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Attentat auf Stolypin!

Der Minister schwer verwundet.

Der russische Ministerpräsident ist wegen seiner Energie und wegen der Strenge, mit der er seine Ansichten vertritt, der meistgehatzte Mann bei allen Revolutionären. Schon ein­mal wurde ein scheußlicher Bombenanschlag gegen sein Haus verübt, in das sich zwei Anar-

Ministerpräfidenl Gtolypkn.

chisten in militärischer Uniform eingeschlichen hatten. Damals entging Stolypin wie durch ein Wunder einem schrecklichen Geschick, wäh­rend Mitglieder seiner Familie schrver ver­wundet wurden. Diesmal aber hat ihn der Arm eines Verbrechers erreicht: Während eines Aufenthalts in Kiew besuchte Stolypin am gestrigen Abend das Theater. Als er die Vor- stellung verließ, wurden von einem ihm ent- gegenttetenden Individuum mehrere Revolver­schüsse abgegeben. Eine uns heute vormittag zugegangene Depesche besagt:

S> Petersburg, 15. September.

Ministerpräsident Stolypin ist gestern in Kiew während der Theatervorstellung im Bauch und an der Leber durch Revolver- fchüffe schwer verwundet worden. Der Mann, der dir Schüsse abgab, bezeichnete sich als RechtsanwaltsgehUfe B a g r o f s. Bekannt­lich ist Stolypin schon vor mehreren Jahren Gegenstand eines mörderischen Anschlages gewesen, dem er wie durch ein Wunder ent­ging, und bei dem seine Tochter schwer ver­wundet wurde. Gestern weilte er in Kiew an der Seite des KaiserpaareS, anläßlich der Enthüllung des Denkmals Alexander des Zweiten. Abends sand im Anschluß an diese Feierlichkeiten im Theater eine Festvorstel­lung Patt, wobei dem Attentäter, trotz der größten Wachsamkeit der Polizei, es gelang, sich Stolypin zu nähern und mehrere Schüsse aus ihn abzngeben.

Nach einem anderen, uns aus Paris zu- gegangenen, Privatreleg ra mm ist der Attentäter der Advokat Ruzoff. Er feuerte Me Schüsse aus unmittelbarer Nähe ab. Der At­tentäter wurde sofort verhaftet, er wäre von den Anwesenden fast gelyncht worden. Der Zustand des Ministerpräsidenten gilt als h o f f- n u n g s l o s. Es ist noch nicht mit voller Klarheit erwiesen,ob der Attentäter B a g r o f f geisteskrank ist, oder ob es sich um ein politi­sches Attentat handelt. Die uns im Laufe des heutigen Tages zugegangenen Drahtnach­

richten sprechen sich über diesen Punkt nicht aus. Wir geben die uns übermittelten Depe­schen im folgenden wieder:

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Me das Mental geschah.

cS Petersburg, 15. September.

Der Attentäter Bagroff besaß ein auf seinen Namen lautendes Billct zur Gala-Vorstellung für die vierte Parkettreihe. Im Zwischenakt ging er auf Stolpyn zu und sprach ihn an, wo­bei er sofort zwei Kugeln auf ihn abfeuerte. Die Nahestehenden ergriffen den Verbrecher, der keinen Widerstand leistete und seinen Na­men nannte. Nur mit Mühe konnte man ihn davor schützen, daß er auf der Stelle gelyncht wurde. Das Theater wurde sofort gesperrt. Das Publikum wurde nach Einzel-Legitimie­rung Hinausgelaffen.

S3 Petersburg, 15. September.

Der Täter gab zwei Schüffe auf Stolypin ab, der mnfiel, wobei er sich gegen die Kaiser­loge bekreuzigte. Als der Zar die Schüffe hörte, begab er sich sofort in seine Loge. Das Publikum verlangte laut nach der Rattonal­hymne, die auch von der Musik intoniert und sechsmal wiederhott wurde, wobei alles auf den Knien lag. Darauf sang die Menge das Lied:Schütze Gott dein Volk". Der Zar ver­neigte sich wiederholl dankend, sehr ernst und blaß ausfchend, dann verließ er die Borstel- lung, die sofort abgebrochen wurde. Der be­kannte Chirurg Ceidlcr aus Petersburg ist im Extrazug nach Kiew ab gereist.

