Rt. 239. — 1. Jahrgang.
aktion durchkreuzt, ist unbegründet. Wenn irgend etwas die
deutsche Stellung im Ausland
mißliebig macht, so ist es die Art der Kritik, sie von einem Teil der Korrespondenten gegen die Bruderpartei ausgeübt wird. Ich hoffe, daß das endlich aufhört. — Landtagsabgeord- nerer Dr. Liebknecht: Gleich nach der Entsendung des Panzers nach Agadir erschienen in der Rheinisch-Westfälischen Leitung jene kriegshetzerischen Artikel. Zur Ehre der Berliner Parteigenossen muß festgestellt werden, daß sie nicht auf den Vorstand warteten, sondern sofort Marokkoversammlungen einberufen haben. Die Berliner Genossen haben den
Ernst der Situation
besser erfaßt, als der Parteivorstand. Der Aufruf des Parteivorstandes ist zu einer sehr ungünstigen Zeit erfolgt. Dies zeigt, daß die Massen in viel größerem Maße auf Marokko blicken, als die gesamten leitenden Stellen der Partei. Irgend eine Meinungsverschiedenheit wegen der Marokkoaffäre besteht in der Partei nicht. Das ganze Proletariat steht hinter dem Frieden, das revolutionäre Proletariat wird ihn bewahren. (Lebhafter Beifall.) Hieraus erhielt Rosa Luxemburg das Wort. Sie verteidigte sich in temperamentvoller Weise gegen die wider sie gestern erhobene Beschuldigung der Indiskretion. Henke- Bremen meint. Molkenbuhrs Briese seien doch nicht an eine Jugendliebe gerichtet gewesen, sondern betrafen eine Sache, die die ganze Arbeiterschaft lebhaft bewege. Er hätte also vorsichtiger sein müssen. Den Parteivorstand als Leithammel der Masse zu konstruieren, gehe doch nicht an. Iran Z i e tz (Hamburgs erklärt als Mitglied des Parteivorstandes, daß sie zu den Personen gehöre, die allerdings wünschten, der Ausruf wäre etwas früher erschienen, aber sie habe auch nicht die Meinung, er sei zu spät gekommen. Er sei erschienen im Anschluß an die neuerliche Kriegshetze der alldeutschen Blätter und als Antwort darauf sei er früh genug gekommen. — Der Reichstagsabgeordnete David (Mainz) wendet sich energisch dagegen, daß die Süddeutschen als
minderwertig
disqulifiziert würden. Die Süddeutschen beanspruchten durchaus für voll genommen zu werden. Der Redner kann die Meinung nicht teilen, daß schon die Entsendung des .Panther" eine Aktion bedingte, denn die Regierung habe ja nur den Schutz der Deutschen beabsichtigt und etwas anderes sei seitdem auch nicht geschehen. — Am gestrigen Abend fand eine stark besuchte Volksversammlung statt. Gleichzeitig bewegte sich ein Fackelzug durch die Straßen der Stadt seitens des Monistenkongresses als Ehrung Haekels.
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Die heutige Sitzung.
Jena, 13. September. (Privat-Te- l e g r a m m.) Die friedliche Stimmung, die auf dem sozialdemokratischen Parteitag herrscht seit der Kampf um Rosa Luxemburg Entscheidung gefunden hat, dauert fort. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken einer verstorbenen ausländischen Gesinnungsgenossin, der Engländerin Macdonald. Der Bochumer Delegierte Scheibe stellte einen Antrag. Er wird einstimmig angenommen, den Hinterbliebenen der bei Pirna Verunglückten das Beileid des Parteitages auszusprechen.
■ Sie MM der Tages.
Die Arbeitslosenversicherung. Der Deutsche Städtetag nahm, einer uns aus Posen zugegangenen Depesche zufolge, am gestrigen Dienstag die von den Oberbürgermeistern Wallraf - Köln und A d i ck e s - Frankfurt am Main eingebrachten Leitsätze zur Ar-
Set König der Wilder.
