1. Jahrgang.
CassckrReu
Kasseler Abendzeitung
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5eroft,red>ee 951 ««d »52. Freitag, den 29. September 1911.
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Götzen-ISmmerum?
Der Dreibund und das Tripolis-Abenteuer.
Sin Privat-Telegramm meldet uns aus Konstantinopel: An hiestgen politischen Kreisen ist man fest davon überzeugt, daß Deutschland in Konstantinopel und Rom versuchen wird, den Streit UM Tripoli« zu schlichten. Die Pforte zeigt auch Bereitwilligkeit zu Entgegenkommen. In italienischen Kreisen aber macht man auf die herben Enttäuschungen bei früheren ähnlichen Gelegenheiten aufmerksam und zeigt Widerstand. Die tripoli- tanischen Abgeordneten, die augenblicklich in Konstantinopel weilen, traten gestern zur Beratung der Sage zusammen. Die allgemeine Auflassung ist eine sehr pessimistische.
Wilhelm der Zweite hat im Morgenson- nenschein seines Kaisertums, da er als Gast Abdul Hamids in der Stadt des Kalifen weilte. vor. aller Welt sich als aufrichtigen Freund und verständnisvollen Schirmherrn der islamitischen Welt bekannt, und damit in der Türken Herzen Hoffnungen geweckt, die eines Tags außerhalb des Jdeenkreises einer festfeierlichen Stunde Erfüllung heischen muhten. Als im Reich des Halbmonds die Begeistrung über das Versprechen des „großen Sultans aus beinAbendland"höhereWellen schlug, als derHar- monie im europäischen Völker-Konzert dienlich schien, erkannten auch die Leute, die ein paar Wochen vorher am Stilgefüge der Kaiserredc sich abgemüht hatten, die Bedenken des rasch gcsprochnen Worts, besten politische Last eines Tags unangenehm fühlbar werden konnte. Derweil brach die alte Türkei int ersten Ansturm der Revolution zusammen, ward Abdul Hamid's blutiger Despotie die Herrschaft entwunden und (förmlich in „organischer Weiterentwicklung des historisch Gewordnen") anstelle der Autokratie des Kalifen die Allgewalt fung- türkischer Kabalen proklamiert, deren Macht-Hoheit Mehemed's Kaisertum respektvoll achtet. Das Wort des „großen SultgnS" indesten blieb unvergesten, hastete im unverwischbaren Urtert in der Erinnerung der Söhne OsmanS tot Sturm der Revolution und unterm Joch jungtürstschen Dnrcks, und war in schwacher oder banger Stunde auch den Männern der Hohen Pforte ein Talisman und ein Trost in allen Röten: Denn an einem Kaiserwort darf auch der Weltgeschichte Tücke nicht deuteln I
Und nun ist abermals eine Stunde gekommen, da angesichts der Lästigkeit Allah's der Muselinan wieder hoffend Ausblick hält nach dem mächtigen Schutzherrn, der sich einst auS Herzensdrang der freund des Islam nannte und mit dem Schild seiner Majestät des Halbmonds Wohl und Wehe zu schirmen versprach: Im Tripolis-Hader droht verhängnisvolle Wendung, und der nächste Tag schon kann im Ägäischen Meer die Katastrophe bringen. Vor wenig Jahren: Bosnien und die Herzegowina, jetzt Tripolis: Kann man's den Türken verargen, daß sie an Allah's Macht verzweifeln und Mohamed's Propheren-Für- sprache durch Kanonendonner und Schwertge- kkirr ersetzen wollen? Der „Anspruch" Italiens auf den Streifen nordasrikanischer Erde gründet sich auf keinerlei historische Entwicklung, ermangelt auch der politischen Berechtigung und stützt sich lediglich auf das Machtvrinzip, das die Männer auf der römischen Consulta heut mit leidenschaftlicher Emsigkeit verteidigen, nachdem sic Jahrzehnte hindurch Frankreich und England im Mittelmeer allzu lästig Alleinherrschaft gegönnt haben. Seit dem Beginn des achtzehnten Jahrhunderts weht über der Tripolis-Provinz die Halbmond- flagqe, hat ttirkifcher Einfluß das Land der Halbwilden sich dienstbar gemacht. Richt durch Erzeugung von Kulturwerten, nicht durch Pionierarbeit wirtschaftlicher Entwicklung, aber doch durch Mohameds Schwert und durch Einsetzung osmanischer Kraft. Kein Spruch völkischer Gerechtigkeit kann der Türkei das Besitzrecht auf dieses Stück eroberter Erde schmälern, und die Männer am Goldenen Hom, überzeugt vom heiligen Recht des nationalen Protests gegen schnöde Usurpierung durch stemde Machtgier, wären Feiglinge und Verbrecher am Vaterland, wenn sie untätig zuschauen würden, wie eine Großmacht nach der andern vom einstigen Riesenreich türkischer Macht Stück um Stück ablöst: Billiger Er- verb für europäische Gelegenheitsbedürfniffe!
