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Vor dem Kriege?
Die Lüttei lehnt Ftaliens Ultimatum ab: Kriegserklärung bevorstehend!
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Ein Telegramm aus Konstantinopel (Don zwölf Ahr nachts) berichtet uns: Der seit sechs Ahr nachmittags versammelte außerordentliche Mini st errat hat das italienische Alti- matum bezüglich Tripolis abgelehnt. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Italien gelten als abgebrochen. Die Präsidenten der Kannner und des Senats wurden ins Palais berufen. Man erwartet noch heute die Kriegserklärung Italiens.
War toirb nun werden?
Deutschland alS Bermittler im Konflikt zwischen Italien und der Türkei.
Ein Privat-Telegramm berichtet «n» auS Konstantinopel: Der deutsche Botschafter, Marschall von Biberstein, hatte gestern nachmittag eine lang« Unterredung mit dem italienischen Se- schäftSträger bet der Pforte, deren Gegenstand die TripoliSfrage war. Man nimmt hier an, daß der deutsche Botschafter von Berlin auS Weisung erhallen hat, im Sinne einer friedlichen Ber- ständigung zwischen Italien und der Türket tätig zu sein. Daß nach Lage der Sach« allerdings eine solche Verständigung jetzt noch möglich sein wird, bezweifelt man auch hier ernstlich. Die Lage gestaltet stch immer kritischer.
Von einer Seite, die über die Stimmung In der Berliner Wilheluistraße als unterrichtet gelten darf, wird uns über die Situation in der Tripolisaffäre geschrieben: Endlich ist die Marokkofrage ein wenig in den Hintergrund getreten. Aber die Freude, die man darüber empfindet, daß man jetzt nicht mehr täglich ein buntes Gewirr von widersprechenden Meldungen zu lesen oder zu überschlagen braucht, ist nicht ungetrübt, denn man hat . . . den Teufel durch Beelzebub vertrieben. Statt Marokko: Tripolis; also nur eine andre Nummer desselben Fadens. Es scheint, daß auch in dieser Frage Deutschland wieder eine .hervorragende Rolle" spielen soll, ob- wohl es direkt an dem Handel gar nicht in- teressiert ist. Seine Stellung als Bundesgenosse Italiens und Freund der Türket prädestiniert Deutschland sönnlich dazu, die undankbare Rolle deS Vermittlers zu spielen, und nachdem der Sultan durch den Botschafter von Marschall nach Berlin die Bttte gerichet hat, daß ihm die Deutsche Regierung ihre guten Dienste zur Beilegung deö Konflikts leihen möge, wird ste stch bles^Zl"^asse kaum entziehen können. Als Dank dafür aber wird sie (vermutlich) Vorwürfe von beiden Teilen ernten.
Durch die Marokko-Affäre hat Herr von Ki- derlen - Waechter allerdings eine gewifle Uebung in der Erledigung heikler Fragen erlangt. Worauf es in der Tttpolisfrage ankommt, ist ziemlich klar: Dem „kranken Mann" am Goldenen Horn soll wieder einmal ein Glied amputiett werden, und wieder wehtt er sich gegen diese Operation. Das Ende wird sein, das man sich wieder des Hundes erinnert, dem man den Schwanz stückweise ab- schnitt, damit es .nicht so Weh" tun sollte. Nach dieser bewährten Methode ist man ja auch in früher» Fällen vorgegangen, und Bosnien, Aegypten und Kreta sind auf diese schmerzlose Art von dem türkischen Staatskörper losgetrennt worden. Run soll Tripolis an die Reihe kommen. Es gilt also eine Formel zu finden, die die türkische Herrschaft dem Namen nach aufrecht erhält, die tatsächliche politische Macht aber Italien überträgt. Der Zukunft wird es dann Vorbehalten bleiben, auch diesen letzten Stummel türkischer Herrlichkeit, mit dem ja heute auch noch Aegypten und Kreta herumlaufen, gänzlich abzuschneiden.
