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Nr. 237. 1. Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

^tatSfag, 12. September ira.

streifte in einer Ansprache fürs die angenblick- liche politische Lage. Zu Vorsitzenden wurden Dietz-Stuttgart und Leber Gcna gewählt. Da­rauf wurden die Verhandlungen auf hcntc früh neun Uhr vertagt.

Fra« Toseüis Memslren.

Ein Abendessen und seine Folgen.

Am Sonnabend spricht Frau Toselli in der Fortsetzung ihrer Memoiren zum ersten Male den Namen Girons aus, ihres einstigen Lieb­habers, mit dem sie die Aussehen erregende Flucht unternahm. Allerdings erwähnt sie ihn erst am Schluß, wo sie ihn einen charmanten, hochintelligentcn jungen Menschen nennt. In einem Kapitel mit der UeberschristJ'acense wendet sie sich in scharfen Worten gegen den Baron Metzsch, den gegenwärtigen Staats­minister des Königlichen Hauses in Dresden. Er war nach ihrer Darstellung zuerst der ein­zige, der ihr von allen Kavalieren des Dresde­ner Hoses durch Geist und Benehmen aussiel. 1897 aber erfolgte ein Bruch der freundlichen Beziehungen, über dessen Ursache aus der Ge­schichte der Prinzessin nicht recht klug zu wer­den ist. Nach ihrer Erzählung hat Metzsch in Nordernev den damaligen Kronprinzen und seine Gattin zu einem Abendessen in einem Re­staurant zweiten Ranges eingeladen. Der Tisch war nicht mit Blumen geschmückt, und zum Essen gab es nichts als einige Scheiben kalten Aufschnitts. Luise war tödlich beleidigt und rächte sich, indem sic etwas später Herrn von Metsch zu einem lukullischen Mahl cinlud und ihm sagte:So werde ich später alle meine Freunde bewirten. Für Sie aber, Exzellenz, werden an der politischen Tafel, der ich präsi­diere, nur zwei dünne Scheiben kalten Schin­kens bereitstehen.

Ueber diese furchtbare Beleidigung hätte ein anderer Mensch gelacht, der Baron nahm sie aber nach Luisens Versicherung höchst tra­gisch. Seit dieser Zeit intriguierte und spio­nierte er. Luise erzählt ganze Schauerge­schichten von Lakaien, die hinter den Vorhän­gen versteckt waren, und von nächtlichen Gän­gen durch die Gemächer des Schlosses. Das alles sieht aus wie (um im Bilde zu bleiben) ein etwas magerer kalter Aufschnitt.

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Mailand, 10. September. .Sccolo" ver­öffentlicht ein Interview mit Toselli, dem Ge­mahl der ehemaligen Prinzessin Luise von Sachsen. Toselli gibt darin seiner Entrüstung über die Veröffentlichung der Memoiren Aus­druck und schildert seine ernsten Zwistigkeiten mit seiner Frau. Er ist unwiderruflich ent­schlossen, sich von ihr gesetzmäßig zu trennen und durchzusetzen, daß ihm sein Kind wieder­gegeben wird.

Re Politik de» Tage».

s Die Kaisermanöver. Der Raum, in dem sich das diesjährige Kaisermanöver ab­spielt, wird begrenzt im Norden durch die Peene und im Osten durch eine Linie Anger- münde-Ueckermünde, im Westen durch eine Linie Schwerin-Neustrelitz, im Süden durch eine Linie Neustrelitz-Angermünde. Die Ge­samtstärke aller Truppen beträgt 100 000 Mann. Es nehmen teil das Gardekorps, das zweite und neunte Korps, sowie ein besonders aufge­stelltes 20. Korps. Auf der blauen Seite arbei­tetM. 2", auf der rotenM. 3, und auf bei­den Seiten Ein- und Zweidecker. Beide Korps führen Ballonabwehrkanonen auf Kraftwagen oder Räderlafetten. Die nördliche rote Armee befehligt Generaloberst Prinz Friedrich Leo­pold, Chef des Stabes ist Generalmajor Stein. Der Führer der blauen südlichen Armee ist Ge­neralfeldmarschall Frhr. von der Goltz, Chef des Stabes der bayerische Generalleutnant Graf Montegelas. Das Gardekorps steht un­ter General von Löwenfeld. Bei der südlichen Armee steht die Gardekavalleriedivision heute

