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Sonntag, 17. September 1911

CaMer Neueste Nachrichten

Nr. 242. 1. Jahrgang.

O Berlin, 16. September.

Das günstige Resultat, das die Erkundung

M WWMilliM uMM ggiten.

utn sei «S jetzt Pflicht der gesamten Bürger- schäft, daß man den Pionier in der Ange-

Lie Aussage des AttentSters.

s> Petersburg, 16. September.

Bagroff erklärt in seinem Verhör, daß er das Attentat im Auftrage der revolutionären Partei begangen habe. Festgestellt ist, daß Ba­groff Agent der politischen Polizei war. Er hat die auf seinenNamen lautendeParterrekarte vom Chef der Kriminalpolizei erhalten mit dem Auftrage, den Ministerpräsidenten zu be­schützen. Er soll die Eintrittskarte dadurch er­halten haben, daß er vor zwei Tagen mitteilte, es sei ihm gelungen, eine gegen Stolypin ge­richtete Verschwörung zu entdecken. Daraus wurde ihm das Billet gegen eine schriftliche Qtlittung ausgehändigt. Als Azreff war der Attentäter Polizeiagent, und unter dem Namen Bagroff gehörte er zur revolutionären Partei,

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 16. September.

Tas Staatsministerium war heute vormit­tag gegen 11 Uhr zur Sitzung zusammen ge­treten, in der die herrschende Teuerung der Futtermittel besprochen und Maßnahmen zur Abwehr der Verteuerung aller Lebensmittel er­wogen und beschloffen werden sollen.

Sie militärischen Flugzeuge.

(Privat-Telegram m.)

Der Aetna grollt.

(Privat-Telegram m.)

£ Mailand, 16. September.

In Catania dauert der Aschenregen fort. Die Stadt ist jetzt wie mit einem grauen Nebel bedeckt. Der Haupt-Lavastrom des Aetna hat sich in vier große Arme geteilt, die 60 Meter in der Stunde weiterfließen und aus ihrem Wege alles vernichten. Die herrlichsten Wein­berge von Castiglione und anderen Dörfern sind der Lava schon zum Opfer gefallen. Die Eisenbahnstatton Solichiata ist bedroht. Ein anderer Lavastrom bedroht die Nebenflüffe des Alcantara. Nach den vorgefundenen Aufzeich­nungen gleicht der jetzige Ausdruck bezüglich der Lavamcnge dem vom Jahre 1669.

Ein eingestürzter Schornstein.

Berlin, 16. September. (Privat- telegramm.) Beim Bau eines Schornsteins der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft stürzte dieser heute morgen ein. Zu gleicher Zeit machte sich eine starke Explosion bemerkbar. Die Feuerwehr und Sanitätskolonne trafen ofort auf der Brandstätte ein. Bon der Di­rektion wird mitgeteilt, daß drei Arbeiter ge­tötet und vier verletzt sind. Der vierzehn Me- ter hohe Schornstein stürzte auf einen Gaso­meter, der explodierte.

Der neue Militärbevollmächtigte. - k

Berlin, 16. Sertember. An Stelle deS Generalmajors von Lauenstein ist der Gene­ralleutnant und Kommandeur der Garde-Ka- vallettedivtsion, Buraarak und Graf zu Dohna- Schlobitten zum Militärbevollmächtigten am ruffischen Hofe ernannt worden.

Ungetreue Bahnbeamte. J

Gegen den gare«?

(Privat-Telegram m.)

Petersburg, 16. September. -

Berichte von Augenzeugen des Kiewer Attentats, die heute hier eingetroffen sind, ge­ben von dem Mordanschlag Bagroffs eine sensationelle Version. Danach habe Bagroff nicht beabsichtigt, den Minister Stoly­pin zu treffen, vielmehr ein Attentat ge- gendie FamiliedeS Zaren geplant. Die erste Kugel hatte, wenn Stolypin nicht ge­troffen worden wäre, die Richtung nach der Kaiserloge genommen, wo in diesem Augen­blick die Kinder deS Zaren Platz genommen hatten. Bagroff selbst hat gestanden, daß seine Kugel höheren Personen zugedacht gewesen fev

Die Aerzte hoffe«.

