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Sfr. 241. £ Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

Sonnabend, 16. September 1911.

Das Marokko-Spiel.

und erste Abteilung des Bei ments 11 und dem Stabe und e

A Wiege und Grab

In der 36. Jahres-

Neuerung Lehrerkreii

A Wo bleiben die Schöffen . . .? Vor den Türen des Schöffengerichtssaales staute sich heute früh kur, nach acht Uhr schon eine Menge von Zeugen, denn die Verhandlung in der ei­len Sache war auf 8.15 Uhr angesetzt. Der Gerichtsdiencr brachte große Aktenstöße und wartete auf das Erscheinen des Gerichts ^er Amtsrichter war wohl zur Stelle, aber die Schöffen fehlten. Als der Zeiger der Uhr im-

A Der Verstoß gegen das Urheberrecht. Der Buchdruckereibesitzer Fritz B. aus Gudensberg stand unter der Anklage der Verletzung des Urheberrechts vor der hiesigen Strafkammer. Er hatte von einem Photographen tausend An­sichtskarten bezogen. Nach diesen Karten ließ er sich später von einer frankfurter Firma ko­lorierte Karten macken, auf denen er sich als Verleger ausgab. Ter Angeklagte hat ge­glaubt, durch den Kauf von tausend Postkarten erwerbe er zugleich das Verlagsrecht. Das Ge- Ucht verurteilte B. zu fünfzig Mark Geldstrafe.

A Auch ein heißer Sommer. Mit Bezug auf die Behauptung, daß ein solcher heißer Sommer wie der diesjährige seit langen Zei­ten nicht dagewesen, teilt ein Kundiger mit, daß der Sommer im Jahre 1841 noch trockener war. Die Hitzeperiode und Trockenheit hielt bis Mitte Oktober an. Die Kartoffeln waren m dem Jahre nicht größer als eine Wallnuß, und die Zuckerkartoffeln waren so groß wie die Haselnüsse. Die Wassergraben mußten tief ausgegraben werden, damit man Wasser herausholen konnte. Auf den Sommer folgte ein ganz gelinder Winter, so daß es möglich war, junge Bäume anzupflanzen und die Fel­der zu beackern.

A Das Fest der Sänger. Der Männerge­sangverein »Frohsinn"- Wehlheiden feierte am letzten Sonntag sein diesjähriges Som- merfest in der Gastwirtschaft .Zur alten Dru­se! . Die Vereinsmitglieder mit ihren Ange­hörigen versammelten sich pünktlich 3 Uhr in der Gastwirtschaft von Krause und marschierten unter Vorantritt einer Musikkapelle zum Festlokal. Nachdem zunächst die Jugend durch Veranstaltungen aller Art unterhalten war. brachte der Männerchor vom Waldrande aus unter der Leitung seines Dirigenten A. Köh­ler einige Lieder zum Vorttag. Dann trat eine zwanglose Geselligkeit ein. Allzu früh mahnte die Dunkelheit zum Aufbruch. Die!

