Nr. 844. — L Jahrgang.
Casseler Neueste Nachrichten
Mittwoch. 20. September 1911.
MWigeMMi iimWlO Seiten.
Briefher. den Rotstift, den Rot- ft i f t!" Die Haltung Stolypins, nachdem er die tödliche Wunde empfangen hatte, erregt auch in den Kreisen seiner Feinde aufrichtige Bewunderung. EristalseinHeld gestorben! Aitt diese Tonart find die Nachrufe gestimmt, die dem Verstorbenen heute in der
Rom, 19. September. (Privat-Tele- gramm.) Die Antiklerikalen bereiten für den
Presse gewidmet werden. Die Meisten Blätter erscheinen heute mit Trauerrand. Der Zar ist von Tschcrnigow nach hier zurückgekehrt und hat sich sofort an das Sterbelager Stolypins begeben.
△ Die Maul- und Klauenseuche. Unter dem Viehbestände der in der Schlachthofstraße Nr. 34 etablierten Firma Stricker & Vogel ist Nestern die Maul- und Klauenseuche ausge- brochcn.
A Kleine Tageschronik. Gestern fiel dem bei einer hiesigen Firma angestellten Arbeiter Herwig eine schwere K i st e auf den Fuß. Der Verunglückte erlitt einen komplizierten KnöÄel- bruch. — Beim Verladen von Eisenteilen fiel in einer hiesigen Fabrik einem Arbeiter ein Eisenblock so unglücklich auf den Kopf, daß er einen Schädelbruch davontrug. — In einem Papicrwarengeschäft der oberen Königsstraße wurde ein schwerer Einbruch verübt. Dem Dieb fiel außer einer Anzahl Verkaufsartikel die Ladenkasse in die Hände. — In der Franksurterstraße wurde heute morgen eine Frau von vier Burschen in unverschämter Weise belästigt. Es gelang der Polizei, die Uebeltä- ter zu verhaften. — Im Belvedere-Re- staurant findet morgen Mittwoch ein Kinderfest mit den verschiedenartigsten Volksbelustigungen statt.
A Union-Theater. Im Union-Theater erregt das Mima-Drama .Der schwarze Traum" größtes Interesse.
A Das Wetter am Mittwoch. Der amtliche Wetterbericht sagt für Mittwoch für Hessen-Nassau folgende Witterung voraus: Veränderliche Bewölkung, mäßig kühle westliche Winde, nur strichweise leichte Regenfälle.
Ser neue Spielplan in den KaisersSlen.
Ein recht munteres Künstlcrvölkchcn hat die Direktion der Kaisersäle für die zweite Septemberhälfte wieder zu gewinnen gewußt. Mit tollen Scherzen sind sie eingezogen in den Theatersaal an der Bahnhofsstraße und haben dem Publikum ihrer Premiere ein paar heitere vergnügte Stunden bereitet. Vor allen ist's wohl der Musikimitator Ernst Fredv. der die Ausmcrksamkeit der Zuschauer und -Hörer au sich lenkt. Wirklich erstaunlich ist seine Kunst. Wie er die Kapelle bei dem böhmischen Leichenkondukt nachahmte und hernach das Terzett aus der italienischen Oper sang, war einfach tvundervoll. Wahre Lachsalven ernteten auch die beiden Exzentriker Red und Beet mit ihr?u urkomischen Verwandlungsakten. Die vbrigen Kräfte taten gleichfalls ihr Bestes. Sehr niedlich und kokett präsentieren sich die drei Schwestern Hallowah mit ihren Gesängen und Tänzen, und nur die Liedersängcrin Ina Viocella, eine sehr schicke und elegante Erscheinung scheint ein wenig zu melancholisch in all dem lustigen Treiben. Nun, vielleicht war das nur am ersten Abend der Fall und die folgenden zeigen sie uns bei ebenso guter Laune wie ihre Künstler-Gefährten und -Gefährtinnen.
Einen sehr gewandten und schneidigen Humoristen hat sich die Direttion in Willy Mci- brhk gesichert, der mit immer neuen Impromptus das Publikum zu immer neuen Lachsalven hin- nifst und deswegen immer noch einen Scherz zugeben muß. Sehr niedlich machte sich auch Dorys Lumpenmalakt: aus einigen Zcugfetzen läßt der Künstler das bekannte Bild „Die Aehrcnleserinnen" entstehen. Unter den Akrobaten des Ensembles ragen die Grönländer hervor, die nur in ihren Kostümen und der unmöglichen Landschaft ein wenig grotesk wirken. Große Kraft und Gewandtheit zeigen die drei Gillis, nicht zum wenigsten die Dame, nnd äußerst geschickt führt die eine der Schwestern Therestta ihre Kunst am Drahtseil vor Augen. Zur Unterhaltung fehlt es daneben nicht an neuen musikalischen Darbietungen, und Droese's optische Berichterstattung bringt gleichfalls zwei neue interessante Films. Das zahlreiche Publikum schien sich ausgezeichnet zu unterhalten und kargte nicht mit seinem Beifall.