(Privat-Telegram m.)

S> Petersburg, 16. September. \

Das letzte Bulletin über Stolypin nach dem britten Conzilium der Aerzte lautet: Der Zu­stand des Ministerpräsidenten ist durchaus be­friedigend. Das allgemeine Befinden ist gut, die Temperatur ist normal, die Harnanalyse vorzüglich. Die Hoffnung festigt sich.

Ministerium baldigst an den Reichstag mit ei­ner Forderung für Vermehrung der militätt- schen Flugzeuge herantreten wird.

Der sozialdemokratische Parteitag.

(Privat-Telegram m.)

8. Jena, 16. September.

Der sozialdemokratische Parteitag hat seine Arbeit beendet. Das Marttfest war gestern noch glücklich in dem Augenblick abgebrochen worden, als die Reibereien mit den Studenten ernsthaften Charakter anzunehmen drohten. Dr. Liebknecht beantragte heute wie alljährlich eine Resolution gegen den Parismus und ge­dachte dabei auch des Attentates auf S t o l y. bin, das er als Anzeichen des Wiedererwa- chens revolutionärer Kräfte in Rußland be­grüßte. Das Resultat der am gestrigen Tagt vorgenommenen Vorstandswahlen bot keine Ueberrafchung. Gewählt wurden Haase neben Bebel zu Vorsitzenden; fein Landsmann Braun, aus dem Königsberger Hochverrats­prozeß bekannt und Scheidemann, bisher Redakteur in Solingen, treten als neue Sekre­täre ein. Chemnitz wird zum Parteitagsort des nächsten Jahres gewählt.

ten die Heilkraft der Sole anerkannt) und dar-1 Wabern erst 1.01 Uhr Nachm., fährt hier 1.02 w »a h»r mfirnpr. 'Uhr ab und kommt in Cassel 1.37 Uhr N. an.

Die Eröffnung der Gesamtttrecke Sim« . mersrode-Gemünden (Wohra) erfolgt ! am 2. Oktober 1911. Am 1. Oktober verkehren die Züge 543/542, 545/544, 547/546, 549/548 : nur zwischen Zimmersrode-Densberg Bahn- : Hof. Die Züge 551/550 verkehren am 1. Okto­ber nicht. Weitere Aenderungen treten nicht ein.

A Ein Fahrraddiebstahl. Heute morgen i wurde dem Kaufmann Spangenberg aus - Zwehren das Fahrrad gestohlen. Der Bestoh- - lene hatte das Rad auf kurze Zeit in den Haus- - flur des Hauses Rothenditmolder Straße 31 . gestellt, um etwas zu besorgen. Als er znrück- : kam, war es fort. Der Liebhaber wird sich , jedoch des Besitzes nicht lange erfreuen, da be- reits Anzeige erstattet ist. Das Rad, das ver- . nickelte Felgen hat, führt die Marke Triumph; : am Sattel ist die linke Hinterfeder entzwei,

