1. Jahrgang
Nrrrnmer 250
Sesstsche Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
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Mittwoch, den 27. September 1911
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an schützen.
verließ auch der andere englische Herr, der das
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Kroll att offenbaren.
Welcher unheilvolle Zufall die furchtbare Katastrophe herbeigeführt hat. wird in allen Einzelheiten wohl nie offenbar werden: Die Unglücklichen, die darüber hätten Aufschluß geben können, sind mit dem durch die Gewalt dreier Erplostonen zerriffnen Schiff in die Tiefe gesunken und decken als stumme Zeugen einer der schwersten Heimsuchungen der französischen Marine mit ihren Leibern den Grund des Meeres. Trotz der schrecklichen Hekatombe an Menschenleben aber wird man mit Frankreich den Wunsch hegen müssen, daß die Katastrophe sich als Folge einer verhängnisvollen Verkettung unglücklicher Umstände erweisen und nicht der Verdacht sich bestätigen möge, daß ein verbrecherischer Anschlag, aus politischer Leidenschaft geboren, das Drama von Toulon heraufbeschworen hat. Mancherlei Umstände und frühere Ereignisse sprechen allerdings eher für als gegen die Be^ rechtigung eines solchen Verdachts, und grade Toulon war bisher stets dieienige Flottenstation. die am meisten von Attentaten und Anschlägen des Politisch sanatisierten Verbrechens heimgesucht wurde: Arsenal und Rhede, Hafen und Marine-Station sind noch in jüngster Zeit unter verstärkten Schutz gestellt worden, weil von antimilitaristischcr Seite wiederholt versucht worden ist, Unheil an- zurichten. Noch bei dem dieser Tage stattge- hnbten Stapellauf des neuen Riesenschiffs „Jeanne Barth" wurde im letzten Augenblick ein verbrecherischer Anschlag vereitelt, dessen Gelingen den Koloß fahrtunsähig gemacht haben würde. Herr Delcassse hat beim Bankett im Touloner Arsenal von der Flotte gesprochen, die »nur einer einzigen Viertelstunde bedürfe, um gefechtsbereit zu sein". Ein Wort wiegt nicht schwer; wie ein gewaltiger Sorgendruck aber lastet das Drama von Toulon auf dem französifchen Volksgewissen,ein Menetekel in ernster Stunde und ein düstres
Es scheint nun doch, daß Italien sich ,be- onnen hat, und vor dem Beginn einer militärischen Aktion in Tripolis den Weg friedlicher Unterhandlungen mit der Türkei einscklaaen will. Depeschen aus Rom zufolge hat Ministerpräsident G i o l i t t i, der sich zur Erholung in Piemont befand und di- Absicht hatte, vor Ende dieses Monats nicht nach Rom zurückzukehren, seinen Urlaub abgebrochen und ist gestern wieder hier eingetrofsen. Gestern fand ein Ministerrat statt, über dessen Ergebnis das tiefste Stillschweigen bewahrt wird. Man nimmt indessen an. daß Beschlüsse gefaßt worden sind, die eine friedliche Regelung der Frage ermöglichen. Inzwischen dauert allerdings die Spannung an. Weitere Privat- Telegramme berichten uns darüber:
S Rom, 26. September.
