Einzelbild herunterladen
 

Nr. 232. 1. Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

Mittwoch, 6. September 1911.

erst war griechisches, dann türkisches Militär in die Gegend gekommen. Die Räuber rekla­mierten bei den Unterhändlern wegen ihrer Verfolgung durch die Türken, worauf diese größtenteils zurückgezogen wurden. Die Räu­ber vertrieben sich inzwischen die Zeit mit Kar­tenspiel und Kartenlegen. Nach fünf- bis sechswöchentlicher Gefangenschaft entnahm ich den Reden der Räuber, daß diese beschlossen hatten,

mich zu töten, selbst wenn ein Lösegeld bezahlt worden sei. Manchmal waren sie tm Begriff, sich auf mich zu stürzen, mich zu ermorden, selbst wenn ich schlummerte. Jedoch hielt sie stets im letzten Momente eine geheimnisvolle Macht zurück. Ich stand dabei entsetzliche See­lenqualen aus. Die Räuber hatten unter» dessen große Summen erhalten. In der Frühe des zweiundzwanzigsten August ka­men Strati und Flolios, brachten die restlichen fünfzehnhundert Pfund und verteilten das Geld untereinander. Dann sollte die Höhle verlassen werden. Man kam überein, m i ch z u töten, sobald die Flucht angetreten sei. Strati schlug vor, mich zu betäuben und liegen zu lassen. Er wurde aber über­stimmt. Zwei Räuber, darunter ein Junge, wurden ausersehen, mich umzubringen. Nach erfolgtem Abstieg setzten wir uns nachts am Wege hin. Es war ein wunderschöner Abend. Mir war ganz feierlich zu Mute. Auch die Räuber waren in ähnlicher Stimmung. Man sprach wenig,

niemand wagte mich anzurühren. Plötzlich tauchte in der Ferne eine Patrouille mit Laternen auf. Wir mußten wieder fliehen, verließen den griechischen Boden und über­schritten die türkische Grenze. Ein Kilometer jenseits derselben rasteten wir in der Nacht zum dreiundzwanzigsten August. Infolge der Anstrengung und des Mangels an Wasser, so­wie der großen Hitze, Aufregung und drei­monatlicher Bewegungslosigkeit war ich zu Tode erschöpft. Strati stützte und trug mich mehr, als ich ging. Ein junger Räuber, der mich mit umbringen sollte, war inzwischen entflohen. Endlich zeigte man mir in großer Entfernung die Lichter einer großen Ortschaft: Dort würde ich Wasser bekommen. Man gab mir acht Goldstücke und ein Silberstück, die Räuber drückten mir die Hand und sagten Adio. Ich war frei, und meine letzten Kräfte einsetzend, gelangte ich in beklagenswer­tem Zustande nach Elassona . . .

Eduard Richter.

ArbettsMmpse in aller Wett.

Hamburg, Düsseldorf, Nürnberg, Halluin.

Wie uns ein Privat-Telegramm aus Hamburg meldet, fand dort gestern abend eine Generalversammlung der im Deut­schen Metallarbeiter-Verband organisierten Elektriker statt, die sich mit dem Lohn­kampf in der Berliner Elektrizitäts-Industrie beschäftigte. Die Versammlung, die äußerst stürmisch verlief, nahm schließlich mit fünf» hundertvier gegen zweiundfünfzig Stimmen einen Antrag an, die Arbeit am heutigen Dienstag in allen Betrieben nieder­zulegen, da die Arbeitgeber es ablehnten, mit dem Deutschen Metallarbeiter-Verband wegen Abschluß eines Tarifvertrages in Ver­handlungen zu treten. Weitere Depeschen melden uns:

*

Düsseldorf, 5. September.

Die Metallarbeiterbewegung hat zu einem Nachgeben der Arbeitgeber geführt. Vier­zig Betriebe mit siebentausend Arbeitern be­

willigten die gestellten Forderungen. In mehreren Werkzeugmaschinensabriken streiken nur noch etwa siebenhundert Mann. Es ist in­dessen anzunehmen, daß in den nächsten Tagen eine allgemeine Einigung zustande kommen wird, die den Lohnkampf endgültig beendet.

Nürnberg, 5. September.

