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Nummer 239.

1. Jahrgang.

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$U<tafieUr91euefte Nachrichten- erscheinen wöchentlich sechsmal unv zwar abends. Der AbonnementSpret« beträgt monatlich LV Psg. bet freier Zn- fteUimg tnS tzanL. Druckerei, Verlag u. Redaktion: Schlachthofftratz« 28/30. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.

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Donnerstag, den 14. September 1911.

RetzubM Portugal.

Ein großes Ereignis.

Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Jta- ' lien, England und Spanien haben, wie schon gestern gemeldet, die Republik Por­tugal anerkannt. Von den Großmächten fehlt jetzt nur noch Rußland.

£- Die junge portugiesische Republik hat ein bedeutendes Ereignis zu verzeichnen. Nachdem schon am Tage der Parlamentserösfnung die Vereinigten Staaten und wenige Tage später euch Frankreich die neue Staatsform anerkannt hatten, sind jetzt Deutschland, Oesterreich-Un­garn, Italien, England und Spanien diesem Beispiel gefolgt, so daß von den europäischen Großmächten nur Rußland noch nicht die Re­publik anerkannt hat. Man darf erwarten, daß auch das Zarenreich und die kleineren Staaten, von denen namentlich Belgien und die Nieder­lande wegen ihrer kolonialen Beziehungen zu Portugal in Betracht kommen, dem Vorgehen des übrigen Europas bald folgen werden.

Schon bald nach der Präsidentenwahl wurde apgekündigt, daß die Anerkennung der portu­giesischen Republik seitens Deutschlands dem­nächst erfolgen werde. Die Verzögerung erklärt sich nur daraus, daß Deutschland mit den übri­gen Mächten gemeinsam vorgehen wollte. Nach­dem durch die Wahl des Parlaments und des Präsidenten das portugiesische Volk seinen Wil­len selbst kundgegeben hatte, lag auch kein Grund vor, die Anerkennung länger hinauszu­schieben. Die Zeiten derHeilige« Alliance", da sich Europa die Entscheidung über die Staatsformen in den einzelnen Ländern an­maßte, sind längst vorüber. In solchen Fragen des Völkerrechts stellt man sich. heute einfach auf den Boden der Tatsachen, indem man von dem Selbstbestimmungsrecht der Nationen aus­geht. Freilich muß man auch eine Gewähr dafür haben, daß die neue Staatsform von Be­stand ist. Solange daher noch zwei Parteien Mr di« Macht ringen, gilt es als Regel, eine Hwartende Stellung einzunehmen. In Por­tugal vollzog sich allerdings die Umwälzung ohne langwierige Kämpfe, gleichfam Wer Nacht. Daß die Republik oleichwohl so lange auf die Anerkennung warten mußte, ist darauf znrückzuführen, daß trotz der äußerlichen Ruhe die Herstellung verfassungsmäßiger Zustände recht lange auf sich warten ließ. Die proviso­rische Regierung konnte aber auf eine Aner­kennung nicht rechnen, da sie ans keiner recht­lichen Grundlage beruhte.

Von Bedeutung ist die Anerkennug in erst« Linie natürlich für Portugal felbst. Die Mo- narchisten konnten sich in ihren Agitationen den Mangel der Anerkennug als ein wichtiges Argument gegen die Republik zunutze machen. Die Stellung der Regierung erfährt daher eine wesentliche Stärkung gegenüber den monarchi­stischen Verschwörern, und zwar in zweifacher Hinsicht: Einmal muß ihr Ansehen im eignen Lande steigen, und sodann haben die fremden Mächte mit der Anerkennung auch die mora­lische Verpflichtung übernommen, sich jeder Förderung monarchischer Umtriebe fernzuhal­ten. Don Bedeutung ist dies namentlich für Spanien und England. Spanien ist infolge seiner geographischen Lage die natürliche Basis für alle Anschläge gegen die jung« RepWlik. England aber ist stets auf dem Plan, wenn es gilt, ein« Staatsumwälzung zu finanzieren. Man munkelte zwar, daß der Sturz des König­tums von England aus in Szene gesetzt sei; das scheint aber die geschäftskundigen Briten nicht zu hindern, auch den Monarchisten ihren Beistand zu leisten. Richt nur hat der Exkönig Manuel in England ein« liebevolle Aufnahme gefunden, es hieß auch noch vor wenigen Ta­gen, daß die portugiesischen Monarchisten zur Durchführung ihres geplanten Putsch«s von England aus zwölf Millionen erwarten. So­wohl die spanische wie die englische Regierung werden künftig solchen Umtrieben energischer entgegentreten müssen.

