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1. Jahrgang.

Nummer 236

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Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonntag, den 10. September 1911

Paris, 9. September. (Eigene Draht- Meldung.) Ministerpräsident Cailleaux hatte gestern eine längereUnterredung mit dem Minister de» Auswärtigen, de Telves, und hierauf mit dem Kriegsminister Messimy. Das .Echo de Paris" bringt die letztere Besprechung mit dem Wunsche des

LU,6«ffeltr$ene#e Nachrichten- erscheinen wichenUich sechsmal und M>ar abend». Der LdonnementSpreiS betragt monatlich so Pfg. bet srcisr Zu- stellung in» Hans. Druckerei, «erlag u. Redaltton: Schlachthofslratze 28/80. Berliner Vertretung: SW, grtedrtchstratze 16, Telephon: Amt IV, 676.

Kabinettschefs in Zusammenhang, den großen Manövrrn beizuwohnen. Indessen dürfte auch in dieser Konferenz die Marokko frage eine Nolle gespielt haben. Die deutsche Ant­wort befriedigt in den leitenden französischen Kreisen nur in geringem Grade, weil sie die hier erwarteten Garantien für Deutsch­lands Nichtinteressiertsein in Ma­rokko vermissen läßt und weil die Ansprüche im Kongo zu hoch erscheinen. Demgemäß wird Frankreichs Rückäußerung ausfallen. Aber die Brücken abzubrechen, daran denkt hier niemand. Bisher ist hier allerdings nur die Tendenz der deutschen Antwort bekannt, ihr Wortlaut wird erst Anfang nächster Woche erwartet.

AnferttonSpretse: Die sech-gespaltene Zelle für einheimische liieschLste 15 Pfg., für auswärtige Inserate 26 Pf, ReNainezetle für einheimisch, ®,. schäfte 40 Pf, für auswärtige 60 Pf. Geschäftsstelle: Kölnische Straße b. Berliner Dertretung: SW» Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.

(Privat - Telegramm.)

Als Ursache der Einsturz-Katastrophe gilt die Eilfertigkeit, mit der der Unterneh­mer die Arbeiten ausführen ließ. Im Oktober sollte der Saal fertiggestellt sein. Für jeden Tag der Verzögerung war eine hohe Kon­ventionalstrafe festgesetzt. Der Architekt drängte deshalb ungestüm auf die Beschleuni­gung der Arbeiten. In der Tat machten die aus Zement hergestellten Arbeiten scheinbar bestiedigende Fortschritte. Gerade gestern spornte der Bauleiter das ganze beschäftigte Personal, etwa sechzig Mann, durchweg Ita­liener, zu besonderer Eile an. Der Architekt hatte eben die Baustelle verlassen, als er einen furchtbaren Krach hörte, der von stürzen­dem Mauerwerk herrührte. Das Haus war im Nu tote in einen grauen Nebel gehüllt; Soldaten bahnten sich durch die rauchenden Trümmer den Weg zur Baustelle und mußten bald überL eichen den Weg zu den Schwer- verwundeten suchen, die herzzerreißend stöhn­ten. Ahnungslos waren mittlerweile die Frauen der Arbeiter mit dem Essen ge­kommen und es spielten sich erschütternde Szenen ab. Bis heute früh waren neun­zehn Leichen und etwa fünfzehn Schwerverletzte aus den Trümmern ge­borgen. Der Riesenbau muß infolge der Kata­strophe abgetragen werden, was einen Schaden von einer halben Million Francs ver­ursacht.

Neuerung und Hausfrauen Krieg.

Teuerungskrawalle überall.

Ein Privattelegramm meldet uns aus Ostender Die Teuerungs-Kra-

V Paris, 9. September. (Telegraphische Meldungen.) Tie Kundgebungen in der Provinz gegen die Lebensmittelteuerung dauern fort. In D c n a i n beschlossen gestern die Bergarbeiter, für vierundzwanzig Stunden die Arbeit ein­zustellen. In Brest wurde eine Protcstver- sammlung der Rrsenalarbeiter von der Polizei auSeinandergetrieben. Einzelne Haufen durch­zogen darauf die Straßen und zertrümmerten die Fensterscheiben. Abends kam es in Brest abermals zu Unruhen, wobei mehrere Gendar­men durch Stcinwürfe verletzt wurden. Zahl­reiche Personen wurden verhaftet. Unter den Brsenalarbeitern, die eine scharfe, gegen die Regierung gerichtete Resolution annahmen, herrscht große Erregung. An Dünkirchen entstand gestern abend zwischen Hausfrauen und Fischern ein Handgemenge wegen der teu­ren Preise. Die Fischer und die ihnen zu Hilfe kommende Polizei wurden von den Frauen mit Hokzschuhen und Fischen bombardiert. Mehrere Personen wurden verletzt.:

