l'it. 248.
Eftse Jahrgang.
kssieler Neueste Nachrichten
1. Beila^c,
Dienstag, 26. Septcmvcez a211.
.Eine Kinderliebe. Donalden, und meine Hilde ist ein fetten stiller, tiefer Mensch. Wie das Wasser da. ... Hart am Tode vorbei ginas mtt ihr. Erst durch ihre rührende Treue ist fte langsam aanz gesundet und jetzt ... Donalden ... liebt fte Sie wohl, tote sie jenen Ersten liebte ..."
bohrten an den eisernen Platten, bis ihre Hände bluteten und die Aermel der Uniformen zu aeschlitzten Sttetfen wurden.
Es war aber vergebens. ...
Das Eisen gab nicht nach. Sie ließen von dieser harten und dennoch nutzlosen Arbeit ab und lauschten in die Höhe.
Wie langsam doch dir Zett verstrich. ...
Nichts um sie her, wie ein dumpfes Schlagen der rauschenden Wasserarme ... und die Hoffnung. ... Dennoch ängstigten sie sich nicht!
Und wieder lief eine Stunde davon!
Sie sahen sich zum ersten Male in die Augen.
.Herr Kavitänleutnant/ sagte Heinz Donalden heimlich.
Und der Vorgesetzte räusverte sich laut, um aller Sentimentalität zu wehren und versuchte ein Lachen.
.Ruhig, lauter, Donalden ... uns hörthier ja niemand!"
Doch die junge Stimme bekam nickt mehr Kraft. Scheu und weich blieb ihr Ton ... wie ein Beten!
.Herr Kapitänleutnant, ich habe vorgestern das Jawort Ihrer Tochter erhalten ... und am Sonntag wollte ich zu Ihnen kommen..."
.Das freut mich von ganzem Herren, Donalden. Sie sind mir als Sohn der liebste ..."
.Ich habe Sie noch nickt fragen können, wie es kam, daß ... der andere ..."
.Sie denken an den ersten Verlobten meiner Tochter, der auf der .Liegnitz" fuhr? ... Ja, wie das so kommt! Vielleicht hätte er sich retten können, ohne daß es seinem D"<ehen bei den Kameraden und bei seinen Vorgesetzten auck nur das Geringste geschadet hätte. Von den Geretteten behauptete es nachher wenigstens ein jeder. ... Aber na ... was soll ich Ihnen das erst lange auseinander- setzen. Wir beide stehen doch auch hier."
..Und sie hat ihn lange ... lange nickt vergessen können?"
Wieder schlich sich eine Stunde müde.
Leise flüsterte der Kapitän vor sick hin. denn die Luft in dem engen Raum wurde seltsam dünn. „ , _
.Wir dürfen nicht mehr tote sieben Prozent Kohlensäure im Raum haben. An Sau- erstoff mangelt es uns ja nicht."
Und laut sagte er:
.Zwei Stunden halten wir es wohl noch aus. Kamerad ..."
Sie saß an sich jetzt mit auf die Kntee gestemmten Armen gegenüber und schwiegen wieder.
Einmal sagte Donalden leise und sehn- süchttg:
»Hilde ... ob sie wohl ahnt ..."
Und der Aeltere hob die Reckte und deckte damit die seltsam flimmernden, heißen Augen.
Seine Iran ruhte seit Jahren unter dem Rasen. Die Hilde, sein einziges, geliebtes Kind aber besaß diesen da ... diesen jungen, starken Helden mit dem weichen Herzen und der barten Faust.
»Noch eine Stunde," sagte er dumpf und sah nach dem andern ... und sah. daß der weinte. Wie ein Kind, das sich nicht wehren kann. ... Und dachte weiter, daß sein Kind das wohl nicht ein zweites Mal überwinden würde ... und dachte an die Worte des Freundes und Arztes:
»Hart am Wahnsinn vorbei ... für diesmal ..."
Und er sah noch einmal den Weinenden an. überlegte ein wenig und sagte fest und rubiar
»Wenn es nur einer wäre, so könnte der hier die doppelte Zeit atmen ... also von jetzt ab noch zwei Stunden, dann aber muß die Rettung da sein und zeigte sich alles noch so ungünstig und schwierig. Es kann aber immerhin noch eine und eine halbe Stunde dauern ... und so lange haben wir beide nicht mehr zu atmen ..."