AReichstag und Handlungsgehilfen." , Trotzdem der Bezirksleiter G ö r l vom Nürn- : berger Bezirk des Vereins der deut- , scheu Kaufleute sich ein auch für den Handlungsgehilfe wichtiges Thema für feinen gestrigen Vortrag gewählt hatte, hielten es doch nur wenige seiner Casseler Kollegen für notwendig, sich im Palais-Restaurant einzu­finden. Als schließlich um neuneinhalb Uhr der Saal einigermaßen gefüllt war, eröffnete , der Vorsitzende die Versammlung und erteilte G ö r l - Nürnberg das Wort zu seinem Vor­trag über das Thema:Reichstag und Handlungsgehilfen." Der Redner führte aus, daß der Reichstag bis zu seinem Ende als einziges Gesetz im Jntereffe des Handlungsgehilfen nur noch das Pen­sionsgesetz zustande bringen könne. Bei den bisher herausgekommenen Gesetzen seien die Handlungsgehilfen nicht im geringsten be­achtet worden. Vor allem müsse man darnach streben, daß in die Handelskammern auch die Angestellten gewählt werden könnten. Mit besonderer Wärme trat der Redner für die Sonntagsruhe ein und wandte sich dann scharf gegen die Konkurrenzklausel. Ersorder- lich sei auch eine Gehaltsreform und eine an­dere Einteilung der Arbeitszeit. In manchen Betrieben sei der Handlungsgehilfe bis zu vierzehn Stunden tätig. Notwendig sei daher die Einführung von Handelsinspettoren zur Ueberwachung der einzelnen Betriebe. Zum Schluß appellierte der Redner an die Ver­sammlung. bei der bevorstehenden Reichstags­wahl einen Kandidaten zu wählen, der wirk­lich dafür Gewühl leiste, daß er auch die In­teressen der Handlungsgehilfen vertrete.

A Ein jugendlicher Dieb! Von der hiesi­gen Kriminalpolizei wurde ein Schüler na­mens M. sestgenommen, der nach seinem eige­nen Geständnis in der Gerhardt'schen Badean­stalt eine silberne Remontoir-Uhr, ein kleines Messer und ein Portemonnaie mit siebzehn Mark Inhalt gestohlen hat. Merkwürdiger­weise hat sich in der Badeanstalt noch niemand gemeldet, dem die Sacken abhanden aekommen sind. Die Gegenstände sind im Königlichen Po­lizeipräsidium, Zimmer 37, abzuholen.

A Wer war der Unbekannte? Am Mon­tag nachmittag wurde ein auswärtiges Mäd­chen von einem unbekannten jungen Mann nach einem abseits liegenden Weg bei den Fuchs­löchern gelockt, wo er auf das Mädchen ein Attentat zu vollführen verfuchte. Da es ihm nicht gelang, flüchtete er. Das Mädchen gibt von dem Fremden folgende Perfonalbeschrei­bung: Der Mann ist etwa 1.68 bis 1.70 Meter groß, hat hellblondes Haar, ebensolchen Schnurrbart und tragt goldenen Kneifer. Der Mann war ferner mit dunklem Anzug beklei­det: er trug einen braunen Spazierstock. Et­waige Mitteilungen über die Person des Tä­ters werden von der Kriminalpolizei, Königs­tor, Zimmer Nr. 3L entgegen genommen.

A Pfarrer, Lehrer und Kreisschulinfpek- tionen. In Rinteln war die Stelle des Kreis­schulinspektors zu besetzen, lieber die Art der Besetzung ist es aber zwischen dem Casseler Pfarrerverein und dem Bezirks­lehrerverein Cassel zu einer grundsätz­lichen Meinungsverschiedenheit und Ausein­andersetzung gekommen. Der Casseler Pfarrer­verein erklärte sich gegen die Besetzung hauptamflicher Kreisschulinsvektionen durch seminaristisch vorgebildete Schul- m ä n n e r, da er der Ansicht ist. daß die Unter­stellung der Geistlichen als Ortsschulinspektoren im Nebenamt unter seminaristisch vorgebildete Kreisschulinspektoren mit der Würde des Pfarr­amtes unvereinbar sei und zahlreiche Unzuträg­lichkeiten im Gefolge haben werde. Demgegen­über fordert der Casseler Bezirkslehrerverein die Besetzung hauptamtlicher Kreisschulinsvek­tionen durch in ihrer Tätigkeit in der Volks - chule erprobte Fachmänner. Die Würde des Amtes der Volksschullchrer und das Recht der Volksschule auf Selbständigkeit verlange gebieterisch die Aushebung der Orts­chulaufsicht und weiter der im Nebenamt aus- geübten geistlichen Kreisschulinspektion. Der in der Stellungnahme des Casseler Pfarrer­vereins zum Ausdruck gekommene Kastengeist, die Ueberschätzunq akademischer zu ungunften eminaristischer Vorbildung, wissenschaftlicher Fortbildung und erprobter praktischer Tätig­keit. sowie das unbedingte Festhalten an histo­risch gewordenen, aber nicht mehr zeitgemäßen Einrichtungen seien nach der von dem Bezirks­lehrerverein Cassel zu dem Vorgehen des Cas- eler Pfarrervereins angenommenen Resolution nicht geeignet, den im Interesse der Volksschule o notwendigen Frieden zwischen Kirche und Schule zu fördern. Der Casseler Pfarrerverein hat dennoch Erfolg gehabt. Die Caffeler Regierung hat nämlich den Pfarrer List aus Deckbergen zum KreiSschulin- p e k t o r für Rinteln ernannt.

