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Kr. 233. 1. Jahrgang.

Mann könne sich auf dem Thron halten; ihr aber bleibe die Pflicht, die Rechte ihres Soh­nes zu wahren, während dessen Minderjährig­keit sie die Last der Regentschaft tragen wolle. Sie selbst hat (in einem Dienerzimmer des Potsdamer Stadtschlosses, aus dem ihre Angst den Mann in die sichere Einsamkeit der Psaueninsel getrieben hatte) diese Absicht Herrn von Bismarck-Schönhausen nur angede- deutet. Dann, um aus dem Verdacht reaktionä­rer Gesinnung erlöst zu werden, den Weg ins Lager der Fortschrittspartei nicht gescheut. Als im Erfurter »Hotel des Prince" Georg von Vincke den Schönhauser Kollegen

für den Regentschaftsplan

zu gewinnen versuchte, erhielt er sofort die Antwort, wer solchen Antrag stelle, möge süh darauf gefaßt machen, daß Bismarck gegen ihn ein Strafverfahren wegen Hochverrats for­dere.Von diesem Vorgang und von der Aus­sprache, welche ich von seiner Gemahlin wäh­rend der Märztage in dem Potsdamer Stadt­schlosse zu hören bekommen hatte, habe ich dem Kaiser niemals gesprochen und weiß nicht, ob andere es getan haben. Ich habe ihm diese Erlebnisse verschwiegen auch in Zeiten wie die des vierjährigen Konfliktes, des österreichischen Krieges und des Kulturkampfes, wo ich in der Königin Augusta den Gegner erkennen mußte, welcher meine Fähigkeit, zu vertreten, was ich für meine Pflicht hielt, und meine Nerven auf die schwerste Probe im Leben gestellt hat/ (Gedanken und Erinnerungen/) Vergessen hat der Altmärker das Erlebnis niemals, auch nicht

in den den Zeiten Augustinischer Gunst. Die hat's wirklich gegeben ... Im September 1869 schreibt Obcrhofmarschall Graf Pückler an den Ministepräsidenten:Daß Eure Exzellenz auch die Königin bezaubert, freut mich sehr; und würden einige nichtssagende Aufmerksam­keiten hinreichen, dies gute Vernehmen zu er­halten/ Zwei siegreiche Kriege, die der Dy­nastie Macht und Liebe geworben haben: Und noch immer sind zur Sicherung guten Einver­nehmensnichtssagende Aufmerksamkeiten" nö­tig. Bismarck taugt nicht zum Werkzeug frem­den Wollens; weigert sich, Ansichten der hohen Frau als seine eignen vor dem König zu ver­treten; läßt sich auch im Drang nicht die Ueber- zeugung ablisten. Bezaubert? Sicher nicht lange. In jeder Schicksalsstunde ist auch fort­an Wilhelms Frau gegen ihn; und immer drum auf der falschen Seite. Das ward ihr Verhängnis. Ihre eindringlichen

Warnungen vor den Kriegen

gegen Dänemark und Oesterreich waren als grundlos erwiesen. Im Sommer 1870 fing sie das Flötenspiel wieder an. Als dir Pariser schon die von Bismarck redigierte Emser De­pesche lesen, schreibt Wilhelm an die aufgeregte Frau:Vielleicht läßt sich noch eine Vermitt­lung auffinden; aber nur eine, die nicht meine persönliche und die Ehre der Nation tangiert/ Als er die Kur abbricht und sich zur Fahrt nach Berlin bereitet, umgellt ihn die letzte Warnung der Geängstigten: Nach Jena führe ihn, nach Tilsit sie beide der Weg, wenn er nicht jetzt noch den Krieg vermeide. Den Krieg, dem, als einer nationalen Notwendigkeit, in Nord und Süd die Deutschen entgegenjauchzien. Augusta grollt. Fürchtet ein neues Jena. Das Herz der Kö­nigin ist nicht bei der deutschen Sache. Aus der Erinnerung an diese Tage hat Bismarck ihr

Mangel an Nationalgcfühl vorgeworfen.In ihr lebte ein Bedürfnis des Widerspruchs gegen die jedesmalige Haltung der Regierung ihres Schwagers und später ihres Gemahls. In den Perioden, wo unsere auswärtige Politik mit Oesterreich Hand in Hand gehen tonnte, war die Stimmung gegen

Casseler Neueste Nachrichten

Donnerstag, 7. September 1911.