Berauschten nachfühlen, daß das Drama von Toulon das französische Rationalempsinden in seinen tiefsten Tiefen erschüttert und Traucr- kundgebungen weckt, die in ihrer schlichten Größe wahrhaft ergreifend wirken. Der Kontrast ist zu grell, der Wechsel kam zu jäh, und desSckickwls ekx^e Land trat zu schwer: An
de r s e l b e n Stelle, an der vor drei Wochen die Parade-Flaggen der Kriegsflotte stolz im Winde flatterten, auf denselben Wellen, die damals Frankreichs Armada in majestätischer Fahrt an den Häuptern der Republik vorbeitrugen, ging Frankreichs Hoffnung in Trümmer, vernichtete das Unheil einer einzigen Minute die Arbeit langer Monde, den Wert von Millionen und die Leben zahlreicher braver Söhne des Vaterlands. Frankreichs Trauer ist in diesem Moment die Trauer der gesamten Kulturwelt, und die Anteilnahme an der schweren Heimsuchung. die den Nachbar betroffen, wird in deutschen Herzen auch nicht durch das kränkende Prahlwort gemindert, das an einem Tag berauschender Parade-Esfekte Theovhile Delcassäe in der bewußten Absicht sprach, vorm Öhr der Welt Frankreichs Kriegsbereitschaft zur See als drohenden Machtfaktor im eben zur Siedehitze auflochenden Marokko-
Aus Genua wird mitgeteill, daß der Marineminister drei Dampfer der Italienischen Schiffahrtsgesellschaft, zwei Dampfer des italienischen Lloyds und sechs Dampfer anderer Gesellschaften reguiriert hat. Man vermutet. daß diese beauftragt werden, Truppen nach Tripolis zu transportieren. Die mui- iarische Erpedition nach Tripolis ist im Prinzip auch bereits beschlossen. In leitendes Kreisen ist man entschlossen, mit großer Energie vorzugehen. Die Flotte, die sich vor
«tofErtionSnreife- Die sechSeespaltene Sette für einheimische Geschäfte 15 Pfg., für auS. roärttoe Snferate ÄPf, Reftainezeite für einheimische Geschäfte 40 Pf für -uSwärttg- Deschäste 60 Pf. Beilagen für die Desamtauslage werden mit 4 Mark pro Tausend berechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgeblmg ftnd dte Lasseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliches JnserttonSorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Snatze 5 Berliner Bertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV. 676.
die lis
Das Drama van Toulon.
Drei Wochen nach Delcaffse's Parade.
Am vierten Septembertag. als vor Toulon Frankreichs Armada in stolzer Parade an den Großen der Republik vorüberzog, sprach /,um Troß der öffentlichen Meinung gewandt» Teophile Delcassse, der Marine-Minister, die weit über Galliens Grenzen hinaushallenden Worte: .Die Schiffe, die Sie heute vorüberdampfen sahen, sind alle bereit, bei einem etwaigen Kriege sofort auszuziehen Ich habe nicht bluffen wollen, und dem Lande n u r Schifte gezeigt, die in vollständiger Kriegsbereitschaft sind." Und abends (beim Festmahl im Arsenal von Toulon»: „Die Parade ist ein Schauspiel des Scheins: was aber in Toulon gezeigt wurde, war eine Manifestation der Wahrheit. Ich habe nicht gewollt, daß nur Kriegs- schiffe gezeigt wurden, sondern ich wollte Frankreich die Flotte vor Augen sichren, die jeden Augenblick bereit ist. in Aktion zu treten. Ich habe vermieden, daß man von uns sagen konnte, man mache es in Toulon wie in Kiel, wo in den Reihen der deutschen Flotte Dreadnoughts figuriert haben, die noch nicht fertig sind und noch keine Probefahrt gemacht haben. Alle Schiffe, die Sie in Toulon zu dem Manöver versammelt sahen, sind bereit, sofort mit guten Bedingungen in den Kampf zu treten, und ein jedes von ihnen braucht nur eine knappe Viertelstunde um alle Dispositionen für ein Gefecht zu treffen . . . Als diese Worte gesprochen wurden, horchte man in Frankreich auf: Keine einzige unter den Großmächten der Welt hatte im letzten Jahrzehnt so viele und schwere Heimsuchungen und f Enttäuschungen innerhalb der Marine zu beklagen, als gerade Frankreich, und nun sollte (in knapp Jahresfrist, Delcassöes Zauberkunst das fast sprichwörtlich gewordne Urteil gebannt und Frankreichs Triumph zur See el
fter Beschleunigung, ohne daß zunächst eine endgültige Wiederherstellung des Gleichgewichts des Staatshausbaltsetats abgewartet wird, auf diesem Gebiete das Erforderlich e n a ch z u b o l e n. Es soll daher auf dem Wege kommissarischer Beratungen alsbald ermittelt werden, um welche Bedürfnisse es sich bei den verschiedenen Ressorts handelt und welche Grundsätze für die Gestaltung der Unterstützungsfonds in Zukunft zu beobachten sein würden. **
zwischen Krieg und Frieden.
Das Tripolis-Abenteuer und die Mächte.
Bestürzung am Gawneu Horn.
(Telegraphische Meldungen.)