A Der hessische Landgraf und der Edel­mann. Aus unserem Leserkreise wird uns fol­gendes, nur noch unter denältesten Einwoh- nern bekannte Geschichtchen mitgeteilt: Ein I Landgraf die einen sagen, es sei Philipp der Großmütige gewesen, andere Hin- Wider meinen, es müsse schon ein früherer Land­graf gewesen sein hatte sich einst verkleidet in eine feindliche Festung eingeschlichen, um alles selber zu erspähen und ihr Inneres zu | Kunden. Da traf es sich nun, daß eine der schildwachen ein geborener Hesse war, der fremde Dienste genommen hatte. Der erkannte auch in der Verkleidung den kühnen Kund- ichafter.Um Gottes willen," redete der in feindlichem Solde stehende Hesse leise den Landgrafen an,um Gottes willen, was wa­get Ihr, mein Fürst?" Er verriet jedoch seinen I angestammten Landesherrn nicht, sondern war ihm zum Entkommen behilflich. Der Landgraf beschentte den treuen Mann mit einem kostba­ren Ringe und sagte zu ihm:Wenn du in Not geraten solltest, so komme nur zu mir." Nach vielen Jahren kam ein Fremling in dürftigem Anzuge nach Cassel, wo der Landgraf gerade I verweilte, der verlangte, allein vor den Fürsten geführt zu werden. Anfänglich ward in, £er Wache, die ihn für einen gefährlichen Strolchen hielt, zurückgewiesen. Nach wieder-1 holten dringenden Bitten aber und weil er dem Landgrafen etwas wichtiges entdecken zu wollen vorgab. ward er eingelassen. Der Land- iRraf erkannte den Fremdling zuerst auch nicht in dessen abgerissenem Gewände: sobald dieser ihm aber den einstmals empfangenen Ring zeigte, ergriff der Fürst in froher Rührung die treue Hand. Der Fremdling aber entdeckte sich, daß er ein hessischer Edelmann wäre, der damals nur aus Armut auswärttge Kriegs­dienste gesucht hätte. Der Landgraf verlieh ihm zum Dank die Klosterstiftung Hachborn.

Die Maul- und Klauenseuche in Hessen. Nach den amtlichen Mitteilungen bestand die Maul- und Klauenseuche am 31. August im Regierungsbezirk Cassel noch in 6 Kreisen, 12 Gemeinden und 35 Gehöften. Betroffen wa- ren die Kreise Eschwege mtt drei Gemeinden, Rotenburg mit zwei, Hersfeld mit einer, Hün­feld mit einer. Schmalkalden mit drei und Schaumburg mit zwei Gemeinden.

unterbrochenen Sonnenschein, die ttotzdem keine guten Weinjahre Waren, weil dann ein ununterbrochener Regen von mehreren Wochen einsetzte, der die Ernte wieder ,u Schanden machte. Dieses Jahr ist aber von so günstiger Mtterung für den Weinbau wie das Jahr 1893.

A Schwerer «utomobilunfall in Betten­hausen. Gestern nachmittag kurz nach ^6 Uhr passierte ein Berliner Automobil die Leip­ziger Sttaße. In der Nähe der Stockfabrik wurde der acht Jahre alte Sohn des in der Stockfabrik arbeitenden Meisters Pohl von dem Kraftwagen erfaßt und überfahren. Das Automobil hielt sofort und der Besitzer veranlaßte die Ueberführung ins Landkranken­haus. Dott wurde festgestellt, daß der Knabe einen Bruch des rechten Arms, einen zweimaligen Bruch des rechten Ober - schenkels und starke Verletzungen am Kopf, sowie am ganzen Körper davongettagen hatte.

Eine Teuerungszulage wird verlangt. Seitens des Verbandes deutscher Eisenbahn- Handwerker und -Arbeiter wird eine Eingabe an den Ersenbahnminister vorbereitet, um eine Teuerungszulage für die Mitglieder zu erlan- gen, weil die Preise für die Lebensmittel in der letzten Zeit eine bedeutende Steigerung er­fahren haben. Gestern abend fanden (wie un­ser Kölner Korrespondent berichtet) am Nieder­rhein mehrere Versammlungen statt, in denen die Unterlagen für die Anträge festgestellt wurden.

.unter waren 14 (im Vorjahre 8) Kinder im ersten Lebensjahre. Unter der Gesamtzahl der Sterbefälle waren: einer durch Diphtherie und Kroup. einer durch Typhus, fünf durch Tuber­kulose. vier durch akute Krankheiten der At­mungsorgane und zwölf durch Brechdurchfall, Magen- und Darmkatarrh (darunter zehn Kin­der im ersten Lebensjahre) verursacht. Einen I gewalttamen Tod erlitten zwei Personen. Die Zahl der Lebendgeborenen betrug (in der vor­hergehenden Woche): 62 gegen 78 in der glei-

Ichen Woche des Vorjahres.