Neben Portugal haben auch di« anderen Mächte ein Interesse an der Anerkennung. Bei dem ausgedehnten Kolonialbesitz Portugals gibt es viele Berührungspunkte, die einen ge­ordneten diplomatischen Verkehr erwünscht er­scheinen lassen. Speziell zwischen Deutschland and Portugal harrt schon lange die Grenzregu­lierung zwischen Angola und Deutsch-Südwest der Erledigung. Es ist anzunehmen, daß diese Sache jetzt in schnelleren Fluß kommen werde.

Im übrigen sind, wie hier angeführt sein mag, die Verhältnisse auf der iberischen Halb­insel recht unerfreulich. In Spanien machen sich die Anzeichen einer revolutionären Bewegung Leitend. die. wie befürchtet werden mutz, einen

großen Umfang annehmen wird. Wenigstens läßt sich dies aus einer Depesche schließen, die uns im Laufe des heutigen Tages aus Madrid zugegangen ist. Wir lassen die Drahtmeldung hier folgen:

-v- Madrid, 13. September.

Die hier aus Spanien eingetroffenen Streik­nachrichten lauten außerordentlich pessimistisch. Es sind Anzeichen vorhanden, die die ganze Bewegung als revolutionäre Ziele verfolgend erscheinen lassen. Dem Ministerrat unterbreitete gestern der Kriegsminister eine Aufstellung der verfügbaren Truppen. Die Re­gierung ist entschlossen, falls eine Störung der Ordnung eintrrtt, mit aller Streng« vorzu­gehen, um die revolutionäre Bewegung, koste es, was es wolle, niederzuwerfen. Wie befürch­tet, hat der Arbeiterstreik im Bilbaoer Jndu- triegebiet in Baracaldo zu blutigen Zusam­menstößen mit der Gendarmerie geführt. Mannschaften der Zivilgarde säuberten die Straßen mit der blanken Waffe und feuerten auf die mit Steinen werfenden und mit Revol­vern schießenden Arbeitermassen, welche die" Versorgung der Arbeitswilligen mtt Etzwaren gewaltsam zu verhindern suchten. Ein Arbei­ter erhielt einen Schuß in den Kopf und liegt im Sterben. Sieben durch Kugeln verwundete Arbeiter wurden ins Krankenhaus geschafft. Die Leitung der Arbeitervereinigung Bilbaos beschloß gestern den Generalstreik. Die Arbei­terscharen begannen sofort die Bäckereien zur Einstellung der Arbeit aufzusordern. Die Zei­tungen effcheinen, da die Streikleitung die Weiterarbeit der Setzer anordnete. Der Gene­ralkapitän der spanischen Armee befahl den Abgang von vier in Burgos und Witoria in Garnison stehenden Regimentern nach Bilbao.

--- Madrid, 13. September-

In Bilbao, wo der Generalausstand pro­klamiert war, mutzten die StraßeWahnen ihren Betrieb einstellen. In Mieres versuchten Aus­ständige die Eisenbahnlinie in dir Luft zu sprengen. In einem anderen Ort« warfen sich Frauen von Ausständigen mft ihren Kindern im Arm vor di« Lokomotive des Zuges und verhinderten diesen so an der Ab- sahrt.

Der Marokko-Hande!.

Der Fortgang der Verhandlungen.