Gan, leise legte er von hinten seinem ersten Offizier die Hände auf die Schultern. Er gab ihm unbewußt das vettraute »Du"! In diesen großen, heiligen Augenblicken emv- fand er ihn ganz als Sohn. »Schütze mir mein Kind und tröste es."
Heinz Donalden verstand ihn nickt mehr. Er fühlte nur stumpf durch das Tuch die Nähe eines outen, starken Menschen. Sonst war er wie leblos. ...
Kapttänleutnont von Anderten schlich langsam vorwätts, scklug das Gesangbuch auf. und las ein paar mal halblaut einen Vers:
Laß das Schwerste mich ettragen Ohne Tränen und ohn' Klagen.
Als der Turm endlich gesprengt und die beiden ins Freie arttagen wurden, ging ein Weinen durch die dichten Reihen!
Kapitänleutnant von Anderten laa mit durchschossener Schläfe da und bielt in der starren Totenhand eine aus seinem Taschenbuch acrissene Seite. Darauf stand zu lesen:
.Ich tue es für mein Kind, im Namen meines Heilandes, der sich auch zum Opfer gab."
Der erste Offizier Donalden atmete schwach. Zwar mußte er in das Krankenhaus geschafft werden, um unter beständiger Aufsicht der Aerzte ein paar Tage zu bleiben, aber Gefaht für fein Leben bestand keine. ... Es dauerte lange, ehe er jene Stunden überwand ... erst"alS er der Tockter seines toten Helden- kapitäns seinen Namen gab. stahl sich wieder das erste Lächeln auf seine Livpen.
— Ende.—
gang zu: mit zitternden Fingern wollte ich eben auf den elektrischen Knopf drücken, als meine Hand plötzlick ergttffen wurde und ich den Mann sah. der vorher meine Aufmerksamkeit erregt batte. »Kaiserliche Hoheit!" sagte er. »Sie können den König oder die königlicken Kinder nicht sehen!" Er legitimierte sich als Kriminalpolizist und sagte: »Ihre Ankunst war uns bekannt und Sie müssen sofort mit mir zu Ihrem Hotel zurückkehrcn!" Als er so sprach, gab er ein Pfeifensignal und zwei Schutzleute erschienen. Dieser Augenblick war einer der erniedrigendsten und elende st en meines Lebens. Ich blickte zu den Räumen hinauf, die
elf Jahre lang mein Heim gewesen
waren, aber ich sah wie durch einen Tränenschleier. Ich nahm all meinen Mut zu Hilfe und benahm mich mit der Würde einer Enkettn der Maria Theresia. Im Hotel besuchte mich der P o l i z e i ck e f: er bemühte sich nicht, den Hut abzunehmen, und sagte schroff: „Frau Gräfin, ick bin vom Ministerium gesandt, Ihnen einen Sonderzug anzubieten, sodaß Sie Dresden sofort verlassen können." Ick trat in die Mitte des Zimmers vor. „Sie irren sich!" sagte ich, „einen Ertrazug können Sie nur einer Königin anbietcn. eine Gräfin Montignoso darf einen solchen nicht benutzen. Kehren Sie zu den Ministern zurück und sagen Sie ihnen, daß Luise von Sachsen ihre Abreise s e l b st b<> stimmt. Aber Sie können den Ministern auch sagen, daß sie nichts zu befürchten brauchen. Ich werde nicht an das Volk appellieren: mein einziger Wunsch ist, meinen Mann und meine Kinder z u s e h e n." Lmse erzählt dann, daß sie einen Brief an den König schrieb, der diesem auf einer „Jagd" zugestellt wurde, die in aller Eile arrangiert worden war. um den König von Sachsen fernzuhalten. „Ick erfuhr dann," setzte sie hinzu, „daß der Kömg, als er ihn las, fast ohnmächtig wurde und sofort einen Wagen zur Rückkehr befahl, da er mich zu sehen wünschte. Meine Feinde hatten dies erwartet, so toitrde dem König, gesagt. ich sei bereits abgereist. Schließlich, berichtete sie, habe sie bei der wachsenden Erregung der Bevölkerung zu deren Gunsten ans Dränaen des Polizeichefs sich zur Ab re Ne entschlossen...
AM aller West.
Die sächsische Manen-TraMle.
