeiten-Ausstellung, die am kommenden Sonntag stattfindet. Die geplante Meisterarbetter-Ausstellung, mit der eine Lotterie zugunsten erholungsbedürftiger Handwerker verbunden werden solltt, muß wegen der Kürz« der Zeit bis zum nächsten Winter zurückgestellt werden.
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Der Boykott her Bäckermeister.
Bäckermeister Bornemann berichtet- dann über den vom Casseler Gewerkschaftskartell über die hiesigen Bäckereien verhängten Boykott: Die Arbeiter zweier Mühlen (in Düsseldorf und Witzenhausen) waren mit den Unternehmern in Lohndifferenzen geraten. Da eine Einigung nicht zu erzielen war, so forderte das Casseler Gewerkschaftskartell die Bäckermeister in Cassel auf, von jenen Mühlen kein Mehl mehr zu beziehen. Die Bäckermeister lehnten dies Ansinnen ab und in einer größeren Versammlung wiesen sie die Zumuttmg mit Entschiedenheit zurück. Es wurde besonders darauf htngewiesen, daß dasselbe Mehl in der Genossenschastsbäckerei weiter verarbeitet würde. Die dott tätigen Gesellen hätten deshalb erklätt, daß sie das Mehl nicht weiter verarbeiten würden. Ihnen sei jedoch erwidett worden, daß sie sich um „solcherlei Dinge" nicht zu kümmern und nur ihre Arbeit zu verrichten hätten. Ein Geselle soll, weil er bei seiner Weigerung verharrte, entlassen worden sein. In der Diskussion wies dann Obermeister Kniest darauf hin. daß man den Arbeiter» nicht verwehren könne, ihre Lohnverhältnisse zu verbessern, aber sie sollten nicht twie es im Falle der Bäckermeister geschehen sei) die Meister als Mittel zum Zweck benutzen. Solches Vorgehen verdiene die schärfste Zurückweisung. Aehnlich sprachen sich die Herren Zimmermeister Eckhardt und Malerobermeister Mink- lei? aus. Der Jnnungsausfchuß nahm dann die bekannte Resolutton der Bäcker-Innung mit großer Einmütigkeit an.
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Herr Ans und das Handwerk.
Nunmehr kam die Angelegenheit der Tape- zierer zur Sprache, die in der letzten Stadtver- ordnetensitzung verhandelt worden ist. Das Referat erstattete Hoftapezierer K. Rieh I. Der Redner wies zunächst darauf hin, daß die Heit zwischen der Ausschreibung der Submission auf Vorhänge im neuen Rcalgymnasialgebäude und dem Tage der Offertenabgabe eine sehr kurze gewesen sei, und daß eine Nachfrist bei der Lieferung nickt zugesickert war. Um so erstaunter wären die Tapezicrermeister gewesen, als sie die. Feststclluna machen mußten, daß die Firma, die die Arbeiten ausgeführt hatte, sich