Konflikte sind auch in der Weltgeschichte leicht zu haben: Italien begründet das Riesenaufgebot militärischer »und maritimer Macht mit der „Notwendigkeit bewaffneten Schutzes seiner in Tripolis vom Türkenhatz bedrohten Untertanen". Das Argument ist in der Form unanfechtbar, und die naturnotwendigen und möglichen Konsequenzen der Aktion werden (nach löblichem Brauch) tot Völkerrat erst dann beargwöhnt, wenn der Profit des Un- HrkNehmeuS rraend einem andern, im selben
Erdenwinkel interessierten Partner für die eigne Einfluß-Sphäre gefährlich dünkt. Das alles weiß man am Goldnen Horn; weiß auch, daß eine Kraftprobe von der Bedeutung eines türkisch-italienischen Tripolis-Kriegs für die junge, im Jnnem kaum disziplinierte Türkei des zwanzigsten Jahrhunderts unter Umständen verhängnisvoll werden und möglicherweise sogar über Sein oder Nichtsein entscheiden kann. Die nationale Begeisterung schäumt freilich hoch auf; im Türken erwacht angesichts der nahen Gefahr der Krieger, und das Vater- land-Jntereste einigt Osmans Söhne zu einem einzigen Volk von Männern: Aber mit Heldenmut allein werden heut nicht mehr Schlachten geschlagen; der Erfahrungssatz, daß der wirtschaftlich Stärkere von vornherein des Sieges Lorbeer in der Hand hält, hat im modernen Völkerkrieg mehr Geltung als je, und die Türkei, eben dem Verhängnis der Despotie entronnen, fühlt ihre wirtschaftlichen Schwächen bei jeder Regung zu ent- schlofsner Tat. Bleibt also nur die Wahl zwischen zwei (fast unabwendbaren) Niederlagen: Kapitulation vorm Druck der Mächte und vor Roms drohenden Feuerschlünden, oder Verzweiflungskampf mit der Waffe in der Hand zu Wasser und zu Lande! In diesem Moment erdrückender Sorge erinnert man sich an des Bosporus Ufern des Kaiserworts in Abdul Hamids Stadt.
Marschall von Biberstein, Deutschlands Botschafter am Goldenen Horn, hat aus Mehe- meds Kalifenmund den Auftrag erhalten, den Deutschen Kaiser um Intervention beim südlichen Dreibundgenossen zugunsten des Türkenreichs zu bitten. Wird's geschehen? Für Italien handelt sich's bei dem Abenteuer um eine Macht- und Ansehensfrage, die solange nicht als abgeschloffen gelten kann, als die Forderungen der Consulta nicht weitestgehende Befriedigung erfahren haben. Für die Türkei aber ist der nordafrikanische Zank- apfel Lebens- und Prestige-Frage, und eine Niederlage wäre gleichbedeutend mit der Vogelfrei-Erklärung türkischen Besttzrechts. Hier soll nun der Deutsche Kaiser, den Römern als naher Bundesgenosse verpflichtet, den Türken als Freund und Schirmherr angelobt, in's Spiel der Weltgeschichte eingreifen und dem Bedrohten sein Recht, dem Drohenden Erfüllung seiner Minsche sichern! Selten, daß ein Regierender so nah am Kreuzweg des Verhängnisses stand: In Londons Downing Street hat man denn auch bereits Witterung genommen, und Englands Haltung tot Tripo- lis-Spiel offenbart deutlich die Absicht des Asquith-Kabinetts, Italien durch die raffinierten Winkelzüge brittscher Diplomatie in der Erregung des nordafrikanischen Abenteuers vom Dreibund abzudrängen. Daß dies gelingen wird, ist zwar noch fraglich; daß es aber gelingen kann, steht außer Zweifel, denn die Dreibund-Idee hat im Italien des zweiten Viktor Emanuel längst keine Heimstatt mehr, und es bedarf nur des A n st o ß e s, nm das lockre Gefüge zusammenbrechen zu lassen. Ist dieser Moment jetzt nahe? Das entscheidende Wort ist. von der Berliner Wilhelmstraße noch nicht gesprochen, aber es muß gesprochen werden: Die Türkei hofft auf die endliche Bewährung feierlich gelobter Freundschaft, Italien heischt vom Bundesgenossen Rückendeckung: Zieht für den Dreibund die Götzendämmerung herauf?