Was ein Kapitalhirsch kostet.
Wenn der Altweibersommer seine silberweißen Fäden über die Stoppelfelder zieht und die Spinnerin auf weißem Netzwerk durch die Lüfte reist, dröhnt es in den Hochwilddistrikten des deutschen Waldes wie tiefer Orgelton, wie das Brüllen einer gewaltigen Stimme durch die Dämmerung des Spätsommermorgens. Der Jagdkundige weiß, daß es das Liebeswerben des Königs der Wälder ist. der, in die Brunst getreten, die einzelnen Stücke des Kahl- wildes tvrannisch in seinen Harem zusammentreibt und als edler Platzhirfch die Rivalen im Reviere zum blutigen Kampfe herausfordert.
Die Hotels im Thüringer Walde, denen die letzten Sommergäste zu entweichen beginnen, inserieren in den Zeitungen die Lockannoncen, daß man von ihren Restaurationsterrassen die Hirsche schreien hören kann. Dem Weidmann aber, dem seine Mittel nur die Pacht einer bescheidenen oder guten Niederjagd mit Hasen und Hühnern gestatten, wobei es schon ein großer Glückstreffer ist, wenn ihm gelegentlich einmal ein Reh in die Schußlinie kommt, begräbt mit Resignation seinen Neid gegen die wenigen Auserwählten, denen es vergönnt ist, am frühen Morgen den gewaltigen Recken des Waldes zu beschleichen und mit sicherem Büchsenschuß zur Strecke zu bringen; denn obwohl wir in Deutschland noch einen stattlichen Bestand an Rotwild haben, der durch vernünftiges Schonen und Hegen und durch Vermischung mit anderem Blute (zum Beispiel durch Aussetzen amerikanischer Wapitihirsche) statt sich zu vermindern in kräftiger Vermehrung begriffen ist, kommen für die Erlegung des Edelhirsches fast nur noch Jäger in Betracht, die außer der Passion für die hohe Jagd über einen sehr großen Geldbeutel verfügen oder als Majo- ratsberren oder Großgrundbesitzer geboren sind. Wenn schon die Pachten für Niedcrwild- jagdcn in der weiteren Umgebung großer Städte so hoch gestiegen sind, daß der Gesantt- erlös der Jagdsaison weit hinter ihnen zurück- blcibt, werden für die Ausübung der Jagd in einem Hirschrcvier fast unglaubliche Beträge gefordert und auch gezahlt.
Eine im vergangenen Frübjabr in Thüringen zur Verpachtung gelangte Hochwildjagd wurde für den jährlichen Betrag von 46 000 Mark an den Mann gebracht, obwohl dabei .ä6UioolidLauäbebunatii. war. daß jährlich.nicht
bcitsloscnversicherung an, nach denen alle Gemeinden die Durchführung der zunächst erforderlichen Untersuchungen in den einzelnen Gewerben nicht selbst unternehmen, sondern von den Regierungen fordern sollen.