Herr von Kiderlen kann in der Rolle als .ehrlicher Makler" seine Marokkoersahrungen gut verwerten: Für die Rechte der Türkei gilt es, große Worte zu finden, und die tatsächliche Macht Italiens in Tripolis muß hinter einem bescheidnen Titel verborgen werden. Im ersten Fall können Deutschlands, im zweiten Frankreichs Rechte in Marrokko zum Vorwurf dienen. Das Schlimmste an ber Tripolisfrage ist daß ste geeignet ist, die ganze orientalische Frage wieder aufzurollen. Sollte es trotz Deutschlands Vermittlerrolle zum kriegerischen Zusammenstoß zwischen Italien und der Türkei kommen, so könnten die Türken bei ihrer Ohnmacht zur See nur über Aegypten Truppen nach Tripolis senden. Es ist aber nicht eben wahrscheinlich, daß England den Durchzug türkischer Truppen durch das Pha- raonenland dulden würde. Nicht etwa aus Rücksicht auf Italien, sondern in seinem eignen Interesse müßte es sich dem widersetzen. Denn es liegt auf der Hand, daß die Jungäghpter in ihrem Widerstand gegen die englische Vorherrschaft gestärkt werden würden, wenn durch den Durchzug türkischer Truppen die türkische Oberhoheit wieder einmal stärker betont werden würde.
Wenn daher tatsächlich die türkische Regierung an England das Ansinnen stellen sollte, den Durchzug von Truppen durch Aegypten zu gestatten, so könnte das leicht zu einer Anf- rollung auch der ä g v p t i s ch e rt Frage führen, und England könnte dann in Versuchung kommen, um für die Zukunft ähnlichen Zumutungen vorznbeugen, Aegypten ganz und g a r an sich zu reißen. Aber auch die friedliche Beilegung des Konflikts kann für die .Türket unangenehme Folgen haben, denn ie-
Das Verhängnis will also seinen Gang gehen. Die Türket lehnt es ab, die Forderungen Italiens auf Einräumung ausschlaggebender Machtrechte in Tripolis zu erfüllen, und es bleibt für Italien nur noch die einzige Möglichkeit: Krieg! Ein Krieg um die Anerkennung seiner Ansprüche auf die Nordafrika-Provinz und um die Wahrung seines politischen Ansehens, mit dem jetzt die ehrenvolle Erledigung deS Tripolis-Abenteuers untrennbar verknüpft ist. Es ist wahrscheinlich, daß schon der heutige Tag die offizielle Kriegserklärung Italiens an die Türkei bringen und Italien unverzüglich zur militärischen Besetzung vonTripolis schreiten wird. Charakteristisch ist in dieser Beziehung die Auffassung in London, wo man (einem uns zugehenden Privat-Telegramm zufolge) direft mit der Kriegserklärung rechnet und sich beeilt, in Italien .gute Stimmung" zu ma- chen. Die englische Marconi-Gesellschaft (deren Präsident der ftalienische Erfinder Marconi selbst ist), hat alle Telegraphisten, die sich auf türkischen Schiffen befinden, abberufen. $tefe Maßnahme hat Ital.^n ein: rn ih usüerst i s ch e Stimmung für England 6er» vorgerufen. Ueberhaupt gewinnt man den Eindruck. daß das Vorgehen Italiens den einmütigen Beifall der gesamten Nation sindet, ein überwältigender Beweis gerade bei dem demottatischen Italien, wie tatkräftiges Handeln das Volk mitreißt. In der Türkei dagegen ist man offenbar noch nicht aus dem Stadium der Bestürzung und der Ratlosigkeit heraus. Der Minister des Innern hat an alle Provinzialbehörden einen Runderlaß gerichtet, in dem er erklärt, die Regierung werde .alles zum Schutze der Landesinteressen und zur Verteidigung der nationalen Ehre tun." Der Geist ist auf der Hohen Pforte auch sicher willig, umso schwächer aber ist daS Können: Die türkische Flotte, die im Ägäischen Meer sofort nach erfolgter Kriegserklärung seitens Italiens durch die Flotte der Italiener regelrecht