Depeschen aus Konstantinovel zufolge hegt man in dortigen Regierunaskreisen di-! Be- fürchtima. daß durch eine etwaige Besetzung von Tripolis seitens Italiens England ermutigt werden wurde, ^^0710110 Aegvpt'en an sich zu reißen. Man glaubt auch daß Oesterreich sich in einem Sete von Albanien niederlassen wurde, und daß die Kreter von neuem versuchen wurden, ihreAw svrüche durch,uletzen. Die immer kriegerischer sich aestaltende Situation macht auf die, Pforte einen starken Eindruck und rnkt P csNmis- mus hervor An einen ernstlichen turhttren Widerstand ist nicht m denken, man tragt sich vielmehr mit der Absicht, sich Oesterre ck- Ungarn und Deutschland zu wenden und um Intervention zu bitten Die osmanische Kolonie in Berlin bot nach der Trier des Beiramfestes die Abwendung nnes Telegramms an den Kaiser bescklos- sen. das gestern in den Bentz des Monarchen gelangte. In dem Telegramm acht die Kolonie der Hoffnung Ausdruck, dost Deutschland die Türkei -n ibrer ietziium gefostrlich'N s'aae nicht im Stiche lassen werde ^'" ähnliches Telegramm wurde auch an das Berliner Auswärtige Amt geszndt.^ r"
ygln. 26. September. (Telegramm u'nsers Korrespondenten.) Mehrere grobe überseeische deutsche Exporthäuser erhielten im Gegensatz zu den lärmenden italienischen Grenzkundaebungen aus Rom Deveschen, wonach auf Grund vorzüglicher Er- kundigungen kriegerische Verwicklungen zwischen Italien und der Türkei vor der Land nicht zu bekü echten sind. Man ist in den leitenden Kreisen Italiens bestrebt, die schwebende Streitfrage in mfiiacr. freund - schaftlicher Weise zu schlichten. Mehrere euroväische Grossmächte wirken mäßigend aus die italienische Regierung ein.
kämpft haben? . j
Die Leicht-Enftlammten jubelten dem ein- ftigen Sturmgesellen als dem neuen „Retter Frankreichs" zu; die Besonnenem erinnerten an die lange Unheilkette fränkischer Flottenarbeit und warnten vor übertriebnem Optimismus, und die Skeptiker verglichen den rede- eiftigen Mann im Marine-Ministerrum nut Leboeuf, weiland Kriegsminister im napoleonischen Frankreich, dessen prahlerische Versicherung, Frankreichs Armee sei „bis auf den letzten Gamaschenknopf kriegsbereit", ein paar Monde später auf den Schlachtfeldern bei Weißenburg und Wörth vom Schicksal so verhängnisvoll korrigiert wurde. Schon bei ~ao der Flottenparade bei Toulon hatte DelcassSe eine Mahnung zu kluger Mäßigung sein dürfen: Als die Flotte vor dem Prasi- dentenschiff defilierte, brach der schwere Panzer „R^publique" (der am Montag im .Hafen von Toulon durch die Trümmer der verunglückten „Liberty" schwer beschädigt wurde) mit einer raschen Wendung jäh aus der Linie aus, und nur ein glücklicher Zufall verhinderte ernstlicheres Unheil. Wie sich später herausstellte, hatte ein Defekt am Steuer die "R6pu- blique" plötzlich manövrierunfähig gemacht; em Umstand, der die um Armand Falli^res versammelten Parlamentarier und Staatswürdenträger peinlich überraschte, den Minister der Marine indessen nicht abhielt, abends hinter funkelnden Bechern Frankreichs Marine als das Ideal moderner Seekriegsrüstung in rauschenden Dithyramben zu feiern. Das geschah am Vorabend der Parade von Kiel und zu einer Zeit, als die Volksstimmung diesseits und jensefts der Vogesen grade den Gipfel der Marokko-Erregung erstiegen hatte und (wie später die Archive erzählen werden) der geringste Anstoß zur Explosion führen konnte.
