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| - Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung__

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Liebenberg« GM

Der kraule Mann in der Ukermark.

L« Was zu erwarten stand: Zu den Mel­dungen über eine Wiederaufnahme des Eulenburg-Prozesses verlautet von informierter Seite": Fürst Eulen­burg ist seit drei Tagen bettlägerig. In feinem Zustand sind seit der letzten ärztlichen Untersuchung, die im April die­ses Jahres erfolgte, leine Aenderungen eingetreten. Nach wie vor sei er v e r - handlungsunfähig. Von einer Ter- minberaumung könne daher keine Rede sein.

Nach bald Jahresfrist wieder einmal eine Kunde aus Liebenberg: .Durchlaucht fühlt sich Wohler, und es ist die Möglichkeit zu erhoffen, daß zur Oktobermilte (oder auch etwas später) der Eulenburgprozeß in neuer Auflage verhandelt und endlich zum Abschluß gebracht werden kann!" Daß der eine Satz, trotz seiner lakonischen Kürze, überall da, wo der Name Philipp Eulenburg noch in der Erinnerung hastet, befremdliches Aufsehen erregte, kann nicht wundern, denn das .Idyll von Lieben­berg" ist der Zeitgenoffenschaft so vertraut ge­worden, daß jede unziemlich« und profane Stö­rung des seltsamen Stillebens fast wie ein Attentat auf den süßen Schlummer der Ge­rechtigkeit empfunden wird. Man hatte sich be­reits mit dem Gedanken abgefunden, daß übers Tor des Eulenburger Horsts hinaus weder der Arm des Verhängnisses noch der Bannstrahl weltlicher Verdammung zu reichen vermöge, und da in Wohltuend ausgedehnbsn Interval­len eine erneute Untersuchung des immer noch mit dem Verdachtsmakel schwerer Meineidfchuld Behafteten immer wieder feststellen konnte, daß der Fürst zu Eulenburg und Hertefeld weder verhandlungs- noch transportfähig sei, so war auch der Form nach der Gdr-chtigckeit Genüge geschehen und das Volksgewissen brauchte nicht zu stöhnen: Rach dem Willen der Strafprozeß­ordnung für das Deutsche Reich ist eine Fort­setzung der Hast unzulässig, wenn ihre weitere Dauer das Leben des der Zelle Ueberantwor- te:en unmittelbar gefährden würde. Philipp Eulenburg ist seit länger als zwei Jahmn enthaftet, und auch Zweifler werden bezeugen müssen, daß der .Hauch der Freiheit" dem gefürsteten .Dulder" zuträglicher gewesen ist, wie der engende Bann düstrer Kerker­mauern.

Im übrigen indessen ist Unruhe nicht von­nöten: Es geht mit dem Eulenburgprozeß wie mit den ewigen Kriegsgerüchten, die im Be­reich der Bierbank immer dann wieder auf- tauchen, wenn der Herbstwind rauh über die Stoppeln fährt und das Plauderbedürfnis lan­ger Abende selbst im Hirn der Einfalt einen Schimmer Münchhausen'schen Talents aufleuch- ten läßt. Daß hinter der hohen Schlotzmauer von Liebenberg nicht eitel Trauer wohnt, daß in seinen düstern Kammerwinkeln kein Tod­kranker um keines Daseins letztes Lebensfünk­chen ringt (seit Jahren ringt), ist uns von glaubwürdigen Zeugen oft genug erzählt wor­den; ebenso, daß vom Ukermärker Schloß die feinen Fäden kunstvoll gewobner Kabalen heut fast noch geschäftiger gesponnen werden wie «inst, da im glitzernden Tastlsaal der Ahnen Phili der Harfner des Herzens tiefstes Sehnen in schmelzenden Morden durch die Halle rau­schen ließ, und im Kreis der Tafelrunde Trou­badours süß-wonniges Rosenlie>d zu stummer Andacht mahnte. Das alles ist bekannt, wird auch der Behörde, die über die Sühne des im­mer noch ungeklärten und ungerochnen Mein­eids der Durchlaucht zu Wachen hat, nicht ver­borgen geblieben sein, hat indessen der Gerech­tigkeit nicht die bescheidenste Handhabe leihen können, den Sünder endlich zur Rechenschaft zu zichen: Fürst Philipp zu Eulenburg und Herte- feld ist seit dem Tag, da er im Hardenprozetz die Hand zum Schwur erhob, ein todkranker Mann, dessen Seele und Körper weder die Hast der Kerkerzelle, noch die Strapazen eines Sensationsprozesses überdauern würden. So ist's durch das Medizinalkollegium mit stierlicher Umständlichkeit fastgestellt worden, und die Gerechtigkeit hat vor der Menschlichkeit iveichen müssen. 1