A Der Aussichtsturm auf dem großen Schreckenberg. Der etwa zwanzig Meter hohe i Aussichtsturm ist fertiggestellt. Seine Einweihung soll Sonntag den 24. September ' tattftnden. Die Aussicht ist eine gute, doch 1 wäre es vielleicht wünschenswert gewesen, den l Turm etwas breiter zu bauen. Der Aufstieg wird für korpulente Personen nickt gut mög­lich sein, weniaer des Steigens halber, als her Enge des Aufstieges wegen. Anerkennenswert

zu ähnlichen Zwecken der Verschönerung und weiteren Erschließung der schönen Umgebung Zierenbergs wird Verwendung finden können.

A Fahrpreisermäßigung für Lehrer. Der Preußische Lehrerverband hatte vor längerer Zeit an das Eisenbabnministerium eine Pe­tition eingereicht, in der die Staatsbahnver­waltung ersucht wurde, den Mitgliedern des Verbandes für Reisen, die im Interesse des Unterrichts liegen, Ermäßigungen au1 den Fahrpreis gewähren zu wollen. Nac j Prüfung des Gesuchs hat die preußisch-hes­sische Staatsbahnverwaltung beschlossen, diesem Gesuche stattzugeben und eine Ermäßigung des gahrpreises um ein Drittel der regulären umme in angegebenen Fällen eintreten zu lassen. Der Erlaß berücksichtigt solche Reisen, die einen wissenschaftlichen Zweck verfolgen, aber auch die Beförderung zur Teilnahme an Lehrkursen aller Art, soweit sie im Interesse des Unterrichts liegen, endlich soll auch die Er­mäßigung auf Reisen zur besseren Kenntnis­nahme auf dem Gebiete der Heimatskunde ein­treten. Diese Vergünstigung kommt für Ange­hörige der Lehrer jedoch nicht in Betracht.

A Im Verein sür Hundesport. Im Ver­einszimmer des Palais-Restaurants hielt ge­stern abend der hiesige Verein für Hundesport seine ziemlich gut besuchte Monats-Versamm­lung ab. Auf der Tagesordnung stand unter anderm auch ein sehr interessanter Vortrag von Herrn Wimmel überHautkrankheiten der Hunde", der den Sckluß zuließ, wie zahl­reich und mannigfaltig die verschiedenen Haut- Krankheiten der Hunde und deren Ursachen und Behandlung sind. Der Vortragende wurde von dem Vorsitzenden mit Dankesworten be­lohnt. Herr Kratzenberg führte von ei­nem Wurf von neun deutschen Doggen vier drei Monate alte Tiere vor, die allgemeinen Beifall fanden. Ganz allerliebst machte es sich, wie diese kleinenLöwen", noch ziemlich un­beholfen in dem Zimmer herumspielten. ES wurde ferner die Frage einer Hunde-AuS- st e l l u n g oder eine Hunde-Schau angeschnit­ten und hierfür die verschiedenarttgsten Vor­schläge gemacht. Wie mitgeteilt wurde, soll im Orangerieschloß keine Ausstellung wieder zu­gelassen werden. Von einer Seite wurde an­geregt, die Ausstellung im Viehhof abzuhalten. In Hannover habe im Vorjahre eine Ausstel­lung in der Reitbahn stattgefunden, man glaubt deshalb, von dem hiesigen Husaren-Re- giment die Reitbahn zur Verfügung gestellt zu erhalten. Wenn man einen günstigen Matz findet, bann findet die Ausstellung im nächsten Frühjahr statt.