0 Kiew, 15. September.

I« der Galavorstellung wurde die Oper »Zar und Sultan" gespielt. Das Stadttheater tvar überfüllt mll geladenem Publikum, hohen Persönlichkettrn und städtischen Behörden. Rach dem zwetten Atte plauderte Stolypin mit dem Kriegsminister, vor den Parterre-Fau- teuils stetsenv, als plötzlich ei« junger Mann auf den Ministerpräsidenten zutrat und aus ei­net Brownmgpistole zwei Schüffe auf ihn ab- gab. Schwer verletzt sank Stolypin in ein Fau- tcuil zurück und wurde unverzüglich in die Heilanstalt eines polnischen Arztes gebracht, wo sich der Zustand als besorgniserregend heraus- stellte. DaS Publikum brachte dem Zaren leb­haft« Kundgebungen dar. Der Attentäter wurde sofort »edjüit Außer dem Zarenpaar waren der Thronfolger und die kaiserlichen Prinzessinnen im Theater anwesend.

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Das Defirrderr des Ministers.

iS Petersburg, 15. September.

Der hier lebende Bruder Stolpyns teille mit, daß nach dem letzten Telegramm aus Kiew der Zustand des Premierministers durch­aus nicht hoffnungslos und den Umständen nach befriedigend sei. Eine Operatton werde vielleicht garnicht nötig sein. Der Blutverlust war unbedeutend.

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Deutschlands Teilnahme!

s> Petersburg. 15. September.

Der deutsche Geschäftsträger hat sofort in den Ministerien des Aeutzern und drS Innern seine persönliche Teilnahme an dem Schicksal des Ministerpräsidenten ausgesprochen. »No- woje Wremja" drücken die Hoffnung aus, daß das Kiewer Attentat keine Aenderung in dem Kurs deS Staatsschiffes hcrbeiführeu werde.

entschieden zurückgewiesen werden. Wenn un­sere deutschen Schwurgerichte in einzelnen Fäl­len trotz der Ueberführung des Angeschuldigten zu einer Freisprechung gelangten, so lag das einfach daran, daß die auf das in Frage kom­mende Delift gesetzte Strafe in dem betreffen­den Einzelsalle in keinem Verhältnis zu der Schuld des Angeklagten stand. Es ist nur folgend)tig, wenn das Gesetz dieser allgemeinen Volksanschaung Rechnung trägt.

Dr. jur. G. Schipmann.

Diplomatische Manöver.

Die Marokkofrage.

...Immer langsam voran!" heißt die Pa­role bei den Marokkoverhandlungen. Indessen hat in den letzten Tagen die deutsch-französische Annäherung doch bedeutende Fortschritte ge­macht. Während französische Truppen in den großen Hrrbstmanövern die französische Ost- grenze gegen eine vom Elsaß anrückende Armee verteidiaien und in den deutschen Kaisermanö-

vern Freiherr von der Goltz die durch daS zweite und neunte Korps dargestellteeng­lische" Jnvasionsarmee siegreich zurückschlug, hat man in Paris friedlich-schiedlich über die deutschen Gegenvorschläge verhandelt und sie ihrem wesentlichen Inhalte nach angenommen. Das bedeutet eine wichtige Etappe in den Ver­handlungen. Freilich mi: der Anerkennung der wirtschaftlichen Gleichstellung aller in Marokko interessierten Mächte durch Frankreich ist die Arbeit der Diplomaten erst zur Hälfte getan. Die Verhandlungen über die Kompensationen im Kongogebiet dürften noch manchen Noten­austausch notwendig machen, so daß noch Wo­chen vergehen können, bis die Marokkofrage endgültig aus der Welt geschafft ist.

Immerhin kann aber die Kriegsgefahr schon jetzt als beseitigt gelten. Die diplomatischen Manöver, die noch folgen werden, sind so we­nig ernst gemeint, wie es die militärischen wa­ren. Das schwere Geschütz der Roten und das Schnellfeuer der mündlichen Verhandlungen soll bei der als Schlachtenbummler fungieren­den öffentlichen Meinuna den Eindruck er­

wecken: Denen haben wir «s aber einmal or­dentlich gegeben! In der Tat scheint es sich bei den Verhandlungen für die beiden Regie­rungen nur noch darum zu handeln, der öffentlichen Meinung genug zu tun, d. h. ihr allmählich die Meinung beizubringen, daß das Resultat der Verhandlungen einen großen Er« folg bedeute.

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Die Hetze in Frankreich.

M. Köln, 15. September.

Gegenüber den deutschen optimistischen An­schauungen über den Fortgang der Marokko­verhandlungen enthalten Mitteilungen, die große Kaufhäuser aus Frankreich erhielten, peffimistische Anschauungen. In Frankreich werde in aller Stille durch englische Einflüsse die Hetzarbett gegen Deutschland weiter getrie­ben und zu einem Kriege gereizt. Eine Gruppe französischer Marotttzspekulanten führt, die Leute finden imTemstö" und anderen großen Blättern ihr Sprachrohr. Es steht fest, daß Frankreich vor wie nach seine Vorbereitungen trifft und daß die Bank von Frankreich alles Gold einzieht, auch aus Belgien und der Schweiz.

