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COlerMuesteNchMen

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

gen».«»«« ssi .»d ss2. Donnerstag, den 28. September 1911. ***'951nb

ßi» Porttät.

Klsidimir Nikolajewitsch Kokowzow, Rußlands Premier-Minister.

Depeschen aus Petersburg zufolge ist fest­gestellt worden, daß der Generalgouv crneur von Kiew di« für die Sicherheit des Zaren bs- willigte Summe von einer Million Rubel zu einem großen Teil verschleudert oder für sich verbraucht hat. General Karlow ist aufgefordert worden, umgehend einen (schon von Stolvptn vor dem Attentat geforderten) Rechenschaftsbericht über die Verwendung der Summe einzureichen. Wahr- schemltch wird Karlow von dem Amt entlassen werden.

Der Befehl des Zaren hat Wladimir Riko- kajewitsch Kokowzow, der bisher im Reußenreich das Amt des Säckelmeisters ver­waltete, auf den Stuhl des Premierministers berufen, und damit die durch Bagrows Mör- derkuael ins Gefüge der russischen Staatsregie- runa aerissne Lücke ausfüllt. Der neue Mann bat inzwischen sein Amt übernommen: Weder freudig (tote es angesichts des Vertrauens der Majestät sich aeziernt hätte) noch toiderstrebend (wie man es von Wladimir Nikolajewitsch Ko- kowzow's schwerblütiger Art Wohl hätte er­warten dürfen), sondern mit dem stoischen Gleichmut, der den meisten russischen Beamten kn hoher Stelle eigen ist und der Wohl als das Ergebnis einer langen Schul-Dressur im Zwang amtrnännischer Pflicht gelten darf. Der russi­sche Regierungs-Apparat hat mit westeuropä- ischer Landesverwaltungsform nur wenig ge­mein: Der Wille des Zaren ist die ein­zige treibende Straft die bis in die fernsten Winkel des Rtesenreichs die gewaltige Ma­schine in Gang hält, und da Rußland (nach der Praxis seiner Regierung zu urteilen) für eine Varlamentarische Mitwirkung des Volks an der Gestaltung des Landesgefchicks immernoch nicht reif" ist, das Parlament vielmehr ein be- deutmigsloses Scheindasein fristet, io regiert Nikolai der Zweite beut trotz der Verfassung in Rußland so unumschränkt und selbstherrlich, wie wenn nie ein Zar den Eid auf die Konsti­tution geleistet hätte. Des Zaren Befehl hat nun Wladimir Nikolajewitsch Kokowzow zum Kanzler des Reichs erhoben.

Die Stimmen, die der neue Manu am Tag seiner Berufung als Kundgabe öftenflich-r Meinung vernahm, klangen nicht allzu freund­lich: Mau erblickt im Erben Stolypins den rechtschaffnen Beamten und emsigen Arbeiter; man schätzt seine Ehrlichkeit und Hebet» zeugungstreue, aber man vermißt in ihm den schöpferischen Geist, dessen Rußland in der Periode des Uebergangs von der alten zur neuen Zeit so dringend bedarf; man sucht in Kokowzow's Vergangenheit vergebens nach ei­ner einzigen Tat rascher und harter Em t- schlossenheit, und man fühlt instinktiv, daß dieser Mann, der nach dem ehrlichen Stre­ber und schwachen Kämpfer Stolypin zur Lei­tung des Reichsgeschicks berufen worden ist. we­niger noch als der Vorgänger im Amt in der Lage fein wird, die verhängnisvollen Einflüsse russifcher Korruption, flavischer Kabalen und höfischer Kamarilla zurückzudämmen und das milde Chaos der Verwaltung mit rücksichtsloser band zu ordnen. Als Peter Arkadjewitsch Sto­lypin noch auf der Höhe feiner Erfolge stand, als durch den russischen Galgenwald schauerlich das Sterbelied deruiedergerungnen" Revo­lution rauschte, umspann schon ein Netz raffiniert» erklügelter Intrigen die Gewalt des Premier- Ministers, und nur fein tragisches Ende hat Kokowzow's Vorgänger vor dem Fall bewahrt: Der Zar aller Reußen, der selbstherrschende Kaiser des flavischen Riesenreichs, ist ein Spiel- ball in den Händen höfischer, religiöser und spiritistischer Intriganten, und der ehrlichste Wille seiner verantworflichen Ratgeber split­tert an der unsichtbaren Gewalt fremder Ein­flüsse, deren unheflvolle Macht noch kein Kanz­ler Nikolais niederzurinaen vermocht bat.

