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An Bord.

Nun hat auch Cassel seinen Zeppelintag gehabt! Auf der Fahrt von Gotha nach Düs­seldorf überflog heute früh das Passagierlust- chiffSchwaben" unsere Stadt, von Tau­senden freudig begrüßt.

Als die Casseler Neuesten Nachrichten vor einiger Zeit bei der Fahrtleitung anregten, sie möge auf dem Fluge von Baden-Baden nach Berlin den Kurs über Cassel nehmen, da er­folgte nur eine bedingte Zusage. Gestern abend erhielten wir von dem Lenker des Luft­schiffes, Herrn Dr. Eckener, aus Gotha tele­phonische Nachricht, daß die Schwaben heute früh zur Fahrt nach Düsseldorf aufsteigen und gegen 8 Uhr Cassel überfliegen werde. Wir machten durch Extrablätter das bevorstehende Ereignis noch gestern abend bekannt.

alle Casselaner, gleich von welchem Punkte der Stadt aus. Auf allen freien Plätzen, auf Dä­chern und Kirchtürmen waren die Leute vo­tiert. Man wußte nicht recht, von wo aus man die beste Aussicht auf den Ankömmling haben würde. Wie sehr vielen anderen er­schien mir dieSchöne Aussicht" am Weinberg der geeignetste Platz. Ist doch von dort aus das Fuldatal in weitem Bogen von Zwehren bis nach Bettenhausen zu überblicken. Aber der Horizont blieb leer, so gespannt ihn auch tausende von Augen der harrenden Menschen­kinder absuchten, und doch muß er von da zu sehen fein, sagte man sich, umsomehr, da das anwesende Schutzmannsausgebot bewies, daß auch die hohe Behörde mit dieser Stelle als dem besten Gesichtspunkt und daher der größ­ten Menschenansammlung gerechnet batte, und wartete geduldig weiter bis um 9 Uhr. Da machte auf einmal die Mauer der Harrenden, die immer nur für die Bettenhäuser Schorn­steine Augen gehabt hatte, wie auf Kommando kehrt. Von Vielen unbemerkt, war das Luft­schiff anders, als man es erwartet hatte, über Wolfsanger und den Möncheberg weg über die Stadt gekommen und stand schon der an derSchönen Aussicht" wartenden Menge im Rücken, als es entdeckt wurde. Nun gab's na­türlich Leben. Die Schuljugend drängte über die Weinbergbrücke hinweg, um zu höheren Punkten zu gelangen. Ich selbst blieb in der Erkenntnis der Unmöglichkeit, dem Zeppelin­schiff nachzurennen, an dem einmal eingenom­menen Platze stehen urtb hatte das Vergnügen, den Kreuzer, der meinen Blicken hinter der Henschel'schen Villa eine Weile entschwunden war. in einer engen Schleife zurückkehxen zu se­hen. um dann in einem größern Bogen nord­westlich abzuschwenken.

Verschieden sind die Empfindungen, die das Erscheinen des modernsten und großartigsten Erzeugnisses des allzeit erfinderischen Men­schengeistes geweckt hat. Eine muntere junge Ehefrau, die bisher bezüglich der Lustschiffahrt offenbar zweiflerisch veranlagt war. meinte zu ihrem Mann:O. da würde ich auch mal mit­fahren, wenn das so ruhig fährt! Wer weiß . . .!" Und der Herr Gemahl darauf voller Mut:O ja, wer weiß! Wir sind ja noch jung! Vielleicht gewinne ich das große Los, dann darfft du zu allererst mal mit dem Zeppelin fahren!" Hoffnung und Skepsis zugleich. Dem Mutigen gehört die Welt; aber teuer wird sie immer bleiben. Indessen sind die Jungen mit ihrer Hoffnung doch noch besser daran, als ein Greis, der am Weinberg heute auch auf Zeppe­lin wartete. Als das Luftschiff erschien, bohrte er mit vor Hast und innerer Erregung zittern- dex Hand den Feldstecher ins Auge, um ibn nimmer abzufetzen, solange der Kreuzer sicht­bar blieb. Wortlos ging er dann seines Weges.