Im Nürnberger Speditionsgewerbe ist gestern mittag der Generalstreik aus- gebrochen, weil die Arbeitgeber die Lohnfor­derungen der Arbeiter nicht voll befriedigen. Auch in Fürth haben famtliche organisierten Transportarbeiter die Arbeit niedergelegt. Die Stimmung der Streikenden ist fehr erregt, und es ist mit der Wahrscheinlichkeit zu rechnen, daß der Streik noch weitere Ausdeh­nung annehmen wird. Die Arbeitgeber sind entschlossen, auf ihrem Abkommen zu beharren. Paris, 5. September.

In Halluin verfuchten gestern ausständige Weber, nicht organisierte Weber zur Nieder­legung der Arbeit zu veranlassen. Hierbei kam es zu R u h e st ö r u n g e n. Zwei Arbeiter wurden schwer verletzt. Schutzleute und zirka zwanzig Arbeiter erlitten leichtere Ver­letzungen. In Nantes kam es gestern abend zwischen streikenden Bergarbeitern und Gen­darmen zu einem blutigen Zusammen- st o ß. Ein Gendarm wurde lebensge­fährlich, neun andere fchwer verletzt. Von den Streikenden erlitten zwanzig schwere Ver­letzungen.

Sie Politik der Lager.

s Die Ausführung des Feuerbestattungs­gesetzes. Aus Berlin meldet uns ein Te­legramm unsers Korresponden- t en: Die Aussührungsbestimmungen zum Fenerbestattungsgesetz in Preußen sind in den zuständigen Ressorts ausgearbeitet und nun­mehr fertig gestellt worden. Nachdem das Ge­setz die Genehmigung des Königs erhalten hat und amtlich veröffentlicht worden ist, werden die Ausführungsbestimmungen den Regie­rungspräsidenten zugehen. In erster Linie wird durch die Ausführungsbestimmungen das Verbleiben der Urnen geregelt werden. Die Bestattung bezw. Beisetzung der Aschenreste soll auch außerhalb der Urnenhallen guge= lassen werden, sofern dir Behörden keinen Em- spruch erheben.

Bajnvaria ... Nach telegraphischen Meldungen aus München beschäftigte sich das dortige Ortskartell des Bezirksverbandes der christlichen Arbeiter und Arbeiterinnen in einer Versammlung mit den h o h e n Fleisch­st r e i s e n. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der der Magistrat aufgefordert wird, bal­digst die nötigen Schritte zur Herabset­zung der hohen Fleischpreise zu un­ternehmen. In der Diskussion kam es nach heftigem Wortwechsel bald zu Raufereien. Einer der Redner bemerkte nämlich, das, was die Resolution wolle, hätten die Sozialdemo traten bereits im Jahre neunzehnhunderwier im Rathaus verlangt, sie seien aber von den übrigen Parteien, insbesondere von den Zem trumslcuten, niedergestimmt worden. Schließ­lich wurde der Lärm- derart, daß der Redner des Abends nicht mehr weiter sprechen konnte und nach weiterem Hin und Her wurde er schließlich aus dem Saale befördert. Erst nach längerer Zeit konnte die Ruhe wieder hergestellt werden.

tS1 Spanische Anarchisten-Pläne? Depeschen aus Bern zufolge geht in Freiburg das Ge­rücht, spanische Anarchisten hätten den Plan gefaßt, den spanischen Thronerben, Prin­zen Jaime, der sich in Freiburg wegen eines Ohrenleidens in ärztlicher Behandlung befin­

det, zu entführen. Der Prinz befindet sich in einer Villa in Freiburg, die er nur mit der Marquise Salamander in einem Wagen ver­läßt. Unmittelbar hinter diesem Wagen folgt ein zweiter, in dem sich zwei spanische Geheim­polizisten befinden. UeberbieS folgen feit eini­gen Tagen auch Freiburger Polizisten dem Wagen. Die Villa wird Tag und Nacht streng überwacht. Seit der Abreise der Königin wurde die Ueberwachung des Prinzen noch verschärft.

s Nene Teuerungskrawalle in Belgien. Ein Privattelegramm berichtet uns aus Brüssel: Die Bewegung gegen die Le- bensmittelteuerung hat jetzt auch in der Hauptstadt Belgiens eingesetzt, und zwar kam es gestern auf dem Grande Place zu einem Marktkraw.all. Die durch die Preisver­teuerung arg geschädigten Gemüsehändler ver­trieben bk Aufläufer vom Markte und warfen ihre Warenvorräte auf die Straße. Die Po­lizei hatte Mühe, die Hunderte von handfesten Hökern zur Ruhe zu bringen. Es wird be­fürchtet, baß dies nur der Anfang ausge­dehnter Kundgebungen sein wird, denn in Brüssel sind die Lebensmittelpreise be­deutend höher als sonst im ganzen Lande.