Wird's Kokowzow, der Sohn des Ost- fee-Balten, vermögen? Was er: Erst als Hilfsarbeiter der Gefängnis-Verwaltung, bann als Staats-Sekretär im Departement für Nationalökonomie, später als Wittes Assistent und bisher als Minister der Finanzen gelei­stet hat, berechtigt nur zu schwacher Hoffnung. Kokowzow ist der Typ des russischen Beamten im guten Sinn des Worts: Emsig, eifrig, ehrlich und treu. Er hat auch in der Zeit, da er an Wittes Sette das Chaos der russischen Finanzwtrtschaft ordnete, mancherlei Eigen­schaften gewonnen, die ihm die Langeweile der sonst üblichen Beamien-Lausbahn kaum er­schlossen haben würde, aber er ist dennoch ge­blieben. was er war: Ein Mann der Amts­stube, der in denlausenden Geschäften" auf« ,ebt. mit peinlicher Genauigkeit feine Pflicht Tfiifft und aus dem Gesichtskreis seines amt­lichen Gewissens alles sernhält, das eine Stö­rung der geschäftsordnnnasmäßiaen Akkura­

tesse fürchten lassen könnte. Würde Wladimir Nikolajewitsch Kokowzow diesseits der Weichsel Heimat und Amtsstube haben: Man würde in ihm denEdeltyp" des Bureankraten bewundern, behaftet mit'allen Vorzügen und Schwächen dieser seltsamen Spezies verträum­ter Zeitgenossen. Und dieser Mann, dessen sechstes Lebens-Dezennium sich zur Jahres­wende rundet, sollte das von Stolypins Hand begonnene, dann aber in der Furcht vor den Konsequenzen wieder verkümmerte Werkrus­sischer Wiedergeburt" von neuem aufzunehmen und zum glücklichen Ende zu führen vermögen? Sollte den Widerständen trotzen können, die des Vorgängers Arm in der tatfrohesten Stunde seines Ministerseins lähmten und den dann müd Gewordnen im ganzen Machtbereich der Kamarilla zur Ohnmacht fesselten? Nur urteilsschwacher Optimismus wagt's zu hof­fen; es hofft auch die Kamarilla-Clique, die, von Stolypins lästiger Ausdauer befreit, im Nachfahr den Mann wittert, der leichter in den Maschen zu halten sein wird.

Man hat, als im Kiewer Stadt-Theater der Rauch von Bagrows Mörderpistole sich verzogen, von einemSignal-Ver­brechen" gesprochen, das, wie der Blitz vorm Wetterschlag, neue Schrecken und neue Opfer künde, und hat aus den leidenschaft-erregten Tagen, die der Tat des Fanatismus folgten, die Erkenntnis gewonnen, w i e dünn die Decke der Kultur ist, die den Krater russischer Bar­barei und flavischer Volksleidenschaft trügerisch übergrünt: Das Verbrechen des Dreiundzwan­zigjährigen, der im Kiewer Festungshos die Tat feigen Meuchelmords mit dem Tode ge­sühnt hat, wird auch am Geschick des Russenvolks nicht ungerochen bleiben, mag die Schuld an Stolypins Opferung auch n o ch so deutlich auf den Sumpf russischer Kor­ruption als des Verhängnisses Brutstätte Hin­weisen. Der Morgen einer neuenGal- gen-Aera" dämmert blutigrot heraus, und nah am frischen Grabe Stolypins lauert die Gefahr, daß in dem Meer von Blut und Schrecken, dessen Brandung bereits wild an den schwachen Ufern russischer Volkskultur schäumt, alles untergeben wird, was im Lauf der letzten Jahre vom gewaltig aufbäu­menden Freiheitsdrang der Autokratie abge­rungen ward. Ist Wladimir Nikolajewitsch Kokowzow derMann mit der eisernen Hand", der das drohende Verhängnis bannen und der Gerechtigkeit endlichen Sieg sichern kann? Birgt fein Hirn die Energie-Gewalt, ein Heer mächtiger Gegner im Palast und vorm Altar in Schach zu halten und eines fchwachen Kaisers Ohr dem Einfluß schlimmer Flüsterer zu entziehen? Wird er, aus des Vor­gängers Irrungen Erkenntnis gewahrend, den Kurs des Staatsschiffs nicht zum düstren Abend gewalttätiger Kultur-Unter­drückung, sondern zum hellen Morgen rus­sischer Freihritsarbeit wenden, und statt Stolypins Galgen die Friedensbäume der Volksversöhnung aufrichten . . .? Die mit Wladimir Nikolajewitsch Kokowzow zusammen durch's Leben schritten, lächeln schmerzlich: Auch eines Zaren Befehl ruft ans dem Haus der Zwerge keinen Riesen! F. H.