V e t e r s bu r g, 19. September. « (Pri - Vat-Telegramm.) Obwohl der Tod Stolypins gestern stündlich erwartet wurde, rief die Nachricht von dem Ableben Stolypins überall größte Erregung hervor. Am stärksten gingen die Wogen der Erregung in Kiew. Eine unabsehbare Menschenmenge stand lautlos und unbeweglich vor dem Krankenhaus, in dem Stolypin sein Leben aushauchte. Als die Nachricht von seinem Tode bekannt wurde, entblößte die Menge feierlich ihr Haupt.
fahren haben würden, sei für die Stellungnahme der deutschen .Genossen" maßgebend gewesen. Der Vorttag wurde mit Beifall ausgenommen.
A Eine Mitternachtsversammlung der Cas- feiet Kellner. Die vom »Verein Casseler Kellner" gestern abend in den großen Saal der »Stadt Stockholm" einberufene öffentliche Versammlung der Angestellten des Gastwirts- gewerbes war von etwa zweihundert Personen besucht. Auf der Tagesordnung stand ein Referat des Herrn A. Schaar aus Hannover. über »Die Notwendigkeit des paritättschen Arbeitsnachweises für Cassel". An das sehr beifällig aufgenommene Referat schloß sich eine Diskussion, nach der folgende Resolution einstimmig zur Annahme gelangte:
Der ReichSbank-Diskont erhöht!
Berlin, 19. September. (Privat
Freisprechung seines Mandanten, da ihm seines Erachtens keine strafrechtliche Schuld zur Last gelegt werden könne. Rechsanwalt Dr. Weber bat um eine mildere Bestrafung des Angeklagten Boleg. Nach längerer Beratung wird der Angeklagte Windrath freigesvro- ch en, Boleg zu einer Geldstrafe von sieben- hundettsünfzig Mark und einem Teil der Pro- zeßkostcn verurteilt.
A Ortsgruppe Cassel des ReichsverbandeS gegen die Sozialdemokratie. Die hiesige Ortsgruppe des Reichsverbandes gegen die Sozial- demokratte hielt (wie man uns schreibt) am letzten Sonnabend eine gut besuchte Vorstandssitzung ab. Der Vorsitzende, General bc'r Infanterie z. D. von der Boeck, eröffnete sie mit begrüßenden Worten. Er sprach die Hoffnung aus, daß alle Herren des Vorstandes gewillt sein werden, nach der Sommerpause mit friilben Kräften an die Arbeit zu geben. Angesichts der bevorstehenden Reichstagswahlen würden ohne Zweifel große Anforderungen an die Arbeitsfreudigkeit gestellt werden. Die Verbitterung, die sich seit den Kämpfen um die Reichsfinanzreform in vielen Kreisen des deutschen Bürgertums gezeigt habe, beginne erfreulicherweise nachzulassen, ja, man habe sogar aus Anlaß der Marokkofraae von allen Seiten herzerfrischende nationale Töne gehört, als es schien, daß die Ehre unseres Vaterlandes angegriffen werden könnte. — Als Verbaudsbe- vollmächtigter für Hessen-Nassau und Waldeck machte Erzellenz von der Boeck dann Mitteilung von bet bevorstehenden Provinzial- ausfchußsitzung und Delegiertenversammlung in Marburg, zu der sämtliche Ortsgruppen und Sammelstellen des Reichsverbandes in Hessen- Nassau und Waldeck eingeladen worden sind. Ferner unterbreitete er den Anwesenden das Programm für die Winterarbeit der Ortsgruppe Cassel. Am 6. Oktober beginne wiederum ein nationalökonomisch-politischer Ausbildungskursus, der sich aus elf Vortragsabende erstrecke. Des weiteren stellte der Vorsitzende die geplanten Familienunterbaltungsabende zur Besprechung und behielt sich vor, aus die Veranstaltung von Versammlungen zurückzu- kommen, sobald der Termin der Reichstags- Wahlen festgesetzt sei. — Nach Erledigung verschiedener interner Vereinsangelegenheiten hielt Generalsekretär Langeheine einen Vortrag über „Die Marokkofrage und die So-
Die heute in der .Stadt Stockholm" ab- gehaltene öffentliche Versammlung der Angestellten im Gastwittsgewerbe bedauett auf das Lebhafteste, daß die bislang gepflogenen Verhandlungen zwecks Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises zu keinem Resultat gefühtt haben. Die Versammlung richtet nochmals an die Stadtverwaltung die dringende Bitte, zwecks Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises für das Gastwirtsgewerbe mit den Arbeitgebern Arbeitnehmern in Verbindung» zu treten.