Die Kaiscrmanöver. Nach einer telegraphischen Meldung aus Woldegk beabsichtigten beide Gegner gestern den Angriff. Die guten Nachrichten, die fraglos durch Flieger und Lenkballons beiden Führern zugingen, führten beide dahin, direkt aufeinander loszugehen. Rot ging um 5 Uhr morgens mit dem 9. Korps auf Woldegk und mit dem 2. aus Straßburg vor. Das 9. Korps besetzte Woldegk, das 20. Korps (blau) war mit der 3. Gardediviflon auf Wolfshagen und mit der 41. Division westlich auf die Flanke des 9. Korps vormarschiert. Die 41. Division (blau) zwang dem 9. Korps (rot) eine abwartende Stellung auf. Mittags hatte die 3. Gardedivision Wolfshagen und den Abschnitt bis Fürstenwcrder besetzt. Ihr gegenüber stand die 17. Division (rot) und anschließend die 18. Division bis Hinrichshagen. Der Angriff der 41. Division war sehr kraftvoll durchgefiihrt. Die rote verstärtte 18. Kavalleriebrigade hat mehrfach wirksam versucht, diesen Angriff zum Stocken zu bringen, der Enderfolg war aber auf fetten von blau. Die 41. Division steht nun heute abend bei Hinrichshagen westlich Woldegk. Die 3. Garde-Division vom 20. Korps hat sich lange glücklich bei Wolfshagen und Fürstenwerder gehalten und befindet sich heute abend noch immer ungefähr in der gleichen Position. Gegenüber diesem westlichen blauen Flügel befindet sich rot heute abend bei Liepen (18. Division) und Kullenk (17. Division). Das 9. Korps ist hier also ziemlich weit zurückgegangen. Vor ihm steht die 18. Kavalleriebrignde bei Kölpin-Altkäbe- lich. — Das Wetter ist sehr schön, die Staubentwicklung natürlich ungeheuer. Das Aussehen der Truppen ist vorzüglich, nur eine Anzahl Fußkranker ist zu verzeichnen.
iS3 Die Herbstentlassungen. Nach einer uns aus Berlin zugegangenen Depesche sind die Herbstentlassungen der meisten zur Reserve übertretenden Mannschaften der Flotte bei den verschiedenen Marineabteilungen nach einer erlassenen Verfügung von der Mitte dieses Monats ab bestimmt worden.
Warum es diesmal keinen Krieg gab! In militärischen Kreisen kursiert in Paris ein Ausspruch Delcassös, den er dieser Tage im Kreise der Offiziere bei den Flottenübungen getan haben soll, und der nach der ganzen Anlage Delcaflss so glaubhaft erscheint, daß er wiedergegeben zu werden verdient. „Deutschland ist," so führte der französische Marineminister aus, „diesmal bei seinen geschraubten Ansprüchen nur deswegen um einen Krieg gekommen, weil Italien kulant genug war, sich auf den Dreibundvertrag zu besinnen." (Der Aerger Delcassss über den Wink des „rasseverwandten" und umschmeichelten Italiens nach Paris, daß man in Rom im Eventualfälle auf Seite Deutschlands stehen werde, scheint ganz gewaltig zu sein.)
genes vom Tose.
(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.) äs Die Heide brennt. Nach einem uns aus Sie gen zugegangenen Privattelegramm herrscht seit gestern zwischen Schüttorf und Bensheim ein riesiger Heidebrand, der hauptsächlich kultivierte Oedländereien schädigt. Durch den Südwind sind die großen Bensheimer Forste gefährdet; längs der Bahnlinie Rheine, Oldenburg, Leer sind Mannschaften stationiert, die bei der Dürre auf das Feuer achten sollen. Die ganze Gegend ist in Rauch gehüllt.
Ein schweres Automobilunglück. Ein schweres Automobilunglück, dessen Opfer drei
Berliner Kaufleute geworden sind, hat sich gestern auf der Küstriner Ehaussee bei Jahns- feld ereignet. Durch unvorsichtiges Fahren und falsches Steuern geriet das Automobil ins Schleudern, überschlug sich und wurde vollständig zertrümmert. Die drei Insassen wurden aus dem Wagen herausgeschleudert. Einer von ihnen, der Kaufmann Paul Müller, aus Grünewald bei Berlin, erlitt so schwere Verletzungen, daß er auf dem Transport nach dem Krankenhause starb. Sein älterer Bruder, der Fabrikant Max Müller, auch aus Grünewald, erlitt schwere Verletzungen am ganzen Körper, der Kaufmann Franz Feuer aus Berlin ist mit Verletzungen an Kopf und Händen noch glimpflich davongekommen.