*

Depeschen aus Petersburg zufolge wurde in Nertschinsk in Sibirien der Chef des Zuchthauses, in dem im vorigen Jahre Sassonow, der Mörder Plehwe's, nach erhaltener Prügelstrafe starb, von einem, sich als Ingenieur ausgegebenen Unbekannten durch zwei Revolverfchüsse erhoffen. Der Mörder entkam.

Nach einem Telegramm aus Mexiko sind die Regierungstruppen unter General Mora­les bei Chienainanca mit einer Truppenabtei­lung des Generals Zapata zusammengestoßen. Fünfzig Anhänger Zapatas sollen getö­tet worden fein. Zapata selbst fei gefallen.

Aus Wien wirb berichtet: Aus Anlaß ber Teilnahme des Erzherzogs Franz Ferdinand an den deutschen Flottenmanövern hat Kaiser Franz Josef eine Reihe von Or­densauszeichnungen verliehen, darunter das Großkreuz des St. Stesanordens an den Groß­admiral von Tirpitz und das Großkreuz des Leopoldsordens an den Admiral Ho Itzen­dorfs.

Neuer vom Lage.

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.) ru: Zusammenstoß zwischen Bonner Studen­ten und Polizisten. In B o nn kam es zwischen Studenten und Polizisten zu Schläge­reien. Drei Studenten der Landwirtschaft benahmen sich in einem Tanzsaal übermäßig laut. Als ber Wirt sie aufforderte, das Lokal zu verlassen, zertrümmerten sie Flaschen, Gläser und Stühle. Einige Schutzleute, die bald er­schienen, wurden von den Studenten angegrif­fen. Die Polizisten zogen schließlich blank und hieben auf die Angreifer ein. Zwei Studenten wurden fchwer verletzt.

Rr Aus Rache . . .? Gestern betrat in Berlin die Prostituierte Agnes Weißkopf den Laden des Schlächtermeisters Kemnitzer im Hause Barnimstraße 29 und verlangte den Schlächtergesellen Franz S p a g n e s zu spre­chen. Als Spagnes in dem Laden erschien, zog die Weißkopf blitzschnell eine Flasche aus der Tasche und goß ihm Salzsäure ins Gesicht. Man brachte den Schwerverletzten nach der Königlichen Klinik in der Ziegelstraße. Die Täterin wurde festgenommen.

xx Ein furchtbares Familiendrama. Ein noch unaufgeklärter Vorgang trug sich in Lehn­dorf bei Altenburg zu. Der Äahnarbeiter S t a r ck e wurde auf dem Bahnkörper der Leipzig-Hofer Strecke, vom Zuge überfahren, tot aufgefunden. In feiner Behausung sand

man Frau und Tochter mit lebensgefährlichen Verbrennungen bewußtlos vor. Man befürchtet, daß Mutter und Tochter nicht mit dem Leben davonkommen.

- Eine nächtliche Mefferfchlacht. Gestern nacht fand in Landshut in Niederbayern vor einer Wirtschaft am sogenannten Rennweg zwischen Wirtshausgästen eine förmliche Schlacht statt. Der Bauernsohn Balthasar Heim wurde, nachdem et einen Tischler nie­dergeschlagen hatte, von mehreren Män­nern mit Messern überfallen und derart zuge­richtet, daß er heute mittag im Krankenhaus verstarb. Drei andere Teilnehmer wurden fchwer durch Messerstiche und Steinwürfe ver­letzt. Zwei Täter wurden verhaftet.

xx Wieder eine Ehe-Tragödie. Ein schreck­liches F a m i l i e n d r a m a hat sich in Kaufbeuren zugetragen. Der im Rosental wohnhafte Kutscher Schuster geriet mit sei­ner Frau in heftigen Streit, er ergriff ein auf dem Tisch liegendes schwedisches Messer und schnitt seiner Frau den Hals vollstän- d i g durch. Als er sich überzeugt hatte, daß die Frau tot war, flüchtete er. Ehe er ergrif­fen werden konnte, erhängte er sich in einet Scheune.

xx Ein Attentat auf den Schnellzug. In einer der letzten Nächte wurde auf den Schnellzug Breslau-Gleiwitz ein Atten­tat verübt. Kurz vor der Statitou Sabent hoben die Attentäter eine der Bahnmeisterei gehörende D r ä f i n e quer über die Schienen. Der die Station nachts eineinhalb Uhr passie­rende Schnellzug mußte in voller Fahrt auf die Dräsine fahren. Das Fahrzeug wurde voll­ständig zertrümmert, aber eine Entgleisung des Zuges, die ein unübersehbares Unglück im Ge­folge gehabt hätte, vermieden. Man ist den Tätern auf der Spur.