Oesterreich unfreundlich und fremd; bedingte unsere Politik den Widerstreit gegen Oester­reich, so fanden dessen Interessen Vertretung durch die Königin, und zwar bis in die An­fänge des Krieges von 1866 hinein. Während an der böhmischen Grenze schon gefochten wurde, fanden in Berlin unter dem Patronat Ihrer Majestät durch das Organ von Sckleinitz noch Beziehungen und Unterhandlungen be­denklicher Natur statt... Wenn ich ins Schloß trat, merkte ich bald, ob die Kaiserin anwesend oder verreist sei. War sie fort, dann

atmete alles leichter

und die Diener (sie bevorzugte die dunkelhaa- rrgen, fremdländiich aussehenden) schienen we­niger geniert. Aber auch von weitem ließ sie sich die Beunruhigung des alten Herrn ange­legen sein. Und wo mir was Bitteres einge­rührt wurde, hatte sie sicher die Hand am Löf­fel. Um mich zu ärgern, befahl sie eines schönen Tages, den Ministerfrauen an der Hoftafel künftig schlechtere Plätze zu geben. Als einer, der meiner ungehorsamen Gemütsart Wider­stand gegen diese Neuerung zutrauen mochte, mich vorsichtig sondierte, bekam ich die Ant­wort: Meine Frau darf nicht schlechter placiert werden als ich; mir aber können sie jeden Platz anweisen, der Ihrer Majestät beliebt: Wo ich sitze, ist immero b e n". Seitdem hat sie den Versuch persönlicher Kränkung aufgegeben/ Daß sie

den Mann hassen lernt, dessen Hünenleib ihr den Weg auf die Höhe sperrt? Der rät in jeder Fährnis zu blutigem Kampf: Gegen die Revolution und gegen drau­ßen lauernde Tücke. Der hat freilich keine Krone zu verlieren und kann im Toben den Mut kühlen. Augusta hat Bismarcks Genius wohl nie ganz erkannt; seinen Machtzuwachs stets aus eifersüchtigem Auge angesehen. Weil sie sich nicht entschließen konnte, ihn grenzenlos zu lieben, und in gelassenem Gleichmut neben diesem Kaiser zu wandeln vermochte.Gewor­den ist ihm eine Herrfcherseele und ist gestellt auf einen Herrscherplatz. Wohl uns. daß es so ist/ So empfand der nüchterne Wilhelm. Nie Wilhelms Frau. Augusta gehört dem Reichs­mythos. Blickt aus frommem Auge auf die prangende Spinnerin, deren furchtsame Klug­heit den Waldvater der Heldenzeit, weil er unser seinem Himmel ein Mann mit Mannes- stnnen blieb, zu schrecken vermochte!

Sie Politik des Tages.

cS3 DerSchatz des Sus". Londoner Blätter berichten aus Tanger: Herr Man­nesmann ist auf seinem Wege nach Casa­blanca in Tanger eingetroffen. Er will die großen Besitztümer der Firma Mannesmann im Schaujagebiet besuchen. Von einem der Begleiter des Herrn Mannesmann will der Korrespondent der (deutschfeindlichen)Daily Mail" die Versicherung erhalten haben, daß die deutschen Kriegsschiffe Agadir nicht eher verlassen würden, als bis die Interessen der Gebrüder Mannesmann am Bergwerksbesitz im Susgebiet gewahrt seien. Die Gruben dieses Gebietes seien außerodentlich reich an Erzen aller Art, Gold, Silber und Kup­fer würden in so reichem Maße gefunden wer­den, wie in keinem anderen Lande der Welk.