walle, die schon in den ersten Tagen der Woche zu schlimmen Ausschreitungen geführt hatten, wiederholten sich gestern in noch schlim­merer Form: Zahlreiche Buttcrhändlerinnen wurden von der durch die hohen Preise erbit­terten Menge m i ß h a n d e l t, es wurden ihnen die Kleider vom Leibe gerissen, die Ware ver­dorben und ihre Utensilien wurden von der er­regten Menge zertrümmert. Die angegriffenen Butterhändlerinnen wollen sich aber demgegen­über nicht länger passiv verhalten, sondern mit Verstärkungen nach Ostende zurückkehren und Vergeltung üben. Es wurden eine An­zahl Verhaftungen vorgenommen. Schlimmer noch gestalten sich die Teuerungsunruhen in Frankreich. Es liegen darüber folgende Mel­dungen vor:

Paris, 9. September. (Privat-Te- legramm.) Wie jetzt festgestellt ist, sind bei der gestrigen Einsturz-Katastrophe in Nizza insgesamt dreiundzwanzig Arbeiter getötet und achtundzwanzig andere schwer verletzt worden. Die übrigen Ar­beiter erlitten fast ausnahmslos leichtere Ver­letzungen. Genen den Bauleiter ist eine ge­richtliche Untersuchung einqeleitet worden, da er beschuldigt wird, den Bau leichtfertig auf­geführt zu haben. Die Volksmenge hätte ihn gestern abend beinahe gelyncht, und es bedurfte des Einschreitens der Polizei, um den Archttek- ten vor der erregten Menge zu schützen.

Das nervZsL HoRMd,

(Telegramm unseres Korrespondenten.)

§ Frankfurt, 9. September.

Die Frankfurter Zeitung hatte sich an die holländische Negierung mit der An­frage gewendet, ob es wahr sei, daß die hol­ländische Reserve nicht entlassen werde und ob diese Maßnahme mit den deutsch-französi­schen Marokkoverhandlungen zusam­menhänge. Sie erhielt darauf die Antwort von der Regierung, die Manöver seien um dreiund­zwanzig Tage verlängert worden. Einen Grund hierfür anzugebcn, weigerte sich je­doch die Negierung.

hat. Sie bat den Stoff zwar etwas melodra-« mattsch angeordnet, aber sie hat ihn nicht gefälscht. Die Personencharakteristik, die sie gibt, stimmt durchaus: Der von ihr gehaßte »Schwiegervater" König Georg genoß wegen seiner verschlossenen, etwas grämlichen, pedantischen und unfrohen Art auck im Sach- senvolk keine besondere Popularität. Man schätzte in ihm einen der Heerführer des letzten großen Krieges, aber man wußte auch, daß er am sächsischen Hof und in der sächsischen Re­gierung der eifrigste Hüter und Förderer aller orthodoren Bestrebungen war. Daß ihm die Ausgelassenheit der Kronprinzessin »auf die Nerven" fiel, das ist hinlänglich bekannt. Auch das stimmt, was sie vom Bruder des Kö­nigs. dem Prinzen Johann Georg, er-

Paris, 9. September. (P'r i v at-Tele- Stamm.) In der Fabrikstadt Roubaix im Departement Lille durchzogen gestern abend große Volkshaufcn dieStraßen und demo­lierten verschiedene Geschästsauslagen, um ge­gen die L e b e n s m i t t e l t e u e r u n g zu de­monstrieren. Als darauf Gendarmerie und be­rittene Truppen einschritien, errichteten die Manifestanten eine Barrikade, von der aus sie die Soldaten und Gendarmen mit Stei­nen bewarfen. Zehn Soldaten und Sicher­heitsmänner wurden erheblich verletzt.

Ilnd Sachse» schweigt...!

DieToselli Memoiren" im Lande Sachsen. (Von unfeint Korrespondenten.)