A Eisenbahnpersonalien. Ernannt: Regierungsbaumeister Pommerehne von Görlitz zum Vorstand des Königlichen Eisenbahnbetriebsamtes 2 in Cassel für den am 1. November 1911 in den Ruhestand tretenden Geheimen Baurat Vockmaun. Versetzt wurde Oberschasfuer Andr6 von Cassel-O. nach Göttingen.
Petersburg, 19. September. kVri - vat - Telegramm.) Der Chef der Kiewer Geheimpolizei. Kuljabkow, durch dessen Schuld das Attentat auf Stolypin erst ermöglicht wurde, ift abgesetzr worden Der Gnu- verneur von Kiew, v o n G i e r s, hat demissioniert. Es stebt nunmehr fest, daß der Mörder Bagrow auch die Pistole, mit der er das Attentat verübte, von dem P o l i z e i ch e f von Kiew erhalten hat. Die Quittung darüber befindet sich in den Polizeiakten. Es ist ferner ermittelt, daß Bagrow von der Polizei regelmäßig ein Monatsgehalt von 185 Rubeln bezogen hat.
Der zwanzigste September in Rom. A
nen". Schlossermeister Dietz- Weilar (Rhön) referiert über: .Das deutsche Handwerk und seine Zukunft". Außerdem soll ein Beschluß über das Vorgehen bei der nächsten Reichstagswahl gefaßt werden. Die Versammlung veffpricht äußerst interessant zu werden.
A Eine schwere Benzinexplosion. Zwei Arbeiter der Firma Beck u. Henkel, die in einem Schacht an einem Neubau der Opernstraße beschäftigt sind, hatten gestern abend in einem Schacht eine Benzinlampe stehen lassen. Die Lampe war undicht und der Inhalt ergoß sich auf den Boden. Als nun die beiden Arbeiter heute morgen ihre Arbeit wieder beginnen und die Lampe anzünden wollten, erfolgte eine ziemlich heftige Explosion. Durch die emporschlagenden Flammen wurden beide Arbeiter im Gesicht und an den Händen erheblich verletzt. Nach Anlegung von Verbänden konnten sich die Verletzten in ihre Wohnung begeben.
A Die kommenden „Architekten-Kammern". Wie uns aus Berlin berichtet wird, ist aus Initiative des Bundes deutscher Architekten ein Gesetzentwurf über die Errichtung von A r- chitekten - Kammern ausgearbeitet worden, über den bereits mit der zuständigen Stelle die Verhandlungen gepfloaen werden. In dem Gesetzentwurf ist in erster Reihe der Schutz des Titels „Architekt" vorgesehen. Ferner wird darin gefordert eine Erschwerung des Bauens für Nichtkammermit- glieder. Schutz gegen Ausbeutung, Errichtung von Ehrengerichten zum Schutz gegen unlauteren Wettbewerb, Einfluß der Architektenschaft auf die Gestaltung des Straßen- und Land- schaftSbildcs und endlich eine Verbesserung
zialdemokratie". Nach einem kurzen Ueberblick über die Entwicklung der gegenwärttgen Ma- . „o ~ .. „
rokkokrise beleuchtete er das Verhalten her, ~ 19- September,
deutschen Sozialdemokratie. Die Furcht vor -clegrarnrn.) Die Reichsbank erhöhte einem kräftiaen nationalen Imvuls, den dasI{,cute den Diskont auf 5 Prozent, den deutsche Volk durch einen Krieg empfangen I Lombardenzinsfuß auf 6 Prozent. Die könnte, und durch den die sozialdemokratischen heutige Börse hatte mit der Erhöhung bereits Parteiinteressen eine erhebliche Einbuße er- • gerechnet, die in der beutiaen Sitzung des
Schulausstellung statt, wie sie Cassel wohl noch nicht gesehen hat. Sie umfaßt Lehrmittel, Jugendschrifttn und Naturwissenschaft-
Der Todeskampf Stolypins trat gestern abend gegen sechs Uhr ein. Die unmittel- bahre Todesursache war Herzlähmung. Stolypin war in den letzten Stunden nur noch durch künstliche Mittel am Leben erhalten worden. Eine halbe Stunde vor seinem Tode erhielt er für einen Augenblick die Besinnung zurück. Er bat, das Zimmer hell zu erleuchten und lächelte seiner Familie freundlich zu. Tann begann et wieder zusamenhanglos zu reden. Er rief wiederholt _ aus: „Nehmt den Brief, gebt den I morgigen zwanzigsten September, den vierzigsten Jahrestag der Einnahme Roms, große
Neichsbank-Ausschuffes beschlossen wurde. Für morgen oder zum Wochenschluß toirb auf eine Diskont-Erhöhung der Bank von Eng. land erwartet.
