Nummer 254
Abendzeitung
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Fernsprecher 951 und 952.
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SonnL<rg, den L Oktober 1911
ÄönigrmSrder-GrhrimniKe.
Der Schatten Alexanders von Serbien.
Die Memoiren-Literatur ist nun einmal modern, und die „Flucht in die O essent- lichkeit" aus dem Weg durch die Drucker- Presse erfreut sich sogar einer gewissen Volkstümlichkeit. Wir haben uns an den spitzigen Wcltgeschichts-Randglossen des alten guten „Onkel Chlodwig" erbaut, mit ungemindertem Interesse die Tagebuch-Blätter kleiner Kammerkätzchen, frivoler Cyniker und finstrer Puritaner durchstöbert. Manolescus Enthüllungen mit gruselndem Staunen vernommen und werden jetzt, in der Zeit endlosen Kriegsgeschreis und permanenter Weltängstigung gleich mit zwei Sensationen bombardiert. Mit den eigenartigen Albumblättern aus dem Leben einer rätselhaften U n v e r st a n d n e n, die die Fürstenhoheit mitleidlos durch das Meer französischer Druckerschwärze schleift, und mit den Verbrecher-Reminiszenzen der serbischen K ö n i g s m ö r d e r, die die Stimme des Gewissens (und der Haß gegen einen Undankba- ren) einem der Hauptakteure der verhängnisvollen Iuninacht des Jahres neunzchnhundert- drei in die Feder diktiert hat. Herr R o w a k o- witsch, dem wir das literarische Blutgrmäldc der serbischen Königstragödie verdanken, ist sicher nicht der klassischste unter den Zeugen, und es ist auch anzunehmen, daß der Groll gegen den gekrönten Enkel des schwarzen Georg, (dessen spätem Gottesgnadentum bekanntlich die Arbeit der Verschwörer galt) ihn verführt bat, die Farben tunlichst grell zu wählen. Aber wäre nur die Hälfte von Dem. das der einstige „Stratege" der Königsmörder über die Vorgeschichte und den blutigen Abschluß des Obrenowitsch-Dramas erzählt, Wahrheit, und der Rest eine Dichtutig fanatischen Hassest Es genügte, um die S,,r'V rtorft ersch a u r . rt W® im Ekel vor den Verbrecher-Instinkten politischer Leidenschaft erstarren zu lassen
Ohne durch ein Dementi der Konnknewalt oder der Regierung im Genuß gekühlten Grolls geschmälert zu werden, hat der Autor der Königsmörder-Gebeimnisse die Tatsache enthüllt, daß Peter Karogeorgiwitsch, der heut das Volk der Serben als König von Gottes Gnaden regiert, Teilnehmer. Vertrauter und zumteil sogar Auftraggeber der Mörder Aleranders und Draqas gewesen ist; daß er den Königsmord als letztes Mittel, die Dynastie der Obrenowitsch aus der Reibe der Lebenden auszutilgen, gebilligt und mit eigner Hand das Blut-Dokument unterzeichnet bat. das den Verbrechern der schaurigen Juni- Nacht Strasioftgkeit zusicherte für den Fall, daß es gelingen würde, in jener Nacht durch Mör- derbände die Babn für den Aufstieg der Sippe des schwarzen Georg zur Höhe des Köuiq- throns sreizumachen. Acht Iabre sind seitdem verflossen: Eine kurze Spanne Zeit im Gcirieb der Weltgeschichte, und doch eine Ewigkeit für das Erinnerungsvermögen zeitgenössischer Politik. Peter von Serbien, dessen Blutschuld am Drama im Belgrader Konak keine Kunst emsiger Geschichtsrasur aus dcm Buch der Wahrheit tilgen kann; Peter Karageorgi- witsch. der mit den Mördern des letzten Obrenowitsch wie mit Gleichgesinnten und Gleich- werten verhandelt und intrigiert bat; der König von Königsmörder-Gnaden, der nach seiner Wandlung zur Maiestät den Arm der Gerechtigkeit von den Mördern des Vorgängers auf dem Thron abwenden mußte, um Verbrechern und Hochverrätern pflichtigen Königsdank abzutraacn: Derselbe Peter von Serbien fuhr an dem Tag, da in den schmutzigen Straßen der Serbenhauptstadt Nowako- witsch'S Sensation das Volk zu lauten Kundgebungen stachelte, an der Seite des Nusscn- zaren durch Petersburgs buntbewimpelte Straßen. Ein Treppenwitz der Weltgeschichte!
