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Fernsprecher 951 und 952.
Fernsprecher 951 und 952.
Sonntag, den 24. September 1911
zu beleuchten
F. H.
Er erhofft ein
ücksicht auf die technische
Berliner Finanzleuten.
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strengstes Stillschweigen beobachtet wird. Wie weiter verlautet, erhielten gestern die in der Türkei bei ihren Verwandten sich auf Urlaub befindenden italienischen Marineoffiziere den Befehl, sofort zurückzukehren. Man bringt hier diese Maßnahme mit der ge- vlanten Mobilmachung der italienischen Flotte in Zusammenhang, die jedenfalls wegen Tripolis erfolgt.
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die der Verstorbene in der Duma gesprochen hat: .Ihr braucht große Erschütterungen, wir brauchen ein großes Vaterland!"
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einer Polizeigehilfin eine entsprechende berufliche Vorbildung und ein Mindestmaß polizeilicher Schulung fordern, ehe man ihr Dienstfunktionen anvertraut, die ein großes Maß von Takt und Besonnenheit, Menschenkenntnis und Weltkunde erheischen. Frau Schapiro in Mainz hat (wie man hört) vor ihrer Berufung als Polizeigehilfin einmal ein Pensionat geleitet und ist außerdem Mutter von drei Kindern: Es läßt sich also darüber streiten, ob diese Tatsachen ausreichen, ihre Befähigung für ein wichtiges und verantwortungsvolles Amt überzeugend darzutun.
Noch ein paar Worte über den Prozeß selbst: Es handelt sich wieder einmal um eine „Sensation", und wir haben uns bereits daran gewöhnt, bei forensischen Schauspielen dieser Art mehr Peinliches als Erfreuliches zu schauen. Rund hundertfünfzig Zeugen drängen sich im Tempel der Justiz, Leute aller Stände: Bürger, Offiziere, Beamte, Lebedamen und kleine Mädchen mit Gretchenzöpfchen, kaum der Schule entronnen. Das Blitzlicht der Gerechtigkeit leuchtet grell in die fernsten Winkel, längst vergeffner Vergangenheit, erinnert den würdigen Greis an der Jugend tolle Torheiten, läßt vorm entsetzten Auge graubärtiger Zeugen die längst verblichnen Schriftzüge gilbender Briefe auftauchen, die einst, in des Lebens blühendem Mai, ewige Liebe und Treue kündeten, um dann, wie so manches Ideal sonniger Jugend, im Meer des Schicksals zu versinken, und entlockt einem Mann von der unbestrittnen Achtungswürdigkeit des Mainzer Beigeordneten Berndt das schmerzliche Bekenntnis jahrelanger Seelenfolter, die ihm die Niedrigkeit verbrecherischer Instinkte aus der Kenntnis törichter Jugendliebe bereitete. Es ist längst keine leere Redensart mehr, daß das Angeklagtsein vor Gericht fast noch erträglicher sei als das Martyrium des Zeugen, der, ohne irgend eine Schuld aus sich geladen zu haben, gewärtig sein muß, von unbarmherziger Verteidiger-Geschäftigkeit bis zurück zur Stunde der Geburt auf Herz und Nieren geprüft und mit seiner ganzen Vergangenheit der grinsenden Schadenfreude frecher Neugier preisgegeben zu werden. Das „unvermeidliche Uebel" der modernen Sensationsprozesie hat auch in Mainz seine Opfer gefordert, und wenn man abschätzt, welchen Gewinn bestenfalls die „Mainzer Bilderbogen" der Gerechtigkeit und dem öffentlichen Interesse bringen können, dann empfindet man aufrichtiges Bedauern darüber, daß unsre Justiz kein andres Mittel hat, dem Recht und der Wahrheit den Sieg zu sichern, als durch die mitleidlose Entschleierung über- wundner Vergangenheit einen einzigen Augenblick leidenschaft-durchglühter Gegenwart flüchtig
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Lie itattenische Flotte unter Dampf!
(Eigene Drahtmeldungen.)