Gift im Schabefleisch?
Berlin, 19. September. (Privattele« Stamm.) Eine am Grünen Weg wohnende Waschfrau, deren Sohn und Tochter, sowie der Bräutigam der Tochter und zwei Schlafburschen, sind nach dem Genuß von Schabefleisch schwer erkrantt. Drei der Erkrankten mußten heute vormittag inS Krankenhaus gebracht werden.
Intermezzo bei der Fahnenweihe.
Breslau, 19. September. (Privat-
Telegram in.) Bei der Fahnenweihe des katholischen Jugendvcreins in Königshütte wurde gestern abend von Dilettanten „Das vierte Gebot" aufgeführt. Während bei Vorstellung hatte ein Darsteller Schüsse abzugeben, bediente sich aber sonderbarer Weise eines scharfgeladenen Revolvers, den er in der Richtung des Platzes, auf dem die Musikkapelle saß, abfeuerte. Dabei erhielt ein Musikant einen Schutz in den Kopf. Die Vorstellung wurde sofort abgebrochen. An dem Aufkommen des Verletzten wird gezweifelt.
Die Oderbrückc in Flammen!
Schwedt (a. Oder), 19. September. (Pri - vat-Telegramm.) In bet vergangenen Nackt brannte hier die 272 Meter lange Ob erdrücke zur Hälfte nieder. Auch die daneben
liegende Badeanstalt wurde ein Raub der Flammen. Man vermutet Brandstiftung.
Aber, Herr Graf ...!
Bielitz (Schlesien), 19. September. (Pri- vattelegramm.) Kurz nach seiner Ankunft aus London wurde in einem hiesigen Hotel der bayerische GrafMaximilianMont- gelas verhaftet. Die Festnahme erfolgte auf Anzeige eines Grafen aus Pofen, der den bayerischen Grafen beschuldigt, ihn durch Falsch- spiel um vierzigtausend Kronen betrogen zu haben. Man bringt diese Angelegenheit auch mit der Wolff-Metternich-Affäre in Zusammenhang.
Auch Innsbruck demonstriert!
Innsbruck, 19. September. (Privat- telegramm.) Die hiesigen Sozialdemokraten veranstalten morgen eine Protestversammlung gegen die Lebensmittelteuerung. Da hierzu eine Massenversammlung auch nicht organisierter Leute zu erwarten ist, hat die Behörde umfangreiche Maßnahmen veranlaßt, die etwaige Unruhen verhindern sollen. Ein starkes Militärausgebot wird bereit gehalten.
Die Schmuggler im Auto.
Roubaix (Frankreich). 19. September.
Privat - Telegramm.) Gestern ist es den Zollbeamten gelungen, das Automo - b i l, mit dem in letzter Zeit große Posten Tabak, Spitzen und dergleichen aus Belgien eingeschmuggelt wurden, zu beschlagnahmen. Die Zollbeamten hatten beim Herrannahen des Autos mehrere Heuwagen guer über die Straße gestellt. Das Auto rannte mit solcher Heftigkeit gegen die Wagen, daß die beiden Insassen sechs Meter weit aus dem Wagen geschleudert wurden. Einer von ihnen wurde schwer verletzt und konnte verhaftet werden; dem anderen gelang es, zu entfliehen. Das Automobil enthielt Waren im Werte von zwanzigtausend Francs.
Ein neues „Fort Chabrol".