Kraft einem deutschen Vormarsch wenigstens nach der einen Seite hin Schwierigkeiten be­reiten könnte. Das gleiche ist hinsichtlich der Niederlande der Fall, deren Kraftaufwen­dung im Ernstfall England zugutekommen würde. Daß die beiden Länder auf den Wunsch" von Paris und dieAnregung" aus London so emsig reagiert haben, braucht in­dessen noch nicht als Beweis für die Gefahr der aus dem Marokkohandel möglicherweise ich ergebenden Komplikationen gedeutet zu werden: Die Tatsache beweist nur, daß das von des siebenden Eduard Hand gesäte Miß­trauen gegenüber Deutschland im­mer noch lebendig ist und unser« Gegner« Waffen in die Hand gibt, die wir ihnen bei gelegner Zeit im Interesse des Frie­dens entwinden müssen. F. H.

Die Wettersahrt.

Detmold, 1. September. DieSchwa­ben" passierte 10 Uhr unsere Stadt, überflog das Schloß und nahm den Kurs nach Westen. Aus den Fenstern der Kabine wurden Fähn­chen in lippischen Farben heruntergeworfen.

Dortmund, 12. September. Das Lust­schiffSchwaben hat auf seiner Fahrt nach Düsseldorf daS westfälische Industriegebiet überflogem Um 12 Uhr kam das Luftschiff in Dortmund in Sicht, fuhr einmal um die Stadt herum und nahm dann 12,10 Uhr seinen Kurs in der Richtung nach Bochum und Essen.

Hagen, 12. September. Das Luftschiff Schwaben" überflog Hagen 12.30 Uhr und setzte feine Fahrt in der Richtung nach Bar­men-Elberfeld fort.

Düsseldorf, 12. September. Das Luft­schiffSchwaben" ist um 1 Uhr 45 Minuten glatt vor der Halle gelandet.

In Erwartung der Schwabe«.

Ein köstlich frischer Herbstmorge« zog herauf, um Bäume und Sträucher hingen dünne Nebelschleier, die aus dem Flußtal herüberwallten. Noch schien die Sonne, ge­dämpft durch Dunst, in sahlem Licht, doch ver­sprach der Tag in voller Schönheit heraufzu­ziehen. Auf den Straßen und Plätzen der Stadt merkte man noch nichts von Ansamm­lungen. Geschäftig eilten die Frühauffteher ihres Weges, nur hier und da warf einer einen Blick nach oben, ob das Luftschiff schon in Sicht sei. Inzwischen war Nachricht aus Gotha ein­gelaufen, daß der Kreuzer zur Abfahrt klar gemacht und wenige Minuten nach 7 aufge­stiegen sei. Gegen 8 Uhr belebte sich die Situ- aston. Auf den Straßen bildeten sich Grup­pen; auf den Dächern erschienen, oft in recht gefährlicher Stellung, Neugierige, die Fenster der Häuser wurden geöffnet. Aber erst gegen 9 Uhr kamen die Schaulustigen auf ihre Rech­nung. Am nordöstlichen Horizont über Wolfsanger hinaus zeigte sich ein lichter Schein, der mehr und mehr die Umrisse des Luftkreuzers annahm. I« majestätischer Ruhe steuerte das Schiff heran, wohl 250 Meter hoch trugen es seine Motore. Heller Sonnenschein umflutete die gelbliche Hülle, als dieSchwa­ben", über den Möncheberg kommend, die Un­terstadt erreichte. Ratternd setzten die Propel­ler ein. Aus der Kabine flatterten zur Be­grüßung Cassels Tücher und lustig wehte am Heck des Schisses die Reichsflagge. Iubelrufe stiegen zu dem stolzen Zeugen menschlicher Er­findungskraft empor, der langsam eine Schleife über die Stadt flog. Für alle diejenigen, die einenZeppelin" noch nicht gesehen, war das Erscheinen derSchwaben" ein Schauspiel von imposanter Größe. 8 Uhr 45 Minuten war es, als das Schiff über die Stadt kam, 9 Uhr 05 Minuten wendete es, um seinen $htrS auf Düsseldorf zu nehme«. In der zwar vom Sonnenlicht durchfluteten, aber doch.dun- sstgen Atmosphäre war der schlanke Leib des Kreuzers nicht mehr allzu lange sichtbar. Ueber der Stadt wurden auS der Gondel einige an Fähnchen befestigte Nachrichten ausgeworfe«. Eines dieser Fähnchen wurde in der Ludwigs- straße. ein zweites auf dem Friedrichsplatz aufgefunden.