gP Bankers auf Reisen. Depeschen aus Tokio berichten: Die Mitglieder des diplo­matischen Korps in Tokio sind erregt über sehr scharfe Bemerkungen, die ein Mit­glied einer Deputation amerikanischer Kauf­leute, ein gewisser Mr. Jordan, gelegentlich einer Rede in Karuizawa über den Deut­schen Kaiser und den Zaren von Ruß­land gemacht haben soll. Der Sekretär der rus­sischen Gesandtschaft verließ demonstrativ das Auditorium mitten in der Ansprache. Jordan

hat über den Vorfall noch keine Erklärung ab­gegeben.

ö3 Serbische Königsmörder-Geheimniffe. Ein Privattelegramm meldet uns aus Belgrad: Der frühere Minister Rowako- wrtsch setzt die Veröffentlichung seiner Me- morren über die Ermordung des Kö­nigs Alexander und der Königin Draga fort. Er erzählt in seiner neuesten Veröffentlichung von der ersten Zusammenkunft von zehn serbi­schen Offizieren, die bei dem ehemaligen Mi- inifter Genoitsch stattfand. Diese Offizier- Hatten den Eid abgelegt, mit allen Mit­teln auf die Befreiung deS Landes von König Alexander mitzuwirken. Alle diese zehn Offiziere seien frühere Kriegsfchüler gewesen.

S3 Blutige Arbeitskämpfe in Spanien. Aus Madrid wird uns depeschiert: Ein Te­legramm aus Bilbao berichtet, daß die Ausstandsbewegung einen immer be­drohlicheren Charakter annimmt. Die Zivil­garde hat den Auftrag erhalten, die Eisenbahn­linien streng zu bewachen, um Sabotage-Akte der Streikenden zu verhindern. Die Trans­portarbeiter haben sich ebenfalls der Aus­standsbewegung angeschloffen. Im Laufe des gestrigen Tages ist es zu ernsten Zusam­menstößen zwischen Streikenden und Gen­darmen gekommen, wobei sieben Personen (darunter mehrere Frauen) schwer ver­letzt worden sind.

*

Aus Frankfurt a. M. wird uns berich­tet: Der gestern abend hier eintreffende tür­kische Thronfolger Juffuf Jzzedin wird in Begleitung des türkischen General­konsuls den Manövern des achtzehnten Armee­korps beiwohnen.

Die Verhandlungen in der Berliner Me­tallindustrie werden am Freitag wieder beginnen. Gestern hielten die Vertrauensleute der Arbeiter eine Beratung ab. Den Strei­kenden und Ausgesperrten der Gelbmetallin­dustrie sollen die Beschlüffe am Donnerstag vorgelegt werden. Man wird sie jedenfalls ab­lehnen.

Neues vom Tose.

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.)

xx Briganten am Rhein. Bei Köln über­fielen mehrere Burschen einen Fremden, der r e i ch e Geldmittel bei sich trug, be­raubten ihn und warfen ihn in den Rhein. Dem Manne gelang es, sich an einer Schiffs­kette festzuhalten, bis er gerettet wurde. Von den Räubern fehlt bis jetzt jede Spur.

zx Das Opfer von Landsberg. Hauptmann Schönwald vom 54. Artillerie-Regiment, der von dem zur Hilfe gegen den Wald- brand bei Landsberg a. W. herbeigezogenen Militär vermißt wurde, ist jetzt mit seinem Pferd in einer Schonung tot aufgefunden wor­den. Der Brandherd ist eingeschränkt. Der Schaden beträgt über zehn Millionen Mark.