XX Fünf Nächte hilflos im Freien. Eine bei Ettal in der Nähe von Oberammergau bei einer Bergtour schwer verunglückte Kunst­malerin aus Karlsruhe tft erst jetzt aufge­funden worden, nachdem sie fünf Nächte bei Kälte, Sturm und Regen hungernd, dürstend und frierend zugebracht mit gebrochenen Beinen im Freien gelegen hatte, und nicht ge­funden werden konnte.

xx Schwere Explosion auf einem Panzer­schiff. Dem Kommandant der holländisch-indi­schen Flotte wird aus Batavia gedrahtet, daß bei Schiffsübungen an Bord des Panzer­schiffesHertog Hendrik"' ein Geschoß im Laufe explodierte und das Geschütz zersprungen sei. Drei Mann wurden tödlich verwundet und starben, fünf andere wurden schwer und sieben leichter verletzt.

xx Entfesselte Elemente. Ein großes Scha­denfeuer zerstörte in K i n g s t o n bei Glas­gow das Gebäude der Cooperative So­ciety, das eines der fchönsten der ganzen Stadt ist. Der das Gebäude zierende Turm war während des Brandes ständig eine Gefahr für die Feuerwehrleute. Schließlich brach er mit großem Krachen in sich selbst zusammen, wobei brennende Holzstücke in weitem Umkreis umherflogen, ohne aber Unglück anzurickten. Der Schaden wird aus 100 000 Pfund Sterling angegeben.

xx Feuer in den Eisenschmelzwerken. Aus Winnipeg wird gemeldet,daß die großen Eiseu- chmelzwerke in Nelson auf Britisch-Colum- bien ein Raub der Flammen geworden sind. Der angerichtete Schaden beträgt mehr als 200 000 Pfund Sterling.

Sos Neueste aus Kassel.

DieSchwaberr"-Fahrt nach Gotha.

Heute ist der Tag, an dem das Luftschiff Schwaben" ber Deutschen Luftschiffahrts- gesellschast seinen Standort in Äaden-Oos

Hoftheater NodMm.

Die Neuerwerbungen des Hoftheaters.

Wie uns die Intendanz des Hc> sthea - fers mitteilt, sind für die eben begonnene Spielzeit im Schauspiel vorläufig folgende Novitäten zur Ausführung bestimmt wor­den: Zunächst der in Berlin bereits über hun­dert Mal gegebene SchwankMeyers" von Fritz Friedmann-Frederich, hierausErde", Komödie eines Lebens des durchGlaube und Heimat" zu schneller Berühmtheit gelangten Verfassers Karl Schönherr. Bedeutende Thea­terfachleute und Literaten, wie Paul Schleniher und Hermann Bahr, bezeichnenErde" als das bedeutendste Werk Schönherr's. Es folgen fer­ner: Das am Neuen Theater in Berlin und anderen Bühnen bereits unzählige Male zur Aufführung gelangte LustspielMein er­lauchter Ahnherr", von Alfred Schmie­den, das an den Hoftheatern zu Dresden und Wiesbaden und verschiedenen Stadttheatern mit großem Erfolg gegebene literarisch bedeu­tende TraumspielHans Sonnen st ößers Höllenfahrt" von Paul Apel, ferner das interessante WerkDer Kardinal", von Max Grube und Rudolf Lothar, Hermann Su­dermanns SchauspielS t r a n d k i n d e r", das SchauspielDorothys Rettung, von Alfred Sutro (übersetzt von Karl Johan­nes Schwarz) und Hermann Bahrs Lustspiel Wienerinnen". Auch Karl Schönherrs Glaube und Heimat" wird zur Auffüh- rung vorbereitet undPenthesilea" von Heinrich von Kleist, in der Bearbeitung von Paul Lindau. Nachdem bereits Gustav Frey- tagS MeisterlustspielDie Journalisten" im Kostüm der Biedermeierzeit, sowieIphigenie auf Tauris" neueinstudiert in Szene gingen, soll noch int September GoethesGötz von Berlichingen mit der eisernen Hand" herausgebracht werden. Zum ersten Mal wird hier "dieses gewaltige Werk in der Fassung von 1773 (im Gegensatz zu ber bisher üblichen Goetheschen Bühnenausgabe, der der Dichter selbst nur geteilte Freude entgegen trug) zur Aufführung gelangen. Es folgen bann an Neueinstudierungen: Zu Schillers GeburtstagDie Braut von Messina", ferner voraussichtlichDie Hermannsschlacht", zum ersten Male in ber Urfassung und nicht in der bisher hier ge­gebenen Bearbeitung von gebot Wehl, ,D i e Verschwörung des Fiesko" von Schiller, Shakespeares KönigSdramenHein­rich bei Vierte", (erster und zweiter Teil)