Man mag sich sonst zu der strittigen These über das Gottesgnadentum der Könige stellen wie man will: Peter Karageorgiwitsch's Königswerdung ist die grimmigste Kritik und der giftigste Hohn,die jemals über diese Theorie legendärer Weltformung ausgcgossen worden sind, und es ist unbestreitbar, daß die anfängliche Reserve, die die Kronenträger der Erde dem plötzlich aus dem Dunkel irgend eines Schweizer Exils emporgestiegnen Kollegen gegenüber beobachteten, nicht nur politisch, sondern auch ethisch und ästhetisch ihre tiefe Berechtigung hatte. Die Politik indessen litt von jeher an der Schwäche des Gedächtnisses, und die Erinnerung an das Konak-Drama von neunzehnhundertdrei hat die emsigen Macher russischer Dalkangeschäfte nicht in dem Bemühen gestört, durch eine Versippung der Nachkommenschaft deS schwarzen Georg mit dem
Kriegs-Depeschen.
Naüemsche Krieg,schiff- »Mieten Sie KSsie Mn Jtijn’is!
Ein Spezi alte leg ramm meldet «ns über den Beginn der Feindseligkeiten ans Rom: Die Blockade von Tripolis wird gesichert durch die italienische Kreuzerdivifion, während die Division der Schlachtschiffe erster Klaffe auf die Suche nach dem türkischen Geschwader adgeht, das vor Beirut vor Anker liegen dürfte. Man rechnet damit, daß, falls die türkischen Kriegsschiffe sich auf eine Schlacht einlaffen, sie nur ganz geringen Widerstand leisten können.
Unser Berliner politischer Mitarbeiter hatte gestern eine Unterredung mit einem bekannten aktiven Diplomaten der sich über die Eventualitäten, die sich aus der weitern Entwicklung der Tripolis-Affäre für den Dreibund ergeben können, folgendermaßen aussprach: Es läßt sich nicht leugnen, daß speziell Deutschland durch das Vorgehen Italiens gegen die Türkei in eine äußerst peinliche Situation gebracht wird. Die Zirkularnoten, die die römische Consulta über die tripolitanischen Fragen bisher erließ, lassen erkennen, daß Italien auf die Vcrmittserdienste einer europäischen Macht verzichten möchte. Auch in Berlin, also bei dem befreundeten und verbündeten Deutschland, ist noch nichts darüber bekannt geworden. daß Italien sich zur Durchfechtuirg seiner Ansprüche in Tripolis der guten Dienste eines Bundesgenossen versichern will. Die Verbündeten Negierungen können daher nichts anderes tun. als eine abwartende Stellung einzunehmen, müssen aber auch _bie Regierung in Konstantinopel davon verständigen, daß man sich auf türkischer Seite hinsichtlich eines etwaigen Vetos seitens Deutschlands oder Oesterreichs kein-r Illusion hingeben darf. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß auf der Seite des deutschen V oIf ? die Stimmung ge g e n: Ira li e n ist/ ES' bat dies seinen Grund in den immer umfang reicher werdenden kommerziellen Beziehungen Deutschlands zur Türkei, die durch die Tripo- lisfraae immerhin Einbußen erleiden können. Man ist aber andererseits auch der Meinung daß Italien in der Tripolisfraae zu Schritten übergegangen ist, die int zivilisierten Europa ungewöhnlich sind, weil bei einem Streit zwi- scheu zwei zivilisierten Nationen jede der anderen bisher stets vor dem kriegerischen Konflikt die. Chance freundschaftlicher Verhandlungen bot. Die Verbündeten Regierungen haben im vorliegenden Falle aber nicht darüber zu befinden, ob Italien (wie man jetzt überall erklärt) brutale Machtpolitik treibt; sie haben sich vielmehr die N e b c n e r s ch e i n u n- g e n der Affäre genau zu registrieren und f p liier bei einer Beratung über die Zweckmäßigkeit der Verlängerung des Dreibundes darüber zu entscheiden, auf welcher Basis eine Erneuerung des Bündnisses möglich ist. um dabei den Empfindungen des Volkes und dem kommerziellen Leben Deutschlands Rechnung zu trogen. Näher kann man tntf die sich erst entwickelnde Tripolisfraae einstweilen nicht einoehen: man kann lediglich erklären. daß sie überraschend kam und bisher nur ein Gefühl der Ungemütlichkeit anSgelöft hat.