herum kam die Kunde, daß England bei Wilhelmintjes Regierung auf die Gefahr einer deutschen Ueberrumpelung hingewiesen und zur Vorsicht gemahnt habe. Beide Meldungen sind zwar unbestätigt, gewinnen aber an Wahr­scheinlichkeit, wenn man berücksichtigt, welche Interessen als treibende Kräfte infrage kommen. Frankreich hat einen deutschen Vor­stoß, der die militärische Entfaltung der Re­publik im Kriegsfälle von vornherein infrage stellen könnte, auf allen Seiten seiner Ost- grenze zu fürchten: Es hat also ein dringendes Interesse daran, außer seiner an deutscher Erde vorüberlaufenden Ostgrenze sich auch des Pufferstaais" Belgien zu versichern, der bei entsprechender Rüstungssähigkeit mit eigner

als drei Wochen seine gesamten beweglichen und unbeweglichen Verteidigungsmittel zu einer Abwehr-Aktion vor, deren Notwendigkeit selbst das schärfste Auge noch nicht zu erkennen vermag, und in H o l la n d hat das Marokko- Fieber die oberste Heerleitung sogar z« dem Entschluß veranlaßt, die Reserven weit länger, als nach dem bestehenden Organisationsplan beabsichtigt war, unter den Waffen zu halten.

Belgische Blätter haben erzählt, die plötz­liche militärische Regsamkeit sei in aller Form von Paris ausdetachiert" worden, und in militärischen Kreisen schätze man die Größe der Gefahr, die dem Lande durch eine plötzliche hereinbrechendedeutsche Invasion" drohe, durchaus richtig ein. Aus dem Haag hinwie-

Der Stand der Verhandlungen.

Von gut unterrichteter Seite wird uns auS Berlin mitgeteilt: Der belgische Gesandte in Berlin, Baron G r e i n d l, ist von einige« Ta­gen auf Veranlassung seiner Regierung nach Brüssel gereist, wo er sich zur Zeit noch auf­hält. Die Reise des Diplomaten steht, wie man annehmen kann, mit den Verhandlungen wegen der Marokkofrage im Zusammenhang, die wegen der Deutschland von Seiten Frank­reichs zu gewährenden Kompensationen be­kanntlich auch Belgien und feinen Kongobefitz berührt. Baron Greindl hat bereits mehrere Unterredungen mit dem belgischen Minister­präsidenten de Brogueville gehabt und dürfte voraussichtlich nach Beendigung der gegenwär. tigen Verhandlungspause wieder nach Berlin zurückkehren. Der französische Mini- t e r r a t, der sich mit den deutschen Gegenvor­schlägen und der Deutschland zu gebenden Ant­wort beschäftigen wird, wird erst am Donners­tag stattfinden. Die Antwort der französischen Regierung ist somit fr "Xis Ende dieser Woche zu erwarten. In der französischen Presse findet sich die Behauptung, daß Deuffch- land bei seinen Verhandlungen mit Frankreich besondere wirtschaftliche Privile­gien zum Schaden der anderen an Marokko interessierten Mächte beanspruche. Das ist selbswerständlich eine wahrheitswidrige Unter­stellung, deren Zweck es ist, die anderen Na­tionen gegen Deutschland aufzubringen. Deutschland erstrebt nicht besondere Vorrechte, es ist im Gegenteil bemüht, Vorkehrungen zu treffen, daß Frankreich, nachdem es die ganze politische Macht im Scherifenreiche in Händen hat, diese Macht nicht dazu mißbraucht, für sich Privilegien zum Nachteil der anderen Länder zu sichern. Das Mißtrauen ist, wie man steht, ganz auf deutscher Seite.