äs Eine gewaltige Feuersbrunst. Im Dorfe Grüningen bei Freiburg i. Br. ist mittags ein Feuer ausgebrochen. Der starke Nordwind, die zahlreichen Heuvorräte und der Wassermangel trugen zur raschen Verbreitung des Brandes bei; bis jetzt sind zwanzig Häuser abgebrannt. Sämtliche Feuerwehren aus der Gegend sind in Tätigkeit.
äs Der Schwabenflug. Alle fünf Teilnehmer an dem schwäbischen Rundflug sind gestern abend in Ulm eingetrosfen. Als erster landete Lindpaintncr mit seinem Passagier, Leutnant Hehler aus Metz. Er kam bei Eintritt der Dunkelheit von Recklingen und landete glatt. Verschiedene Passagierfahrten verliefen glänzend. Es wurden einundzwanzig Aufstiege vorgenommen. Heute findet die Weiterfahrt nach Friedrichshafen statt.
äs Meuternde Soldaten. Aus Prag wird berichtet, daß im Militärübungslager von Neubenatek eine Kompagnie des 102. Infanterieregiments gemeutert und ihren Hauptmann und zwei Offiziere erschossen habe. Telegraphisch seien zwei Eskadrons Kavallerie aus Prag gerufen, durch die die Kompagnie dorthin eskortiert wurde. Sie sei in einem abge- sondetteu Teil der Kaserne interniert worden und wird streng bewacht.
äs Ein verhängnisvoller Zusammenstoß. Bei den militärischen Hebungen in der Nähe von Lemberg erfolgte ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Militärautomobil und einem Bauernwagen. Der Führer des Bauernwagens wurde von der Deichsel aufge- spießt und war sofort tot.
äs Der Todessturz des Fliegers. Leutnant Chotard stürzte, als er gestern abend bei Villa Comblay (Frankreich) an Bord eines Doppeldeckers Flüge ausführte, aus einer Höhe von 60 Metern ab. Schwerverletzt wurde er vom Platze getragen und starb noch abends. Die Ursache des Unfalles steht noch nicht fest.
itr Ein blutiger Zusammenstoss. In Crail (Frankreich) kam es zwischen Teilnehmern an Kundgebungen gegen die Lebensmittelverteuerung und Kavalleriepatrouillen zu einem Znsammenstoß. Drei Zivilpersonen wurden verwundet. In Möziöres versuchten gestern früh einige Arbeiter die Tore einer Automobilfabrik aufzubrechen, wurden aber durch Truppen zurückgedrängt. Bei einem Zusammenstoß in den Straßen wurden mehrere Arbeiter verwundet. Zehn Arbeiter wurden verhaftet.
äs Ein schweres Eisenbahnunglück. Ein schweres Eisenbahnunglück hat sich bei Mare- ville (Frankreich) zugetragen. Der Pariser Schnellzug entgleiste vormittags in der Nähe dieses Ortes. Unter den Reisenden entstand eine Panik. Der Zugführer kam unter einen umgestürzten Wagen zu liegen. Sein Leichnam konnte erst in der Mittagsstunde unter den Trümmern hervorgezogen werden. Neun Reisende, darunter zwei Damen, wurden schwerverletzt.
js; Im Wüten des Sturmes. Der Sturm, der in der Ostsee wütet, hat schwere Schiffsschäden verursacht. Die finnischen Segelschisfe „Suomi" und „Expede" mit Holz auf der Reise
Casseler Neueste Nachrichten
Donnerstag, 14. September 1911.
nach Flensburg sind in der Ostsee gekentert. Die acht Mann starke Besatzung der „Suomi"
wurde von einem Flensburger Dampfer ausgenommen, als sie in offenem Boot in der Ostsee trieb. Von der Besatzung des zweiten Schisses weiß man nichts.
Sm Neueste ms Kassel.
Ghtb AsmSahnSnttw Behörde?