undHeinrich ber Fünfte". Weiter sind vorläufig noch vorgemerkt: Das Lustspiel Der Familientag" sowie die Posse Lumpaci vagabundus". Unterhand­lungen wegen Erwerbung weiterer interessanter Novitäten sind dem Abschluß nahe gebracht.

*

In der Oper erschien bereits die komi­sche OperDie kleinen Michus" von O. Messager. An Novitäten gelangen weiter zur Aufführung:Die Königskinder", Mu- sikmärcben von Humperdingk;Der Rosen­kavalier", musikalische Komödie von Ri- ckard Strauß;Tosca", Musikdrama von Puccini:Stella maris", musikalisches Schauspiel von Alfred Kaiser;Dame Ko­bold", komische Oper mit der Musik zuCoss san tutte, von Mozart (nach dem Calderon'- schen Lustspiel eingerichtet von Carl Scheide- inantcl);Samson und Dalila", große Oper von Saint-Saens undN anon", komi­sche Oper von Gen^e. N e u e i n st u d i e rt gingen bereitsDer Waffenschmied", von Lortzing undD er fliegende Hol­lander", von Richard Wagner (ohne Kür­zung) in Szene. Es folgen an Neueinstudie­rungen: MozartsEntführung aus de m Serail", zum Geburtstage der Kaise­rin, und als Feier des hundertsten Geburts­tags von Liszt:Die Legende von der heiligen Elisabeth", von Franz Liszt.

ter der exakten Leitung des Herrn Musikdirek­tors Dr. Zulauf bewegte sich auf einer durchweg beachtenswerten Höhe, und die leicht­flüssigen, italienischen Melodien schienen dem Orchester keine Schwierigkeiten zu bereiten. Neu war in der Partie desOskar" Fräulein Gates; die Pagenrolle bewies von neuem die schon mehrfach erwähnten gesangstechnischen Vorzüge unserer neuen Koloratursängerin. Allerdings war die Künstlerin in den großen Finales kaum zu hören, da der nicht großen Stimme die Durchschlagskraft fehlte. In der Darstellung gab Fräulein Gates mit den gra­ziösen Bewegungen einen frischen und flotten Edelknaben. Die Besetzung ber Haupt­partien ist unverändert geblieben und be­darf deshalb keiner besonderen Erwähnung. Frau B e r n y war als Amelia besser, wie wir es in letzter Zeit gewohnt waren, doch läßt das Spiel immer noch das nötige Interesse ver­missen. Fräulein Her per brachte die Be- schwörungsszene der Zigeunerin wieder wirk­sam zur Geltung. Die Herren K o e g e l (Graf Richard) und Wnz 6 l (Rens) boten wie im­mer gesanglich prächtige Leistungen. Nur müßte Herr Koegel dem Grafen Richard im ersten Akt mehr Hoheit und Würde verleihen. Die kleineren Rollen wurden durch die Herren Ulrici und Bartram wirkungsvoll veran­schaulicht. Leider war die Aufführung nur mäßig besucht. -hse-

fernerFra Diavolo" und ,M a u r e r

n nd Schlosser", von Ander. Zahlreiche Gastspiele berühmter Künstler und Künstlerin­nen sind bereits abgeschlossen. Den Reigen be­ginnt am vierzehnten September alsStol- zing" inDie Meistersinger" der hier sehr be­kannte Herr Vogelstrom.