östlich von Woldeck. Sic arbeitet mit einem Fernsprechnetz von 400 Kilometer Drahtlei­tung. Dieses Retz wird jedesmal mit dem Standorte des Kaisers im Gelände verbunden. c=P Ein neuer Kandidat? Ein uns aus Breslau zugegangenes, bisher unbestätigt ge­bliebenes Telegramm besagt, daß im Reichs- tagswahlkreis Glatz-Habclschwerdt an Stelle des Grafen Oppersdorf vom Zentrum ein an­derer Kandidat aufgestellt werden soll.

Lebensmittelkrawallc. In zahlreichen französischen Pronvinzstädtcn haben sich am Sonnabend und Sonntag die durch die Le­bensmittelverteuerung veranlaßten Kundge­bungen erneuert. In Denain haben der Bür­germeister und die Gemeinderäte ihre Demis­sion gegeben. In Roubair verfügte der Bür­germeister, daß sämtliche Läden von %9 Uhr abenhg ab geschlossen werden müssen, tim Un­ruhen zu verhindern. Trotzdem kam es wieder zu ernsten Krawallen. Rach einer offiziellen Mitteilung hatten die Unruhen in Roubaix den Charakter eines förmlichen Aufruhrs.' Die Manifestanten löschten die Gasflammen aus, ttssen das Pflaster aus, um Kavallerieangrisfe zu verhindern. Die einschreitende Infanterie mußte von ihren Waffen Gebrauch machen und verletzte zahlreiche Manifestanten schwer. Meh­rere Läden wurden vom Mob geplündert. Auch in Belgien dauern die Kundgebungen gegen die Verteuerung der Lebensmittel an, wenn auch nicht in dem -Raße wie vor einigen Tagen. In Chatclct ist die Bürgerwehr ein« berufen worden. Zweit Kompagnien Infan­terie halten das Rathaus besetzt, während Gendarmen und Polizeiagenten mit der Auf­rechterhaltung der Ordnung auf dem Markte beauftragt sind.

Eine englische Stimme über Marokko. Die Times schreiben:Keine französische Re­gierung kann Deutschland in Marokko eine Vor­zugsbehandlung gewähren; denn vertraglich anerkannte Rechte Frankreichs und die Inter­essen der übrigen Mächte untersagen es ihm. Tas französische Ministerium ist entschlossen, am Prinzip und an den Versicherungen, di: das französische Kabinett in Petersburg und London erhalten hat, festzuhalten. Hierüber müssen die deutschen Staatsmänner und Diplo- mates sich völlig im Klaren fein."

Reue» Dom Tage.

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.) Der heimkehrende Olympier. Die Fa­milie Richters erhielt aus Wien folgen­des Telegramm:Komme spätestens Dienstag mittag, genaueres brieflich." Da dieses Tele­gramm in Jena nicht öfcfntlich bekannt war und allgemein mit der gestrigen Ankunft Rich­ters gerechnet wurde, hatten sich gestern abend zahlreiche Menschen vergeblich zum Empfang Richters zum Bahnhof begeben.

iS Opfer des Automobils. Wie aus Elberfeld gemeldet wird, überfuhr der Personenzug 1489 in Kilometer 6,1 der Neben­bahn Elberfeld-Cronenberg ein Automobil und zertrümmerte dasselbe. Von den Insassen wurde Fräulein Margarethe Lange aus Bar­men getötet, ihre Schwester Emmi Lange ziem­lich schwer und Herr Osmar Franke aus Go­desberg schwer verletzt. Der Chauffeur Ma­jewski-Elberfeld wurde leicht verletzt. Das Automobil gehört der Elberfelder Automobil­gesellschaft. Die Verletzten wurden zum Kran­kenhaus geschafft. Der Koburgische Kammer­herr Baron von Erffa-Ahorn ist bei einer Automobilfahrt verunglückt. Er wurde sofort getötet. Der mitfabrendc Freiherr von Meyern-Hohenberg aus Wüstenahorn sowie der Chauffeur wurden erheblich verletzt.