A Kleine Tageschronik. Bei den Aüs- I ickreibungen der Arbeiten am Landesmuseum wurden die sämtlichen Kupferabdeckungsarbei- ten der Firma Ludwig Sinning. hier, über« I tragen. Von der Oberweser-Dampfschif« fahrts-Gesellfchaft wird uns heute die Mittei- lung, daß die beiden SalondampferKaiser! Friedrich" undGraf Moltke" am kommenden !Zum letzten Male zwischen Cas- !sel-Munden verkehren. Die Casseler Tanz­lehrerin. Frau Dora Eberle, wurde gele­gentlich der Tagung des Bundes deutscher Tanzlehrer in Cassel zum Ehrenmitglied er­nannt. Die der Frau Eberle übermittelte kunstvoll ausgestattete U r k n n d e ist im Schau­fenster der Vietor'schen Buchhandlung ausge- stellt.

15. September. Es wird antt- lich bekannt gegeben, daß der Auöstand in dem Grubengebiet von Langreo und Mieres been- Elus Bilbao wird gemeldet, die Aus- I ständigen haben die Eisenbahnen an verschiede­nen Punkten unterbrochen, die Arbeiter mit Steinen beworfen und diejenigen nbgesperrt. die zur Wiederherstellung der Bahnlinien ge- sandt waren, sowie die telegraphischen und te­lephonischen Verbindungen unterbrochen. Es sst auch gestern zu Zusammenstößen zwischen den Ausständigen und der Gendarmerie gekommen. ES fehlt an Brot. Aus San Sebastian wird! gemeldet, daß sich die Arbeitervereine dafür entschieden hätten, heute den Auöstand in Bil- bao zu unterstützen. <

Eskadronen der 6. Dragoner, der zweiten und reitende« Abteilung des 11. Feldartillerie-Regi- giments und dem Trainaufsichrspersonal, aus und sammelt» sich bet Witzenhausen, um als rote Partei den Vormarsch gegen ein« blaue Partei, bestehend auS dem Jnfanterie-R«gi- ment 82, zwei ESkadron» der 5. Dragoner, Stab und erste Abteilung des Feldartulerie-Regi- ments 11 und dem Stabe und einer Kompagnie des Pionier-BatatllonS 11 unter Führung des Oberstleutnants Frhr. von Preuschen an­zutreten. Am 9. September wurde dann der allgemeine Vormarsch »«getreten. Sammel­punkt für die tote Partei war Schloß Arnstein, Führer war Oberstleutnant von Graeve- nitz. Ein wnndervoller, klarer Morgen war es, als sich die langen Kolonnen unserer 83er auf der Stratze Wltzenhausen-Arnstem heran­wälzten; ihnen folgte die Artillerie, vermischt mit Kavallerie-Abteilungen, und eine Masse Zuschauer, die, um ganz sicher zu gehen, sich den Truppenteilen ange,chlossen hatten. Auch der kommandierende General wohnte dem ersten Manövertage bei. Er kam von Schloß Berlepsch, wo er die Nacht verbracht halte, im Automobil heran. Es wurde Mittag, ehe die Spitzen der roten Partei mit denjenigen derblauen" Fühlung bekamen. Blau hatte eine ausgezeichnete Stellung aus dem Ruste- berge, einem sehr steilen Bergkegel bei dem Dorfe Marth, bezogen und sich zur Verteidi­gung eingerichtet. Am Nachmittage kam es hier zur Entscheidung. Mehrere Male stürmten un­sere braven 83er den steilen Berg, ehe es ihnen gelang, den Feind zu werfen. Dieser trat hier­auf den Rückzug an, verfolgt von Kavallerie und Artillerie. Der erste Manövertag stellte große Anforderungen an die Marschfäbiakeit und Ausdauer der Mannschaften. Sie wären deshalb froh, als ihnen am Abend gute Quar­tiere winkten.