Es hat etntgeS Aufsehen erregt, datz von Setten des sächstschen KönigShosS gegenüber den Beröffent- lichnngen der Frau Luise Toselli, der frühe, ren sächstschen Kronprinzessin, völlige PasttvUät be- obachtet worden tfi; umsomehr, als in der Ber- öffentl chung doch zweifellos manches enthalten ist, das eine unzweideutige Erklärung seitens der maßgeblichen Stellen wünschenswert erscheinen lassen dürfte. Ueber den Eindruck der Toselli-Memoiren in Dresden schreibt uns unser dortiger Korrespondent: Wenn Frau Toselli. die ehemalige Kron­prinzessin von Sachsen, gehofft hat. sich mit ihren Memoiren bei ihren Kindern und bei dem Sachsenoolk (insbesondere in Dresden) wieder zu rehabilitieren, so erfährt die Erfül­lung dieser Hoffnung doch recht erhebliche Schwierigkeiten. Die Dresdener bekommen nämlich von ihren Memoiren .. nichts zu hören. Lie Dresdener Presse bat nach einem stillschweigenden Uebereinkommen »aus Rück­sicht auf den sächsischen Hof" von dem Anhalt der im Matin veröffentlichten und durch Pari­ser Telegramme auch in Deutschland bekanntge­wordenen Memoiren bis heute noch nicht ein Wort mitgeteilt. Diese Praris soll auch wei­ter verfolgt werden, ganz gleich, was Frau Toselli in ihren Memoiren noch erzählt. Fer­ner hat sich eine große Anzahl von Dresde­ner Buchhändlern in dem Entschluß zusam­mengefunden, die in acht Tagen zu erwartende deutsche Buchausgabe der Memoiren nicht zu verbreiten. Bis jetzt kann versichert werden, daß sich die Verfasserin der Memoiren

durchaus an die Wahrheit gehalten

gefochten schnupfen zu können. Das Inter­mezzo hat im Vaterland der Denker und Dich­ter und darüber hinaus ungetrübte Heiterkeit geweckt. Und das mit Recht: Denn es ist durch Herrn Riesebergs Abenteuer nunmehr der un- bestrittne Beweis erbracht, daß Leute mit Schnällchen, Röllchen und ähnlichen chronischen Kulturgebrechen unmöglich Anspruch darauf er­heben können, in der vaterländischen Gemein­schaft als »erstklassig" zu gelten. Es ist zwar nicht ganz klar, was Herrn Riesebergs illustrer Reisegefährte als unerläßliche Voraus­setzung ziemender Honorigkeit erachtet, aber feste Manschetten, Zehn-Zentimeterkragen, Glacehandschuhe und Lackstiefel werden wohl das Mindestmaß klassenstolzer Aesthetik sein. Der »Graf de Passy" würde unter diesen Umständen wohl kaum den Argwohn der Ge­rechtigkeit gestachelt haben.

Der Herr Assessor, dessen ästhetisches Emp­finden durch die Quedlinburger Schnupftabak­dose gröblich verletzt wurde, kann übrigens von Glück sagen: Wäre Prinz Max von Sachsen (von dem Luise von Toskana erzählt, daß er nur eine Zahnbürste alsGepäck" mit sich zu führen pflegte) sein Reisegefährte gewesen, dann hätte das Intermezzo vielleicht einen noch peinlichern Ausgang genommen. Im übrigen aber dürfen wir zufrieden sein: Das Braun­schweiger Abenteuer des QuedlinburgerM. d. R." gestattet einen nützlichen Blick in den Spiegel deutscher Volkskultur, der uns daran erinnert, wie ärmlich-gering hierzu- land der Persönlichkeitswert gegen­über den Schein fader Aeußerlichkeit geschätzt wird und wie sehr unser öffentliches Leben im Jahrhundert der Kultur und Aufklärung noch im Bann kleinbürgerlicher Begriffe befangen ist. Ludwig Thoma's tolle KomödieEistet Klasse" ist (nicht imdunklen" Bayern, sondern im Bereich preußischer Kultursonne) von der Wirklichkeit übertroffen worden, und wenn wir auch sicher weit davon entfernt sind, Herrn Rieseberg mit dem eierkorb- und zipfelmützen­bewehrtenBarlamends-Mitglied" Thoma's in Parallele stellen zu wollen, so muß doch fest- gestellt werden, daß der Münchner Satyriker im übrigen allen Möglichkeiten heimtücki­scher Schicksalsfügung int Reiche Breitenbachs mit anerkennenswerter Sorgfalt gerecht ge­worden ist. Für reisende Reichstagsabgeord­nete wird's empfehlenswert fein, sich künftig­hin der kunstgerechten »Aufmachung" ihres äußern Menschen zu befleißigen, damit ihnen die Trübsal erspart bleibt, reisende Assessoren zu beunruhigen. Und Herr von Breitenbach sollte (sorglich, wie tr ist) für den Bereich der ersten Klasse dekretieren:Schnupftabakdosen, Röllchen und Schnällchen sind verboten ...!!" F. H.