F. H.
Zwischen Krieg und Frieden.
Ein italienisches Ultimatum an die Türkei?
(Privat-Telegramm.)
Wie uns aus Paris depeschiert wird, bringt der Matin aus Rom folgende Meldung: Wir können versichern, daß gestern morgen die italienische Regierung durch ihren Geschäftsträger in Konstantinopel der Pforte ein Ultimatum überreichen ließ, in dem Italien verlangt, daß die Türkei ihre Zustimmung zu einer friedlichen Besetzung Tripolis durch Italien gibt. Anderenfalls werde Italien seinen Geschäftsträger sofort zurückrufen. Italien erklärt weiter, daß cs bereit fei, der Türkei alle angemessenen Zugeständniffe auf wirtfchaftli- chem Gebiet zu machen. Zwei Kreuzer und acht Panzerschiffe, begleitet von zahlreichen Torpedobooten und Torpedozerstörern, kreuzen bereits an der Küste von Tripolis.
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6 m englischer Kreuzer vor Tripolis?
(Telegraphifche Meldung.) Depeschen aus Konstantinopel zu- olge geht dort das Gerücht, daß rin «nglich«! Kreuzer vor Tripolis angekommen fei. Die sich dort befindenden Euro
päer bereiteten sich zur Flucht vor, da sie schwere Aufstände befürchteten. In türkischen politischen Kreisen vermutet man, daß der englische Kreuzer, der von Malta mit geheimer Ordre nach Tripolis abgegangen ist, den Auftrag hat, im Falle der Besetzung von Tripolis durch Italien, die englische Flagge an der Küste der Cyrenai- k a zu hissen. Gestern abend sand ein abermaliger außerordentlicher Ministerrat statt. Alle Minister sind sehr pessimistisch gestimmt. Aus Malta wird berichtet, daß der italienische Dampfer „Herkules", mit Flüchtlingen ungefüllt, den Befehl erhalten habe, Tripolis nicht zu verlassen. Eine Bestätigung dieser Meldung liegt bisher nicht vor, weil bis gestern abend sieben Uhr die telegraphische Verbindung nach Tripolis abgeschnitten war.
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London, 28. September. (Telegramm unsers Korrespondenten.) Die englische Preffe p r o t e st i er t fortgesetzt gegen die Anklage, daß England Italien in den Tri- polisstreit hineingetrieben habe. Offiziös wird versichert, England habe im Gegenteil sich bemüht, in Rom und Konstantinopel zur Ruhe zu mahnen, da die Aufrollung der Orientfrage England selbst die größte Verlegenheit bereiten müßte. Der größte Teil der englischen Presse steht deshalb heute in der Tripolisfrage auf Seiten der Türkei.
Merlem W Md Haben.
Die Wahrheit über Französisch-Kongo.
Ein Privattelegramm meldet uns aus Paris: Nach einer Depesche der Agence Havas auS London hat Staatssekretär von Kiderlen-Waechter dem Botschafter Cambon bei der letzten Besprechung erklärt, daß die Ie$« .t en f r an^z ö fesch en Vorschläge angenommen seien. In offiziellen französischen Kreisen ist eine Bestätigung dieser Meldung zwar noch nicht eingetrossen, doch wird mit dem Abschluß der auf Marokko bezüglichen Verhandlungen für da» Ende dieser Woche gerechnet. Gestern mittag stattete (wie uns im Zusammenhang hiermit aus Berlin berichtet wird) Botschafter Eambon Herrn von Kiderlen einen langen Besuch ab, bei welcher Gelegenheit dem Botschafter die redaktionellen Abänderungen zu dem Vertragsentwurf über Marokko, die Deutschland zu machen wünscht, übergeben wurden.