XX Die Wahnsinnstat einer Mutter. Heute vormittag hat sich in dem Ausflugsort Cho­rt n ch e n bei Eberswalde eine enffetzliche Tra­gödie abgespielt. Die Witwe S e w e k o schnitt ganz plötzlich ihrem vierjährigen Sohn und ihrer zweijährigen Enkelin und dann sich selbst die Adern durch. Obgleich in kürzester Zeit ärztliche Hilfe zur Stelle war, konnte keine der schwerverletzten Personen gerettet werden. Alle drei st a r b e n nach wenigen Minuten. Wie verlautet, hat die Frau die Tat in geistiger Umnachtung begangen.

xx Gemeinsam in den Tod. Im Fran­ke n t e i ch bei Stolberg am Harze wurden drei zusammengebundene Leichen aufgefunden. Es soll sich um einen Buchhändler aus Halber st adt mit Frau und Tochter han­

deln. An einem zurückgelassenen Hut war ein Zettel befestigt, der die Aufschrift trug: Wir sind zusammen in den Tod gegangen und bit­ten um ein gemeinsames Grab.

XX Kinderräuber im Dorfe. Ein frecher Kindesraub wurde in der Ortschaft Lan­gendorf in Sachsen versucht, aber im letzten Augenblick verhindert. Vormittags elf Uhr ging eine Greisin mit ihrem Enkel, einem Nef­fen des dortigen Postverwalters, spazieren, als aus einem hinter ihr kommenden Automo­bil ein Mann sprang, ihr das Kind enttiß und versuchte, mit dem Auto zu entfliehen. Glücklicherweise stellten sich sofort einige be­herzte Männer dem Kraftwagen entgegen, so daß es gelang, dem Räuber das Kind zu ent­reißen. Der Räuber entkam in seinem Kraft­wagen aber unerkannt.

XX Hausfrauen-Revolution in Belgien. In Triviöres in Belgien rotteten sich Haus­frauen zusammen und zogen von Ott zu Ott, um gegen die Lebensmittelteuerung zu de­monstrieren. Der Zug war schließlich auf über fünftausend Köpfe angewachsen. In Peronnes zogen die Kundgeberinnen vor das Haus des katholischen Abgeordneten Graves und for­derten ihn auf, bei der Negierung zwecks Ab­hilfe der Lebensmittelteuerung vorstellig zu werden. Der Abgeordnete versprach, unverzüg­lich den Landwirtschaftsminister über diese An­gelegenheit zu befragen.

xx Anarchisten Rache . . .? Jäger entdeck­ten im Fichtenwalde bei C i v r i e u x in Frank­reich die völlig unbekleidete Leiche eines Mannes, die über einem offenen Feuer aufgehängt war. Die Füße und Beine waren bereits vollständig verkohlt. Neben dem Lei- cheufund bemettte man eine Nummer eines bekannten Anarchistenblattes, woraus man vermutet, daß es sich um eine terro­ristische Hinrichtung handelt. Die Be­hörden haben fofott eine eingehende Untersu­chung eingeleitet.

xx Entfesselte Elemente. Der Wald- brand in Simmenfluh in der Schweiz dehnt sich immer mehr aus. Das Feuer hat auch bereits die Waldungen des benachbatten Kienberg ergriffen. Unaufhörlich donnern Steinlawinen nieder, durch diese ist die Straße ins Simmenfluhtal völlig gesperrt. Auch einige Weiler sind bedroht. Um das Feuer einzu­dämmen, sollen ganze Waldstreifen wegge- sprengt werden.

xx Die Flucht vor der Cholera. Zwei­tausend Einwohner von Vendrell, Pro­vinz Tarragona, in Spanien verließen den Ort wegen einer dort herrschenden verdächtigen Krankheit. Es ist zu befürchten, daß dadurch die Seuche, es handelt sich wahrscheinlich um Cholera, verschleppt wird.

xx Wo ist das Unterseeboot? Große Beun­ruhigung ruft in englischen Mattnekreisen das Verschwinden des Unterseebootes Nr. 1 hervor, welches nach einer Tauchübung nicht wieder an die Oberfläche gekommen ist. Torpedoboote haben sich auf die Suche nach dem verlorenen Schiff gemacht.

xx Ein Drama auf dem Meer. In der Nähe der Hafenstadt T u c a j e l in Südamerika sind bei einem Schiffbruch einundachtzig Personen ums Leben gekommen. Unter den Verunglückten sollen sich auch mehrere Deutsche befinden, doch fehlen hierüber noch nähere Ein­zelheiten.