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Her Krieg JMt hsWMSn?
Die ersten italienischen Truppenlandungen.
(Privat-Telegramme.)
Konstantinopel, 30. September. Nach einem nachts hier einaegangenen Telegramm haben die Italiener in Tripolis ttnb Bentz a z i Truppen gelandet. Wie eine weitere, in der Nacht hier eingegangene Meldung aus Tripolis besagt, beginnt man die Situation als s e h r k r i t i f ch zu betrachten, namentlich, da aus Bengazi die Meldung cin- getroffcn ist, daß es zu einer Erhebung gegen die Christen kam. Eine Bestätigung dieser Nachricht steht jedoch noch aus.
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Konstantinopel, 30. September. Die Demission des Kabinetts ist vom Sultan angenommen worden. Said PalÄa, der Präsident des Senats, übernahm es, einen neuen Ministerrat zu bilden. Die Nachricht von dem Rücktritt deS Kabinetts ist überall mit großer Ruhe ausgenommen worden. In der Stadt ist die Stimmung sehr kriegsbegeistert, und man siebt auch in politischen Kreisen den weiteren Ereignissen mit großer Ruhe eu'gegen. Tie türkischen Rüstungen werden mit --roßem Eifer betrieben.
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Wien, 30. September. Man ist in hiesigen diplomatischen Kreisen unterrichtet, daß Italien für den Tripolis-Feldzug vier Armee-Korps mobilisiert hat: Zwei im Süden für Tripolis und zwei im Norden für dir österreichische G r e n z e, da Italien glaubt, sich für alle Evrntuali -Uen schützen ?,U müssen. Die Rüstunasvorberci: i-1
gen Italiens wickeln sich mit großer Präzision ab. In Rom veranstaltete gestern abend, als die Kriegserklärung bekannt wurde, die Bevölkerung große Kundgebungen^
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Rom, 30. September. Gestern spätabends sind an die vor Tripolis ankernde Flotte g c - Heime Ordres abgego.ngen, die die Anweisungen für den Beginn der kriegerischen Operationen enthalten. Mnn erwartet hier, daß der entscheidende Schlag gegen die Türkei heute oder morgen bereits zur See erfolgen mrd die türkische Flotte weggeuom- n werden wird, und man rechnet damit, Äitz die Türkei unter dem Druck- dieser Tat fachen sich zu entsprechenden Konzessionen an Italien entschließen wird.
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Rom, 30. September. Die italienische Flotte in Tarent und in den sizilianischen Häfen ist, mit Ausnahme einiger kleinerer Schiffe, gestern abend in See gegangen. Nachrichten aus Tripolis besagen, daß dort bereits drei italienische Panzerschiffe an- gekomrnen sind. Depeschen ans Poniha bericht t»rr» .drch ein itMrnifchcr > Kreuzer zwei tür- ktsche Transportdampfer, die Truppen an Bord hatten, verfolgt und beschossen habe. Tie türkischen Schiffe hätten sich darauf nach der Küste von Provesa im türkischen Epirus geflüchtet. Im ßofen von Bro - vesa zerstörte ein italienischer Kreuzer ein türkisches Torpedoboot.