iS Eine blutige Straßenszene. Zwei aus einem Kinematographentheater in Halle herau.stretende Arheiter wurden ohne Wort­wechsel von einer Rotte rauflustiger Burschen überfallen und niedergestochen. Der eine war sofort tot, der dndere ist schwer verletzt

I in eine Klinik gebracht. Die Täter, junge Fabrikarbeiter, wurden auf ihrer Arbeitsstätte verhaftet.

iS Im Toben des Gewitiersturmes. In der Sonntagnacht hat in K o b u r g ein Ge­wittersturm Hunderte von Bäumen entwurzelt und viele Gebäude beschädigt. Auf der Feste Koburg wurde von dem in Restaurierung be­findlichen Fürstenbau das Dach teilweise ab­gedeckt. Die bei der Feste stehende Lutherlinde wurde beschädigt. Ter Rest der Obsternte wurde vollständig vernichtet.

iS Ein Opfer der Berwechflung. Vor einigen Tagen wurde in Straßburg ein Offiziersbursche vom Infanterie-Regiment 126 nachts beim Heimgehen von einem Festungs­wall berab angeschossen und schwer verwun­det. In der sich daran knüpsenden Unter­suchung wurden zwei Unteroffiziere vom Regi­ment Rr. 136 als schwer verdächtig festgenom­men. Einer der Unteroffiziere soll geständig sein und angegeben haben, der Offiziersbursche sei das Opfer einer Verwechslung geworden, da er und sein Komplize einem anderen Un­teroffizier des Regiments 126 auflauerten, um diesen aits Rache zu erschießen.

iS Gestrandete Schisse. Der Dreimaster Peter" atts Klint an der Ostsee, mit Getreide von Wismar nach Bremen unterwegs, ist bei der Insel Fehmarn im Sturme leck geschlagen. Der Kieler Damvfer ,.Meta" eilte sosott zu Hilfe und nahm die aus drei Personen be­stehende Besatzung auf. Wenige Minuten spä­ter versank der Dreimaster in den Fluten. Wie aus Reval deveschiert wird, wurden in­folge des seit zwei Tagen herrschenden Stur­mes zahlreiche kleine. Schiffe an den Sttand geworfen Mehrere Segelschiffe erlitten Ha­varien In Windau wurden die ausgelau­fenen Danrpfer durch den Sturm zur Rückkehr gezwungen.

iS Brennende Wälder Eine große Feuers­brunst wütet feit vorgestern in den Wäldern von Ambonnav (Frankreich!. Der Brand hat bereits eine beängstigende Ausdehnung an­genommen. Auch der Wald von Chenah so­wie die Forsten der Staatsdomäne von Tre- vavl stehen in Mammen. Die Ortschaft Tre- vayl ist vollständig vom Rauche eingehüllt. Die Einwohner verlassen panikartig den Ort. um sich keine Rauchvergiftung zuzuziehen. Fort­während fallen Funken und brennende Holz- ieile in die Straßen der Ortschaft, so daß große Gefahr besteht, daß auch diese den Flammen zum Opier fallen wird.

iS Unruhen in Spanien Die Aufstands­bewegung in Spanien greift schnell um Nch. In Nord-Spanien hoben sünszebntausend Gruben­arbeiter die Arbeit niedergclegt. In Cabarena, wo großer Wassermangel herrscht, kam es zu blutigen Zusammenstößen, wobei drei Arbeiter getötet und zwei Gendarmen schwer verwundet sind.

iS Ein gestrandeter Dampfer. Auf der Höhe von Vilata strandete, einer Depesche au? Coronna zufolge, ein unbekannter Dampfer in­folge dichten Nebels. Zwei Personen sollen ertrunken sein.

