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Nr. 254.

Erster Jahrgang. l'--

Weler Neueste Nachrichten

2> Beilage.

Sonntag, 1. Oktober 1911.

Re Schule der Bräute.

EineAkademie für heiratende Frauen".

(Von unserm K o rresp o nd e n t en.>

Man schreibt uns auS Paris: Vor kurzer Zeit hat sich hier eine .Hochschule" ausge­tan, die vielleicht einem tiefgefühlten Bedürf­nis entspringt. Mademoiselle Margot Ar­got, eine Dame, die bereits mehrere Bücher über die »Psychologie des Mannes und Gat­ten" verfaßt hat, ist nun daran gegangen, in Hochschulkursen angehende Ehefrauen darüber aufzuklären, wie sie sich in der Ehe zu ver­halten haben. Hier sollen die Damen, die eine Ehe einzugehen wünschen, erst einmal erfah­ren, welche Aufgaben ihrer harren, dann können sie sich entscheiden, ob sie diesen Aus­gaben denn überhaupt gewachsen sind. Da spielt zuerst die Behandlung des Man­nes, der als Ehemann ein ganz anderes Wesen sein soll, wie als Bräutigam, die Hauptrolle. Der Mann, der immer mit einer Frau zusammenlebt, ist ein ganz anderer Mensch, als ein Mann, der eine Frau nur stundenweise sicht. Die Frau muß also zu andern Mitteln greifen, um ihn zu fesseln. In der ersten Reihe steht seine Persönlich­keit. Der Mann ist eine Individualität, und er will diese Individualität nicht aufgeben, wenn er das Glück hat, eine Frau an sich ge­fesselt zu haben. Man muß die Natur des Mannes berücksichtigen, denn jeder neigt zur Bequemlichkeit, was damit zusammenbängt. daß der Mann, der in die Ehe tritt, meistens des Iunggesellenlebens müde ist, und daß er In der Ehe Ruhe sucht. Die Frau'muß also zuerst die übertriebenen Vergnügungs­ansprüche aufgeben und sich' in die Geistesart des Mannes zu schicken wissen. Sie soll ihn schlafen lassen, wenn er sich in der Mittagszeit hinlegt, und sie soll ihn lesen lassen, wenn er in den Minuten der Erholung zur Lektüre greift. Die Frau muß den geistig frischen Mann anregen, denn jeder Mann bat ein mehr oder minder entwickeltes Gefühl und Interesse für die Kunst. An der Frau wird es liegen, wenn er dieses Interesse be­tätigt.

Auch die Frage der Kindererziehung wird in der Hochschule für angehende Ehefrau­en zur Sprache gebracht. Mann und' Frau sollen ihren Einfluß auf das kleine Lebewesen geltend machen, aber getrennt ihre besten Eigenschaften ihm geben. Man wird sich auch dort darüber klar, welches die hervorragenden Eigenschaften des Mannes und welches die besten Seiten der Frau sind. Man will in der Schule der Ehefrauen der Frauenbe­wegung insofern entgegenarbeiten, als die Frauen erfahren sollen, dgtz nicht alle Mög­lichkeiten zur Aussikumg eines Berufs ihnen gegeben sind, und daß sie den Hausfrauen- unb Mutterberuf nicht mehr unterschätzen, wie dies feit den Tagen der beftiaften Fraurnhe- toegung Mode geworden iss. Auch die über­triebenen Lurusansprüche der Frauen sollen eingedämmt werden. Die Frau muß lernen, daß der Mann nicht nur ihr Arbeits­sklave ist, und daß er eben so viel Recht hat. die Schönheiten deS Lebens zu genießen, wie seine »bessere Halste". Die reichen Frauen sollen ihre Mitgift nicht überschätzen, di» Mit­tellosen ihre Persönlichkeit und den guten Willen, den sie ebenso wie ihre Arbeitskraft freudig in die Ehe mitbringen, nicht unter­schätzen lernen. Die Eifersucht, mit der selbst moderne Frauen ihre Männer noch quälen, soll man vergessen lernen. Die »Schule der Bräute" steht auf dem Standpunkt, daß Eifersucht zu einem der Überwundensten Ge- fiihle zählt. Hat man keine Veranlassung, diese Laster zu betätigen, bann soll man zu­frieden sein, und den Mann nicht erst auf törichte Gedanken bringen. Hat man aber Veranlassung, eifersüchtig zu fein, dann ist alles

Bitten und Weinen vergeblich, und die Frauen sollten sich statt dessen lieber auf ihre Men­schenwürde besinnen, und Trost in der -Lektüre, dem Studium und in der Kunst su­chen. Es sei ihnen auch gestattet, den Mann, gegen den sie Mißtrauen haben, nach erfolg­

ter Aussprache zu verlassen, und sich nach einem neuen Eheglück umzusehen. Hoffentlich hat Mademoiselle Argot Glück mit ihren men- scheufreundlichen Bestrebungen ...! -or-

Vmlter Mertel.