Wie uns aus Turin depeschiert wird, werden die Vorbereitungen für die Ausrüstung des tripolitanischen Geschwaders mit großer Intensität fortgesetzt. Die Mobilmachung, die von der Regierung verfügt worden ist, wird mit großer Genauigkeit und Schnelligkeit durchgeführt. Das Panzerschiff „Peruccio" ist von Tarento bereits nach einem unbekannten Bestimmungsort abgegangen. Vier andere Panzerschiffe haben Befehl erhalten, sich unter Dampf zu halten. Das Blatt „Corriere Mercantile" versichert, daß auch sechs Transportdampfer bereits abgegangen sind, ohne daß über ihren Bestimmungsort Nachrichten zu erlangen wären. Ein Telegramm aus Rom meldet, daß ein Mitglied des italienischen Kabinetts im Laufe einer Unterredung erklärte, es handle sich bei den maritimen Maßnahmen Italiens nicht um einen geplanten Angriff, sondern angesichts des Ernstes der jetzigenLagr.sowie inanbetracht der Bewegung, die sich in der öffentlichen Meinung Italiens kundgebe, um Maßregeln, die die Regierung zu treffen sich gezwungen sehe, um sich nicht von Ereignissen überraschen zu lassen, und für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.
Edison wird sich etwa eine Woche lang In Berlin aufhalten und während dieser Zeit mit bekannten Industriellen und Finanzlenten Verhandlungen wegen der Verwertung seiner neuen Patente in Deutschland pflegen.
......... les Resultat dieser Ver
handlungen. da mit Rücksicht auf die technische Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie hier die Verwertung seiner Patente die besten Erfolge verspreche. Heute früh hatte (wie uns ein Priv att ele gra mm meldet) Edison bereits Konferenzen mit mehreren bekannten
Bmrvw zum Tode tzermtM!
Tie Sühne des Attentats von Kiew.
Depeschen aus Petersburg zufolge begann gestern nachmittag auf der Bastion der Kiewer Festung die kriegsgerichtliche Berhandlnng gegen Bagrow, den Mörder Stolnpins. Zu der Verhandlung waren fünf Zeugen erschienen. Das Urteil lautete aus Tod durch den Strang. Es bedarf aber noch der Bestätigung des Zaren, die bis zum achtundzwanzigsten September erfolgen muß.
Die Verhandlung gegen Bagrow fand unter Vorsitz des Generals Reinhardt statt. Unter den Zeugen befand sich auch der Oberst Kuljabko. der gestern wieder nach Kiew zurückgekehrt ist. Der Iustizminister wohnte der Rechtsprechung bei. Bagrow nahm das Urteil mit großer Ruhe und Kaltblütigkeit entgegen und zeigte keinerlei Reue. Wenn die Bestätigung des Urteils durch den Zaren in den nächsten Tagen erfolgt (woran nicht zu zweifeln ist), dann wird die Hinrichtung Bagrows noch vor Ablauf der nächsten Woche erfolgen. Während auf der Bastion der Festung der Mörder Bagrow vor seinen Richtern stand, fand in der Kiewer Klosterkirche die feierliche Beisetzung der Leiche Stolypins statt. Die Feier an der Bahre und die Bestattung verliefen unter ungewöhnlicher Beteiligung in musterhafter Ordnung. Die Familie Stolypins, alle Spitzen der Behörden, etwa hundert Devutierte der monarchistischen Orga- nisaftonen. der Präsident der Reichsduma und mehrere Minister wohnten der Beisetzung bei. Hunderte von Kränzen und Blumensvenden bedeckten den Sarg. Die Stadt war vollkommen rubig. Das Komitee für das Stolvvin- Denkmal weist alle Beiträge, die von jüdischer Seite kommen, zurück, die bereits angenommenen werden zurückgezablt. Der Zar ließ den Aerzten. die Stolypin behandelt haben, seinen Dank nnssprechen. Die Witwe des Ermordeten erhält vom Staate hunderttausend Rubel Unterstützung. Das Denkmal StolvvinS wird folaende Worte tragen,