$ns Neueste au» Kassel.

Re Arbeitslosenverficheruuif.

(Von unferm sozialpolitischen Mitarbeiter.)

Zur Frage der Arbeitslosenversicherung haben (wie schon kurz rnttgeieilt) die Oberbür­germeister Wallraf -Köln und Dr. Adik- k i s - Frankfurt dem Deutschen Städtetage eine Anzahl Leitsätze vorgelegt, die in der For­derung gipfeln, daß die Bearbeitung der Fragen der Arbeftslosenversicherung nicht den Gemeinden zu überweisen sei, sondern daß vielmehr die Regierungen die Sacke selbst in die Hand nehmen. Zur Begründung die­ser Forderung werden in den sehr ausführ­lichen Leitsätzen die Schwierigkeiten, die sich dem Problem der Arbeitslosenversicherung ent-

Endlick soll im Bedarfsfälle auch den Ober­förstern und Forstschutzbeamten im laufenden Jahre die Entnahme von Gras und Streu ge- zen Zahlung eines Drittels der Taxpreise und oer vollen Werbungskosten, falls solche aus der Forstkasse gezahlt worden sind, in den für Not­jahre festgelegten Grenzen gestattet werden.

8ena.

Die rote Heerschau.

Im schönen Jena hält in diesen Tagen die Sozialdemokratie ihren alljährlichen Parteitag ab: es ist der letzte vor den kommenden Rcichs- tagswahlen und er gewinnt dadurch an Be­deutung, zumal es sich nicht leugnen läßt, daß die äußere Wirkung dieser Heerschau mitbc- timmend für den Ausfall des Wablrcsultates sein kann. Daß man auch in den Reihen der Sozialdemokratie selber die Bedeutung des Iena'schen Parteitages nicht gering einschätzt, beweist der Umstand, daß der greise Bebel, der sich in den letzten Jahren die größte Zurück­haltung auferlegte, das wichtigste Referat über­nommen hat. Die Genossen sehen diesmal den kommenden Reichstagswahlen überaus zuver­sichtlich entgegen, und sie haben dazu allen Grund, denn die durch die Finanzreform her­vorgerufene Mißstimmung hält noch immer an, und es ist eine alte Erfahrung, daß in solchen Zeiten der Weizen der Sozialdemokratie blüht, weil stck die Unzufriedenen durch Abgabe eines roten Stimmzettels Lust zu machen pflegen. Tic Zeche werden dabei, wie immer in solchen Fällen,die Mittclparteien zu tragen haben,denn der Zentrumsturm steht feit, und auch der Be­sitzstand der Rechten dürste kaum eine allzu- großc Einbuße erleiden, weil er bei einer gan­zen Reihe von Kreisen auf einen treuen An­hang rechnen kann.

Diese Hoffn.ungsfreudigkeit wird auch in den Reden zu Jena zutage treten, und voraussicht­lich dürsten noch besondere Verhandlungen hin­ter verschlossenen Türen stattfijlden, in denen die in großen Linien seststehende Wahltaktik im einzelnen durchbcratcn wird. Den viele Jabre lang bewährten Parteitagsvorsttzendcn vermißt man diesmal, V a u l Singer hat das Zeit­liche gesegnet. Die Partei verdankt ihm unge- mein viel gerade durch die Leitung dieser Heer­schau, bei der ihm seine unerschütterliche Ruhe, gepaart mit gutem Mutterwitz, trefflich zustat­ten kam. Mehr als einmal gelang es ihm da­durch schwere Stürme, die durch di: Mcinuttgs- verschiedenheiten entfesselt waren, einzudäm­men und eine Einigung herbeizuführen, durch die für die Partei verhängnisvolle Spaltungen vermieden werden konnten. An die Stelle der Alten sind jetzt einige jüngere Köpfe getreten, unter denen namentlich der Mannheimer Rechtsanwalt, Dr. Frank, als einer der allerbefähigtsten hervorragt und auch durch sein ganzes Auftreten beim Gegner Achtung und Beachtung findet. Ob diesmal der Streit zwischen denAlten" und denJungen" wie­der losgehen wird, der schon mehr als einen Parteitag zum großen Teil aussüllte, steht da­hin, vielleicht wird man ihn diesmal zurück- bämnten mit Rücksicht auf die bevorstehenden Wahlen, da derartige Differenzen doch dem Ansehen der Partei Einbuße tun könnten.