A Die Jubelfeier beS Privatbeamtenver­eins. Im Palais-Restaurant fand kürzlich eine außerordentliche Haupt-Versammlung des ZweigvereinS Cassel des Deutschen Privatbe- amtenvereinS statt, in der über die am Sonn­abend den vierten November abzuhaltende Ju­belfeier aus Anlaß beS fünfundzwanzigjähri­gen Bestehens beS Vereins beraten würbe. Die Feier soll abenbs mit einem Festessen im Sauf« mannshanS ihren Anfang nehmen. Der übrige Teil beS Abenbs wirb von angenehmen Un­terhaltungen auSgefüßt.

. A Das Programm für Sonntag. Steno­

graphenvereinStolzeana"? Kränz­chen in WolfSanger; Residenztheater: Nachmittags 4 Uhr Eröffnungsvorstellung Bel- lachini, abends EröffnungS-Abend-Soiree; Stadtpark: Abends 8 Uhr Sommernachts­ball; Restaurant Belvedere: Nachmit­tags 4 Uhr -Militärstreichkonzert; Varietee Wilhelmshalle: Abends 8 Uhr Vorftel- lnng; Christlicher Verein Junger Männer: Nachmittags Kriegsspiel auf der hohen Eiche, abends 8 Uhr Vortrag von Pro­fessor Bröcking; (Zweigverein Westen: Damp- eransflug nach der Grauen Katze nachmittags 3 Uhr); Reform-Theater: Neues Pro­gramm (u. a.Die Schuld").

A Das neue Programm in denKaifcr- sälcn". Heute abend findet im Kaisersaal wie­der ein Proyrammwechsel statt. Aus der Reihe der neuen Künstler sind zu nennen: Die Sieber« ängerin Ina Viocella, VoryS, Lumpen-Mal- akt, The ESkimoS in ihrer Original-Szene, bei Musik-Imitator Ernst Fredy, Socnrs The- refita, Drahtseilakt, das Internationale Da- men-Gesangs- und Tanz-Terzett Hallowah Sisters, LeS tioiS Gillis, Akrobaten, die Ex­zentriker Red und Beet und der Humorist Willy Meibryk. DroeseS optische Berichterstattung bringt zum Schluß neue kinematographische Bilder. Auch im Kabarett beS 'Kaisersaales erfolgt heute ein Programmwechsel.

A Das Wetter am Sonntag. Der amt­liche Wetterbericht sagt für Sonntag für Hes- en-Rassau folgende Witterung voraus: Meist »eiter unb trocken, tagsüber warm.

Letzte Telegramme.

(Rach Schluß der Redaktton eingegangen.)

Sie Marottosrage

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 16. September.

Die deutsche Gegenäußerung auf die Note, die der französtfche Botschafter C a m b o n gestern dem Staatssekretär von Kiderlen übergeben hat, wird mit großer Beschleuni­gung fertiggestellt und dem Botschafter über­mittelt werden. Soweit man zurzeit die Sach­lage überfehen kann, dürsten die Verhandlun­gen auch in Details Ende des Monats abge- chloffen fein.

Sie Teuerung.