Wie au3 Dresden berichtet wird, schildert jetzt der Ulan Heinrich Manttz, der die Unglück- liche Patrouille bet Obervogelsang durch di« Elbe mitgeritten war und sich retten konnte, daS entsetzliche Unglück in einem bewegten Briefe an seine alte Mutter. Manttz, dMi nur durch einen glücklichen Zufall die Rettung ermöglicht wurde, entwirft von der Ulaneu-Tragödie in dem Briefe an seine Mutter folgendes ergreifende Bild:
Du wirst vielleicht von dem Manöverunglück bei Pirna gelesen haben, liebe Mutter, wo zehn Ulanen ertrunken sind: ich war selber dabei, doch konnte ich mich durch Schwimmen in voller Uniform ans andere Ufer bringen. Mein Pferd ist ja dabei ums Leben gekommen, was mich natürlich in Unruhe brachte. Es war früh acht Uhr und mit« was kam ich erst ins Quartter. Ich habe mich dastei fo erkältet, daß ich am anderen Tage nach Osckatz ins Lazarett befördert wurde, wo ich mich jetzt noch befinde. Du glaubst nicht, wie mir's zumute war, als mir das Wasser über dem Kopfe zusammensÄlng. Als ich mich wieder mit meinem Pferde in die Höhe gearbeitet hatte, bekam ich von einem Pferde, das hinter mir war, einen Schlag mit den Vorderbeinen an den Kopf: es verwickelte sich dann an meiner Fangschnur, die am Tfckako und Waffenrock befestigt war. und zog mich wieder von meinem Pferde mit unter Wasser. Ich hatte alles aufgegeben; mein letzter Gedanke warst Du. liebe Mutter; ich dachte, es ist vorbei. In meiner Verzweiflung erfaßte ich die Sckuppenkette, die vom Tschako unter dem Kinn befestigt ist, und riß sie durch, verlor die Kopfbedeckung, arbeitete mick wieder mit Anstrengung meiner letzten Kraft in die Höhe und erreichte so
schwimmend ziemlich das andere Ufer: Ich stieß auf einen großen Stein und ruhte mich erst etwas aus, trotzdem ging mir das Wasser noch bis an den Kragen deS RockeS. Als ich Kräfte gesammelt hatte, bemühte ich mich, bis an den Rand zu gelangen und war froh, als ich wieder festen Boden unter mir hatte. Mein erster Gedanke war mein treues Pferd, doch leider trieb es leblos auf dem Wasser; es hatte sich, als es ans Land gezogen wurde, in den Zügeln verwickelt. Ich war der erste, der nach den Offizieren das Ufer erreicht hatte. Das war alles in einer Zeit von einer Viertelstunde. Ich hörte noch einige Hilferufe, dann war alles still: es waren nur noch einige Pferde ohne Reiter zu sehen, welche dem Ufer zufchwammen. Hilfe konnte keine gebracht werden, weil fein Kahn in der Nähe war. Wir zählten sofott unsere Kameraden, doch leider fehlten zehn Mann, gerade die Hälfte. Was dann weiter wurde, weiß ich nicht, ich nahm eins der Pferde und ritt, was ich konnte, die Meldung an den Kommandeur zu bringen, der gleich einige Leute an die Unfallstelle schickte...
Sie Mutter des Defraudanten.