Ganz an Zusammenstößen wird es aller­dings kaum fehlen, es gibt doch eine ganze Reihe von Reibungsfläche», und der Unter­schied zwischen Nord und Süd ist ein zu gro­ßer, als daß er sich gänzlich verwischen ließe. An einer Kundgebung zur Marokkofrage wird es gleichfalls nickt fehlen, allzuviel Bedeutung wird man ihr außerhalb der Partei aber kaum beimessen, selbst wenn als Mittel gegen einen Kriegsausbruch der Generalstreik über ganz Deutschland befürwortet werden sollte.

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Jena, 11. September. Gestern Hai im großen Saale des Bolkshauses der diesjährige sozialdemokratische Parteitag seinen Anfang genommen. Reichstagsabgeordneter Bebel

PromeuadengesprSche.

Die ausgebliebenen Orden.

Man schreibt uns aus Karlsbad: Das kürzlich im Bcethovenpark enthüllte Denk­mal Kaiser Franz Josefs, das be­kanntlich von Reichsdeutschen nach einer Sammlung als Zeichen der Verehrung dem greisen Monarchen bei Lebzeiten gestellt wurde, bildet nicht nur täglick das Ziel der Prome­nadengäste, man erzählt stck jetzt auch dies und jenes, wie dieses Denkmal zustande kam und unter welchen Nebenerscheinungen es enthüllt wurde. Das reichsdeutsche Element kommt da­bei nicht besonders gut weg, denn man ver­sucht in Kreisen der Gegner des Deutschtums, Stein um Steinchen zu sammeln, um den Ban zu bilden für den Nachweis, daß hier die Ehrung des Kaisers eines Beigeschmacks nicht entbehrt, der stark nach persönlichen Vorteilen riecht.

Man mutz natürlich dergleichen Ausstreu­ungen doppelt und dreifach sieben, denn sie gehen von deutschfeindlicher Seite aus, aber dennoch hat man sich mit ihnen zu beschäfti­gen, denn es scheint tatsächlich als ob sich ein kleiner Kreis Ehrgeiziger hier ein Betäti­gungsfeld ausgesucht hat, das das Deutschtum in Böhmen gewissen Angriffen ansseyen kann. Wenn man nämlich Diwtnng und Wahrheit scheidet, so bleibt immerhin als Tatsache übrig, daß die zur Enthüllung des Denkmals bernse- nen Persönlichkeiten iErzhcrzog Friedrich und Gefolge) die Einweihung nur "mit gemischten Gefühlen vorgenommen haben, denn es war ihnen bereits vor der Enthüllung zu Ohren ge­kommen, daß unter den Veranstaltern der Sammlung fsir das Denkmal (das Berliner Komitee bestand u. a. aus den Herren Hofrat diene, den Finanziers Hirschberg, Leopold Steinthal, Sobernheim, Nathanson und Brock, die Reden hielten das M. d. R. Paasche und der Hofrat Rens) die Hoffnung genährt werde, daß eine Dekoration mit dieser Verherrlichung des greifen Monarchen verbunden fein müsse. Als dann noch dem Hosmarschallamt und son­stigen maßgebenden Stellen auf österreichischer Seite (wie hier erzählt wird) bekannt wurde, daß innerhalb des Komitees Unstimmig­keiten darüber bestanden, wer bei der Ein­weihung zu reden hätte, um damit beste Aus­sicht auf eine Dekoration zu baber wurde die Haltung der ökterreichifcken tiaalDdrcn Stellen