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Frankreichs Kongo-Geschenk.
(Von unfeint Korrespondenten.)
Heber den tatsächlichen Wert der französischen Kongo-Kolonie, von der Deutschland ein beträchtliches Stuck als „Kompen- fntion“ erhalten soll, gibt der der französischen Deputiertenkammer vorliegende offizielle Bericht sehr bemerkenswerte Aufschlüsse. Präsident der Kongo-Kommiffion, die diesen Bericht erstattet hat, war der frühere Kriegsminister Berteaur und Referent der gegenwärtige Ministerpräsident Caillcmx. Das offizielle Frankreich weiß also genau, was es uns schenkt, denn was dort im Frühjahr dieses Jahres in dem Bericht über den ganzen französischen Kongo gesagt wird, gilt über „unfern" Teil int Jnnnern auch heute noch. Nach diesem offiziellen Dokument über das 1733 000 Quadratkilometer große Gebiet, das nur 5 Millionen Einwohner aufweist, ist die Situation dort „wahrhaft beunruhigend". Die Kolonie ist mit einer Unmenge von langfristi- gen Gesellschafts-Konzessionen behaftet, das viel zu große Beamtenheer ist völlig korrumpiert, und die regelmäßigen Berichte der Kolonialverwaltung melden „ungeheuerliche Mißbräuche" und „bar- barjsche Grausamkeiten". Das Budget ist „kläglicher" als je zuvor. Die Kolonie ist vollständig in den Händen von Händlern, die skrupellos vorgehen, sodaß die Kolonie aus dieser Verwaltung vollständig erschöpft hervorgeht. Die Gesellschaften wetteifern in Grausamkeiten. „Niederschmetternde und erschreckende" Aktenstücke haben fest- gestellt. daß die Ausbeutung ein „Meer von Blut" verschuldete. Ein feststehendes Prinzip der 12 Kautsckukgesellschasten sei, Kautschuk um jeden Preis zu vroduzieren, selbst um den eines Verbrechens. Dreiviertel der Gesellschaften verstießen mit ihrem Waffenhandel gegen die internationalen Verträge. Folgt den Erpressungen der Händler Widerstand, fo bildet man Streiskorps, brennt Dörfer nieder. Offiziere und Soldaten fallen, und die Kolonie muß schließlich die Kosten bezahlen. Die Kolonie siebt säst nie ihre Gouverneure. Sie ist „in voller Verwirrung und alles geht, wiees will". Aus dem Budget sei noch hervorgehoben, daß die Kosten der Truppen rund acht Millionen Francs verschlangen und für das nächste Jahr auf zwölf Millionen angesetzt wurden. DaS Budget bet Kolonie balanciert mit 4 733 000 Francs. Durch Er- schävkuna des AuSgleichfondS rechnete man aber
noch mit einem Defizit von einer halben Million. Dazu kommt ein Zuschuß von über einet Million, sodaß die K o st e n der Kolonie nach Abzug aller Einnahmen etwa zwölf Mil- l io neu betragen. Es ist also klar, daß bi< Franzosen uns dieses durch Raubbau, Mißwirtschaft und Epidemien verwüstete Land unter nicht allzu schmerzlichen Empfindungen abtreten. Und wenn sie jetzt Plötzlich die Kolonie für ein Wunderland erklären, so weiß man warum . . .
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Sin Sieg des Durch d'Srsay?
(Privat-Telegramm.)
Zum bevorstehenden Abschluß der Marokko- Verhandlungen wird uns aus Vatis depeschiert: Hier herrscht allgemeineBestie- digung über den nahe bevorstehenden Abschluß der deutsch-französischen Verhandlungen. Trotzdem die gestrigen Abendblätter noch keine Artikel darüber veröffentlichten, ist man doch der Ansicht, daß auch die K o m P e n s a - tionsfrage sich in gütlicher Weise regeln werde. Man betrachtet das Ende der Verhandlungen als einen Sieg der französischen Diplomatie, indem man erklärt, daß Frankreich bei den Verhandlungen die grö- ßern Vorteile errungen habe.