Die Entstehung des Schachspiels.

Mau schreibt uns: Angesichts des letzten Karlsbader Schachturniers dürste es von Interesse sein, etwas Näheres von dem Ur­sprung des beliebten Spieles zu erfahren. Ne­ber den Erfinder und den Zeitpunkt der Er­findung des geistreichsten aller Spiele, des Schachspiels, ist uns nichts Definitives bekannt. Man glaubt, den Ursprung des Spiels mit ziemlicher Sicherheit nach Indien verlegen zu können und nimmt als Zettpunkt etwa das fünfte Jahrhundert v. Ehr. an. Aus dem indischenTschaturanga". einem Würftl- vierschach, läßt sich das persischeSchatrandsch" Berleiten. Dieses Schatrandsch war bereits ein Zweischachspiel und verdankte seinen Namen der Hauptfigur im Schachspiel, dem König, der bekanntlich in PersienSchah" heißt. Unser späteresSchach" ist ebenfalls auf diese Quelle zurückzuführen. Das Schatrandsch kam zuerst durch die Araber nach Europa und herrschte hier ungefähr fünfhundert Jahre. Am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts trat das Spiel durch Einführung der erweiterten Kraft des Läufers" und derDame" in ein neues Sta­dium. Im sechzehnten und noch zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts waren Italien und Spanier^ die Kulturstätten des Schach­spiels. Bei Beginn des dreißigjährigen Krie­ges bis zur Mitte des achtzehnten Jahrhunderts tag bann das Schachspiel in ganz Europa da­nieder. In Frankreich und Italien entstanden erst wieder um 1750 herum die Schulen des Philidor und Ercole del Rio; diesen Meistern folgten nach einigen Jahrzehnten Stein in Holland und Allgaier in Wien. England, Frankreich und Deutschland teilten sich bann weiter in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in die Pflege des Schachspiels, in denen zum Ende dieses Jahrhunderts noch Nordamerika hinzutrat. Heute dürfte das Schachspiel das weitverbreitetste Spiel

sein, an dem sich alle Nationen b er Welt beteiligen. Zeugnis hiervon legen die internationalen Meisterturniere ab, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt an Zahl und Bedeu­tung gewonnen haben. Diese Turniere wer­den in verschiedener Weise ausgcfochten. Ne­

ben den Matchspielen, es sind dies Wettkämpfe zwischen zwei Gegnern, bei denen eine be­stimmte Unzahl gewonnener Partieeu den Ausschlag gibt, existieren auch die Korrespon- denzpartieen, welche auf schriftlichem Wege zwischen einzelnen Klubs ober einzelnen Mei­stern zum Äustrag gebracht werden.

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Die Geheimnisse des Mormonen-Tempels.

Wie aus N e w y o r k berichtet wird, sind die Vorsteher der dortigen Mormone nge- m e i n d e in heller Entrüstung angesichts der Tatsache, daß es ein gewissenloser Photograph fertig gebracht hat, in aller Heimlichkeit das Innere des Mormonentempels in Sali Lake City zu photographieren, der in der Absicht erbaut wurde, die Pracht und den Prunk des Tempels Salomos zu überbieten, und den mit Ausnahme derHeiligen der letz­ten Tage" bisher noch keines'Menschen Fuß betreten hat. Der tempelschänderische Photo­graph trieb die Keckheit so weit, demPro­pheten" Smith Abzüge der Bilder mit dem Bemerken zu übersenden, daß die photographi­schen Films in Kinematographentheatern dem Publikum vorgeführt werden, wenn sich die Mormonenkirche nicht zum Ankauf der Bilder entschließen sollte. Es sind achtundsechzig Pho­tographien: sie veranschaulichen ein wundervol­les, reich mit Gold und Emaille aufgelegte®, und von zwölf goldenen Sternen getragenes Laufbecken, mit herrlichen Glasmälereien ge­schmückte Fenster, die Szenen aus der Mor- monenbibel darstellen, in Perlen und Elfenbein ausgeführte Mosaikböden, lebensgroße Bronzc- und Goldstatuen derPropheten" der Sekte und viele andere Zeugen des verschwenderischen Munks. mit dem die Mormonen das Innere ihres Tempels ausgestattet haben, und dessen Herstellungskosten die Summe von zwanzig Millionen Mark übersteigen. Die Per­son, die das streng gehütete Geheimnis durch das Mittel der Photographie enthüllt, ist der ehemalige Besitzer der Kneipe in Saft Lake Eitv, der ietzt zu dem Zweck nach Newvork ge­kommen ist, aus feinen Enthüllungen Kapital zu fchlagen. Das ihm von der Gemeinde ge­machte Kaufanerbieten von hunderttausend Dollar hat er bereits zurückgewiesen, in der

Hoffnung, erheblich mehr herauszuschla­gen, und die Drohungen der Mormonen, ihm wegen Diebstahl und Erpressung den Prozeß zu machen, konnten ihm nur ein Lächeln ab­nötigen.