Rom, 30. September. Soeben wird aus Tripolis gemeldet, daß Schiffsleutnant Lo° vatelli als Parlamentär in Tripolis gelandet sei und den türkischen Behörden die Aufforderung zur Nebergabe der Stadt überbracht habe. „Corriere d'Italia" veröffentlicht diese Meldung mit dem Visum des Ministers des Innern. Die Aufforderrtng der italienischen Flotte zur Nebergabe der Stadt ist von den türkischen Behörden zurückgewiesen worden mit der Antwort, Tripolis werde b i S auf den letzten Mann verteidigt werden.
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Rom, 30. September. Das Geschwader unter dem Admiral Aubry ist bereits dicht an die Küste von Tripolis herangekommen und wird noch heute von Rom die Weisung erhaltet!, schnellstens die Okkupation zu voll- ziehen. Falls die türkischen Behörden nicht gutwillig den Halbmond herabziehrn, gehen die italienischen Truppen heute noch an Land. Falls sie Widerstand leisten, wird sofort mit der Beschießung von Tripolis und der Ausschiffung der Truppe« begonnen werden. Die tripolitantsche Küste ist seit heute morgen von der italienischen Flotte vollständig abgeschlossen. Aller Verkehr stockt.
Deutsche WegsschM Mr Tripolis?
Dir „Elsaß" auf dem Weg nach Tripolis.
(Eigene Drahtmeldung.)
Kiel, 30. September.
Das Linienschiff „Elsaß" erhielt gestern nachmittag Befehl, sofort auszurüsten und äußerst schnell seeklar zu sein. Das Schiff hat daraufhin gestern abend um zehn Uhr den Kieler Hafen verlassen. Der Weg geht durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal nach der Nordsee. Da das Schiff geheime Order hat, die erst auf See geöffnet werden darf, ist der Bestimmungsort nicht bekannt. Es verlautet aber, das Schiff gebe zum Schutz der deutschen Interessen auf schnellstem Wege nach Tripolis. Ferner wird berichtet, daß Deutschland den Schutz der in der Türkei wohnenden Italiener übernommen habe. Wie uns ein Privattelegramm anS Rom meldet, wird diese Tatsache tn der italienischen Presse lebhaft besprochen. Man erblickt darin einen neuen Beweis der Freundschaft und Sympathie Deutschlands, den man in Italien tief empfinde. Die Italiener in der Türkei würden unter dem deutschen Schutz sicherer fein, als unter dem aller anderer Mächte
Kaiserhaus der Romanow Serbiens Geschicke noch inniger an Rußlands Machtbereich zu ketten. Peters Tochter ist in den Spätsommertagen auf russischer Erde einem Großfürsten zarischen Geblüts angetraut worden, zwischen den Enkeln des großen Rurik und den Nachkommen des Schweinezüchters und Bandenchefs Karogeorgiwitsch spinnen sich die Bande zärtlicher Verwandtschaft, und wenn es das Glück will, wird Peter von Serbien in nicht mehr fernen Tagen auch an den übrigen Fürstenhöfen auf europäischer Kultur-Erde mit königlichen Ehren empfangen und von legitimen Kroncnträgern als Gleichberechtigter und gleich ihnen durch Gottes (und der Königsmördcr) Gnade Berufner in herzlichen Trinksprüchen gefeiert werden, die in der nächsten Stunde der offiziöse Draht als das aktuellste Ereignis modernster Weltgeschichte über den Erdball trägt. Ist das Schicksal der Völker und Könige nicht manchmal eine Burleske?