Solbad MMmsMe.
DaS Unternehmen ist gesichert!
In einer gestern abend in Easscl-Wil- helmshöhe ab gehaltenen Versammlung von Interessenten wurden die letzten Anteilscheine für die Summe ge- zeichnet, die für die Durchführung der Vorarbeiten zum Solbad Wilhelmshöhe erforderlich ist. Das Unternehmen ist damit gesichert. Wenn die Vermutungen der Geologen zutreffen, kamt nach einigen Monaten die Solquelle bereits erbohrt sein, so daß alsdann mit der Errichtung der für den Badebetrieb notwendigen Bauten begonnen werden kann.
Im Restaurant Wimmer in Wilhelmshöhe hatten sich gestern abend die Jnteresfen» ten am Solbad Wilhelmshöhe einge- funben, um den Bericht von dem vorbereitenden Ausschuß entgegenzunehmen. Justizrat garnier eröffnete die Versammlung mit Begrüßungsworten und gab nochmals eine Darstellung der ganzen, Angelegenheit: Herr Zimmer habe als Privatmann eine Quells erbohrt, deren Sohle von fachkundigen Leuten als außerordentlich heilkräftig befunden wurde. Das niedergebrachte Bohrloch sei jedoch so angelegt, daß es für einen Badebetrieb nicht verwendet werden könne. Herrn Zimmer sei dann das Bergwerkseigentum übertragen und eine Gewerkschaft unter dem Namen Wilhelmshöhe gegründet worden. Mit der Stadt Cassel habe man ein Abkommen dahin getroffen, daß dis Stadt gestatte, auf einem ihr gehörigen Grund- stuck ein zweites Bohrloch niederzubringen. Wenn diese Bohrung von Erfolg gekrönt sei, würde die Stadt bet Gesellschaft das Grundstück zu einem bestimmten Preis überlassen. Auch hätten eine Reihe von Grunbstiicksbe- sitzern ihre Grundstücke an Hand gegeben. Nun seien die Mittel für das zweite Bohrloch zu beschaffen gewesen. Man habe zunächst mit Berliner Finanzkreisen Fühlung genommen, von dort jedoch kein Geld erhalten, da mit Rücksicht auf die politische Lage eher Geld eingezogen, als ausgegeben würde. Um diese Mittel aber dennoch zu erhalten, habe sich ein Ausschuß von einigen Herren gebildet, die sich von dem Gedanken leiten ließen, daß ein für die Stadt Cassel so wichtiges Unternehmen unbedingt gefördert werden müsse. Mit der
Kontinentalen Tiesbohrgefellschaft in Halle fei ein Vertrag vereinbart, der nur noch der Unterzeichnung harre. Nach diesem Vertrag verpflichte sich die Gesellschaft, das Bohrloch für 200 000 Mark bis auf den Plattendolomit zu bringen. Der Ausschuß habe ferner ein Abkommen mit Herrn Zimmer getroffen, wonach dieser dem Konsortium vierhundert Kuxe zur Verfügung stellt, wenn die zweihunderttaufend Mark gezeichnet seien. Die Zeichner der zweihunderttausend Mark seien also mit zwei Fünfteln an dem Unternehmen beteiligt, während die übrigen drei Fünftel ans natürlichen Gründen Eigentum des Herrn Zimmer bleiben müßten. Der Redner streifte bann kurz die Frage des späteren Verkaufs der Quelle an eine Gefellschaft zur Gründung des Solbades. Zu welchem Preis der Verkauf erfolgen können, fei schwer im voraus zu sagen. Da hieße e3 abwarten. Es liege dem Ausschuß fern, zu sagen, daß man seinen Anteil später mit großem Nutzen verkaufen könne. Die Hoffnungen, die man auf die Mithilfe der Bürgerschaft gesetzt habe, seien übertroffen worden. Herr Scharf scheer teilte bann mit, daß das neue Bohrloch in der Nähe der Eichen, unweit der Wahlersbäuser Kirche, abgeteuft werden solle Die Kontinentale Tiefbohrgesellschaft habe sich' verpflichtet, das Bohrloch bis zu 1316 Meter niebenubringen. Beim ersten Bohrloch sei man bei 1250 Meter Tiefe auf de» Platten-