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Ein lebender Zeuge der Urrasse Amerikas?

Aus San Francisco kommt die über­raschende Kunde, daß es dem Anthropologen der Universität von Kalifornien gelungen ist, eineneinwandfreien Zeugen der in der wis­senschaftlichen Welt bisher unbekannten Stammbevölkerung" aufzufinden. Durch pho- nogravhische Aufnahmen der Lautäußerungen des Findlings ist es bereits gelungen, drei­hundert Worte seiner Sprache zu erhalten, und man erhofft, in kurzem ein vollständiges Voka­bularium dieser Ursprache aufstellen zu können, das bestimmt ist. dem ethnographischen Stu­dium ganz neue Ausblicke zu eröffnen. Der Mann ist durch die Waldbrände im Gebirge bertriebetr worden und wurde in der Nähe von Oroville beim Diebstahl von Lebensmitteln überrascht und festgenommen.Ishi" (wie die Anthropologen den Mann getauft Baben) ver­sichert. daß in der Sprache der Pahi-Jndianer des Südens das WortMann" feinen Stamm bezeichnet. Seine Theorie des Ursprungs des Feuers weist bemerkenswerte Uebereinstim« mungen mit der Mvihologie anderer Jn- bianerftämme Kaliforniens und der Sierra des Ostens auf und zeigt weiterhin merk­würdige Verwandtschaft mit der der Griechen und V ömer. Die Anschau­ung beruht auf dem Glauben an ein höheres Wesen, das sreiwillig oder aus Zwang das Feuer stahl, um es den Pabis zu bringen. Pro­fessor Watermann ließ dem alten Mann (Pshi ist über sechzig Jahre alt) Pfeil und Bogen reichen. Der Wilde griff begierig nach der Waffe und schoß den Pfeil mit untadeliger Sicherheit mitten durch einen Hut, der in einer Entfernung von etwa dreißig Metern als Ziel aufgestellt worden war. Die Handhabung des Bogens soll übrigens von der, die man bei an­deren Jndianerstämmen beobachtet, grundver­schieden sein.

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Die Psychologie des Diebstahls.

Es muß leider gesagt werden, daß bei kei­nem Verbrechen mit so ungleichem Maße ge­messen wird, wie beim Diebstahl. Sagt doch schvn das Sprichwort: Die kleinen Diebe hängt man. die großen läßt man laufen. Die­ser Satz bedeutet aber noch etwas anderes als die zum Teil nicht weniger berechtigte Anklage, daß einer Person höher»r Stande dieselbe Nei- aung als Krankbeit ausgelegt wird, für die ein armer Mensch aus niederen Volksschichten mit Gefängnis bestraft wird. Der Begriff der Klevtomanie, der in jenem Fall so oft ber- fialten muß. verlangt eine febr genaue Be­stimmung, ehe er einer gerechten Anwendung fähig ist. Da diese Frage aber auf dem Ge­biet der Psychologie liegt und die Psy­chologie wiederum eins der am wenigsten greifbaren Wissmsoebiete ist, so wird die Schwierigkeit in diesem Punkt wohl noch lange bestehen bleiben. Bisher war die Lehre von Janet ziemlich allgemein angenommen, wo­nach ein zu Klevtomanie neigender Mensch in einer solchen Tat eine vorübergehende Anre­gung seiner schwachen Nerven sucht und darin das Gefallen an ihrer Ausübung findet. Tiefe Auffassung hat nun Janet durch neue Unter­suchungen imJournal für normale und pa­thologische Psychologie" bekräftigt. Er be­schreibt einen Fall von Kleptomanie, den er sechs Jahre beobachtet hat. Die Veranla­gung zeigte sich bei einem Mädchen im Alter von fünfzehn Jahren in Gemeinschaft mit Teil- nahmlosigkeit, Schlaftosigkeit und auch körper­lichen Leiden. All diese Beschwerden verloren sich zeitweise und machten sich bann immer wieder durch neuen Diebstahl Lust.

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