Der Fortgang der deutsch-ftanzösischen Ver­handlungen erfährt in maßgebenden Berliner Kreisen, wie uns aus der Reichshauptstadt ge­schrieben wird, die günstigste Beurteilung. Dieser Tatsache widerspricht es auch nicht, wenn man die hier und da ausgesprochene An­sicht nicht teilen kann, daß die Beendigung des deutsch-französischen Gedankenaustausches schon mft dem Ende dieser Woche erwarteten Ein­treffen der ftanzösischen Antwortnote erreicht sein wird. Es darf vielmehr angenommen werden, daß die französische Antwort eine neue Stellungnahme von selten der deuffchen Regie­rung notwendig machen und dieser eine aber­malige Erklärung der französischen Regierung folgen wird. Fede weitere Etappe dieses Schriftwechsels wird aber ohne Zweifel eine weitere Annäherung der beiden Standpunkte herbeiführen. Die nächste Woche wird voraus­sichtlich mit einer entsprechenden Reihe von Vorschlägen und Gegenvorschlägen ausgefüllt sein, sodaß man auf ein positives Eergebnis nicht gut vor Ende der nächsten Woche zu hof­fen haben dürste. Es gilt also sich in Geduld fassen und nicht nervös werden, auch wenn in der Zwffchenzeit noch einmal der Versuch ge­macht werden sollte, Unruhe in die öffentliche Meinung Deuffchlands zu trugen. Im An­schluß an die vorstehenden Darlegungen sei ein uns heute zugegangenes Pariser Pri- vat-Telegramm wiedergegeben:

<? Paris, 13. September.

Die gestrige Verhandlung des KabinettSrats drehte sich lediglich um die zukünftigen Ver­hältnisse in Marokko und bezog stch nicht auf die Kompensationen im Kongo. Wie der .Ma- tin mitteilt, bat der Minister de Selbes seinen unerschütterlichen Willen ausgedrückt, i n keiner Beziehung bezüglich der allgemeinen Prinzipien der fran­zösischen Politik nachzugeben; sich dagegen bezüglich der Punfte zweiter Ordnung sehr maßvoll zu zeigen. Die französischen Vor­schläge umfassen in ihrer neuen Form zwanzig Artikel und gipfeln im großen und ganzen in folgenden drei Hauptpunkten: 1. Frankreich er­hält vollständige und klarste politische Freiheit in Marokko: 2. sämtliche Mächte, Frankreich mit einbegriffen, sind wirtschaftlich vollstän­dig gleichberechtigt, ohne Unterschied und ohne Sonderrechte: 3. Frankreich gibt die be­

stimmtesten Garantten für die Sicherung der wirtschaftlichen Freihett.

S Paris, 13. September.

Die Länge der gestrigen Beratungen wird damit begründet, daß jeder Minister seine Meinung über das vom Minister des Aeutzern vorgelegte Konzept der nach Berlin zu richten­den Note abgab. Wie immer bei solchen An­lässen handelt es sich mehr um Abänderungs­vorschläge stvlistischer Art. als an der Tendenz irgend etwas zu ändern. Man versichert, daß am Schlüsse der Beratungen völlige Einigkeit über den Inhalt und die Form des Textes er­zielt wurde. Die Antwort ist in ihrem ab­lehnenden Teil ebenso höflich gehalten, wie in dem zustimmenden und soll, wie von mehreren Seiten versichert wird, darin gipfeln, daß Frankreich bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge sich nach keiner Seite hin die Hände bin­den könne und daher auch keinem Vorschlag näher zu treten vermag, der die Hoheitsrechte des marokkanischen Staates einzuschränken ge­eignet wäre. Dies gilt ganz besonders von den öffentlichen Arbeiten und den Grubenkon- zefsionen. Es besteht keine Gefahr, daß Frank­reich alles monopolisieren wolle. Dem freien Wettbewerb der anderen Algecirasmächte bleibt noch ein gutes Feld zur Betätigung übrig. Man glaubt, daß bald ein beide Teile beftiedigendes Arrangement gefunden wird. Der Ministerpräsident war nach der Sitzung guter Laune. Er begibt sich heute zu den Ma- növern nach dem Osten. Der Marineminister kehrt nach Toulon zurück, um dem Ende der Seemanöver beizuwohnen.

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Die pessimistischen Hollander.

(Privat - Telegrarn rn.)

A Amsterdam, 13. September.