In jüngster Zeit ist ein Streit darüber entstanden, ob die Eiscnbahnämter der preußisch-hessischen Eisenbahnverwaltung Behörden sind. Von mehreren maßgebenden Stellen wurde diese Frage verneint. Da der staatsrechtliche Begrifs der Behörde in Ermangelung einer gesetzlichen Bestimmung nicht seststeht, sondern fließend ist, so bringt die amtliche „Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen" in ihrer neuesten Nummer einige Ausführungen darüber. Von größtem Interesse ist ein Urteil des Oberverwal- tungsgcrichtes, das sich darüber ausgesprochen hat. Das Oberverwaltungsgericht hat, wie Regierungsrat Hellmann mitteilt, die Frage bejaht.
Das Urteil wurde veranlaßt durch eine Klage des Königlichen Fiskus, vertreten durch die Königliche Eisenbahndirektion zu S.. als Kläger und Revisionskläger wider den Magistrat zu E., Beklagten und Revisionsbeklagten, wegen der Heranziehung des Königlichen Fiskus zur Gemeindegrundsteuer im Gemeindebezirk von E. für das Stcuerjahr 1895/96. Der Kläger behauptete, von dem Nutzungswert der im Werkstattsgebäude enthaltenen Burcau- räume der Werkstätteninspektion dürfte nicht, wie geschehen, eine Grundsteuer berechnet werden, da diese Inspektion eine öffentliche Behörde, mithin ihr Dienstlokal zu einem öffentlichen Dienst bestimmt und nach § 24 des Kom- munalabgabengesetzcs der Gemeindearund- fteuer nicht unterworfen sei. In dem hierauf von dem Oberverwaltungsgerichte ergangenen Erkenntnis, noch dem der Beklagte gänzlich unterlag, heißt cs nach dem Abdruck im „Archiv für Eisenbahner": Ferner geht aus dem Allerhöchsten Erlaß vom 15. Dezember 1894, betreffend Umgestaltung der Eisenbahnbehörden und der zugehörigen Verwaltungsordnung für die Staatseisenbahnen (Ges.-S. von 1895) hervor, daß die der Organisation der Staatseisenbahnverwaltung eingereihten Werkstätteninsvektio- nen nicht minder Staats- bezw. öffentliche Behörden sind, als die mit der allgemeinen Verwaltung betrauten Eisenbahndirektionen (£§ 1, 9 und 13 der Verwaltungsordnung); daß ihnen die Ausführung und Ueberwachung eines bestimmten Zweiges des örtlichen Dienstes nach den Anordnungen der Eisenbahndirektionen übertragen ist, kann keinen Gnmd abgeben, ihnen die Eigenschaft als öffentliche Behörden abzusprechen." Der hiernach den damaligen Werkstätteninspekttonen, jetzigen Werkstättenämtern, zuerkannte Charakter als Behörden gebührt m. E. zweifellos auch den Abnahme-, ' Betriebs-, Maschinen- und Verkehrsämtern, die , nach der Verwaltungsordnung den Werkstät-^ tenämtem gleichgeordnet sind. Jedenfalls der-» tritt der Königliche Fiskus in steuerlicher Hinsicht den Standpunkt, daß die genannten Aem- ter öffentliche Behörden sind. **
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Sie GehSlter der Sberbürgermeister.
Das Statistische Amt der Stadt Straßburg veröffentlicht soeben das Ergebnis einer Umfrage betreffend die Berwaltungskosten der größeren deutschen Städte nach ihrem neuesten Stand (1. April 1911). In erster Linie kommen hierbei die interessanten Mitteilungen über die Gehälter der ersten Bürgermeister in Betracht. Die Zusammenftellung geschah nach
mehr als zwölf Vollhirsche abgeschossen werden dürfen; für ein gleiches Revier in Kärnthen, das vor kurzem zur Ausbietung kam, wurden bereitwillig 50 000 Kronen gezahlt, während ein im Böhmerwald gelegenes, von einem Jagdliebhaber aus den Kreisen der Wiener Haute-Finance um eine Jahrespacht von 36 000 Kronen erstanden wurde. Zieht man die sehr bedeutenden Nebenausgaben mit in Betracht, so ergeben sich als Preise für einen Edelhirsch Beträge von 4000 bis 6000 Mark.