1 Das Elchsfeld bietet für die Truppenführer ein ausgezeichnetes, wechselvolles Gelände, das wie geschaffen zu Truppenübungen ist. Hier sprelten sich an den folgenden Tagen die weiteren Kämpfe ab. Sie fanden ihren Ab­schluß in einem großen zweitägigen Vcrteidigungsgefecht unter der Lei­tung des Generalmajors von Below, der die Verteidigungsparteiblau" und des Gene­ralmajors von der Lippe, der die An- grifssvarteirot" befehligte.Blau" hatte zur Verteidigung die Abhänge des Dün nach dem Flüßchen Geislede gewählt und äußerst starke Befestigungsarbeiten ausgeführt. Diese wurden unter Anleitung zweier Jnge- nieuroffiziere durch Pioniere und Fußtruppen hergestellt. Sie zogen sich in einer Länge von fast sechs Kilometern terrassenförmig an den Abhängen des Dün hin. Den Kern der Stel­lung bildete der Harth-Berg. Dieser war mit ubereinanderliegenden Schützengräben, Feld­befestigungen, Infanterie- und Artilleriestütz­punkten ganz überzogen. Eine Hanbitzbatterie war eingegraben, und umfangreiche Drahtver­haue sollten dem Feinde die Besetzung unmög- lrch machen. Beobachtungswagen waren her­angezogen und Stände errichtet, außerdem soll­ten zwei mächtige Scheinwerfer das ganze Ge­lände taghell erleuchten. Die Anlagen waren so maskiert, daß selbst das geübteste Auge keine Veränderung an den Abfallseiten des Berges wahrnehmen konnte. Gegen Nachmittag mel- deren die auf den Beobachtungswagen postier­est r Posten das Herannahen des Feindes. Dieser setzte sich zusammen aus den Infanterie- Regimenter 167 und 32, dem Feldartillerie-Re- giment 47, sowie dem Husaren-Regiment 14 und detachierten Abteilungen Pionieren und Dragonern. Bald kamen denn auch die beider- stttigen Vorposten in Fühlung, wie lebhaftes Gewehrfeuer zeigte. Nach und nach gewann die rote Partei jedoch immer mehr an Gelände, Eoatz es ihr gelang, sich an den rechten Abhän­gen des Warteberges festzusetzen. Sie grub sich hier em und wartete die Nacht ab, um den An- firiff fortzusetzen. Gegen Morgen gelang es der roten Partei, den rechten Flügel der blauen Jserteibtgunggbartei zu werfen, fodaß die G-- sahr der Umgehung nahelag. Dies entschied °en Tag. Gegen Morgen räumteblau" seine Stellung undrot* zog siegreich in die befestigte Stellung ein.

An AfeilSahn-UngMck.

(Privat-Telegram m.)

$ Paris, 15. September.

Aus Belfort wird gemeldet: Als gestern das 13. Artillerie-Regiment aus St. Vincen-! nes, das an den Manöver« im Osten teilge- nommett hatte, zum Rücktransport in einen Sonderzug untergebracht worden war, löste sich plötzlich die Bremse mehrerer Waggons, -.die abschüssige Strecke hinunterrollte«, um schließlich mit Wucht gegen eine Rampe zu fahren, wo sie zertrümmert wurden. Fünfzehn Artilleristen, darunter ein Unteroffizier, wur- den mehr oder minder schwer verletzt Der Unteroffizier trug einen Schädelbruch davon. y

DaS Ende eines Mörders.

Berlin, 15. September. (Privat- Telegramm.) Wie anzunchme« war, hat der vierundzwanzigjährige Kaufmann KanS Bogel, der gestern i« feiner Wohnung feine Braut erschoß und dann flüchtig wurde. Selbst- mord verübt. Der junge Mann wurde in der vergangenen Nacht von einem Streckenwärter den Schienen als Leiche aufgefunden. Er hatte sich vor eine« nabenden Zug gelegt, der den Körper in zwei Teile ritz.

Ein schweres Verbrechen.