I legend eit beS Solbades nicht im Stiche lasse. Daß sich der JnnungSauSfchnß mit her Sache befasse, habe feinen Grund darin, daß er erfannt habe, welche Vorteile aus einem Bade für daS Handwerk erwachsen könnten. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß die Be­mühungen von Erfolg gefrönt fein mögen. Herr Architekt Schmidtmann betonte in der Diskussion, daß WilhelmShöhe augenblick­lich nichts fei. In der Entwicklung der Villenkolonie Mulang fei eine Stag­nation eingetreten; in diesem Jahre fei ge­rade ein Hans gebaut worden. DaS liege an der Eröffnung der Gartenstädte Brassels- bcrg und so weiter. Durch die Eingemeindung von Wahlershausen nach Cassel sei her Grundbesitz der Residenz um eini­ge Millionen gestiegen. Der Grundwert werde aber weiter steigen, wenn das Bad zu­stande kommt. In allererster Linie hätte somit die Stadt, dann aber hätten auch die Anlieger, die Pflicht, die Angelegenheit tatkräftig zu sör- bern. Herr Dachdeckermeister Lasch wies dar­aus hin, daß mancher Handwerker gern eine Summe zeichnen würde, wenn ein geringerer Betrag als tausend Mark zugelassen wäre. Herr Maurermeister Friede erklärte, daß die Stadt unmöglich mehr tun könne; die Auf­wendungen, die sie schon zu machen habe, seien ungeheuer groß. Freilich könnten

einige kapitalkräftige Schultern

die 50 000 Mark allein aufbringen, da eS aber nickt geschehe, muß man weitere Kreise heran­zuziehen versuchen. Man könne nur wünschen, daß die Badeangelegenheit, die Herr Zimmer unter großen Opfern so weit gebracht hätte, zu einem glücklichen Abschluß geführt würde. . Cassel würde erst bann vorwärts kommen, wenn hier ein regeres Leben pulsiere. Herr Schmibtmann nahm bann nochmals Ver­anlassung, barauf hinzuweisen, baß Herr Zim­mer bei ben 200 000 Mark keinen Pfennig ver­diene. DaS Geld fei nur erforderlich, um das eigentliche Bohrloch niederzubringen. Herr L a h n st e i n sprach als Mitglied deS Vor­standes bfS Fremdenverkehrsvereins und be­dauerte, daß der Aufruf deS Vereins so wenig Erfolg gehabt hätte. Er verspreche sich viel mehr von einer persönlichen Propa­ganda. Nachdem Herr Eckhardt noch ei­nige Bemerkungen gemacht hatte, schloß Herr lkniest die Versammlung mit dem Hinweis darauf, daß eine Liste zum Einzeichnen von Beträgen am Vorstandstische aufliege. Sie weit die gestrige Versammlung zur För- oerung her bedeutsamen Frage beigetragen hat, wird die nächste Zukunft lehren. Bedauerlich aber wäre, wenn in einer Stadt wie Cassel nicht einmal 200 000 Mark aufgebracht werden könnten, die sich unter Umständen außerordent­lich gut verzinsen. Hier müssen jetzt alle Bürger auf d i e Schanze gerufen wer­den, denn ein jeder Einzelne hat ein Interesse daran, daß WilhelmShöhe zu einem Solbad ausgestaltet wird. Wichtig wäre eS natürlich auch, wenn man sich die Mitarbeit beS aro­ßen Casseler Bürgervereins sicherte, der sich bisher scheinbar ganz passiv verhalten hat. Warum? Hier finbet auch er ein Feld Zur Betätigung praktischer Kommunalpolitik.

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i A Großfeuer in den Werkstätten her Eisen­bahn. Gestern abenb um hie siebente Stunbe brach in einem Gebäude ber hiesigen Eisen­bahnanlagen, gegenüber hem Tannenwäldchen, in bem aus Teeröl unb Petroleum Preßgas erzeugt wirb, ein Braub aus. Das Feuer verbreitete sich rasch, hatte eS doch in ben leicht brennbaren Rohmaterialien reichlich Nahrung. Die in bem Gebäube oibeitenben Leute, bie für ben Fall eines BranbausbrucheS genau in- Hruicrt sind, besaßen bie Geistesgegenwart, bie Ventile ber nach bem Gasbehälter führenben Rohrleitungen sofort abzustellen, fobaß bie Gefahr für biefen beseitigt war. Eine unge- beure schwarzdunkle Rauchwolke stieg gen Him­mel, untermischt mit ben emporzüngelnben ho­ben Flammen. Aus Alarmierung bei Feuer- wehr war binnen wenigen Minuten ein Lösch- wg bet Wache 2 mit bet Darnpssptitze an bei Brandstätte etschienen; gegen a/48 Uhi »schien auch bie Automobil-Dampfspritze. Beide Sprit- zen brauchten indessen nicht in Tätigkeit zu fre­ien, da dem Feuer mit Sand zu Leibe gerückt werden mußte. Nach etwa einstündiger Arbeit der Eisenbahner- unb einiger Leute ber städti- fäen Feuerwehr war jebe Gefahr für ein Seitergreifen befestigt unb gegen 9 Uhr konnte bie Wehr wieher abrücken. Der ange- richtete Schaben ist sehr bebeutenb. lieber bie Entstehung beS Brandes ist man noch in Zweifel.