In einer Unterredung mit hervorragenden politischen Persönlichkeiten Hollands erklärten diese -übereinstimmend einem Journalisten, daß man in den dorc-geu leitenden Kreisen keines­wegs die optimistische Meinung über die gegen» wärtige Lage teile, die augenblicklich in Deutsch­land zur Schau getragen werde. Auch der dor- tigen Handelskreise hat sich diese Auffassung bemächtigt. Man vertritt die Meinung, daß, wenn die gegenwärtigen Verhandlungen nicht eine beide Teile durchaus befriedigende Lösung finben und zwischen Deutschland und Frank­reich in den hanvffächlichsten Punften alle Differenzen aufgeräumt werden, es über kurz oder lang zu einem Zusammenstoß zwischen beiden Mächten und England kommen müßte, wobei noch di« Frage eine Hauptrolle spiele, ob Denffchland mtt feinen Verbündeten oder die andere Gruppe die Vorherrschaft in Europa habe. Die Herren bestritten nicht, daß Holland milttärische Vorkehrungen getroffen hätte. Man will ebenfo wie Belgien energisch die Neutralität beider Staaten gewahrt wissen-

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Das bennruhigle Belgien.

(Privat-Telegramm.)

X Brüssel, 13. September.

DaS Kriegsgespenst in den hiesigen Blättern will immer «och nicht verschwinden. So wird ans Alons gemeldet, daß dort ständig zwei Eisenbahnzüge unter Dampf ständen, um das in Alons stehende Infanterieregiment nach dem ersten Signal nach Namur zu bringen.

Neues aus Rußland.

(23on unferm Mitarbeiter.)

pr. Petersburg, 13. September.

An hieftger diplomattscher Stelle, die über die Vorgänge in leitenden Kreisen unterrichtet fein müßte, wird über die umlaufenden Nach­richten von einem Wechsel in maßgebenden rus­sischen Aemtern folgendes erflärt: Die Nach­richten von einem bevorstehenden Rücktritt Sassonows können sich einstweilen nicht bestä­tigen, denn Sassonow genießt nach wie vor die besondere Gunst des Zaren, die wohl nicht zum geringsten dadurch entstand, daß er die Be­ziehungen Rußlands zu Deutsch­land auf eine Basis brachte, die im Wun­sche des Zaren liegt. Nun läßt allerdings der Gesundheitszustand des Ministers des Aus­wärtigen auch nach der Genesung von langer Krankheit noch viel zu wünschen übrig, und es unterliegt keinem Zweifel, daß Sassonow kör­perlich zu schwach bleiben dürfte, um noch län­gere Zeit einem Ressort vorzustehen, das eine große Arbeitsftaft benötigt.

Da die Beziehungen Rußlands zu den Mächten aber augenblicklich auf der ganzen Linie die denkbar besten sind, wird der Wech­sel erst bei dem Generalrevirement eintreten, das für den Anfang des nächsten Jahres er­wartet wird. Hierbei könnte dann dem Um­schwung der Ansicht des Zaren in der Behand­lung der Auslandsvolitik Rußlands voll Rech­nung getragen werden, denn zur gleichen Zett rechnet man mit der Neubesetzung einiger Bot­schaften. Dabei wird es (vorausgesetzt, daß die Besserung im Befinden des Ministers des

Auswärttgen anhält), nicht unmöglich sein, daß Nachfolge Sassonows könnte Tscharvkow, der wir Sassonow in Berlin Wiedersehen. Dis Botschafter in Konstantinopel, antreten, um Ne- ratow den Platz bei der Pforte zu räumen, doch ist auch Neratow als Nachfolger Sasso- now's ebensogut möglich.

Was Stolypin anbelangt, so rst es schwer zu sagen, ob und wann er sich zurückzie- hen dürfte. Der Höhepunkt seines Ansehens beim Zaren ist aus den verschiedensten Grün­den, die zum Teil nicht einmal ihre Ursache in der Politik haben, längst überschritten, er Hai unter den Großfürsten einige nicht zu unter­schätzende Widersacher, die sich sogar noch auf die Zarin stützen dürfen. Hierzu kommt, daß der Widerstand, den Stolypin in der Duma und im Reichsrat vorfinden wird, vielleicht größer ist als seine Macht, ihm entgegenzutre­ten. Der Rücktritt Stolypins liegt zwar in der Lust, doch ist er zeitlich nicht näher zu bestim­men, weil der Zar den ganzen Winter über im Mittelmeer und fern von Petersburg weilen wird, sodaß es Stolypin nicht zu schwer fallen dürfte, ihn etwa gefährdende Klippen für ge­wisse Zeit aus dem Wege zu räumen, noch zu- mal, da der Zar selbst wünscht, daß .zu Hause" nichts unternommen werde, was seine längere Rückkehr nach der Residenz zur Folge haben könnte. Aus dem Kabinett haben für später die besten Aussichten der Kriegsminister Su- chomlinow und der Finanzminister Kokuzew, die beide im kommenden Frühjahr ihre Porte­feuilles abgeben dürsten, um an eine ander» Stelle zu treten.