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Die Stimmung in England.

gf London, 15. September.

Die Lage wird für Deutschland sehr ernst; die Territorials mobilisieren!" fo heißt es kriegerisch in den Londoner Blättern. Der Kommandierende eines Territorialbataillons erhielt vom Kriegsamt den Befehl, die Ser- gcanten anzuweifen, die Wohnungen aller Sol- baten zur Kontrolle der Adressen, zur Nevidie» rung der Tornister und behufs Aufnahme eines Verzeichnisses über die fehlenden Ansrüstungs» stücke zu besuchen. Die Arbeit nrutz bis zum 17. beendet sein. Die kommandierende« Offi­ziere und Adjutanten von Territorialtruppe« sollen in bauender Dcchindung mit dem KriegSamt stehen und kürzlich über die MobUi- sierung konferiert haben. Im Lager von Alder- fhot soll eS auch recht rührig hergehen. ES finden Truppeninfpeklione« statt. Gestern wurde sestmätzige Parade abgehafteu, wobei die Tornister genau revidiert wurden. Die vom verkürzten Urlaub zurückkehrenden Mannschaf» ten werden ärztlich untersucht und andere Vor­sichtsmaßregeln getroffen. AuS Kirkwall wird berichtet: Das dort liegende dritte Torprdo- bootsjägergeschwader erhielt Befehl, sich bereit zu halte«, um binnen einer Frist von wenige« Stunden in See zu gehe«.

Bebel Wer Marokko.

Der sozialdemokratische Parteitag.

Das für gestern angekündigte Referat Bebels über die Reichstaaswahlen hatte be­wirkt, daß Saal und Tribüne des Volks hau- seS schon lange vor Beginn der Sitzung übet» füllt waren. Bebel erschien, von Photogra­phen umlagert, kurz vor Beginn der Sitzung ziemlich aufgeräumt im Saal. Auf fernem Platze prangte ein großer roter Blumenstrauß. Nach Eröffnung «Ute der Vorsitzende Dietz zur allgemeinen Ueberraschung mit, daß der Par­teitag bereits am Freitag mittag zu Ende gehen werde. Mit minutenlangem Beifall empfangen, führt nunmehr August Bebel aus, daß man übereingelommen fei,

die Marokkofrage

und die Rerchstagswahlen in einem Referat zu behandeln. Er werde mit der Marokkosache beginnen: Die Kolonialgeschichte sei seit dem 17. Jahrhundert eine Geschichte, die mit Blut geschrieben und mit Verbrechen besudelt fei. Ganze Völker wurden ausgerottet, alte Kultu­ren zerstört, andere Völker ausgebeutet und ge- knechtet. Neuerdings treibt auch Deutschland Kolonialpolitik, macht es aber nicht anders, als es die anderen Kolonialmächte getan ha­ben. Das stärkste hat sich Deutschland im süd­afrikanischen Ausstand geleistet, wo die Einge­borenen das taten, was ihr gutes Recht war, nämlich ihr Land gegen Eindringlinge zu ver­teidigen, denn es war ja ihr Heimatland, ihr Vaterland. Was man uns als große Ehre an­rechnet, das Vaterland zu verteidigen, wurde den armen Eingeborenen als Verbrechen nach­gesagt und schließlich der General von Trotha zu ihrer Riedermetzelung entfenbet, der die Scharen von Hereros, Männer, Weiber und Kinder, auf den glühenden Sandhügeln West­afrikas zusammentreiben und verhungern und verdursten ließ. (Pfuirufe.) Das ist ein Schandfleck für Deutschland, solange es eine Geschichte gibt. Run hat in den letzten Jahr­zehnten die Kolonisationspolitik sich hauptsäch­lich auf Afrika geworfen. England hat seine Hand auf Aegypten gelegt, Frankreich auf Al­gier und Tunis. Allmählich will Frankreich auch seine Interessensphäre auf Marokko aus- dehnen. Ich will gerne zugestehen, daß Ma- rokko zu den Ländern gehört, die bei einer ver­nünftigen Politik einer

großen Entwickelung fähig

sind. Als abvt Frankreich versuchte, sich ht Marokko festzufetzen, griff Deutschland ein. Der

1. Jahrgang.

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Sonnabend, den 16. September 1911

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Sollte der numerus clausus di« materielle Hebung des Anwaltsstandes bezwecken, so han­delte es sich bei der Frag« der juristischen Vor- bildung um die ideelle Hebung des gesamten Furistenstandes. Beide Fragen stehen insofern in einem engen Zusammenhang, als unter den Mitteln, den Zuzug zur Anwaltschaft zu ver­mindern, auch die Einschiebung einer längeren VorderertungSzett vorgeschlagen war. ES war vielleicht etwas pharisäerhaft, wenn in den Verhandlungen die Meinung vorherrschte, daß vornehmlich die Richter einer besseren Vorbil­dung bedürften. Der dieser Auffassung ent* spnrngene Vorschlag, tüchtige Rechtsanwälte zu Richtern zu ernennen, dürst« in der Praxis auf die Schwierigkeit stoßen, daß sich ein tüchtiger Anwalt meist besser steht als ein Richter und daher kaum bereit sein wird, feine Anwalts- Praxis mit dem Richteramt zu vertauschen.