An Bord derSchwaben" befanden sich außer dem Führer Dr. Eckener und den üb­lichen Bedienungsmannschaften acht Passa­giere, Herren aus Arnstadt, Saalfeld usw. Außerdem war ein Kinematograph an Bord, um aus lustiger Höhe Aufnahmen der über­flogenen Gegend zu machen. Jedenfalls wird angesichts des herrlichen Frühherbsttages auch diese Fahtt bei allen Teilnehmern einen unver­geßlichen Eindruck hinterlassen . . .

DieSchwabe«" kamml!

Von unferm k).-Mitarbeiter wird uns ge­schrieben: Gesehen haben dieSchwaben" wohl

Französisches Geflunker.

Trotz der deutschen Dementis hält derMa- iin", wie ein uns aus Paris zugegangenes Telegramm berichtet, daran fest, daß Deutschland in Marokko nicht wirtschaftliche Gleichberechtigung, sondern wirtschaft­liche Privilegien fordere. So verlangt Deutschland beispielsweise, daß Frankreich sich verpflichte, deutschen Firmen dreißig Prozent beim Uebertragen öffentlicher Arbeiten abzu­treten, wogegen Deutschland eine Reziparzi- täts-Pflicht übernimmt. Wenn also nun fran­zösische Firmen eine der wenigen Anträge von Eisenbahnen oder Häfen erhält, so müssen^ sie hiernach noch dreißig Prozent an deutsche Fir­men abtreten. Die Antwort Frankreichs bezüg­lich dieser Privilegien erfordere das Prinzip der Gleichberechtigung für alle. Frankreich werde sich allem, was in direkter oder indirekter Weise gegen die Prinzipien der sranzöstschen verstoße, widersetzen. Die französische Note werde sehr bestimmt (?) abgefatzt sein.

Sie tote Heerschau.

Der sozialdemokratische Parteitag.

An dem sozialdemokratischen Parteitag, der gegenwärtig in Jena stattfindet, nimmt auch der greife Bebel teil. Am Begrüßungs- abend hielt er, von lebhaftem Beifall begrüßt, folgende Ansprache an die Versammlung:

Verehrte Versammlung! Es ist in der Parteigeschichte das erste Mal, daß wir zwei­mal an demselben Orte beraten. Die breiigen Genossen haben uns schon durch ihren Vorred­ner erklären lassen, sie seien stolz daraus, daß das in Jena acschieht. Für uns waren ein­fache Gründe dafiir maßgebend. Besonders haben uns die prächtigen Lokalitäten gefangen genommen. Ich bin hier öfter mit dem Stif­ter dieses prächtigen Volkshauses zusammenge- kommen und kann sagen: Einen menschen­freundlicheren, wohlwollenderen und dabei be­scheidenen Menschen habe ich nie kennen ge­lernt. Die Pekämpsung der Lozialdcmokrane seitens der Jenenser Demokraten, die sich so­gar mit der äußersten Rechten verbinden, wäre unter Abbe niemals möglich gewesen. Wir ha­ben in der damaligen Eröffnungsversammlung eine Reihe von Fragen erörtert, die auch beute

Aus dem Wege nach Düsseldorf.

Sie Nervösen.

Belgien und Holland im Rüstungsfieber.

Das Maroffo-Gespenst, das nun schon seit Monden bängliche Gemüter ängstigt, hat auch : guf der Bühne internationaler Poli­tik allerlei Seltsamkeiten auftauchen lassen, für bereit Erscheinen zurzeit noch die sichre Deutung fehlt. Daß Rußland und Eng­land Neigung spüren konnten, sich wegen des afrikanischen Abenteuers der gallischen Repu­blik in weitreichende (und unter Umständen verhängnisvolle) Engagements einzulassen, ist ein bon nächstbeteiltgter Seite längst berichtig­ter Irrtum verzeihlicher Nervosität, der heut feine Wirkung mehr hat und nur noch bei Denen Unbehagen zu erzeugen vermag, die die Entschlußkraft fanden, in den Tagen feier­licher Friedensversicherungen (während die Politik der Sabbathruhe pflegte) die Sparkassen zu stürmen und die Einfalt mit des Krieges Modernder Brandfackel zu ängstigen. Die Er­fahrungen bet letzten Tage haben gelehrt, baß , der alte Erfahrungssatz, «ach bem auch im Völ- kerhanbel stetsnur mit Wasser gekocht" wirb, auch für bas Marokkogeschäft anwenbbar ist L unb kein Grund dem prüfenden Blick erkennbar wird, der Besorgnisse rechtfertigen könnte. t Zwar hat in Downing-Street Sir Edward f Dreh an einem einzigen Vormittag nach­einander mit den Geschäftsträger« Frankreichs, Rußlands und . Italiens angelegentlich über das Marokko-Problem geplaudert, aber es ist nicht einzusehen, daß der Manager der bri- : tischen Auslandspolitik etwa den Augenblick als gekommen erachten könnte, den mählich ab- - flauenden Sturm aufs neue anzufachen.