Das Marokko-Fieber.

Noch immer keine Klärung der Lage!

Ein Privat-Tclegramm berichtet uns aus London: Sir Edward Grey empfing gestern im Auswärtigen Amt den französischen Botschafter in London, Paul Cambon, und später die Botschafter Rußlands und Italiens. In po­litischen Kreisen bringt man diese Konfe­renzen mit den deutsch-französtfchen M a - rokko-Verhandlungen in Zusam­menhang und mißt ihnen große Be­deutung bei.

Ueber die Berliner Verhandlungen (in de­nen inzwischen abermals eine Pause einge­treten ist) veröffentlicht die Kölnische Zeitung folgende offiziöse Mitteilung: Die letzte Unterredung zwischen dem Staatssekretär von Kiderlen-Waechter und dem Botschafter Cam­bon war lang und eingehend. Die brief­lich aufgestellten Gegenvorschläge Deutschlands sind in diesem Augenblick unterwegs nach Paris. Aus der Abfassung deutscher Gegenvorschläge kann selbstverständ­lich nicht der Schluß gezogen werden, daß die von Cambon überreichten Vorschläge Frank­reichs von Deutschland als unannehmbar abgelehnt worden wären: Sie werden im Gegenteil als Grundlage zum Weiter­verhandeln angesehen, sonst würde Deutschland sie a limine zurückgewiesen und Gegenvorschläge überhaupt nickt aufgestellt ha­ben. Bis zur Antwort Frankreichs wird na­turgemäß einige Zeit vergeben.

giftet Klasse.

Wenn einer eine Reise tut ...!"

Wilhelm Vogts Köpenicker Schuster- und Hauptmanns-Heldentat ist nun bald vergessen, und die nöchterne Prosa des Alltags hat Knie­riems Siegeszug vom Fels zum Meer längst der poetischen Verklärung beraubt. Es scheint indessen, daß nicht gut daran getan ward, dem Mann von Köpenick die Sühne zu verkürzen, denn die Harmlosigkeit muß jetzt des genialen Hauptmanns Schuld mit harter Plage büßen. Wir haben es erlebt, daß im Lande Mecklenburg ein alter Oberstabsarzt (dem in der idyllischen Stille des amtlichen Feierabends mählich der Sinn für die Zier »schimmernder Wehr" abhanden gekommen war) vom Arm des Gesetzes umkrallt wurde, als er, mit einer urväterlichen Handtasche bewaffnet, in's Reich des Ochsenkopfs auf Reisen kam und sich int bescheidnen Habitus dem scharfen Blick beruf­ner Ordnungswacht ohne weiteres als Wil­helm Vogts unrühmlicher Nachfahr präsen­tierte (das Reichsgericht hat später entschieden, daß die Männer von Mecklenburg keiner Sünde zu zeihen seien: Die Handtasche von anno da­zumal in der Hand eines reisenden Oberstabs­arztes außer Diensten habenotwendigerweise" Verdachtw ecken müssen; und dasvon rechts- wegen".) Wir haben uns ferner daran erbauen dürfen, daß in der fröhlichen Pfalz ein Som­merleutnantergriffen" wurde, der dadurch den Argwohn der bekanntensegensreichen Him­melstochter" geweckt hatte, weil er im sonntäg­lichen Extrarock einem braven Feldhüterhin­reichend verdächtig" erschien, Wilhelm Vogts unziemlichen Trick auf Pfälzer Erde erproben zu wollen. Und nun beweinen wir das tra­gische Geschick des Herrn Bäckermeisters und Reichstagsabgeordneten R i e s e b e r g, dem noch Uebleres widerfahren ist.