5 Berlin, 23. September.
Edison sprach sich in seinem Interview begeistert über die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands aus. Um Chemnitz herum (meinte er unter anderm) habe ich mehr Schorn st eine gesehen als in ganz Frankreich, und mit ernstem Bfiä fügte er hinzu: „Ich sehe hier eine große industrielle Macht. Ich habe Hochschätzung vor Ihrem gewerblichen Schaffen." Edison erläutert das dann auch mit Worten: „Umsichtigkeit und Tüchtigkeit habe ich überall im ganzen Lande gefunden. Der Boden ist oft sehr kümmerlich, aber die Ackerbauer verstehen es trotzdem, ihm ein Wachstum zu entringen, das mich in Erstaunen setzt. Mir ist ein charakteristischer Nnte r- schied zwischen Frankreich und Deutschland aufgefallen: In Frankreich sieht man überall Kathedralen, in Deutschland allerorts Schorn st eine, und (fügte er lächelnd hinzu) die Schornsteine sind mir lieber und auch die Art menschlicher Tätigkeit, die in ihremSchutze betrieben wird. Von seinen Erfindungen hält Edison für die kulturell wichtigste das bewegliche Tonbild. Ueber seinen Leicht - Akkumulator äußerte er: Er ist aus Eisen- und Metollplat- ten zusammengesetzt und enthält als Flüssigkeit Pottasche und Wasser. Für die Elekris ie- rung der Eisenbahnen wird er meines Erachtens von großer Bedeutung sein. Er wird das Ziehen von Oberleitungen entbehrlich machen und dadurch natürlich die Anlegung von elektrischen Bahnen ungeheuer verbilligen.
Nurniner 248. 1. Jahrgang.
CMerMueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung ö Hessische Abendzeitung
WllhelmMßep'Tcheimuiffe
Noch ein paar Worte zum Marollohandel.
Aus Paris wird uns depeschiert: Nach den heutigen Preffe-Aeußerungen und Informationen zu schloßen, steht nunmehr die Beendigung der deutsch-französischen Unterhandlungen über Marokko bevor. Das „Echo de Paris" das während der Verhandlungen oft hetzte, schreibt heute: „Es ist möglich, daß bereits heute abend Minister de Sel- ves nach Berlin telegraphieren kann, das Einvernehmen sei erzielt ..."
Von einer Seite, die über die Vorgänge hinter den Kulissen des Marokko-Handels als zuverlässig unterrichtet gelten darf, wird uns zum bevorstehenden Abschluß der deutsch-französischen „Berständigungsaktion" geschrieben: Unser Auswärtiges Amt ist
wieder einmal in größter Sorge darum, alles, was es uns im Marokkohandel eingebrockt, durch die deutsche Presse als „Erfolg" verkünden zu lassen. „Nur keine Kritik an unserer Diplomatie! Die Front nach außen!" So werden wir belehrt und bekommen es tagtäglich zu hören, daß die öffentliche Meinung Deutschlands geschlossen hinter der Regierung stehen und ihre Taten mit Lob überhäufen müsse, damit die ausländischen Diplomaten einen entsprechenden Respekt vor den unseren bekommen. Man verschone uns doch endlich mit den alten Ammenmärchen, mit Lehren, die auf ganz andere Verhältnisse passen, nur nicht auf die unsrigen in dieser traurigen Gegenwart! Ja, wenn eine starke Regierung zielbewußt und energisch alles tut zur Wahrung deutscher Interessen, und entschlossen ist, auch vor den äußer st en Mitteln nicht zurückzuschrecken, dann kann sie verlangen, daß
das Volk geschloffen hinter ihr steht; und vaterländische Pflicht ist es, ihr zu folgen. Aber dieser Fall liegt ja gar nicht vor: Die Regierung selbst nimmt ja gar nicht die Front nach außen! Der kaiserlichen Politik begegnet das Malheur, die Anerkennung Bebels zu finden. Unsere Regierung steht kaum dort, wo die offizielle Sozialdemokratie steht. Das national empfindende deutsche Volk bis weit hinein in die Reihen sozialdemokratischer Wähler aber will sie ganz, ganz wo an- d e rs sehen. Es ist ja nicht wahr, daß die Regierung die Gefolgschaft des Volkes mit bet Front nach außen verlangt! Sie verlangt vielmehr, ouf fluchtartigem Rückzug begriffen, daß ihr das Volk wie ein Rudel Hasen voranlaufe und ihr Platz mache, so weit zurückzuweichen, wie Paris und London es nur irgend zu fordern für gut befinden. Ja wobl: Auf fluchtartigem Rückzüge! Es ist ein herber, ein sehr herber Vorwurf: aber wir können ihn nicht mildern. Vergegenwärtigen wir uns doch ganz einfach die nackten Tatsachen: Rechenschaft heischend für fortgesetzten Vertragsbruch, trat das Deutsche Reich, indem es den „Panther" nach Agadir entsandte,
als Fordernder an Frankreich heran. London runzelte mit der Stirn, und Paris (durch London ermutigt) pr § üi« einfach
Ko!swZsw, der Aeuc PreuttevMüüster.