A Der Wunsch der Baugewerksmeister, ^n Cassel soll ja demnächst auch ein Orts- tatut gegen die Verunstaltung des Stadtbildes erlassen werden, womit die Errichtung einer B aub e ratung s- telle verknüpft sein wird. Auf dem dieser Tage in Regensburg abgehaltenen Delegier­tentag des Jnnungsverbandes deutscher Bau- gewerksmeister beschäftigte man sich ebenfalls mit dem ThemaHeimische Bauweise" und nahm dazu folgende Entschließung an: -Die gesetzlich vorgesehene Prüfungskommis, ion von Sachverständigen bezw. der künstle- rische Beirat an den einzelnen Orten, die ge- gen die Verunstaltzmg von Ortsstraßen und andschaftlich hervorragenden Gegenden wirken oll, soll auch befähigte, erfahrene Baugewerks- meister umfassen, nicht nur höhere Baubeamte usw. Die Jnnungsmitglieder sollen dafür durch geeignete Agitation sorgen, daß der Bau- gewerksmeister nicht einfach beiseite geschoben wird. Der dem Bauherrn durch die Anwen­dung des Landesgesetzes, des Ortsstatuts ober Ortsgesetzes erwachsene wirtschaftliche Nachteil oder Kostenaufwand ist durch die Landesregie­rung bezw. Gemeinde zu entschädigen. Es

^"er^isch Verwahrung dagegen eingelegt, daß Architekten, Professoren usw. den Stand | der Baugewerksmeister dafür verantwortlich machen, daß in früheren Jahren die Städte- unb Landschaftsbilder durch unschöne Bauten verunstaltet worben wären, ferner bagegen daß die gleichen Leute bem Baugewerksmeister nur bie allernotwenbigften Sandwerksarbeiten I zugewiesen sehen wollen. Es soll eine Kom­mission eingesetzt werben, bie in Permanenz m und alle in das GebietHeimische Bauweise" schlagenden Fragen, soweit sie die Interesse« des Verbandes berühren, zu bear­beiten hat."

, A Das Wetter am Sonnabend. Der amt« Uwe Wetterbericht sagt für Sonnabend für i ........,w,_____

i ISsSäs SÄLMMMWA

wer weiter vorrückte, und bereits bie Parteien für später angesetzte Sachen erschienen waren, legte man sich bie bringenbe Frage vor: Wo bleiben die Schöffen . . .? Enblich hatte man des Rätsels Lösung gefunben: Die betben Schöffen waren für die heutige Sitzung über­haupt nicht geladen worden. Nun griff man fdjleuniaft zu zwei Ersatzschöffen und als diese endlich erschienen waren, konnte die Schöffengerichtssitzung gegen 10 Uhr beginnen.

Die Besoldung der Eisenbahnaffistenten. Es wird uns geschrieben: Die Budgetkommis­sion des Abgeordnetenhauses hatte bei der Be- ratnng des letzten Eisenbahnetats bekanntlich einen Antrag der von den Mitgliedern aller bürgerlichen Patteien eingebracht war, ange­nommen, in dem die Regierung aufgefotbert würbe, durch geeignete Maßnahmen bie nicht beabsichtigten Härten zu beseitigen, die burch bie verzchiebenartige Fesffetzung der Gehalts­sätze für bie Eisenbahnassistenten in Preußen und un Reiche geschaffen wurden. Der Finanz­minister hat auch eine Regelung dieser Ange­legenheit im Etat für 1912 burch Einstellung etner Summe zugesagt, nachdem der Eisen- bahnmlnister bie erforderlichen Vorschläge ge­macht hatte. Das Kartell der Verbünde der mittleren preußischen Staatsbahnbeamten hat jetzt an den Minister der öffentlichen Arbeiten eine Eingabe gerichtet, in der die Regelung der Angelegenheit schon für das laufende Etatszahr 1911 befürwortet wird. Die Ange­legenheit unterliegt augenblicklich den Erwä­gungen der in Betracht kommenden amtlichen Stellen.