Sos Neueste au« kastel.

Mit dem Kurs nach Gotha.

Heute vormittag 5 Uhr 30 Minuten ist das Paffagierlustschiff der Delag, dieSchwa­ben" in Baden-Oos für die erste Etappe nach Berlin, Baden-Gotha aufgestiegen. Seit der

Iollar-Prinzefssrmeri.

t Tie Bekenntnisse einer Millionärtochter.

Wie aus N e w y o r k bettchtet wird, bildet derRoman" der achtzehnjährigen Tochter des amerikanischen Multimillionärs Und Eisen­bahnkönigs F r e n ch, die mit ihrem Chauf­feur Jack Geragthy davongelaufen ist, zur­zeit diegroße Sensation" der Newyorker Ge­sellschaft. Das Interessanteste an diesem ja nicht ganz ungewöhnlichen Vorfall ist ein Be­kenntnis der Heldin der Affäre, die im New Pork Evening Journal von den Leiden und Schicksalen einer Dollarprinzessin erzählt. Man wird ein allgemein menschliches Mitge­fühl der jungen Dame nicht versagen dürfen, über deren Kindheit bereits die Gespenster der Langeweile und des Unbefriedigtseins schweb­ten. Ihre frühesten Erinnerungen schweifen an den Strand von Neuport zurück, wo sie mit anderen Babys der NewyorkerVierhundett" im prachtvollsten Badekostüm die Wellen her­anbrausen sah und nicht fröhlich mit ihnen spielen durfte, weil ... das Auge der Bonne wachte. In der Schule las sie närrische Ge­schichten und hatte nur für Handarbeiten In­teresse, für alles, worin sie die Geschicklichkeit ihrer Finger zeigen konnte. Sie sollte aber lernen undgebildet" werden. Und allmählich wuchs sie dann mit einem geheimen Grauen in jene glänzend kalte Sphäre des Prunks und der steifen Festlichkeiten hinein, in der sie ihre Schwester Pauline sich bewegen sah.

Statt einer Gouvernante bekam sie mehrere Kammerzofen, mußte stundenlang stehen bis zum Zusammenbrechen und sich ein Dutzend der prächtigsten Kleider anprobieren lasten, die sie nicht mochte und nicht brauchte. Und dann das Jagen von Fest zu Fest, von Besuch zu Besuch. Sie schreibt darüber: Es langweilte mich schrecklich; es machte mich nervös, immer treppauf, treppab zu gehen und stets wieder die Kammerzofe zu finden, die mit einem neuen Kleid auf mich wartete. Und dann gab es so viele, die ich nicht kennen und mit denen ich nicht sprechen sollte, und das haßte ich be­sonders. Ach. ich wollte so gern mit dem Hausmeister eintaufen gehen, mit dem Gemüse­händler und dem Fleischer sprechen, weil die so ganz anders lebten und so ganz verschieden dachten, weil sie mir Neues und Interessantes sagten... Während des Landaufenthaltes in Cbester. wo die jungen Damen mehr sich selbst Überlassen wurden, konnte sie sich dieser Lust nm einfachen Leben binaeben. Sie aewann

einen Einblick in das Leben der kleinen Händ­ler, in diese schlichte und doch glücklichere Welt, nach der ihre Sehnsucht stand.