Wäre es übrigens der Fall: Es brauchte > uns nicht zu schrecken. Unser- Regierung hat in | der Behandlung des Marokkoproblems feit der t Wilhelmshöher Konferenz.eine prinzipiell zwar entgegenkommendere, in Entschluß ~ und Taktik aber umso entschiedenere Hal­tung offenbart, die niemand darüber im Zwei­fel lassen kann, daß man in Berlin entschlossen ist, die Affäre ernst und würdig zum Austrag zu bringen. Die Kundgebungen aus dem Volksempfinden heraus repräsentiere« die deut­liche Illustration der Sicherheit deutschen Kraftbewußtseins. Die Politik des siebenten Eduard, die schon durch das (als Frucht der Potsdamer Entrevue begrüßte) deuffch-russische Abkommen eine Niederlage erfahren hat, er­weist sich im Marokkohandel abermals als überlebtes Prinzip: Die Theorie deutsch­feindlicher Macht-Konzentration im Bereich der europäischen Großmacht-Sphäre ist zwar auch jetzt noch erkennbar, aber die Praxis versagt infolge der Unzulänglichkeit der Mittel und in­folge der Geltendmachung deutschen Tatwil­lens, dessen Regung sich zu Eduards Königs­zeiten nicht ans Licht der Oessentlichkeit wagte, weil Germania unter der Aera der Friedens- «nd Versöhnungsreden, der Kondolenz- und Bewundrungstelegrammr des Schwerts ent- ratrn z« dürfen wähnte. Eins nur ist vom kunstvollen Gefüge britischer Beunruhignngs- politik noch übrig geblieben, und diese einz'ge Säule Eduard'scher Einkreisungstakttk beweist, tote kunstvoll gegliedert das Gefüge war, an dessen Aufrichtung der King die beste Kraft eines außerordentlich stark entwickelten staats­männischen Talents verwandte.

Deutschlands Nachbarn: Belgien und Holland, offenbaren seit derPanther"- Landung vor Agadir eine Nervosität, die auch dem Unbefangnen zu denke« gibt, und es ist ein charakteristisches Zeichen der herrschenden Stimmung, daß in der belgischen und hollän- bischen Presse einmütig und in aller Oesfent- lühkeit erklärt wird, die hastigen und über­hasteten Kriegsrüstungen beider Länder ver­folgten lediglich den Zweck, um eine etwa geplante deutsche Ueberrumpelung abwehren zu können. Es handelt sich bei den militärischen Maßnahmen unsrer Nachbarn -- nicht etwa um partielle und durch den Augen- | blick gebotne Sicherungseinrichtungen, sondern um Rüstungs - Vorbereitungen größten Stils, die den ganzen Heerbann der beiden Länder berühren und in finanzieller Beziehung enorme Aufwendungen er­fordern. Maßnahmen der Art und dieses Um­fangs werden (schon wegen ihrer wirtschaft­lichen Bedeutung) nicht aus der Stimmung eines flüchtigen Angstmoments heraus ge­boren, sondern sie sind der Ausfluß ernster Sorge, deren Niederschlag sich allerdings in einer fast komisch wirkenden Nervosität ossen- M bart, die eine halbe Welt befremdet hat auf- horchen lassen: Belgien bereitet feit länger

I. Jahrgang.

Nummer 238.

hessische Mknwkitung

Casseler iflbrnöiritnng

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Mittwoch, den 13

September 1911.

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