*

Am morgigen Mittwoch geht im Hoftheater der SchwankMeyers", von Friedmann- Frederich zum ersten Male in Szene. Die Re­gie führt Herr Verend. Am Donnerstag wird S8 r e c i o f a mit Fräulein Sttewe in ber Ti­telrolle gegeben, und für Freitag ist eine Neu­einstudierung der OperDie Entführung aus dem Serail", von Mozart, vorge­sehen.

Maskenball" im Hostheater.

Die gestrige Verdi-Ausführung.

Die Neueinstudierung desMasken- Halls" von Verdi reicht noch ins alte Thea- teriabr zurück. Die gestrige Wiederholung un=. _

Kleines Feuilleton.

Provisorium in ber Leitung der Han noverschen Hofbühne. Aus Hannover mel- bet uns ein Privat-Telegramm: Zur interimistischen Leitung bes hiesigen König­lichen Theaters ist ber seit langer Zeit bei ber Jntenbanz beschäftigte Freiherr von Puttkamer berufen worben. Die befinitibe Besetzung des Postens dürfte erst im nächsten Jahre erfolgen, da die Berufung Puttkamers nur ein Uebergangs-Stadium barstellt.

-5- Ein neuer literarischer Prozeß. Ein in­teressanter Prozeß wegenliterarischer Un­zucht" wird demnächst in Berlin zur Ver­handlung kommen: Soeben ist gegen Her­bert Eulenberg und die Herausgeber des Pan", Wilhelm Herzog und Paul Cas- firer, Anklage erhoben worden. Sie schei­nen auf Antrag des Staatsanwalts hinreichend verdächttg, unzüchtige Schriften herge- stellt, verkauft, verbreitet und zum Zwecke der Verbreitung vorrätig gehalten, jm haben, und.

zwar gemeinschaftlich. Es handelt sich um einen Aussatz Herbert Eulenbergs, der am ersten April imPan" veröffentlicht worden war, den Brief eines Vaters unferer Zeit".

Die Leipziger Frauenhochschule. Jrn Oktober soll die Hochschule für Frauen eröffnet werden, die der Verein für Familien- und Volkserziehung in Leipzig ins Leben ruft. Drei der angesehensten Leipziger Hochschul­lehrer, Johannes V o l k e l t, Albert Koster und Karl Lamprecht, sind ins Kuratorium eingetreten. Die Hochschule will einmal der Frau für die Ausübung des mütterlichen Erzie­hungsberufs eine auf gründlicher Einsicht beruhende Vorbereitung geben, ferner sie be­fähigen, sich den mannigfaltigen gemeinnützi­gen Aufgaben, die ihr innerhalb des Staates, der Gemeinde, ber Gesellfchast erwachsen, mit weitem Blick und vollem Verständnis für die Bedürfnisse ber Gegenwart zu widmen.

15-Madame Serafin". Man schreibt uns aus Hamburg: Das Reue Operettentheater bat amSonntag unter der künstlerischen Leitung Wilhelm Bendiners die Saison mit der Ur­aufführung einer Vaudeville-Operette Madame Serafin" von Okonkowski und Granichstädten (Musik von Robert Winterberg) wieder eröffnet. Das ausverkaufte Haus nahm die Novität fehr freundlich auf und amüsierte sich sehr gut über die Tollheiten und vielfachen Unmöglichkeiten derOperette", über die» das ausgezeichnete Spiel der Darsteller vielfach hinweghalf.

15: Abermals ein Bilder-Diebstahl. Wie aus Paris berichtet wird, wurden aus der Erlöser-Kirche in Verdun von einem Unbe­kannten drei Bilder von hohem Werte ge­stohlen. Der Diebstahl wurde am hellichten Tage ausgeführt, während der Pfarrer eine Taufe vollzog. Tie drei gestohlenen Gemälde stellenChristus", dieHeilige Clara" und Maria Magdalena" dar und besitzen einen hohen Wert.

i2s Perosis neueste Kompositionen. Lo­renzo Perosi, ber bekannte geistliche Kompo­nist, hat (wie uns aus Rom berichtet wirb) soeben ein neues OratoriumVesperti na Oratio", beenbet. Außerdem hat er in Via- reggio, wo er feit einem Monat weilt, die bei­den neuen SuitenMefsina" undBologna" inftrumentiert. Diese Suiten bilden mit den bereits zur Aufführung gebrachtenFlorenz", Neapel" undVenedig" eine Huldigung, die Perosi den italienischen Großstädten zuteil werden lassen will.