E A Neubauten am Hauptbahnhof. Die Um­bauten an unfeiem Hauptbahnhof schreiten [üftig vorwärts. Nachdem das neue Steuer­baus am Bahuhofsplatz und der neue Giiter- empfangSschuppen dem Verkehr übergeben sind, wird nun auch bald der Eilgutschuppen folgen. Letzterer erhält infofern eine Neuerung, alS er Mit einer Ueberladerampe verbunden ist. Diefe Rampe ermöglicht eS. Güter von einem Zuge w den anderen zu verladen, ohne sie erst in ben Schuppen schaffen zu müssen. Da diese Rampe durch daS verlängerte Dach des Schup- vens gedeckt wird, fo sind alle Sendungen, die Mer etwa längere Zeit lagern müssen, vor den Unbilden der Witterung geschützt. Eine schöne Einrichtung der Eisenbahnvetwaltung ist der an der AnsahrtSftraße nach dem neuen Gisterschup- den errichtete Brunnen, der zum Tränken für Pferde unb Hunde eingerichtet ist.

A Nachträge zum Winterfahrplan. Zum endgültigen Entwürfe für den Winterfahrplan ®er Königlichen Eisenbahndirektion Cassel vom l Oktober 1911 sind Nachträge erschienen, bie folgende Aenderungen gegenüber bem ersten Entwurf enthalten: Der vom 1. März Wachsten Jahres verkehrenbe, währenb ber Win- «rntonate ausfallende Bäberzug D 28 kommt Ast 2.57 Uhr N. in Wabern an unb verläßt biefe Station eine Minute später, Ankunft in Mar­burg 4.05 Mr N. Der Gegenrua D 27 erreicht

Leipzig, 16. September. (Prkvak « telegramm.) Auf ben preußischen Bahn- jöfen in Leipzig find umfangreiche Bahndieb- kähle aufgedeckt worben, bie feit einiger Zett ystematisch verübt würben. Die Untersuchung ührte zur Verhaftung von sechs Bahnbeam­ten. Es stehen noch weitere Verhaftungen in Aussicht. Bei ber Haussuchung in ber Woh­nung eines ber Verhafteten fand man noch ganze Wagenladungen verschiedenster Güter, wie Zucker, Mehl unb Textil. ?--"

Ein verunglückter Flugversuch.

Allenstein, 16. September. Der Inge- nieur Bloeß hat nach einem System eine Flugmaschine konstruiert, mit bet er heute früh auf bem Felbe bei LaNghein Versuche anstellte, Die Maschine fuhr beim Anlauf tadellos etroc 150 Meter auf ebener Erbe, stieß bann fast senk recht in bie Luft bis zu einer Höhe von etw« 20 Metern; plötzlich stürzte ber Apparat ab, bei Erfinder kam unter bie Maschine zu liegen blieb ober wie durch ein Wunder unversehrt

ist aber bie musterhafte Sparsamkeit. Die für

den Bau aufgebrachte Summe ist nicht ausge- _______________

braucht worden, sondern eS ist noch ein neu-, der Flieger-Offiziere im Kaisermanöver gezei- nenswerter Betrag übrig geblieben, der nun lügt hat, wirb baiu führen, daß das Kriegs-