Es ist noch nicht lange her, daß (unange­fochten) erzählt wurde, Schloß Liebenberg gleiche einer einzigen Fremden-Herberge: Wa­gen kämen und gingen. Abend um Abend feien ganze Saalfronten festlich hell erleuchtet und der Rollstuhl der kraüken Durchlaucht, den mit- ieidige Reugier früher Tag um Tag auf den Parkwegen schauen konnte, sei gänzlich aus dem sonst gewohnten Bild des Ukermärker Exils verschwunden. Im Heim'eines Schwerkranken, dessen qualvoller Lebensabend durch die leiseste Erregung bis zur Katastrophe verdüstert wer­

den kann, ist eine Betriebsamkeit der Art zum mindesten ungewöhnlich, und es ist angesichts der als verbürgt berichteten (bisher auch nicht bestrsttnen) Tatsache wohl die Frage erlaubt, ob der des Meineids wngeklagte, infolge seines Leidens aber fett Jahren verhandlungsun­fähige Schloßherr von Liebenberg von dem Geräusch fröhlichen Lebensgenusses und unge­trübtester Däfsinsfreude gänzlich unberührt bleibt, oder ob es sich inanbetracht der Gefahr, die jede leise Störung seiner Ruhe dem noch immer Angeklagten bringen kann, nicht doch empfehlen dürste, den in Liebenberg den auf­reibenden Strapazen des Gastgeberamts schutz­los Preisgegebnen der gesicherten Stille eines von geräuschvoller Lebensfreude weniger stark heimgssuchten Orts zuzustihren. Ein Mann, der nach Wereinsiimmendem ärztlichen Urteil die Aufregungen einer (von ihm selbst angeblich ersehnten) Prozeß-Verhandlung nicht ohne schwere Lebensgefährdung überdauern kann, sollte schon im Interesse der Gerech­tigkeit nicht schutzlos dem Wirbel nerven­marternder Geselligkeit überlassen bleiben!

Menschlichkeit ehrt auch die Gerechstgkeit, und man würde das eigenartige Schicksal des ukermärker Fürsten sicher wett weniger zum Gegenstand kritischer Erörterungen gemacht haben, wenn der hier beliebte Brauch im Machtbereich deutscher Justiz nicht so gänzlich ohne Beispiel wäre. Man würde es auch vor­behaltlos billigen dürfen, wenn die schöne Menschlichkeit, die im Fall des Fürsten zu Eulenburg und Hertsfeld so sichtbarlich« Tri­umphe gestiert hat (und noch feiert) allge­meiner, als es bisher geschehen, ihre Wohl­taten offenbaren und des Gesetzes stählerne Härte auch dort mitfühlend mildern würde, wo statt des Glanzes einer Fürstenkrone des Elends düstvrr Jammer im Staube liegt. Dem Willen des Gesetzes ist in aller Form Genüge geschehen: Der Angeklagte hinter den Schloß­mauern von Liebenberg ist nach ärztlichem Zeugnis bis heut vevhandlungSunfähig, und eine erneute Untersuchung wird vielleicht sest- stellen, daß in absehbarer Zett an eine Gesun­dung des seltsamen Mannes in der Ukermark bis zur Verhandlungsfähigkeit überhaupt nicht zu denken ist. Man würde diese Bot­schaft hören mit derselben verwunderten An­teilnahme, die man schon allen überraschenden Ereignissen imtgegengebracht Hai, an denen die­ser Prozeß gegen einen Fürsten im Lande Preußen so ungemein reich gewesen ist. -Daß es wirklich einmal vor den Schranken der Gerechtigkeit zu einer Wiederaufrollung des düstern Bildes Eulenburg'scher Schuld kommen wird, mag kein Kundiger glauben: Philipp Eulenburg ist krank, und wenn im Ukermärker Schloß auch längst die Trauer der Freude wich, die Fürst en eh re kann keine Heilkunst ret­ten. Und darum ist's vielleicht besser, daß der Schleier nie gelüstet wird, der die Sünden eines Gefallnen deckt ...! F. H.