abgefangen werden kann, kreuzt noch seelenruhig in den syrischen Gewässern, und man weiß offiziell nur. daß sie .möglichst bald" Befehl erhalten soll, sich zum Anlaufen der tripolitanischen Küste bereit zu halten. Inzwischen fahren die türkischen Blätter fort, leidenschaftliche Artikel gegen Italien zu veröffentlichen. In der letzten Nummer des angesehenen Blattes .Tanin" erschien ein Artikel, der auch gegen die europäischen Großmächte hefttge Anklagen erhebt. Es hieß darin: .Alle freundlichen Versicherungen sind null, alle Verttäge werden ge- macht, um zerrissen zu werden. England und Frankreich stehen den verbrecherischen Absichten Italiens freundlich gegenüber, jedenfalls um im Trüben fischen zu können, und neuerdings weiß man auch, daß Deutschland nur ein Freund in guten Tagen ist. Alle Redensarten von Zivilisation und Fortschritt sind Betrügereien, die dazu da sind, sie den Dummen aufzutischen . . ." Das ist die Stimmung am Goldnen Horn in einem Augenblick. da die junge Türkei von der Gefahr eines verhängnisvollen Krieges bedroht ist, und in diese Stimmung hat die in sväter Nachtstunde heschlossne Ablehnung des italienischen Ultimatums wie ein Oelguß in lohendes Feuer ge- tolrft: Ganz Osmanien ist in diesem Augenblick erfüllt von einer Leidenschaft, aus der nichts Gutes geboren werden kann, und die die Gefahr einer Katastrophe in allernächste Nähe rückt! -an.
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Die Stimmung in Rom.
(Eigene Drahtmeldung.)
<? Rom. 29. September.
Die Volksstimmung in Italien ist allgemein sehr kriegsbegeistert. Die Energie, mit ber die Consulta in der Tripolis-Frage gehandelt hat, hat einen sehr guten Eindruck gemacht. Man erwartet nun in Seelenruhe die Eröffnung der Feindseligkeiten, die mit ber Blockierung der Küste beginnen sollen, um jedes Herannahen ber türkischen Schiffe zu verhindern. Von ber Organisierung eines militärischen Expeditionskorps für Tripolis ist noch keine Rede. Man scheint offenbar zu hoffen, ohne einen Schuß Pulver die Türkei zur Bewilligung der italienischen Forderungen zwingen zu können. Die Kriegs- verwaltuna bat iämtliche Transvortdampier
der italienischen Schiffsgesellschaften zu Trup- pentransporten gechartert. Zwei Dampfer sind bereits von Syrakus mit Waffen, Lebensmitteln und Munition an Bord ahgegangen. Bis jetzt sind vierzigtausend Manu nach Tripolis unterwegs, doch beabsichtigt die Armeeverwaltung, im Laufe der nächsten Woche noch weitere hunderttausend Mann zu mobilisieren.
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Die Tripolis-Rüstungen.
(Privat-Telegramm.)
AuS Mailand wird uns depeschiert: Auf dem hiesigen Zentralbahnhof stehen Hunderte von Waggons, die für Truppentransporte nach dem Süden bestimmt sind. Der Frachtenverkehr ist gestern mittag eingestellt worden. Am Nachmittag gingen mehrere Abteilungen Infanterie und Artillerie nach Tripolis ab. Die Soldaten wurden auf dem Wege zum Bahnhofe von einer zahlreichen Menschenmenge mit patriotischen Kundgebungen begrüßt und mit Blumen beworfen. Als mehrere Anarchisten Schmähruse auf den Minister des Aeußeren und die Regierung auSstießen, wurden sie vom Publikum mißhandelt. In ganz Oberitalien ist die Gestellung der Militärpflichtigen ohne Ruhestörungen vor sich gegangen. Ausgenommen wurden von der Mobilisierung die Reservisten der Alpenjäger, di« Kavallerie und einige Formationen der Genieregimenter. Die militärischen Vorbereitungen vollziehen sich überall mit großer Präzision und die Mobilmachung verläuft vollkommen ordnungsmäßig.