Wie wir schon telegraphisch mitgeteilt haben, hat sich die in Mannheim wohnende Mutter des Augsburger Millionen-Desrau« darrten Hehler, die sechsundfünfzig Jahre alte Hauptlehrerswitwe Marie Hehler, aus dem Fenster ihrer im zweiten Stockwerk gelegenen Wohnung in den Hof gestürzt, wo sie in fast leblosem Zustande aufgefunden wurde. Hausbewohner brachten die Leblose nach ihrer Wohnung, wo sie alsbald gestorben ist. Wie die Fran in den Hof gelangte, ist noch nicht vollkommen aufgeklärt. Der herbeigerufene Arzt konstatierte Tod infolge Herzschlags. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat sich die bedauernswerte Frau aus dem untern Fenster des nach ihrer Wohnung führenden Treppenhauses gestürzt. Ein direkter Zeuge für einen solchen Hergang ist allerdings nicht vorhanden. Eine Bewohnerin des Hinterhauses bat einen dumpfen Schlag gehört und sah, als sie ans Fenster eilte, Frau Hehler im Hofe liegen. Wie verlautet, litt die Fran Hehler in den letzten Tagen wegen der Tat ihres Sohnes an Melancholie und war begreiflicherweise sehr niedergeschlagen. Seit Bekannitoerden der Fluchtihres Sohnes ließ die arme Fran sich außerhalb ihrer Wohnung nicht mehr sehen. Besonders aufgeregt soll sie sich am Mor- gen des Unglückstags gezeigt haben. Kurz bevor sie im Hofe aufgefunden wurde, hatte sie ihre Tochter gebeten, ihr Tropfen zur Beruhigung ihrer Nerven zu holen. Während die Tochter im Begriff war, diesen Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen, begab sich Frau Hehler aus ihrer Wohnung die Treppe hinunter, worauf sie dann im Hofe leblos aufgefunden wurde. Eine Augenzeugin will gesehen haben, wie Frau Hehler sich, auf dem Fenstergesims knieend, plötzlich hinaus- stürzte. Auf welche Art auck der Tod der schwergeprüften Fran herbeigeftibtt fein mag, so steht dock wohl mit aller Wahrscheinlichkeit fest, daß ibr unvorhergesehenes Lebensende auf die Folgen der seelischen Depression zurückzuführen ist, an welcher die Frau ob der Tat ihres Sohnes gelitten hat.
*■
Pariser Milli onen-Schwindler.
Die Pariser Polizei hat am Freitag (tote wir schon mitgeteilt haben, zwei Personen verhaftet. die es verstanden haben, durck Ausgabe von Aktien nicht vorhandener Gesellschaften kleinen Pariser Kapitalisten und Sparern an zwei Millionen Francs abzunebmen. Einer der Scktoindler nennt sick Palmarlni, heißt aber in Wirklichkeit Josef Gabriel A s - guascltad und stammt aus Lvon. Er ist ein früherer Rechtsanwalt und wegen Betruges und Urkundenfälschung schon dreimal mit insgesamt elf Jahren Gefängnis bestraft worden. Der andere ist der frühere holländische Marineoffizier Adrian Konstantin Baron «Winter. Zu den Opfern der Schwindler gehören zahlreiche Geist
liche, Offiziere und Frauen. Der in ganz Paris bekannte Bankier Joses ASquascitad, der unter dem Romen Palmarlni in der Rue de Chateaudnn ein elegantes Bankgeschäft betrieb, lebte auf sehr großem Fuße. Er hielt sich mehrere Automobile, besaß eine Villa in der Umgebung von Paris und leistete sich den größtmöglichsten Lurus. In der letzten Zeit waren wiederholt Klagen gegen ihn laut geworden, so daß der Untersuchungsrichter seins Verhaftung und auch die seines Kompagnons, eines Borons von Winter, anordnete. As- quascltad hat ein abenteuerliches Leben hinter sich. Er wurde in Lyon geboren und ließ sich in seinen späteren Jahren dort als Rechtsanwalt nieder. Er hatte damals einen ausgezeichneten Ruf und genoß das Verttauen zahlreicher Klienten. Im Jahre 1895 wurde er wegen Unterschlagung von fünfzigtausend Francs zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis vereinigte er sich mit zwei Herren, namens Ribourg und Oster, und gründete mit ihnen in Paris das Bankgeschäft „La Bangne shndlcale" und gleichzeitig eine kleinere Börsenzeitung, die dem Kundenfang in der Provinz diente. Das Geschäft brach indessen später zusammen und ASquascitad wurde auf die Dauer von fünf Jahren deportiert. Nach seiner Freilassung verheiratete er sich mit einer Engländerin Miß Smith, deren Mitgift er zur Begründung seines jetzigen Bankgeschäftes verwandte. Zu seiner Kundschaft gehörte auch ein bekannter junger ruf fischer Groß- fürst, den er völlig ausbeutete.
★
Schottische Tragödien.