Die Düsseldorfer Wahl.

Stichwahl zwischen Haberland und Friedrich.

Bei der gestrigen Reichstagsersatzwahl in Düsseldorf für den verstorbenen Zentrumsabgeordncten Dr. Kirsch erhiel­ten an Stimmen: Haberland (Soz.) 33 812, Dr. Friedrich (Ztr.) 29 076, Dr. Breitscheid (Dem. Bereinig.) 3510, Herkenrath (Kandidat der vereinigten Rechten) 3138 und Chociszewski (Pole) 271. Es hat demnach Stich­wahl zwischen Haberland und Friedrich zu erfolgen.

Zu den Aussichten der bevorstehenden Stichwahl depeschiert uns unser Düs­seldorfer Korrespondent: Seit drei­zehn Jahren war Amtsgerichtsrat Dr. Kirsch der Inhaber des Mandats. Er erhielt bei der letzten Hauptwahl im Jahre neunzehnhundert­sieben 29 259 Stimmen, während der sozial­demokratische Gegenkandidat 25 389 und ein nationalliberaler Mitbewerber 14 664 Stimmen bekamen. In der Stichwahl siegte dann Kirsch mit 33 317 Stimmen über den Sozial­demokraten, der nur 25 233 Stimmen erhalten hatte. Das jetzige Ergebnis hat das Stimm- Verhältnis zugunsten der Sozial­demokraten verschoben: Ihrem Kandida­ten Haberland ist anscheinend, obwohl der Vor­stand der Nationalliberalen, sowie der Freisin­nigen Volkspartei Wahlenthaltung verkündet hatten, aus dem liberalen Lager Un­ter st ützung zuteil geworden. Vergeblich haben die Demokraten durch eine lebhafte Agi­tation für Dr. Breitscheidt versucht, die libe­ralen Stimmen für sich zu gewinnen. Der Wcrbeerfolg war nur gering; indessen würden die demokratischen Stimmen ausrcichen, um in der Stichwahl dem sozialdemokratischen Kan­didaten, der ja vor seinen Mitbewerbern be­reits mehr als viertausend Stimmen voraus hat, den Sieg zu sichern, wenn es dem Zen­

trum nicht gelingen sollte, weitere Stimmen der bürgerlichen Parteien für sich zu gewin­nen. Ob dazu Möglichkeiten gegeben sind, läßt sich im Augenblick nicht beurteilen, nach Lage der parteipolitischen Verhältnisse im Wahlkreis ist indessen die Annahme berechtigt, daß die Sozialdemokraten große Aussicht ha­ben, das fett dreizehn Jahren ununterbrochen vom Zentrum innegehabte Düsseldorfer Reichs­tagsmandat für sich zu gewinnen.

An der Bahre Stolypins.

Kokowtzow als Nachfolger Stolypins

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Petersburg: Der Tod Stoly­pins hat auf das Zarenpaar, besonders auf die Zarin, einen erschütternden Eindruck ge­macht. Der Zar wollte anfangs der Beisetzung Stolypins beiwohnen, doch die hochgradige Nervosität der Zarin machte die schleu­nige Abreise nach Livadia notwendig. Die Haussuchungen in Petersburg dauern fort. Gestern haben sich zwei barmherzige Schwestern und ein Student, die miteinander verkehrten, vergiftet. Alle Drei sollen schwer kom­promittiert sein. In Petersburg gehen Gerüchte, General Kurlow, Chef der gesam­ten Gendarmerie und Staatspolizei, habe sich in Kiew erschossen. Weitere Privattele­gramme melden uns: .

t Petersburg, 20. September.