Während sich der Anwaltstag hauptsächlich mit der sozialen Lage der Anwälte beschäftigte, waren es Fragen der Rechtspflege, die auf dem Richtertage diskutiert wurden. Insbeson­dere zog sich das Verhältnis zwischen Richter und Gesetz wie ein roter Faden durch die Ver­handlungen. Sowohl bei der Frage der Frei­rechtsbewegung wie auch bei der Stellung­nahme zum neuen Strafgesetzbuch drehte es sich im wesentlichen um die Frage, ob und inwie­weit man den Richter an bestimmte Gesetzes- L. normen binden soll. Jrn allgemeinen ging die Ansicht dahin, daß man zwar dem Richter mög­lichst große Bewegungsfreiheit geben soll, daß aber die extreme Lehre der Freirechtsschule, wo­nach sich der Richter nötigenfalls über das Ge­setz hinwegsetzen solle, zu verwerfen sei. Es ist jedensalls interessant, daß dem Staatsanwalt Dr. Klee- Berlin, der über das neue Straf­gesetzbuch zu referieren hatte, die Entwürfe in dieser Hinsicht teilweise schon zu weit gingen. [L Insbesondere bemängelte er die Bestimmung, wonachin besonders leichten Fällen'demRichier freistehen soll, di« Strafe frei zu mildern, ja felbst die Straflosigkeit auszusprechcn.

Daß ein Staatsanwalt diese Auffassung hat, | ist nicht weiter verwunderlich, aber einiger- D maßen sonderbar muß es berühren, daß man ' in einer Richtervereinigung ausgerechnet einem Staatsanwalt das Referat in einer so wichtigen Sache übertrug. Dr. Klee wußte allerdings seine Ansicht seinen Hörern durch einen Ausfall auf die Schwurgerichte schmackhaft zu machen. Er meinte nämlich, ein so radikales Strasmil- derungs- und Abolitionsrecht bedeute eine un­gerechte gesetzlich« Sanktionierung der sich stän­dig mehrenden Freisprüche der Schwurgerichte. Dieser Angriff auf die Schwurgerichte mutz

Anwiilte trab Richter.

Die juristischen Kongresse.

Don einem Juristen wird uns geschrieben: Die letzten Tage der Gerichtsferien sind so recht die Zeit der juristischen Kongresse. Auch in diesem Jahre haben die Rechtsanwälte und die Richter unmittelbar vor Wiederaufnahme der vollen gerichtlichen Tätigkeit ihre Tagungen abgehalten, diese in Dresden, jene in Würz­burg. Beide Kongresse haben sich mit Fragen beschäftigt, die auch über die Kreise der Zunft- genossen hinaus Anspruch auf Interesse haben. Die Rechtsanwälte haben sich allerdings bei ihren diesjährigen Verhandlungen fast aus­schließlich auf ihre engsten Berufs- und Stan- desinteressen beschräntt. Bei der Bedeutung, die der Anwaltstand für die Allgemeinheit hat, müssen indessen auch bei solchen Fragen not­wendig Interessen der Allgemeinheit berührt werden. Dies gilt vornehmlich von den beiden wichtigsten Puntten, die den Anwaltstag be­schäftigten, der Frage des numerus clausus und der Frage der Vorbildung der Juristen. Die erste Frage, d. h. di« Frage, ob die Zahl der Anwälte an den einzelnen Gerichten durch Be­stimmungen irgendwelcher Art beschränkt wer­den soll, ist zunächst rein materieller Art. We­nigstens waren es rein materielle Interessen, die dazu geführt haben, die Frage wieder auf­zurollen: Man will sich unliebsame Konkurrenz vom Halse halten. Daneben ist die freie Advo­katur aber auch eine Frage von eminent poli­tischer Bedeutung. Ihre Abschaffung würde viel weitergehende Folgen haben, als es von den Befürwortern des numerus beabsichtigt ist. Man darf es deshalb im Interesse der Allge­meinheit begrüßen, daß der Anwaltstag sich gegen jede Beschränkung der freien Advokatur ausgesprochen hat. Gleichwohl zeigt die Tat­sache, daß den 619 Gegnern des numerus 244 Anhänger gegenüberstanden, daß die zünstle- rische Idee in ben Anwaltskreisen schon weit um sich gegriffen hat.