(Eigene Drahtmeldung.)
Aus Petersburg wird uns depeschiert: Wie gestern abend in parlamentarischen Kreisen verlautete, ist der F i n a n z m i n i st e r Kokowzow bereits als Nachfolger Stolypins zum M i n i st e r p r ä s i d e n t e n ernannt worden. Minister des Innern wird K o m d a t t i, der bisherige General-Gouverneur des Amurgebietes. Der Gouverneur von Moskau soll anstelle des Generals Trepow zum General-Gouverneur von Kiew ernannt werden. Die auf Befehl des Zaren angeordnete strenge Untersuchung der politischen Polizei in Kiew wird durch Senator Trusse- witsch vorgenommen.
Thomas WsiM in Berlin. Edisons Urteil über Deutschland.
Der berühmte amerikanische Erfinder Thomas Alpha Edison ist gestern abend auf seiner Rundreise durch Europa in Berlin eingetroffen. In seiner Begleitung befinden sich seine Frau, seine unverheiratete Tochter und sein Sohn. Edison stieg in Berlin im Hotel Adlon ab und gewährte bald nach seiner Ankunft einigen Vertretern der Presse ein Interview, in dem er sich über seine in Deutschland gewonnenen Eindrücke aussprach. Ein Privattelegramm berichtet uns darüber:
Frau Schapiro.
Aus der Praxis einer Polizei-Affistentin.
Im Tempel der Gerechtigkeit wird wieder einmal über die Moral verhandelt, und wie immer, so scheint auch diesmal das Bild, das vor den Schranken des Gerichts in ganzer Breite aufgerollt wird, mehr Schatten als Licht zu offenbaren, mehr Plage als Wohltat, und mehr Aergernis als Segen. Die Stadt Mainz im Hessenland hat (dem Beispiel andrer Städte folgend) vor nicht langer Zeit ein« Polizei-Assistentin angestellt, um di« polizeilichen Funktionen im schwierigsten Dienstzweig: In der Sittenkontrolle, durch weiblichen Einfluß zu vermenschlichen. Ueber die Nützlichkeit dieses Strebens braucht nicht gerechtet zu werden: In zahlreichen Großstädten ist das Institut der Polizei-Assistentinnen seit Jahren eingeführt und hat sich im allgemeinen auch vortrefflich bewährt. Der Polizeiassistentin fällt die Aufgabe zu, die bet polizeilichen Aufsicht unterstehenden weiblichen Elemente zu überwachen, sich der Fürsorge für die sitttich gefährdete weibliche Jugend zu widmen und im amtlichen Verkehr diejenigen Funktionen auszuüben, die mit Rücksicht auf die ganze Eigenart der Situation weibliche Mithilfe und Vermittlung wünschenswert erscheinen lassen. Es läßt sich also nicht verkennen, daß das Amt der weiblichen Polizeigehilfinnen für die moderne Polizeiarbeit wertvoll ist und außerordentlich nützlich sein kann, wenn feine Inhaberin mit klugem Verständnis und warmer Nächstenliebe ihre Pflichten erfaßt und den ihrer Obhut Anbefohlenen mehr Beraterin als Aufseherin, mehr mitfühlende S ch w e st e r als schroffe Beamtin ist. Die Stadt Mainz entsprach also einer Forderung polizeilicher Humanität, als sie ihre Polizei durch die Zuhilfenahme des weiblichen Elem.ents ergänzte.