In allen Aemtern, Schulen und Theatern wurde gestern beim Bekanntwerden der To­desnachricht die Tätigkeit eingestellt. Stoly­pin liegt bekleidet mit einer Weißen Uniform im Sarge. Heute früh kommen seine Kin­der nach Kiew. Nach dem letzten Willen Stolypins wird die Beisetzung auf dem Kiewer Pctschersk-Friedhof am Freitag statt­finden. Heute nachmittag wird die Leiche vom Krankenhause nach der Lawra-Kirche über­führt. Es wird jetzt bekannt, daß Stolypin in Gegenwart seiner Gemahlin zu den Aerz- sagte:Lassen Sie meine Her­ren', ich werde dies doch nicht über­leben!" In Petersburger politischen Krei­sen geht übrigens das Gerücht, daß sich der Mörder Stolypins unter dem Namen Efim längere Zett in Paris und Berlin aufgehalten habe, wo er revolutionäre Agi­tation betrieb. Er wandte sich dann nach Kiew, wo er seine Tätigkett fortsetzte. Bagrow soll sogar soweit gegangen sein, dem Bischof seine Dienste anzubieten. Der Bruder Ba­grows, der bekannte Odessaer Psychiater glei­chen Namens, ist gestem ebenfalls verhaftet worden. Das Arbeitszimmer Stolypins im Ministerium des Innern ist gestern ver­siegelt worden. Die Wiedereröffnung wird durch eine, vom Zaren noch zu ernennende hö­here Persönlichkeit stättfinden.

*

Kokowtzow, der kommende Mann.

(Privat-Telegram m.)

Wie uns weiter aus Petersburg berichtet wird, weiß die dortige Börsenzeitung aufgrund zuverlässiger Informationen zu melden, daß die Ernennung des Finanzministcrs K o - ko wtzo w zum Premierminister sicher sei. Die Ernennung werde vom Zaren aus der Krim bestätigt werden. Die Blätter fügen dieser Meldung hinzu, daß die Berufung Ko- kowtzows zum Ministerpräsidenten in der Po­litik nichts ändern werde. In politischen Kreisen ist man übrigens der Ansicht, daß das Ableben Stolypins auch den Rücktritt Sfaf- s o n o w s, des Ministers des Aeutzern, mit sich führen wird. Man geht dabei von dem Gedanken aus, daß Stolypin nicht nur der Schwager, sondern auch die Stütze Sspffa- nows gewesen fei.

Spanien vor der Katastrophe.

Das ganze Land unter Kriegszustand!

Depeschen aus Madrid zufolge hat sich in­folge der Erklärung des Generalstreikes die Regierung entschlossen, den Kriegszu - st and über ganz Spanien zu verhän­gen. Der König hat das Dekret bereits unter­zeichnet. Der Generalstreik soll bereits heute beginnen. Da auch die Eisenbahner planen, sich an dem Streik beteiligen zu wol­len, so würde der Verkehr falls die Regierung ihn nicht aus andere Weise zu erhalten in der Lage ist, vollständig aufhören. Die Lage in Valencia nimmt ein immer ernsteres Aussehen an. Die Regierung hat den Belagerungs­zustand über die Stadt verhängt. Fortwäh­rend kommt es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Polizei, Truppen und Aufständischen. Die Zensur wird mit drakonischer Strenge ge­handhabt. Inzwischen ist in Cullera bereits der offene Aufruhr ausgebrochen. Ein Privat-Telegramm berichtet uns dar­über:

§ Madrid, 20. Septmber.

Einer Meldung aus Valencia zufolge ent­stand gestern in C u l l e r a Aufruhr. Die

Revolutionäre benutzten die Abwesenheit der zum größten Teil nach Valencia abgegangenen Gendarmerie, zerstörten die Eisen­bahnlinie, drangen in das Gemeindehaus ein und töteten den dort anwesenden Frie­densrichter und den Gemeindevorsteher. Der Gemeindesekrctär wurde schwer verwun­det. Die vom Bürgermeister herbeigerufenen Zollbeamten kamen zu spät, um die Bedrohten zu retten. Es gelang ihnen aber schließlich, die Aufrührer auseinander zu treiben und die Ruhe wieder herzustellen.

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Die Flammeuzeiche« der Revolution.

(Eigene Drahtmeldung.)