Der zwölfte September brachte den Truppen Mdlich einen wohlverdienten Ruhetag. Die ?et)i>e Einquartierung erhielt an diesem Tage v 111 i g en ft a bi. Dort liegt fast unsere ge- MMte Garnison. Die heißen Tage brachten Manche Unfälle mit sich. Viele Leute wurden miolge der Anstrengungen schlapp, sie fanden me.Ut Aufnahme in den Krankenkänsern von Yeiligenstadt. Ein Reservist von den 83ern aard an den Folgen eines Sonnenstichs, noch den Kommandeur des zweiten Ba- ^illons Regiments 83 traf ein M i ß g e sch ick. wm Biwak am 8. September bei Heiligen- wbt brach der Stuhl, auf dem er Platz 8-noinmen hatte. Während des Sturzes kam er mit der linken Hand in bett offenen -örettersttz, wodurch z w e i F i n g e r fast glatt Dge quetscht wurden. Er mußte sich in ärztliche Behandlung und in bie Garnison zu- mdbegebett. Ferner stürzte in Leinefelbe ein -Tagotter mit seinem Pferde so unglücklich, daß " und sein Pferd Schenkelbrüche erlitten. Mit oetn. September werden bie Divistonsma- Ner ihr Ende erreichen. Am 20. September Aren bann die Fußtruppen wieder in ihre a«e Garnison zurück. -n.

.. A Das gute Weinsahr. Die große Hitze >eiez Jahres hat einen Erfolg aufzuweisen, 2®er den sich die Weintrinker aller Schattie- untqen freuen werden: Das Jabr 1911 rft ein hervorragendes Weinjahr geworden und es ist g .erwarten, daß der 1911er zu den besten Rttttmarfen gehören wird. Im Rheingau und

Moselgau waren 68 bezw. 73 regenlose Ta- L5,n denen fast ununterbrochen die Sonne aerniederbrannte. Der berüchttgte Sauer- Mrm hatte hier einen Gegner, wie ihn ?'.enschenwerk nicht schaffen tarnt. Für die Güte

Heurigen" kommt in erster Reihe der Um- : "Md in Bettacht, baß auch bie letzten Wochen r denen hin unb wieder ein Tropfen fiel, nur < !° viel Feuchtigkeit brachten, um eine Ansrei- 1 mng ber Reben zu ermöglichen. Es gab schon e-einjahre mit vier- dir fechswöchentlichern un- <

ö Berlin, 15. September.

Catnbon wirb vermutlich den heutige« Tag dazu benutzen, um sich selbst über den In­halt der Rote und die von der Regierung ihm dazu gegebenen Instruktionen genau zu infor­mieren, so daß man annehme« kann, daß die erste Zusammenkunft zwischen ihm und Herrn von Kiderlen nicht schon heute, sondern erst morgen stattfinden werde.

Bebel über die Wahlen.

(Privat-Telegram m.)

H. Jena, 15. September.

Und wieder spricht Bebel und wieder sind Säle und Tribünen überfüllt. Die bevorstehen­den Neichstagswahlen sind es, über die der greife Parteiführer sich in diesem seinen zweiten Referat verbreitet.Die Niedergerit­tenen reiten", lautet das Motiv seiner zeithisto­rischen Betrachtungen, mit denen der Redner beginnt und wiederRevanche für die Hotten­tottenwahlen" ist das Leitmotiv. Die Parole aber heißt:Nieder mit dem schwarz-blauen Block!" Die Zertrümmerung der schwarz­blauen Mehrheit wird als Ziel proklamiert, dem neben der Mehrung der eigenen Stimmen, der eigenen Mandate, die Wahlagitation der

I Sozialdemokratie zuzustreben hat. Scharf wird mit dem Zentrum ins Gericht gegangen. Den heutigen Verbündeten der Konservativen wird das Spiegelbild der oppositionellen Vergan­genheit vorgehalten. An den nunmehr sozia- listenfeindlichen Erzbischof von München wird erinnert, wie er als Prälat zu Speyer an ge­weihter Stelle, unter den Kaisergräbern des Kirchendoms, mit den jetzt so gescholtenen So­zialdemokraten ein Wahlbündnis schloß. Der alte Optimismus lebt noch im alten Bebel. Er verkündet den Sturz des Schutizollsystems und spottet über die maltusianische Furcht vor einer Nebervölkerung.Hundert Millionen Men­schen," ruft er aus,können wir bei einer ver­nünftigen Wirffchaftspolitik hier in Deutschland ernähren. Wir brauchen nicht nach MaroNo zu gehen, wo die Sonne noch stärker brennt, als bei uns in diesem Sommer der Tropen­hitze."