Kein Herbst-Landtag?

Landtags-Einberufung erst im Januar. (Telegramm unseres Korrespondenten.)

Wie uns aus Berlin depeschiert wird, rechnet man in Parlamentskreisen mit der Wahrscheinlichkeit, daß der Lau d- tag im alten Jahr seine Arbeiten nicht wieder aufnehmen, sondern erst an­fangs des kommenden Jahres wieder zusammentreten wird, um den Rest des Pensums aufzuarbeiten. Unser parla­mentarischer Mitarbeiter er­fährt dazu folgende Einzelheiten:

Das Staatsministerium wird in der näch­sten Sitzung einen Beschluß über die Frage fassen, ob eine Herbsttagung des Landtags angebracht sei. Der Beschluß wird indessen voraussichtlich dahin ergeben, den Landtag erst Anfang Januar einzuberufen. Das Material, das dem Landtage zugedacht ist. ist nämlich vorläufig noch nicht abgeschlossen. Tas Wassergesetz liegt noch im Ststatsmi- nifterium, die Steuervorlagen können erst im Laufe der nächsten Wochen endgültig fertiggestellt werden, und der neue Etat läßt sich srübestens erst in der letzten Tezemder- tooche vorlegen. Man hält es deshalb nicht für vorteilhaft, den Landtag noch im Herbst einzuberufen, da es frühestens im Dezember geschehen könnte, und die Arbeitslust alsdann durch die Vorbereitungen zu den Reichs- tagswahlen beeinträchtigt werden würde. Man ist der Meinung, daß die Etatsberatun­gen auch bei einer Einberufung im Dezember in der Hauptsache erst Ende Januar beginnen könnten und durch eine Spätherbst-Tagung

nicht viel gewonnen werde, wie das Beispiel bei der Einberufung zur Beratung der Ent­eignungsvorlage gezeigt hat. Daß der Landtag aber bis kurz vor Weihnachten und vom zehnten Januar bis Ende Januar arbei­ten würde, ist kaum anzunehmen, da dann im Reich der Wahlkampf alle Kräfte beansprucht. Unter diesen Umständen ist also an eine Herbst­tagung des Landtags nicht zu denken, -wv-

Tnpolls: Europäische Wäre?

Kriegsgefahr ist nicht ausgeschlossen!"

Die Tripolis -Affäre spitzt sich immer mehr zu, obwohl seitens der europäischen Großmächte alles versucht wird, um eine freundschaftliche Auseinandersetzung zwischen der Türkei und Italien zu ermöglichen. Wie uns aus Rom depeschiert wird, spricht sich in einem Artikel in einer führenden Zeitschrift ein bekannter italienischer Politiker über die Situation folgendermaßen aus:Nachein­ander sind Algier, Tunis und Marofto in Frankreichs Hände übergeben worden, und als letztes Glied dieser Kette ist Tripolis zurück­geblieben. Eine Kriegsgefahr auch mit Frankreich ist deshalb nicht ausgeschlossen. Im Falle eines Krieges wird Italien seiner offenen Küste wegen im Nachteil bleiben. Es würde ein Spielball anderer Länder werden und eine vorsichtige Verteidigungsvorbereitung des Landes ist deshalb wohl angebracht ..." Inzwischen werden auch türkischerseits alle Vorbereitungen getroffen, um einen etwaigen Vorstoß Italiens parieren zu können. Es wird uns darüber be­richtet:

Saloniki, 27. September.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Hebereinftimmenbe dienstliche Meldungen der türkischen Grenzkommandanten besagen, dass feit einigen Tagen an der griechischen Grenze eine lebhafte Bewegung herrscht. Türkischerseits wurden, besonders nachts, außergewöhnliche Verteidigungs- matznahmen getroffen und Verstär­kungen der Artillerie vorgenommen. Täglich treffen Munitionstransporte ein. Unter den Mohammedanern herrscht infolge der Gestaltung der Tripolisfrage eine tief­gehende Gährung. Insgeheim sind drei Transportschiffe mit Truppen nach Tri­polis ab gegangen. Aus türkischer Quelle verlautet, daß die Türkei von befreundeter Seite dahin beraten werde, Italien jeden Grund zu militärischem Einschreiten zu neh­men, indem sie im Bereich der äußersten Mög­lichkeit entgegenkommend sei, Tripo­lis ausliefert und die wirtschaftlichen Wünsche Italiens wohlwollend prüft. Es er­scheint indessen fraglich, ob die türkifche Re­gierung stark genug sein wird, diesem Rat gegenüber dem fanatischen Widerstand des jungtürkischen Komitees zu entsprechen. Die Sage ist jedenfalls außerordentlich kritisch und man hegt die ernstesten Be­sorgnisse.

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Schwerwiegende Entscheidungen?

(Eigene Drahtmeldung.)

Wie uns ein weiteres Telegramm aus Konstantinopel meldet, weilte der Großtoesir gestern schon seit sieben Uhr früh im Wldiz- Kiosk, wo schwerwiegende Entschei­dungen in der Tripolisfrage gefallen fein sollen. Mittags berief der Großwesir den Kriegsminister zu sich und beriet mit ihm mehrere Stunden. Darauf begann eine längere Unterredung des Großwestrs mit dem Minister der Finanzen und frommen Stif­tungen über die Frage der Bereitstellung von Geldmitteln für den äußersten Fall. Gestern ist bei der Pforte auch die Antwort Ruß­lands auf das türkische Ersuchen um Inter­vention eingelaufen. Sie ist ähnlich gehalten wie die englische und französische, und die Hoffnung der Türkei ist jetzt auf Berlin gerichtet. Man nimmt an, daß Deutschland feinen Einfluß ausüben werde, um seinen Verbündeten vom Schlimmsten zurückzuhalten.

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Smyrna, 27. September. (Privat- Telegramm.) Ans Mana wird berichtet, daß die dort lebenden Italiener in größter Angst nach den Küstenstädten fliehen, da man jeden Augenblick Angrisie seitens der fanatisch erregten Türken befürchten muß. Auch die in Blexandrette. Mersina und Beirut er­warteten Dampfer sind von vornherein nur für flüchtige italienische Familien be­legt worden.

De? Kamps gegen die Teuerung.

Kommunale Teuerungs-Maßnahmen

Einern Telegramm aus Bamberg zu­folge beschloß der dortige Maaistrat in feiner gestrigen Sitzung, eine amtliche Preis­not ierunaskom Mission zu bilden, die

die Spannung zwischen Vieheinkaufspreis und Fleischverkaufspreis zu prüfen und zu kontrol- lieren hat. Die Preisnotierungen werden dann jeweils zweimal wöchentlich beröffentlieht und die Metzger gegebenenfalls aufgefordert, mit den Fleischpreisen entsprechend herabzu- geben. Weigern sich die Metzger, dann wird die Stadt eine gemeindliche oder ge« nosfenschaftliche Schlächterei ein- rübten. Ferner wurde die Fleischerinnung auf« gefordert, eine Qnalitätsunterscheidung beim Fleischverkauf einzusühren. Diese Einführung wird den Metzgern durch eine sofort zu erlas­sende ortspolizeiliche Vorschrift Mr Zwangspflicht gemacht. Auch wird ein ständi­ger Kartoffelmarkt eingeführt, um dem herr­schenden Kartoffelwucher entgegenzutreten. Marktgebühren werden hierbei nicht erhoben, auch wird eine Wage unentgeltlich zur Verfü­gung gestellt.