Da dies selbst für recht reiche Leute noch zu hohe Summen sind, ist es neuestens Mode geworden, das Recht zum Abschuß einzelner Stücke zu verkaufen, wobei die Summe nicht vorher fest abgemacht wird, sondern nach dem Schuß in d e r Art zur Feststellung gelangt, daß jedes Geweihende mit einem bestimmten Betrag (in der Regel 100 Mark) in Ansatz kommt. Ein Sechzehnender würde demnach 1600 Mark kosten, kommt aber in Wahrheit, wie der bekannte Jagdsreund Fritz Skowron- nek berichtet, noch viel teurer zu stehen, weil meistens hohe Strafgelder für Fehlschüsse und die Kosten für Wildheger, Fahrgelegenheit und Aufenthalt dazu kommen.
Rentabilität bei der Hirschjagd ist also vollkommen ausgeschlossen, wenngleich auch die findigen Wildbrethändler der Großstädte dem einen sehr mäßigen Genuß abgebenden Hirschfleisch einen höheren Wert dadurch zu geben bemüht sind, daß sie laut verkünden, die zum Ausschnitt gelangenden Stücke seien von dem oder jenem hohen ober allerhöchsten Herrn erlegt worden. 0. K.
Kleiner Feuilleton.
Königliche Schauspiele. Heute, Mittwoch, gelangt die Oper „Die Zauberfföte" von Mozart zur Aufführung. Als „Tamino" gastiert der Fürstlich Lippische Kammersänger Herr Camphausen auf Engagement. Die „Königin der Nackt" singt erstmalig Fräulein Gates. Beschäftigt sind noch die Damen: Beruh, Erhard-Sedlmaicr, Herper, von der Osten, Peters: die Herren: Bartram, Groß, Eggenburg, Warbeck, Ulrici.
Professor Rieth ch. Im Alter von 53 Jahren ist gestern in Berlin der Architekt Otto Rieth, Professor an der Kal. Kunstgewcrbe- schulc in Berlin, gestorben. In seiner Heimatstadt Stuttgart ist Rietl> hanpi sächlich alS Schövfer des Galarke BrmmenL aut der
Eugensplatte bekannt geworden. Auch das Bismarckdenkmal in Heilbronn ist sein Werk. In Berlin war Professor Rieth einer der hervorragendsten Mitarbeiter des Erbauers des Reichstagsgebäudes, des Baurats Wallot.
-rr. Nach Königsberg berufen. Professor Friedrich in Marburg ist nach Königsberg an Stelle Payrs Berufen worden.
Ein neues Haus für die Weimarer Kunstakademie. Nach Plänen von Henry van de Velde soll jetzt die Weimarer Hochschule für die bildenden Künste einen Neubau erhalten. Das alte, nüchterne Gebäude in der Kunstsckul- straßc ist bereits abgerissen worden, und der Neubau hat begonnen. Bei dieser Gelegenheit sind auch, wie der „Cicerone" berichtet, zwei wenig bekannte Wandmalereien von Arnold Böcklin, die hinter einer Wandbespannung ein verborgenes Dasein führten abgclöft worden. In dem neuen Gebäude von van de Velde sollen sie einen würdigeren Platz erhalten.
üü Eine Bortragsreife Rudolf Herzogs. Der Dichter Rudolf Herzog, dessen letzter Roman „Die Burgkinder" soeben erschienen ist, wird am 23. d. M. Deutschland verlassen, um in den Vereinigten Staaten von Nordamerika eine mehrmonatige Vortragsreise zu unternehmen. Er wird dabei insbesondere die Städte Newyork, Boston, Cleveland, Chicago, Milwaukee, St. Paul, San Francisco besuchen und dabei auch selbst Studien über das Deutschtum in Amerika machen.