Wie uns aus Madrid berichtet wird, begab sich Ministerpräsident Canalejas gestern abend zum König, um ihm über die Streiklage Bericht zu erstatten. Etwa dreitau- fen Meuterer durchstreifen die Gegend von Va­lencia, um die benachbarten Städte zu zwin­gen, die Republik zu proklamieren. Sie befinden sich augenblicklich auf dem Wege nach Jativa und Alcoy. Offiziellen Nachrich­ten zufolge sollen in Bilbao gestern zahlrei­che Verhaftungen stattgefunden haben. In Sevilla wurden schwere Sabotage­akte vollführt. Meldungen aus Valencia be­sagen, daß die Truppen die Städte Alcira und Cullera besetzt haben. In Alcira steckte die Volksmenge mehrere Häuser, darunter ein Kloster in Brand. Dagegen haben die Streikenden in Valencia beschlossen, di« Arbeit sofort wieder aufzunehmen, umnicht in den Verdacht zu geraten, daß sie mit den Anar­chisten gemeinsame Sache inatWcn. Unge­fähr dreißig Personen, die in der Gegend von Valencia zu einer anarchistischen Versamm­lung zusammen gekommen waren, wurden verhaftet. Aus Carcagonte liegen keine Nachrichten vor, ba dort die Tetegraphen- drähte durchschnitten sind.

Irr Mord in Rothenditmold.

Auf der Spur des Raubmörders?

Die furchtbare Bluttat im Stadttefl Rothenditmold, über die wir bereits ge­stern berichtet haben, ist immer noch unaufge­klärt und es ist bisher auch, trotz der eifrigen Bemühungen der Kriminalpolizei, nicht ge­lungen, sichere Anhaltspunkte über die Persön­lichkeit des Täters zu gewinnen. Da zwischen der Zeit der Ausführung des Verbrechens und der Entdeckung der Bluttat eine Zeit von min­destens drei Stunden lag, hat der Mörder einen weiten Vorsprung gewonnen, und es dürfte ihm gelungen sein, aus der nähern Um­gebung des Tatorts zu entkommen. Leider hat der gestern an die Stätte des Verbrechens mit­genommene Polizeihund versagt, und so ist die Polizei in der Verfolgung des Mörders auf diejenigen Anhaltspunkte angewiesen, die sich aus der Inaugenscheinnahme des Schauplatzes des Verbrechens ergeben haben.

Gestern abend und heute früh waren in der Stadt Gerüchte verbreitet, nach denen in der Mordaffäre bereits Verhaftun­gen von Verdächtigen stattgefunden haben sollten. Wie wir von zuständiger Stelle hören, treffen diese Gerüchte nicht zu; irgend eine Verhaftung in dieser An­gelegenheit ist bisher nicht erfolgt; auch hat sich noch nicht ermitteln lassen, wer als Täter etwa in Frage kommen kann. Die Polizei verfolgt indeffen seit gestern abend eine neue Spur, die auf den (bereits gestern von uns mitgeteilten) Verdacht gegen einen Handwerksbur­schen hinweist. Der Verdächtige ist zwar noch nicht ermittelt, doch hofft die Polizei, seinen Aufenthalt noch im Laufe des heutigen Tages feststellen zu können. Eine andere Spur, die nach Cassel wies, ist inzwischen als irrig wieder aufge­geben worden.

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Die Besichtigung der Mordstelle und die Untersuchung der Leiche haben ergeben, daß Frau Müller mit dem Verbrecher verzweifelt gekämpft har, bevor es ihm gelang, sein Opfer zu überwältigen und niederzuschlagen. Die Aussührung des Mordes läßt darauf schließen, daß der Verbrecher die Wohnung der Eheleute Müller betreten hat, als die unglück­liche Frau für einige Augenblicke die Küche ver­lassen hatte, um im Keller Feuerung sma- t e r i a l zu holen. Da ihre Abwesenheit nur einige Augenblicke dauern würde, liefe Frau Müller den Schlüssel zur Vorplayrur im Schloß stecken, wie sie es auch früher zu tun gewöhnt gewesen war. Das wurde 101 zum Verhängnis: Der Mörder har jedenfalls den Augenblick abgepafet, in dem Frau Müller ihre Wohnung verliefe, ist dank in die unverschlossene Wohnung eingedrungen und hat sich hinter der Küchentür versteckt, wo