Es scheint indessen, daß man in Mainz über den Pflichtenkreis einer Polizeiaffistentin nicht ganz im Klaren gewesen ist, als man die Gattin des Chemikers Schapiro der städtischen Polizei als Gehilfin attachierte: Wie die Beweisaufnahme im gegenwärtigen Prozeß unzweideutig erwiesen hat, ist in der Tätigkeit der (noch recht jugendlichen) Beamtin ein beträchtlicher Uebereijer entwickelt worden, dessen gute Absicht nicht bestritten werden soll, dessen Wirkungen aber immerhin nicht unbedenklich erscheinen. Man scheint in Mainz der Ansicht gewesen zu sein, daß der Polizei-Assistentin in erster Linie das Tugendwächteramt zufalle und es ihr obliege, die Sittlichkeit der Mainzer Zeitgenossenschaft vor allen sichtbaren und unsichtbaren Gefahren zu behüten. Ohne Zweifel: Ein Amt der Art ist fast noch interessanter wie das Metier des Sherlock Holmes, und es kann 'nicht Wunder nehmen, daß die junge Dame, die man mit dieser delikaten Aufgabe betraute, in dem Bestreben, das in sie gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen, einen Eifer entwickelte, der zuweilen (wie die Beweisaufnahme im soeben verhandelten Prozeß erwiesen hat) die Grenzen des Zuträglichen und Erlaubten überschritt. Es erübrigt sich, aus den interessanten und in mancher Hinsicht überaus charakteristischen Verhandlungen des Mainzer Polizei - Prozesses Einzelheiten herauszugreifen; man sieht immer und überall dasselbe Bild, und man erkennt aus innerster Ueberzeugung, daß die Tugend mit der Polizei-Aufsicht imgrunde nicht das geringste zu tun hat.
Im „goldnen" Mainz sind die Erdenkinder sicher nicht schlimmer wie auch anderwärts unter der Sonne, und man hat deshalb mit einigem Staunen vernommen, daß die Polizei dort die zartesten Herzensregungen der ihrer Obhut Anvertrauten mit einer Aufmerksamkeit überwacht, die fast rührend wirkt, und deren lichter Idealismus nur dadurch etwas verdüstert wird, daß die Praxis dieter Tugend- wacht zuweilen unliebsame Konsc,uenzen im Gefolge hatte. Es läßt sich nichts dagegen sagen, daß die Polizei das Laster mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln bekämpft, im Gegenteil: Es ist ihre Pflicht, und wenn sie dieser Pflicht mit unnachsichtiger Strenge gerecht wird, dient sie der Allgemeinheit und dem Volksintereffe. Etwas andres ist's indessen, wenn in dem Bestreben, Unheil zu verhüten, noch größeres Unheil angerichtet wird und die polizeiliche Fürsorge zu einer Gefahr für Unbescholtne und Unbeteiligte wird. Die Wohltat gestaltet sich dann zur Plage, und die bürgerliche Rechtssicherheit erfordert es, dagegen mit aller Entschiedenheit zu protestieren. Rach Dem, was aus den Ergebnissen der Beweisaufnahme im Mainzer Polizeiprozeß bisher ersichtlich ist, scheint der Fehler im.Svü«« »u liegen: Man sollte von
Ein Krieg um Tripolis?
Italienische und türkische Rüstungen.
Die Meldung über die geplante Besetzung Tripolis durch Italien ist zwar von Rom aus mit Nachdruck dementiert worden, es scheint indessen, daß trotzdem Ereignisse von weittragendster Bedeutung sich vorbereiten und möglicherweise ernste Komplikationen zwischen Italien und der Türkei eintreten werden, die die Gefahr eines Krieges in nächste Nähe rücken. Die neuesten Depeschen aus Konstantinopel lassen keinen Zweifel darüber, daß man türkischerseits entschlossen ist, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln einer etwaigen Aktion Italiens entgegenzutreten. Ein Privattelegramm meldet aus:
Konstantinopel, 23. September.
In dem gestern spät abends aSgehaltenen außerordenflichen Ministerrat wurden wichtige, die Verteidigung Tripolis betreffende Entschlüsse gefaßt, über die indessen