Wozu es noch kommen wird. Die Mu- feum-Diebstäksse in Frankreich geben den Pariser Journalisten dauernd Stoff zur Verul- kung der unglücklichen Hüter der Kunstschätze. So entwirft Clöment Vautel im „Mattn" folgende nett erfundene Sckilderung einer Familienszene: P a v: : „Ich komme eben aus dem Louvre- Museum." — Mama: „Zeig her!" — Papa zieht eine vhöniziscke Statuette aus der Tasche, übrigens ein sckeußliches Ding, und stellt sie auf den Kamin neben einen Givs- kops, dessen unerwartete Gesichtsverzerrung ihm den Ausruf entreißt: „Was ift denn das für eine Karikatur?" — Mama (leichthin): „Ich bin eben eine Stunde im Trocadöro- Museum gewesen." — Im selben Augenblicke kommt der junge Ferdinand an. den Walzer g"s der „Lustigen Witwe" pfeifend. — Papa: Woher kommst Tu?" — Ferdinand: „Aus dem Cluny-Museum. Hier der Beweis dafür der Keusckhettsgürtel!" — Tie Tochter des Hauses hat sick in den Sälen des Carnava- l c t- Museums.'-mmaetriebcn und brinat den
Strick Latudes mit. — Beeilen wir uns hinzu- zusetzen, daß diese gestohlenen Gegenstände am nächsten Tage per Post oder durch die Vermittlung einer Zeitung den beteiligten Museen zurückerstattet werden. Denn es handelt sich nur um einen Sport, um einen reizenden Sport, der bald allgemeinen Anklang finden wird. Diesen Winter werden wir eine neue Art von Diners mit Heberraschungen haben: Jeder Gast muß irgend einen Gegenstand mitbringen, bet einem Museum entstammt; das wird außerordentlich lustig werden.
-Q- Die Entführung der Giaconda. In einem Pariser Telegramm der „Vossischen Zeitung" wird jetzt angenommen, daß die Entführung der „Giacottda" aus dem Louvre auf Betreiben eines reichen amerikanifchen Kunstliebhabers durch einen internationalen Gauner namens Antoni erfolgte.
Ter spielende Eros. Wilhelm Sckmidt- bonns neuestes Werk „Der spielende Eros" wird im Deutschen Theater in Hannover zur Uraufführung kommen. Es besteht ans vier Schwänken: „Die Versuchung des Diogenes", „Helena im Bad", „Der junge Achilles" und „Pygmalion".
-r-. „Barbarina". Otto Reitze!s Oper „Bar- barina" ist außer von bett Stadttheatern Krefeld und Dortmund soeben auch vom Hamburger Stadttheater angenommen worden. Das Werk, in welchem der alte Fritz vorkommt, soll an dessen 200. Geburtstag, 12. Januar 1912, an den genannten Bühnen als Festoper in Szene gehen.
tQi Tie Entdeckung einer antiken Mosaik. In Lyon, dem alten Lugdunum, wurde in der Nähe des alten Amphitheaters unter beit Trümmern eines großen Gebäubes eine der schönsten römiscken Mosaiken entdeckt, die bisher in Frankreick gefunden worden sind. Es ist eine sehr sorgfältige Arbeit eines Künstlers der antoniniscken Zeit, der nack ausgezeichne- ten Mustern arbeitete. Hrsvrünalick war die Mosaik ein Quadrat von etwa vier Meter Seitenlänge. wovon etwa ein Drittel zerstört ist. In einem reichen ornamentalen Rahmen, der aus viereckig gegen- und durcheinander geführten Sckraubenlinien in Schwarz. Weiß und Rot gebildet ist, sind fünf Bildfelder eingefügt: in der Mitte ein 75 Zentimeter messendes Quadrat, in dem auf dunklem Grunde der auf einem Panther sitzende Bacckus dargestellt ist, in vier seitlichen Heineren Quadraten überlebensgroße Köpfe, in denen man vielleicht dir vier Jahreszeiten zu erblicken bat,
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