Paris, 19. September. (Privattelegramm.) Wie aus Marseille berichtet wird, hat die Polizei die Wohnung des Gärtners S o c o m a n, der sich in seinem Hause verbarrikadiert hatte, nachdem er vorher drei Personen durch Gewehrschüsse verletzt hatte, umzingelt und gestürmt. Während dieses Vorganges hatte Socoman noch zweiPolizei- Agenten durch Schüsse schwer verletzt. Bevor die Polizeiagenten an ihn herankamen, jagte et sich eine Kugel in den Kops und war sofort tot.
Letzte Telegramme.
(Noch Schluß der Redaktion eingegangen.)
An der Vahre Stolypins.
(Eigene Drahtmeldung.)
L Petersburg, 19. September.
Der Casseler Lehrergefangverein Wird ein Konzert veranstalten, und an zwei anderen Abenden findet je ein Kommers statt. Das Festprogramm bringt an Vorttägen: „Die hes. fische Senke und ihre östliche Umrahmung" Re- ferent Dr. Schneider, Kustos der Königlichen Geologischen Landesanstalt zu Berlin), „Die rechtliche Stellung des Lehrers im Staa:: und in der Gemeinde" (Referent Lehrer Kim- p e I • Cassel) und „Die Arbeitsschule" (Referent Lehrer Lepper-Cassel). Am dritten Tage der Hauptversammlung findet eine Vertreterversammlung statt, an der die Delegierten der einzelnen Bezirksvereine teilnehmen, und in welcher wichtige Anträge über Vereinsangelegenheiten zur Verhandlung kommen, -m-
imd Beschwerung des Wettbewerbwesens. Die Frag-- der Schaffung von Architektenkaminern wurde ans dem Verbandstage 1909 des Bundes deutscher Architekten nnd darauf von ihm gemeinsam mit der Vereinigung Berliner Architekten und dem Berliner Rrchitektenverein ein Gesetzentwurf ansgearbeitet, der als Grundlage der weiteren Verhandlungen dienen soll.
A Abgejagte Diebesbeutc. Heute morgen gegen neun Ufir wurde eine bessere Dame auf der „Schönen Aussicht" von einem entlaufenen Fürsorgezöaling angefallen und ihr die Handtasche entrissen. Ter Dieb nahm dann schleunigst Reißaus. Er flüchtete die Theatertreppen hinunter in die Aue, wo er vor dem Marmor- bad stürzte. Er fbrang jedoch wieder auf und setzte die Flucht fort. Ein Trainsoldat stellte sich ihm in den Wea. Die Gefahr erkennend, warf er diesem die Tasche vor die Füße. Leider gelang es nicht, des Täters habhaft zu werden.
A Was bringt bas Metrovoltheater? Von besonderer Wirkung und Zugkraft ist das drei- aktige Drama „Der Schandfleck". Die Vorführungsdauer dieses Filmes ist fast eine Stunde. Weiter gelangen abwechselnd noch humoristische und aktuelle Tonbilder zur Vorführung.
A Ein interessanter Prozeß. In der weiteren Verhandlung der gestrigen Straskammer- sitznng gegen Windrath und Boleg wegen un- nuteren Wettbewerbs werden noch mehrere Briese verlesen, die zum Teil ziemlich belastendes Material gegen Boleg zu Tage fördern. Der Staatsanwalt erachtet die Handlungs- luctfe beider Angeklagten für unfair, besonders sei aber das Verhalten des Boleg verwerflich. da er von einer Firma, in deren Dienst er stand, geschäftliche Mitteilungen preisgab. Er beantragt, beiden Angeklagten eine Geldstrafe von je tausend Mark und die Kosten des ersten Verfahrens anfznerleaen; Windrath außerdem zu den Kosten der Revisionsinstanz und der heutige Verhandlung zu verurteilen. Der Vertreter des Direktors Windrath plädierte auf
A Die neuen Kasernements in Niederzwehren. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, stehen die Verhandlungen zwischen den zuständigen amtlichen Stellen über die geplante Errichtung der neuen Kasernements in Niederzwehren dicht vor dem Abschluß, und an ihrem befriedigenden Ausgang kann nicht mehr gezweifelt werden. Nach den bestehenden Plänen (die bereits die Billigung der beteiligten Körperschaften gefunden haben) werden die neuen Kasernements in der Gemarkung Niederzwehren auf den Grundstücken südlich des Mühlenwegs errichtet. Die Kaserne, in der bekanntlich ein F u ß a r t i l l e r i e-N e g i - ment untergebracht werden soll, erhält eine besondere Zufahrtsstraße, die über eine neu anzulegende Brücke führen wird. Die Gemeinde Niederzwehren leistet zu dem Bau der Brücke einen Zuschuß von Hunderttaufe n d M a r k, und für den Fall, daß sich Stadt- und Landkreis Cassel ebenfalls an dem Brük- kenbau beteiligen (was als wahrscheinlich gelten darf) soll die Brücke in entsprechend verbreiterter Form angelegt werden. Gleichzeitig mit der Erbauung der Kasernements wird aus dem G e i s b e r g mit der Anlage eines Uebungsplatzes für das Fußartillerie- Regiment begonnen werden, der hundert Acker umfassen und nördlich von der Main-Weser- Bahn angelegt werden wird. Der jetzige Mühlenweg in Niederzwehren soll nach der Fertigstellung des Kasernen-Neubaues bis zu den Kasernements fluchtlinien-planmäßig a u s g e - baut werden.