Unter dem Verdacht, einen grausigen Vatermord begangen zu haben, ist in der Grafschaft Fifeshire in Schottland 7>er Sohn eines wohlbekannten Gutsbentze's verhaftet worden. Man hatte den Besitzer dcr Farm, Mr. Houston, an einem der letzten Abende erschossen gefunden. Der Pater und der Sohn sollen bisher immer auf sehr gutem Fuße miteinander gelebt haben. Am Freitag abend holte der Sohn den Vater noch von dem Bahnhof ab. und beide fuhren zusammen nach Hause. Nach einiger Zeit fragte der Sohn einen Vorarbeiter, ob er seinen Vater gesehen habe, und als ihm die Richtung angegeben worden war, in der der Besitzer der Farm fortgegangen war. folgte ihm der Sohn. Gleich darauf hörte der Arbeiter einen Schuß fallen. Der Sohn kehrte darauf zurück und erklärte dem Vorarbeiter, er habe seinen Vater erschossen. Er telephonierte auch selbst an die Polizei, leugnete aber nachher, daß er die Tat ausgeführt habe, er behauptete vielmehr, er sei gerade hinzugekommen, als sein Vater sich erschossen habe. Neben der Leiche fand man einen Revolver. Der Vorfall erregt in Schottland ungeheures Aufsehen, da die Familie Houston "zu den angesehensten der Grafschaft gehört.
*
Schiffrkataflrophs auf der Schelde.
Ein Vrivat-Telegramm meldet UnS aus Brüssel: Gestern fuhr der mit Zement beladene Kahn des Schiffers Adrian auf der Sckelde zwischen Boom und Antwerpen in dichtem Nebel auf drei dicht nebeneinander verankerte Scheldeboote auf. Der Sckif- fet konnte nach dem Zusammenstoß sein Fahrzeug noch rechtzeittg verlassen, ebenso seine Frau, die mit einem Säugling auf dem Arm auf eines der gerammten Fahrzeuge gesprungen war. Jetzt fiel dem Ehepaar noch ein, daß in dem sinkenden Kahn noch der vierjährige Sohn schlief. Beide betraten nochmals die Kajütte des sinkenden Schiffes. Ehe sie aber das Fahrzeug verlassen konnten, sank es völlig und alle vier Personen ertranken. Später sank noch ein anderer durch den Zusammenstoß leck gewordener Kahn und die ganze Familie des Schiffers, ein Ehepaar mit acht Kindern ertrank. Im Ganzen hat also die Schiffskatastrophe somit vierzehn Menschenleben vernichtet.
Stesimer gntimMen.
Luise Toselli und der sächsische Adel.
(Privat-Telegram m.)
Wie uns aus Paris berichtet wird, macht sich Frau Toselli in der neuesten Fortsetzung ihrer Memoiren-Veröffentlichung über den Adel in Sachsen luftig und sagt, sie hätte in ihrem ganzen Leben keine dümmeren Leute gefunden, wie gerade die sogenannten Marschälle, Generäle und hohen Beamten am sächsischen Hofe. Besonders die Frauen zeichneten sich durch Dummheit und Geiz ans. Dann erzählt sie einen kleinen Vorfall, der sich gelegentlich eines Hofballes zugetragen hatte: Dori war die Frau eines hohen Beamten beim Tanze hingefallen. Dabei hätte man ein paar merkwürdige Beine fehen können. Die seidenen Strümpfe reichten nur bis zur Wade, dann war an die Seide . . . Wolle angestrickt , die Unterröcke der Frau wären schlechter gewesen, als die eines einfachen Dienstmädchens. Die Frauen bei Hofe seien sogar zu dumm, um sich den Hof machen zu lassen, was schon viel sagen wolle. Dann kommt Frau Toselli noch einmal auf Kaiser Wilhelm zu sprechen und sagt, daß ganz Sachsen unter seiner Gewalt stehe. Niemand am sächsischen Hofe würde sich jemals erlauben, ihm zu widersprechen. Sie glaubt, daß sie sich mit ihm ganz gut verstanden hätte, wenn sie Königin geworden wäre, denn sie teile seine Ansichten vollständig. Auch sie
liebe die Engländer nicht, und sie wisse vom Kaiser, daß er int Grunde seines Herzens keine besonderen verwandtschaftlichen Gefühle für England hege. Es mute sie immer kornisch an, wenn sie anläßlich der Besuche des Kaisers in England in den Blättern so viel dummes Zeug über die herzlichen Gefühle lese, die der Kaiser für England hege. Der österreichische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, dagegen, sei England freundlicher gesinnt. Fran To- sc.lli erzählt dann weiter: Kurz nach dem (»inscheiden König Alberts hatte ich in der Kapelle unseres Palastes eine merkwürdige Begegnung. König Albert hatte mir einmal in einer vertraulichen Stunde mitgeteilt, daß er eines Tages zwischen den beiden großen Kerzen in der Kapelle einen Kater gesehen habe. Drei Tage nachdem nun der König gestorben war, besuchte ich mit meinen Verwandten die Kapelle und erblickte ebenfalls zwischen den beiden Kerzen einen riesigen schwarzen Kater. Auch meine Verwandten hatten ihn bemerkt. Für den säcksi- schen Hof ist ein schwarzer Kater das, was die „weiße Frau" in Berlin ist. Durch die vielen Leiden, die ich zu ertragen hatte, bin ich abergläubig geworden und ich glaube nun fest, daß dieser Kaier mir den Beginn meiner Leiden anzeigen sollte, denn tatsächlick begann von diesem Tage an mein Unglück. Luise kommt dann auf ihre Hebamme zurück, die als Hellseherin bekannt gewesen sei und gesagt habe: „Dieses Kind (Luise) wird einst eine Krone tragen, aber es wird viele Leiden und manches Unglück zu ertragen haben." »pc»
*
8« Dresden arretiert!