noch reservierter. Wenn man gut unterrichte­ten Beamten glauben soll, so lag ursprünglich die Tekorationsliste auf der Prager Statthal­terei fix und fertig da: daß sie nicht zur An­wendung kam, beweist sicher deutlich, daß man an maßgebender Stelle nach eingezogenen Er­kundigungen von jeder Dekoration Abstand zu nehmen für nötig hielt. Es gab dennanch keine Orden. Das unangenehme Gefühl, welches die bekannt gewordenen Nebenzwecke auslösten, ist in Karlsbad groß. Als Entgeg­nung auf jede Ableugnung des publiken Ne­benzwecks weist man darauf bin, daß Erzher­zog Friedrich hei dem der Einweihung folgen­den Eercle nur einen fehl kleinen Kreis der Komiteemitglieder in die Unterhaltung zog, nm sich dafür ausgiebiger mit Beamten aus den örtlichen Behörden abzugeben.

Man mag dieserDenkmalsgeschichte" ge- ^cnüberstehen, wie man will, eins jedenfalls ist sicher: Das Ansehen des Deutschtums kann in Böhmen nicht dadurch gehoben werden, daß man Angriffsflächen gegen das deuffche Ele­ment schafft. Es ist dem Karlsbader deutschen Kurgast nicht gerade angenehm in den Obren, wenn auf französischer und ischcchffcker Seite dieGeschichte von den abgeblitzten Ordens­jägern" kolportiert wird. Ans deutscher Sette wünscht man jetzt vielfach, daß diese in ihren Nebenerscheinungen fo unglückliche Denkmals­stiftung lieber ganz unterblieben wäre, weil sie nur das Bild von der Verehrung des grei­fen Monarchen durch die Reicksdeuffchen ver­schleiern kann. G. A. B.

Nach den Ferien.

Erlauschtes ans den Ferientagen."

Ort der Handlung: Paris und Sommer­frischen in der Nähe von Paris. Personen: Sommerfrischler und Pariser, die ihre auf Sommerwohnung weilenden Freunde aus der Stadt durch einen kurzen Besuch be­glücken wollen. Und nun einiges von dem, was man bei solchen Gelegenheiten zu hören bekommt: zuerst von feiten der zu denguten Freunden" hinausfahrenden Pariser:Vier­zehn Franks für die Fahrkarten und dazu noch die Droschke zum Bahnhof. Und das nennt sich eine Einladung!" ...Wenn man Besuche haben will wohnt man nicht zwei Kilometer vom Bahnbos entfernt! ...Darüber werden Sie sich sicher freuen. Bei Ihnen bekommt

man ja doch niemals ein Stück Obst." ...Sie ist ganz nett. Aber er ist ein langweiliger Kerl, und die Kinder sind scklecht erzogen. Es ist.eben ehr verlorener Tag." ...Du kannst ja machen, was du willst. Aber ich pflanze mich bald nach der Ankunft in einen Sessel und rühre mich nicht vom Fleck." ...Wenn sie uns zum Abendbrot dabehalten wollen, sollen wir dann annehmen?" ...Nimm keine Rück- fahrtkarten. Vielleicht bringt uns Luise im Auto zurück." ...Sehr gern verkehre ich mit ihnen nicht." ...Hoffeittlich ist der Hummer, wenn es einen gibt, frischer als vorigesmal." ...Ich habe mich erst gar nicht groß ange­zogen. Luoienne geniert sich ja auch nicht, wenn sie bei andern ist ..."