Das Schicksal schreitet schnell: Der film- undzwanzigste Septembertag hat Frankreichs stolze Zuversicht zur schmerzlichen Trauer und Delcass^cs Prahlwort zur Hiobspost gewandelt: Eines der größter/ und modernsten Kriegsschifte der ftanzösische» Flotte, der schwere Panzer „Liberty, ruht als Wrack auf dem Grunde der Touloner See, und Hunderte braver Seeleute haben in der Morgenfrühe des Unglückstags den Tod in den Fluten gefunden. Seit Jahrzehnten war in Frankreich eine Katastrophe von solch elementarer Furchtbarkeit nicht mehr zu beklagen, und man kann es den eben erst vom Stolz der Macht
Malus konzentrierte, iss fahrtbereit. Das erste Geschwader ist von der Reede von S»e,ia bereits abgelaufen, es steht unter dem Kommando des Admirals Äugrv. Das »weite Gesckwader unter Admiral Faravelli ist ebenfalls bereit, obzudampfen. Der italienische Botschafter überreichte der Pforte eine Note seiner Regierung. in der es beißt, daß die türkischen Offiziere in Tripolis die augenblickliche Erregung verschuldet batten. Die Entsendung von Kriegsschifken und Truppen seitens Italiens nach Tripolis fei notwendig, um italienischen Staatsangehörigen in Trtpo-
deffen gleich zu Beginn auf feinen Herd be. schränkt werden, sodaß nur ein unbedeutender Schaden entstanden ist. Der Vorfall verursachte indessen angesichts der gestrigen Katastrophe eine förmliche Panik, und in der Bevölkerung entstand beim Bekanntwerden der Nachricht ungeheure Aufregung.
Wie uns aus Pa*is berichtet wird, soll die offizielle Totenliste der „Liber t e"-Katastrophe erst morgen bekanntgegeben werden, nachdem sich die erste Erregung über daS furchtbare Unglück einigermaßen gelegt hat. Der frühere Marineminister P i c a r d erklärt über die möglichen Gründe der Katastrophe, wahrscheinlich werde man die Ursache der Ka- tastrophe niemals erfahren. Eine Selbstentzündung des Pulver? et- scheine ganz ausgeschlossen. Auch bei der Explosion der „Jena" habe man das Pulver zu Unrecht beschuldigt, denn der offizielle Bericht habe gezeigt, daß diese Katastrophe eine Folge von Unvorsichtigkeit war. Un- bestreitbar seien die französischen Seeleute an Bord außerordentlich sorglos. Wahrend ich (meinte Picard) Minister war, brach Feuer an Bord eines Kreuzers aus, weil ein Matrose neben einem Licht, das in einem hölzernen Behälter brannte, eingeschlum» mert war. Es wäre nicht erstaunlich, wenn die „Liberte" einer ähnlichen Unvor- s i ch t i g k e i t zum Opfer gefallen wäre. Da- mit stimmt überein, was dem „Malin" auS Toulon gemeldet wird, das Feuer sei im O tv magazin der „Liberte" ausgebrochen und habe sich von da aus nach den Pulverkammern verbreitet. Die Luken, die zum Unterwasser- setzen dienten, habe man nicht öffnen rönnen. Anderer Ansicht ist allerdings Admiral Watin Darbel, der erklärte, die kleine Detonation, die bei der „Liberte - Katastrophe der großen Explosion voranging, lasse vermuten, daß Selbstentzündung des Pul vers vorliege.
Schattenbild verhängnisvoller Gewalten, an deren Macht schwächlicher Menschenwitz zersplittert! F- H.
Keine ZmerKWS-HMgeu!
„Erwägungen über andere, den Staatsbeamten zugedachte Vorteile".
Die offiziöse Norddeutsche Allgemeine Zeitung dementiert die Blättermeldung über die geplante Gewährung einer ein maligen Teuerungszulage an die Staatsbeamten. Dagegen schweben Erwägungen über „andere den preussischen Staatsbeamten zugedachte Vorteile". Es soll im Wege kommissarischer Beratungen alsbald ermittelt werden, um welche B e - btttfniffe es sich bei den verschiedenen Refforts handelt.
Wie das offiziöse Blatt weiter ausführt, beruhen die Mitteilungen über die geplante Gewährung einer Teuerungszulage an die preußischen Staatsbeamten auf einem Irrtum. Dagegen schweben allerdiiPs Erwägungen über andere den preußischen Staatsbeamten zuaedachten Vorteile, die vielleicht zu dem Gerüchte über die Gewährung allgemeiner Teuerungszulagen Veranlassung gegeben haben. Während nämlich im Reich die Unterstützungsfonds für die Beamten unter Zugrundelegung gewisser Einheitssätze für den Kopf des vorhandenen Personals von Jahr zu Jahr reguliert werden, bat in Preußen w^en der unaünstigen Finanzlage bei der Mehrzahl der Verwaltungen schon seit Jahren davon abgesehen werden müssen, diese Fonds entsprechend der vielfach sehr gestieaenen Beamtenzahl auf der erforderlichen Höhe zu erhalten. Diese Einschränkung in den verfügbaren Mitteln muß sich natürlich in Zeiten einer Teuerung, in denen ftrfi die Falle und das Maß der Unterstützungsbedürftigkeit vermehren, besonders fühlbar machen. Es er- i'ch--nt dab«r dringend erwünscht, mit mogW?