A Ter Leichenfund bei Wolfsanger. Heute borgen wurde nahe der Wolfsanger Schleuse tn der Fulda die Leiche eines älteren Mannes «eländet. Wie sich jetzt herausstellt. ist der Tote mit dem vermißten Invaliden Chr. Schwenke aus Cassel identifch, dessen Kleider, wie wir 'm provinziellen Teile der vorliegenden Nummer melden, am Ufer aufaefunden wurden. Ter Ertrunkene war mit einer grautarierten rofe und einem blaugestreiften Hemd bekleidet. Die übrigen Kleidungsstücke wurden am jenseitigen Ufer aufgefunden. Die Leiche des Ertrunkenen wurde nach Sandershausen gebracht.
v A Der Handwerkertag. An die gesamten Handwerker von Hessen und Waldeck ist eine Einladung zu dem am ersten Oktober stattsin- benben hessischen Handwerkertag ergangen, wozu die Obmänner, Wahlkreis- und Bezirksvorsitzenden aufgeforbert sind, zwecks wichtiger Besprechungen eine Stunde früher zu erscheinen. Auch für die nicht erschienenen t-rtsgruppen sind die von der Versammlung gefaßten Beschlüsse verbindlich. Die Versamm- mng findet im großen Saale der „Stadt Stockholm" statt. Auf der Tagesordnung stehen verschiedene interessante Vorttäge, unter anderen spricht Malermeister L. Martin-Alsfeld iOberhessen) über: „Das Handwerk und die Nächste Reichstagswahl", und „Ter Bund der Handwerker und die Handwerksoraanisatio-
Kundgebungen vor. Zahlreiche Vereine sind bereits von auswärts eingetroffen. Der „Osservatore Romano", das Organ beS Vatikans, erhebt lebhaften Einfpruch gegen die Begehung des Jahrestages. .
Sizilien im Hagelsturm.
Rom, 19. September. (Privat-Tele- gramm.) Ein furchtbares Hagelunwetter ist gestern über Catania in Sizilien niedergegangen. Der Hagel hat den größten Teil der Weinernte vernichtet. Der Schaden wird auf zwei Millionen Mark gefchätzt. Man befürchtet, daß auch einige Menfchen dem furchtbaren Unwetter zum Opfer gefallen sind, „Zwanzigstes Jahrhundert . . .!"
Mailand, 19. September. (PriVat- Telegramm.) Bei Umberti.be, in bet Nähe von Pernvia ftanb eine alte Frau in dem Rufe der Hexerei. Die abergläubifchen Bauern beschlossen baher. sie aus ber Welt zu f(baffen. Sie haben bie Frau, wie bie Untersuchung ergab, in ei nem Kalkofen bei lebendigem Leibe öerbrannt. Die Polizei ift auf bet Spur ber Missetäter.
Feuer an Bord.
Antwerpen, 19. September. (Privat- Telegramm.) Auf dem Dampfer „Lüt - z o w" ist gestern Feuer ausgebrochen, wodurch das Schiff teilweife zerstört wurde. Das Schiff mußte in den Haftn geschleppt werden, weil bas Feuer auch bie übrigen Schisse bebrohte. Der angerichtete Schaden ist sehr groß.
Die Strandhallen in Flammen.
Westerland, 19. September. (Privat- Telegramm.) Heute morgen brach ein Feuer in ber Ostermann'schen Strand- Halle aus, wobei in kurzer Zeit alle nördlich gelegenen Strandhallen ein Raub der Flammen wurden. Falls der Wind aus Südwest besteben bleibt, hofft man den südlichen Teil ber Wandelbahnen zu erhalten.