Und mm die andere Partei, die Sommer­frischler, die denlieben Besu ch" erwar­ten:Das Wetter ist prächtig. Sie werden also kommen. Denn unsertwegen kommen sie ja doch nicht." ...Ich weiß wirflich nicht, was ick sechs geschlagene Stunden mit Hortense an­sangen soll. ...Natürlich behalten wir sie nicht zum Essen da. ... (Bei der Ankunft der Freunde):Das ist aber reizend, daß ihr Alle kommt." ...Ihr kommt leider zu einer schlechten Zeit. Tie Erdbeer- und die Kir- sckenzeit ist vorüber, die Johannisbeeren sind noch nickt reif und wir werden dieses Jahr auch nicht einen Apfel haben. Im vorigen Monat hatten wtt wenigstens Spargel." ... Zu einer Spazierfahrt fordern wir Euch gar nickt erst auf. Wir wissen, daß hie Pariser aufs Land kommen, um auszuruhen." ...Der Zug 6 Uhr 25 ist sehr gut. Ihr könnt dann noch zum Essen in Paris fein." ...Ich möchte Euch natürlich nicht hinauswerfen iBlick cnis die Wanduhr), aber wenn Ihr wirklich fahren wollt,.." tzRach der Abfahrt):Luise bat sich sehr zu ihrem Vorteil verändert. Aber hast du bemerkt, wie schmutzig der Kleine aussah?" ... Ein bißcken langweilig sind sie immer ge­wesen. ...Ich fürchtete schon, daß sie den Zug versäumen könnten ... «drs--

Kleine» Feuilleton.

5= Königliche Schauspiele. Heute Montag gelangt das LustspielDie Journalisten von Gustav Frcytaa. mit den Damen: Bavrham- mer. Clever. Stiewc und den Herren: Alberti, Berend Bohns» liefert. Dtcineckc

und Strial in den Hauptrollen zur Auffüh­rung. Morgen Dienstag wird der Schwank Meyers" von Friedmann-Frederick gegeben.

i"i Olbrichs Nachfolger. Wie aus Darm­stadt gemeldet wird, ist zum Nachfolger Olbrichs der Architekt Edmund Körner aus Essen an der Ruhr, wo er mehrere hervor­ragende Bauten geschaffen hat, vom Großher­zog von Hessen an die Darmstädter Künstler­kolonie berufen worden.

tQt Die Hygiene-Ausstellung. Die interna­tionale Hygiene-Ausstellung wird erst am 31. Oktober geschlossen werden, die answärttge Abteilung voraussichtlick erst am 16. Oktober.

s2s Im Reiche des Eises. Die an Bord des Transportschiffes Paktuffow zur Bestimmung funkentelegraphischer Stationen ausgesandte Expedition ist nach Archangelsk zurückgekehrt, nachdem sie verschiedene Punkte längs der Küste des Karischen Meeres ausgewählt hat. Sie hat den südlichen Teil des Karischen Meeres eisfrei gefunden.

tQs Ter Elektrizitätskongreß. Der Inter­nationale Kongreß für angewandte Elektrizität ist in Anwesenheit der Bertteier zahlreicher Staaten von dem Minister für Post und Tele­graphen Calissano in T u ri n eröffnet worden. Calissano wurde zum Ehrenpräsidenten er­nannt.

Die Diebstähle im Louvre. Der jüngste Statuettendiebstahl im Louvre hat zur Folge gehabt, daß der in Pariser Künstlerkreisen wohlbekannte Schriftsteller Wilhelm Kostro- witzki, oder wie er mit feinem Pseudonym cheißt, Guilleaume Apollinaire, unter dem Ver­dacht, die Stücke gestohlen zu haben, verhaftet wurde. Es konnte dem Verhafteten indes bis, her keine Mithilfe an dem Diebstahl nackgewie- sen werden. Apollinaire, der ein Sohn eines russischen Generals ist, hat nur den uneigen­nützigen Vermittler bei den Verhandlungen ge­spielt. die zur Rückerstattung der Statuetten führten. Der Dich selbst, den Apollinaire aller- n. Baris kurze Zeit bei sich beherbergte, beiBt Vivien und ist gleichfalls Russischpole. Vivren gilt zur verrückt.

. i^-Wo steckt die Mona Lisa? Die Rcdattion der Münchner Neuesten Nachrichten hat einen Brief mit dem Poststempel Landau in der Pfalz erhalten, in dem der Absender behauptet er Kt der Dieb der Mona Lisa, das Bild besändc Nck im Tresor einer deutschen Bank. Hier han­delt es sich offenbar um »;uen vlumvcn Scher-