Sie tote Heerschau.

Der sozialdemokratische Partettag.

Nach Eröffnung der gestrigen Sitzung teilte, wie aus Iena berichtet wird, der zweite Vor­sitzende, Abgeordneter Leber, mit, daß in Jena sich ein vorbildliches Volksbad befind« (stürmische Heiterkeit). Einige Genossen hätten das Bad auch schon benützt (erneute stürmische Heiterkeit, die minutenlang anhält, sodaß Dietz eingreifen muß. Er schwingt die Glocke und erklärt: Genossen, Ihr hättet doch den Genos­sen Leber ausreden lassen sollen. Wenn Ihr das getan hättet, dann hättet Ihr gehört, daß Leber sagen wollte, einige Genossen hätten das Bad bereits benutzt und die andern würden das auch tun! Andauernde stürmische Heiter­keit!) Nachdem sich diese einigermaßen gelegt hat, wird in der Diskussion über den Ge­schäftsbericht fortgefahren. Erster Diskussions­redner ist Lauffenberg. Er empfiehlt den Ham­burger Antrag zur Reorganisation der Partei­vorstände und kommt auch auf den Teil Rosa Luxemburg zu sprechen. Es war zunächst

eine Indiskretion.

Sie war nicht notwendig. Es fragt sich nun, ob sie in dem damaligen Augenblick notwendig war. Auch gestern hat sich Bebel einer In­diskretion schuldig gemacht, da er selbst über interne Vorgänge im internationalen Bureau Mitteilung machte. Rich. Fischer (Berlin): Aus allen gestrigen Reden habe ich nicht eine einzige Tatsache heraushören können, weswe­gen der Vorstand irgendwie mit Recht ange­griffen werden konnte. (Zurufe Ledebours: Das ist ja niedlich! Zurufe von den Leipzi­gern: Das sind deine alten Mätzchen, Genosse Fischer!) Fischer fortfahrend: Rosa Luxemburg hat gesagt, Genosse Müller habe ein Bild rüh­render Hilflosigkeit geboten. In ihrer ange­borenen Bescheidenheit (große Heiterkeit) gab sie aber während ibrer Rede selbst ein Bild rührender Hilflosigkeit. (Heiterkeit. Beifall, Widerspruch.) Nachdem Genosse Bebel Rosa Luxemburg geantwortet, sah diese auch nicht

wie eine Salome, die das Haupt des Johannes trägt, aus. Hier muß es natürlich heißen, das Haupt Molken- buhrs. (Große Heiterkeit.) Es ist ganz sicher, daß man die Behauptung des Aufrufs nicht aWers bezeichnen kann, als eine große Indis- krriion. (Zurufe von Ledebour: Im Partei­vorstand hören ja die Indiskretionen über­haupt nicht auf. Er lebt nur von Indiskretio­nen! Heiterkeit, Beifall und Widerspruch.) Ledebour erklärte in wahrheitswidriger Ab­sicht, der Parteivorstand habe die internatio­nale Versiändigungsaktion durchkreuzt. Wenn jemand das getan bat, so ist es Ledebour ge­wesen. (Beifall und Widerspruch.) Inzwi­schen ist folgender Anttag eingelaufen: Der Parteitag beschließt: 1. zwei weitere Parteise­kretäre anzustellen: 2. zwecks Vorbereitung einer neuen Organisation des Parteivorstandes und der Kontrollkommission unter Heranzie­hung des Parteivorstandes eine Kommission von 21 Mitgliedern zu wählen, die dem näch­sten Parteitage Bericht erstatten sollen Eduard Bernstein (Berlin): Es ist int Lau­se der Debatte der englische Genosse Mac Do­nald angegriffen worden. Es ist behauptet worden, daß er kein Internattonaler sei. son­dern sich zum Nationalisten durchgemausert habe. Ich mußten Genoßen Mac Donald da­gegen verteidigen, da er Per nicht anwesend ist. Der Vorwurf Ledebours, deZ Parteivor- stand habe die internationale Letständiaunas-