Und dann kam der große Moment,wo mein Herzensprinz in mein Leben trat". Die Mutter hatte ihr ein Auto geschenkt und Jack war der Chauffeur. Mrs. French machte die Tochter selbst darauf aufmerksam, wie hübsch und nett bet junge Mann sei, und rasch wurde er dasIdeal ihrer Träume". In der schrecklichen Zeit der Saison, wo sie in dem Gesellschastsrausch hintaumelte und Jack wenig sah. war der Gedanke an ihn ihre einzige Rettung. Das ging so d r e i I a h r e. Ob er nicht eine andere liebte? Ob sie seiner wür­dig war?Ich mußte mir gestehen, daß ich schlecht vorbereitet war, um Jacks Frau zu werden. Wohl hatte ich mir ein wenig Er­fahrung erworben im Haushalfführen, Kochen und Räben, aber es war noch nicht viel. In Chester vervollkommnete ich mich nun. Zwar hatte ich nie Gelegenheit, ein richtiges Esten zu kochen, aber ich kann Gemüse kochen und Kompott, ich kann Tee und Kaffee machen und ich habe auch schon manchmal Fleisch gekocht. Ach, wie gern tue ich das: Ich bin sicher, ich werde meinem Jack das Haus führen können. Aber das war nicht die einzige Schwierigkeit; wir hatten sehr wenig Gelegenheit, uns zu sehen, und ich wußte nicht, ob et mich wirklich liebte. Erst vor drei Monaten etwa haben wir uns verlobt. Es war auf einer Auto- fahtt, als er mich fragte, und ich. wie glücklich war ich! Ja, ich fühlte es: Ich war das fröhlichste Mädel in bet Welt, weil ich seine Liebe hatte ...!" -as-

Kleiner Fenilleton.

"£=. Hoftheater Cassel. Am Donnerstag ge­langt im HoftheaterP r e z i o s a" von Pius Alexander Wolff mit der Musik von Carl Ma­ria von Weber zur Ausführung. Die Titelrolle spielt Fräulein S t i e w e. Der bekannte Hel­dentenor Hofopernsänger Vogelstrom aus Mannheim ist erneut für ein Gastspiel gewon­nen worden: Herr Vogelstrom wird am vier­zehnten September in der VorstellungDie Meistersinger von Nürnberg" die Partie des Walter Stolzing singen. Diese Vorstellung findet bei aufgehobenem Abonnement zu ge­wöhnlichen Preisen statt.

Casseler Künstlet auf Gastspielreisen. Am letzten Sonntag gastierte bet königliche Sänget C. Groß von unieret Bühne im Hof;

theatet zu Hannover, dessen Verband der Künstlet früher angehött hat. Herr Groß, der sich auch in Hannover großer Beliebtheit er­freut,sang bei starkem Beifall den Papagcno in derZauberflöte". Gestern wurde Herr Groß abermals nach Hannover gerufen, um an Stelle des Herrn Fleischet den Zaren zu singen.

-2z Nachwehen zum Biebrichet GesangS- wettstteii. Auf dem vom 22. bis 24. Juli in Biebrich am Rhein abgehaltenen Gesangs­wettstreit war es wegen der Entscheidung des Pteisrichierkollegiums bei Zuerkennung der Preise zu einem Zwischenfall gekommen, weil Musikdirektor Bischof-Frankfurt, der Dirigent des konkurrierendenLiederktanz"-Nied dem Preisrichter Musikdirektor Hallwachs- Cassel wegen angeblicher ungerechter Be- weriung seines Vereins Vorwürfe machte. Bi­schof hatte schon vor Beginn des Gesangsweti- streits gegen den in dieser Klasse singenden VereinQuartettvetein Loreley Barmen-Lan- getfeld" Protest erhoben, weil dieser Verein einen Betufssänget im ersten Tenor führe. Der zuständige Ausschuß hatte diesen Protest verworfen, nachdem er sich vorher über die Persönlichkeit des angeblichen Berufssängets informiert hatte. Es "handelt sich um einen Schlosset Niegemeyet aus Batmen-Langetfeld, der über einen feht schönen Tenor versügt, sich deshalb bei dem Musikdirektor Senff-Düsseldorf für das Theater ausbilden läßt und bereits für die kommende Saison an das Stadttheater in Krefeld enga­giert ist. Jetzt geht Niegemeyet aber noch feinem Schlosserhandwetk nach. Der Protest des Liederkranzes Nied wurde deshalb abae- wiesen. Wie sich jetzt herausstellt, soll Musik­direktor Bischof bet feinen Erkundigungen über Niegemevet den Namen eines ande­ren Musikdirigenten angewendet haben. Die Angelegenheit soll deshalb noch ein Nachspiel haben.