Herr Rieseberg aus Quedlinburg, den vor Jahr und Tag das Vertrauen dankbarer Mit­bürger in die Lederpfühle des Wallothauses trug, als Meister am Backtrog mehr fast noch geschätzt wie als »M. d. R.", unternahm letzter Tage eine Fahrt über Land, und da er im Reiche Breitenbachs sich sicher wähnte, wie im grauitnen Kuppelbau am Berliner Königs- Platz, bestieg er in Halberstadt den Königlich Preußischen Eisenbahnzug, der ihn zum Hei­matstädtchen zurückbringen sollte. Als Erwähl­ter des Volls ist Herr Rieseberg berechtigt, während der Dauer der Legislaturperiode auf allen Reffen innerhalb des Reichsgebiets die erste Wagenklasse zu benutzen: Eine rote Aus­weiskarte legitimiert den Inhaber der Eisen­bahnverwaltung gegenüber als Abgeordneten. In Halberstadt ließ man demgemäß den Tri­bun von Quedlinburg Sperre und Kartenkon­trolle anstandslos passieren, und Herr Riese­berg würde vermutlich auch unversehrt zu den heimischen Penaten gelangt sein, wenn ... Kleider keine Leute machen und Schnupftabak­dosen in der Elite-Klasse preußischer Eisen­bahnzüge keinen Argwohn wecken würden. Herr Riefeberg hatte das Pech, einen schneidi­gen Assessor als Reisegefährten zu erhalten, und diesem Anwärter auf des Daseins höchste Würden mochte es seltsam erscheinen, wie ein Mann, der Röllchen, Schnällchen und Baum­woll-Handschuhe trug, die Berechtigung erlan­gen konnte, in der Eisenbahnerster Klasse" Seite an Seite mit einem Assessor des höhern Eisenbahndiensts zu reifen. Der Argwohn verdichtete sich zur büftern Gewißheit, als der Mann mit den Röllchen und Schnällchen eine Schnupftabakdose übernatürlicher Größe und ehrwürdigsten Atters aus seiner Tasche zog und sich daraus erlabte. Es stand fest:Erst­klassig" war der Mann unter keinen Umständen!

Das Weitere ist bekannt: In Braunschweig lud die allzeit geschäftige Polizei den Mann mit den Röllchen, Schnällchen, Baumwollhand- schulen und andern Kulturmängeln höflich ein, einmal mit hinaus zu kommen", betrachtete das seltsame rote Papierchen, ausgestellt von der Kanzlei des Deutschen Reichstags, mit stei­gendem Argwohn und erklärte schließlich den gesetzlich approbierten Fahrtausweis des Reichstagsabgeordneten aus Quedlinburg als ungiltig. Notpeinlicher Heimsuchung entging der Verdächtige glücklicherweise durch das Er­scheinen eines Bekannten, der feierlich bezeugte, daß der Mann mit dem roten Rätselblättchen der gesetzlich erwählte und ordnungsmäßig ver­pflichtete Reichstagsabgeordnete Rieseberg sei; trotzdem fand es der von der Nemesis jäh Ueberfattene für geraten, sich für die Schluß­strecke der Heimfahrt eine Fahrkarte zu lösen, um (Wie ex grollend meinte) tocnialiens unan­

Mzzas Kdorads in Trümmer«.

DreiundzwanM Tote, zahlreiche $ erlebte.

Gestern nachmittag ist in der französischen Mittelmeerstadt Nizza am Neubau des großen Varictee-Tbeaters Eldorado das Deckenge­mäuer eingestürzt, wobei über zwanzig der am Neubau beschäftigten Arbeiter getö­tet und zablreiche andere sckwer verletzt wurden. An dem Bau waren etwa hundert Arbeiter beschäftigt, von denen fast kein einzi­ger unverletzt geblieben ist. Militär und Feuerwehr begannen sofort mit den Ausräu- niunggarbetten, um die Opfer zu befreien. Die Arbeiten gestalteten sich indessen sehr mühsam, da der Teil des Gebäudes, bar stehen geblieben war, nachzustürzen drohte. Eine neuere Mel­dung berichtet uns über die Katastrophe fol­gende Einzelheiten:

N Nizza, 9. September.