Die Memoiren der Frau Toselli liegen Übrigens jetzt bereits in einer englischen Buchausgabe vor, die bei Nash in London erschienen ist. Eins der interessantesten Kapitel ist das, in dem die ehemalige Kronprinzessin Ibr plötzliches W i e d e r er sch ein en in Dresden und ihre Festnahme durch die dortigen Polizeibehörden im Dezember neunzelm- bundertvier schildert. Sie erzählt darüber: Als ich über die alte Brücke fuhr, wurde ick von der Erregung stark übermannt. Ich ließ den Wagen am Laden meines früheren Friseurs halten. Der arme Mann war so betroffen, daß er einiae Sekunden nickt svrechen konnte, und als er schließlich Worte fand, vermochte er nur zu stammeln: „Untere Luise! Unsere L u i s e!" Als ich über den Markt ging, wurde ich einenMann gewähr, der mich firierte. Ich achtete nicht darauf und eilte dem Palastein -
Ja» Stufet.
Bon Käte Lubowski.
Das neue stolze Unterseeboot, an dessen Taufe noch vor kurzem die Bewohner von Stadt und Land so herzlichen Anteil genommen, war ein wenig außer Ordnung geraten! Eine Kleinigkeit an den Hebebojen stimmte nicht und der pflichttreue Kommandant, Kapitänleutnant von Anderten, ließ erst alles sorgfältig bessern, ehe er den Befehl zur Heimfahrt gab. Die Nacht auf dem offenen Meere bei der angestrengten und hastigen Arbeit war nicht gerade leicht gewesen. Trotzdem hatte die Mannschaft guten Mut. Zwei Mann fangen mit vollen, guten Stimmen über das schäumende, graugrüne Wasser ibr Morgenlied der alten Heimatstadt Kiel entgegen. Mit rauchenden Schloten blickte die machtvoll hinüber und schickte von den Türmen den Glockengruß aus Slang und Stahl zu ihren Söhnen. Der Wind freilich zerriß die Laute und machte ein Kinderweinen ans ihnen.
Der Steuermann erzählte am nächsten Tage, daß es bei Rudrabatten am Schwarzen Meere solche Töne gegeben, hätte, ehe damals die stolze „Iltis" unterging. ... Zur Zeit freilich achtete noch niemand auf die klagenden Glocken. Die Mannschaft freute sich auf das Festland und rieb verwundert die Augen, als das Wasser plötzlich lebendig ins Hinterschiff gurgelte. Es wurde alles getan, was nur irgend getan werden konnte.
Und dennoch legte sich das Boot immer tiefer auf die Seite und schließlich wurden in harter Arbeit zweiundvierzig Mann durch das vordere Torpedolanzierrohr auf den Kreuzer „Wilhelmsalück", der sich bart neben die Unfallstelle gelegt hatte, befördert. ... Nur zwei fehlten: Der Kapitänleutnant von Anderten und dcr erste, flachshaarige Offizier Donalden.
... Diese beiden standen im Turm hart nebeneinander und hielten sich am Rad fest. Und