iL DasNeue Theater" in Franffutt o. M. In F t a n I f u r t a. M. wird in den nächsten Tagen die Eröffnung desNeuen The­aters" stattfinden, das unter bet Leitung von Artur Hellmer und Max Reimann das moderne Drama und Lustspiel pflegen will. Literarische Mattnees, Gastspiele hervorragen­der Schauspieler und Schauspielerinnen, reiche Abwechflmtg, keine Stagnation, frisches Leben: Alles das versprechen die tatträftigen neuen Männer. Das Haus, ein Werk der Frankfur­ter Atchiietten Vietze und Helfttch, ist kein im­

ponierender, protziger Bau, sondern ein ein­facher, schlichter, dennoch vornehm und würdig, ohne viel Marmor und goldenen Verputz. Eine mit allen technischen Neuheiten ausgestattete, auch für klassische Stücke genügende Bühne bie­tet Raum für rund achthundert Personen.

Derzornige" Bismarck. Ein eigentüm­licher Vorfall erregt die Bürgerschaft von Ar­tern (Provinz Sachsen). Dort fiel am Se­da n t a g, mittags zwölf Uhr, vom Bismatck- bentmal am Rathaus ohne jegliche sichtbare Veranlassung, auch nicht durch Erschütterung, plötzlich das große Schwert zur Erde nie­der, und unmittelbar danach stürzte von der Figur auch der Arm, der sich auf das Schwert gestützt hatte, herab. Der seltsame Vorgang wurde natürlich aufs lebhafteste kommentiert und namentlich auch mtt unserer Marokkopoli­tik symbolisch in Verbindung gebracht. Ein Be­weis dafür, daß die abergläubische Spielerei mit Vorzeichen und Prophezeiungen, die im Altertum und Mittelalter eine so große Rolle gespielt hat, auch noch in unseren Tagen getrie­ben wird.

Ein Denkmal für den Luftschiffer Blan- chard. Für den Luftschiffer Blanchard, der am siebenten Januar 1785 als erster in einer Morttgolfiere den Kanal überflog, ist in seiner Heimatsstadt Petii-Andely in der Nähe feines Geburtshauses ein Denkmal enthüllt worden. Es besteht aus einer etwa drei Meter hohen Steinsäule, um die sich eine Wolke in Bronze zieht, und die ein Medaillon in Form eines Ballons mit dem Bildnis des Luftschif­fers von der Hand des Bildhauers Ducnina trägt.

t£ü Kurze Notizen.Der Ring des Gauklers" heißt ein neues Drama, das Max Halbe nach längerer Pause in feiner Bühnenprobuttion soeben fertiggestellt hat. Es ist ein deutsches Schauspiel, das zur Zeit des dreißigjährigen Krieges spielt.Jeder­mann", ein neues Stück, das Hugo von Hoffmannsthal frei nach dem Englischen bearbettet hat, wird von Reinhardt am zehnten September zum ersten Male in deut- fcher Sprache im Münchener Künstler- theater aufgeführt werden. Die im Ver­lage von Caffirer-Berlin erscheinende Zeit­schriftP a n", die in der letzten Zeit sich ver­schiedentlich durch einige scharfe Artikel bemerk­bar machte, ist auch jetzt für den Verkauf in den bayerischen Bahnhofsbuch» Handlungen verboten worden»