bei der Reifeprüfung. Aus . -, en Wirb uns im Anschluß an

unsere gestrige Notiz unter obiger Spitzmarke geschrieben: Die Frage der Aenberung ber meifegrüfung würbe in biefem Sinne auf ber diesjährigen Konferenz ber Direktoren ber Provmzialschulkollegien in Berlin angeregt, zu einem bestimmten Schlüsse aber kam es in dieser 5tflSe nicht; es bleibt somit vorläufig beim alten. Bayern ist übrigens bie Neuerung bei ber Reifeprüfung im Gebrauch , --------

Der spitzbübische Italiener Vor ber hie- ffinber erhielten Blendlaternen und im Fest- figen Strafkammer hatttsichheuteberJtalie- Wwieder heimwärts.

ner Antonio Facioli Wegen Diebsiablver- und Grab. In ber 36. Jahres-

such zu verantworten. Als ^Dolmetscher tun- ivom 3. bis 9. September 1911) verstar- gierte Bankier Fiorino von lsscr ^er Anae- &rrr.2a<$ Mitteilungen des städtischenSta- klagte hat anscheinend in jedem'Aufenthalts- ^CasselI 46 Personen (gegen

ort einen andern Namen angenommen benn 36 ?n Parallelwoche bes Vorjahres). Dar- er ist unter ben versch^sttn N^mm venr "' waren 14 lim «nrWhr, m teilt worben, zuletzt in Frankfurt unter bem Namen Casotto zu bret Jahren Zuchthaus Der Angeklagte bestreitet die ihm zur Last ge- legte Tat, da er zu der Zeit in Italien ge-

iei. Die Beweisaufnahme ergab jedoch febr belastendes Material. Der Staatsanwalt hält den Angeklagten für genügend Überführt unb beantragte eine Zusatzstrafe von neun Mo­naten Zuchthaus. Das Gericht erkannte bem Anträge gemäß.

' Letzte Telegramme.

(Rach Schluß der Redattio« eingegangen.)

L. Oberplanitz, 15. September. (P r i. vattelegramm.) Die 24 Jahre alte Ar- beiterin Hahn in Oberplanitz ist heute nackt ermordet worden. ES muß vorher ein Hefti- ner Kamps deS Opfers mit dem unbekannten Täter stattgefunden haben.

Ein Unfall auf dem Flugfeld.

B i b e r a ch, 15. September. (Privat- l^legramm.) Als der Aviattker Hirth heute früh mit feinem Apparat einen Flua I auSführte, wich bei der Landung des Flug­zeuges eine Artillerie-Abteilung nicht rechtzei- Ä °?nug aus, wobei zwei Mann und ein Pferd von dem Flugzeug getroffen und schwer verletzt wurden. Der Apparat ist schwer be­schädigt. Hitth und Passagier blieben unver­letzt. ,

Berlin und Wien.

Wien, 15. September. (Prtvaltele- 6rammü Bürgermeister Dr. Neumeier fick morgen nach Berlin zum Binnen- schiffahtts-Kongreß. Bei dieser Gelegenheit wird er auch dem Oberbürgermeister Kirsch­ner einen Besuch abstatten.

Ein Wirbelsturm.

Mailand, 15. September. (Privat- Telegramm.) WieSecolo" aus Catania berichtet, ist ein Zyflon über die ganze Gegend der große Verheerungen ange- richttt hat. Die Bevölkerung ist in Heller Ver­zweiflung. Die schlechte Witterung dehnt stch über ganz Italien aus. M '

Die Zustände in Spanien.