Panik ftr* Tripolis!
(Telegraphische Meldungen.)
Depeschen aus Tripolis berichten, daß alle Geschäfte in ber Stabt zum Stillstand gekommen sind. Ein Massakre ber Europäer im Falle ber Landung italienischer Truppen wird allgemein befürchtet, doch hat der Gouverneur bisher die Ruhe aufrecht erhalten können. Eine große Anzahl Engländer reifte gestern abend ab. Spezielle Besorgnisse zeigt eine Mitteilung, die der »Daily Telegraph" von einem besonderen Korrespondenten erhält. Danach wird seitens der englischen Regierung seit mehreren Tagen angstvoll erwogen, daß dir Pforte an sie die Forderung stellen könnte, Truppendurch Aegypten transportieren zu lassen. Nach diesem Telegramm werden in unterrichteten Kreisen die r e- gulären türkischen Truppen in Tripolis auf etwa zwölftausend Mann, die alle gut bekleidet und bewaffnet sind, angegeben, wozu noch zwanzigtausend Irreguläre aus dem Jn- lande kämen.
Reue Hiobs-Botschaft?
(Eigene Draht Meldung.)
Wie.uns weiter aus Konstantinopel depeschiert wird, verlautet dort gerüchtweise, daß zwischen Italien und Griechenland ein geheimer Vertrag bestehe, wonach Griechenland im Falle einer kriegerischen Verwicklung Italiens mit der Türkei die Insel Kreta annektieren werde. Andererseits scheint es, daß die Albanesen eine günstige Gelegenheit abwarten, um die Unabhängigkeit Albaniens zu proklamieren. Es sollen bereits diesbezügliche Vorbereitungen zwischen den Malifforen unb Mefidoreu getroffen sein. Die Pforte beschloß gestern spät abends, eine G a r d e d i v i s i o n in das Aufstandsgebiet zu senden, um den Widerstand ber Ausständigen zu brechen. Gleichzeitig mit dieser Division werden die Truppen von Asir an der Bekämpfung des Aufstands mit wirken. General Jzzel-Pascha ist sehr optimistisch gestimmt und erklärt, in zwei Monaten werde der Ausstand im Jemen beendet fein. Bezüglich Tripolis ist der Beschluß gefaßt worden, die Provinz bis auf den lebten Mann iu tierteibiaem
des Nachgeben (unb um ein Nachgeben kann es sich in blefem Fall nur harrbeln) schwächt bte Stellung ber Türkei in ber Kretafrage, bie ja schließlich doch auch einmal gelöst werben muß. Mit dem politischen Krebit der Türkei steht es also wie mit bem Kredit einer schlecht fundierten Bank: Sobald ein Gläubiger sein Guthaben abhebt, entsteht sogleich ein allgemeiner Run. Italien könnte die Türkei vielleicht noch befriedigen, ob ober auch all die Andern, die nach ihm kommen werden? Und in diesem peinlichen „Entwicklungsprozeß", der seit Jahrzehnten in Bewegung ist, soll Deutschland, wieder einmal die undankbare Rolle des Maklers übernehmen: Nach den (§r- fahrungen, die wir mit unsrer auswärtigen Diplomatie in den beiden letzten Jahren ge« macht haben, überläuft's Einem kalt, wenn man nur dran denkt!