Unhell obne ßrrde?
Feuer auf dem französischen Panzer „Patrie".
Depeschen aus Toulon zufolge brach in der vergangenen Nacht auf dem großen Panzerschiff „Patrie" in einer Kasematte des Vorderteils Feuer aus. Der Brand konnte in-
KM-KonigUNd Komp.
Afrikanische Abenteuer auf der Hochzeitsreise.
Nach langen Bemühungen ist eS nun der Berliner Kriminalpolizei gelungen, die „Ge- schäftsgeheimnisse" der internationalen Spie» lergesellschaft Korff-Konig und C 0 m p. in der Hauptsache zu entschleiern, und es hat sich dabei die intereffante Tatsache er- geben, daß die unter der „Leitung" deS früheren Handlungsgehilfen Stal l m a n n, aliaS „Baron KorfftKönig" stehende Gesellschaft nicht nur in den europäischen Hauptstädten, sondern vor allem in den altbekannten fashionablen Kurorten Europas wie Biarritz, Trouville, San Sebastian, St. Moritz und Baden-Baden ausübten. Jetzt ist ferner ein Betrugsmanov» aufgeklärt worden, dessen Schauplatz sich am RandderSahara.inder neuerdings als Winterkurort vielbesuchten O a f e B i skr a befindet. Es werden darüber folgende Einzelheiten berichtet: Vor einiger Zeit erstattete der einem vornehmen preußischen Kavalleriere^- ment am Rhein angehörende Leutnant von B. bei der Berliner Kriminalpolizei die Anzeige, daß er von zwei Falschspielern, die seiner An- icht nach der Spielergesellschast Korfj-Konig angehörten, in einem Hotel der Oase Biskra um die Summe von Vierzigtaus end Mark geschädigt worden sei. Der junge Offizier befand sich mit seiner Gemahlin auf bei Hochzeitsreise in Nordasrika und hatte auch längere Zeit in Biskra Aufenthalt genommen. In seinem Hotel machte das Ehepaar die Bekanntschaft eines eleganten jungen Engländers, der sich ihnen als
ein Herr von Montgomery vorstellte. Der Engländer war von großer Liebenswürdigkeit, zeigte dem Osfizier und seiner Frau die Sehenswürdigkeiten der Oase und hielt sich fast ständig in ihrer Gesellschaft auf. Nach einigen Tagen lernten das deutsche Ehepaar und der Engländer auf einem Spaziergang „zufällig" einen andern Engländer kennen, der sich ihnen anschloß und das Ehepaar und Herrn von Montgomery zum Abendessen in sein Hotel einlud. Die Einladung wurde angenommen und nach Tisch wurde in Gegenwart der Frau von B. ein harmloses Jeu arrangiert. Das Spiel schien um so harmloser, als die „Roulettenuhr" von jedem der Mitipielenden in Bewegung gesetzt wurde. Nack Verlauf einer Stunde hatte aber Herr von B. die Kleinigkeit von vierzigjausend Mark verloren. Er dachte jedoch damals mit keinem Gedanken an die Möglichkeit, daß die beiden liebenswürdigen Engländer, die tn ihrem Auftreten vom Scheitel bis zur sohle Gentlemen waren. Falschspieler sein konnten. Er tröstete sich mit seinem „Peck und stellte über die verlorene Summe, einen schuldschetn aus. Am näcksten Tage schon meiste Herr von Montgomery aus Biskra ab. um sich zunächst nach Italien zu begeben. Er bat Herrn von B die Summe von vierzigtausend Mark an das Bankhaus „Brown, Springer u Eo. m 1 London aus das Konto eines ihm bekannte- , Henn Springer einzuzahlen.
Einen Tag nach seiner Abreise