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Nachod, 27. September. (Privat- t e l e g r a m m.) Als abends die Arbeiter der Textilfabriken nach Hanse gingen, rotte­ten sich ungefähr zweitanfend Mann von ihnen zusammen und demolierten mehrere Wirtschaften. Die nötigen Vorsichtsmaßnahmen seitens der Polizei wur­den getroffen, und es gelang schließlich, die Arbeiter auseinander zu treiben. Der Grund zu den Ausschreitungen dürfte in den anor­malen Sebensmittelpreiseu in ganz Böhmen zu suchen sein.

Rach Btt Katastrophe.

Die Opfer des Dramas von Toulon.

(Telegraphische Meldungen.)

Wie uns aus Paris berichtet wird, ist da? Land noch immer wie betäubt von der furchtba­ren Katastrophe, die über seine Marine hereingebrochen ist. Nach den heut vorliegenden Meldungen beträgt die Zahl derOPferüber vierhundert Mann. In diese Ziffer sind auch die Vermißten einbezogen, von denen man fürchtet, daß sie nicht mehr- ,um Vorschein kom­men werden; ferner die Toten, die an Bord der benachbarten Schifte, derRöpubsique" «nd an­derer Rettungsschifte gesunden wurden. Aus dem Hnglücksfchiff, derLiberte", selbst, sind et­wa dreihundert Tote geborgen toorben. In den Militärlazaretten von Toulon liegen hun­dertacht Schwerverletzte, außerdem eine größere Anzahl Leichtverletzter und viele Tote. In Marinekreisen weist man daraus hin, daß der Verlust derSiberts" eine empfind­liche Lücke in das zweite Geschwader geris­sen habe und daß die Kampfbereitschaft des Geschwaders infolgedessen sehr beeinträchttgt ist. Heber die Gewalt der Explosion wird noch berichtet, daß ein eiserner Mast mehrere Meter fortgeschleudert und anftecht stehend im Wasser vorgefunden wurde. Er hatte sich tief in den Meeresgrund eingebohrt.

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Die Opfer der Katastrophe.

(Eigene Drahtmeldung.>

Depefchen aus Toulon zufolge wurden die Nachforschungen nach Leichen auf dem Wrack derLibertö" gestern bis in die späte Nacht hinein fortgesetzt. Man fanD noch ver­schiedene furchtbar verstümmelte Kör­per sowie eine Anzahl menschlicher Heberreste. Im Spital erlagen gestern abend zwei Leute den erhaltenen Verletzungen. Der Zu­stand der Verletzten ist heut im allgemeinen ein befriedigender, und man hofft, die meisten am geben erhalten zu können. Inzwftchen werden die Rettungsarbeften mit großem Eifer fortge­fetzt. Im Laufendes gestrigen Tages wurden auf dem Schiffsrumpfe noch mehrere Leichen und viele Leichenteile gefunden. Ein über­lebender Matrose ist in einem der Pan­zertürme des gesunkenen Schisses einge­schlossen. er konnte sich mit den Rettungsmann­schaften unterhalten und erklärte, er liege mit­te n in einem Haufen von Leichen. Es werden große Anstrengungen gemacht, diesen Matrosen zu retten. Vorläufig hat man ihn mit Lebensmitteln verfehen können. Der Be­fehlshaber derLibertö", Kapitän Iaurös. besichtigte die lleberreftc des Schiffes und stat­tete auch den Verwundeten im Hospital einen Besuch ab. Angesichts der Hngewißheit über die Hrsache der Explosion auf derLibertö" hat Vizeadmiral Bellue angeordnet, daß die unter feinem Kommando stehenden Schifte alle vor berg Jahre nunzehnhundertneun hergestell- ten Pulvervorräte und alle Hebungsmunition unverzüglich ausschiffen sollen.

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Dr? Zchreckerrstag Zer Liberte.

(Eigene Draht Meldung.)

Wie jetzt festgestellt ist, ist bei derLi- bertö"-Katastrophe auch die Brücke des neben» anliegenden PanzerschiffesRepublique" vollständig zertrümmert worden. Die Panzerplatten derLibertö" flogen mit