Dem Botschafter am Goldnen Horn ist inzwischen (tote in unterrichteten Streifen bekannt geworden ist) bie Weisung zuteil geworden, ber Hohen Pforte seine „guten Dienste", also seine Vermittlungskunst zu wibmen. Wie man stch das in Berlin denft, ist nicht recht klar, denn alles, was seitens des wackren Marschall von Biberstein in Konstantinopel im Interesse der bedrohten Türkei geschieht, richtet sich ««tu* gemäß direft und indireft gegen den deutsche« Dreibundgenossen Italien, unb eS ist Tausend gegen Eins zu wetten, daß die .Friedensarbeit" Deutschlands im TripoliS-Handel nicht ohne bedenklichen Einfluß auf die Dreibundstimmung in Italien bleiben wird. DaS Geschäft deS „ehrlichen Maklers" (daS noch niemand Dank gebracht hat) kann uns also unter Umständen recht peinliche Konsequen- zen bringen, und eS ist deshalb sicher nicht unberechtigt, wenn Kenner der Verhältnisse und der internationalen politischen Psychologie eS einen unverantwortlichen Fehler der Berliner Wilhclmsttaße^nennen, sich in den zwischen den Kürten unb Italienern auszutragenden Hanbel überhaupt eingelassen z« haben. Es ist immer eine üble Sache. Andern die Kastanien aus bem Feuer zu holen, und trt diesem Falle ist's umso bedenklicher, alS unsre Leute am Grünen Tisch es glücklich fertig gebracht haben, nnS zwischen zwei Stühle zu setzen. Auf DaS, was nun folgen wird, darf man gespannt sein. *xy®*
Aus des Lebens Tiefen.
Die Raubmörder von Niedermörlen vor bem Gießener Schwurgericht.
j*i Gießen, 29. September.
Gestern begann vor bem hiesigen Schwurgericht bie Verhcmblung gegen den am elften September 1889 zu Frankfurt geborenen Schlosser Wilhelm Erbe unb den am neunzehnten September 1894 zu Niedermörlen geborenen Schmied Heinrich Wolf und gegen dessen Schwester, daS am sechsten Dezember 1892 zu Niedermörlen geborene Dienstmädchen Katharina Wolf. Die Anklage geht nach zwei Richtungen. Sie beschuldigt Wols und Erbe, in ber Nacht vom 3. zum 4. Juli in Niedermörlen bei dem Schmied Ludwig Keßler einen Einbruch verübt unb bei dieser Gelegenheit Schlüssel, Dietriche und einen Meißel entwendet zu haben. Die Anftage beschuldigt sie ferner, vorsätzlich und mit U eberlegung die Ehestau Walter ermordet und nach ber Tat 350 Mart, zwei silberne Uhren, Zehnpfennigmarken unb Zigarren gestohlen zu haben. Käte Wolf wirb be- schuldigt, Erbe unb Wolf zur Begehung der verbrecherischen Handlung durch Rat und Tat wisfentlich Beihilfe geleistet zu haben. Sie wird außerdem der Hehlerei bezichtigt. Anstiftung zu dem Raubmord wurde nicht angenommen. Zur Verhandlung sind als Sachverständige Medizinalrat Dr. Nebel und Sanitätsrat Dr. Becker, beide aus Friedberg sowie fünfundzwanzig Zeugen geladen. Der Angeftagte Erbe erscheint in blauem Jackettan-ug. Er hat ein ziemlich ausdrucksloses Gesicht, Heinrich Wolf macht einen jugendlichen, unreifen Eindruck. Katharina Wolf erscheint in schwarzem Kleide. Ihr Gesicht Ist von Tränen überströmt. Zu- nächst erfolgt
bie Vernehmung des Wolf:
Er gibt auf Befragen an. daß fein Vater noch lebe, aber wegen Trunksucht entmündigt sei. Bei dem Tode seiner Mutter vor fünf Jahren wurde er in Fürsorgeerziehung zum Bürgermeister Dey in Niedermörlen gegeben, bei bem er sich sehr gut führte. Er ging damals noch in bie Schule in Niedermörlen unb war ein guter Schüler. Dann kam er in bie Lehre zu bem Schmied Keßler-Niedermörlen, bei bem er sich ebenfalls lobenswert aufführte. Die Lehrzeit war im Mai dieses Jahres abgelaufen. Als Wolf an dem Hause des Gatten ber Ermordeten, Fran Walter an einem Anbau arbeitete, lernte er die Einrichtung des Hauses kennen und sah auch, wo die Eheleute Walter ihr Geld aukbewabrten. Bis zum 15. Mai war