Ter vortreffliche Herr Nowakowitsch hat uns erzählt, wie stimmungsvoll das Drama der Belgrader Vlutnacht cingelcitet wurde: Die durch Los und Würfclrollcn bestimmten Akteure versammelten sich am Vorabend der Tragödie in einem obskuren Freudentempel, stärkten die erregt vibrierenden Lebensgeister durch beträchtlichen Alkoholgcnuß und ließen dazu, t:m des Gewissens Stimme zu schwichtigen, braune Zigeuner siedeln und Fanfaren schmettern Rach beendetem Gelage marschierte die Kolonne der Verschwörer, vom Chef in fünf Sektionen geteilt, auf Umwegen nach dcm Konak, wo Revolver und Säbel dann das furchtbare Werk vcrrichtetcu, das am andern Morgen, als die Juni-Sonne strahlend vom blauen Himmel lachte, die Welt mit lähmendem Entsetzen erfüllte. Das Vorspiel deS Ksnigsmords in Kneipen und Tingeltangeln liest sich in der sehr realistischem Darst'ttuig des Augenzeugen No- wakvNitfch wie die Geschichte eines ordinären Bierbummels, und man gewinnt schon aus den in diesem Kapitel flüchtig gezeichneten Silhouetten einen Einblick in das Milieu, aus dcm der „patriotische Heroismus" emporsproß, der (wie Herr Nowakowitsch beteuert) die Verschwörer dazu begeisterte, „unter Preisgabe ihres eignen Lebens das Land von einem Unheil zu befreien, dessen Austilgung nur noch auf dem Wege über eine Königsleiche möglich war". Es ist sicher keine Zufall-Fügung, daß die Geheimnisse der scrbischcnKönigsmörder der Welt grade jetzt (wo über die Tragödie der Obrenowitsch endgiltig der Schleier des Vergessens gedeckt werden sollte) in die Erinnrung zurückgcrufen werden, aber Nowakowilsch's Rachetat hat dennoch ihr Nützliches: Sie zeigt uns, daß in der Weltgeschichte nicht lediglich die Gerechtigkeit Wesen und Inhalt der Dinge ist, sondern daß grade hier Leidenschast und Verbrechen ihre tiefsten Spuren hinterlassen. F. H.
Zer Sams um Düsseldorf.
Haberland gewählt, Friedrich unterlegen.
(Eigene Drahtmeldungen.)
Eine Extra-Ausgabe der Casselet Neuesten Nachrichten gab bereits gestern a b r n d um halb zehn Uhr bekannt: In der am Freitag stattgehabten Düsseldorfer Reichstagsstichwahl zwischen dem ZcntrumSkandidaten Dr. Friedrich und dem Kandidaten der Sozialdemokratie, Haberland, entfielen auf Dr. Friedrich 36 106, auf Haberland 39246 Stimmen. Haberland ist somit gewählt.
Ein Telegramm unferd Düsseldorfer Korrespondenten berichtet uns über den Ausgang der Wahl noch folgende Einzelheiten: Mit dem Sieg des sozialdemokratischen Kandidaten hatte man hier nach Lage der Verhältnisse von vornherein gerechnet, da die Liberalen Stimmenthaltung proklamiert hatten und das Zentrum nicht in der Lage war, aus eignem Bestand so viel Reserve heranzuholen. um den Stimmen-Vorsprung Ha- berlands wettmachen zu" können. Bei der gestrigen Stichwahl haben von 104 788 Wählern 75 353 oder rund d r e i u n d s i e b , i g Prozent ihr Wahlrecht ausgeübt. Während die liberalen Parteien Stimmenthaltung proklamiert hatten, gaben die D e m o k r a t e n die Parole für die Sozialdemokratie aus, und die Deutsch-Nationalen stimmten für das Zentrum. Der Stimmenzuwachs der Sozialdemokratie ist außerordentlich groß. Die Wahlparolen sind durchweg befolgt worden. Beide im Stick-wahlkampfe stehenden Parteien batten deshalb alle Reservetruppen aufgeboten. Während bc« g-zen Tages wurden von bei- den Seiten außerordentliche An st re n- gungen gemacht. Droschken und Automobil« samten durch die Straßen, um die säumigen Wähler an die Wahlurne zu holen. In den